283. Kiezspaziergang: Von der Kommunalen Galerie zum Leon-Jessel-Platz

Herzlich willkommen! Mein Name ist Christoph Brzezinski und ich leite die Abteilung Stadtentwicklung, Liegenschaften und IT. Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem 278. Kiezspaziergang.

Heute führt uns unser Weg durch Wilmersdorf, zu verschiedenen Stationen wie dem Lancaster House, der Wilmersdorfer Moschee, der Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek oder dem Goethe-Gymnasium. Wir enden am Leon-Jessel-Platz.

Doch wir beginnen in der Kommunalen Galerie, die uns die Leiterin Barbara Höffer heute vorstellen wird.

283. Kiezspaziergang: Treffpunkt Kommunale Galerie Berlin

1. Station: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176

Die Kommunale Galerie Berlin liegt wenige Minuten vom Fehrbelliner Platz entfernt, am Hohenzollerndamm. Die Galerie gibt es seit 1974. Sie wurde als bezirklicher Kunstort gegründet und zeigt bis heute zeitgenössische Kunst in unterschiedlichen Formen: Malerei, Grafik, Fotografie, Video, Performance und Installation.

Eine besondere Rolle spielt die Fotografie. Die Kommunale Galerie hat sich hier über viele Jahre ein eigenes Profil aufgebaut. Sie zeigt vor allem Künstlerinnen und Künstler, die in Berlin leben und arbeiten. Die Galerie ist damit auch Teil der Berliner Kunstförderung.

Zur Kommunalen Galerie gehört außerdem die Artothek. Sie wurde 1984 eingerichtet und verfügt inzwischen über mehr als 1.400 Werke. Dazu gehören Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien, Objekte und Skulpturen. Diese Kunst hängt nicht nur hier an den Wänden. Man kann sie tatsächlich ausleihen und für eine bestimmte Zeit mit nach Hause nehmen.
Die Artothek dient zugleich der Förderung der regionalen Kunstszene. Jedes Jahr werden neue Arbeiten angekauft. Dabei geht es auch darum, jüngere Positionen sichtbar zu machen und Entwicklungen der aktuellen Berliner Kunst aufzunehmen.

Ein weiterer wichtiger Bereich der Kommunalen Galerie ist die Kunstvermittlung. Im Atelier der Galerie finden Projekte mit Kindern und Jugendlichen statt. Ein Beispiel dafür ist eine Zusammenarbeit mit dem Heinz-Berggruen-Gymnasium, bei der Skulpturen aus Recyclingmaterial entstanden sind.

Die Kommunale Galerie verbindet damit Ausstellung, Kunstförderung, Kunstvermittlung und die Artothek unter einem Dach. Seit ihrer Gründung vor mehr als fünfzig Jahren ist sie ein fester Bestandteil der Kulturlandschaft von Charlottenburg-Wilmersdorf.

Wir gehen nun ein paar Meter weiter zum Fehrbelliner Platz und treffen uns vor dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf.

2. Station: Hauptquartier am Fehrbelliner Platz / Rathaus Wilmersdorf (ehem. Deutsche Arbeitsfront/Lancaster Haus)

Wir stehen hier vor dem ehemaligen Rathaus Wilmersdorf. Das Gebäude wurde zwischen 1941 und 1943 errichtet. Seine Geschichte ist eng mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der britischen Besatzungszeit verbunden.

Schon in den 1920er Jahren sollte hier ein neues Zentrum für Verwaltung und Privatwirtschaft entstehen. Der Platz war damals noch kaum bebaut. Gleichzeitig war die Lage verkehrsgünstig. Seit 1913 gab es hier einen Anschluss an die U-Bahn.

1934 schrieb die Stadt schließlich einen Architekturwettbewerb für die Bebauung des Platzes aus zur „Herstellung eines der schönsten und in seiner Einheitlichkeit vielleicht großartigsten Plätze Deutschlands“ – Sie dürfen selbst entscheiden, ob das am Ende gelungen ist. Der Architekt Otto Firle entwickelte die Grundidee für die heutige Gestaltung. Sie besteht aus einem großen Halbrund, das sich nach Norden zum Preußenpark öffnet.

In der Zeit des Nationalsozialismus entstand hier ein bedeutender Verwaltungsstandort des Regimes. Auch dieses Gebäude gehörte dazu. Es wurde zwischen 1941 und 1943 für die Deutsche Arbeitsfront, kurz DAF, gebaut. Die DAF war die nationalsozialistische Organisation für die Beschäftigten. Sie entstand, nachdem die freien Gewerkschaften von den Nationalsozialisten zerschlagen worden waren.

Architektonisch unterscheidet sich das Gebäude von einigen anderen Häusern am Platz. Wegen der kriegsbedingten Einschränkungen bei Stahl und Beton wurde es als Mauerwerksbau errichtet. Auffällig ist die geschwungene Fassade. Sie führt um einen runden Innenhof mit 58 Säulen. Der Grundriss erinnert ein wenig an ein Schlüsselloch.

Die Deutsche Arbeitsfront hat das Gebäude allerdings nie bezogen. Stattdessen nutze eine Wehrmacht-Verwaltungsstelle des Oberkommandos des Heeres die Räume.

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich die Geschichte des Hauses grundlegend. Die britische Besatzungsmacht übernahm das Gebäude und richtete hier ihr Hauptquartier für Berlin ein. Es erhielt den Namen „Lancaster House“.

Auch andere Gebäude rund um den Fehrbelliner Platz wurden von den Briten genutzt. Aus dem ehemaligen Karstadt-Gebäude wurde das „Cumberland House“, ein weiteres Gebäude erhielt den Namen „York House“. Der Fehrbelliner Platz wurde damit zu einem wichtigen Zentrum der britischen Verwaltung in Berlin.

Die britische Nutzung dauerte allerdings nur wenige Jahre. Danach wurden die Gebäude schrittweise an Berlin zurückgegeben. Dieses Haus wurde schließlich zum Rathaus Wilmersdorf.

Fast sechzig Jahre lang war hier die Bezirksverwaltung untergebracht. Auch die Bezirksverordnetenversammlung tagte hier. Erst ab 2012 zog die Verwaltung nach und nach in das Rathaus Charlottenburg um.
Das Gebäude blieb aber auch nach dem Auszug der Bezirksverwaltung ein öffentlicher Ort. Von 2015 bis 2017 wurden hier Geflüchtete untergebracht. Zeitweise lebten mehr als tausend Menschen in dem Gebäude.
Heute wird es von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen wieder als Verwaltungsstandort genutzt.

An die britische Geschichte erinnern bis heute Gedenktafeln in der Eingangshalle. Sie tragen unter anderem die Wappen britischer Einheiten, die mit Wilmersdorf verbunden waren.

Wir gehen wieder ein kleines Stück zurück und biegen links in die Brienner Straße ein. Wir treffen uns vor der Wilmersdorfer Moschee.

Berliner Moschee

3. Station: Wilmersdorfer Moschee Brienner Str. 7/8

Wir stehen jetzt vor der Wilmersdorfer Moschee. Sie wurde zwischen 1924 und 1928 gebaut und gilt als die älteste erhaltene Moschee Deutschlands. Der Bau wurde damals vollständig durch Spenden finanziert. Die Gemeinde gehört zur Lahore-Ahmadiyya-Bewegung.

Die Geschichte der Gemeinde begann bereits 1922. Damals gründeten indische Muslime in der Giesebrechtstraße in Charlottenburg die Berliner Muslim Mission. Ziel war es, in Berlin ein islamisches Zentrum aufzubauen. Zwei Jahre später begann der Bau dieser Moschee.

Der Architekt war Karl Alfred Herrmann. Er orientierte sich an der Architektur des indischen Mogulreichs. Das bekannteste Vorbild dafür ist der Taj Mahal. Bei genauerem Hinsehen erkennt man viele typische Elemente dieses Baustils: Zinnen, Bögen, kleine Türmchen und die symmetrische Anordnung der Bauteile. Die zentrale Kuppel ist 26 Meter hoch. Daneben stehen zwei Minarette von rund 30 Metern Höhe.

Gleichzeitig ist der Bau relativ schlicht. Herrmann kombinierte die orientalischen Formen mit den damals üblichen Materialien und Bautechniken. Die Gebäude wurden als verputzte Mauerwerksbauten errichtet. Für die dekorativen Elemente verwendete man unter anderem Beton, Gips und Holz.
Zum Ensemble gehört neben der Moschee auch das ehemalige Wohnhaus des Imams. Es steht etwas zurückgesetzt neben dem nördlichen Minarett. Zusammen bilden die Gebäude eine geschlossene Baufolge entlang der Brienner Straße.

Die Moschee entstand in einer besonderen Zeit. Berlin war in den 1920er Jahren eine internationale Stadt. Menschen aus vielen Ländern lebten, studierten und arbeiteten hier. Die Berliner Muslim Mission wollte den Islam in Deutschland bekannt machen und setzte dabei stark auf Bildung und Austausch.

Von Anfang an wurde hier auch auf Deutsch gepredigt. Die Moschee war ausdrücklich für Muslime unterschiedlicher Herkunft und religiöser Richtungen gedacht. Gleichzeitig zog sie auch Menschen an, die zum Islam übertraten.
Die Geschichte des Hauses zeigt aber auch die politischen Brüche dieser Zeit. Während der nationalsozialistischen Herrschaft nutzte das Regime die Moschee zeitweise für Propagandazwecke. Mehrfach bot sie einem einflussreichen islamisch-arabischen Nationalisten eine Bühne, der mit seinen verschwörungsideologischen islamistischen Antisemitismus Ende 1941 in Hitler-Deutschland Unterstützung fand.

Gleichzeitig gab es innerhalb der Gemeinde Menschen, die sich dem Nazi-Regime widersetzten und anderen halfen. Der langjährige Geschäftsführer Hugo Marcus, der vom Judentum zum Islam übergetreten war, konnte mit Unterstützung aus der Gemeinde in die Schweiz fliehen. Der ägyptische Arzt Mohamed Helmy half einer jüdischen Familie, sich vor der Verfolgung zu verstecken.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Moschee schwer beschädigt. Deutsche Soldaten hatten Maschinengewehre auf den Minaretten aufgestellt. Dadurch geriet das Gebäude unter Beschuss der Roten Armee. Die Minarette stürzten bis auf ihre unteren Teile ein. Auch die Kuppel wurde von einer Granate getroffen.

Nach dem Krieg wurde die Moschee zunächst notdürftig repariert. Unterstützung kam von den Alliierten und durch Spenden aus der internationalen Gemeinde. 1952 konnte sie wieder eröffnet werden.
Die eigentliche Restaurierung zog sich allerdings über viele Jahrzehnte hin. Seit 1993 steht die Moschee unter Denkmalschutz. In den 1990er und 2000er Jahren wurden unter anderem die Minarette, das Dach und Teile des Imamhauses wiederhergestellt. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und das Land Berlin beteiligten sich an den Arbeiten.

Heute wird die Moschee regelmäßig genutzt. Freitags findet das Gebet mit Predigt statt. Die Predigten werden in Arabisch, Englisch und Deutsch gehalten. Die Gemeinde öffnet die Moschee außerdem für Führungen und Bildungsangebote und beteiligt sich am interreligiösen Austausch. Im Rahmen des „Tag des offenen Denkmals“ öffnet die Moschee heute und morgen ihre Türen und bietet kostenlose Führungen an.

Wir gehen die Berliner Straße entlang bis zum BSR Recyclinghof.

4. Station: BSR Recyclinghof Berliner Straße, Berliner Straße 110

Hier sind wir an einem Ort, den viele Berlinerinnen und Berliner vor allem dann besuchen, wenn zu Hause etwas weg muss: der BSR-Recyclinghof.
Die Berliner Stadtreinigungsbetriebe, kurz BSR, sind ein Dienstleistungsunternehmen des Landes Berlin. Sie kümmern sich nicht nur um die Müllabfuhr. Zu ihren Aufgaben gehören auch die Straßenreinigung, der Winterdienst und die Reinigung von öffentlichen Grünanlagen. Außerdem betreibt die BSR-Anlagen zur Abfallverwertung und insgesamt 14 Recyclinghöfe in Berlin.

Die Recyclinghöfe sind vor allem für Privathaushalte gedacht. Hier können Berlinerinnen und Berliner verschiedene Abfälle selbst abgeben. Vieles ist kostenlos oder wird gegen geringe Gebühren angenommen. Die Abfälle werden anschließend sortiert und, soweit möglich, wiederverwertet.
Wie groß diese Aufgabe ist, zeigen die Zahlen. Die 14 Recyclinghöfe werden jedes Jahr von rund 2,4 Millionen Menschen besucht. Im Jahr 2022 wurden dort rund 142.000 Tonnen Abfälle und Wertstoffe erfasst. Dazu kommen eigene Sammelstellen für Schadstoffe.

Der Recyclinghof ist nur ein kleiner Teil eines sehr großen Systems. Insgesamt verarbeitet die BSR jedes Jahr mehr als 1,2 Millionen Tonnen Abfälle. Rund 1.800 Fahrzeuge sind dafür unterwegs. Zur Infrastruktur gehören neben den Recyclinghöfen auch Müllfahrzeug-Betriebshöfe, Anlagen zur Abfallbehandlung, ein Müllheizkraftwerk und eine Biogasanlage.
Ein Teil des Berliner Abfalls wird im Müllheizkraftwerk Ruhleben thermisch behandelt. Dabei entsteht Dampf, der anschließend für die Erzeugung von Strom und Fernwärme genutzt wird. Aus den Rückständen werden außerdem Metalle zurückgewonnen. Die Schlacke kann unter anderem zur Abdeckung von Deponien verwendet werden.

Auch Bioabfall wird weiterverarbeitet. In der Biogasanlage in Ruhleben werden jährlich rund 60.000 Tonnen Bioabfall aus Berliner Haushalten zu Biogas verarbeitet. Damit werden unter anderem rund 150 gasbetriebene Müllfahrzeuge der BSR betrieben.

Die öffentliche Straßenreinigung hat in Berlin eine lange Geschichte. Bereits im 19. Jahrhundert wurde sie zu einer kommunalen Aufgabe. 1922 entstand die Berliner Müllabfuhr-Aktiengesellschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Stadtreinigung neu organisiert. Die heutige BSR entstand 1951 und wurde 1994 zu einer Anstalt des öffentlichen Rechts. Nach der Wiedervereinigung wurden die getrennten Stadtreinigungsbetriebe von Ost- und West-Berlin zusammengeführt.

Heute gehört die BSR mit rund 6.300 Beschäftigten zu den großen Arbeitgebern der Stadt. Jeden Tag leeren ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Mülltonnen, reinigen Straßen und Gehwege und kümmern sich im Winter um sichere Verkehrswege. Allein bei der Straßen- und Gehwegreinigung kommen jährlich rund 1,6 Millionen Arbeitskilometer zusammen – als etwa 40 Erdumrundungen.

Vielleicht noch eine kleine Besonderheit: Das öffentliche Bild der BSR wurde stark durch ihre Werbung geprägt. Seit 1999 gibt es die bekannte Kampagne mit Sprüchen wie „We kehr for you“, einem Wortspiel aus dem englischen „We care for you“ („Wir kümmern uns um dich/Sie“) und dem deutschen „kehren“.
Die Kampagne wurde weit über Berlin hinaus bekannt. Das typische BSR-Orange gehört inzwischen fest zum Stadtbild.

Und falls Ihnen der Weg zum nächsten Recyclinghof zu weit ist: Die BSR bietet in Zusammenarbeit mit dem Bezirk zwei Mal im Monat „BSR-Kieztage“ an. Dabei können Anwohnerinnen und Anwohner Sperrmüll kostenlos abgeben. Gleichzeitig können gut erhaltene Gegenstände an andere Menschen im Kiez weitergegeben werden. Die nächsten Kieztage finden am Dienstag, 15. September 2026, von 13 bis 18 Uhr an der Hofackerzeile in Charlottenburg-Nord und am Samstag, 19. September 2026, von 8 bis 13 Uhr an der Seesenheimer Straße 1, statt.

Wir gehen jetzt weiter die Straße entlang und biegen links in die Brandenburgische Straße ein. Unsere nächste Station ist die Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek.

DBB - Außenansicht

5. Station: Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek

Hier an der Brandenburgischen Straße steht die Dietrich-Bonhoeffer-Bibliothek. Ihre Geschichte reicht bis ins Jahr 1893 zurück. Damals wurde die Wilmersdorfer Volksbücherei in der Mehlitzstraße gegründet.
Nach dem Ersten Weltkrieg zog die Bibliothek in das Stadthaus am Fehrbelliner Platz, seit 1955 befindet sie sich in ihrem heutigen Standort an der Brandenburgischen Straße. Seit 1997 trägt sie den Namen Dietrich Bonhoeffer – benannt nach dem Theologen und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus.

Bis zur Bezirksfusion im Jahr 2001 war sie die Hauptbibliothek hier in Wilmersdorf. 2005 wurde sie umfassend umgebaut. Dabei wurden die Erwachsenen- und die Jugendabteilung zusammengeführt. Heute erstreckt sich die Bibliothek über zwei Etagen. Ein Aufzug macht beide Ebenen auch mit Rollstuhl oder Kinderwagen zugänglich.

Natürlich gibt es hier weiterhin das klassische Bibliotheksangebot: Romane und Sachbücher, Kinder- und Jugendliteratur, Zeitungen und Zeitschriften. Dazu kommen Hörbücher, Filme, Sprachkurse und digitale Angebote.
Die Bibliothek versteht sich aber längst nicht mehr nur als Ort für Bücher. Das zeigt besonders die „Bibliothek der Dinge“.

Das Prinzip ist einfach: Dinge, die man nur gelegentlich braucht, müssen nicht unbedingt gekauft werden. Warum also eine Bohrmaschine anschaffen, wenn man sie nur für ein Regal benötigt? Warum ein Teleskop kaufen, wenn man vielleicht nur einmal den Sternenhimmel beobachten möchte?
Seit Anfang 2026 können solche Gegenstände hier so einfach wie Bücher ausgeliehen werden. Das spart Platz und Geld und schont gleichzeitig Ressourcen. Zum Angebot gehören zum Beispiel eine Bohrmaschine, ein Dampfreiniger, ein Laserentfernungsmessgerät oder ein Minibeamer. Auch eine transportable Karaoke-Maschine finden Sie hier, ebenso ein Spielstraßen-Set zum Ausleihen.

Das Angebot wird durch verschiedene weitere Aktivitäten ergänzt. Für Kinder finden Vorlesestunden statt. Schulen und Kitas können besondere Angebote nutzen. Außerdem gibt es einen Gruppenraum, kostenloses WLAN und PC-Arbeitsplätze mit Internetzugang und Druckmöglichkeit.

Wir verlassen jetzt die Bibliothek und gehen rechts in die Gasteiner Straße und folgen ihr bis zur Feuerwache Wilmersdorf.

Feuerwache Wilmersdorf

6. Station: Feuerwache Wilmersdorf, Gasteiner Straße 19, 20

Wenn man an Feuerwehr denkt, hat man meistens sofort die roten Fahrzeuge, laute Sirenen und die großen Einsätze vor Augen. Hier lohnt sich aber auch ein Blick auf das Gebäude, denn diese Feuerwache ist selbst ein Stück Feuerwehrgeschichte.

In Wilmersdorf gab es bereits 1874 eine Pflichtfeuerwehr, bei der Bürger im Notfall beim Löschen halfen. 1890 wurde daraus eine Freiwillige Feuerwehr. Doch auch die reichte schon bald nicht mehr aus: Mit der wachsenden Stadt wurden die Anforderungen größer. Deshalb nahm 1906 eine Berufsfeuerwehr ihren Dienst auf.

Drei Jahre später erhielt sie diese Wache. Das Gebäude wurde nach Plänen des Stadtbauinspektors Philipp Nitze gebaut und im September 1909 eröffnet. Schon ein Blick auf die Fassade zeigt, dass die Architekten hier von Beginn an die praktischen Anforderungen einer Feuerwehr mitdachten: Das Gebäude hat sechs große Tore für die Einsatzfahrzeuge. Im Hof stand außerdem ein fast 28 Meter hoher Steigeturm. Dort konnten die Feuerwehrleute mit Leitern und Schläuchen üben.

Die Wache war für ihre Zeit sehr modern. Doch das Gebäude wurde später immer wieder angepasst. Die Hallentore wurden beispielsweise verbreitert. Moderne Einsatzfahrzeuge sind größer als früher. In den historischen Hallen kann es deshalb schon einmal eng werden.

Heute steht die Feuerwache unter Denkmalschutz, ist aber noch immer im Dienst und rund um die Uhr besetzt.
Zur Wache gehört auch die Freiwillige Feuerwehr. Sie wurde hier 1988 neu gegründet und 2021 wieder eigenständig aufgestellt. Damit gibt es an diesem Standort bis heute neben den hauptamtlichen Kräften auch ehrenamtliches Engagement.

Und die Feuerwehr löscht längst nicht mehr nur Brände. Sie hilft bei Verkehrsunfällen, übernimmt technische Hilfeleistungen und ist eng mit dem Rettungsdienst verbunden. Die Aufgaben sind vielfältig geworden.

Unser nächster Stopp ist nur ein Haus weiter: Das Goethe-Gymnasium.

7. Station: Viktoria-Luise Schule – Goethe-Gymnasium

Das Schulgebäude wurde zwischen 1902 und 1904 nach Plänen des Architekten Otto Herrnring gebaut. Ursprünglich war es für das Viktoria-Luise-Lyzeum bestimmt, eine höhere Mädchenschule. Benannt wurde die Schule nach Prinzessin Viktoria Luise von Preußen, der einzigen Tochter von Kaiser Wilhelm II. Für diesen Namen hatte der Kaiser persönlich seine Erlaubnis gegeben.

Das Gebäude ist deutlich repräsentativer gestaltet als eine typische Schule dieser Zeit. Die Anlage ist symmetrisch aufgebaut und besteht aus einem viergeschossigen Haupttrakt mit kurzen Seitenflügeln. Davor liegt der Hof. An den Ostflügel schließt ein zweigeschossiges Lehrerwohnhaus an.
Besonders auffällig ist der weit vorspringende Mittelteil. Hier liegen unter anderem die Aula sowie Räume für Gesang und Zeichnen. Auch die Fassaden sind aufwendig gestaltet. Otto Herrnring wollte bewusst keine nüchterne „Schulkaserne“ aus rotem Backstein schaffen. Stattdessen entwarf er ein abwechslungsreiches Gebäude mit vielen Details. An der Hauptfassade und an der Seite zur Uhlandstraße finden sich figürliche Darstellungen. Sie greifen Themen aus Bildung und Erziehung auf.

Es gibt auch eine Geschichte zur Schulhofmauer: Um 1929 gab es nur einen niedrigen Mauersockel. Später wurde die Mauer auf etwa zweieinhalb Meter erhöht. Der Grund war der Sportunterricht der Mädchen. Die Schule war damals noch eine reine Mädchenschule. Männer blieben offenbar immer wieder stehen, um den Schülerinnen beim Sport zuzusehen oder die Lehrkräfte zu verhöhnen. Bei der Neugestaltung des Schulhofs 2006/07 wurde der ursprüngliche Zustand aus Gründen des Denkmalschutzes wiederhergestellt.
Auch den Zweiten Weltkrieg überstand das Schulgebäude weitgehend unbeschadet. Nach dem Krieg änderte sich seine Nutzung. 1947 zog zunächst das Bismarck-Gymnasium hier ein. Es war eine traditionsreiche altsprachliche Schule, die 1895 gegründet worden war. Das ursprüngliche Gebäude in der Pfalzburger Straße war im Krieg zerstört worden. Die Schule hatte deshalb ihren Standort wechseln müssen.

Gleichzeitig kam auch die frühere Goethe-Schule in dieses Gebäude. Die Viktoria-Luise-Schule selbst wurde 1939 geschlossen und nach dem Krieg nicht wieder als eigene Schule eingerichtet.

Damit treffen hier drei Schulgeschichten aufeinander. Das heutige Goethe-Gymnasium hat den Namen der früheren Goethe-Schule übernommen. Die humanistische und altsprachliche Tradition geht vor allem auf das Bismarck-Gymnasium zurück.

Heute beginnt das Goethe-Gymnasium in der fünften Klasse. Englisch ist die erste Fremdsprache, danach folgen Latein und Altgriechisch. In der achten Klasse können die Schülerinnen und Schüler entscheiden, ob sie Griechisch fortsetzen oder Französisch lernen. Weitere Fremdsprachen sind möglich. Gleichzeitig gehören Mathematik, Informatik und die Naturwissenschaften zum Schulprofil. Seit 2023 trägt die Schule die Auszeichnung „MINT-freundliche Schule“.

Das Goethe-Gymnasium ist außerdem eine Berliner „BegaSchule“ für besonders begabte Schülerinnen und Schüler. Dazu gehören zum Beispiel zusätzliche Fremdsprachen, besondere Lernangebote, das Überspringen von Klassenstufen oder die Möglichkeit, ab 16 Jahren Universitätsseminare zu besuchen. Auch Musik, Arbeitsgemeinschaften und verschiedene Projekte gehören zum Schulalltag.

Rund 850 Schülerinnen und Schüler lernen heute hier. Sie werden von etwa 75 Lehrkräften bis zum Abitur begleitet.

An unserer nächsten Station endet der heutige Kiezspaziergang auch schon. Wir biegen links in die Fechnerstraße ein und treffen uns am Leon-Jessel-Platz.

Leon Jessel-Platz Pilzbrunnen

8. Station: Leon-Jessel-Platz

Heute ist hier am Leon-Jessel-Platz besonders viel los, denn rund um den Platz findet ein Kiezfest unter dem Motto „Demokratie wählen in Berlin und für Europa“ statt.

Dass hier ein richtiger kleiner Stadtplatz ist, war nicht immer so. Bis 1984 war dieser Bereich vor allem eine Straßenkreuzung. Dann wurde der Platz neu gestaltet und verkehrsberuhigt. In seine Mitte kam der „Wasserpilz“ des Bildhauers Emanuel Scharfenberg.

Der große Pilz aus Bronze ist heute das Wahrzeichen des Platzes. Wasser läuft über seinen Hut und sammelt sich in einem flachen Becken. Besonders bei Kindern ist der Brunnen beliebt. Wegen des Pilzes wird der Platz im Alltag deshalb auch einfach „Pilzplatz“ genannt.

Auch die Nachbarschaft hat den Ort mitgeprägt. Seit vielen Jahren engagiert sich der Verein „Miteinander im Kiez“ hier. 2002 haben Anwohnerinnen und Anwohner gemeinsam mit dem Verein den Leon-Jessel-Platz begrünt. Es gibt Pflegeaktionen, Kiezfeste – so wie heute – und weitere Projekte. So ist aus einem ehemaligen Straßenraum ein Ort geworden, an dem Menschen sich gerne aufhalten.

Seinen Namen trägt der Platz übrigens seit 1985. Er erinnert an den Komponisten Leon Jessel.

Jessel wurde 1871 in Stettin geboren und kam 1911 nach Berlin. Bekannt wurde er vor allem durch seine Operetten. Sein größter Erfolg war das „Schwarzwaldmädel“, das 1917 in Berlin uraufgeführt wurde.
Doch Jessels Geschichte ist auch eine Geschichte der Verfolgung. Er hatte jüdische Wurzeln, war aber bereits als junger Mann zum Christentum übergetreten. Trotzdem verfolgten ihn die Nationalsozialisten wegen seiner Herkunft. Seine Musik durfte nicht mehr aufgeführt werden.
Mitte Dezember 1941 verhaftete ihn die Gestapo und misshandelte ihn schwer. Er starb Anfang Januar 1942 an den Folgen.

Mit der Benennung des Platzes erinnert Wilmersdorf deshalb nicht nur an einen erfolgreichen Komponisten. Der Name erinnert auch an einen Menschen, der von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurde.
Damit endet unser heutiger Kiezspaziergang. Vielen Dank, dass Sie dabei waren und uns durch Wilmersdorf begleitet haben.

Und bevor wir uns verabschieden: Gehen Sie am 20. September wählen. Jede Stimme zählt. Beim heutigen Kiezfest haben Sie noch die Gelegenheit, sich an verschiedenen Informationsständen über die Berliner Parteien und ihre Positionen zu informieren. Um 16 Uhr gibt es außerdem einen Polit-Talk. Dort stellen sich Kandidatinnen und Kandidaten für das Abgeordnetenhaus und die Bezirksverordnetenversammlung den Fragen aus dem Publikum.

Und natürlich gibt es zum Abschluss noch einmal den Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Der findet am Samstag, 10. Oktober statt. Treffpunkt ist am Fürst Hochhaus, Kurfürstendamm 207/208 um 14 Uhr.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

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