Die Gestaltung von Parks und anderen Grünanlagen mit Hilfe von Beeten und Rabatten ist eine über mehrere Jahrhunderte entwickelte Kulturtechnik des Gartenbaus und der Landschaftsgestaltung. Seitdem unterlag sie gravierenden Veränderungen, da sich die damit verbundenen Ziele sowie der Zeitgeschmack änderten. So standen bei der Anlage von Beeten und Rabatten für eine geraume Weile fast ausschließlich ästhetische Aspekte im Vordergrund. Doch in jüngster Zeit rücken neue Ziele immer stärker in den Fokus – nicht nur bei den Zuständigen in den Grünflächenämtern, sondern auch bei Bürgerinnen und Bürgern.
Der massive Artenschwund und die Verarmung der Biodiversität werden immer deutlicher sichtbar und verschärfen sich im Zuge des fortschreitenden Klimawandels noch weiter. Gartenbauer:innen und Landschaftsgestalter:innen sind gefordert, ihren Beitrag zu einer Umkehrung dieses negativen Trends zu leisten. Im Kern geht es dabei darum, die Erwartungen der Garten- und Parkliebhaber mit den Bedürfnissen vor allem der Insekten, die auch in Beeten und Rabatten einen Lebensraum finden sollen, unter einen Hut zu bringen. Während sich also die einen ein ansprechendes Erscheinungsbild mit “Lieblingsblumen” und vertrauten Gewächsen wünschen, brauchen Bienen, Schmetterlinge und andere Insekten Nahrung für sich und ihre Larven, geschützte Räume zum Verstecken, für die Eiablage und zum Überwintern.
Zum Glück verfügen Gartenfachleute über wirkungsvolle Instrumente zur Förderung der Artenvielfalt, auch in Beeten und Rabatten.
So schaffen mehrjähriger Stauden mehr Lebensraum als einjährige Blumenmischungen. Ihre Blüten sind Insektenweide, ihre Blätter ernähren Raupen, hohle Stängel und Falllaub bieten Versteckmöglichkeiten, Brutraum für die Eiablage und einen Platz zum Überwintern für manche Arten. Geht es den Insekten gut, profitieren auch die Vögel, die mit ausreichend Beute ihre Brut großziehen können.
Die Auswahl einheimischer Arten sowohl bei einjährigen Blumen als auch bei mehrjährigen Stauden und bei Gehölzen stellt eine optimale Anpassung an den örtlichen Standort sicher. Das ist vor allem wichtig für das Wasser- und Nährstoffmanagement – und für den Personalbedarf zur Pflege der Anlagen.
Ein ökologisch wertvolles Pflanzensortiment setzt sich aus trockenheitsverträglichen und sonnenhungrigen Stauden, Halbsträuchern und Gräsern zusammen. So muss nur selten gewässert werden. Bei Schnittmaßnahmen vor allem im Herbst bleibt ein Teil der Stauden unberücksichtigt, um die Überwinterungsverstecke der Insekten nicht zu vernichten.
“Lieblingspflanzen” von Menschen und Insekten sind naturgemäß nicht unbedingt identisch. Das ist nicht nur für die gartenbauliche Planung der Artenzusammensetzung wichtig, sondern auch für die Kommunikation mit den Bürgerinnen und Bürgern. Gartenbesucher müssen verstehen und akzeptieren, dass gefüllte Blüten zwar das Auge erfreuen, aber den Magen von Insekten nicht füllen können. Wer die Artenvielfalt fördern möchte, muss den Kompromiss aus Schönheit für Menschen und Nutzen für Insekten in der Artenkomposition von Beeten und Rabatten finden.