Die Kirche gehört zur katholischen Gemeinde St. Canisius im Erzbistum Berlin. Leider können wir das Gebäude nicht von innen besichtigen, da dort eine Veranstaltung stattfindet. Aber auch von außen erkennt man: Die Kirche ist ungewöhnlich. Sie entstand zwischen 2000 und 2002, nachdem ein Brand den Vorgängerbau 1995 vollständig zerstörte. Namensgeber der Kirche ist der heilige Petrus Canisius, ein bedeutender Jesuit und einer der ersten Jesuiten in Deutschland.
Die Gemeinde St. Canisius wurde 1921 gegründet und war zunächst abhängig von der Herz-Jesu-Gemeinde in Charlottenburg. Die Seelsorge lag von Anfang an in den Händen der Jesuiten. Die erste Kapelle entstand 1924 im Untergeschoss eines Gymnasiums am Lietzensee, das im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Danach baute man zwischen 1954 und 1957 eine Kirche, die 1995 abbrannte.
Nach dem Brand wurde ein Architektenwettbewerb ausgelobt, um eine neue Kirche zu planen. Nach einigen Diskussionen und mehreren Entwürfen entschied sich die Gemeinde für den Entwurf der Architekten Heike Büttner, Claus Neumann und George Braun. Die Kirche erhielt 2003 eine Auszeichnung beim Berliner Architekturpreis.
Das Gebäude besteht aus zwei Kuben, also zwei würfel-förmigen Gebäudeteilen, aus hellem Sichtbeton, die miteinander verbunden sind. Ein Kubus beherbergt den Kirchenraum, der andere ist ein offener Raum, der an eine umgekehrte Kuppel erinnert. Dieser „Offene Raum“ lädt zum Verweilen und Nachdenken ein und schafft eine Verbindung zwischen Innen und Außen. Holzflächen, vor allem aus Lärchenholz, setzen warme Akzente, etwa bei den großen Eingangstüren und in der Marienkapelle. Diese kleine Kapelle ist ein ruhiger Rückzugsort für Gebet und Andacht.
Der Kirchenraum ist hell und offen gestaltet. Er ist in zwei Bereiche gegliedert: ein hoher Hauptbereich mit Altar und ein niedrigerer Seitenbereich. Das besondere Lichtkonzept setzt den Tabernakel mit einer Lichtröhre in Szene, wodurch dieser zentrale Ort der Eucharistie hervorgehoben wird. Der Altar aus hellem Kalkstein wurde von dem Künstler Guy Charlier [Gie Scharljeh] gestaltet. Er steht erhöht und massiv im Raum und korrespondiert mit einer ähnlichen Steinskulptur vor der Kirche. Auch das Taufbecken befindet sich vor einer großen Fensterfront, hinter der Wasser über eine Steinwand fließt – ein Symbol für Leben und Reinigung.
Ein eindrucksvolles Kunstwerk im Kirchenraum ist der Christuskorpus von Gerhard Schreiter. Er stammt aus der alten Kirche und wurde beim Brand stark beschädigt, ist aber erhalten geblieben. Diese Figur fordert die Besucher auf, nach oben zu schauen und an das Leiden Christi zu denken. Neben dem Eingang in der Marienkapelle steht eine sogenannte „Mondsichel-Madonna“ aus dem Jahr 1943, die ebenfalls die Wirren der Geschichte überstanden hat und heute ein wichtiges Zeichen für die Gemeinde ist.
Die Orgel der alten Kirche wurde beim Brand zerstört. Seit 2014 hat die Gemeinde eine neue große Orgel – mit mehr als 1700 Pfeifen und 24 Registern. Die vier Bronze-Glocken aus dem Jahr 1955 konnten nach dem Brand gerettet und im neuen Turm wieder aufgehängt werden. Der Turm ist 32 Meter hoch und steht freistehend an der Witzlebenstraße.
Die Kirche ist ein moderner, offener Versammlungsort, der zugleich Raum für Stille und Kontemplation bietet. Die Verbindung von klarer moderner Architektur mit künstlerischen Elementen aus verschiedenen Epochen macht St. Canisius zu einem besonderen Ort der Begegnung.
Jetzt gehen wir zu unserer letzten Station: Dem Lietzenseepark. Dazu biegen wir gleich in den Park ein. Wir treffen uns auf dem Platz Witzlebenstraße Ecke Kaiserdamm.