113. Kiezspaziergang am 14.5.2011

Vom Henriettenplatz zum Kurfürstendamm 100

Start auf dem Henriettenplatz, 14.5.2011, Foto: KHMM

Start auf dem Henriettenplatz, 14.5.2011, Foto: KHMM

Sozialstadträtin Martina Schmiedhofer

Treffpunkt: Henriettenplatz, S-Bahnhof Halensee

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 113. Kiezspaziergang. Auch heute geht es unter anderem wieder um das Jubiläum 125 Jahre Kufürstendamm. Hier in Halensee hat die Gewerbegemeinschaft Quartier KuDamm-Halensee mit ihrem Beitrag “Erfahre Halensee!” den Wettbewerb “Mittendrin Berlin! – Die Zentreninitiative” gewonnen. Die Veranstaltung wurde heute um 10.00 hier auf dem Henriettenplatz eröffnet, und natürlich ist diese Aktion auch ein Beitrag zum Jubiläum 125 Jahre Kurfürstendamm.
Die Gewerbegemeinschaft hat heute das von ihr geschaffene Fahrradverleihsystem feierlich in Betrieb genommen, der ADFC führt einen Frühjahrscheck durch, und die Besucherinnen und Besucher wurden und werden heute im Quartier Halensee auf Rätsel- und Entdeckungstour geschickt.
Wir werden in den nächsten beiden Stunden zwar keine Rätseltour, aber eine kleine Entdeckungstour durch Halensee unternehmen. Sie wird an der Pro Seniore Residenz Kurfürstendamm enden, wo anlässlich des 10jährigen Bestehens dieser Senioreneinrichtung eine Ausstellung zu ihrer Geschichte und der Geschichte ihrer Umgebung gezeigt wird. Frau Albrecht von der Pro Seniore Residenz hat diese Ausstellung konzipiert und zusammengestellt. Sie wird uns am Ende des Spaziergangs die Residenz und ihre Ausstellung vorstellen, und sie ist auch bereits bei uns und wird uns auf unserem Weg begleiten. Herzlich willkommen Frau Albrecht!
Viele Geschäfte am Kurfürstendamm und in den Seitenstraßen zwischen Westfälischer Straße, Damaschkestraße, Lehniner Platz und Henriettenplatz beteiligen sich heute. Vielleicht hat sich der eine oder andere von Ihnen auch schon in dem Quartier umgesehen. Ich freue mich, dass Herr Fagel von “Erfahre Halensee! e.V.” bei uns ist. Er stellt uns seine Gruppe, die Idee des neuen Fahrradverleihsystems und die heutigen Aktivitäten selbst vor.
Bevor wir starten möchte ich Ihnen den Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang mitteilen. Wie Sie wissen finden die Kiezspaziergänge immer am zweiten Samstag eines Monats ab 14.00 Uhr statt, zumindest bis zu den Berliner Wahlen im September. Auch am 11. Juni wird Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen nicht in Berlin sein. Deshalb wird dann Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler den Kiezspaziergang übernehmen.
Start ist am Samstag, dem 11. Juni, um 14.00 Uhr auf dem Ludwigkirchplatz direkt vor der Kirche St. Ludwig.
Von dort wird es über den Kurfürstendamm zum Breitscheidplatz gehen, wo unter anderem auch eine Baustellenbesichtigung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche geplant ist. Wie Sie sehen, spielt auch im Juni das Kudamm-Jubiläum wieder eine Rolle beim Kiezspaziergang.

Halensee
Der Ortsteil Halensee hat keine eigene Geschichte als selbständige Gemeinde wie zum Beispiel Schmargendorf oder Grunewald. Die Bezeichnung Halensee für die Gegend rund um das westliche Ende des Kurfürstendammes ist entstanden, als der Kurfürstendamm seit den 1880er Jahren ausgebaut wurde. Die Geschichte des Ortsteils Halensee ist also eng mit der Geschichte des Kurfürstendammes verbunden. Natürlich stammt der Name von dem nahegelegenen Halensee.
Der Kurfürstendamm wurde als Knüppeldamm angelegt, als 1542 das Jagdschloss Grunewald gebaut wurde. Er diente den kurfürstlichen Reitern als Verbindungsweg vom Berliner Schloss über die Linden durch den Tiergarten in den Grunewald. Sein Name bezeichnet also exakt seine ursprüngliche Funktion.
1873 regte der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck an, aus dem Kurfürstendamm einen Boulevard zu machen. 1875 wurde die zukünftige Breite des Kurfürstendammes per Kabinettsordre auf 53m festgelegt. Bismarck legte besonderen Wert darauf, dass in der Mitte ein Reitweg erhalten blieb.
Der Ausbau scheiterte zunächst an den fehlenden Finanzen. Schließlich wurde ein Unternehmens-Konsortium gebildet, die Kurfürstendamm-Gesellschaft. Sie erhielt 234 ha Grunewald zum Ausbau einer Villenkolonie als Gegenleistung für den Ausbau des Knüppeldamms zum Boulevard.
1877 wurde der S-Bahnhof Halensee eröffnet, damals noch unter dem Namen Bahnhof “Grunewald”. 1884 wurde er in “Bahnhof Halensee”, umbenannt und an die heutige Stelle verlegt.
Seit 1883 wurde der Kurfürstendamm auf 53m Breite ausgebaut, am 5. Mai1886 wurde die Pflasterung der Straße abgeschlossen und die Dampfstraßenbahnlinie Zoo-Kurfürstendamm-Grunewald eröffnet. Dieses Datum haben wir zum Anlass genommen, am 5. Mai dieses Jahres den 125. Geburtstag des Boulevards zu feiern.
1889 wurde dann am Ende des Kurfürstendammes die Villenkolonie Grunewald angelegt. Am Kurfürstendamm entlang waren zwar auch schon einige Villen entstanden, auch hier in Halensee. Diese mussten aber fast alle wieder abgerissen werden, weil jetzt, am Ende des 19. Jahrhunderts große Miethäuser gebaut wurden.
Wie es am Ende des 19. Jahrhunderts hier in Halensee aussah, das hat Theodor Fontane sehr schön beschrieben. Er veröffentlichte 1891 seinen Roman “Jenny Treibel”, in dem das damals gerade eröffnete “Wirtshaus am Halensee” eine wichtige Rolle als Ziel einer Landpartie spielt. Für Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, die mit Leopold, dem Sohn der Kommerzienratsfamilie Treibel, eine gemeinsame Zukunft plant, klingt “ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie vier Wochen auf Capri”…, so heißt es in dem Roman.
Fontane beschreibt zunächst die Verkehrsmittel, mit denen die Ausflügler anreisen: “Und wirklich, um vier Uhr war alles versammelt, oder doch fast alles. Alte und junge Treibels, desgleichen die Felgentreus, hatten sich in eigenen Equipagen eingefunden, während Krola … aus nicht aufgeklärten Gründen die neue Dampfbahn, Corinna aber … die Stadtbahn benutzt hatte.”
Treibel fragt schließlich die versammelte Schar: “Sind Sie für Turmbesteigung und treibt es Sie, diese Wunderwelt, in der keines Menschen Auge bisher einen frischen Grashalm entdecken konnte, treibt es Sie, sage ich dieses von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen durchsetzte Wüstenpanorama zu Ihren Füßen ausgebreitet zu sehen?”
So also müssen wir uns Halensee vor 120 Jahren vorstellen, als ein von Spargelbeeten und Eisenbahndämmen durchsetztes Wüstenpanorama.
1904 wurden aus dem “Wirtshaus am Halensee” die “Terrassen am Halensee”, 1910 dann der “Lunapark”. Es war ein riesiger Vergnügungspark. Sein Lärm war in ganz Halensee zu hören. Zeitweise gab es an jedem Abend zum Abschluss ein großes Feuerwerk. Der Eingang befand sich unweit des heutigen Rathenauplatzes. 1935 musste der Lunapark einem Autobahnzubringer Richtung Olympiastadion weichen.

Kurfürstendammbrücke
Der Kurfürstendamm ist hier 12 m höher als an der Gedächtniskirche. Die erste Kurfürstendammbrücke wurde Ende der 1950er Jahre abgerissen und durch einen kompletten Neubau ersetzt. Die neue Stahlverbundbrücke mit einer Länge von 75 Metern und einer Breite von 32 Metern wurde im September 1963 eröffnet. Auf dem Areal des früheren Güterbahnhofs Halensee, das sich unter der Brücke in südöstlicher Richtung erstreckt, soll ein großer Heimwerkermarkt der Firma Bauhaus und ein Hotel an der Kurfürstendammbrücke entstehen.

Henriettenplatz
Der Henriettenplatz erhielt seinen Namen 1892 nach der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, Luise Henriette von Oranien-Nassau.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde der Platz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neugestaltet mit den Säulenkolonaden von Heinz Mack für die BVG-Wartehalle und einem keilförmigen Bronze-Obelisken ebenfalls von Heinz Mack auf der anderen Straßenseite. Eine Gedenkstele für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken wurde von niederländischen Unternehmen gestiftet und ebenfalls 1987 auf der anderen Seite des Platzes aufgestellt.

Am Medusenbrunnen, 14.5.2011, Foto: KHMM

Am Medusenbrunnen, 14.5.2011, Foto: KHMM

Der Medusenbrunnen wurde von Anna und Patrick Poirier im gleichen Jahr 1987 geschaffen. Er bezieht sich auf die Gestalt der Medusa aus der griechischen Mythologie. Medusa war eine Gorgone, und zwar die einzig sterbliche der drei Gorgonen. Ursprünglich war sie schön. Als Pallas Athene sie jedoch bei einer Buhlschaft mit Poseidon in einem ihrer Tempel überraschte, verwandelte sie die Nebenbuhlerin in ein geflügeltes Ungeheuer.
Mit Schlangenhaaren, langen Eckzähnen, einem Schuppenpanzer, Flügeln, glühenden Augen und heraushängender Zunge wurde das Gesicht der Medusa so hässlich, dass jeder sofort zu Stein erstarrte, der sie sah. Dass sie darüber nicht glücklich war, können wir uns vorstellen. Deshalb kullern im Sommer über den aus dem Henriettenplatz hervorwachsenden Kopf der Medusa die Tränen, die sich um sie herum in ein Planschbecken ergießen, das vor allem die Kinder mögen.
Hinter dem Kopf der Medusa können Sie übrigens ein kleines Pferdchen entdecken. Das ist Pegasos. Das geflügelte Pferd war das Kind von Medusa und Poseidon. Angeblich entstanden durch Pegasos’ Hufschlag zwei Brunnen in Griechenland. Dieser in Halensee wäre dann der dritte.

Kurfürstendamm 130
Das Eckhaus an der Ecke Kurfürstendamm und Westfälische Straße wurde ebenfalls zur 750-Jahr-Feier 1987 restauriert und mit einer neuen, transparenten Kuppel versehen. Ursprünglich hatten alle Eckhäuser am Kurfürstendamm Türme, Türmchen oder Kuppeln.

In der Westfälischen Straße, 14.5.2011, Foto: KHMM

In der Westfälischen Straße, 14.5.2011, Foto: KHMM

Westfälische Straße
Die Westfälische Straße erhielt ihren Namen 1888. Sie ist so etwas wie die Hauptstraße von Halensee, und eine der erfolgreichen Einkaufsstraßen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Wenn wir jetzt durch die Westfälische Straße gehen, werden Sie sehen, dass es in dieser Straße sehr individuelle, besondere Läden und Geschäfte gibt, die nicht nur heute einen Besuch lohnen. Viele haben bereits eine lange Tradition und sind Familienunternehmen.
Es gibt seit einigen Jahren eine Interessengemeinschaft der Geschäftsleute unter dem Namen “Westfälische Straße e.V.” Sie hat 2005 den 100. Geburtstag der Straße gefeiert. Und sie arbeitet zusammen mit dem Gewerbegemeinschaft Quartier Kudamm/Halensee, die den heutigen Tag mit organisiert hat.

Westfälische Str. 45 Peaks-Fahrräder
Das Geschäft Peaks-Fahrräder ist Mitglied der Gruppe “Erfahre Halensee!” und hat zukunftsträchtige Elektroräder im Angebot.

Westfälische Str. 53: Fleischerei Bünger
Die Fleischerei Bünger ist ebenfalls Mitglied bei “Erfahre Halensee!” und weit über den Kiez hinaus schon lange bekannt als Neuland-Fleischerei, die Wert legt auf Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung. Die Fleischerei ist an diesem Standort so alt wie Halensee. Im Jahre 1919 übernahm Adalbert Bade von Fleischermeister Sauer den Laden samt Haus. 1934 übergab er seinem Sohn Walter Bade das Geschäft. 1961 übernahm Hermann Kienast das Geschäft von der Familie Bade und verkaufte es 1971 an Manfred Schmidt, der später auch das Haus kaufen konnte und das Geschäft mit seiner Ehefrau Eveline Schmidt 25 Jahre lang erfolgreich führte, zuletzt mit 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Unmittelbar nach dem 25-jährigen Jubiläum 1996 verkaufte Manfred Schmidt an den Fleischermeister Jens-Uwe Bünger und Ehefrau und zog sich aus dem Geschäftsleben zurück. 1997 wurde die Außenreklame neu gestaltet und der Name Bünger eingeführt. 2001 begann die Zusammenarbeit mit Neuland

Westfälische Str. 41: Anna Schneider
Auch das Modegeschäft Anna Schneider gehört zu “Erfahre Halensee!”
Westfälische Str. 41: Goldschmiede Zugck& Oechtering

Westfälische Str. 38: Blumen-Koch
Das Blumengeschäft von Herr Koch ist legendär. Es wurde als eines von fünf Blumengeschäften in Deutschland mit 5 Sternen ausgezeichnet.

Joachim-Friedrich-Straße
Die Joachim-Friedrich-Straße wurde 1892 wie alle Querstraßen des Kurfürstendamms in Halensee nach einem Kurfürsten von Brandenburg benannt. Joachim Friedrich wurde 1546 in Cölln bei Berlin als Sohn des Kurfürsten Johann Georg geboren, wurde 1598 selbst Kurfürst und starb 1608 auf einer Fahrt nach Rüdersdorf.

Westfälische Str. 33: La Cave de Bacchus, Weinhandlung

Westfälische Str. 32: Rachels Genusswelt

Westfälische Straße 64, 14.5.2011, Foto: KHMM

Westfälische Straße 64, 14.5.2011, Foto: KHMM

Westfälische Str. 64: Gedenktafel für Margarethe Sommer und Otto Ostrowski, O.T.Sanitätshaus
Am 9.11.2006 wurde die Gedenktafel enthüllt:
“In diesem Hause führten
MARGARETHE SOMMER
4.6.1909 – 15.4.1960
und der spätere
Oberbürgermeister von Berlin (1946 bis 1947)
OTTO OSTROWSKI
28.1.1883 – 19.6.1963
ein Geschäft
Unter Einsatz ihres Lebens versteckten sie während der
NS-Herrschaft eine jüdische Familie und bewahrten sie damit
vor der Deportation in ein Vernichtungslager”

Inge Deutschkron hat mit ihrer Mutter die letzten Kriegsjahre in Berlin im Untergrund überlebt – dank der Hilfe von mutigen Menschen wie Margarethe Sommer und Otto Ostrowski. Sie hat darüber in ihrem Erinnerungsbuch “Ich trug den gelben Stern” geschrieben:
“‘Das geht schon mal’, sagte Grete. ‘Hinter meinem Laden in dem Kabuff kann man doch Matratzen auf den Boden legen. Ein WC gibt es im Keller, und ein Waschbecken existiert ebenfalls.’ Jeden Abend würde man uns nach dem Essen in den Laden bringen und dort einschließen. Morgens würde ich sozusagen als erste Kundin den Laden verlassen, um zur Arbeit zu gehen. Meine Mutter könnte sich während des Tages im Laden, aber auch im Haushalt nützlich machen. Wir waren sehr beglückt.
‘Wird es Sie nicht stören, wenn wir ständig um Sie herum sind in dieser kleinen Wohnung?’ fragte meine Mutter ahnungsvoll.
‘Ach, wie lange kann dieser Hitler noch aushalten’, meinte Ostrowski wieder einmal überzeugt. Natürlich würde es nur ein Übergang sein.
Der Lieferwagen brachte unsere Couches zum neuen Asyl, dieses Mal in den Laden von Grete Sommer, in der Westfälischen Straße 64.”
Soweit das Zitat aus dem Buch von Inge Deutschkron. Es war im Februar 1943, und die beiden mussten den Unterschlupf bald wieder verlassen, weil Nachbarn Verdacht geschöpft hatten. Sie brauchten noch viele Verstecke, um bis zum Kriegsende im Mai 1945 zu überleben.

Heute befindet sich in dem Gebäude das Sanitätshaus, das sich ebenfalls in der Gruppe “Erfahre Halensee!” engagiert. Und vor dem Haus sehen Sie ein Beispiel für eine liebevoll gepflegte Baumscheibe. Hier ist es eine besonders große Baumscheibe, fast schon ein Garten. Unser Grünflächenamt unterstützt solches bürgerliches Engagement bei der Grünpflege in der Stadt. Inzwischen sind wir darauf in vielen Bereichen sogar angewiesen, weil die finanziellen Möglichkeiten für das öffentliche Grün immer geringer werden. Allerdings ist es wichtig, solche Aktivitäten mit dem Grünflächenamt abzustimmen, denn nicht jede Anpflanzung unter einem Straßenbaum ist sinnvoll, und die Bäume selbst sollen natürlich nicht gefährdet werden.

An der Hochmeisterkirche, 14.5.2011, Foto: KHMM

An der Hochmeisterkirche, 14.5.2011, Foto: KHMM

Hochmeisterkirche
Die Evangelische Hochmeisterkirche wurde 1908 bis 1910 von Otto Schnock als Backsteinbau im romanischen Stil gebaut. Zunächst war der Olivaer Platz als Bauplatz vorgesehen, aber nachdem im Zusammenhang mit dem Ausbau des Kurfürstendammes der Stadtteil Halensee sehr schnell gewachsen war, entschloss man sich, hier, mitten in dem neuen Viertel die Kirche zu bauen Sie wurde am 11.9.1910 als dritte evangelische Kirche in Wilmersdorf eingeweiht, nach der Auenkirche und der Grunewaldkirche. Das große Gemeindehaus an der Paulsborner Str. 86 mit dem als Konzertsaal geschätzten “Hochmeistersaal” wurde am 15.9.1929 eingeweiht. Nach schweren Kriegsschäden wurde die Kirche 1953-58 wiederhergestellt durch Erwin Rettig. Am 31. Oktober 1958 wurde sie vom damaligen Bischof von Berlin und Brandenburg, Otto Dibelius, wieder eingeweiht.

Die Steintafeln neben dem Eingang enthalten teils historische, teils religiöse Texte.

Rechts neben dem Eingang:
“Erinnern nicht vergessen
Albrecht 1490-1568
Letzter Hochmeister des Deutschen Ritterordens
und erster evangelischer Herzog in Preußen
Reformator, Gründer der Universität Königsberg
Liederdichter “Vertrau Gott allein”“

Links neben dem Eingang:
“Erinnern
Gekreuzigt
Gestorben und Begraben
Hinabgestiegen
in das Reich des Todes”
und:
“Nicht vergessen
Am dritten Tag
Auferstanden von den
Toten Aufgefahren
in den Himmel”

Links auf der Erde:
““Die Stimme des Blutes
Deines Bruders
Schreit zu mir von der Erde”
9. November 1938
Judenpogrom in dieser Stadt
Erinnern der Schrecken
Die Schuld nicht vergessen.”

Nestorstraße
Die Nestorstraße wurde 1892 nach Joachim I. Nestor benannt. Er wurde 1484 als ältester Sohn des Kurfürsten Johann Cicero in Cölln bei Berlin geboren und gelangte 1499 als 15jähriger Kurfürst an die Regierung Brandenburgs. Er galt als einer der gebildetsten Fürsten seiner Zeit. 1506 gründete er die Universität in Frankfurt an der Oder. 1510 vertrieb er die Juden aus der Mark Brandenburg. Er starb 1535 in Stendal.

Kleine Weltlaterne, 10.5.2011, Foto: KHMM

Kleine Weltlaterne, 10.5.2011, Foto: KHMM

Nestorstr. 22: Kleine Weltlaterne, Gedenktafel für Vladimir Nabokov
Die Kleine Weltlaterne wurde 1961 von Hertha Fiedler als Galerie und Kneipe in der Kohlfurter Straße in Kreuzberg eröffnet, 1976 kam sie hierher nach Wilmersdorf. Namensgeber war ein Buch von Peter Bamm. Nach eigenem Bekunden war sie die erste Berliner Kneipe, in der junge Künstler ihre Bilder ausstellen konnten. Sie wurde zum Treffpunkt von Künstlern, Musikern und Literaten. Henry Miller, Curd Jürgens, Friedrich Dürrenmatt, Harald Schmidt, Karl Dall, Sabine Christiansen, Peter Maffay, Friedensreich Hundertwasser und viele andere verkehrten hier. Am 9. Juni 2010 starb Hertha Fiedler im Alter von 87 Jahren. Ihr Sohn Bernd Fiedler führt inzwischen die Kneipe.

1999 stifteten Kneipenbesucher die Gedenktafel für Vladimir Nabokov. Der Text lautet:
“In diesem Hause lebte
in den Jahren 1932-1937
der Schriftsteller
VLADIMIR NABOKOV
1899-1977”
Nabokov zählte zu den einflussreichsten Erzählern des 20. Jahrhunderts. er wurde 1899 in St. Petersburg geboren und starb 1977 in Montreux in der Schweiz. Er kam 1922 nach Berlin und lebte unter anderem in der Trautenaustraße und um die Ecke in der Westfälischen Straße 29, bevor er 1932 hierher zog. Mit seiner jüdischen Frau Vera emigrierte er 1937 zunächst nach Paris, dann in die USA. 1961 zog das Paar in die Schweiz.
Hier schrieb er seine Romane “Die Mutprobe”, “Gelächter” und “Verzweiflung”. Berühmt wurde er mit dem 1955 in den USA veröffentlichten skandalträchtigen Roman “Lolita”.

Paulsborner Straße
Die Paulsborner Straße wurde 1888 nach dem Ausflugsort und Forsthaus am Grunewaldsee benannt, weil sie in Richtung Paulsborn führt.

Paulsborner Str. 81: Gedenktafel für Robert Stolz
Bereits 1982 wurde diese Gedenktafel für Robert Stolz von seiner Witwe Einzi Stolz gestiftet und enthüllt:
“1880 ROBERT STOLZ 1975
Hier lebte und wirkte von 1929 bis 1935
der weltberühmte Komponist und Dirigent Robert Stolz
Viele seiner unsterblichen Melodien
entstanden an dieser Stätte.”

Unter anderem entstanden in dieser Zeit die Operetten “Prinzessin Ti-Ti-Pa”, “Peppina”, “Venus in Seide”, “Zwei Herzen im Dreivierteltakt” und “Himmelblaue Träume”.

Cicerostraße
Die Cicerostraße wurde 1885 benannt nach Johann Cicero. Er wurde 1455 in Ansbach geboren und 1486 Kurfürst von Brandenburg, was er bis zu seinem Tod 1499 blieb.
Die Wohnbebauung an der Cicerostraße gehört zum sogenannten WOGA-Komplex, den der Architekt Erich Mendelsohn von 1927 bis 1931 am Lehniner Platz zwischen Cicerostraße und Albrecht-Achilles-Straße errichtete. Dazu gehörten das Universum-Kino, in dem heute die Schaubühne residiert, das Kabarett der Komiker und eine Tennisanlage im Innenbereich der Wohnsiedlung. Auf dieser Tennisanlage hat übrigens Vladimir Nabokov als Tennislehrer gearbeitet. Später gehörte Willy Brandt zu den Stammgästen.
An der Straßenseite des Wohnblocks laufen Brüstungsbänder aus Backstein entlang, die bugartig ansetzen und bei den Loggien im Kreissegment vorspringen, so dass sich eine Wellenbewegung bildet. Im Gegensatz zur dynamischen Straßenfront wurde die Hoffront mit halbzylindrischen Erkertürmen ruhig gestaltet.

Hochmeisterplatz, 14.5.2011, Foto: KHMM

Hochmeisterplatz, 14.5.2011, Foto: KHMM

Hochmeisterplatz
Der Hochmeisterplatz erhielt seinen Namen 1892, zuvor hieß er Buchwaldplatz. Es ist ein Blockplatz mit neun Straßeneinmündungen. 1930 sorgte Erwin Barth für eine neue Platzanlage mit einem Kinderspielplatz, einer tiefer gelegenen Liegewiese und Gehölzpflanzungen an den Straßen. Für den weiteren Ausbau sorgte 1936 Richard Thieme.
Unser Bezirk ist stolz auf seine vielen schönen Platz- und Parkanlagen. Viele von ihnen wurden von den bedeutenden Gartenbauarchitekten Erwin Barth und Richard Thieme geschaffen. Heute haben wir allergrößte Mühe, diese Anlagen in ihrer Schönheit und in ihrer Benutzbarkeit für die Bürgerinnen und Bürger zu erhalten.
Die finanziellen Mittel wurden in den letzten Jahren immer weiter gekürzt, und unser Grünflächenamt muss mehr und mehr den Mangel verwalten und kann seiner eigentlichen Aufgabe kaum noch gerecht werden. Inzwischen kann es sich der Bezirk nicht mehr leisten, Reinigungsfirmen mit der regelmäßigen Säuberung der Parks zu beauftragen, so dass die Gärtnerinnen und Gärtner auch diese Aufgabe – so gut es eben geht – mit übernehmen müssen.
Am Montag dieser Woche ist für uns alle völlig überraschend und schockierend der Leiter der Grünflächenamtes, Christoph-Maria Maasberg plötzlich an einem Herzversagen verstorben. Er war weit über unseren Bezirk hinaus bekannt und beliebt. Er war fachlich außerordentlich kompetent und engagierte sich auch persönlich in hohem Maße für die Grünanlagen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Er sah sich in der Tradition von Erwin Barth, dessen Credo lautete: “Wenn irgendwo eine reiche Ausstattung der Plätze mit verschwenderischer Blumenfülle, mit Brunnen und dergleichen angebracht ist, so ist es da, wo Leute wohnen, die sich keine eigenen Gärten leisten können.”
Ihm ging es immer darum, die Parks und Plätze behutsam nach dem historischen Vorbild wieder instand zu setzen und zu erhalten. Viele bezirkliche Projekte tragen seine gestalterische und organisatorische Handschrift, darunter die Neugestaltung des Brunnens in der Wilmersdorfer Straße, das Parkcafé im Lietzenseepark oder der Klettergarten in der Jungfernheide.
Die Pläne für die Umgestaltung des Rankeplatzes hatte er gerade fertig gestellt und an zahlreichen Projekten arbeitete er gerade. Deren Umsetzung wird er nun leider nicht mehr erleben.
Christoph-Maria Maasberg wird nicht zu ersetzen sein. Wir werden ihn nicht vergessen. Sein früher Tod sollte eine Mahnung an uns alle sein: Das Grün in unserer Stadt ist nicht Zierrat, auf den wir zur Not auch verzichten können, sondern es ist unser Leben.

Früheres Postamt
Das Postamt wurde 1930-32 von Willy Hoffmann errichtet als verputzter Stahlbetonriegel in Stil der Neuen Sachlichkeit mit Bezügen zur Wohnbebauung der östlich anschließenden Cicerostraße. Es bildet den nördlich Abschluss des Hochmeisterplatzes. Auffällig sind in der horizontal gegliederten Fassade die kreisförmig auskragenden Treppenhäuser. Zum hohen Erdgeschoss gehört ein dekoratives Mittelportal. Seit der Schließung des Postamtes steht das Gebäude leer.

Nestorstr. 10: St. Albertus-Magnus-Kirche
Die katholische St.-Albertus-Magnus-Kirche wurde 1962 von Alfons Leitl als T-förmige Anlage in die geschlossene Straßenfront eingebaut, wobei die Bauteile in der Tiefe gestaffelt wurden. Dem Saalbau ist eine niedrige, offene Säulenhalle vorgelagert, aus der ein Turm nach oben ragt. Die Kirche wurde am 1.4.1962 eingeweiht. Die Einbeziehung katholischer Kirchen in die Straßenfront im Gegensatz zu den evangelischen freistehenden Kirchen wurde in Preußen im 19. Jahrhundert von Kaiserin Auguste Viktoria verfügt, die wegen ihres Engagements für die Kirche auf “Kirchen-Juste” genannt wurde. Es gibt allerdings auch Ausnahmen wie die katholische Kirche St. Ludwig.

Gedenktafel für Walter Jurmann, 14.5.2011, Foto: KHMM

Gedenktafel für Walter Jurmann, 14.5.2011, Foto: KHMM

Kurfürstendamm 154: Gedenktafel für Walter Jurmann
Am 20. Juli 2005 wurde neben der Schaubühne im rückwärtigen Teil des Geländes eine Gedenktafel für Walter Jurmann enthüllt:
“In diesem Haus lebte der Film- und Schlagerkomponist
Walter Jurmann
12.10.1903 – 17.6.1971
Schöpfer unvergessener Melodien
“Veronika, der Lenz ist da, die Mädchen singen tralala”
1933 emigrierte er über Paris nach Amerika
Gestiftet von der WBM Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte mbH”

Lehniner Platz: Schaubühne und Kabarett der Komiker
Der Lehniner Platz wurde 1893 benannt nach dem brandenburgischen Ort Lehnin, der durch das bereits 1180 gegründete Zisterzienserkloster berühmt wurde.
Das Grundstück Kurfürstendamm Nr.153-156 blieb als einziges am Kurfürstendamm noch bis in die 20er Jahre hinein unbebaut. Hier fanden am Anfang des 20. Jahrhunderts noch Flottenspiele statt, in einer Art Wasserzirkus mit Tribünen für 4.000 Besucher.
1905 wurden “Die letzten Tage von Pompeji” vorgeführt, 1908 Tennisplätze angelegt, im Winter eine Eisbahn, bis der Verleger Rudolf-Mosse das Gelände kaufte und es 1927 von Erich Mendelsohn bebauen ließ. Die Mendelsohnschen Bauten wurden damals als sensationell empfunden. Hier entstand ein moderner Gebäudekomplex, der sich deutlich von den wilhelminischen Prachtbauten abhebt, die bis dahin am Kurfürstendamm entstanden waren. Mendelsohn schloss die vorhandene Baulücke nicht, sondern er schuf eine Öffnung in der Reihe der geschlossenen wilhelminischen Fassaden. Wie “ein groß aufgesperrtes Maul” wirkte der Eingangsbereich, wie damals ein Kritiker meinte.
Mendelsohn baute das “Universum-Kino”, die heutige Schaubühne, und gegenüber das Kabarett der Komiker. Dahinter entstand der Wohnkomplex entlang der Cicerostraße. Das Kabarett der Komiker, kurz KadeKo, war bereits 1924 von Kurt Robitschek gegründet worden. Am 19. September 1928 konnte es hier im eigenen Haus Premiere feiern. Hier trat beispielsweise die Sängerin und Schauspielerin Liese-Lotte Helene Berta Bunnenberg, die unter ihrem Künstlernamen Lale Andersen später mit dem Lied von Lili Marleen berühmt wurde.
Der Kabarettist Werner Finck durfte nach einer Inhaftierung im KZ Esterwegen und vorübergehendem Arbeitsverbot ab 1937 noch einmal für zwei Jahre hier auftreten. In seiner Autobiographie berichtet er, wie er in einem Sketch beim Schneider den Hitlergruß als “Aufgehobene Rechte” erklärte und von der Bühne herab die anwesenden Gestapobeamten fragte: “Kommen Sie noch mit? Oder muss ich mitkommen?”
Im Zweiten Weltkrieg wurde der gesamte Gebäudekomplex schwer beschädigt, aber seit dem 1.6.1945 spielte das Kabarett der Komiker hier bereits wieder ein Notprogramm. Im April 1948 eröffnete in seinen Räumen das “British Centre” mit Film-Club und Musik-Club.
Das “Universum-Kino” war natürlich der Haupt-Blickfang des gesamten Komplexes. Es galt unter Architekturkritikern als eines der bedeutendsten Gebäude Expressionismus und strahlte die Dynamik des neuen Mediums Film aus. Es war einer der ersten Kinobauten, der nicht mehr wie ein Theater aussah, sondern eine ganz eigene Kino-Architektur zum Ausdruck brachte. Es mutet schon paradox an, dass das Haus am Ende dann doch wieder zum Theater wurde.
Es wurde nach 1945 zunächst als “Capitol”, später bis 1973 als “Studio” weiterbetrieben. In dem Bau residierte nach dem Krieg das Prominentenlokal Ricci. Nach einem Totalabriss und äußerlich originalgetreuem Wiederaufbau seit 1978 durch Jürgen Sawade wurde das Haus 1981 als Schaubühne am Lehniner Platz eröffnet. Sie ist nach wie vor eines der erfolgreichsten und international bekanntesten deutschen Theater überhaupt.
Nachdem Regisseur Peter Stein und viele bekannte Schauspielerinnen und Schauspieler die Schaubühne in den 80er Jahren verlassen haben ist seit 1987 Jürgen Schitthelm alleiniger Direktor und einziger Repräsentant des Gründungsensembles. Von 2000 bis 2004 hat die Choreografin Sasha Waltz das Theater wesentlich mit geprägt. Seit sie sich selbständig gemacht und das Theater verlassen hat ist der junge Regisseur Thomas Ostermeier alleiniger Künstlerischer Leiter.

Skulptur “Das Auge der Nemesis”
Die Skulptur auf dem Mittelstreifen wurde beim Einzug der Schaubühne 1980 hier aufgestellt Sie stammt von dem Bildhauer Bernhard Heiliger und heißt “Das Auge der Nemesis”. Die 4 × 4 × 2 m große Stahlskulptur antwortet auf das geschwungene Halbrund des Theaterbaus mit einer großen vertikalen Scheibe, die den Boden nur an einem Punkt berührt.
Der Name der Skulptur bezieht sich auf die griechische Göttin Nemesis. Sie ist die Göttin des gerechten Zorns und bestraft vor allem die menschliche Selbstüberschätzung also die Hybris. Zeus paarte sich mit Nemesis in der Gestalt eines Schwans, nachdem sie zunächst aus Scham und gerechtem Zorn vor seinen Nachstellungen geflüchtet war. Er zeugte mir ihr die Helena, um derentwillen schließlich der Trojanische Krieg geführt wurde.

Kurfürstendamm 152: Vitrinen
In den Vitrinen am Kurfürstendamm finden Sie die Jubiläumsausstellung “Der Kurfürstendamm 125 Jahre – 125 Geschichten”. Die Ausstellung wurde am 5. Mai eröffnet und wird bis Oktober zu sehen sein.
Beispielsweise finden Sie in der Vitrine vor dem DBB Reisebüro Severin am Kurfürstendamm 152 einen Hinweis auf Erich Kästner, der von 1931 bis 1944 in der gegenüberliegenden Roscherstraße 16 wohnte. Sein Stammlokal war das Café Leon hier im Haus des Kabaretts der Komiker.
Gleich daneben die Tafel 84: “Grazien auf Rollen”. Vor hundert Jahren war Rollschuhlaufen populär. Man glaubte sogar, Rollschuhe würden an Stelle des Fahrrads zum Fortbewegungsmittel im Alltag. Doch sie blieben ein Freizeitvergnügen. Hier am Kurfürstendamm 151 wurde 1909 eine hölzerne Rollschuhhalle errichtet. Besonders bei jungen Frauen war sie beliebt. Die “graziösesten und elegantesten” Fahrerinnen wurden prämiert. Der Trend kam aus Amerika, ging aber auch schnell wieder zu Ende. Die Halle wurde dann für Filmproduktionen genutzt.

Kurfürstendamm 142-147: Kurfürstendamm-Center
Das Kurfürstendamm-Center entstand 1971-1973. Es ist in der gleichen Zeit Anfang der 1970er Jahre entstanden wie das Kudamm-Karree und das alte Kudamm-Eck und ebenfalls eine der großen Bausünden am Kurfürstendamm.
Hier wurden die alten Größenverhältnisse der Bebauung missachtet. Grundstücke wurden zu riesigen Komplexen zusammengelegt und mit überdimensionalen Baublöcken zugestellt.

Kurfürstendamm 146: Oxfam-Shop
Oxfam International ist eine seit 1942 tätige unabhängige Hilfs- und Entwicklungsorganisation, die sich weltweit gegen Hunger, Armut und soziale Ungerechtigkeit einsetzt. Oxfam Deutschland wurde 1995 gegründet und ist Mitglied bei Oxfam International; einem Verbund, zu dem insgesamt 14 nationale Oxfam-Organisationen gehören.
Der Name Oxfam geht auf das „Oxford Committee for Famine Relief“ (Oxforder Komitee zur Linderung von Hungersnot) zurück, das 1942 in Großbritannien von dem anglikanischen Domkapitular Theodore Richard Milford und der Oxforder Andachtsgruppe der Quäker gegründet wurde. Gegen den Willen der britischen Regierung schickte Oxfam in der Nachkriegszeit auch Nahrungsmittel und Kleidung nach Deutschland.
Die Arbeit von Oxfam hat drei Standbeine: Not- und Katastrophenhilfe, Entwicklungszusammenarbeit und Lobby- und Kampagnenarbeit.
Oxfam eröffnete 1947 den ersten Oxfam-Shop in England in der Broad Street in Oxford. Heute gibt es über 800 Oxfam-Shops in Großbritannien. In Deutschland wurden bisher 32 Oxfam-Shops gegründet, davon 4 in Berlin. In diesen Secondhand-Läden nehmen ehrenamtliche Mitarbeiter gebrauchte Bücher, Kleidung, Schuhe, CDs, Haushaltswaren etc. von Spendern entgegen, die in den Oxfam-Shops verkauft werden. Mit dem Ertrag der Shops sowie privaten Geldspenden finanziert Oxfam-Hilfsprojekte und entwicklungspolitische Kampagnen.

Kurfürstendamm 141: Steintafel für Rudi Dutschke
Hier wurde 1990 eine Steintafel in den Gehweg eingelassen:
“ATTENTAT auf RUDI DUTSCHKE
11. April 1968
An den Spätfolgen der
Schussverletzung starb Dutschke 1979.
Die Studentenbewegung verlor
eine ihrer herausragendsten
Persönlichkeiten.”
Der junge rechtsradikale Hilfsarbeiter Josef Bachmann hat hier, unmittelbar vor dem SDS-Büro, drei Schüsse auf Rudi Dutschke abgegeben und ihn zweimal in den Kopf und einmal in die linke Schulter getroffen. Dutschke erlitt lebensgefährliche Hirnverletzungen und überlebte nur knapp nach einer mehrstündigen Operation. Mühsam eignete er sich danach Sprache und Gedächtnis wieder an und wurde erneut politisch aktiv. Am 24.12.1979 ertrank er in der heimischen Badewanne nach einem epileptischen Anfall einer Spätfolge des Attentats. Sie können das jetzt auch in der Vitrine auf Tafel 85 der Kurfürstendamm-Ausstellung nachlesen.

Agathe-Lasch-Platz
Diese kleine Grünanlage zwischen Johann-Georg-Straße und Joachim-Friedrich-Straße wurde am 1.10.2004 nach Agathe Lasch benannt.
Der Text auf dem Schild in der Mitte des Platzes lautet:
Agathe Lasch
Jüdische Wissenschaftlerin, erste
Germanistikprofessorin Deutschlands
geb 4.7.1879, 1942 deportiert und
bei Riga ermordet

Sie wurde in Berlin geboren. Ihr Vater war ein kleiner Kaufmann, und sie wuchs in ökonomisch sehr beschränkten Verhältnissen auf. Sie legte die Lehrerinnenprüfung ab und arbeitete an einer Privatschule unter anderem als Turnlehrerin. Trotz ihrer ökonomisch schwierigen Situation machte sie 1906 Abitur und begann ein Studium in Halle.
In Berlin war es nicht möglich, weil der Berliner Germanist Gustav Roethe sich weigerte, die Frau Agathe Lasch zu seinen Seminaren zuzulassen. Sie wehrte sich juristisch dagegen, aber leider bekam er Recht.
Sie promovierte 1909 in Heidelberg mit ihrer viel beachteten “Geschichte der Schriftsprache in Berlin”, und ging anschließend in die USA, wo sie als Germanistin an einer Universität arbeiten konnte. Vorbildlich wurde vor allem ihre Verbindung von Sprachgeschichte und soziokultureller Geschichte, mit der sie viele weitere lokale sprachgeschichtliche Forschungen inspirierte.
Im Deutschen Kaiserreich war eine akademische Karriere für Frauen noch fast unmöglich. In den USA entstand ihr Hauptwerk, die Mittelniederdeutsche Grammatik, bis heute ein Standardwerk der deutschen Philologie.
1917 kam sie zurück nach Deutschland. Ihr internationales Ansehen verhalf ihr jetzt zu einer Stelle als Assistentin am Deutschen Seminar der Hansestadt Hamburg. In den 20er und 30er Jahren trug sie wesentlich dazu bei, der jungen Hamburger Universität auch internationales Ansehen zu verschaffen.
Sie habilitierte sich 1919, wurde 1923 zur Professorin ernannt und 1926 auf den neu geschaffenen Lehrstuhl für Niederdeutsch berufen.
Sie arbeitete in Hamburg an zwei Wörterbuch-Unternehmen: am mittelniederdeutschen Wörterbuch und am Hamburgischen Wörterbuch. Außerdem veröffentlichte sie 1928 ihre Forschungsarbeit zur “Berlinischen Sprachgeschichte”. Vor allem mit diesem Werk leistete sie Pionierarbeit. Es war und ist eine wichtige Grundlage für Forschungen zum Berlinischen in Vergangenheit und Gegenwart.
Wegen ihrer jüdischen Herkunft konnte Agathe Lasch nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nicht mehr lange an der Universität arbeiten. Eine Petition schwedischer Hochschullehrer konnte zwar zunächst im April 1933 die Anwendung des “Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” auf sie verhindern, aber 1934 wurde sie dann doch entlassen. Zunächst konnte sie noch privat weiter arbeiten und publizieren.
1937 zog sie zur ihrer Familie nach Berlin, zunächst in die Seesener Straße 29, später in die Caspar-Theyß-Straße 26. 1939 wurde ihr auch die private Arbeit und die Publikation ihrer Forschungen unmöglich gemacht. Ihre Bibliothek wurde konfisziert.
Am 15. August 1942 wurde sie nach Riga deportiert. Von da ab verliert sich ihre Spur. Es war der 18. Ost-Transport der Deutschen Reichsbahn. 938 jüdische Bürgerinnen und Bürger wurden mit diesem Transport nach Riga deportiert. Soweit wir wissen hat niemand von ihnen überlebt.
Agathe Lasch hat sich zeitlebens als Patriotin zu ihrer deutschen Identität aktiv bekannt und durch ihre Arbeit einen wichtigen Beitrag zur deutschen Geschichte geleistet. Als die Repressalien der Nationalsozialisten gegen sie schon in vollem Gange waren, sagte sie: “Das Bewusstsein, deutsch zu empfinden, kann mir ja keiner nehmen.”

Infostele “Generalplan Ost”
Am 9.5.2008 haben wir hier auf dem Gehweg eine Infostele enthüllt, die von Hans Wall gestiftet wurde. Sie enthält folgenden Text:
“Am Kurfürstendamm 140-143 befand sich ab 1939 das ‘Reichskommissariat für die Festigung des deutschen Volkstums’, eines von zwölf SS-Hauptämtern. Hier wurde 1941-1942 der ‘Generalplan Ost’ entwickelt.
Der Plan sah vor, fünf Millionen Deutsche im annektierten Polen und im Westen der Sowjetunion anzusiedeln.
Die slawische und jüdische Bevölkerung dieser Gebiete sollte unterworfen, vertrieben oder ermordet werden.
Damit waren bis zu 50 Millionen Menschen von Vernichtung durch unmenschlich harte Arbeitsbedingungen, durch Verhungern, so-
wie durch Deportation und Mord bedroht.
Der ‘Generalplan Ost’ wurde im Distrikt Lublin in Polen am weitesten realisiert. Bei der angeordneten ‘Eindeutschung’ der Kreise Zamosc und Lublin wurden ab November 1942 über 100.000 Menschen, darunter 10.000 Kinder von SS-, Polizei- und Wehrmachtseinheiten aus 300 polnischen Dörfern vertrieben und viele von ihnen in Konzentrationslagern ermordet.
Der ‘Generalplan Ost’ steht für den verbrecherischen Charakter der nationalsozialistischen Politik und die Skrupellosigkeit der Täter. Allein der Verlauf des Krieges hat dem Plan ein Ende gesetzt.”

Kurfürstendamm 101
1991 entstand hier ein Streit um Abriss des Hauses wegen angeblicher Lebensgefahr für die Mieter. Mitte der 90er Jahre wurde ein Rohbau erstellt, aber die vom Bezirksamt ausgestellte Baugenehmigung wurde nicht genutzt, weil der Eigentümer keinen Wohnraum schaffen wollte. Nach der längsten Baupause am Kurfürstendamm, soll entstand schließlich ein Hotelbau.

Kurfürstendamm 101-111
Hier befand sich von 1891 bis 1899 auf dem damaligen Gelände des Vereins für Velociped Wettfahrten ein Velodrom, eine Radrennbahn für bis zu 15.000 Zuschauer.
In einer Petition einer Gruppe von Hauseigentümern an den Magistrat der Stadt Charlottenburg hieß es am 31.10.1898:
“Als der Kurfürstendamm in seiner derzeitigen Gestalt entstanden war, wurde er sehr bald der Liebling des Publikums, namentlich der Berliner; nicht nur derjenigen, deren Endziel der Grunewald war, sonder auch Alle, die überhaupt sich im Freien ergehen wollten, benutzten ihn zu Fuß, zu Wagen und zu Pferde, und in kürzester Frist wurde eine Corsostraße ersten Ranges, welche mit ihren zweifachen Fahrdämmen, ihrem besonderen Reitwege … und ihren beiden Bürgersteigen neben den Straßenbahnen noch sicheren Raum für alle bot.
Mit dieser Sicherheit war es zu Ende, als allmählich auch der Radfahrverkehr sich des Kurfürstendammes bemächtigte. Die Gefahren für Leib und Leben, denen man seitdem daselbst, insbesondere beim Ueberqueren der Straße, ausgesetzt ist, sind allbekannt.”

Aber es wurde noch schlimmer. In einem Berlin-Führer von 1905 heißt es über den Kufürstendamm:
“Weg von 2 Stunden. Sogenannte Prachtstraße mit prunkvollen Häuserfassaden, Kuppeln, Türmen, blumengeschmückten Balkonen, Vorgärten, Reitweg. Vorsicht vor Automobilen!”
Und im Berlin-Baedeker von 1908:
“Allee Kurfürstendamm: An schönen Tagen ist sie von zahlreichen eleganten Automobilen und Wagen belebt.”
In “Berlin für Kenner” 1912:
“Viele Automobile, elegantes Leben und Berlin-W-Typen”.

Kurfürstendamm 100
Das Haus war 1993 einsturzgefährdet, nachdem ein Zahnarzt in seiner Wohnung im 2. Stock eigenmächtige Umbauten vorgenommen hatte. Die Wohnungen mussten überstürzt geräumt werden, aber das leer geräumte Haus blieb noch bis 1999 stehen. Auch dies ist eine der 125 Geschichten der Kurfürstendamm-Ausstellung, nachzulesen gegenüber in der Vitrine vor dem Hotel Ku’damm 101 auf Tafel 86.
Nach langen Auseinandersetzungen, Abriss und Neubau entstand schließlich die Pro Seniore Residenz, die am 1. Februar dieses Jahres ihr 10jähriges Bestehen feiern konnte. Die Residenzberaterin Frau Albrecht hat aus diesem Anlass eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses und des Kiezes zusammengestellt. Sie wird Ihnen jetzt selbst ihr Haus vorstellen.
Außerdem ist Frau Molnos von der Buchhandlung Timbooktu hier. Sie hat sich gemeinsam mit ihrem Mann sehr für den heutigen Tag und für die Gruppe “Erfahre Halensee!” engagiert. Sie wird Ihnen die Gruppe und ihre Pläne vorstellen. Es geht dabei um eine RätselRallye und ein Fahrrad-Open-Air Kino im Juni. Auch Ihnen, Frau Molnos, möchte ich herzlich danken für Ihr Engagement für den Kiez.