Eichenprozessionsspinner

  • Schild Warnung Eichenprozessionsspinner 2025 als Bild

    Hinweisschilder in den betroffenen Grünanlagen (Juni 2025)

Eichenprozessionsspinner
Der Eichenprozessionsspinner – Thaumetopoea processionea – ist seit 2004 im Stadtgebiet Berlin und somit auch im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf auffällig. Ausgehend von einem ersten Befall in Westend sind aktuell immer wieder die Jungfernheide und angrenzende Straßen, Westend und der Eichkamp besonders betroffen. Eine Gefährdung durch die Raupen beginnt erst mit der Bildung der Brennhaare zum Ende des dritten Raupenstadiums. Dieses wird, je nach Witterung des Jahres, ca. Mitte/Ende Mai erreicht. Zu diesem Zeitpunkt werden auch die sogenannten Tagesnester auffällig. Auf der Seite des Pflanzenschutzamtes Berlin finden Sie weitere Informationen zum Eichenprozessionsspinners und seiner Lebensweise.

In Charlottenburg-Wilmersdorf wurden in den letzten Jahren hohe finanzielle Aufwendungen zur Bekämpfung (mechanische Beseitigung) an bezirkseigenen Eichen getätigt. Dies hat dazu geführt, dass i.d.R. nur noch handtellergroße Tagesnester an Stämmen und Starkästen vorhanden sind.

Bei Gefährdungen durch auftretenden Raupen oder Tagesnester an bezirkseigenen Bäumen wenden Sie sich gerne via E-Mail an uns.
Bitte beachten Sie, bei Bäumen auf Privatgrundstücken ist immer der Eigentümer verantwortlich.

Mehrere Eichenprozessionsspinner an einem kahlgefressenen Zweig einer Eiche

Allgemeines

Seit einigen Jahren treibt der Eichenprozessionsspinner sein Unwesen in Berliner Parks und Grünanlagen. Dabei stellt der ansonsten unscheinbare Nachtfalter für Menschen eine Gefahr dar, denn die Brennhaare der Raupen können schwere Allergien auslösen.

Portrait:
Der Eichenprozessionsspinner ist ein grau-braun gefärbter Nachtfalter, dessen Verbreitungsgebiet von Süd- über Mitteleuropa bis in den Süden Russlands reicht. Sein Lebensraum sind Wälder und Habitate, in denen Eichen wachsen – dazu zählen auch urbane Räume wie Berlin, mit ihren Parklandschaften und Straßenbäumen. Der Nachfalter selbst ist unscheinbar und harmlos. Er ist von gedrungener Gestalt, etwa 2,5 bis 3,6 cm lang und fliegt von Juli bis September. Für die Eiablage wählt das Weibchen bevorzugt Eichen an Waldrändern oder in Gärten und Parks sowie an Straßen, die viel Sonnenlicht und damit Wärme bekommen. Die Eipaletten mit 100 bis 200 Eiern werden im Kronenbereich abgelegt, wo sich fertige Junglarven entwickeln und noch im Ei überwintern. Anfang Mai des folgenden Jahres schlüpfen die Larven, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Entwicklungsstadien durchlaufen und bis zu 5 cm lang werden. Die Raupen tragen ein dichtes, langes Haarkleid, das ab der dritten Häutung feine Bürsten aus Brennhärchen mit Widerhaken und einem schmerzhaften Nesselgift entwickelt. Die Larven bilden Gruppen von 20 bis 30 Tieren, die alles gemeinsam unternehmen. Auf der Suche nach dem nächsten Freßplatz verhaken sie sich hintereinander und begeben sich als Prozession auf Wanderschaft – daher der Name Prozessionsspinner. In den befallenen Bäumen bilden sie Gespinste, in denen sie sich tagsüber verstecken und später gemeinsam verpuppen.

Auswirkungen auf befallene Bäume:
Immer häufiger kommt es zu Massenvermehrungen, die zu erheblichem Kahlfraß an den Eichen führen. Nach wiederholtem Befall mit dem Eichenprozessionsspinner, können die Bäume so geschwächt sein, dass andere Schadorganismen und/oder widrige klimatische Bedingungen letztlich zur Schädigung der Bäume führen. Je häufiger die Bäume befallen werden, desto wahrscheinlicher ist dies.

Gefahrenpotenzial:
Vor allem in urbanen Räumen schaffen die Raupen gravierende Probleme, wenn sich im Umfeld befallener Bäume Brennhaare und Gespinstmaterial anreichern. Viele Menschen können zum Beispiel beim Spazierengehen mit den Brennhaaren in Kontakt kommen, ohne es zu merken, denn diese sind optisch kaum wahrzunehmen. Sie sind innen hohl, brechen leicht und fixieren sich mit Widerhaken in der Haut. Das enthaltene Nesselgift dringt in die Haut ein und führt zu schmerzhaften Rötungen bis hin zu einer Raupendermatitis, was Allergien bis hin zum anaphylaktischen Schock zur Folge haben kann.

Der Eichenprozessionsspinner ist nicht nur für den Menschen gefährlich, sondern kann auch für Hund und Katze lebensbedrohlich sein. Häufige Symptome nach einem Kontakt sind Schwellungen und Ausschlag. Akute Gefahr besteht, wenn die Atemwege angegriffen werden. Nach direktem Kontakt mit der Schnauze kann die Zunge anschwellen und dadurch die Luftzufuhr erschweren. In diesem Fall ist umgehend ein Tierarzt aufzusuchen.
So können Sie sich schützen: Wenn Sie im Frühsommer in Gebieten mit möglicherweise befallenen Eichen unterwegs sind, halten Sie Ihre Hautoberfläche so weit wie möglich bedeckt. Halten Sie sich fern von offensichtlich befallenen Bäumen und achten Sie auf lokale Warnhinweise des Grünflächenamtes. Bei Kontakt mit Gespinstmaterial sollten Sie heiß duschen und die Wäsche möglichst bei 60 Grad waschen, das überstehen die Brennhaare nicht. Plötzlicher Juckreiz, tränende Augen und Quaddeln auf der Haut sind Anzeichen für einen möglichen Kontakt.
Suchen Sie einen Arzt auf und lassen sich beraten, insbesondere wenn Sie allgemein zu Allergien neigen.

Bekämpfung:
Natürliche Feinde gibt es, so werden die Falter gerne von Fledermäusen gefressen und um die Raupen kümmern sich Wanzen, Schlupfwespen, Laufkäfer und verschiedene Vögel. Allerdings werden sie einer Massenvermehrung nicht Herr. Deswegen werden die Raupen in besiedelten Räumen in bestimmten Fällen aktiv bekämpft. Dafür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung, die jeweils Vor- und Nachteile haben. Neben mechanischen (Absaugen oder Absammeln) und thermischen (Abflammen) Methoden sind zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners auch mehrere Biozide zugelassen.
Alle Methoden können sich jedoch auch negativ auf die Biodiversität auswirken. So leben viele Schmetterlingsarten, darunter auch geschützte, an Eichen und können betroffen werden. Darüber hinaus ist zu befürchten, dass gegenüber Bioziden hoch sensible Arten wie z. B. Amphibien betroffen werden können, wenn die Ausbringung in ihrem Lebensraum erfolgt. Aus diesem Grund ist es immer abzuwägen, ob eine Bekämpfung durchgeführt wird.

Was jeder einzelne tun kann:
Bleiben Sie aufmerksam, wenn Sie in Parks und Grünanlagen unterwegs sind. Wenn Sie an Eichen Gespinste entdecken oder Raupen in Prozessionsformation beobachten, melden Sie Ihre Entdeckung bitte dem zuständigen Grünflächenamt ihres Bezirks.
Sensibilisieren Sie unbedingt Ihre Kinder! Sie sind neugierig und finden das Geschehen vielleicht spannend. Auf keinen Fall dürfen sie die Raupen anfassen! Erklären Sie ihnen den Sachverhalt und die Hintergründe, wecken Sie Verständnis und Respekt für die Gefahr.
Wer selbst einen Garten besitzt, hat eine besondere Verantwortung, sollte aber gegen Eichenprozessionsspinner niemals selbst tätig werden – das ist ein Job für Profis!
Umso wichtiger ist es, die Augen aufzuhalten und auf die Möglichkeit einer Begegnung mit Eichenprozessionsspinnern vorbereitet zu sein. Das gilt besonders für Gärten und Grundstücke, auf denen Eichen wachsen.
Bei „Feindsichtung” melden Sie Ihre Beobachtung mit Postitionsdaten und möglichst ein paar Fotos an folgende E-Mail.

Entweder werden wir selbst aktiv oder informieren Sie darüber, wie Sie selbst einen Spezialisten zur Bekämpfung beziehungsweise Entfernung beauftragen können.

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