269. Kiezspaziergang: Villa Oppenheim – Lietzenseepark

269. Kiezspaziergang Heike Schmitt-Schmelz

Herzlich willkommen! Mein Name ist Heike Schmitt-Schmelz und ich bin Stadträtin für Kultur, Schulen und Sport. Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem 269. Kiezspaziergang.

Bevor wir losgehen, habe ich noch zwei Anmerkungen. Zum einen der Hinweis auf den nächsten Kiezspaziergang: Treffpunkt ist am Samstag, 9. August 2025, um 14 Uhr an der U-Bahnstation Halemweg. Mit Staatssekretär Arne Herz erkunden Sie die eindrucksvolle Großsiedlung Siemensstadt, die als UNESCO-Weltkulturerbe beispielhaft für den modernen Wohnungsbau der Weimarer Republik steht. Ziel ist der Volkspark Jungfernheide.

Zum anderen planen wir gerade die Kiezspaziergänge für nächstes Jahr. Da wollten wir bei Ihnen eine kleine Umfrage starten: Über welchen Ort würden Sie gern mehr wissen? Welche Station würden Sie gern mal auf einem Kiezspaziergang sehen? Wir können nicht versprechen, dass wir jeden Wunsch erfüllen. Aber wenn Sie eine Idee haben, teilen Sie uns die gern mit. Am besten schreiben Sie Ihren Wunschort auf einen Zettel und bringen ihn zum nächsten Spaziergang einfach mit, wir sammeln das dann ein. Oder Sie schreiben einfach eine kurze E-Mail an presse@charlottenburg-wilmersdorf.de

So, jetzt geht es aber los.

269. Kiezspaziergang Villa Oppenheim

Villa Oppenheim

Wir stehen hier vor der Villa Oppenheim, einem prächtigen Gebäude im Stil der Neorenaissance. Erbaut wurde sie in den Jahren 1881 bis 1882 – als Sommersitz für das Ehepaar Margarete und Otto Georg Oppenheim. Margarete stammte aus der bekannten Bankiersfamilie Mendelssohn. Die Familie nannte die Villa damals „Sorgenfrei“ – eine kleine Anspielung auf Schloss Sanssouci, in Potsdam das übersetzt „ohne Sorge“ heißt.

Die Villa steht auf einem geschichtsträchtigen Gelände. Im 18. Jahrhundert befanden sich hier Nebengebäude des Charlottenburger Schlosses: eine Menagerie, ein Marstall und ein Lorbeerhaus, so nannte man damals das Gewächshaus. Nach mehreren Besitzerwechseln kaufte Alexander Mendelssohn das Grundstück Mitte des 19. Jahrhunderts und errichtete dort einen ersten Sommersitz – ebenfalls mit dem Namen „Sorgenfrei“. Nach seinem Tod übernahm seine Tochter Margarete das Anwesen und ließ an seiner Stelle die heutige Villa Oppenheim bauen.

Architekt war Christian Heidecke, der sich bei der Gestaltung an venezianischen Renaissancevillen orientierte. Die Villa besteht aus rotem Backstein mit weißen Sandsteinelementen – ein auffälliger Farbkontrast, der bis heute sichtbar ist. Hochrechteckige Fenster, Rundbögen, Freitreppen und Loggien mit Säulen geben der Fassade ein elegantes, fast südländisches Aussehen. Das Dach war früher noch steiler, mit einem Giebel in der Mitte. Im Laufe der Zeit hat man Teile des Gebäudes entfernt oder verändert – zum Beispiel zwei Seitenflügel und einige Nebengebäude.

Die Familie nutzte das Anwesen nicht nur zum Wohnen. Auf dem Gelände standen auch ein Stallgebäude, eine Kegelbahn, ein Gartensaal und sogar zwei Treibhäuser. Zwei Jahre nach dem Tod von Otto Georg Oppenheim kaufte Charlottenburg 1911 das Grundstück. Die Stadt riss alle Nebengebäude der Villa ab und legte 1913 den heutigen Schustehrus-Park an und errichtete eine Schule, die mit der Villa verbunden war – die heutige Schule am Schloss.

Im Zweiten Weltkrieg diente die Villa als Seuchenlazarett. Als das Dachgeschoss bei einem Luftangriff getroffen wurde und ausbrannte, erhielt die Villa vorübergehend ein Flachdach. In den 1980er Jahre restaurierte man das Gebäude, heute steht es unter Denkmalschutz.

Ab 1987 war hier das Kunstamt Charlottenburg mit einer Galerie untergebracht, später eine Galerie für Gegenwartskunst. Nach einer weiteren Sanierung zog 2012 das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf ein. Das Regionalmuseum widmet sich der Geschichte des Bezirks und der Berliner Kultur – mit einem besonderen Blick auf das Alltagsleben der Menschen. Neben Dauer- und Wechselausstellungen zur Bezirksgeschichte zeigt das Museum auch Werke aus der Kunstsammlung der einst selbstständigen Stadt Charlottenburg, darunter zahlreiche Gemälde des 19. Jahrhunderts und der Berliner Secession.

Ein Highlight ist der Bereich „Villa O. von 4–18“, in dem Kinder und Jugendliche auf spielerische Weise historische Themen entdecken können. Außerdem gibt es ein Archiv, eine Bibliothek und einen Lesesaal – untergebracht im Dachgeschoss – die nach Anmeldung auch für eigene Recherchen genutzt werden können.

Wir gehen jetzt bis zur Schloßstraße und halten uns rechts. Wir treffen uns an der Carl-Schumann-Sporthalle, Schloßstraße 56.

269. Kiezspaziergang Carl-Schumann-Sporthalle

Carl-Schuhmann-Sporthalle an der Schloßstraße 56

Die Carl-Schuhmann-Sporthalle fällt einem sofort ins Auge: Sie ist komplett verglast und erinnert mit ihren Querstreben und Zierformen eher an ein Wohnhaus als an eine typische Sporthalle.

Das bekannte Architektenpaar Inken und Hinrich Baller hat die Sporthalle in den Jahren 1987 und 1988 erbaut. Die Herausforderung: Auf einem kleinen Grundstück sollten zwei große Turnhallen entstehen. Die Lösung war ebenso einfach wie genial – die Ballers setzten die Hallen einfach übereinander.

So entstand dieser aufgeständerte Stahlbetonbau: Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Halle in der Größe eines Handballfeldes, darüber eine zweite, die den olympischen Normen entspricht. Das obere Hallendach hat ein Tonnengewölbe aus Stahl – leicht, elegant und funktional. Anstelle der sonst üblichen, schweren Lüftungs- und Deckenanlagen, sieht man hier filigrane Spannglieder aus Stahl und dezente Aufhängungen für die Sportgeräte. Die Farben der Halle nehmen Bezug auf das nahegelegene Schloss Charlottenburg.

Die Turnhalle ist nicht nur schön, sondern auch nachhaltig. Bereits 2016 und 2017 wurde sie energetisch saniert. Seitdem sorgt eine moderne LED-Beleuchtung mit intelligenter Lichtsteuerung für weniger Stromverbrauch und bessere Lichtverhältnisse. Allein durch diese Maßnahme spart der Bezirk pro Jahr rund 40.000 Kilowattstunden Strom – auf 20 Jahre gerechnet sind das mehr als 300 Tonnen CO₂. Davon profitieren nicht nur Umwelt und Klima, sondern auch die vielen Schulen und Sportvereine des Bezirks, die die Halle nutzen.

Vor dem Gebäude steht ein großer Findling mit einer bronzenen Gedenktafel. Sie erinnert an den Namensgeber der Halle: Carl Schuhmann. Geboren 1869 in Münster, war er einer der ersten großen deutschen Athleten – ein Allrounder, der sich durch Kraft und Beweglichkeit auszeichnete. 1896 nahm er an den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen teil – gegen den Willen des Deutschen Turner-Bundes, der die Spiele als unseriös abtat. Schuhmann ließ sich davon nicht aufhalten.

Und es hat sich gelohnt: In Athen wurde er zum gefeierten Star. Er gewann vier Goldmedaillen – im Pferd-Sprung, im Ringen und mit den deutschen Mannschaften am Barren und am Reck. Im Ringen setzte er sich sogar gegen deutlich größere und schwerere Gegner durch. Besonders eindrucksvoll war sein Sieg über den griechischen Favoriten Tsitas – ein dramatischer Kampf, der wegen Dunkelheit unterbrochen und am nächsten Tag fortgesetzt wurde. Schuhmann gewann dank seiner Beweglichkeit und Entschlossenheit.

Trotz dieser Erfolge geriet Carl Schuhmann später weitgehend in Vergessenheit. Schuld daran waren die dürftige Berichterstattung seiner Zeit und die Vorurteile der damaligen Turnbewegung. Erst nach seinem Tod im Jahr 1946 erinnerte man sich wieder an ihn – als Vorbild für Mut, sportlichen Ehrgeiz und Menschlichkeit. Denn auch abseits des Sports bewies er Haltung: Während der NS-Zeit versuchte er, jüdische Freunde wie den Turner Alfred Flatow vor der Verfolgung zu schützen.

Dass diese Turnhallen seinen Namen tragen, ist also nicht nur eine Ehrung für einen großen Sportler, sondern auch ein Zeichen dafür, dass Engagement, Zivilcourage und sportlicher Geist über die Zeit hinaus wirken. Seit 2018 ist sogar ein Weg zum Olympiastadion nach ihm benannt.

Wir gehen jetzt die Straße in Richtung Kaiserdamm hinunter bis zur Schloßstraße 22. Dazu müssen wir einmal die Straßenseite wechseln. Es gibt keine Ampeln auf der Strecke, also achten Sie bitte auf den Verkehr.

269. Kiezspaziergang Otto Grüneberg

Schloßstraße 22 – Otto Grüneberg

Wir stehen hier vor dem Haus Schloßstraße 22. Genau an diesem Ort, im Erdgeschoss der damaligen Gaststätte „Wascher“ – heute heißt sie „Kastanie“ – ermordeten am Abend des 1. Februar 1931 SA-Leute den jungen Antifaschisten Otto Grüneberg. Er wurde nur 22 Jahre alt.

Grüneberg lebte hier in diesem Haus, in einer Gegend, die damals als „roter Kiez“ galt – ein Arbeitermilieu mit vielen Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschaftern. Otto Grüneberg war Mitglied der kommunistischen Jugendorganisation Rote Jungfront, engagierte sich in der Roten Hilfe und der Internationalen Arbeiterhilfe. Er gehörte einer sogenannten Häuserschutzstaffel an – das waren Gruppen, die zunächst gegen Zwangsräumungen helfen sollten, später aber vor allem den Schutz vor SA-Überfällen organisierten.

Die SA hatte Otto Grüneberg schon länger im Visier, sie schickten ihm Drohbriefe, um ihn einzuschüchtern. Denn er sollte als Zeuge in einem Prozess gegen SA-Leute aussagen, die wenige Tage zuvor den Arbeiter Max Schirmer mit Messerstichen tödlich verletzt hatten.

Am Abend seines Todes kam Otto Grüneberg gerade von einer Versammlung der Internationalen Arbeiterhilfe. In der Nähe seines Wohnhauses – an der Ecke Schloßstraße und Hebbelstraße – traf er auf den berüchtigten SA-Sturm 33, auch bekannt als „Mordsturm Charlottenburg“. Aus mehreren Richtungen eröffneten SA-Leute das Feuer. Grüneberg wurde von sieben Kugeln getroffen. Er schleppte sich noch bis vor seine Haustür und starb schließlich unten in der Kneipe.

Der Schriftsteller Jan Petersen, ein Freund von Grüneberg, hat die Tat in seinem Buch „Unsere Straße“ beschrieben – einem antifaschistischen Roman, den er noch während der NS-Zeit im Untergrund schrieb. Ich zitiere:

„Sie ließen ihn bis in die Mitte der hell erleuchteten Straßenkreuzung gehen, gaben dann von allen Seiten Schnellfeuer. Otto lief mit sieben Schüssen noch bis vor seine Haustür, brach dann sterbend zusammen. Er war einer unserer Besten und Tapfersten.“

Otto Grüneberg war eines der ersten bekannten Mordopfer eines SA-Sturms. Die Beerdigung wurde zum Protest gegen die Gewalt der Nazis. Laut Berichten nahmen bis zu 10.000 Menschen teil – Jan Petersen sprach sogar von 60.000 Berliner Arbeiterinnen und Arbeitern, die Grüneberg das letzte Geleit gaben.

Im anschließenden Prozess wurden drei Täter verurteilt – der Hauptangeklagte zu etwas mehr als fünf Jahren Haft. Doch bereits nach zehn Monaten kamen sie wieder frei.

An Otto Grüneberg erinnern heute zwei Gedenkorte: die Tafel an diesem Haus – sie wurde erstmals 1948 angebracht – und seit 1989 der Otto-Grüneberg-Weg gleich um die Ecke. Auch auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde gibt es ein symbolisches Grab für ihn – im sogenannten Hain der Opfer des Faschismus.

Wir biegen jetzt rechts in die Knobelsdorffstraße. Unsere nächste Station ist der Kläre-Bloch-Platz.

269. Kiezspaziergang Kläre-Bloch-Platz

Kläre-Bloch-Platz

Der Kläre-Bloch-Platz liegt zwischen der Knobelsdorff-, der Nehring- und der Wundtstraße. Mit seinen Laubbäumen, Blumenbeeten und einer Skulptur wirkt er wie eine grüne Insel. Hier stehen Bänke zum Ausruhen, Kinder spielen, und Nachbarinnen treffen sich zum Plausch. Doch der Platz ist nicht nur schön – er erinnert auch an eine beeindruckende Frau: Kläre Bloch.

Kläre Bloch wurde 1908 als Klara Begall in Schmargendorf geboren. Ihr Vater hatte ein kleines Taxiunternehmen. Sie wuchs mit einer Schwester und einem Bruder in Schmargendorf und Halensee auf. Nach der Handelsschule machte sie eine kaufmännische Ausbildung. 1930, mit gerade mal 22 Jahren, erwarb sie den Taxiführerschein – und wurde eine der ersten Taxifahrerinnen Berlins. Ihr Beruf brachte sie mit vielen Menschen zusammen. Besonders prägte sie das legendäre Romanische Café am Breitscheidplatz – ein Treffpunkt für Künstler, Intellektuelle und politisch Engagierte. Die Begegnungen dort formten ihre politische Haltung. Später nannte sie das Café „ihre Universität“.

1938 zog sie in eine kleine Wohnung hier um die Ecke – im Horstweg 28. Dort versteckte sie während der NS-Zeit mehrere Menschen, zum Beispiel den jüdischen Zeichner und Kommunist Erich Bloch, ein Freund aus Café-Zeiten. Auch andere Verfolgte fanden bei ihr Schutz: etwa die Jüdin Gertrud Bruck und ihre Tochter Hildegard Grau, die sie in einer leerstehenden Wohnung im Nachbarhaus unterbrachte. Kläre Bloch versorgte sie mit Essen, gab ihnen Hoffnung und riskierte dabei täglich ihr eigenes Leben.

Sie war vorsichtig, aber auch mutig. Als sie einen anonymen Drohbrief erhielt – mit dem Vorwurf, sie verstecke Juden – ging sie nicht etwa in Deckung. Stattdessen stellte sie ihre Nachbarn öffentlich zur Rede und schüchterte mögliche Denunzianten so sehr ein, dass sie in Ruhe gelassen wurde.

Nach dem Krieg blieb Erich Bloch bei ihr. Sie heirateten 1955, als er durch einen Schlaganfall pflegebedürftig wurde. Kläre pflegte ihn bis zu seinem Tod 1965. Danach reiste sie viel – durch Europa, Asien, sogar Australien. 1988 starb sie in Berlin im Alter von 80 Jahren.

Sie wurde auf dem Friedhof Heerstraße in Westend beigesetzt – neben ihrem Mann. Seit 2020 ist ihr Grab ein Ehrengrab des Landes Berlin.

Doch auch der Kiez hat sie nicht vergessen. Auf Initiative des Kiezbündnisses Klausenerplatz wurde dieser Platz 2004 nach ihr benannt.

Wir gehen jetzt weiter zum Sophie-Charlotte-Platz.

269. Kiezspaziergang Sophie-Charlotte-Platz

Sophie-Charlotte-Platz

Der Sophie-Charlotte-Platz erinnert – wie Sie sicherlich alle wissen – an eine bemerkenswerte Frau: Sophie Charlotte von Braunschweig-Lüneburg, Kurfürstin von Brandenburg und die erste Königin in Preußen. Geboren wurde sie 1668 im heutigen Bad Iburg. Sie war die einzige Tochter von Ernst August von Hannover und Sophie von der Pfalz. Sie wuchs behütet auf und erhielt eine außergewöhnlich gute Ausbildung. Sie sprach mehrere Sprachen und reiste viel durch Europa – von Frankreich über Brüssel bis in die Niederlande.

Sophie Charlotte war nicht nur klug, sondern auch künstlerisch begabt. Besonders die Musik lag ihr am Herzen. Sie spielte und komponierte selbst – ihre Sammlung von Musikstücken vermachte ihr Sohn später der königlichen Bibliothek. Auch äußerlich fiel sie auf: Ihre tiefblauen Augen und ihre schwarzen, nicht gepuderten Locken, sorgten für Aufsehen an den europäischen Höfen.

Mit knapp sechzehn Jahren heiratete sie Kurprinz Friedrich – den späteren König Friedrich I. von Preußen. Die beiden hatten zwei Kinder, von denen jedoch nur einer überlebte: Friedrich Wilhelm, später bekannt als der „Soldatenkönig“.

Sophie Charlotte wünschte sich ein eigenes Schloss in der Nähe von Berlin. Ihr Mann schenkte ihr zunächst das Schloss „Caputh“ bei Potsdam, später ließ sie in Lützow ein neues Schloss errichten – das heutige Schloss Charlottenburg. Sie nannte es „Lietzenburg“ und lebte dort regelmäßig von Frühling bis Herbst – meist auf einer Baustelle, denn das Schloss wurde ständig erweitert.

Leider starb Sophie Charlotte schon mit 36 Jahren, im Jahr 1705, nach kurzer Krankheit in Hannover. Ihr Leichnam wurde nach Berlin überführt, wo sie im Berliner Dom beigesetzt wurde. Zu ihrem Andenken benannte man das Schloss Lietzenburg in „Charlottenburg“ um – und auch der Platz, an dem wir hier stehen, trägt heute ihren Namen.

Direkt unter unseren Füßen liegt der gleichnamige U-Bahnhof. Er wurde 1908 eröffnet und ist Teil der U2-Linie, die heute von Pankow bis Ruhleben fährt. Der Architekt Alfred Grenander entwarf ihm- Er war einer der wichtigsten U-Bahn-Baumeister Berlins. Ursprünglich fiel durch Fenster Tageslicht auf die Bahnsteige – doch diese Zugänge wurden 1935 geschlossen und verlegt. Seitdem verbindet ein Fußgängertunnel die beiden Seiten. Besonders sind die 26 großen Wandbilder, die Szenen aus dem U-Bahn-Alltag um 1900 zeigen. Der Bahnhof steht heute unter Denkmalschutz.

Wir schlendern die Suarezstraße jetzt gemütlich entlang, werfen Sie gern einen Blick in das ein oder andere Schaufenster. Wir sehen uns Suarezstrasse 53/Ecke Pestalozzistraße wieder.

269. Kiezspaziergang Antikhändler Suarezstraße

Antikhändler Suarezstraße

Die Suarezstraße ist ein ganz besonderer Ort für alle, die alte Schätze lieben. Benannt wurde sie 1897 nach Carl Gottlieb Suarez, einem preußischen Juristen, der im 18. Jahrhundert lebte. Suarez war ein Vordenker des modernen Rechtsstaats und Lehrer des späteren Königs Friedrich Wilhelm III. Ursprünglich hieß die Straße „Prinzessinnenweg“.

Seit den 1970er Jahren hat sich die Suarezstraße zur bekanntesten Straße für Altes, Schönes und Spezielles Berlins entwickelt – zur sogenannten Antikmeile. Mehr als 30 Geschäfte bieten hier Möbel, Porzellan, Gemälde, Schmuck, Mode und allerlei Kurioses aus vergangenen Zeiten an. Wer hier entlangschlendert, entdeckt in jedem Schaufenster ein Stück Geschichte.

Die Händlerinnen und Händler in der Suarezstraße sind echte Kenner, viele haben ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Manche kaufen Nachlässe aus Berlin, andere reisen durch ganz Europa, um besondere Stücke zu finden. Ob Biedermeier-Schrank, Nippes aus Omas Zeiten oder Designerstücke der 60er – wer hier sucht, der findet.

Ein echtes Highlight ist das alljährliche Straßenfest, die Antikmeile, die immer am ersten Samstag im September gefeiert wird. Dann wird die Straße zur Bühne: Musik erklingt, es wird getanzt, gefeiert und verkauft – oft unter einem besonderen Motto. Bis zu 30.000 Menschen kommen jedes Jahr, um zu stöbern, einen ganz besonderen Schatz zu finden und sich zu amüsieren.

Auch wenn es rund 30 Läden in der Suarezstraße gibt, keiner gleicht dem anderen. Im „Berliner Sammelsurium“ zum Beispiel gibt’s nicht nur Antiquitäten, sondern auch Kaffee und Kuchen – inmitten von Möbeln und Gegenständen aus 130 Jahren. Oder man besucht das Geschäft „Spitze“ mit Mode aus der Zeit zwischen 1860 und 1960 – original und tragbar. Theater- und Filmproduktionen kommen regelmäßig her, um sich einzukleiden.

Auch das Geschäft „Antikes & Nippes“ ist typisch für die Suarezstraße. Hier gibt’s feines Porzellan – zum Beispiel von der Königlichen Porzellan-Manufaktur – neben liebevoll ausgesuchten Dekoartikeln. Und wer sich für alte Uhren interessiert, sollte „Uhren & Kunst Bischoff“ besuchen. Seit 1980 repariert Uhrmachermeister Friedrich Bischoff hier antike Zeitmesser – vom Wecker bis zur Turmuhr.

Wir sehen uns an der nächsten Station wieder: Der ehemaligen Bedürfnisanstalt am Amtsgerichtsplatz.

269. Kiezspaziergang Ehemalige öffentliche Toilette /Creplala

Ehemalige öffentliche Toilette /Creplala

Wir stehen hier vor einer kleinen Holzhütte mit Bruchsteinsockel. Auf den ersten Blick ist es vielleicht nur ein charmantes Häuschen – tatsächlich aber eine denkmalgeschützte Bedürfnisanstalt aus dem Jahr 1905.

Damals ließ der Magistrat von Charlottenburg hier eine öffentliche Toilette errichten. Die Architekten Rudolf Walter und Walter Spickendorff entwarfen sie in der Form eines sogenannten „Schweizerhäuschens“. Der Baustil war kein Zufall: Die umliegenden Mietshäuser aus der Zeit um 1900 trugen oft ländliche Züge – also fügte sich die Toilette harmonisch ins Stadtbild ein.

Auffällig ist der symmetrische Bau mit zwei Eingängen an den Schmalseiten – ein Hinweis darauf, dass das Häuschen von Anfang an für Frauen und Männer gedacht war. Das war zu jener Zeit noch längst nicht selbstverständlich. Zwar gab es in Berlin schon seit den 1870er Jahren öffentliche Pissoirs [Pissoars]– die berühmten „Café Achteck“ genannten Eisenkonstruktionen – doch diese waren nur für Männer.

Der Wunsch nach Toiletten für Frauen wurde erst in den 1890er Jahren lauter. Charlottenburg reagierte auf das Bedürfnis: Zwischen 1895 und 1905 entstanden hier insgesamt neun sogenannte „Vollanstalten“ – mit Spülklosetts und Wärterinnenraum. Die Anlage am Amtsgerichtsplatz war eine davon.

Diese Toilettenhäuser waren Teil eines größeren Trends: Hygiene wurde in der wachsenden Großstadt immer wichtiger. Die neuen Anlagen waren an die Kanalisation angeschlossen und wurden von der städtischen Desinfektionsanstalt überwacht. Charlottenburg ging hier mit gutem Beispiel voran.

Die Architekten leisteten mehr als nur funktionale Arbeit – sie machten selbst aus einem Klohäuschen ein kleines architektonisches Schmuckstück. Rudolf Walter, einer der beiden Designer, war übrigens eine bekannte Größe in Charlottenburg. Er gestaltete auch viele Schul- und Sozialbauten – etwa das Ledigenheim in der Danckelmannstraße, das Cecilienhaus in der Otto-Suhr-Allee oder das Parkwächterhaus im Lietzenseepark.

In den 1950er Jahren wurde das Toilettenhäuschen am Amtsgerichtsplatz umgebaut. Die Berliner Stadtreinigung veränderte den Innenraum, und der Zugang wurde vom Mittelteil an die Seite verlegt. Heute beherbergt das Gebäude ein Crêpe-Café – seine ursprüngliche Funktion ist aber noch gut erkennbar.

Jetzt gehen wir zum gegenüberliegenden Ende des Platzes, zum Amtsgericht.

269. Kiezspaziergang Amtsgericht

Amtsgericht + Treblinka-Denkmal

Das Amtsgericht Charlottenburg ist ein echtes Schmuckstück unter den Berliner Justizgebäuden – und bis heute ein wichtiger Ort für Recht und Ordnung. Es steht am Amtsgerichtsplatz und fällt sofort durch seine stattliche Fassade im Stil des märkischen Barock auf. Gebaut wurde das Hauptgebäude von 1895 bis 1897 nach Plänen der Architekten Otto Poetsch und Rudolf Claren. Später, zwischen 1915 und 1921, erhielt es einen Erweiterungsbau. Dabei blieb man dem ursprünglichen Stil treu. Der Bau umschließt einen großen Innenhof, hat einen Sockel aus schlesischem Granit, und über dem Hauptportal wacht bis heute der preußische Adler.

Entstanden ist das Amtsgericht im Zuge großer Reformen im deutschen Rechtswesen. Ab 1879 wurden in ganz Deutschland Amts-, Land- und Reichsgerichte eingeführt. Gleichzeitig erlebte Charlottenburg einen enormen Bevölkerungsanstieg – die Stadt wuchs von 25.000 auf über 100.000 Menschen in nur knapp 20 Jahren. Das alte Gerichtsgebäude wurde zu klein, ein Neubau war dringend nötig.

Ursprünglich war das Gericht in zwei Bereiche aufgeteilt: die “Civilabtheilung” – also das Zivilgericht – im heutigen Hauptgebäude, und die “Strafabtheilung”, das Strafgericht, schräg gegenüber in der Kantstraße. Auch dort gab es einen eigenen Bau mit angeschlossenem Gefängnis.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Berliner Justiz komplett neu organisiert. In jedem Bezirk richtete die sowjetische Besatzungsmacht zunächst ein Bezirksgericht ein. Später wurde diese Struktur wieder aufgelöst, und Charlottenburg bekam sein Amtsgericht zurück – inklusive des zuvor eigenständigen Wilmersdorfer Gerichts, das angegliedert wurde.

Heute ist das Amtsgericht Charlottenburg weit mehr als nur ein Gerichtsgebäude. Es ist das zentrale Registergericht für ganz Berlin. Hier werden Handelsregister, Vereinsregister, Genossenschafts- und Partnerschaftsregister geführt. Auch viele Insolvenzverfahren, vor allem von ehemaligen Selbstständigen, werden hier bearbeitet. Insgesamt arbeiten rund 380 Menschen im Haus, darunter etwa 60 Richterinnen und Richter.

Vor dem Hauptportal steht seit 1979 ein Mahnmal mit dem Titel „Treblinka“. Es erinnert an die Opfer des gleichnamigen NS-Vernichtungslagers in Polen. Die Bronzeplastik stammt vom russischen Künstler Vadim Sidur.

Wir gehen jetzt zur Neuen Kantstraße, biegen links ab und gehen dann an der nächsten Ecke rechts die Witzlebenstraße entlang bis zur St. Canisius Kirche.

269. Kiezspaziergang Canisius-Kirche

Canisius-Kirche

Die Kirche gehört zur katholischen Gemeinde St. Canisius im Erzbistum Berlin. Leider können wir das Gebäude nicht von innen besichtigen, da dort eine Veranstaltung stattfindet. Aber auch von außen erkennt man: Die Kirche ist ungewöhnlich. Sie entstand zwischen 2000 und 2002, nachdem ein Brand den Vorgängerbau 1995 vollständig zerstörte. Namensgeber der Kirche ist der heilige Petrus Canisius, ein bedeutender Jesuit und einer der ersten Jesuiten in Deutschland.

Die Gemeinde St. Canisius wurde 1921 gegründet und war zunächst abhängig von der Herz-Jesu-Gemeinde in Charlottenburg. Die Seelsorge lag von Anfang an in den Händen der Jesuiten. Die erste Kapelle entstand 1924 im Untergeschoss eines Gymnasiums am Lietzensee, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Danach baute man zwischen 1954 und 1957 eine Kirche, die 1995 abbrannte.

Nach dem Brand wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, um eine neue Kirche zu planen. Nach einigen Diskussionen und mehreren Entwürfen entschied sich die Gemeinde für den Entwurf der Architekten Heike Büttner, Claus Neumann und George Braun. Die Kirche erhielt 2003 eine Auszeichnung beim Berliner Architekturpreis.

Das Gebäude besteht aus zwei Kuben, also zwei würfel-förmigen Gebäudeteilen, aus hellem Sichtbeton, die miteinander verbunden sind. Ein Kubus beherbergt den Kirchenraum, der andere ist ein offener Raum, der an eine umgekehrte Kuppel erinnert. Dieser „Offene Raum“ lädt zum Verweilen und Nachdenken ein und schafft eine Verbindung zwischen Innen und Außen. Holzflächen, vor allem aus Lärchenholz, setzen warme Akzente, etwa bei den großen Eingangstüren und in der Marienkapelle. Diese kleine Kapelle ist ein ruhiger Rückzugsort für Gebet und Andacht.

Der Kirchenraum ist hell und offen gestaltet. Er ist in zwei Bereiche gegliedert: ein hoher Hauptbereich mit Altar und ein niedrigerer Seitenbereich. Das besondere Lichtkonzept setzt den Tabernakel mit einer Lichtröhre in Szene, wodurch dieser zentrale Ort der Eucharistie hervorgehoben wird. Der Altar aus hellem Kalkstein wurde von dem Künstler Guy Charlier [Gie Scharljeh] gestaltet. Er steht erhöht und massiv im Raum und korrespondiert mit einer ähnlichen Steinskulptur vor der Kirche. Auch das Taufbecken befindet sich vor einer großen Fensterfront, hinter der Wasser über eine Steinwand fließt – ein Symbol für Leben und Reinigung.

Ein eindrucksvolles Kunstwerk im Kirchenraum ist der Christuskorpus von Gerhard Schreiter. Er stammt aus der alten Kirche und wurde beim Brand stark beschädigt, ist aber erhalten geblieben. Diese Figur fordert die Besucher auf, nach oben zu schauen und an das Leiden Christi zu denken. Neben dem Eingang in der Marienkapelle steht eine sogenannte „Mondsichel-Madonna“ aus dem Jahr 1943, die ebenfalls die Wirren der Geschichte überstanden hat und heute ein wichtiges Zeichen für die Gemeinde ist.

Die Orgel der alten Kirche wurde beim Brand zerstört. Seit 2014 hat die Gemeinde eine neue große Orgel – mit mehr als 1700 Pfeifen und 24 Registern. Die vier Bronze-Glocken aus dem Jahr 1955 konnten nach dem Brand gerettet und im neuen Turm wieder aufgehängt werden. Der Turm ist 32 Meter hoch und steht freistehend an der Witzlebenstraße.

Die Kirche ist ein moderner, offener Versammlungsort, der zugleich Raum für Stille und Kontemplation bietet. Die Verbindung von klarer moderner Architektur mit künstlerischen Elementen aus verschiedenen Epochen macht St. Canisius zu einem besonderen Ort der Begegnung.

Jetzt gehen wir zu unserer letzten Station: Dem Lietzenseepark. Dazu biegen wir gleich in den Park ein. Wir treffen uns auf dem Platz Witzlebenstraße Ecke Kaiserdamm.

269. Kiezspaziergang Lietzenseepark

Lietzenseepark

Der Lietzenseepark ist eine grüne Oase mitten in Berlin-Charlottenburg. Er umgibt den Lietzensee, einen kleinen, sichelförmigen See mit einer Fläche von etwa 6,6 Hektar und einer Tiefe von drei bis vier Metern. Der Park selbst erstreckt sich über weitere rund 10 Hektar und ist ein beliebter Ort zum Spazierengehen, Joggen und Entspannen.

Der Name „Lietzensee“ stammt vom früheren Dorf Lietzow, das 1719 in Charlottenburg eingemeindet wurde. Das Wort Lietzow leitet sich aus dem Slawischen ab und bedeutet so viel wie „Sumpf“ oder „Lache“. Es gibt eine schöne Sage, dass das Dorf einst im See versunken sei, weshalb Fischer angeblich manchmal an einer versunkenen Kirchturmspitze hängen blieben. Heute fischt dort niemand mehr, Baden ist verboten, aber Enten, Schwäne und Reiher fühlen sich hier wohl.

Die Geschichte des Parks beginnt im 19. Jahrhundert: General Wilhelm von Witzleben kaufte den See und das umliegende Gelände in den 1820er Jahren. Er ließ auf der Westseite ein großes Sommerhaus und einen Park anlegen. Nach seinem Tod wechselte das Gelände mehrfach den Besitzer. Um 1900 entstand unter der Terraingesellschaft „Park Witzleben“ der Plan, rund um den See ein vornehmes Wohnquartier mit gepflegten Grünflächen zu bauen.

Die Stadt Charlottenburg kaufte den Lietzensee und die Uferanlagen 1910, um sie als Erholungspark für alle Bürger zu erhalten. Von 1918 bis 1920 gestaltete Gartendirektor Erwin Barth den Park. Dabei verband er Jugendstil-Elemente mit naturnahen Landschaftsstrukturen. Besonders sehenswert sind die beiden Kaskaden – Wasserstufen, die den Park schmücken. Die Große Kaskade am Dernburgplatz haben Barth und der Architekt Heinrich Seeling angelegt. Seit einigen Tagen sprudelt dort auch wieder das Wasser.

Der Park ist durch die Neue Kantstraße in zwei Teile geteilt. Seit 1954 verbindet ein Fußgängertunnel die beiden Parkhälften, so dass man den gesamten Park bequem durchqueren kann.

Im Park findet man neben schönen Spazierwegen auch große Rasenflächen, einen großen Kinderspielplatz und sogar ein Parkwächterhaus aus den 1920er Jahren, das heute ein Baudenkmal ist und gerade renoviert wird.

Seit den 1990er Jahren steht der Lietzenseepark unter Denkmalschutz und ist heute ein lebendiger Treffpunkt für Menschen aller Altersgruppen. Ein besonderes Engagement zeigt seit 2004 der Verein „Bürger für den Lietzensee“. Die Freiwilligen treffen sich regelmäßig, um den Park sauber und gepflegt zu halten.

Damit sind wir am Ende unseres Kiezspaziergangs angekommen. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. Noch einmal ein Hinweis auf den Spaziergang im August: Dann treffen Sie sich um 14 Uhr an der U-Bahnstation Halemweg mit Staatssekretär Arne Herz. Sie erkunden die Großsiedlung Siemensstadt und den Volkspark Jungfernheide.

  • 269. Kiezspaziergang
  • 269. Kiezspaziergang Kläre-Bloch-Platz

    Kläre-Bloch-Platz

  • 269. Kiezspaziergang Kläre-Bloch-Platz

    Kläre-Bloch-Platz

  • 269. Kiezspaziergang Kläre-Bloch-Platz

    Kläre-Bloch-Platz

  • 269. Kiezspaziergang Antikhändler Suarezstraße

    Antikhändler Suarezstraße

  • 269. Kiezspaziergang Treblinka-Denkmal

    Treblinka-Denkmal

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