Pflege von Wiesen, Rasen und Straßenbegleitgrün

Pflege von Wiesen, Rasen und Straßenbegleitgrün

Ob als Zierrasen, Liegewiese oder Streifen entlang unserer Straßen, ob zum Ballspielen, als Verkehrsinsel oder als Tummelplatz für Wildbienen und Co: Die ”grünen Teppiche“ in unserer Stadt haben viele wichtige Aufgaben, bei deren Erfüllung wir sie gerne unterstützen.

Die am häufigsten gestellten Fragen zum Thema ”Pflege von Wiesen, Rasen und Straßenbegleitgrün":

  • 1. Wiese, Weide, Rasen – Was wird unter diesen Begriffen verstanden?

    Wiesen und Rasen bilden flächenmäßig den bedeutsamsten Anteil am öffentlichen Grün. Ob als Zierrasen, Liegewiese oder Straßenbegleitgrün, prägen sie maßgeblich das Stadtbild Berlins und erfüllen dabei viele wichtige Aufgaben.

    Während im allgemeinen Sprachgebrauch die Begriffe Wiese und Rasen oft synonym verwendet werden, sind sie in der Gartenbaupraxis unterschiedlich definiert. Vereinfachend lassen sich Zier-, Gebrauchs- und Landschaftsrasen sowie Wiesen und Weiden unterscheiden. Sie zeichnen sich durch jeweils typische Artenzusammensetzungen aus, die ihre eigenen Ansprüche an die Pflege zur Aufrechterhaltung ihrer Erscheinung und ihrer Funktionalität mitbringen.

    Ein Zierrasen erfüllt in erster Linie ästhetische Funktionen und besteht aus feinblättrigen Gräsern von wenigen Arten. Besucher sollen sich am Farbkontrast zu Rabatten und Schmuckbeeten erfreuen, den Zierrasen aber nicht betreten. Der klassische Englische Rasen verkörpert auf vollkommene Weise diesen Typ.

    Ein Gebrauchsrasen ist ein gärtnerisch angelegter Rasen, der auf verschiedenste Weise soziale Funktionen erfüllt. Im Gegensatz zum Zierrasen soll der Gebrauchsrasen betreten und genutzt werden, zum Beispiel als Liegewiese oder Auslauffläche für Hunde. Er setzt sich vegetativ aus Gräsern und Kräutern zusammen und bildet eine trittfeste, dabei optisch attraktive Rasennarbe aus. Entsprechend hohe Ansprüche an die Robustheit und Pflegbarkeit müssen die Artenmischungen für die jeweils vorgesehene Art und Intensität der Nutzung erfüllen.

    Ein Landschaftsrasen ist ein gärtnerisch angelegter wiesenähnlicher, vor allem aus Gräsern und verschiedenen Kräutern bestehender Rasen, dessen Aufwuchshöhe nicht reglementiert ist. Unter Wiesen und Weiden werden natürlich gewachsene bzw. pflegerisch naturnah entwickelte ausdauernde Pflanzengemeinschaften aus Gräsern und Kräutern verstanden, die extensiv gemäht oder beweidet werden. Landschaftsrasen, Wiesen und beweidete Flächen erfüllen vor allem ökologische Funktionen und bereichern das Landschaftsbild. Die Gestaltung und Pflege solcher Flächen schafft Lebensräume für zahlreiche Tiere und Pflanzen und erbringt wichtige Ökosystemleistungen.

  • 2. Welches sind typische Pflegemaßnahmen bei Zier- und Gebrauchsrasen?

    Zur Pflege der verschiedenen Rasentypen wird ein mehrstufiges Grünflächenmanagement betrieben, das sich nach dem Nutzungstyp und der Funktion richtet. Während alle Rasentypen ökologische Funktionen erfüllen sollen, steht beim Zierrasen jedoch der Erhalt eines bestimmten Bildes in der Landschaft im Vordergrund. Die jeweiligen Pflegeziele und -intensitäten lassen sich wie folgt zusammenfassen:

    Zierrasen: Pflegeziel ist der dauerhafte Erhalt einer kurz gehaltenen dichten und teppichartigen Grasnarbe mit der intensiven Farbe feiner Gräser. Die Pflegeintensität ist sehr hoch. Bei maximal 6 cm Wuchshöhe wird Zierrasen auf ca. 2 cm Wuchshöhe getrimmt, was während der Vegetationsperiode auf zweimal wöchentlichen Rasenschnitt hinausläuft. Vertikutieren entfernt Moos, Rasenfilz und alte Mährückstände, ebnet Maulwurfshügel ein und verbessert die Belüftung des Bodens. Wenn die natürliche Wasserversorgung nicht ausreicht, muss bewässert werden. Nährstoffe werden durch zweimaliges Düngen im Jahr nachgeliefert. Löwenzahn und Co. stören den perfekten Gesamteindruck des Zierrasens und müssen konsequent ausgestochen werden. Gleiches gilt für kahle Stellen, die zeitnah nachgesät werden müssen. Im Herbst wird gefallenes Laub entfernt, damit der Rasen unter der Laubdecke nicht abstirbt bzw. verfault.

    Gebrauchsrasen: Pflegeziel ist die dauerhafte Erhaltung einer gleichmäßigen und dichten Grasnarbe unter häufiger Trittbelastung. Die Betreuungsintensität richtet sich nach der Nutzungsintensität und reicht von täglicher bis hin zu wöchentlicher Betreuung. Bis zu zehn Schnitte im Jahr können erforderlich sein, bei Aufwuchshöhen von bis zu 10 cm. Außerdem muss eine ausreichende Wasserversorgung sichergestellt werden. Durch häufige Schnitte und Trittbelastung werden den Rasenpflanzen viel Licht und Nährstoffe entzogen. Die Gewährleistung der gewünschten Belastbarkeit bei gleichbleibend dichter Grasnarbe erfordert daher eine ausreichende Düngung. Offene Stellen in der Grasnarbe werden im Herbst durch regelmäßige Nachsaaten geschlossen. Schließlich wird der Gebrauchsrasen regelmäßig von Müll und im Herbst von Laubfall befreit

  • 3. Welches sind typische Pflegemaßnahmen bei Landschaftsrasen, Wiesen und Weiden?

    Bei Landschaftsrasen, Wiesen und Weiden besteht das wesentliche Pflegeziel in der Förderung der biologischen Vielfalt. In der Landschaft sollen biotoptypische Pflanzen- und Tierarten erhalten, geschützt und gefördert werden. Entsprechend wird die Ansaatmischung zusammengesetzt, das Mahdregime bestimmten Strukturen und Blühaspekten angepasst oder eine zielgerichtete Beweidung vorgenommen. Insgesamt ist der Pflegeaufwand deutlich geringer als bei Zier- und Gebrauchsrasen.

    Häufigkeit, Zeitpunkt und Umfang der Mahd richten sich nach den Bedürfnissen der Pflanzen und Tiere im Areal. Wiesen werden im Regelfall zweimal jährlich gemäht, trockene Standorte nur einmal. Die Mahd wird in Teilflächen vorgenommen, damit die auf der Fläche lebenden Tiere in ungemähte Areale ausweichen können. Berücksichtigt werden zum Beispiel arttypische Wanderungszeiträume der Amphibien, die Anwesenheit von bodenbrütenden Vogelarten, aber auch die Samenreife der verschiedenen Pflanzenarten, die sich selbst vermehren sollen. Wenn invasive Arten wie Ambrosia oder konkurrenzstarke Hochstauden sich breit machen, kann die Mahd häufiger erfolgen. Laub kann im Normalfall auf der Fläche verbleiben, Düngung und Bewässerung sind nicht erforderlich. Lediglich Müll muss bei Bedarf entfernt und entsorgt werden.

    Beweidung ist eine komplexe und aufwändige Form der Pflege in der urbanen Landschaft. Weidetiere prägen das Landschaftsbild und werden von Anwohnern oder Besuchern meist positiv wahrgenommen. Beweidung dient dem Offenhalten von Landschaftsteilen, die sonst sukzessiv verbuschen bzw. sich bewalden würden. Dabei kann es sich um Beispiel um Wiesen, Gewässerränder und Trockenrasen handeln. Die Art der Beweidung und die Auswahl der Weidetiere hängen von den Standortverhältnissen und den umzusetzenden Naturschutzzielen ab.

  • 4. Was kann passieren, wenn Rasenflächen, Wiesen und Weiden nicht ausreichend gepflegt werden?

    Erhält ein Zierrasen nicht seine regelmäßige aufwändige Pflege, wird er sich relativ schnell zu einem anderen, weniger attraktiven Rasentyp entwickeln. In der Konsequenz bedeutet die Unterlassung auch einzelner Pflegemaßnahmen, dass der Zustand der Fläche nicht mehr dem angestrebten Funktionsprofil entspricht. Erste Anzeichen sind beispielsweise unerwünschter Fremdartenbesatz, Moos und Pilzkrankheiten, eine dauerhaft offene Grasnarbe, eine fortschreitende Sukzession mit Gehölzaufwuchs oder Vermüllung. Die Unterhaltung von Zierrasenflächen ist zwar kosten- und personalaufwändig, aber immer günstiger als die Wiederherstellung einer vernachlässigten Anlage.

    Das Gleiche gilt für den Gebrauchsrasen. Wird die regelmäßige Pflege vernachlässigt, geht der Charakter eines Gebrauchsrasens und vor allem seine Funktionalität für die Benutzer verloren. Angesichts der Trittbelastung ist mit wesentlichen Fehlstellen bzw. offenen Bodenflächen zu rechnen. Vor allem ist von einer Zunahme der Müllbelastung auszugehen. Die Sanierung bzw. Wiederherstellung des Gebrauchsrasens ist mit einer vorübergehenden Sperrung verbunden, was zusätzliche Kosten für die Absperrmaßnahmen mit sich bringt. Insgesamt dürfte die Aufrechterhaltung der Regelpflege finanziell günstiger sein als die Wiedereinrichtung.

    Bei Landschaftsrasen, Wiesen und Weiden führt die Unterlassung der Pflegemaßnahmen zu einem Fortschreiten der Sukzession, die Artenzusammensetzung verändert sich deutlich und das angestrebte Erscheinungsbild geht verloren. Es entsteht Raum für den Aufwuchs von Gehölzen, der die Erschließung der Flächen erschweren oder eine Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit nach sich ziehen kann. Die Wiederherstellung kann im Einzelfall, je nach Dauer der Unterlassung, eine komplette Sanierung der Fläche nach sich ziehen.

  • 5. Warum müssen Flächen gemäht werden und wie häufig erfolgt die Mahd?

    „Das sieht hier so ungepflegt aus, kann hier nicht mal ordentlich gemäht werden?“ Hohes Gras und ungemähte Flächen werden in der Öffentlichkeit häufig als verwildert oder “vergessen” wahrgenommen. Dabei fördern die Grünflächenämter mit ungemähten Grünflächen an ausgewählten Stellen ganz bewusst die Biodiversität und leistet damit auch einen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel.

    ”Extensive Mahd“ ist hier das Stichwort. Naturnah gepflegte Grünflächen bestehen aus heimischen Gräsern, Kräutern und Wildblumen, die bis zur Blüte und Samenbildung wachsen dürfen. Im Gegensatz zu einem artenarmen Vielschnittrasen wird eine naturnahe Fläche nur selten gemäht.

    Neben dem Kurzhalten von Rasenflächen, um sie für Sport, Spiel und Erholung nutzen zu können, ist es das vorherrschende Ziel der Mahd, biotoptypische Pflanzen- und Tierarten zu erhalten und zu schützen. Besondere Aufmerksamkeit erfahren dabei bedrohte Arten, die für das jeweilige Habitat typisch sind. Das fördert die biologische Vielfalt. Gleichzeitig sollen konkurrenzstarke Hochstaudenarten unter Kontrolle gehalten werden, um den Charakter der Wiese nicht zu verändern. Im Winter ermöglichen die gemähten Flächen den Greifvögeln die Jagd.

    Wieviel Pflege eine Fläche benötigt, richtet sich nach den Standortbedingungen sowie deren Nutzung. Grundsätzlich müssen Wiesen mindestens einmal, in der Regel aber zweimal im Jahr gemäht werden. Dabei sind folgende Aspekte wichtig:

    • Im Regelfall werden Wiesen zweimal im Jahr gemäht, auf besonders nährstoffarmen Trockenstandorten kann auch nur eine Mahd im Jahr reichen. Die genauen Schnittzeitpunkte hängen von der Witterung, den besonders schützenswerten Arten im Bestand und weiteren Besonderheiten ab. Üblicherweise wird der erste Schnitt etwa bis Mitte Juni, der zweite Ende August bis Mitte September durchgeführt.
    • Wiesen werden nicht im Ganzen, sondern in Teilstücken gemäht (”gestaffelte Mahd“). Gemähte und ungemähte Teilstücke liegen so, dass verdrängte Tiere in ungestörten Flächen Schutz suchen können. Nach vier bis sechs Wochen sind die gemähten Teilstücke soweit wieder aufgewachsen, dass die Tiere zurückkehren können. Dann können die anderen Teilstücke gemäht werden. Einzelne Säume und Flächen an Gehölzen bleiben ohne Schnitt, weil sie Versteck- und Überwinterungsplätze bieten.
    • Wird in Gewässernähe gemäht, müssen Amphibienwanderungen berücksichtigt werden. Sind bodenbrütende Vogelarten auf der Fläche zu erwarten, muss der erste Schnitt bis Ende Juli verschoben werden, bis die Tiere das Brutareal verlassen können.
    • Ebenfalls zur extensiven Mahd gehört es, dass im Winter ausgewählte Flächen (z.B. Grünstreifen einzelne Areale in Parkanlagen) nicht gemäht werden, damit Insekten dort geschützt überwintern können.

    Selbstverständlich kann das Konzept der extensiven Mahd nicht auf allen Flächen des Stadtgrüns durchgesetzt werden. So sind Liegewiesen in Parkanlagen oder solche Flächen, die häufig betreten werden natürlich kürzer zu halten. Auch das Straßenbegleitgrün muss unter Umständen aus Gründen der Sicherheit der Verkehrsteilnehmenden häufiger gemäht werden.

    Aber es bleibt festzuhalten, dass es viele Flächen im Berliner Stadtgebiet gibt, die für eine extensive Mahd geeignet sind. Diese Möglichkeiten zum Schutz und zur Förderung der Biodiversität gilt es zu ergreifen. Wenn Sie also das nächste Mal an einer dicht bewachsenen Fläche mit hohem Pflanzenbewuchs vorbeigehen, ärgern Sie sich nicht, sondern erfreuen Sie sich daran, dass es im Inneren summt und krabbelt.

  • 6. Kommen in Berlin auch Schafe zum Einsatz, um Flächen kurz zu halten?
    Schafherde auf einer Weide

    Ja, statt zu mähen, wird an einigen Orten Berlins auch gemääääht!
    Beweidung ist eine alte und bewährte Form der Landschaftspflege, die gleichzeitig zum Erhalt der Artenvielfalt beiträgt, denn Schafe verfügen über mehrere entscheidende Vorteile:

    Während bei einer Mahd mit Mähmaschinen der komplette Bewuchs auf einmal entfernt wird, wodurch sich schlagartig das Mikroklima ändert und Rückzugsorte für Tiere entfernt werden, ”mähen“ Schafe langsam und leise. Zudem entsteht kein gleichmäßiger ”Kahlschnitt“, sondern ein sehr vielfältiges Flächenbild mit höherem und niedrigerem Pflanzenbewuchs. Dadurch werden Tiere, die in der Wiese ihren Lebensraum haben (wie beispielsweise Grashüpfer, Bienen, Schnecken, Blindschleichen oder Brandmäuse) kaum gestört, wodurch wiederum verschiedene Vogelarten sowie Fledermäuse reiche Nahrungsquellen finden.

    Auch für die Pflanzenwelt ist eine Beweidung von Vorteil. Zum Beispiel bleiben an dem Fell der Schafe Samen hängen, die so auf andere Flächen weitergetragen werden. Das fördert die Artenvielfalt auf den Wiesen. Und auch die Hinterlassenschaften der Tiere sind interessant, denn sie düngen die Flächen auf natürliche Weise und ziehen zudem vielerlei Insektenarten an.

    Ein weiterer Pluspunkt der Tiere: Mit ihnen lässt sich Gelände offenhalten, das für maschinelle oder manuelle Pflege schwer zugänglich ist. Und nicht zuletzt sind die blökenden Rasenmäher nicht nur praktisch, sondern auch schön anzusehen.

    Schafe kommen oder kamen bereits an verschiedenen Orten in Berlin zum Einsatz, beispielsweise auf dem Tempelhofer Feld, im Schlosspark Charlottenburg, im Tiergarten, auf den Friedhöfen Baumschulenweg, Oberschöneweide und Adlershof (auf Flächen, die nicht mehr für Bestattungen verwendet werden), in der Grünanlage Rudower Straße/Am Kiessee, im Landschaftspark Johannisthal, im Landschaftsschutzgebiet Erpetal, auf dem Dach der Max-Schmeling-Halle in Prenzlauer Berg sowie auf Flächen rund um den ehemaligen Flughafen Tegel.

    Wer bei einem Ausflug in die Berliner Stadtnatur den Schafen begegnet, darf sie gerne beobachten, aber bitte weder füttern noch als Kuscheltiere benutzen. Achtung, die Weidezäune können unter Strom stehen! Hunde müssen zudem unbedingt angeleint bleiben, da Schafe sehr schreckhaft sind und schnell panisch reagieren, wenn sie sich von Hunden bedroht fühlen.

  • 7. Was wird unter dem Begriff ”Straßenbegleitgrün“ verstanden und welche wichtigen Funktionen erfüllen diese Flächen?

    Unter dem Sammelbegriff Straßenbegleitgrün (auch Weg- oder Verkehrsbegleitgrün genannt) werden sämtliche Grünflächen an Straßen und Wegen zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise Bepflanzungen am Straßenrand, auf Mittelstreifen oder Fahrbahnteilern. Meist setzt es sich aus einer Mischung aus Bäumen, Büschen, Sträuchern, Gräsern oder Stauden zusammen.

    Das Straßenbegleitgrün erfüllt eine Reihe verschiedener Aufgaben. Zum einen leistet es einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit, da bepflanzte Seitenränder und Mittelstreifen den Straßenverlauf für die Verkehrsteilnehmenden gut sichtbar kennzeichnen. Durch diese optische Führung lassen sich etwa Fahrbahn und Fußgängerweg besser unterscheiden und es lässt sich schon von weitem erkennen, wann eine Straße beispielsweise eine Kurve macht.

    Entsprechende Anpflanzungen bieten einen gewissen Sicht- sowie Lärmschutz und vermindern zudem die Gefahr, dass Fußgänger und entgegenkommende Fahrzeuge geblendet werden. Hecken und dicht angepflanzte Gehölzbestände eignen sich zum Schutz vor Wind und Schneeverwehungen und halten an steilen Hanglagen Steinschlag auf. Und sollte tatsächlich einmal ein Auto von der Fahrbahn abkommen, dann bilden bepflanzte Mittelstreifen eine Art Pufferzone und bieten so dem entgegenkommenden Verkehr einen gewissen Schutz.

    Zudem bietet das Straßenbegleitgrün Lebensraum für eine Vielzahl verschiedener Tier- und Pflanzenarten. Da diese Flächen untereinander sehr gut vernetzt sind, tragen sie zur Erstellung eines Biotopverbundes bei. Das bedeutet, dass den Tieren und Pflanzen die Möglichkeit gegeben wird, ihren Lebensraum zu wechseln, wodurch der genetische Austausch ermöglicht wird.

    Auch verbessert eine abwechslungsreiche Bepflanzung das Kleinklima. Und nicht zuletzt wirken die Büsche, Hecken und Co. natürlich dem grau in grau entgegen, dass unbepflanzte Straßenzüge aufweisen würden.

  • 8. Welches sind typische Pflegemaßnahmen des Straßenbegleitgrüns?

    Beim Straßenbegleitgrün muss ganz besonders darauf geachtet werden, dass von ihm keine Gefahr für den Verkehr ausgeht. Daher muss es in regelmäßigen Abständen zurückgeschnitten werden. Wie häufig Schnittmaßnahmen durchgeführt werden, hängt zum einen von der Art des Bewuchses, aber auch von der Straßenführung ab. So ist zum Beispiel insbesondere dann, wenn der Straßenverlauf eine Kurve macht, darauf zu achten, dass die Sicht der Verkehrsteilnehmenden nicht eingeschränkt wird, da ansonsten die Gefahr bestände, dass Hindernisse auf der Fahrbahn oder ein Stauende zu spät erkannt werden. Auch in Kreuzungs- und Einfahrbereichen darf die Sicht nicht eingeschränkt werden. Ampelanlagen oder Verkehrsschilder werden regelmäßig freigeschnitten.

    Zudem dürfen Bäume, Hecken und sonstige Anpflanzungen natürlich nicht zu weit auf den Weg oder die Fahrbahn hineinragen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang das sogenannte ”Lichtraumprofil“: Über Geh- und Radwegen muss eine lichte Höhe von mindestens 2,50 Meter und über Fahrbahnen sowie Feuerwehrzufahrten eine Höhe von mindestens 4,50 Meter freigehalten werden.

    Bei der Auswahl des Straßenbegleitgrüns müssen besondere Vorgaben beachtet werden. So sollten die Pflanzen ausdauernd und pflegeleicht sein. Ein weiteres großes Plus ist es, wenn sie Insekten aller Art als Nahrungsquelle dienen. Jedoch ist – zum Schutz der Tiere und der Verkehrsteilnehmenden – insbesondere auf Mittelstreifen zwischen zwei Fahrbahnen darauf zu achten, dass nichts angepflanzt wird, was Säugetieren als Nahrung dient.

  • 9. Was macht Wildstauden als Straßenbegleitgrün so interessant?

    Unter Wildstauden werden natürlich vorkommende Staudenarten verstanden, die züchterisch nicht verändert wurden. Sie spielen ihre ganze natürliche Schönheit aus und punkten dabei mit zahlreichen Vorteilen. Viele Wildstaudenarten kommen in der Natur auf Magerwiesen oder Magerrasen vor. Das heißt, sie sind an an sonnige und trockene Standorte, wie wir sie im Berliner Straßenland häufig vorfinden, besonders gut angepasst. Auch müssen sie nicht bewässert oder gedüngt werden, sondern gedeihen auch ohne gärtnerisches Zutun problemlos.

    Zudem trotzen sie Schädlingen und Krankheiten und sind langlebig und robust, was sie zu unkomplizierten Pflanzen macht. Ein wichtiger Pluspunkt ist auch, dass Wildformen reichlich Nektar und Pollen bilden – eine Eigenschaft, die viele gezüchtete Sorten verloren haben. Damit sind Wildstauden für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und andere Nützlinge besonders wertvoll.

    Da Wildstauden nicht im Hinblick auf besonders große oder originell geformte Blüten gezüchtet wurden, mögen einige Pflanzen auf den ersten Blick vielleicht etwas unscheinbar wirken. Doch spätestens wenn sich über einer Wildstaudenfläche zahlreiche Schmetterlinge, Wildbienen und Co. tummeln, wird der natürliche Charme der Pflanzen mit ihren zarten farbenfrohen Blüten erkennbar.

    Eine Besonderheit in Berlin: Seit 2021 werden in Gewächshäusern und auf Freiflächen der Bezirksgärtnerei Charlottenburg-Wilmersdorf Wildstauden angebaut. Der Bezirk ist damit die erste Kommune in Deutschland, welche heimische Wildstauden im großen Stil selbst produziert. Die so gewonnenen Pflanzen werden den Grünflächenämtern der einzelnen Berliner Bezirke zur Verfügung gestellt, die sie dann auf Grünflächen und als Straßenbegleitgrün pflanzen. Zusätzlich werden die Wildstauden auch an Vereine, Initiativen, Kitas und Schulen verschenkt. So wird Stück für Stück dazu beigetragen, dass Berlin immer mehr insektenfreundlich aufblüht.