An diesem Wochenende gibt es wieder landesweit Aktionen zum “Langen Tag der Stadtnatur”, diesen schließen wir uns heute mit unserem Spaziergang an.
Wenn wir über Stadtnatur sprechen, meinen wir nicht nur das Grün, das uns so oft in Parks oder auf Spielplätzen begegnet. Wir sprechen von allen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen innerhalb einer Stadt, die für die Artenvielfalt von Bedeutung sind– von den Bäumen auf den Straßen, über die Pflanzen in den Gärten, Friedhöfe und Kleingärten bis hin zu den Wildblumen an den Rändern und den Nistplätzen für Schwalben unter den Dächern. Stadtnatur hat viele Funktionen: Sie sorgt nicht nur für Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch für ein besseres Stadtklima und eine höhere Lebensqualität.
Auf der Mierendorffinsel gibt es zahlreiche Ecken in denen uns die Stadtnatur begegnet – eine davon ist diese Parkanlage auf dem Mierendorffplatz.
Der Platz hat eine lange und wechselvolle Geschichte, die bis ins Jahr 1887 zurückreicht. Zu dieser Zeit war er als Teil der Planung für ein Arbeiterwohnviertel vorgesehen und sollte ursprünglich nach König Gustav II. Adolf von Schweden benannt werden. Der Platz blieb jedoch lange ungenutzt und lag brach. Erst 1912 nahm sich der Charlottenburger Stadtgartendirektor Erwin Barth der Gestaltung an. Wer schon öfter an unseren Kiezspaziergängen teilgenommen hat, kennt den Namen sicherlich.
Barth war ein bedeutender Gartenarchitekt, der sich besonders für die Schaffung von Grünanlagen in Arbeiterbezirken einsetzte. Er war lange Zeit Gartendirektor von Charlottenburg und hat viele Plätze und Parks in unserem Bezirk geprägt, etwa den Volkspark Jungfernheide oder den Savignyplatz. Er galt als ein Vorkämpfer der Volksparkbewegung. Für den Mierendorffplatz entwarf er eine funktionale, aber dennoch anspruchsvolle Gestaltung. Die Fläche wurde in zwei Teile untergliedert: Im Osten entstand ein Spielplatz, im Westen ein Blumengarten, der durch einen zentralen Springbrunnen ergänzt wurde.
Platanen rahmten die Anlage ein und machten sie zu einem echten Erholungsort für die Arbeiterbevölkerung. Barth setzte auf die Idee, auch den sozial schwächeren Schichten einen schönen Ort zu bieten – „mit verschwenderischer Blumenfülle“ – was in der Zeit als fortschrittlich galt.
Doch der Platz und die umliegende Bebauung litten stark im Zweiten Weltkrieg. In den ersten Nachkriegsjahren wurde er sogar vorübergehend für Kleingärten genutzt.
Erst in den Jahren 1950 bis 1951 wurde der Mierendorffplatz wieder als öffentliche Grünfläche hergerichtet und gleichzeitig nach dem Widerstandskämpfer und SPD-Politiker Dr. Carlo Mierendorff benannt.
Als in den 1970er Jahren die U-Bahn-Linie 7 gebaut wurde und der U-Bahnhof neu entstand, musste der Platz wegen der Bauarbeiten neu gestaltet werden. Dabei hielt man sich eng die ursprünglichen Entwürfe von Erwin Barth. Elemente wie Brunnen, Bänke und Pflanzbeete wurden originalgetreu nachgebildet und die Blumengärten wieder in „leuchtenden Farben und bunter Fülle“ bepflanzt.
Der Platz wurde bereits 1997 als Gartendenkmal anerkannt. Heute gilt er als einer der wenigen grünen Freiräume in der Umgebung, der eine wichtige klimatische Ausgleichsfunktion übernimmt. Aber auch dieser Platz steht vor Herausforderungen. Die zunehmende Hitze und Trockenheit in den Sommermonaten setzen der Grünfläche zu. Sie merken es alle, wenn wir hier so in der Sonne stehen: Es wird ganz schön warm.
Daher wird aktuell darüber nachgedacht, wie man die Aufenthaltsqualität auf dem Platz verbessern kann – zum Beispiel durch mehr Schatten. Im Gespräch sind Ideen wie eine Pergola oder Sonnensegel, unter denen man auch an heißen Tagen gut sitzen und verweilen kann. Aber wie immer im öffentlichen Raum gilt: Es müssen viele Interessen abgewogen werden. Der Platz ist ein Gartendenkmal – und das bedeutet, dass nicht alles erlaubt ist, was vielleicht praktisch oder modern erscheint.
Wie genau sich der Platz also in Zukunft weiterentwickelt, ist noch offen. Klar ist aber: Es braucht kreative Lösungen, um historische Orte wie diesen für heutige Bedürfnisse fit zu machen – ohne ihren besonderen Charakter zu verlieren. Ein schöner Ort soll der Mierendorffplatz auch in Zukunft bleiben.
Wir gehen jetzt die Mierendorffstraße entlang und treffen und vor dem Gemeinschaftsgarten neben der Mierendorff-Grundschule wieder.