Nach der Wiedervereinigung wirkte die City West zunächst weniger modern als die neue Berliner Mitte. Viele Kinos schlossen, und manche hielten den Ku’damm für überholt. Seit den 2010er Jahren erlebt die Gegend jedoch wieder einen Wandel. Neue Kulturorte, Zwischennutzungen und kreative Projekte prägen heute das Bild. „The Space“ steht genau für diese Entwicklung. In einer temporären Architektur aus Containern entstehen hier Ausstellungen, Workshops, Veranstaltungen und Experimentierräume für Kunst, Technologie und Stadtkultur. Die City West zeigt sich damit erneut als Ort, an dem Neues ausprobiert wird.
Eva Stripp ist Projektmanagerin und erzählt uns, was alles im „The Space“ möglich ist.
„The Space“ – früher bekannt als „Masumi Space“ – ist ein experimenteller Ort am Kurfürstendamm. Die Architektur ist bewusst einfach und flexibel. Rund vierzig Hochseecontainer bilden das Grundgerüst. Daraus entstehen Räume, die sich immer wieder neu kombinieren lassen. Mal sind es kleine Ausstellungen, mal große Events mit mehreren hundert Menschen. Alles ist beweglich, nichts ist endgültig.
Das macht diesen Ort so spannend. Es geht hier nicht um ein fertiges Konzept, sondern um ein offenes System. Ein Raum, der ausprobiert, was möglich ist.
In der Stadtplanung nennt man das eine „Zwischennutzung“. Eine Fläche, die eigentlich leer steht, wird temporär aktiviert. Doch hier passiert mehr als nur eine Übergangslösung. The Space versteht sich als Labor. Ein Ort, an dem neue Ideen entstehen und getestet werden.
An diesem Ort treffen ganz unterschiedliche Bereiche aufeinander. Kunst, Technologie, Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur werden bewusst miteinander verbunden. Es gibt Ausstellungen, Talks, Workshops, Installationen. Manchmal entstehen auch ganz unerwartete Formate.
Ein Schwerpunkt liegt auf dem Thema Zukunft. Aber nicht im Sinne von Science-Fiction, sondern um drängende Fragen zu beantworten: Welche Technologien gibt es schon heute? Wie verändern sie unseren Alltag? Und wie können wir damit umgehen?
Dafür bringt „The Space“ Menschen aus verschiedenen Feldern zusammen. Designer, Künstler, Entwickler, Wissenschaftler. Sie tauschen sich aus, arbeiten gemeinsam und zeigen ihre Projekte. Besucher können diese Prozesse oft direkt miterleben.
Ein weiteres wichtiges Thema ist Gemeinschaft. Der Ort versteht sich als Plattform für verschiedene Communities. Menschen sollen sich hier begegnen, Ideen teilen und gemeinsam etwas entwickeln. Kultur ist dabei kein Zusatz, sondern der Kern des Ganzen.
Auch Bildung spielt eine große Rolle. Es gibt Workshops, Diskussionsrunden und Formate zum gemeinsamen Lernen. Dabei geht es nicht nur um Wissen, sondern auch um Perspektiven. Wie schauen wir auf die Welt? Und wie können wir sie mitgestalten?
Gleichzeitig schafft der Ort auch bewusste Gegenräume. In einer Stadt, die oft schnell und laut ist, gibt es hier Angebote für Ruhe und Reflexion. Formate rund um Achtsamkeit und Wellbeing gehören ebenso dazu. Körper und Geist werden mitgedacht.
Spannend ist auch die Verbindung von Kultur und Wirtschaft. Marken nutzen den Ort für Präsentationen oder Events. Doch ein Teil der Einnahmen fließt direkt zurück in kulturelle Projekte. So entsteht ein Kreislauf, der kreative Arbeit unterstützt.
Ein sichtbares Zeichen dieses Ansatzes ist das große Wandbild hier vor Ort. Eine riesige Fläche, die immer wieder neu gestaltet wird. Kunst wird bewusst in den öffentlichen Raum geholt.
The Space steht damit für eine neue Art von Kulturort. Kein festes Haus mit klarer Funktion, sondern ein offener Prozess. Und vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft dieser letzten Station: Stadt ist nie fertig. Sie lebt davon, dass Menschen sie nutzen, verändern und neu denken.
Damit sind wir am Ende des heutigen Kiezspaziergangs. Vielen Dank, dass Sie mich begleitet haben. Der nächste Spaziergang findet am Samstag, 13. Juni statt. Um 14 Uhr geht es mit Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz durch den Volkspark Wilmersdorf. Treffpunkt ist um 14 Uhr am „ Hippie-Hügel“ (zwischen Kufsteiner und Babelsberger Straße).