Das Schoeler Schlösschen ist das älteste erhaltene Gebäude in Wilmersdorf. Seine Geschichte beginnt Mitte des 18. Jahrhunderts, lange bevor Wilmersdorf zur Großstadt wurde.
Ursprünglich stand hier ein einfaches bäuerliches Haus. Es wurde um 1752 für den Pfarrer Samuel Gottlieb Fuhrmann errichtet. Dazu gehörte eine Maulbeerplantage für die Seidenraupenzucht. Wilmersdorf war damals ein kleines Angerdorf am See.
Schon wenige Jahre später änderte sich der Charakter des Hauses grundlegend. 1765 ließ der Berliner Kaufmann Cornelius Adrian Hesse ein barockes Landhaus errichten. Aus dem Nutzbau wurde ein repräsentativer Sommersitz. Der große Garten reichte bis zum Wilmersdorfer See. Das Haus überstand Brände und Kriege und blieb ungewöhnlich gut erhalten.
Im 19. Jahrhundert wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer. Bankiers, Fabrikanten und Akademiker nutzten es als Sommerresidenz. Der Garten wurde erweitert, umgestaltet und galt zeitweise als Sehenswürdigkeit. Das Schlösschen erzählt damit auch vom Wandel Wilmersdorfs: vom Dorf zur Sommerfrische und schließlich zum dicht bebauten Stadtteil.
Seinen heutigen Namen erhielt das Haus 1893. Damals kaufte der bekannte Augenarzt Heinrich Schoeler das Anwesen. Er lebte hier bis zu seinem Tod 1918. Die Familie bewohnte das Haus ganzjährig, hielt aber bewusst an einem eher traditionellen Lebensstil fest. Elektrisches Licht oder Telefon ließ Schoeler nicht einbauen. In dieser Zeit wuchs Wilmersdorf ringsum rasant.
Nach dem Ersten Weltkrieg geriet das Grundstück unter Druck. In den späten 1920er Jahren entstanden rundherum große Wohnanlagen. Das Haus selbst konnte nur durch Interventionen erhalten werden. Es ging in städtischen Besitz über und wurde dem Jugendamt übertragen.
In der NS-Zeit wurde das Schlösschen massiv umgebaut. Ein zusätzliches Stockwerk kam hinzu. Das Haus diente als Heim der Hitlerjugend und als Ort einer lokalgeschichtlichen Ausstellung. Diese Phase gehört zur schwierigen Geschichte des Gebäudes.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann ein neuer Abschnitt. Ab 1946 wurde das Haus fast sechs Jahrzehnte lang als Kindertagesstätte genutzt. Viele Wilmersdorferinnen und Wilmersdorfer verbinden persönliche Erinnerungen mit dieser Zeit. Erst ein Brand im Jahr 2003 führte zum Leerstand.
Es folgten lange Jahre der Unsicherheit. Sanierungspläne, Finanzierungsmodelle und Nutzungsideen wechselten. Auch der Versuch, hier die Bibliothek von Altbundespräsident Johannes Rau unterzubringen, scheiterte. Eine Bürgerinitiative setzte sich für eine kulturelle Nutzung ein. Zwischendurch wurde das Haus temporär für zeitgenössische Kunst geöffnet.
Ab 2021 begann schließlich die umfassende Sanierung. Ziel war eine barrierearme Wiederherstellung und eine dauerhafte kulturelle Nutzung. Die Arbeiten wurden mit Bundesmitteln und durch den Bezirk finanziert.
Seit 2025 ist das Schoeler-Schlösschen wieder geöffnet. Es versteht sich heute als Kultur- und Begegnungsort für den Kiez. Mit Ausstellungen, Work-Shops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Konzerten und Lesungen. Oder einfach nur zum Kaffeetrinken und Kuchenessen im Café.
Das Schoeler-Schlösschen ist damit kein Museum im klassischen Sinn. Es ist ein Haus mit vielen Schichten. Es erzählt von fast 300 Jahren Ortsgeschichte. Und es zeigt, wie ein historisches Gebäude immer wieder neue Bedeutungen annehmen kann.
Damit sind wir am Ende des heuten Spaziergangs. Ich danke Ihnen, dass Sie mich bei diesen winterlichen Temperaturen begleitet haben.
Zum Abschluss noch ein Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Treffpunkt ist am Samstag, 14. März, um 14 Uhr an der Fasanenstraße 69, der Gedenktafel von Asta Nielsen.
Zusammen mit Bezirksbürgermeisterin Kirstin Bauch entdecken Sie Künstlerinnen, die das kulturelle Leben des Bezirks geprägt haben — von Film, Fotografie und Literatur bis hin zu Tanz und bildender Kunst.