Herzlich willkommen! Mein Name ist Arne Herz und ich bin Staatssekretär für Mobilität und Verkehr in der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt. Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem 270. Kiezspaziergang.
Bevor wir losgehen, habe ich noch zwei Anmerkungen. Zum einen der Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Am Samstag, 13. September, geht es durch Alt-Lietzow. Bezirksstadtrat Christoph Brzezinski übernimmt die Führung. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Villa Kogge, Alt-Lietzow 28.
Zum anderen planen wir gerade die Kiezspaziergänge für nächstes Jahr. Deshalb wollten wir bei Ihnen eine kleine Umfrage starten: Über welchen Ort würden Sie gern mehr wissen? Welche Station würden Sie gern mal auf einem Kiezspaziergang sehen? Wir können nicht versprechen, dass wir jeden Wunsch erfüllen. Aber wenn Sie eine Idee haben, teilen Sie uns die gern mit. Am besten schreiben Sie Ihren Wunschort auf einen Zettel und bringen ihn zum nächsten Spaziergang einfach mit, wir sammeln das dann ein. Oder Sie schreiben einfach eine kurze E-Mail an presse@charlottenburg-wilmersdorf.de
Unser heutiger Kiezspaziergang führt uns nach Charlottenburg-Nord – rund um die Siedlung Siemensstadt und den Volkspark Jungfernheide.
In der sogenannten Ringsiedlung Siemensstadt begegnen wir dem Geist der Moderne. Einer Zeit, in der Architektur mehr sein wollte als nur Fassade. Es ging ums Ganze: ums Leben, ums Wohnen, um die Gesellschaft. „Licht, Luft und Sonne für alle“ – das war das große Versprechen. Und genau das wurde hier, in den späten 1920er-Jahren, in die Tat umgesetzt.
Die Ringsiedlung liegt in Charlottenburg-Nord und Spandau. Sie entstand zwischen 1929 und 1931 im Auftrag der beiden Wohnungsbaugesellschaften „Primus“ und „Heerstraße“. Der Elektrokonzern Siemens war am Bau nicht beteiligt.
Die Siedlung ist ein Gemeinschaftswerk berühmter Architekten. Walter Gropius, Hans Scharoun, Hugo Häring, Otto Bartning, Fred Forbat und Paul Rudolf Henning – sie alle gehörten zur Architekten-Vereinigung „Der Ring“ und brachten ihre Ideen vom „Neuen Bauen“ ein.
Insgesamt wurden 1.370 Wohnungen gebaut – alle mit Bad und Zentralheizung. Die meisten waren kompakte Eineinhalb- bis Zweieinhalb-Zimmer-Wohnungen, untergebracht in drei- bis viergeschossigen Zeilenbauten. Ziel war es, für die Beschäftigten von Siemens schnellen und bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Sie planten also nicht für Reiche, sondern für alle Menschen. Funktional, durchdacht, offen zur Natur – also klare Linien, sinnvolle Grundrisse, viel Grün.
Aber auch Gegensätze und Ideenvielfalt begegnen uns hier. Jeder Architekt hatte seinen eigenen Stil, seine eigene Vorstellung vom guten Wohnen. Wir werden diese Unterschiede auf unserem Spaziergang entdecken.
Und es ist spannend, wie aktuell dieses Gelände heute wieder ist – denn Siemensstadt steht erneut vor einem großen Umbruch: Mit dem Bau von Siemensstadt Square entsteht bis 2035 auf dem ehemaligen Industrieareal ein neuer Stadtteil. Ein CO₂-neutrales Quartier, in dem rund 7.000 Menschen wohnen und mehr als 20.000 arbeiten sollen – in Büros, Forschungseinrichtungen, Start-ups und Werkstätten. Schulen, Kitas, ein Bildungscampus, ein Boulevard mit Läden und Cafés – all das ist Teil des Konzepts.
Auch infrastrukturell bewegt sich viel: Der historische S-Bahnhof Siemensstadt wird reaktiviert, die Siemensbahn wieder zum Leben erweckt – ein entscheidender Schritt für nachhaltige Mobilität im Westen Berlins.
Siemensstadt war also schon einmal ein Ort des Aufbruchs – und ist es jetzt wieder.
Bevor wir uns gleich selbst ein Bild vom alten Siemensstadt machen, vom sozialen Anspruch der Moderne und von der Architektur des „Neuen Bauens“, noch ein kurzer Ausblick auf unsere Route:
Vor der Ringsiedlung besuchen wir die Sühne-Christi-Kirche und den Goebelplatz. Zum Abschluss unserer heutigen Tour machen wir einen Abstecher in den Volkspark Jungfernheide.