Herzlich willkommen! Mein Name ist Oliver Schruoffeneger und ich leite die Abteilung Ordnung, Umwelt, Straßen und Grünflächen. Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem 282. Kiezspaziergang. Wir beschäftigen uns heute mit dem Thema Klimaanpassung.
1. Station: Klausenerplatz – Warum wir unseren Bezirk an den Klimawandel anpassen müssen
Herzlich willkommen zu unserem Kiezspaziergang! Heute wollen wir gemeinsam der Frage nachgehen: Wie machen wir unseren Bezirk fit für den Klimawandel?
Dass sich das Klima verändert, merken wir inzwischen alle. Die Sommer werden heißer. Trockenperioden dauern länger. Gleichzeitig erleben wir häufiger heftige Starkregen. Berlin gehört zu den Städten, die besonders betroffen sind. Das liegt nicht nur am Klimawandel selbst, sondern auch daran, wie Städte gebaut sind. Viele Flächen sind versiegelt. Asphalt, Beton und dunkle Dächer speichern die Wärme, nachts kühlen sie nur langsam wieder ab. Deshalb ist es in dicht bebauten Quartieren oft mehrere Grad wärmer als im Umland. Fachleute sprechen vom „Wärmeinsel-Effekt“.
Für viele Menschen wird das zu einer echten Belastung. Besonders ältere Menschen, kleine Kinder und Menschen mit Vorerkrankungen leiden unter langen Hitzeperioden. Aber auch Bäume, Grünanlagen und Tiere geraten unter Stress. Gleichzeitig setzen Trockenheit und Starkregen unserer Infrastruktur zu. Regenwasser kann auf versiegelten Flächen nicht versickern. Stattdessen fließt es in kurzer Zeit in die Kanalisation, die bei starken Regenfällen schnell an ihre Grenzen kommt.
Deshalb reicht Klimaschutz allein nicht mehr aus. Klimaschutz bedeutet, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern, damit sich das Klima möglichst nicht weiter erwärmt. Das bleibt eine der wichtigsten Aufgaben unserer Zeit.
Doch selbst wenn wir heute weltweit keine zusätzlichen Treibhausgase mehr ausstoßen, würden viele Folgen des Klimawandels noch Jahrzehnte spürbar bleiben. Deshalb brauchen wir zusätzlich die Klimaanpassung. Sie sorgt dafür, dass unsere Städte auch unter veränderten Bedingungen lebenswert bleiben.
Die entscheidende Frage lautet also: Wie bauen wir unsere Stadt so um, dass sie mit Hitze, Trockenheit und Starkregen besser umgehen kann?
Eine wichtige Antwort darauf ist das Konzept der Schwammstadt. Der Name klingt zunächst ungewöhnlich, beschreibt aber eine einfache Idee. Eine Schwammstadt verhält sich wie ein Schwamm: Sie nimmt Regenwasser auf, speichert es und gibt es langsam wieder ab.
Das Gegenteil kennen wir aus vielen Straßen. Regen fällt auf Asphalt oder Beton und fließt sofort in den Gully. Für Pflanzen und Bäume bleibt davon kaum etwas übrig. Gleichzeitig steigt bei Starkregen die Gefahr, dass die Kanalisation überlastet wird.
In einer Schwammstadt versucht man deshalb, Regenwasser möglichst dort zu halten, wo es herunterkommt. Plätze werden entsiegelt, Grünflächen angelegt, Dächer und Fassaden begrünt oder Mulden geschaffen, in denen Wasser versickern kann. Auch Straßenbäume profitieren davon, wenn Regenwasser gezielt zu ihren Wurzeln geleitet wird. So hilft ein und dieselbe Maßnahme gleich mehrfach: Sie schützt vor Überflutung, verbessert die Wasserversorgung der Pflanzen und sorgt an heißen Tagen für Abkühlung.
In Charlottenburg-Wilmersdorf beschäftigen wir uns schon seit einigen Jahren intensiv mit diesem Thema. 2023 hat der Bezirk ein eigenes Anpassungskonzept beschlossen. Im Mittelpunkt stehen zwei große Ziele: eine hitzeangepasste und eine wassersensible Stadtentwicklung. Seit dem Berliner Klimaanpassungsgesetz (KAnGBln) vom 7. November 2025 wurden diese Aktivitäten noch einmal weiterentwickelt und konkretisiert. Im Kern geht es darum, Menschen, Natur und Infrastruktur besser vor den Folgen des Klimawandels zu schützen. Besonders belastete Hitzeviertel sollen langfristig um zwei Grad gekühlt werden. Teile des Klausenerplatz-Kiezes gelten nach der Definition des Klimaanpassungsgesetzes als Hitzeviertel. Dazu gehören der Bereich östlich der Schloßstraße sowie der südliche Teil des Kiezes zwischen Knobelsdorffstraße und Bismarckstraße.
Grünflächen und sogenannte Kühlinseln sollen für die Menschen möglichst fußläufig erreichbar sein. Auch für die Straßen gibt es klare Vorgaben: Im Durchschnitt soll auf jeder Straßenseite alle 15 Meter ein gesunder Baum stehen. Dabei reicht es natürlich nicht, Bäume einfach nur zu pflanzen. Sie müssen fachgerecht gepflegt werden, damit sie gesund bleiben und ihre kühlende Wirkung auch tatsächlich entfalten können.
Bei Klimaanpassung geht es nicht nur um große Bauprojekte. Sie beginnt oft im Kleinen: auf einem Schulhof, in einem Innenhof, an einer Baumscheibe oder in einer Grünanlage, die von engagierten Nachbarinnen und Nachbarn gepflegt wird. Einige dieser Maßnahmen werden wir heute gemeinsam anschauen.
Unser Spaziergang zeigt deshalb nicht nur Probleme, sondern auch Lösungen. Wir werden sehen, wie Regenwasser sinnvoll genutzt werden kann, warum Stadtbäume unverzichtbar sind, wie mehr Grün unsere Straßen kühlt und welche wichtige Rolle das Engagement der Menschen im Kiez spielt.
Wir gehen jetzt den Klausenerplatz entlang, biegen rechts in die Nehringstraße und treffen uns vor der Hausnummer 29 an der Fahrradbox.