Wir stehen hier im Preußenpark, an der Borussia-Statue, die dem Park seinen Namen gibt. Die Figur ist eine Kopie einer Skulptur des Berliner Bildhauers Reinhold Begas aus dem Jahr 1885. Sie zeigt „Borussia“ – die Personifikation Preußens. Eine fast fünf Meter hohe Frauengestalt, mit Helm, Panzer und Schwert, dazu Lorbeerkränze an der Seite – Sinnbild für Stärke und Sieg. Aufgestellt wurde sie 1936, also zu einer Zeit, in der man nationale Symbole wieder besonders betonte. Das Original stand einst in Marmor, diese Version hier besteht aus Kunststein. Reinhold Begas war einer der bekanntesten Bildhauer des Berliner Neobarocks, von ihm stammt auch das Bismarckdenkmal am Großen Stern.
Der Preußenpark selbst hat eine lange Geschichte. Er wurde 1904/05 nach Plänen des damaligen Gemeinde-Obergärtners Richard Thieme angelegt – damals noch als „Platz D“. Erst 1907 bekam er offiziell den Namen „Preußenplatz“, den die Anwohner allerdings schon vorher „Preußenpark“ nannten. Anfangs war er ein kleiner Landschaftsgarten, geometrisch angelegt, ganz im Stil der Zeit. In den 1920er-Jahren wurde er dann erweitert: eine große Wiese entstand, die sich nach Süden zum Fehrbelliner Platz öffnete. In den 1930ern kam noch einmal Fläche hinzu.
Nach dem Krieg sah es hier anders aus: Entlang der Württembergischen Straße türmte sich ein Trümmerberg, und der ehemalige Aufmarschplatz im Süden wurde zum Parkplatz. Später wurde der Park wieder zu einem beliebten Ort der Erholung – und ab den 1990er-Jahren auch über Berlin hinaus bekannt als Standort der „Thaiwiese“. Hier trafen sich vor allem thailändische Familien, um gemeinsam zu essen, zu kochen und sich auszutauschen – ein lebendiger, inoffizieller Markt, der zu einer festen Institution wurde. 2024 beschloss der Bezirk, den Markt aus dem Park zu verlagern, um die Grünflächen zu schützen und Platz für die anstehende Neugestaltung zu schaffen.
Denn der Preußenpark steht vor einem großen Umbau: Er soll zu einem Modellprojekt für Klimaanpassung und nachhaltige Stadtgestaltung werden. Der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat dafür rund neun Millionen Euro Fördermittel erhalten, unter anderem aus dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“. Ziel ist, den Park so umzugestalten, dass er besser mit Hitze, Trockenheit und Starkregen umgehen kann – also zu einer sogenannten „Schwammstadtfläche“ wird.
Konkret heißt das: Regenwasser soll künftig im Park gespeichert und genutzt werden, statt in die Kanalisation zu fließen. Gemeinsam mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) wird ein System entwickelt, bei dem das Regenwasser von Nachbargrundstücken – etwa von den Dächern der Senatsverwaltung – in Zisternen gesammelt wird. Von dort aus wird es in den Park geleitet und für die Bewässerung der Bäume genutzt. Das spart Trinkwasser und schont die Kanalisation.
Auch im Park selbst wird geforscht und ausprobiert: Der Boden wird gelockert, mit Mikroorganismen angereichert und mit Laub gemulcht, um die Feuchtigkeit besser zu halten. Am Hang des Trümmerbergs wird der Boden mit Kokosmatten gesichert, und es entsteht sogar ein kleiner „Tiny Forest“ – ein Miniwald, der auf kleinem Raum viele Pflanzenarten vereint. Ein weiteres Experiment ist das sogenannte Stockholm-System, bei dem die Bäume in einem speziellen Bodensubstrat wachsen, das mehr Wasser speichern kann.
Ein besonderes Element der neuen Planung ist die Absenkung des Rondells im Norden des Parks. Die so entstehende Mulde soll Regenwasser aufnehmen und langsam verdunsten lassen – das kühlt die Umgebung und hilft, Überflutungen zu vermeiden.
Insgesamt geht es beim Umbau darum, Natur, Stadt und Nutzung besser miteinander zu verbinden: ein Park, der robust genug ist für heiße Sommer, aber auch offen bleibt für die Menschen, die ihn besuchen.
Damit sind wir am Ende des heutigen Kiezspaziergangs. Vielen Dank, dass Sie dabei waren.
Zum Abschluss noch ein Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Der findet am Samstag, 8. November, statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr am Bahnhof Grunewald.