274. Kiezspaziergang: Entdeckungsreise durch Schmargendorf

274. Kiezspaziergang: Bezirksstadträtin Astrid Duda

Herzlich willkommen! Mein Name ist Astrid Duda und ich leite die Abteilung Bürgerdienste und Soziales. Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem 274. Kiezspaziergang und dem letzten Spaziergang in diesem Jahr.

Bevor es losgeht, gibt es wie immer an dieser Stelle schon einmal einen Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Am Samstag, 10. Januar 2026, erkunden Sie zusammen mit meinem Kollegen Christoph Brzezinski die Deutsche Oper. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Oper. Wichtig zu wissen: Die maximale Teilnehmerzahl liegt bei 90 Personen. Deshalb müssen Sie sich diesmal ausnahmsweise vorher zum Kiezspaziergang anmelden.

Der 274. Kiezspaziergang kann auf Komoot nachgelaufen werden.
274. Kiezspaziergang: Rathaus Schmargendorf

1. Station: Das Rathaus Schmargendorf

Der Ort blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1354 reicht, als er als „Markgrafendorf“ gegründet wurde. Vom kleinen Bauerndorf entwickelte sich Schmargendorf im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ziel für Berliner Sommerfrischler, vor allem dank der Nähe zum Grunewald und der Eröffnung der Ringbahnstation 1883. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts wurden landwirtschaftliche Flächen verkauft, um Platz für Wohngebäude zu schaffen. Heute ist der Ortsteil mit etwa 24.000 Einwohnern ein lebendiger Teil Berlins, hat sich aber seinen dörflichen Charme bewahrt. Dennoch ist man von hier gut angebunden und braucht nur etwa 15 Minuten zum Ku’damm.

Das Rathaus Schmargendorf ist ein Wahrzeichen des Stadtteils und wurde zwischen 1900 und 1902 von dem Potsdamer Architekten Otto Kerwien im Stil der märkischen Backsteingotik erbaut. Der Bau kombiniert Jugendstilelemente mit Elementen aus mittelalterlichen Bauten aus Städten wie Tangermünde und Stendal. So fügt er sich harmonisch in die Tradition märkischer Architektur ein.

Das Gebäude selbst beeindruckt mit einer malerischen Fassade, die von steilen Giebeln und einem zinnenbekränzten Rundturm überragt wird. Der Turm, der 46 Meter hoch ist, dominiert die Szenerie und verleiht dem Rathaus ein märchenschlosshaftes Aussehen. Besonders auffällig sind die farbigen Mosaiken an der Südfassade, die Wappen von verschiedenen Adelsgeschlechtern zeigen.

Die Geschichte des Rathauses spiegelt den Aufschwung Schmargendorfs zu Beginn des 20. Jahrhunderts wider. Als Schmargendorf 1899 den Status eines eigenständigen Amtsbezirks erhielt, war es ein Zeichen für die zunehmende Bedeutung des Dorfes. Der Bau des Rathauses wurde aus den Einnahmen der Landverkäufe für den Ausbau des Hohenzollerndamms finanziert. Der Bau selbst sollte nicht nur die Verwaltung unterbringen, sondern auch symbolisch den Wohlstand und das Selbstbewusstsein des aufstrebenden Ortes unterstreichen.

Die Räumlichkeiten des Gebäudes wurden über die Jahre immer wieder umgestaltet, um den sich verändernden Bedürfnissen gerecht zu werden. Im Ratskeller, der in den 1960er Jahren renoviert wurde und bis 2015 als Veranstaltungsort für Familienfeiern und Gruppenaktivitäten diente ist seit 2019 Adolf-Reichwein-Bibliothek untergebracht, Zweigstelle der Stadtbibliothek. Außerdem befinden sich hier ein beliebter Trausaal – den wir uns gleich noch näher ansehen – die Volkshochschule und die Musikschule City West.

Seit 2004 hat die Musikschule hier ihren Sitz. Sie nutzt das Haus vor allem für Unterricht und Proben. Täglich kommen hier Kinder, Jugendliche und Erwachsene zusammen, um zu musizieren – vom ersten Instrumentalunterricht bis zu Ensembles und Workshops. Mit mehr als 5.000 Schülerinnen und Schülern sowie rund 300 Lehrkräften die größte Musikschule der Stadt und eine der größten in Deutschland.

Lassen Sie uns jetzt ins Rathaus gehen und den Trausaal in der zweiten Etage besichtigen. Wem das Treppensteigen schwer fällt, der kann auch den Aufzug nehmen.

274. Kiezspaziergang: Trausaal Rathaus Schmargendorf

2. Station: Trausaal im Rathaus

In diesem Trausaal haben schon zahlreiche prominente Persönlichkeiten den Bund fürs Leben geschlossen. Albert Einstein, Romy Schneider, Harald Juhnke, Roland Kaiser und viele weitere bekannte Gesichter haben in diesem Raum geheiratet. Der Trausaal hat sich dadurch einen Ruf als eine der beliebtesten Eheschmieden Berlins erarbeitet.

Doch wie kam es dazu? Bereits nach der Gründung von Groß-Berlin 1920 verlor das Schmargendorfer Rathaus seine Funktion als Verwaltungsgebäude. Ab diesem Zeitpunkt zog das Standesamt des Bezirks Wilmersdorf ein, und der ehemalige Ratssaal wurde zum Trausaal umfunktioniert. Dieser Raum, mit seiner romantischen Architektur und den historischen Wappen, bietet den perfekten Rahmen für eine Hochzeit. Die verspielte Architektur des Rathauses, die sich in dem weitläufigen Raum widerspiegelt, macht den Trausaal zu einem besonders begehrten Ort für Brautpaare.

Besonders auffällig ist das Relief, das über dem Kamin prangt – eine Szene aus Richard Wagners Oper „Die Walküre“. Diese Oper handelt von Macht, Liebe, Ehebruch und Inzest. Ob diese dramatischen Themen wirklich die richtige Einstimmung für eine Hochzeit sind, bleibt fraglich. Doch wer sich in diesem Raum das Ja-Wort gibt, lässt sich offensichtlich nicht von den düsteren Aspekten der Geschichte ablenken. Für die Paare zählt vor allem der feierliche Rahmen, die wunderschöne Gestaltung und die Bedeutung des Ortes.

Neben den vielen Hochzeiten, die hier stattfanden, wird der Trausaal auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Die Musikschule veranstaltet hier beispielsweise die Schmargendorfer Kammerkonzerte und auch die das Neujahrskonzert. Das nächste findet übrigen am Sonntag, 11. Januar 2026, um 17 Uhr statt.

Wir verlassen jetzt das Rathaus und gehen zur Gedenktafel von Rainer Maria Rilke an der Hundekehlestraße 11. Dazu gehen wir die Kösener Straße entlang und biegen an der ersten Kreuzung rechts ab.

274. Kiezspaziergang: Rainer Maria Rilke

3. Station: Gedenktafel Rainer Maria Rilke

In der „Villa Waldfrieden“, die damals hier stand, lebte Rilke von 1898 bis 1900. Diese Zeit in Wilmersdorf war prägend für den Dichter und sein Werk.

Rainer Maria Rilke wurde 1875 in Prag geboren und zählt zu den wichtigsten Dichtern der Moderne. Schon früh zeigte er seine künstlerische Begabung und wurde zu einem herausragenden Lyriker in deutscher und französischer Sprache. Besonders bekannt wurde er durch Werke wie „Das Stunden-Buch“ und die „Neuen Gedichte“, in denen er die Verbindung von Kunst, Existenz und Transzendenz thematisierte. In seinen „Duineser Elegien“ und den „Sonetten an Orpheus“ erreichte er einen Höhepunkt seiner Poesie.

In der Villa Waldfrieden, die er hier bewohnte, schrieb er 1899 die erste Fassung seines berühmten Werkes „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“. Dieses Werk ist eines der bekanntesten Prosa-Werke des Dichters. Es erzählt die Geschichte von Christoph von Rilke, angeblich ein Vorfahre des Dichters, der Ende des 17. Jahrhunderts unter dem legendären General Spork in den Krieg zieht. Der 18-jährige Leutnant wird zum Cornet, also zum Fahnenträger, befördert. Er erfährt den Krieg in all seiner grausamen Brutalität, erlebt eine leidenschaftliche Liebesnacht und stirbt, als er sich kopflos in den Angriff auf die feindlichen Soldaten stürzt. Das Werk erreichte Kultstatus. Rilke war damals erst 24 Jahre alt. Doch seine Erfahrungen in den Militärschulen und sein reflektiertes Erleben der Welt flossen bereits in seine Texte ein.

Die Hundekehlestraße war nicht die einzige Wohnung, in der Rilke während seiner vier Jahre in Berlin lebte. Seine erste Wohnung hatte er in Wilmersdorf, seine letzte in der Misdroyer Straße. Rilkes Eindrücke von Berlin waren zwiespältig. Einerseits empfand er die Architektur der Stadt als beeindruckend und die Lebensweise als aufregend, andererseits fand er die Berliner spießig und den Dialekt seltsam. Trotzdem war Berlin für Rilke ein wichtiger Ort für seine künstlerische Entwicklung, vor allem durch seine Begegnungen mit seiner Freundin und späteren Muse Lou Andreas-Salomé. Sie war es auch, die anregte, dass er sich von seinem eigentlichen Vornamen „René“ trennen sollte. Rilke nannte sich von da an „Rainer“ – ein symbolischer Schritt, um sich von der Vergangenheit zu befreien und sich als Dichter zu definieren.

Rilkes Leben war von intensiven Reisen geprägt – er lebte in Paris, besuchte Russland und kam immer wieder in Kontakt mit bedeutenden Künstlern seiner Zeit. Trotz seines literarischen Erfolgs hatte er mit inneren Konflikten und gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 1926 starb er in der Schweiz. Rilkes Werk lebt weiter und beeinflusst noch heute viele Menschen weltweit.

Unsere nächste Station ist die Kita Schatzinsel in der Heydenstraße. Dazu wechseln wir die Straßenseite und gehen in die Heydenstraße. Wir treffen uns vor der Hausnummer 9.

274. Kiezspaziergang: Kita Heydenstraße

4. Kita „Schatzinsel“

Die Kita „Schatzinsel“ gehört zum Berliner Eigenbetrieb Nordwest, einem großen Träger, der insgesamt 65 Kitas in Charlottenburg-Wilmersdorf, Reinickendorf und Spandau betreibt. Die Kita hier in Schmargendorf bietet Platz für rund 110 Kinder – von den ganz Kleinen bis zu den Vorschulkindern.

Die Einrichtung arbeitet nach dem Situationsansatz und dem Konzept der Offenen Arbeit. Das heißt: Die Kinder sind aktiv beteiligt, sie gestalten ihren Alltag mit und entscheiden viele Dinge selbst. Pädagoginnen und Pädagogen begleiten sie dabei und schaffen Räume, in denen Kinder ausprobieren, lernen und Konflikte lösen können.

Ein Beispiel dafür ist die Kinderkonferenz. Dort lernen die Kinder gemeinsame Entscheidungen zu treffen, Kompromisse einzugehen, Verantwortung zu übernehmen und Projekte von der Idee bis zur Umsetzung zu begleiten.

Die Kita legt außerdem großen Wert auf Sprache. Alle Kinder erhalten gezielte Sprachförderung, bei Bedarf auch in kleinen Gruppen. Bewegung spielt ebenfalls eine wichtige Rolle: Jede Woche gibt es eine Sportstunde, Yoga für Kinder ab drei Jahren und Schwimmen für die Vier- bis Fünfjährigen. Im Haus gibt es einen Sportraum mit speziellen Geräten zur Schulung von Motorik, Koordination und Selbstvertrauen.

Ein besonders geliebter Ort ist der große Garten. Mit seinen alten Bäumen und offenen Rasenflächen bietet er viel Platz zum Klettern, Rennen, Balancieren und für erste Naturerfahrungen. Die Kinder entdecken Pflanzen, beobachten Tiere, helfen beim Gärtnern und erleben, wie sich die Jahreszeiten verändern.

Auch der Alltag ist abwechslungsreich gestaltet: Es wird regelmäßig gekocht und gebacken. Die Kinder entscheiden, was sie zubereiten möchten, planen gemeinsam den Einkauf und legen dann in der Küche los. Die Rezepte wandern später in ein eigenes Kita-Kochbuch.

Für die älteren Kinder gibt es die sogenannte „Schatzpiratenarbeit“. Dabei geht es um die Vorbereitung auf die Schule – nicht nur inhaltlich, sondern auch emotional. Fragen, Sorgen und Erwartungen werden gemeinsam besprochen. Die Kita arbeitet eng mit den umliegenden Grundschulen zusammen und bietet für die Eltern jedes Jahr Informationen zur anstehenden Schulzeit.

Unsere nächste Station ist die Villa Riefenstahl. Wir gehen die Heydenstraße weiter entlang bis zur Hausnummer 30.

274. Kiezspaziergang: Villa Riefenstahl

5. Station: Villa Riefenstahl

Die umstrittene Regisseurin Leni Riefenstahl ließ sich das Haus in den Jahren 1935/36 auf dem Höhepunkt ihrer Kino-Karriere bauen. Das Gebäude verbindet traditionelle und moderne Architekturelemente. Heute steht es unter Denkmalschutz.

Die Villa ist ein zweigeschossiges Haus im alpenländischen Stil, mit Satteldach und tiefen Segmentbogenfenster. An der Gartenseite findet man moderne Elemente wie große Fensterflächen, die den Raum optisch mit der Terrasse und dem Garten verbinden. Der Garten selbst wurde von Heinrich Wiepking-Jürgensmann gestaltet und wirkt offen und weitläufig, was das Haus mit seiner Umgebung verschmelzen lässt. Besonders auffällig ist, dass Riefenstahl bei der Planung des Hauses sehr viel Wert auf einen fließenden Übergang zwischen öffentlichem und privatem Raum legte.

Im Inneren finden sich großzügige Räume: Das Wohnzimmer zur Gartenseite, das durch hohe Fenster Licht und Weite bietet, war so konzipiert, dass es auch als privater Kinosaal genutzt werden konnte. Im Obergeschoss befanden sich Schlafzimmer, Gästezimmer und ein Ankleidezimmer. Im Keller war eine Dunkelkammer eingerichtet – passend zu Riefenstahls Leidenschaft für Fotografie.

Die Villa wurde von den Architekten Ernst Petersen und Hans Ostler entworfen. Petersen kannte Riefenstahl aus ihrer Zeit im Bergfilm-Genre, und Ostler hatte zuvor mit anderen Bauten in Garmisch-Partenkirchen auf sich aufmerksam gemacht. Der Einfluss des alpenländischen Stils ist unübersehbar.

Nach dem Ende des Nazi-Regimes, zu dem Riefenstahl enge Kontakte gepflegt hatte, verkaufte sie das Haus und zog in den Schwarzwald. Ab den 1950er Jahren wurde das Gebäude mehrfach umgebaut.

Leni Riefenstahl ist international bekannt, aber eine der umstrittensten Figuren der deutschen Filmgeschichte. Sie wurde für ihre innovative Arbeit als Regisseurin berühmt, insbesondere für ihre Filme „Triumph des Willens“ und „Olympia“, die durch ihre damals revolutionären Kamera- und Schnitttechniken beeindrucken. Doch ihre Filme dienten auch der Propaganda des Nationalsozialismus. Riefenstahl selbst bestritt, dass ihre Arbeiten politisch motiviert waren. Sie erklärte, dass es ihr einzig um die ästhetische Gestaltung und die Filmkunst gegangen sei. Doch ihre Nähe zum NS-Regime ist unbestreitbar. Sie drehte unter anderem die „Reichsparteitagstrilogie“, die Hitler und die NSDAP in glorifizierenden Bildern darstellt.

Obwohl sie nach dem Krieg als „Mitläuferin“ eingestuft wurde, bleibt ihre Rolle als Filmemacherin im Dienst der Nazis ein dunkles Kapitel. Riefenstahl stellte sich nach dem Krieg als Opfer dar und leugnete, die politischen Implikationen ihrer Arbeit erkannt zu haben. Diese Darstellung ist jedoch problematisch, da sie ihre Nähe zum Regime nicht nur in Filmen, sondern auch in persönlichen Beziehungen zu hochrangigen Nazi-Funktionären wie Joseph Goebbels und Adolf Hitler selbst pflegte.

Riefenstahl hielt sich zeitlebens von einer kritischen Auseinandersetzung mit ihrer Rolle im Nationalsozialismus fern. Ihre Filme und Fotografien, darunter auch ihre späteren Arbeiten über das Volk der Nuba, wurden zwar international gefeiert, doch die Vorwürfe des Nationalismus und der rassistischen Ideologie, die in vielen ihrer Werke mitschwingen, blieben unbeantwortet.

Unsere nächste Station ist das Palais Gerstenberg. Wir gehen den Park an der Messelstraße entlang und biegen dann in die Hammersteinstraße ab.

274. Kiezspaziergang: Villa Gerstenberg

6. Station: Palais Gerstenberg

Das Palais Gerstenberg ist eine der eindrucksvollsten Villen in Schmargendorf. Auf den ersten Blick wirkt das Gebäude eher wie ein herrschaftliches Landhaus – mit Turm, Freitreppe und einer Fassade, die auf jeder Seite anders aussieht. Und genau das war auch so gewollt. Der Architekt Carl Vohl, ein wichtiger Baumeister der Kaiserzeit, entwarf die Villa zwischen 1903 und 1905 für den Versicherungsmathematiker und Unternehmer Otto Gerstenberg. Er wollte ein Haus, das in dem weitläufigen Park bestehen konnte und trotzdem eine gewisse Eleganz ausstrahlt. Also setzte Vohl das Gebäude auf ein hohes Podest, senkte den Parkboden ab und schuf so die Wirkung eines Palais, das aus der Landschaft herauswächst.

Otto Gerstenberg wurde 1848 in einfachen Verhältnissen geboren, studierte Mathematik und startete 1873 bei der späteren „Victoria zu Berlin“. Dort entwickelte er eine Reihe neuer Versicherungsmodelle, die das Geschäft in Deutschland grundlegend veränderten. Seine wichtigste Erfindung war die Volksversicherung – eine Lebensversicherung für breite Bevölkerungsschichten, die man in kleinen Wochenbeträgen bezahlen konnte. Diese Idee machte ihn sehr erfolgreich – und sie machte die Victoria zu einer der führenden Lebensversicherungen des Landes. Gleichzeitig führte Gerstenberg soziale Neuerungen ein: den freien Samstagnachmittag und eine Werksküche, damals durchaus ungewöhnlich.

Mit seinem Vermögen baute er eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen des frühen 20. Jahrhunderts auf. In der Villa hingen Meisterwerke von Monet, Renoir, Degas, Manet und Goya – Werke, die damals von der Berliner Kunstwelt oft kritisch gesehen wurden, die aber heute als absolute Ikonen gelten. Gerstenberg kaufte hauptsächlich in Paris. Er vertraute seinem eigenen Geschmack und der war erstaunlich modern. 1908 ließ er neben der Villa sogar einen eigenen Galerieflügel errichten, damit diese Werke angemessen präsentiert werden konnten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Bilder bei Bombenangriffen zerstört, andere gelangten als sogenannte „Beutekunst“ nach Russland. Doch Gerstenbergs Tochter Margarethe Scharf gelang es, den Großteil der Sammlung über den Zweiten Weltkrieg zu retten. Aktuell ist eine Ausstellung in der Alten Nationalgalerie zu sehen, „The Scharf Collection“. Diese Sammlung steht in direkter Nachfolge der bedeutenden Privatsammlung Otto Gerstenbergs. Die Enkel Walther und Dieter Scharf bauten auf den ihnen vermachten Werken jeweils eigene Sammlungen auf: Dieter Scharf konzentrierte sich auf den Surrealismus. Seine Sammlung ist als Dauerleihgabe an die Nationalgalerie in der Sammlung Scharf-Gerstenberg zu sehen, die 2008 im Stülerbau am Schloss Charlottenburg eröffnet wurde.

Auch die Villa selbst hat wechselvolle Zeiten erlebt. Ab 1946 diente sie viele Jahrzehnte als Privatklinik. Dabei wurde viel umgebaut und verändert, manches auch überformt. Die ursprüngliche Architektur blieb jedoch in den Grundzügen erhalten, vor allem das beeindruckende historische Treppenhaus. 2014 wurde das Palais unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem wird es Stück für Stück wieder in ein Wohnhaus zurückgeführt. Der Park ist heute parzelliert, aber das Zusammenspiel von Haus und Gelände lässt noch immer die ursprüngliche Idee spüren: ein großbürgerliches Palais der Kaiserzeit, umgeben von einer sorgfältig komponierten Landschaft.

Unser nächster Halt ist das „Haus Scharf“. Wir gehen die Hammersteinstraße noch bis zur nächsten Kreuzung entlang und biegen dann in die Miquelstraße ab. Wir treffen uns vor der Hausnummer 39 a/b.

7. Station: Haus Scharf

Nach der großen Villa Gerstenberg sehen wir hier einen ganz anderen Baustil beim Haus Scharf. Nur ein paar Schritte entfernt – und doch eine völlig andere Zeit, eine völlig andere Haltung zur Architektur.

Das Haus wurde 1938 gebaut, also mitten in der NS-Zeit, ist aber alles andere als Nazi-Architektur. Auftraggeberin war Margarete Scharf, die Tochter von Otto Gerstenberg, des Versicherungsmannes und Kunstsammlers aus dem Palais Gerstenberg. Wo der Vater sich noch ein neobarockes Stadtpalais im Stil der Kaiserzeit bauen ließ, entschied sich die Tochter für etwas Neues: ein modernes Landhaus im Geist des „Neuen Bauens“.

Der Architekt ist kein Unbekannter: Hans Scharoun. Er gehört zur gleichen Generation wie Walter Gropius, Bruno Taut oder Mies van der Rohe. Scharoun steht für eine Architektur, die sich nicht an festen Formen orientiert, sondern an den Menschen, die darin leben. Räume sollen aus der Nutzung heraus entstehen, aus Alltag, Bewegung, Blickbeziehungen. Man spricht bei ihm von „organischer Architektur“.

Von außen wirkt das Haus Scharf zunächst relativ zurückhaltend: ein zweigeschossiger, verputzter Bau, ein reich gegliedertes Volumen, ein von der NS-Baubehörde vorgeschriebenes Steildach. Aber Scharoun nutzt die Spielräume, die er hat. Die Straßenfront ist streng und fast geometrisch: dort liegen die Wirtschaftsräume, und man sieht markante Elemente wie die kleinen, überdachten Dreiecksfenster und die beiden aneinanderstoßenden Giebel. Zur Straße hin zeigt sich das Haus also eher brav.

Interessanter wird es auf der Gartenseite. Dort löst Scharoun die Strenge auf und organisiert die Räume viel freier. Innen sind die Geschosse gegeneinander versetzt: Im Norden liegen die Räume ebenerdig und im ersten Obergeschoss, im Süden rücken sie in Zwischenetagen. Man bewegt sich im Haus also nicht einfach von Etage zu Etage, sondern durch eine Abfolge von Raumebenen. Verbunden werden sie durch eine zentrale Halle, die gewissermaßen die Mitte des Hauses bildet.

Ein abgewinkeltes Wohnzimmer fasst eine Terrasse mit Garten ein. Zum Gesamtensemble gehört der Garten, gestaltet von Hermann Mattern, einem der wichtigsten Landschaftsarchitekten der Zeit. Er reichte ursprünglich bis zur Pücklerstraße. Auch hier geht es nicht um repräsentative Beete, sondern um ein Stück Landschaft, das zum Wohnen dazugehört: Rasenflächen, Bäume, Blickachsen – ein Rahmen, in dem sich das Leben draußen abspielen kann.

Spannend ist auch der zeitgeschichtliche Hintergrund. 1938 ist das „Neue Bauen“ offiziell unerwünscht, viele moderne Architektinnen und Architekten sind schon emigriert. Scharoun bleibt in Deutschland. Nach außen muss er sich an Vorgaben anpassen, etwa an das steile Dach. Im Inneren aber entwickelt er weiter seine eigenen Ideen: bewegliche Raumfolgen, Wohnen als offener Ablauf, nicht als starres Schema. Das Haus Scharf ist also einerseits Produkt einer dunklen Zeit, andererseits ein leiser Widerstand in Grundrissen.

Nach dem Krieg wurde Scharoun einer der prägenden Architekten Berlins: Er war kurz Stadtbaurat, plante visionäre Konzepte für den Wiederaufbau und wurde später Professor an der Technischen Universität. Viele kennen seine Bauten, ohne es zu wissen: die Philharmonie am Kulturforum, die Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße, Wohn- und Schulbauten in Westdeutschland. Sie alle folgen dem Gedanken, Architektur vom Menschen her zu denken.

Heute steht das Haus unter Denkmalschutz. Zusammen mit dem Palais Gerstenberg erzählt es von einer Familie, die in zwei Generationen völlig unterschiedlich gebaut hat – und zugleich von einem wichtigen Kapitel der Berliner Architekturgeschichte: vom Übergang zwischen Kaiserzeit, Moderne und NS-Zeit, verdichtet auf wenige Straßen und ein paar Häuserblocks hier in Schmargendorf.

Wir gehen die Miquelstraße bis zur Pücklerstraße entlang und biegen dann links ab. Wir treffen uns Ecke Warnemünder Straße am „Platz am Wilden Eber“.

274. Kiezspaziergang: Platz am Wilden Eber

8. Station: Platz am Wilden Eber

Wenn wir hier am Platz am Wilden Eber stehen, merken wir sofort: Das ist ein Knotenpunkt. Sieben Straßen laufen auf diesen runden Platz zu – ein kleiner Kreisverkehr, der heute von Autos dominiert wird. Doch der Name klingt viel älter, fast märchenhaft. Und tatsächlich versteckt sich dahinter eine Geschichte, die gut in ein altes Schmargendorf passt.

Im Jahr 1885 soll im Gartenlokal „Zur Waldschänke“, das damals direkt am Grunewald lag, ein wilder Eber aufgetaucht sein. Die Ausflugsgäste waren erschrocken, der Wirt griff zum Gewehr – und taufte sein Lokal anschließend werbewirksam in „Gasthaus zum Wilden Eber“ um. Das Restaurant ist längst verschwunden, aber der Name blieb. Als der Platz 1922 seinen heutigen Namen erhielt, erinnerte man damit bewusst an dieses Anekdötchen aus der Waldschenke am Stadtrand.

Damals war der Platz noch ein ruhiger Ort am Rand des Grunewalds. Heute ist er eine städtische Drehscheibe. Auch der Berlin-Marathon läuft hier jedes Jahr vorbei.

Der ursprüngliche Eber stand allerdings gar nicht allein: 1925 zierte den Platz zunächst eine andere Bronzegruppe, geschaffen von Ludwig Cauer – ein junger Mann, der mit einem Eber ringt. Diese Skulptur ging jedoch im Zweiten Weltkrieg verloren. Wie viele Bronzeplastiken wurde sie eingeschmolzen, um Material für die Rüstungsindustrie zu gewinnen.

Erst 1961 kam der Eber zurück. Diesmal als alleinstehende Figur nach einem Entwurf von Paul Gruson und auf einem Waschbetonsockel aufgestellt. Seitdem prägt er den Platz wieder, allerdings in einer deutlich kleineren und schlichteren Form als sein Vorgänger.

Unser nächster Stop ist die Lentze-Siedlung. Wir wechseln die Straßenseite und biegen in die Heiligendammer Straße. Der folgen wir bis Ecke Misdroyer Straße.

274. Kiezspaziergang: Reihenhaussiedlung an der Lentzeallee

9. Station: Reihenhaussiedlung Lentzeallee

Wenn wir hier an der Lentze-Siedlung stehen, sehen wir sofort, wie weit sich diese Anlage ausdehnt. Die kleinen zweigeschossigen Reihenhäuser wirken zunächst schlicht, aber zusammen ergeben sie eine der interessantesten frühen Sozialsiedlungen in Berlin. Entstanden ist sie 1920/21, also direkt nach dem Ersten Weltkrieg. Der Architekt Heinrich Schweitzer entwickelte sie im Auftrag der Gemeinnützigen Dahlemer Kleinhaussiedlung GmbH. Gedacht war sie für die Mitarbeitenden der Preußischen Oberfinanzdirektion.

Schweitzer orientierte sich am Heimatschutzstil, der damals beliebt war. Sie sehen das an den verschalten Obergeschossen, den Fensterläden und den einfachen, aber harmonischen Formen. Die Siedlung besteht aus Putzbauten mit Sattel- und Walmdächern, die in drei Straßenzügen miteinander verbunden sind – Lentzeallee, Misdroyer Straße und Zoppoter Straße. Die Häuser bilden einen ruhigen Innenbereich, zu dem man nur über schmale Zugänge gelangt. Dort liegen die Gärten, die ursprünglich einen ganz praktischen Zweck hatten.

Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei, die Versorgungslage schwierig. Deshalb plante Schweitzer eingeschossige Küchentrakte zur Hofseite, mit direkten Türen in die Gärten. Die Bewohnerinnen und Bewohner sollten dort Obst und Gemüse anbauen und sich teilweise selbst versorgen. Das war ausdrücklich Teil des Konzepts: „Licht, Luft und Sonne“. Für die Architektur der Weimarer Republik war das wegweisend. Die Lentze-Siedlung wurde damit zu einem frühen Modellprojekt des sozialen Wohnungsbaus.

Die Anlage steht heute unter Denkmalschutz. Das liegt nicht nur an ihrer städtebaulichen Qualität, sondern auch an der frühen Umsetzung sozialreformerischer Ideen. Schweitzer war ein prägender Architekt der Berliner Vorstädte. Seine Arbeiten folgten keinem festen Stil, sondern dem jeweiligen Zeitgeist. Zu seinen bekannten Bauten zählt übrigens auch der Admiralspalast in der Friedrichstraße.

Doch die Geschichte der Lentze-Siedlung endet nicht mit ihrer Fertigstellung. Nach dem Zweiten Weltkrieg verwaltete das Bezirksamt Wilmersdorf die Häuser. In den 1990er Jahren ging die Siedlung an die landeseigene Gesobau über. Als sie 2004 an eine private Holding aus Stuttgart verkauft werden sollte, gab es große Proteste. Viele Mieterinnen und Mieter fürchteten steigende Kosten und den Verlust ihrer Wohnungen. Eine Mietergenossenschaft, die die Siedlung kaufen wollte, erhielt damals nicht den Zuschlag – allerdings erreichten Bewohnerinnen später vor Gericht, dass ihr Vorkaufsrecht anerkannt wurde. Erst 2007 entschied der Bundesgerichtshof zugunsten der Mieter.

Heute ist die Lentze-Siedlung ein beliebtes Wohnquartier – gerade weil sie so eine ruhige, grüne Welt mitten in der Stadt bildet.

Wir gehen die Misdroyer Straße weiter, bis wir auf die Warnemünder Straße treffen. Da biegen wir rechts ab zum Schmargendorfer Friedhof. Wir treffen uns am Grab der Pilotin Melli Beese.

274. Kiezspaziergang: Melli Beeses Grab

10. Station: Grab von Melli Beese

Unter diesem schlichten Stein liegt eine Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts etwas völlig Unerhörtes getan hat: Sie wurde die erste Pilotin Deutschlands.

Melli Beese hieß eigentlich Amelie Hedwig Beese. Sie wurde 1886 bei Dresden geboren, als Tochter eines wohlhabenden Architekten. Ihr Elternhaus war bürgerlich, gesichert – aber die Rolle, die für Frauen vorgesehen war, passte ihr nicht. Studieren durften Frauen in Deutschland damals kaum. Also ging sie dahin, wo es möglich war: nach Stockholm. Dort studierte sie von 1906 bis 1909 Bildhauerei an der Königlichen Akademie der freien Künste. Nebenbei entdeckte sie ihre zweite große Liebe: das Meer und das Segeln.

In der Zeitung las sie von den Brüdern Wright und ihren Flugversuchen. Und da war für sie plötzlich klar:

„Fliegen. Ich wollte fliegen lernen. Das war aber auch alles, von dem ich wusste, dass ich es wollte.“

1909 ging sie nach Deutschland zurück. In Dresden besuchte sie als Gasthörerin Vorlesungen zu Mathematik, Mechanik, Schiffbau und Flugwesen. Aber Theorie genügte ihr nicht. Sie wollte wirklich fliegen und nicht nur zusehen.

Die Fliegerei war neu, gefährlich und fest in Männerhand. Frauen galten als „ungeeignet“. Mehrere Flugschulen lehnten sie ab, die Albatros-Werke etwa „mangels Erfahrung mit weiblichen Schülern“. Schließlich nahm sie in Johannisthal bei Berlin der Pilot Robert Thelen widerwillig als Schülerin an.

Schon beim zweiten Übungsflug kam es 1910 zu einem schweren Unfall: Der Motor setzte aus, das Flugzeug stürzte aus etwa 20 Metern ab. Melli Beese brach sich den Knöchel, bekam Morphin gegen die Schmerzen. Daraus entstand später eine Abhängigkeit, die sie ihr Leben lang begleiten sollte. Für ihren Fluglehrer war der Absturz der Beweis, dass Frauen im Flugzeug „Unglück bringen“. Er weigerte sich, sie weiter zu unterrichten.

Melli Beese gab trotzdem nicht auf. 1911 wechselte sie zu den Rumpler-Werken. Dort versprach man sich von einer Pilotin gute Werbung, aber im Alltag erlebte sie offenen Widerstand: Man verspottete sie, drängte sie aus Flügen heraus, sabotierte ihre Maschine, ließ das Benzin ab und manipulierte ihre Zündkerzen. Einmal entdeckte sie kurz nach dem Start, dass Verspannungen an den Tragflächen gelöst wurden – ein lebensgefährlicher „Streich“.

Am 13. September 1911, ihrem 25. Geburtstag, trat sie frühmorgens auf dem Flugfeld an, bevor ihre Konkurrenten eintrafen. Sie flog drei makellose Runden, landete punktgenau – und erhielt die Flugzeugführerlizenz Nummer 115. Sie war damit die erste Frau in Deutschland, die offiziell fliegen durfte.

Danach machte sie weiter: Sie nahm an Flugwochen teil, erreicht gute Platzierungen, stellt 1911/12 Rekorde auf, etwa im Höhen- und Dauerflug für Frauen. 1912 gründete sie gemeinsam mit Charles Boutard und Hermann Reichelt die Flugschule Melli Beese GmbH und konstruierte sogar eigene Flugzeugtypen, darunter die „Beese-Taube“. Doch mit dem Ersten Weltkrieg änderte sich alles. Weil sie durch ihre Heirat mit Charles Boutard die französische Staatsbürgerschaft angenommen hatte, galt sie plötzlich als „feindliche Ausländerin“. Die Behörden schlossen ihre Schule, beschlagnahmten die Flugzeuge und stellten sie unter Aufsicht.

Nach dem Krieg kämpfte sie vergeblich um Entschädigungen. Sie versuchte, ihre Fluglizenz zu erneuern, stürzte dabei ab – blieb aber unverletzt. Ihre Ehe zerbrach, die finanzielle Lage war hoffnungslos, ihre Morphiumsucht belastete sie immer stärker. Am 21. Dezember 1925 nahm sich Melli Beese das Leben. Auf einem Zettel soll sie geschrieben haben:

„Fliegen ist notwendig. Leben nicht.“

Sie wurde hier auf dem städtischen Friedhof Schmargendorf beerdigt. Seit 1975 ist ihr Grab ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Wir verlassen den Friedhof wieder, halten uns rechts und gehen zu unserer letzten Station: Die Breite Straße.

274. Kiezspaziergang: Breite Straße

11. Station: Breite Straße

Zum Abschluss stehen wir an einem Ort, an dem sich die Entwicklung Schmargendorfs besonders gut erkennen ließ: an der Breiten Straße, Ecke Berkaer Straße. Schmargendorf war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein kleines Bauerndorf mit einer unbefestigten Dorfstraße. Erst um 1890 änderte sich das. Die Dorfstraße wurde zunächst in Hauptstraße und wenig später in Breite Straße umbenannt. Nach und nach verdrängten neue Gründerzeitbauten die alten Bauernhäuser. Die Breite Straße entwickelte sich zur wichtigsten Geschäftsstraße des Ortes – und sie ist es bis heute, gemeinsam mit der Berkaer Straße.

Wirklich „breit“ wurde sie jedoch erst in den 1960er-Jahren. Damals setzte man stark auf den Autoverkehr. Die Straße wurde auf sechs Spuren erweitert, was bedeutete, dass die komplette Bebauung auf der südlichen Seite weichen musste. An ihre Stelle trat ein modernes Ensemble aus flachen Ladenpavillons und einer kleinen Passage.

Auch wenn diese Architektur heute sachlich und funktional wirkt, sorgt sie heute für ein lebendiges Geschäftsleben. Ein Netzwerk aus Unternehmerinnen und Unternehmern bündelt die Kräfte der Gewerbetreibenden und Dienstleister in Schmargendorf. Ziel ist es, den Standort zu stärken, gemeinsame Aktionen zu entwickeln und die Verbundenheit der Bewohnerinnen und Bewohner zu ihrem Viertel zu fördern. So ist die Weihnachtsbeleuchtung, die wir hier sehen, auf die Initiative des Netzwerks entstanden.

Inzwischen gibt es für die Breite Straße und die Berkaer Straße auch ein eigenes Stadtmarketingprojekt des Bezirks. Charlottenburg-Wilmersdorf unterstützt die Einkaufsquartiere mit einem einheitlichen Auftritt, modernisierten Logos und Websites. Zudem finden jährlich Veranstaltungen statt, die die Attraktivität der Quartiere steigern sollen. Ein direkter Ansprechpartner vor Ort koordinierte nicht nur die Entwicklung, sondern steht auch heute als Kontakt für Ideen, Vernetzung und gemeinsame Projekte bereit.

An dieser letzten Station wurde noch einmal deutlich, wie Schmargendorf sich wandelte: vom Bauerndorf zur Vorstadt und schließlich zu einem urbanen Kiez, der von engagierten Menschen, kleinen Geschäften und lebendigen Straßenräumen lebt.

Zum Abschluss noch ein Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Der findet am Samstag, 10. Januar 2026, statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Deutschen Oper. Bitte vergessen Sie nicht, sich anzumelden, wenn Sie dabei sein wollen.

Vielen Dank, dass Sie heute dabei waren. Ich wünsche Ihnen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

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