268. Kiezspaziergang: Langer Tag der Stadtnatur – Mierendorffinsel

Herzlich willkommen zum 268. Kiezspaziergang zum langen Tag der Stadtnatur. Ich bin Kirstin Bauch, Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, und freue mich, Sie heute zu begrüßen.

Bevor wir in das heutige Thema eintauchen, ein kurzer Ausblick: Der nächste Spaziergang findet am Samstag, 12. Juli, statt. Dann erkunden Sie Charlottenburg zwischen der Villa Oppenheim und dem Lietzenseepark mit Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55.

268. Kiezspaziergang Mierendorffplatz

Mierendorffplatz

An diesem Wochenende gibt es wieder landesweit Aktionen zum “Langen Tag der Stadtnatur”, diesen schließen wir uns heute mit unserem Spaziergang an.

Wenn wir über Stadtnatur sprechen, meinen wir nicht nur das Grün, das uns so oft in Parks oder auf Spielplätzen begegnet. Wir sprechen von allen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen innerhalb einer Stadt, die für die Artenvielfalt von Bedeutung sind– von den Bäumen auf den Straßen, über die Pflanzen in den Gärten, Friedhöfe und Kleingärten bis hin zu den Wildblumen an den Rändern und den Nistplätzen für Schwalben unter den Dächern. Stadtnatur hat viele Funktionen: Sie sorgt nicht nur für Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch für ein besseres Stadtklima und eine höhere Lebensqualität.

Auf der Mierendorffinsel gibt es zahlreiche Ecken in denen uns die Stadtnatur begegnet – eine davon ist diese Parkanlage auf dem Mierendorffplatz.

Der Platz hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die bis ins Jahr 1887 zurückreicht. Zu dieser Zeit war er als Teil der Planung für ein Arbeiterwohnviertel vorgesehen und sollte ursprünglich nach König Gustav II. Adolf von Schweden benannt werden. Der Platz blieb jedoch lange ungenutzt und lag brach. Erst 1912 nahm sich der Charlottenburger Stadtgartendirektor Erwin Barth der Gestaltung an. Wer schon öfter an unseren Kiezspaziergängen teilgenommen hat, kennt den Namen sicherlich.

Barth war ein bedeutender Gartenarchitekt, der sich besonders für die Schaffung von Grünanlagen in Arbeiterbezirken einsetzte. Er war lange Zeit Gartendirektor von Charlottenburg und hat viele Plätze und Parks in unserem Bezirk geprägt, etwa den Volkspark Jungfernheide oder den Savignyplatz. Er galt als ein Vorkämpfer der Volksparkbewegung. Für den Mierendorffplatz entwarf er eine funktionale, aber dennoch anspruchsvolle Gestaltung. Die Fläche wurde in zwei Teile untergliedert: Im Osten entstand ein Spielplatz, im Westen ein Blumengarten, der durch einen zentralen Springbrunnen ergänzt wurde.

Platanen rahmten die Anlage ein und machten sie zu einem echten Erholungsort für die Arbeiterbevölkerung. Barth setzte auf die Idee, auch den sozial schwächeren Schichten einen schönen Ort zu bieten – „mit verschwenderischer Blumenfülle“ – was in der Zeit als fortschrittlich galt.

Doch der Platz und die umliegende Bebauung litten stark im Zweiten Weltkrieg. In den ersten Nachkriegsjahren wurde er sogar vorübergehend für Kleingärten genutzt.

Erst in den Jahren 1950 bis 1951 wurde der Mierendorffplatz wieder als öffentliche Grünfläche hergerichtet und gleichzeitig nach dem Widerstandskämpfer und SPD-Politiker Dr. Carlo Mierendorff benannt.
Als in den 1970er Jahren die U-Bahn-Linie 7 gebaut wurde und der U-Bahnhof neu entstand, musste der Platz wegen der Bauarbeiten neu gestaltet werden. Dabei hielt man sich eng die ursprünglichen Entwürfe von Erwin Barth. Elemente wie Brunnen, Bänke und Pflanzbeete wurden originalgetreu nachgebildet und die Blumengärten wieder in „leuchtenden Farben und bunter Fülle“ bepflanzt.

Der Platz wurde bereits 1997 als Gartendenkmal anerkannt. Heute gilt er als einer der wenigen grünen Freiräume in der Umgebung, der eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion übernimmt. Aber auch dieser Platz steht vor Herausforderungen. Die zunehmende Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten setzen der Grünfläche zu. Sie merken es alle, wenn wir hier so in der Sonne stehen: Es wird ganz schön warm.

Daher wird aktuell darüber nachgedacht, wie man die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessern kann – zum Beispiel durch mehr Schatten. Im Gespräch sind Ideen wie eine Pergola oder Sonnensegel, unter denen man auch an heißen Tagen gut sitzen und verweilen kann. Aber wie immer im öffentlichen Raum gilt: Es müssen viele Interessen abgewogen werden. Der Platz ist ein Gartendenkmal – und das bedeutet, dass nicht alles erlaubt ist, was vielleicht praktisch oder modern erscheint.

Wie genau sich der Platz also in Zukunft weiterentwickelt, ist noch offen. Klar ist aber: Es braucht kreative Lösungen, um historische Orte wie diesen für heutige Bedürfnisse fit zu machen – ohne ihren besonderen Charakter zu verlieren. Ein schöner Ort soll der Mierendorffplatz auch in Zukunft bleiben.

Wir gehen jetzt die Mierendorffstraße entlang und treffen und vor dem Gemeinschaftsgarten neben der Mierendorff-Grundschule wieder.

268. Kiezspaziergang Gemeinschaftsgarten neben der Mierendorff-Grundschule

Gemeinschaftsgarten neben der Mierendorff-Grundschule

Der Gemeinschaftsgarten an der Mierendorff-Grundschule ist ein Ort, an dem Natur, Bildung und Nachbarschaft zusammenkommen. Alles begann im Jahr 2017 mit einem kleinen Kräutergarten. Die Idee: Ein Garten für alle – mitten auf der Mierendorff-Insel.

Anwohnerinnen und Anwohner, Kinder der Grundschule und Menschen mit ganz unterschiedlichen kulturellen Hintergründen pflanzen, pflegen und ernten dort gemeinsam. So wird aus einem Stück Erde ein Ort der Begegnung.

Als die Schule 2020 erweitert wurde, musste der Garten umziehen. Die neue Fläche lag brach, doch mit viel Einsatz entstand hier ein echter Gemeinschaftsgarten. Heute wachsen dort Salat, Tomaten, Bohnen, Kräuter und vieles mehr – alles ohne Chemie, ohne Kunstdünger. Gedüngt wird mit selbstgemachtem Kompost.

Die Gärtnerinnen und Gärtner achten darauf, welche Pflanzen gut zusammenpassen und sich gegenseitig stärken.

Ein besonderes Highlight ist der „Naschgarten“ auf der anderen Wegseite. Dort laden Brombeer-, Himbeer- und Johannisbeersträucher zum Naschen ein. Auch Apfel- und Birnbäume wurden gepflanzt. Die Schüler:innen der Mierendorff-Grundschule haben unter Anleitung sogar eine eigene Kräuterspirale gebaut. Sie lernten dabei, wie Pflanzen wachsen – und wie viel Spaß gemeinsames Gärtnern machen kann.

Zwei Wildbienenhotels stehen ebenfalls im Garten. Sie bieten Unterschlupf für Bienen, die bei der Bestäubung der Pflanzen helfen. Zusätzlich wurden viele insektenfreundliche Blumen gesät, die von Frühling bis Herbst blühen.
Seit 2022 ist der Garten Teil eines besonderen Forschungsprojekts.

Gemeinsam mit dem Botanischen Garten Berlin und der Universität Jena beobachten wir, wie sich der Klimawandel auf Pflanzen auswirkt. In einem speziellen „Klimabeet“ wachsen heimische Wildblumen wie Wilde Malve und Steppensalbei.

Die Entwicklung dieser Pflanzen wird regelmäßig dokumentiert und fließt in die wissenschaftliche Forschung ein.

Der Garten ist rund 750 Quadratmeter groß und steht für mehr als nur Gemüseanbau. Er ist ein lebendiges Beispiel für gelebte Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und Zusammenhalt im Kiez. Menschen kommen hier ins Gespräch, lernen voneinander und gestalten gemeinsam ihre Umgebung.
Und wer vorbeikommt, darf sich gerne mitfreuen – an den Blumen, an den Früchten und an einem kleinen, grünen Ort mitten in der Stadt.

Wir gehen die Mierendoffstraße weiter, biegen dann links auf das Bonhoefferufer ab und treffen uns vor zwei großen Brennesselbüschen.

268. Kiezspaziergang Brennnseel

Brennnessel – Lebensraum am Wegesrand

Die Brennnessel – viele kennen sie als lästiges „Unkraut“, das man am liebsten sofort ausreißen möchte. Doch diese Pflanze ist viel mehr als nur ein störendes Gewächs am Wegesrand. Sie ist ein wahres Multitalent der Natur und spielt eine wichtige Rolle im städtischen Ökosystem.

Mit ihren brennenden Haaren schützt sich die Brennnessel vor Fressfeinden. Bei Berührung lösen die feinen Härchen ein unangenehmes Brennen aus – Sie kennen das Gefühl sicherlich alle.

Doch wer sich die Zeit nimmt, diese Pflanze genauer zu betrachten, erkennt, wie wertvoll sie für die Natur und auch für uns ist. Sie ist ein unersetzlicher Lebensraum für viele Tiere. Über 50 Insektenarten, darunter Schmetterlinge wie der Kleine Fuchs, das Tagpfauenauge oder der Admiral, leben von der Brennnessel – ihre Raupen ernähren sich ausschließlich von ihr. Deshalb ist es wichtig, dass wir solche wilden Ecken in der Stadt fördern und dulden. Diese Pflanzen sind kostenlos, klimafreundlich und brauchen nur wenig Pflege, aber sie bieten wertvollen Lebensraum.

Die Vielfalt der Brennnessel macht sie zu einem wichtigen Bestandteil der städtischen Biodiversität. Neben ihrer Funktion als Nahrungsquelle für viele Insekten ist sie auch ein hervorragendes Mittel gegen Schädlinge. Eine Brennnesselbrühe kann im Garten gegen Blattläuse und Milben eingesetzt werden, was sie zu einem wertvollen Bestandteil im nachhaltigen Gärtnern macht.

Biodiversität, das Zusammenspiel von Pflanzen, Tieren und Lebensräumen, ist der Schlüssel für ein gesundes Ökosystem – und die Brennnessel trägt ihren Teil dazu bei.

Indem wir solche Pflanzen respektieren und fördern, leisten wir einen Beitrag zur Erhaltung der biologischen Vielfalt und stärken das Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen Natur, Stadt und Ernährung.

Wir gehen jetzt einige Meter den Inselrundweg entlang (immer der Fahne nach).

268. Kiezspaziergang Inselrundweg

Inselrundweg

Der Inselrundweg auf der Mierendorff-Insel in Berlin ist nicht nur ein idyllischer Spazierweg, sondern ein Projekt mit weitreichenden Zielen. 2015 eröffnet, führt der Weg auf einer Länge von 5,3 Kilometern rund um die Insel und bietet dabei eine bemerkenswerte Mischung aus Natur, urbaner Infrastruktur und Erholung.

Der Rundweg verläuft entlang der Spree, des Charlottenburger Verbindungskanals und des Westhafenkanals, was den Spaziergang besonders abwechslungsreich und interessant macht.

Doch der Weg ist mehr als nur ein Fußgängerpfad: Er ist ein Raum, der die unterschiedlichen Facetten und Nutzungen der Mierendorff-Insel vereint. Ziel ist es, nicht nur einen Ort der Erholung zu schaffen, sondern auch einen Raum für Kunst, Kultur, Sport und Bewegung.

Beim Ausbau des Rundwegs werden auch die Bürgerinnen und Bürger in den Prozess eingebunden – unter anderem über den Insel-Rat. Das ist ein Gremium, das die Bewohnerinnen und Bewohner der Mierendorff-Insel direkt und repräsentativ an wichtigen Entscheidungen für ihren Stadtteil beteiligt. Im April haben wir zum Beispiel eine neue Skate-Anlage auf einem Abschnitt am Goslarer Ufer eröffnet. Das war ein Wunsch des Insel-Rats.

In den kommenden Jahren werden einzelne Abschnitte des Rundwegs neugestaltet, um die Aufenthaltsqualität weiter zu steigern gerade. Auf dem gesamten Rundweg ausreichend Bänke und Sitzgelegenheiten zur Verfügung stehen und der gesamte Rundweg barrierefrei sein.
Momentan wird der Abschnitt am Bonhoefferufer saniert, wir sind vor wenigen Minuten dort vorbeigekommen.

Jetzt spazieren wir noch ein bisschen weiter und gehen bis zum Österreichpark.

268. Kiezspaziergang Österreichpark

Österreichpark

Entstanden ist der heutige Österreichpark 2013 – mit Hilfe der österreichischen Tourismusorganisation. Mit ihrer Unterstützung wurde die Fläche neugestaltet, bepflanzt und zum Schaufenster der Alpenrepublik gemacht. Der Park ist etwa 200 Meter lang, grenzt im Westen an einen Altarm der Spree und im Osten an die Sömmeringstraße.

Ganz in der Nähe liegen auch die denkmalgeschützte Sporthalle Charlottenburg und die traditionsreiche Bildgießerei Hermann Noack.
Von Anfang an war die Idee: Natur und Erholung mit einem Hauch Österreich verbinden. Am Eingang begrüßt ein alpiner Steingarten die Besucher – mit Granitbrocken aus Kärnten, Enzian, Glockenblumen, Silberdisteln und Zirbelkiefern. Gleich daneben wächst ein Rosengarten in Rot und Weiß – den österreichischen Nationalfarben.

Eine Allee mit Apfelzierbäumen aus der Steiermark führt durch den oberen Bereich des Parks.

Wer durch den Park schlendert, entdeckt viele Details mit österreichischem Flair: etwa Salzburger Almbänke, die zum Verweilen einladen, oder eine große, geschwungene Liege – die sogenannte „Donauliege“. Eine kleine Überraschung ist das Fernrohr am Spielplatz: Wer hindurchblickt, sieht nicht die Spree, sondern ein Bild der Tiroler Alpen. Ein Stück Urlaub mitten in Berlin.

Besonders wichtig ist auch der Schutz der Natur. Der Uferbereich am Altarm der Spree bleibt bewusst naturbelassen, damit Tiere wie der Biber dort weiter ungestört leben können. Auch essbare Pflanzen wurden neu gepflanzt – als Teil der sogenannten „Essbaren Insel“.

Der Österreichpark ist also viel mehr als nur eine Grünfläche. Er steht für gelungene Nachbarschaft, für internationale Zusammenarbeit – und dafür, wie aus einer vernachlässigten Ecke ein lebendiger Ort für alle werden kann.

Wir verlassen jetzt den Park und gehen die Sömmeringstraße entlang bis Ecke Nordhauser Straße.

268. Kiezspaziergang Sömmeringstraße

Sömmeringstraße

Hier in der Sömmeringstraße wird derzeit der Mittelstreifen umgestaltet. Die Fläche wurde entsiegelt – also vom alten, dichten Belag befreit. Jetzt kann Regenwasser dort wieder besser versickern, statt direkt in die Kanalisation abzufließen. Das entlastet die Infrastruktur – und tut dem Stadtklima gut.
Aber es bleibt nicht bei der Entsiegelung. Die Fläche wird naturnah und insektenfreundlich bepflanzt. Geplant sind robuste Blumen, die wenig Pflege brauchen, mit Trockenheit gut klarkommen und vielen Insekten Nahrung bieten – vor allem Bienen. Damit entsteht nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch neuer Lebensraum für Tiere mitten in der Stadt.

Auch Sitzgelegenheiten sollen entstehen. Zwei Bänke sind hier vorgesehen – und sie sind Teil eines besonderen Projekts. In Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt und der Universität Hannover entwickeln Studierende des Masterstudiengangs Landschaftsarchitektur neue Rastplätze für die Mierendorff-INSEL.

Die Idee: Die Studierenden entwerfen Sitzmöglichkeiten, die sich gut in das Stadtbild einfügen – und setzen diese später auch selbst um. Für sie ist das eine spannende, praxisnahe Aufgabe. Und für uns bringt es neue, individuell gestaltete Sitzplätze zum Verweilen.

Im Mai waren die Studierenden bereits zu Besuch, um sich die INSEL und die Umgebung anzuschauen. Dabei konnten sie erste Ideen sammeln und sich mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut machen.

In den nächsten Wochen kommen sie wieder, um ihre Entwürfe vorzustellen und gemeinsam mit den Verantwortlichen weiterzuentwickeln.

Ein weiterer wichtiger Punkt in der Sömmeringstraße ist der Radverkehr. Die Radwege wurden überarbeitet, grün beschichtet und durch Sicherheitstrennstreifen vom Autoverkehr abgegrenzt. Die Strecke gehört zur sogenannten Opernroute – einer wichtigen Nord-Süd-Verbindung für den Radverkehr in Berlin – und ist Teil einer Vorrangroute, die vom Berliner Senat beschlossen wurde.

Die Sömmeringstraße zeigt also gut, wie Stadtentwicklung ganz praktisch aussehen kann: Mehr Platz für Natur, bessere Bedingungen für Radfahrende – und ein Projekt, das Gestaltung, Bildung und Nachbarschaft miteinander verbindet.

Wir gehen jetzt weiter zur Kaiserin-Augusta-Allee 47.

268. Kiezspaziergang_Baumscheibe Kaiserin-Augusta-Allee

Baumscheibe – Kaiserin-Augusta-Allee 47

Wir stehen jetzt an einer Baumscheibe – das ist der offene Erdbereich rund um den Stamm eines Straßenbaums. Vielleicht sieht das auf den ersten Blick nach einem unscheinbaren Fleck Erde aus – aber tatsächlich steckt hier ganz schön viel Potenzial für Klimaschutz, Artenvielfalt und bürgerschaftliches Engagement.

Warum sind Baumscheiben so wichtig? Straßenbäume leiden oft unter verdichtetem Boden – durch parkende Autos, Müll oder Fahrräder. Dadurch bekommen die Wurzeln zu wenig Luft, Wasser und Nährstoffe. Das schwächt den Baum. Eine gut gepflegte, bepflanzte Baumscheibe kann also direkt zur Gesundheit des Baums beitragen.

Und das Beste: Jeder kann mitmachen! Wer Lust hat, kann eine Patenschaft für eine Baumscheibe übernehmen. Das geht ganz einfach online über die Bezirkswebseite – dort gibt es das Formular und viele Tipps.

Bevor es losgeht, muss die Baumscheibe vom Bezirk freigegeben werden. Denn nicht jede Fläche ist geeignet. Zum Beispiel dürfen junge Bäume mit Stützpfählen in den ersten drei Jahren nicht bepflanzt werden, damit sie in Ruhe anwachsen können. Auch an großen Straßen wie dem Kurfürstendamm oder rund um den Ernst-Reuter-Platz ist das Bepflanzen nicht erlaubt.

Ist die Baumscheibe freigegeben, kann’s losgehen: Zuerst wird der Boden vorsichtig aufgelockert – bitte nicht zu tief, um die Wurzeln nicht zu verletzen.

Müll wird entfernt, manchmal kommt noch etwas nährstoffarmer Boden dazu. Dann können die Pflanzen gesetzt werden – am besten heimische, krautige Stauden, die insektenfreundlich und robust sind.

Wichtig ist: Die Pflanzen dürfen nicht zu hoch wachsen, keine Sträucher oder Kletterpflanzen – sonst gibt’s Probleme mit der Verkehrssicherheit oder zu viel Konkurrenz für den Baum.

Das Gießen gehört natürlich auch dazu – besonders im Sommer. Ideal sind 70 bis 100 Liter pro Woche.

Regenwasser ist perfekt – oder man nutzt einen der öffentlichen Brunnen. Und wer regelmäßig gießt und pflegt, schützt die Baumscheibe nicht nur vor dem Austrocknen, sondern sorgt auch dafür, dass sie nicht als Abstellfläche für Müll oder Fahrräder missbraucht wird.

Baumscheiben sind also kleine, grüne Inseln mitten in der Stadt. Wenn wir sie gut pflegen, helfen sie dem Baum, schaffen Lebensraum für Insekten – und machen unsere Straßen ein Stück lebenswerter.

Also: Augen auf, werden Sie selbst aktiv – und vielleicht steht ja bald auch Ihre Baumscheibe in voller Blüte!

Wir gehen die Kaiserin-Augusta-Allee entlang bis zu Ilsenburger Straße.

268. Kiezspaziergang_Ilsenburger Straße

Ilsenburger Straße

Man sieht es der Ilsenburger Straße auf den ersten Blick gar nicht an, aber sie ist prädestiniert, eine sogenannte Blue-Green-Street zu werden. Blue-Green-Streets sind Straßenräume, die so umgestaltet werden, dass sie besser mit Wasser umgehen können und gleichzeitig mehr Grün in die Stadt bringen. Regenwasser, das früher ungenutzt in die Kanalisation abfloss, soll direkt vor Ort genutzt werden – zum Beispiel, um Straßenbäume zu bewässern.
Dadurch bleiben die Pflanzen gesünder, die Straßen kühlen bei Hitze besser ab und es entsteht ein natürlicher Wasserkreislauf mitten in der Stadt.
Das Ziel ist also: mehr Natur in der Stadt, bessere Vorbereitung auf Starkregen und kühlere, lebenswertere Straßenräume.
Damit das klappt, müssen Verkehrsflächen neu gedacht und vielseitig genutzt werden –
etwa durch bepflanzte Mulden oder entsiegelte Flächen, in denen Regen versickern kann.
Und für so eine Umgestaltung bringt die Ilsenburger Straße die besten Voraussetzungen mit. Es gibt schon viele Ideen, die im Klimaanpassungskonzept für die Südliche Mierendorffinsel zu finden sind, das der Bezirk erstellt hat: Die Stellplätze am Straßenrand könnten verschwinden – und dafür entstünde Raum für Bäume, Sträucher, Sitzmöglichkeiten, Fahrradständer, Trinkbrunnen und vieles mehr.
Wenn neue Bäume gepflanzt werden, setzt man auf sogenannte Zukunftsbäume – also Arten, die besonders hitze- und trockenheitsresistent sind. Denn klar ist: Der Klimawandel verändert auch unsere Stadtbäume. Die Bedingungen für sie werden schwieriger, mit mehr Hitze, Trockenheit und versiegelten Flächen. Deshalb braucht es robuste Arten, die das aushalten – wie zum Beispiel die Silberlinde, der Zürgelbaum oder die Gleditschie.

Und wo kein Platz für neue Bäume ist, könnten bauliche Schattenelemente wie Sonnensegel oder Dächer für Abkühlung sorgen. All diese Maßnahmen könnten helfen, dass sich die Umgebung weniger aufheizt.
Doch bis es so weit ist, braucht es noch etwas Geduld. Mit der Uni Hannover werden die Ideen momentan besprochen und wissenschaftlich geprüft.

Wir gehen jetzt zu unserer letzten Station: Zum Kleingartenverein Habsburg Gaußstraße. Dort begrüßt uns die 2. Vorsitzende Bärbel Rothhaar und erzählt uns etwas über ihren Verein.

Wir folgen der Ilsenburger Straße weiter bis zum Ende und biegen dann links ab.

268. Kiezspaziergang Kleingartenanlage Habsburg

Kleingartenanlage Habsburg an der Gaußstraße

Die Kleingartenanlage Habsburg an der Gaußstraße ist eine kleine, aber besonderen Anlage mit nur 37 Parzellen. Und trotzdem steckt hier jede Menge Geschichte, Engagement und Zukunftsdenken drin.
Die Gärten liegen südlich des ehemaligen Gaswerks Charlottenburg, zwischen der Lise-Meitner-Straße und der Gaußstraße.

Wo heute Obstbäume wachsen, verlief früher der sogenannte „Schwarze Weg“ – ein alter Heerweg aus dem Mittelalter. Ursprünglich befand sich hier eine Gärtnerei. 1907 wurde sie in Kleingärten umgewandelt. Seitdem hat sich viel verändert.

Einige Gärten gingen im Laufe der Jahrzehnte verloren – durch den Ausbau der Gaußstraße, durch Gewerbebauten oder durch den Bau eines Telekom-Gebäudes. Doch die Anlage selbst hat sich immer wieder neu erfunden.
Anfangs waren Kleingärten in erster Linie Orte der Selbstversorgung – besonders für Menschen mit wenig Geld. Zwischen Ziegen, Kaninchen und Hühnern wurde Obst und Gemüse angebaut. Die Lauben waren damals oft einfache Unterkünfte, teilweise ohne Strom oder fließendes Wasser. In Kriegs- und Nachkriegszeiten lebten hier viele Familien, die ihre Wohnungen durch Bomben verloren hatten. In der Nähe gab es sogar einen Luftschutzbunker.

Später wandelte sich die Nutzung. Kleingärten wurden mehr und mehr zu Erholungsorten.

In den 1970er-Jahren kam das Wasser, Anfang der 1980er der Strom. In den 1990ern entstand das große Vereinshaus, und im Jahr 2000 wurde die Kanalisation gebaut.

Heute ist die Kleingartenanlage Habsburg ein echter Vorzeigegarten – sogar ausgezeichnet als „schönste Kleingartenanlage Berlins“ im Jahr 2022. Besonders gewürdigt wurde das ökologische Gärtnern im Einklang mit der Natur. Auf Pestizide wird bewusst verzichtet.

Die Gärtnerinnen und Gärtner denken weiter: Sie machen ihre Parzellen klimafest. Jedes Jahr widmen sie sich einem neuen Thema – etwa dem Schutz von Igeln, wilden Pflanzen oder der sogenannten Waldgartenbewegung. Dabei werden verschiedene Pflanzen so kombiniert, dass sie sich gegenseitig stärken – über mehrere Ebenen hinweg.
Besonders stolz ist die Anlage auf ihr „Obst für Alle“-Projekt. Auf den öffentlichen Wegen wachsen inzwischen neun Obstbäume und über 160 Beerensträucher. Die Früchte dürfen alle mitnehmen –
Spaziergängerinnen, Nachbarn, Kinder aus dem Kiez. Am Vereinshaus steht ein Geschenketisch: Dort liegt, was übrig ist – Kräuter, Kürbisse, Blumen, manchmal auch Ableger für den eigenen Garten.

Zwei Imkerinnen arbeiten hier, und viele der Gärtnerinnen und Gärtner achten bewusst auf bienenfreundliche Pflanzen. Das Ergebnis: Es summt und brummt, nicht nur Honigbienen, sondern auch viele Wildbienen fühlen sich hier wohl.

Neben der Natur spielt auch die Kultur eine Rolle. Zur 100-Jahr-Feier fand eine internationale Kunstausstellung mitten in den Gärten statt. Auch bei Aktionen wie dem „Langen Tag der StadtNatur“ macht die Anlage regelmäßig mit.

Damit sind wir am Ende unseres heutigen Spaziergangs angekommen. Ich danke Ihnen, dass Sie dabei waren. Zum Schluss wie immer nochmal der Hinweis auf unseren nächsten Kiezspaziergang: Der findet am Samstag, 12. Juli mit Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz statt. Treffpunkt ist um 14 Uhr an der Villa Oppenheim, Schloßstraße 55.

  • 268. Kiezspaziergang Mierendorffplatz

    Mierendorffplatz

  • Mierendorffplatz

    Mierendorffplatz

  • 268. Kiezspaziergang Inselrundweg

    Inselrundweg

  • 268. Kiezspaziergang Inselrundweg

    Inselrundweg

  • 268. Kiezspaziergang Österreichpark

    Österreichpark

  • 268. Kiezspaziergang Österreichpark

    Österreichpark

  • 268. Kiezspaziergang_Baumscheibe Kaiserin-Augusta-Allee

    Baumscheibe Kaiserin-Augusta-Allee

Kontakt

Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Verkehrsanbindungen