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231. Kiezspaziergang - Von der Waldbühne übers Olympia-Gelände

Blick über die Waldbühne.

Blick über die Waldbühne.

Herzlich Willkommen zu unserem 231. Kiezspaziergang. Ich bin Heike Schmitt-Schmelz, Bezirksstadträtin für Bildung, Sport, Kultur, Liegenschaften und IT. Ich darf Sie heute über das Olympiagelände führen und ganz bewusst möchte ich bereits jetzt erwähnen, dass es sich heute nicht um das Olympiastadion dreht, sondern um den Olympiapark.
Ich freue mich sehr, dass wir heute gemeinsam diesem Spaziergang begehen werden.
Und bevor wir nun starten und es später untergeht, möchte ich noch kurz den nächsten Kiezspaziergang ankündigen. Dieser wird am Samstag, 11. Juni 2022, von Stadtrat Oliver Schruoffeneger geführt und wird ein Teil des “Langen Tags der Stadtnatur” sein. Der Treffpunkt wird zeitnah bekannt gegeben.

Frau Seemann-Grampsch, die Venue Managerin der Waldbühne berichtet über die Bühne und den Ort.

Frau Seemann-Grampsch, die Venue Managerin der Waldbühne berichtet über die Bühne und den Ort.

Station 1: Waldbühne

Wir stehen hier unverkennbar vor dem Eingang der Waldbühne, eines der Schmuckstücke des Olympiaparks.
Ihren Eingang flankieren zwei Hochreliefs von Adolf Wamper. Links halten zwei nackte Jünglinge Schwert und Fackel und symbolisieren somit die “nationalen Festspiele”, während auf der rechten Seite zwei junge Frauen mit Eichenzweig und Leier die musischen Feiern verkörpern. Die Freilichtbühne war ursprünglich nach dem “Dichter der Bewegung” Dietrich Eckart benannt. Ihr Vorbild ist das antike Theater von Epidaurus (3. Jh. v. Chr.).
Alles Weitere wird uns nun Frau Seemann-Grampsch, die Venue Managerin der Waldbühne erzählen. Schön, dass Sie da sind!

Die Waldbühne wurde in geschickter Ausnutzung der eiszeitlichen Geländesituation an der Böschung des Berliner Urstromtals (Murellenschlucht) gebaut und bildet somit ein eindrucksvolles 30 m tiefes Bauwerk, das Platz für rund 22.200 Menschen bietet. 88 Stufen führen zur Bühne hinab. Zwei breite waagerechte Umgänge teilen sie in drei Ränge. In der Mitte des mittleren Ranges war Hitlers Ehrenloge, darunter der Regiestand. 1936 fanden hier die olympischen Turnwettkämpfe, sowie ein kulturelles Rahmenprogramm statt. Später wurde die Waldbühne durch Boxkämpfe bekannt. Heute finden hier im Sommer zahlreiche Pop-, Rock- aber auch klassische Konzerte statt. Die Ferienmonate werden durch abendliche Kinovorführungen belebt.

Wir versammeln uns wieder am Eingang der Waldbühne, denn dort haben wir einen guten Blick auf die nächste Station.

Blick auf den Glockenturm.

Blick auf den Glockenturm.

Station 2: Glockenturm

Der Glockenturm wurde 1934-36 gemeinsam mit dem Olympiastadion errichtet, wobei sich zwischen dem Glockenturm und dem Olympiastadion das Maifeld erstreckt, zu dem wir gleich noch gehen. Nach schweren Kriegsschäden sprengten britische Pioniere den Turm im Februar 1947 und vergruben die Olympiaglocke auf dem Vorplatz. Die Glocke wurde am 16. Dezember 1956 wieder ausgegraben und vor dem Stadion aufgestellt (kann man auch heute noch betrachten).
Der Glockenturm wurde zu Beginn der 1960er-Jahre (1961-62) nach den Plänen des Architekten Werner March neu errichtet. Im Dezember 1961 wurde die neue Glocke eingebaut. Der 77,17 Meter hohe Turm bietet eine prächtige Sicht über das Olympiagelände, den Grunewald mit dem Teufelsberg, Charlottenburg und Spandau. Er kann von 1. April bis 31. Oktober, täglich von 10 bis 18 Uhr besichtigt werden. Zur Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde der Turm einschließlich der Glocke erneut saniert. Die Glocke darf allerdings nicht geläutet werden, da sie den Turm in so starke Schwingungen versetzt, dass diese den gläsernen Aufzug zur Aussichtsplattform gefährden könnten.
Wie Sie sehen können, wird der Glockenturm zurzeit erneut renoviert. Die Sanierungsarbeiten sollen 2023 abgeschlossen werden. Vormals war ein Dokumentationszentrum zum Geschichtsort Olympiagelände im Innenbereich untergebracht, das anlässlich der Fußball-WM 2006 in Berlin Besuchern des Areals die Geschichte des Geländes vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus zum Inhalt hatte. Nun soll am Glockenturm in den Hohlkammern unterhalb der Tribünen des Maifelds das Sportmuseum zukünftig ein touristischer Anlaufpunkt werden, auch die Langemarckhalle, zu denen ich auch später noch etwas erzählen werde und “die Informations- und Serviceangebote des Besucherzentrums am Glockenturm” sollen in das Gesamtkonzept integriert und ausgebaut werden.

Wir gehen jetzt gemeinsam auf das Olympiagelände (offiziell: Olympiapark Berlin), zu dem ich Ihnen gleich hier noch etwas sagen möchte:
Zunächst wurde auf dem Gelände eine Pferderennbahn angelegt. Seit 1909 wurde es nach Plänen von Otto March für die 1916 geplanten Olympischen Spiele bebaut. Am 8. Juni 1913 wurde das “Deutsche Stadion” als damals größtes Sportstadion der Welt in der Mulde der Grunewaldrennbahn eröffnet. Die Olympischen Spiele 1916 wurden aber wegen des Ersten Weltkriegs abgesagt.
Seit 1926 wurde auf dem nördlich an das Stadion angrenzenden Terrain nach Entwürfen von Werner March das Deutsche Sportforum gebaut.
Seit 1931 wurde es im Hinblick auf die XI. Olympischen Spiele neu konzipiert, zwischen 1934 und 1936 wieder abgerissen und als Reichssportfeld wieder unter der Bauleitung von Werner March neu aufgebaut. 1936 wurden im Stadion und auf dem gesamten Gelände die XI. Olympischen Spiele veranstaltet, die bekanntlich von den Nationalsozialisten sehr erfolgreich für ihre Propagandazwecke genutzt wurden.
Im Zweiten Weltkrieg diente das Gelände als Flakstellung. Von 1945 bis 1994 stand es unter Verwaltung der Britischen Streitkräfte, die hier seit 1952 ihr Hauptquartier einrichteten. 1963 wurden das Olympiastadion und das Schwimmstadion in die Verwaltung des Landes Berlin überführt. Nach dem Fall der Mauer wurden im Zuge der Aufgabe alliierter Rechte sämtliche Bauten des Olympiageländes an den Bund übergeben. 1994 verließen die Briten das Olympiagelände. 2001 übertrug der Bund seine Rechte auf das Land Berlin.
Heute ist der Olympiapark eines der größten und bedeutendsten öffentlichen Sportgelände in Europa. Er bietet sich mit seinen vielfältigen Sportanlagen, Veranstaltungsstätten und Gebäuden für die verschiedensten Nutzungen an. Der Sport hat selbstverständlich oberste Priorität.

Wir treffen uns wieder vor der ehemaligen Dienstvilla des Reichssportführers, wo Frau Kühn der Special Olympics uns etwas über die Special Olympics 2022/2023 erzählen wird.

dienstvilla_reichsspDie ehemalige Dienstvilla des "Reichssportführers.

Die ehemalige Dienstvilla des "Reichssportführers"

Station 3: ehemalige Dienstvilla des "Reichssportführers" und das Annaheim

Erst 1937/38 – ein Jahr nach den Olympischen Spielen – wurde die Dienstvilla nach
Plänen von Werner March für den damaligen “Reichssportführer” Hans von Tschammer und Osten erbaut. Der Architekt des Olympiastadions passte das zweistöckige
Gebäude, hier am westlichen Ende des Sportforumgeländes, in Form- und Materialwahl
an die bestehenden Bauten an.
Der “Reichssportführer” war Präsident der Reichsakademie für Leibesübungen, Leiter des Reichssportamtes beim Innenministerium und Führer des Deutschen Reichsbundes für Leibesübungen.
Nach Tschammers Tod 1943, bewohnte die Familie weiterhin die Dienstvilla.
Ab 1946 wurde das Gebäude vom britischen Stadtkommandanten genutzt – erst als
Dienstvilla, später als Offiziersmesse. Dieser ließ die 1938 von Paul Wynand geschaffene Bronzestatue “Falkner” im Garten aufstellen. Der adlergleich dargestellte Falke ist bezwungen von einem Jäger mit “nordischer” Physiognomie. Der Dolch des Falkners in Form des römischen Kurzschwerts war das Standessymbol der SS. Auch von Tschammer und Osten trug einen solchen Dolch.

Seit dem Abzug der britischen Alliierten im Jahr 1994 wird die Villa gerne für
Hochzeiten, Partys von Künstlern, die in der Waldbühne auftreten, und für Seminare genutzt.

Hinter der Dienstvilla sehen Sie das “Annaheim”.
Das westliche Ende des Sportforums gegenüber der tiefer gelegenen Waldbühne war ursprünglich der sogenannte Frauenbezirk, der für die Sportlerinnen reserviert war. Das zentrale Gebäude dort war das Annaheim, auch Frauenheim genannt. Benannt ist es nach Anna Böß, der Frau des Berliner Oberbürgermeisters Gustav Böß. Es hatte 27 Zimmer für 50 Studentinnen und zwei Lehrerinnen. Heute beherbergt es die Verwaltung des Olympiaparks.

Jetzt begrüße ich Frau Kühn, die uns die Special Olympics nun näher vorstellen- ich freue mich, dass Sie hier bei uns sind.

Die Nationalen Special Olympics für Sportler mit geistiger oder mehrfacher Behinderung finden vom 19. bis 24. Juni 2022 in der deutschen Hauptstadt statt. Die Sieger qualifizieren sich für die World Games im kommenden Jahr, 2023, in Berlin.

Vielen Dank! Wir gehen nun weiter Richtung Maifeld.

Maifeld mit Glockenturm und Langemarckhallen

Maifeld mit Glockenturm und Langemarckhallen

Station 4: Maifeld und Langemarckhalle

Zu Füßen des Glockenturmes liegt das 112.000 Quadratmeter (das sind gut 15 Fußballfelder) große Maifeld. Es wurde 1936 fertiggestellt und war von den Nationalsozialisten als Platz für die Mai-Aufmärsche und andere propagandistische Veranstaltungen vorgesehen. Hier fanden während der Olympischen Spiele 1936 die Polo- und Dressur-Wettkämpfe der Reiter und eine Vorführung von 20.000 Berliner Schulkindern statt. Später sollte es, wie der Name besagt, insbesondere für die Feiern zum 1. Mai Verwendung finden.

Das Maifeld kann 250.000 Teilnehmer aufnehmen. Die Wälle bieten noch einmal Platz für 60.000 Zuschauer. Hier fanden bis 1994 die alljährlichen, von tausenden von Berlinern gern besuchten Geburtstagsparaden für die englische Königin statt. Das Feld gehörte zum Areal der britischen Schutzmacht, die hier Polo-, Rugby- und andere Wettkämpfe veranstaltete. Heute finden auf dem Maifeld wechselnde Vereinsturniere und andere Großveranstaltungen statt. Zum Beispiel findet jährlich im Juli das beliebte amerikanisches Musikfestival Lollapalooza mit internationalen Stars oder im September das internationale Feuerwerks-Championat Pyronale statt.
Die Pyronale ist ein Feuerwerkswettbewerb, der seit 2006 jährlich Anfang September an zwei Abenden stattfindet. Im Alltag trainieren hier die Spieler der Berliner Cricketvereine.

Die vom Platz am Glockenturm aus sichtbare Vorderfront des massiven Mittelbaus mit der Langemarckhalle und den Zugängen und Zufahrten zum Glockenturm und zum Maifeld sowie die seitlichen Haupttreppen sind mit kräftigem Nagelfluh, einem Naturstein aus dem Voralpengebiet verkleidet, das dem Bauwerk einen urwüchsigen Eindruck verleiht.
Die Halle wurde anlässlich der Olympischen Sommerspiele 1936 von dem Architekten des Olympiastadions Werner March erbaut, zur Erinnerung an die Gefallenen der Schlacht bei Langemarck in Flandern, wo zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 zehntausende schlecht ausgebildeter junger deutscher Reservisten in den Tod geschickt wurden.

Zukunft Olympia-Stadion
Ein recht umstrittenes Thema ist der Bau eines neuen Stadions für Hertha BSC auf dem Olympiapark-Gelände. Wir sind jetzt gerade an einem Reitplatz vorbeigelaufen. Auf diesem Areal ist derzeit das neue, kleinere Fußballstadion für Hertha BSC geplant. Die bisherigen beiden Vorschläge wurden aus diversen Gründen abgelehnt.

Wir gehen jetzt weiter zum Sommerbad, wo ich Ihnen auch etwas über die uns umgebenden Sportflächen erzählen werde.

Das Sommerbad Olympiastadion.

Das Sommerbad Olympiastadion.

Station 5: Sportflächen und Sommerbad Olympiastadion

Sommerbad Olympiastadion

Die 1935 errichtete Anlage besteht aus einem 50 × 21 Meter großen Schwimmbecken, einem 20 × 20 Meter großen Sprungbecken mit Sprunganlage mit 1- und 3-Meter-Sprungbrett; sowie einer 5-, 7,5- und 10-Meter-Plattform, zwei Nichtschwimmerbecken und anschließender Liegewiese. Seitlich der beiden Hauptbecken stehen zwei originalerhaltene Zuschauertribünen mit 7.600 Plätzen, die zu den Olympischen Spielen 1936 durch hölzerne Zusatztribünen auf insgesamt 18.500 Plätze erweitert wurden. Unterhalb der Tribünen befinden sich Umkleidekabinen, sanitäre Anlagen und technische Einrichtungen. Die Tribünen sind zurzeit mit Wetterschutzdächern überbaut und bleiben so bis zum Beginn der grundhaften Sanierungsarbeiten.

Die mit Frischwasser der Berliner Wasserbetriebe gespeisten Wasserbecken verfügen über eine eigene Filter- und Umwälzanlage und sind zudem beheizbar. Der Umstand, dass erstmals bei olympischen Wettkämpfen die Wassertemperatur bei mindestens 21 °C gehalten werden konnte, fand seinerzeit weltweit Beachtung.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die – von Kriegsschäden weitgehend verschonte (im Gegensatz zum restlichen Olympiagelände) – Anlage am 20. Juni 1945 wieder für die Bevölkerung geöffnet. Im Jahr 1978, anlässlich der Austragung der III. Schwimmweltmeisterschaften, wurde die Wettkampfstätte komplett modernisiert. Eine weitere Sanierung erfolgte 2015/2016, bei der die Fliesenbeläge der Becken durch Edelstahl ersetzt und Badewassertechnik und Beckenumrandung erneuert wurden, allerdings befinden sich die Tribünen weiterhin in einem schlechten Zustand. Die Anlage war in den Plänen der Berliner Bewerbung für die Olympischen Spiele 2024 (die bereits auf nationaler Ebene scheiterte) als Austragungsort der beiden Wasserball-Turniere ausgewiesen worden.
Das seit seiner Erbauung äußerlich kaum veränderte Schwimmstadion ist zwischen Mai und September jeden Jahres für Badegäste zur Erholung, für den Vereins- und Schulsport sowie als Trainingsstätte geöffnet.

Wir sind nun schon an einigen Plätzen vorbeigelaufen und ich möchte Ihnen gerne die Herkunft einiger Plätze und Straßennamen erklären.

Körnerplatz
Benannt nach dem deutschen Dichter und Dramatiker Theodor Körner, der von 1791 bis 1813 lebte. Bereits im Alter von 21 Jahren starb er als “Sänger und Held” im Lützowschen Freikorps, in dem er gemeinsam mit Friedrich Friesen und Turnvater Friedrich Ludwig Jahn gegen die napoleonische Fremdherrschaft kämpfte. Er wurde zur patriotischen Identifikationsfigur.

Gutsmuthsweg
Der Weg wurde 1936 nach dem Pädagogen Johann Christoph Friedrich Gutsmuth benannt, er lebte von 1759 – 1839. Er ließ am Ende des 18. Jahrhunderts als Lehrer an einer Erziehungsanstalt in Schnepfenthal in Thüringen den ersten Sportplatz in Deutschland anlegen. Er schuf ein System des Schulturnens und veröffentlichte 1793 das Buch “Gymnastik für die Jugend”.

Friedrich-Friesen-Allee
Die Friedrich-Friesen-Allee wurde 1936 nach dem Mitbegründer der deutschen Turn- und Sportbewegung Karl Friedrich Friesen benannt. Er wurde 1784 in Magedeburg geboren und kam nach dem Schulbesuch nach Berlin. Gemeinsam mit “Turnvater” Friedrich Ludwig Jahn legte er 1810 den ersten öffentlichen Turnplatz in der Hasenheide an. Er starb 1814 im Befreiungskrieg im Ardennenwald in Frankreich.

Gebhardt-Platz
Der deutsche Naturwissenschaftler Willibald Gebhardt lebte von 1861 bis 1921. Er war der Begründer der Olympischen Bewegung in Deutschland wurde bekannt als Förderer der modernen Olympischen Spiele.

August-Bier-Platz
August Bier war 1920 der erste Leiter der Hochschule für Leibesübungen in Berlin.

Hueppeplatz
Der deutsche Bakteriologe, Hygieniker und Hochschullehrer Ferdinand Hueppe lebte von 1852 bis 1938. Von 1900 bis 1904 war er der erste Präsident des Deutschen Fußball-Bundes.

Georgiiplatz
Theodor Georgii wurde 1826 in Esslingen am Neckar geboren und starb 1892 in Wilhelmsdorf. Er war einer der wichtigsten Protagonisten der deutschen Turnbewegung.
Die Plätze werden heute von Hertha BSC, aber auch vom allgemeinen Vereinssport genutzt.

Haus des Deutschen Sports.

Haus des Deutschen Sports.

Station 6: Haus des Deutschen Sports/ Deutsche Sportforum und Jahnplatz (Sportschule im Olympiapark - Poelchau-Schule)

Wir stehen jetzt auf dem Jahnplatz: Friedrich Ludwig Jahn lebte von 1778 bis 1852. Als Initiator der deutschen Turnbewegung wurde er auch Turnvater Jahn genannt. Die Turnbewegung war unter anderem mit der Zielsetzung entstanden, die Jugend auf den Kampf gegen die napoleonische Besatzung und für die Rettung Preußens und Deutschlands vorzubereiten. Den ersten Turnplatz schuf Jahn 1811 auf der Berliner Hasenheide.
Das Schwimmhaus im Norden, das Turnhaus im Süden und das zentrale Haus des Deutschen Sports umschließen den Jahnplatz. Die Gestaltung der Gesamtanlage folgte dem Entwurf von 1926, auch wenn bis zur Fertigstellung zehn Jahre vergingen.
Die Hofanlage entspricht Werner Marchs Absicht, im Bereich des Sportforums “mehr nach innen gerichtete Bezirke zu schaffen, die ein Gefühl von Sammlung und Gemeinschaft vermitteln”.
Mit der hohen Pfeilerhalle, dem großzügigen Schwimmbecken und dem Skulpturenprogramm sollte der Jahnplatz einen feierlichen Rahmen bilden für Sport- und Festveranstaltungen.
Die Stufen der Freitreppe und die offenen Balkone über dem ringsum laufenden Pfeilergang sollten “nach Art eines mittelalterlichen Turnierhofes” Platz für Zuschauer bieten.
Die Anordnung der Bronzeplastiken unterstreicht die axiale Ausrichtung der gesamten Anlage. Nur der “Ruhende Athlet” von Georg Kolbe weicht von der symmetrischen Aufstellung ab. Adolf Strübes Figuren “Stier” und “Kuh”, motivgeschichtlich Sinnbilder für Stärke und Fruchtbarkeit, bilden den westlichen Abschluss des Platzes.

Der markante Kuppelsaal im Haus des Deutschen Sports ist eines der architektonischen Highlights im Gebäudeensemble. Ich würde Ihnen den Saal gern zeigen, doch aufgrund der vielen Teilnehmer:innen heute, kann ich Ihnen heute nur einen Schwenk erzählen.
Der Kuppelsaal im Haus des Deutschen Sports wurde 1936 für die Olympischen Fechtwettkämpfe gebaut und ist bis heute nahezu komplett original erhalten.
In den letzten Kriegsjahren bis 1944 diente sie als Fernsehstudio, da das Studio im Deutschlandhaus am heutigen Theodor-Heuss-Platz durch Bomben zerstört wurde. Von 1945 bis 1994 nutzten die britischen Alliierten die Kuppelhalle.
Seit 2015 dient der Kuppelsaal der Rhythmischen Sportgymnastik als Trainingsfläche und
Bundesstützpunkt.
Auch zahlreiche Film- und Fotoproduktionen nutzen seit Jahren die historische Kulisse für deren Zwecke. 2019 diente der Kuppelsaal als Austragungsort für die Deutschen Boxmeisterschaften. Jährlich wiederkehrende Veranstaltungen sind neben dem Weißen Bären (Fechten), die Ruderer und die Voltigierkinder (Holzpferde).

Das Schwimmhaus, das Forumbad und Teile des Hauses des Deutschen Sports werden seit 2015 von der “Sportschule im Olympiapark – Poelchau-Oberschule” genutzt. Die Schule wurde benannt nach Dorothee und Harald Poelchau. Vor allem Harald half als Gefängnisseelsorger in der JVA Tegel während der NS-Zeit unter anderem verfolgte Juden im Untergrund zu verstecken, Kontakt zu Widerstandskreisen gehalten und Nachrichten von Häftlingen aus und ins Gefängnis geschmuggelt – unter anderen für Dietrich Bonhoeffer und Helmut James Graf von Moltke. Außerdem begleitete er als Pfarrer Inhaftierte bis zur letzten Stunde. Seine Frau Dorothee besorgte Lebensmittel und betreute die Verfolgten, die in der eigenen Wohnung aufgenommen wurden. Sie unterstützte ihren Mann wo sie nur konnte.

Die Poelchau-Oberschule ist eine Eliteschule des Sports und Eliteschule des Fußballs.
Viele verschiedene Sportarten wie beispielsweise Hockey, Golf, Moderner Fünfkampf, Eiskunstlauf oder Wasserball werden hier angeboten. Es ist Ziel, die Verknüpfung von hochwertiger schulischer Ausbildung mit optimalem Training im Leistungssport herzustellen

Station 7: Hanns-Braun-Straße Ecke Rominter Allee Hanns-Braun-Straße

Die Hanns-Braun-Straße wurde 1936 benannt nach dem Sportler Hanns Braun. Er wurde 1886 in München geboren, stellte 1909 einen Weltrekord im 1000-Meter-Lauf auf. Er hielt 13 deutsche Rekorde und nahm an den Olympischen Spielen 1908 in London und 1912 in Stockholm teil und gewann dabei Bronze- und Silbermedaillen. Der damals erfolgreichste deutsche Leichtathlet starb beim Absturz seines Kampfflugzeuges am Ende des Ersten Weltkrieges am 9. Oktober 1918 in Frankreich.
Der Hanns-Braun-Platz findet sich auch auf dem Olympia-Gelände.

Wir sind nun am Ende unseres Spazierganges angelangt. Ich bedanke mich, dass Sie mir so zahlreich gefolgt sind. Für diejenigen, die es am Anfang nicht mitbekommen haben, der nächste Kiezspaziergang wird am Samstag, 11. Juni 2022, wie immer um 14 Uhr von meinem Kollegen Stadtrat Oliver Schruoffeneger geführt und wird ein Teil des “Langen Tags der Stadtnatur” sein. Der Treffpunkt wird zeitnah bekannt gegeben.

Weitere Eindrücke des Kiezspaziergangs.

  • Die Besucher:innen des Kiezspaziergangs in der Waldbühne.

    Die Besucher:innen des Kiezspaziergangs in der Waldbühne.

  • Frau Kühn der Special Olympics stellte die pläne für die kommenden beiden Jahre vor.

    Frau Kühn der Special Olympics stellte die pläne für die kommenden beiden Jahre vor.

  • Der Glockenturm mit Renovierungsarbeiten.

    Der Glockenturm mit Renovierungsarbeiten.

  • Die Poelchau-Schule.

    Die Poelchau-Schule.

  • Blick auf den Jahnplatz.

    Blick auf den Jahnplatz.

  • Das Forumbecken auf dem Olympiagelände.

    Das Forumbecken auf dem Olympiagelände.

  • Skulptur Stier auf dem Jahnplatz.

    Skulptur Stier auf dem Jahnplatz.

  • Informationstafel am Jahnplatz.

    Informationstafel am Jahnplatz.