282. Kiezspaziergang: Klimaanpassung in Charlottenburg-Wilmersdorf

282. Kiezspaziergang: Klausenerplatz Ecke Danckelmannstraße

Herzlich willkommen! Mein Name ist Oliver Schruoffeneger und ich leite die Abteilung Ordnung, Umwelt, Straßen und Grünflächen. Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem 282. Kiezspaziergang. Wir beschäftigen uns heute mit dem Thema Klimaanpassung.

1. Station: Klausenerplatz – Warum wir unseren Bezirk an den Klimawandel anpassen müssen

Herzlich willkommen zu unserem Kiezspaziergang! Heute wollen wir gemeinsam der Frage nachgehen: Wie machen wir unseren Bezirk fit für den Klimawandel?

Dass sich das Klima verändert, merken wir inzwischen alle. Die Sommer werden heißer. Trockenperioden dauern länger. Gleichzeitig erleben wir häufiger heftige Starkregen. Berlin gehört zu den Städten, die besonders betroffen sind. Das liegt nicht nur am Klimawandel selbst, sondern auch daran, wie Städte gebaut sind. Viele Flächen sind versiegelt. Asphalt, Beton und dunkle Dächer speichern die Wärme, nachts kühlen sie nur langsam wieder ab. Deshalb ist es in dicht bebauten Quartieren oft mehrere Grad wärmer als im Umland. Fachleute sprechen vom „Wärmeinsel-Effekt“.

Für viele Menschen wird das zu einer echten Belastung. Besonders ältere Menschen, kleine Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen leiden unter langen Hitzeperioden. Aber auch Bäume, Grünanlagen und Tiere geraten unter Stress. Gleichzeitig setzen Trockenheit und Starkregen unserer Infrastruktur zu. Regenwasser kann auf versiegelten Flächen nicht versickern. Stattdessen fließt es in kurzer Zeit in die Kanalisation, die bei starken Regenfällen schnell an ihre Grenzen kommt.
Deshalb reicht Klimaschutz allein nicht mehr aus. Klimaschutz bedeutet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, damit sich das Klima möglichst nicht weiter erwärmt. Das bleibt eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit.
Doch selbst wenn wir heute weltweit keine zusätzlichen Treibhausgase mehr ausstoßen, würden viele Folgen des Klimawandels noch Jahrzehnte spürbar bleiben. Deshalb brauchen wir zusätzlich die Klimaanpassung. Sie sorgt dafür, dass unsere Städte auch unter veränderten Bedingungen lebenswert bleiben.
Die entscheidende Frage lautet also: Wie bauen wir unsere Stadt so um, dass sie mit Hitze, Trockenheit und Starkregen besser umgehen kann?
Eine wichtige Antwort darauf ist das Konzept der Schwammstadt. Der Name klingt zunächst ungewöhnlich, beschreibt aber eine einfache Idee. Eine Schwammstadt verhält sich wie ein Schwamm: Sie nimmt Regenwasser auf, speichert es und gibt es langsam wieder ab.

Das Gegenteil kennen wir aus vielen Straßen. Regen fällt auf Asphalt oder Beton und fließt sofort in den Gully. Für Pflanzen und Bäume bleibt davon kaum etwas übrig. Gleichzeitig steigt bei Starkregen die Gefahr, dass die Kanalisation überlastet wird.

In einer Schwammstadt versucht man deshalb, Regenwasser möglichst dort zu halten, wo es herunterkommt. Plätze werden entsiegelt, Grünflächen angelegt, Dächer und Fassaden begrünt oder Mulden geschaffen, in denen Wasser versickern kann. Auch Straßenbäume profitieren davon, wenn Regenwasser gezielt zu ihren Wurzeln geleitet wird. So hilft ein und dieselbe Maßnahme gleich mehrfach: Sie schützt vor Überflutung, verbessert die Wasserversorgung der Pflanzen und sorgt an heißen Tagen für Abkühlung.

In Charlottenburg-Wilmersdorf beschäftigen wir uns schon seit einigen Jahren intensiv mit diesem Thema. 2023 hat der Bezirk ein eigenes Anpassungskonzept beschlossen. Im Mittelpunkt stehen zwei große Ziele: eine hitzeangepasste und eine wassersensible Stadtentwicklung. Seit dem Berliner Klimaanpassungsgesetz (KAnGBln) vom 7. November 2025 wurden diese Aktivitäten noch einmal weiterentwickelt und konkretisiert. Im Kern geht es darum, Menschen, Natur und Infrastruktur besser vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Besonders belastete Hitzeviertel sollen langfristig um zwei Grad gekühlt werden. Teile des Klausenerplatz-Kiezes gelten nach der Definition des Klimaanpassungsgesetzes als Hitzeviertel. Dazu gehören der Bereich östlich der Schloßstraße sowie der südliche Teil des Kiezes zwischen Knobelsdorffstraße und Bismarckstraße.

Grünflächen und sogenannte Kühlinseln sollen für die Menschen möglichst fußläufig erreichbar sein. Auch für die Straßen gibt es klare Vorgaben: Im Durchschnitt soll auf jeder Straßenseite alle 15 Meter ein gesunder Baum stehen. Dabei reicht es natürlich nicht, Bäume einfach nur zu pflanzen. Sie müssen fachgerecht gepflegt werden, damit sie gesund bleiben und ihre kühlende Wirkung auch tatsächlich entfalten können.

Bei Klimaanpassung geht es nicht nur um große Bauprojekte. Sie beginnt oft im Kleinen: auf einem Schulhof, in einem Innenhof, an einer Baumscheibe oder in einer Grünanlage, die von engagierten Nachbarinnen und Nachbarn gepflegt wird. Einige dieser Maßnahmen werden wir heute gemeinsam anschauen.
Unser Spaziergang zeigt deshalb nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen. Wir werden sehen, wie Regenwasser sinnvoll genutzt werden kann, warum Stadtbäume unverzichtbar sind, wie mehr Grün unsere Straßen kühlt und welche wichtige Rolle das Engagement der Menschen im Kiez spielt.

Wir gehen jetzt den Klausenerplatz entlang, biegen rechts in die Nehringstraße und treffen uns vor der Hausnummer 29 an der Fahrradbox.

282. Kiezspaziergang: Fahrradbox

2. Station: Fahrradboxen, Nehringstraße 29

Auf den ersten Blick passt diese Station vielleicht gar nicht so recht zu unserem heutigen Thema. Fahrradboxen schützen schließlich nicht vor Hitze oder Starkregen. Trotzdem haben sie auf unserem Kiezspaziergang ihren Platz. Denn wenn wir über die Zukunft unserer Städte sprechen, gehören Klimaanpassung und Klimaschutz untrennbar zusammen.
Ein wichtiger Baustein des Klimaschutzes ist die Verkehrswende. Wussten Sie, dass rund drei Viertel aller Wege, die Menschen in Deutschland zurücklegen, kürzer als zehn Kilometer sind? Auch viele Wege in Berlin sind überraschend kurz. Für viele Menschen wäre das Fahrrad daher eine gute Alternative zum Auto. Trotzdem nutzen es längst nicht alle. Ein Grund dafür ist manchmal ganz schlicht: Wohin mit dem Fahrrad?

Gerade in Altbauquartieren wie hier gibt es oft keine geeigneten Fahrradkeller. Die Kellertreppen sind steil und eng. Lastenräder oder Pedelecs lassen sich kaum hinuntertragen. Wer ein hochwertiges Fahrrad besitzt, macht sich außerdem Sorgen um Diebstahl oder Vandalismus. Allein in Charlottenburg-Wilmersdorf werden jedes Jahr weit über zweitausend Fahrräder gestohlen. Sichere Abstellmöglichkeiten sind deshalb viel mehr als ein Komfortgewinn – sie sind eine Voraussetzung dafür, dass Menschen ihr Fahrrad im Alltag tatsächlich nutzen.

Genau hier setzen die Fahrradboxen an. Sie funktionieren wie ein kleiner Fahrradkeller im öffentlichen Raum. Jede Box bietet Platz für sechs Fahrräder. Die Stellplätze werden langfristig vermietet und bieten Schutz vor Diebstahl, Wind und Wetter. Für viele Menschen bedeutet das: Sie können ihr Fahrrad genauso bequem und sicher abstellen wie andere ihr Auto.
Charlottenburg-Wilmersdorf hat als einer der ersten Berliner Bezirke dieses Konzept ausprobiert. 2021 startete hier im Klausenerplatz-Kiez ein Modellprojekt mit neun Fahrradboxen. Die Nachfrage war so groß, dass alle Plätze schnell vergeben waren und Wartelisten entstanden. Deshalb haben wir das Projekt ausgeweitet. Heute gibt es im Bezirk 57 Fahrradboxen mit insgesamt mehreren hundert sicheren Stellplätzen. Die Standorte wurden gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern ausgewählt. Über die Beteiligungsplattform mein.berlin konnten Vorschläge eingereicht und bewertet werden.

Natürlich wird über solche Projekte auch diskutiert. Manche kritisieren die Kosten oder fragen, ob öffentliche Flächen dafür genutzt werden sollten. Andere verweisen darauf, dass sichere Fahrradstellplätze genauso zur öffentlichen Infrastruktur gehören wie Parkplätze für Autos. Das Berliner Mobilitätsgesetz sieht ausdrücklich vor, dass diebstahlsichere Fahrradboxen insbesondere in Wohngebieten ermöglicht werden.
Unabhängig von dieser Debatte zeigt das Projekt vor allem eines: Mobilität verändert sich. Immer mehr Menschen steigen auf das Fahrrad um oder kombinieren Fahrrad und öffentlichen Nahverkehr. Die Stadt muss sich auf dieses veränderte Mobilitätsverhalten einstellen.
Unsere nächste Station ist eine Baumscheibe in der Nehringstraße.

Wir gehen also jetzt ein Stück zurück, den Klausenerplatz entlang und biegen rechts in die Nehringstraße ein. Treffpunkt ist Ecke Seelingstraße.

282. Kiezspaziergang: Baumscheibe

Beispiel einer Baumscheibe

3. Station: Baumscheibe (Nehringstr. Ecke Seelingstraße)

Wenn wir über Klimaanpassung sprechen, denken viele zuerst an große Projekte: neue Parks, entsiegelte Plätze oder begrünte Dächer. Dabei beginnt Klimaanpassung oft auf wenigen Quadratmetern, beispielsweise an einer Baumscheibe.
Als Baumscheibe bezeichnet man den offenen Erdbereich rund um den Stamm eines Straßenbaums. Auf den ersten Blick wirkt diese Fläche unscheinbar. Tatsächlich entscheidet sie aber mit darüber, wie gut ein Baum mit Hitze und Trockenheit zurechtkommt.
In der Stadt haben es die Böden oft schwer. Sie werden ständig betreten, manchmal sogar befahren oder als Abstellfläche für Fahrräder und Sperrmüll genutzt. Dadurch verdichtet sich die Erde. Regenwasser kann schlechter versickern, Luft gelangt kaum noch an die Wurzeln, und der Boden trocknet schneller aus. Gerade in heißen Sommern wird das zum Problem.
Eine bepflanzte Baumscheibe kann viel bewirken. Die Pflanzen lockern den Boden mit ihren Wurzeln auf. Dadurch gelangen Wasser und Sauerstoff besser in die Erde. Gleichzeitig beschatten sie den Boden. So verdunstet weniger Wasser und die Feuchtigkeit bleibt länger erhalten. Außerdem entsteht ein kleiner Lebensraum für Insekten und andere Tiere. Aus einer kahlen Erdfläche wird eine artenreiche Mini-Grünfläche.
Genau deshalb fördert der Bezirk Baumscheibenpatenschaften. Wer möchte, kann die Pflege einer Baumscheibe übernehmen, sie bepflanzen, sauber halten oder in Trockenzeiten gießen. Natürlich gibt es dafür Regeln. Nicht jede Baumscheibe eignet sich, und die Bepflanzung muss zum Baum passen. Deshalb werden Interessierte vom Bezirksamt beraten. Ziel ist immer, den Baum zu unterstützen – nicht ihm Konkurrenz zu machen.
Mit dem Berliner Klimaanpassungsgesetz bekommt dieses bürgerschaftliche Engagement künftig sogar eine noch stärkere Grundlage. Ab Ende 2027 sollen Berlinerinnen und Berliner ausdrücklich die Möglichkeit erhalten, Baumscheiben zu bepflanzen und zu pflegen. Charlottenburg-Wilmersdorf bereitet sich schon heute darauf vor und baut passende Beratungs- und Unterstützungsangebote auf.

An unserer nächsten Station beschäftigen wir uns mit dem Thema Stadtbaum. Denn die Baumscheibe ist nur ein Teil des Ganzen. Erst gemeinsam mit einem gesunden Stadtbaum kann sie ihre volle Wirkung für die Klimaanpassung entfalten.

Wir wechseln die Straßenseite und treffen uns gegenüber.

282. Kiezspaziergang: Stadtbäume

4. Station: Straßenbäume

An diesem Baum hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Ich bin ein neuer Berliner Stadtbaum.“ Dieser Hinweis zeigt, dass jeder neue Straßenbaum heute Teil einer großen Strategie ist, mit der Berlin auf den Klimawandel reagiert.
Straßenbäume gehören zu den wirksamsten Maßnahmen der Klimaanpassung. An heißen Sommertagen spenden sie Schatten und kühlen ihre Umgebung. Über ihre Blätter verdunsten sie Wasser – ähnlich wie unser Körper beim Schwitzen. Dadurch sinkt die Temperatur in ihrer unmittelbaren Umgebung spürbar. Gleichzeitig filtern sie Staub und Schadstoffe aus der Luft und schaffen einen Lebensraum für viele Tiere und Insekten.

Mit dem Beschluss des Bezirksamts zum Thema Klimaanpassung und Biodiversitätserhöhung hat sich der Bezirk ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2040 müssen im Bezirk 20.652 Straßenbäume gepflanzt werden. Für 8.400 Bäume sucht der Bezirk neue Standorte. An 32.906 bestehenden Baumstandorten müssen die Baumscheiben wesentlich vergrößert werden. Das Konzept nennt auch den Mittel- und Personalbedarf, um diese Ziele zu erreichen: Es sind mehr als 25 neue Stellen und rund 400 Millionen Euro nötig, um die Maßnahmen des Berliner Klimaanpassungsgesetz umzusetzen.

Ein junger Baum wie dieser entfaltet seine volle Kühlwirkung erst nach vielen Jahren. Deshalb brauchen gerade neu gepflanzte Bäume in den ersten Jahren besondere Pflege und ausreichend Wasser. Erst wenn sie gut anwachsen, können sie ihre wichtige Aufgabe für das Stadtklima dauerhaft erfüllen.
Allerdings hat kaum ein Baum einen schwierigeren Arbeitsplatz als ein Straßenbaum. Der Boden ist oft verdichtet, der Platz für die Wurzeln begrenzt. Im Sommer wird es zwischen Asphalt und Hauswänden besonders heiß. Regenwasser versickert häufig nicht dort, wo der Baum es braucht, sondern fließt direkt in die Kanalisation. Hinzu kommen Abgase, Hundeurin und immer häufiger lange Trockenperioden. Dass Straßenbäume unter diesen Bedingungen überhaupt so alt werden, ist erstaunlich.

Deshalb planen wir heute viel genauer als früher. Im laufenden Projekt „Stadtbäume C-W“ hat unser Fachbereich Grünflächen die leeren Baumscheiben analysiert und mit einem Kriterienkatalog geprüft, ob sich die Standorte für neue Bäume eignen. Vor Ort untersuchten unsere Experten außerdem, ob zusätzliche Entsiegelungen nötig oder sinnvoll sind, um die Bedingungen für Bäume zu verbessern. Die Qualifizierung der Baumgruben und die gezielte Auswahl klimaresilienterer Baumarten macht diese Baumstandorte zukunftssicher. Für die erste Analyse wählte der Bezirk 168 leere Baumscheiben nach Priorität aus. Mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt ist vereinbart, dass die Pflanzung dieser priorisierten Baumstandorte in Charlottenburg-Wilmersdorf berlinweit das erste Pilotprojekt sein wird, das aus Mitteln zur Umsetzung des Berliner Klimaanpassungsgesetzes finanziert wird.

In der Nähe des Klausenerplatz-Kiezes wurden in diesem Pilotprojekt leere Baumscheiben beispielsweise in der Christstraße, dem Horstweg und der Seelingstraße priorisiert.

Gepflanzt werden immer häufiger Bäume, die gute mit Hitze und Trockenheit klarkommen. Bei privaten Baumschulen sind die Lieferzeiten oft lang. Deshalb hat das Bezirksamt entschieden, die kommunale Baumschule am Volkspark Jungfernheide auszubauen. Zwischen 750 und 900 Bäume sollen perspektivisch pro Jahr ausgeliefert werden. Das deckt natürlich nicht den vollständigen Bedarf, aber der Bezirk wird so unabhängiger von kommerziellen Baumschulen und kann langfristig Kosten sparen. Außerdem sind Bäume, die hier wachsen, gut an die Berliner Böden und die Wetterbedingungen angepasst. Geplant ist außerdem, eigenes Fachpersonal auszubilden, das die Bäume aufzieht und pflegt.

Wir gehen jetzt die Straße weiter entlang und treffen uns vor der Nehring-Grundschule.

282. Kiezspaziergang: Nehring-Grundschule

5. Station: Wassersensibel gestalteter Schulhof der Nehring-Grundschule

Wenn wir an einen Schulhof denken, haben viele von uns sofort große Asphaltflächen vor Augen. Im Sommer werden sie so heiß, dass man sie kaum betreten möchte. Und wenn es stark regnet, fließt das Wasser möglichst schnell in den Gully. Genau dieses Prinzip stößt heute immer häufiger an seine Grenzen.

Die Nehring-Grundschule zeigt, dass es auch anders geht. Sie ist eine ausgewiesene Klimaschule und hat ihren Schulhof in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt an die Folgen des Klimawandels angepasst. Das Besondere dabei ist der Umgang mit Regenwasser.

Früher galt Regenwasser oft als etwas, das möglichst schnell abgeleitet werden sollte. Heute wissen wir: Regenwasser ist eine wertvolle Ressource und wir sollten möglichst jeden Tropfen dort halten, wo er fällt.
Deshalb wurde auf diesem Schulgelände ein umfassendes Regenwasserkonzept umgesetzt. Hier besteht der Schulhof zwar auch größtenteils aus Asphalt, das Regenwasser wird aber nicht einfach in die Kanalisation geleitet. Stattdessen wird es dezentral gesammelt, in mehreren großen Zisternen gespeichert und anschließend nach und nach versickert oder zur Bewässerung genutzt. Seit die letzte große Zisterne fertiggestellt wurde, sind hier keine Überflutungen mehr aufgetreten. Gleichzeitig steht gespeichertes Regenwasser zur Verfügung, um die Grünflächen in trockenen Zeiten zu bewässern.

Genau das ist das Prinzip der Schwammstadt, über das wir zu Beginn unseres Spaziergangs gesprochen haben. Auch der Sportplatz trägt dazu bei. Sein Untergrund ist versickerungsfähig. Das Regenwasser gelangt direkt in den Boden, statt oberflächlich abzufließen. Solche Lösungen fallen oft gar nicht auf, haben aber eine große Wirkung.

Die Nehring-Grundschule zeigt also schon heute, wie ein Schulgelände besser mit Starkregen und Trockenheit umgehen kann. Dieses Prinzip wollen wir auch auf andere Schulen im Bezirk übertragen.

Daher haben wir uns alle 50 bezirklichen Schulstandorte systematisch angesehen und deren Klimaanpassungs-Potenzial analysiert. Bei den fünf am höchsten priorisierten Standorten sollen deshalb in den kommenden Jahren sogenannte Schwammschulhöfe entstehen. In dem Beschluss zu Klimaanpassung und Biodiversitätserhöhung hat das Bezirksamt festgehalten, dass die notwendigen Finanzierungsmittel gegebenenfalls innerhalb von 8 Jahren aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität ergänzend zur Investitionsplanung bereitgestellt werden.

Zu diesen fünf Standorten gehören die Schinkel-Grundschule in der Nithackstraße, die Friedensburg-Oberschule in der Goethestraße, das Schiller-Gymnasium in der Schillerstraße, die Ludwig-Cauer-Grundschule in der Cauerstraße und das Sophie-Charlotte-Gymnasium in der Sybelstraße.
Daneben gibt es weitere Projekte. Im Rahmen des Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes Wilmersdorfer Straße (ISEK WiDo) werden die Freiflächen der Eichendorff-Grundschule in der Goethestraße zum Schwammschulhof umgebaut.

Eine wichtige Blaupause dafür entsteht gerade in der Helmuth-James-von-Moltke Grundschule am Heckerdamm. Dort wird aus Mitteln des Förderprogramms „Nachaltige Erneuerung Charlottenburg-Nord“ ein Schwammschulhof realisiert. Die Erfahrungen aus diesem Projekt können wir nutzen, um auch weitere Schulhöfe Schritt für Schritt klimaangepasst umzugestalten.

Unsere nächste Station ist der Stadtplatz Horstweg Ecke Wundtstraße.

282. Kiezspaziergang: Stadtplatz Horstweg Ecke Wundstraße

6. Station: Stadtplatz Horstweg/Wundtstr

Wenn wir über Klimaanpassung sprechen, klingt vieles erst einmal ganz einfach: mehr Bäume, mehr Grün, weniger Asphalt. In Zukunft soll auch hier ein grüner Aufenthaltsort entstehen. Das klingt erst einmal ganz einfach. Tatsächlich steckt dahinter aber ein jahrelanger Planungsprozess. Doch sobald man versucht, diese Ideen mitten in einer dicht bebauten Stadt umzusetzen, merkt man schnell, wie anspruchsvoll das ist.

Schon vor mehr als zehn Jahren entstand in der Nachbarschaft der Wunsch, diesen Ort umzugestalten. Es folgten Workshops, Bürgerbeteiligungen, Testphasen und viele Diskussionen. Zwischendurch wurde der Platz sogar zeitweise gesperrt und als Experiment genutzt. So konnten Fachleute, Anwohnerinnen und Anwohner gemeinsam ausprobieren, wie sich der Ort verändert, wenn nicht mehr der Autoverkehr im Mittelpunkt steht.

Dabei wurde auch deutlich: Klimaanpassung bedeutet oft, unterschiedliche Interessen abzuwägen. Wo heute Parkplätze oder Fahrbahnen sind, wünschen sich andere Menschen Bäume, Sitzgelegenheiten oder Grünflächen. Solche Veränderungen sind bergen großes Konfliktpotenzial. Gleichzeitig zeigen sie, dass Klimaanpassung immer auch eine Frage der Stadtentwicklung ist.
Der geplante Platz soll künftig viele Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Neue Bäume spenden Schatten. Beete und Pflanzinseln sorgen für mehr Grün und fördern die Artenvielfalt. Tiefbeete nehmen Regenwasser auf und lassen es langsam versickern, anstatt es sofort in die Kanalisation abzuleiten. Sitzgelegenheiten laden zum Verweilen ein und machen den Platz zu einem Treffpunkt für die Nachbarschaft.

Besonders spannend ist, dass dieser Platz nicht allein von der Verwaltung gestaltet wird. Von Anfang an waren Anwohnerinnen und Anwohner beteiligt. Sie haben Ideen eingebracht, Modelle diskutiert und sogar selbst mit angepackt. Die Stadtplatz-Initiative hat Holzelemente gebaut, Beete angelegt und kümmert sich bis heute um die Pflege.

Diese enge Zusammenarbeit wird in Zukunft immer wichtiger. Denn die Herausforderungen sind groß. Berlin ist an vielen Stellen dicht bebaut. Unter unseren Füßen verlaufen Wasser-, Strom- und Gasleitungen. Straßen müssen erreichbar bleiben, Rettungswege funktionieren und der öffentliche Nahverkehr berücksichtigt werden. Jeder neue Baum, jedes Beet und jede entsiegelte Fläche müssen deshalb sorgfältig geplant werden.

Doch der Aufwand lohnt sich. Jeder neu geschaffene Grünraum verbessert das Mikroklima, speichert Regenwasser und macht die Stadt lebenswerter.

Wir biegen jetzt rechts in den Horstweg und treffen uns vor der Hausnummer 31 an der Regentonne.

282. Kiezspaziergang: Regentonne

7. Station: Regentonnen (Horstweg 31)

An der Nehring-Grundschule haben wir gesehen, wie Regenwasser auf einem großen Schulgelände gesammelt und genutzt wird. Hier begegnet uns dieselbe Idee noch einmal – allerdings im kleinen Maßstab.

Eigentlich kennt man Regentonnen aus dem Garten. Dort sammeln sie das Wasser vom Hausdach, damit man später die Pflanzen gießen kann. Die Idee der sogenannten Gehweg-Regentonne überträgt dieses Prinzip in den öffentlichen Raum. Das war vor wenigen Jahren noch neu. Gemeinsam mit der Initiative Wassertanke stellte Charlottenburg-Wilmersdorf 2023 die ersten Gehweg-Regentonnen Berlins auf.

Warum gerade hier? Die Antwort liegt in der Berliner Blockrandbebauung. Bei vielen Häusern verläuft das Fallrohr direkt an der Straßenfassade. Das Regenwasser lässt sich deshalb ganz einfach in einer Tonne auf dem Gehweg sammeln. Von dort ist es nur noch ein paar Meter bis zum nächsten Straßenbaum oder zur Baumscheibe.

Das macht einen echten Unterschied. Wer im dritten oder vierten Stock wohnt, wird kaum regelmäßig Wasser in Gießkannen nach unten tragen. Steht die Regentonne direkt vor dem Haus, wird das Gießen deutlich einfacher. Gleichzeitig wird dafür kein kostbares Trinkwasser benötigt.
Nebenbei hilft die Regentonne auch bei Starkregen. Sie hält einen Teil des Wassers zunächst zurück und entlastet damit die Kanalisation. Natürlich ersetzt sie keine große Zisterne wie an der Nehring-Grundschule. Aber sie zeigt, dass sich Regenwasser auch mit ganz einfachen Mitteln sinnvoll nutzen lässt.

Vielleicht fragen Sie sich jetzt: Kann ich so eine Regentonne einfach selbst aufstellen? Tatsächlich ist das möglich. Weil sie auf öffentlichem Gehweg steht, braucht man dafür allerdings eine Sondernutzungserlaubnis des Bezirksamts. Benötigt werden unter anderem die Zustimmung der Hauseigentümerin oder des Hauseigentümers, eine Skizze des Standorts und Angaben zur Regentonne. Wichtig ist außerdem, dass genügend Platz auf dem Gehweg bleibt, die Tonne sicher befestigt ist und nicht überlaufen kann.

Das klingt zunächst nach etwas Bürokratie. Gleichzeitig zeigt es, dass der Bezirk solche Projekte ausdrücklich ermöglicht und dafür inzwischen ein Verfahren geschaffen hat. Aus einer ungewöhnlichen Idee ist damit eine Möglichkeit geworden, selbst etwas zur Klimaanpassung beizutragen.
Eine einzelne Regentonne wird das Stadtklima nicht verändern. Aber sie macht deutlich, dass Klimaanpassung nicht nur Aufgabe von Behörden ist. Auch Anwohnerinnen und Anwohner können mit einfachen Mitteln dazu beitragen, dass Straßenbäume besser durch trockene Sommer kommen. Und genau solche kleinen Bausteine machen eine Stadt Schritt für Schritt widerstandsfähiger gegen den Klimawandel.

Wir gehen jetzt weiter zur letzten Station unseres Kiezspaziergangs: Dem Ziegenhof in der Danckelmannstraße. Dort treffen wir auf Henning Voget und Elke Betzner.

Ziegenhof in Charlottenburg der Blockinitiative 128

8. Station: Ziegenhof

Mit dem Ziegenhof sind wir an unserer letzten Station angekommen. Auf den ersten Blick wirkt dieser Ort ganz anders als die vorherigen. Hier sehen wir keine Zisterne, keinen neu gepflanzten Straßenbaum und keine Regentonne. Trotzdem steckt in diesem Hof sehr viel von dem, worüber wir heute gesprochen haben.

Wo heute Ziegen grasen, Kinder spielen und Beete wachsen, standen früher enge Hinterhöfe und Mietskasernen. In den 1970er Jahren wurden viele Gebäude abgerissen. Eigentlich sollten hier Neubauten entstehen. Doch Anwohnerinnen und Anwohner wollten, dass dieser Ort anders genutzt wird. Sie gründeten die Blockinitiative 128, setzten sich für den Erhalt der Freifläche ein und machten das Gelände Anfang der 1980er Jahre öffentlich zugänglich. Gemeinsam gestalteten sie nach und nach den Ziegenhof, so wie wir ihn heute kennen.

Der gesamte Ziegenhof wird seit über vierzig Jahren ehrenamtlich betrieben. Nachbarinnen und Nachbarn versorgen täglich die Ziegen und Hühner, pflegen die Beete, reparieren Zäune, gießen Pflanzen und organisieren gemeinsame Aktionstage. Finanziert wird vieles über Spenden und mit Unterstützung des Bezirks.

Der Ziegenhof hat aufgrund seiner Beliebtheit und begrenzten Ressourcen eine starke Übernutzung erlebt, die ihm wiederum sehr schadet – genauso wie die Folgen des Klimawandels. Die konkurrierenden Schutzgüter versucht die Blockinitiative 128 in Ausgleich zu bringen. Auf Werbung verzichtet der Verein daher, wirbt aber um Unterstützung, Spenden und freiwillige Helfer.
Mit dem Ziegenhof ist hier ist schon vor mehr als vierzig Jahren etwas entstanden, das wir heute im Rahmen der Klimaanpassung wieder ganz gezielt fördern wollen: eine öffentlich zugängliche grüne Oase mitten in einem dicht bebauten Wohnquartier.

Genau solche Flächen werden mit zunehmender Hitze immer wichtiger. Deshalb sieht unser Beschluss zu Klimaanpassung und Biodiversität vor, bei der Stadtentwicklung künftig stärker darauf zu achten, klimawirksame Grünflächen und Kühlinseln zu schaffen. Sie sollen möglichst so verteilt sein, dass die Menschen sie von ihrer Wohnung aus gut zu Fuß erreichen können.
Gerade innerhalb des S-Bahn-Rings ist das natürlich eine Herausforderung. Hier ist fast jeder Quadratmeter bereits genutzt oder bebaut. Neue Parks lassen sich nicht einfach irgendwo anlegen. Deshalb müssen wir auch kleinere Flächen und private Grundstücke in den Blick nehmen. Bei neuen Bebauungsplänen oder städtebaulichen Verträgen soll geprüft werden, ob auf privaten Grundstücken öffentlich zugängliche „grüne Oasen“ entstehen können.
Der Bezirk will außerdem die Möglichkeit schaffen, geeignete Teilflächen von privaten Baugrundstücken anzukaufen und daraus kleine öffentliche Grünanlagen zu machen. Dabei soll den Eigentümerinnen und Eigentümern kein Nachteil bei der Bebaubarkeit des verbleibenden Grundstücks entstehen. Für solche Ankäufe sollen bis zu eine Million Euro bereitgestellt werden; über jeden konkreten Ankauf muss das Bezirksamt dann noch einmal gesondert entscheiden.

Der Ziegenhof zeigt, welchen Wert solche Flächen entwickeln können. Aus einer damals umkämpften Freifläche ist über Jahrzehnte ein grüner Ort für die gesamte Nachbarschaft geworden. Heute versuchen wir, solche Freiräume nicht mehr nur dem Zufall oder dem Engagement Einzelner zu überlassen, sondern sie auch mit den Mitteln der Stadtplanung gezielt zu sichern und neu zu schaffen.

Zum Abschluss noch ein Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Der findet am Samstag, 12. September, statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Kommunalen Galerie, Hohenzollerndamm 176.

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