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223. Kiezspaziergang am Samstag, 14. August 2021 mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Treffpunkt: Adenauerplatz

Herzlich willkommen zu unserem 223. Kiezspaziergang! Und dieses Mal wieder zum traditionellen Zeitpunkt, dem zweiten Samstag im Monat. Heute steht unsere Stadtwanderung im Zeichen der guten Stube unseres Bezirks: dem Kurfürstendamm, seinen Plätzen und Seitenstraßen. Hier wird nicht nur eingekauft, der Boulevard ist auch ein Schaufenster des gesellschaftlichen Lebens der ganzen Stadt. Immer wieder steht der Kudamm im Mittelpunkt von Großveranstaltungen. Seien es Marathons oder Demonstrationen, Oldtimer-Ausstellungen oder Fan-Corsos nach großen Fußballspielen, wie wir es jüngst nach der Fußball-EM erlebt haben.

1. Station: Adenauerplatz (am Adenauer-Denkmal)

Brunnen:"Die Säule in der Brandung."
Der Brunnen auf dem Adenauerplatz:"Die Säule in der Brandung"
Bild: BACW/Haraszthy

Der kleine Dreieckplatz mit U-Bahnhof wurde 1973 nach dem ehemaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967) benannt. Im Rahmen der Untertunnelung des Kurfürstendammes wurde er 1974 neu angelegt mit Pflasterung, Baumbestand und Sitzbänken.
Am 19. April 2005 enthüllte die Parteivorsitzende der CDU, Angela Merkel, eine 1,85 Meter hohe Bronzestatue Adenauers von der Künstlerin Helga Tiemann.
Im Zentrum befindet sich die Brunnenskulptur ‘Säule in der Brandung’ aus Chromnickelstahl in einem flachen Rundbecken aus Stein von Brigitte und Martin Matschinsky-Denninghoff.
Ein Gedenkstein erinnert an Mete Eksi, der am 13. November 1991 an den schweren Verletzungen starb, die er auf dem Adenauerplatz bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Berliner Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft erlitt.
An der Ecke Kurfürstendamm 70/Lewishamstraße baute Helmut Jahn 1992-94 das schmalste Bürogebäude Berlins, im Volksmund auch das Handtuchhaus genannt.

1.1. Lewishamstraße 1 – Hotel Panorama

Für das Grundstück liegt ein Bauantrag für den Umbau des Hotels und bauliche Ergänzungen vor.
- Architekturbüro: Max Dudler
Im Bauantrag sind folgende Maßnahmen vorgesehen:
- das Gebäude erhält eine neue Fassade
- Aufstockung des 11. geschossigen Turms um ein Geschoss
- An der nördlichen Spitze ist ein 7 geschossiges Bürohaus geplant (anstelle des derzeitigen Parkdecks)

2. Station: Einmündung Wilmersdorfer Straße

Die Wilmersdorfer Straße wurde bereits 1824 benannt. Zuvor tauchte schon einmal der Name “Wilmersdorfischer Weg” auf.
Manche Ortsfremde vermuten die Wilmersdorfer Straße fälschlicherweise in Wilmersdorf. Aber die Straßen wurden in Berlin und den damals selbständigen Orten rund um Berlin häufig nach der Richtung benannt, in die sie führen. Deshalb erhielt diese Straße als erste und wichtigste Verbindung zwischen Charlottenburg und Wilmersdorf den Namen Wilmersdorfer Straße. Ihre Verlängerung in Wilmersdorf, die Brandenburgische Straße, hieß vor 1885 “Charlottenburger Weg”. Und in früheren Zeiten war die Verbindung zwischen den damaligen Dörfern Wilmersdorf und Lietzow unter dem Namen “Priesterweg” bekannt, denn der Wilmersdorfer Pfarrer versorgte die Pfarrei des Dörfchens Lietzow, dort, wo sich heute das Rathaus Charlottenburg befindet, mit und benutzte als Verbindungsstrecke den “Priesterweg”

2.1. Wilmersdorfer Straße 82/83

Für das leider sehr heruntergewirtschaftete Gebäude wurde eine Abbruchanzeige gestellt. Mit dem Abriss wurde jedoch noch nicht begonnen. Geld verdienen wollte der Eigentümer trotzdem und so wurden an einem Baugerüst ungenehmigte Werbeplakate befestigt. Gegen den gegen die Werbefirma gerichteten bezirklichen Bußgeldbescheid legte klagte diese. Das Amtsgericht Tiergarten hat dem Bezirk nunmehr Recht gegeben und die Zulässigkeit eines Bußgeldes bestätigt. Allerdings wurde der bezirkliche Bescheid von 234.000 Euro auf 24.000 Euro reduziert.
Die Neubaupläne des Eigentümers hatten zu hohe Vorstellungen der baulichen Ausnutzung des Grundstücks. Nunmehr lässt das Bezirksamt Varianten für eine architektonisch überzeugende Antwort auf dem Grundstück prüfen unter Berücksichtigung des Adenauerplatzes und des Einmündungsbereichs der Wilmersdorfer Straße. Interesse des Bezirksamtes ist es eine Planung zu erreichen, welche auch zu einer Qualifizierung des Platzes beiträgt.

2. 2. Sybelstraße 14 /Ecke Waitzstraße (Erdbeermund)

Für das Grundstück wurde eine Baugenehmigung zum einen für die Sanierung des Gebäudes und auch für den Abriss mit Neubau eines Hotels erteilt.
Hier finden bereits Abbrucharbeiten zumindest im rückwärtigen Bereich statt.
- Architekturbüro: Bertsch Architekten

3. Station: Hindemithplatz mit Sankt-Georg-Brunnen

Hindemithplatz, 4.3.2011, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Der St. Georg Brunnen oder Bayernhof-Bunnen wurde 1903/04 im Hof des Vergnügungs-Etablissements “Bayernhof” am Potsdamer Platz in der Nähe des “Esplanade” aufgebaut. 1975 wurde die im Krieg zerstörte Vergnügungsstätte abgerissen, der Brunnen zerlegt. 1980 wurde er auf dem kleinen Platz an der Wilmersdorfer Straße zwischen Giesebrecht- und Mommsenstraße wieder zusammengesetzt. Der Platz wurde am 19. Oktober 1995 nach Paul Hindemith benannt.
Eine Bronzetafel am Brunnen enthält folgende Inschrift:
ST. GEORG BRUNNEN
1904-1975
IM “BAYERNHOF” POTSDAMER STRASSE
ENTWURF ARCHITEKT WILHELM WALTHER
WIEDERERRICHTET 1980

Mientus: Seit 1950 gibt es an der Wilmersdorfer Straße den Herrenaustatter Mientus.
Das Familienunternehmen wird bereits in dritter Generation geführt. Inzwischen gibt es das Unternehmen an vier Standorten in Berlin und Hamburg, und, wie in digitalen Zeiten üblich, auch den Mientus-Online Store.

4. Station: Niebuhrstraße

Das Haus der Vielfalt an der Niebuhrstraße.
Bezirksbürgermeister Naumann und Stephan Jäkel berichten über das Haus der Vielfalt an der Niebuhrstraße.
Bild: BACW/Haraszthy

Die Straße wurde 1902 nach dem Historiker und Politiker Barthold Georg Niebuhr benannt. Er wurde 1776 in Kopenhagen geboren, trat im Jahre 1800 in den dänischen, 1806 dann in den preußischen Staatsdienst ein und wurde 1810 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin. Von 1816 bis 1823 vertrat er Preußen als Gesandter in Rom und lehrte anschließend an der Universität in Bonn, wo er 1831 starb.

Stolpersteine
In diesem Charlottenburger Kiez war in den 1920er-Jahren der Anteil jüdischer Bürgerinnen und Bürger an der Bevölkerung besonders hoch. Sie können das an den vielen Stolpersteinen erkennen, die hier inzwischen verlegt wurden. Wie Sie wissen hat der Bildhauer Gunter Demnig 1996 in Köln die ersten Stolpersteine verlegt, die im Gehweg vor dem früheren Wohnort an Opfer der nationalsozialistischen Verbrechen erinnern. Inzwischen wurden in Berlin rund 9000 Stolpersteine verlegt, davon allein bei uns in Charlottenburg-Wilmersdorf bereits rund 3500.

Niebuhrstraße 59/60: Lebensort Vielfalt
Der Lebensort Vielfalt ist in seiner Größe und seiner Vielfältigkeit einmalig in Europa. Seine Realisierung nahm mehr als sechs Jahre in Anspruch, davon 17 Monate reine Bauzeit. Insgesamt wurden rund sechs Millionen Euro investiert. Mehr als die Hälfte davon finanzierte die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Einen großen Teil steuerte auch die Stiftung Deutsches Hilfswerk („Ein Platz an der Sonne“) bei. Weitere Finanzierungsmittel waren private und öffentliche Kredite, Spenden und Sponsoring.
Über viele Jahre hat die Schwulenberatung Berlin für die Verwirklichung dieser Idee gekämpft – unterstützt von vielen haupt- und ehrenamtlich tätigen Menschen. So entstand ein ungewöhnlicher Ort: der Lebensort Vielfalt. Im Lebensort Vielfalt leben mehrere Generationen in Vielfalt zusammen. Die Mischung der Menschen ist bewusst gewählt: Etwa 60 Prozent der Bewohner sind schwule Männer über 55. Rund 20 Prozent sind Frauen. Weitere 20 Prozent sind jüngere schwule Männer.

Niebuhrstr. 14-19b: Wohnanlage (kurz vor Meta-Haus)
Die Wohnanlage Niebuhrstraße wurde unmittelbar nach dem Ersten Weltkrieg 1919 von Paul Weingärtner als Notstandssiedlung für Kriegsheimkehrer und kinderreiche Familien errichtet. Ursprünglich entstanden fünf Zeilen zweigeschossiger Häuser mit Kleingärten zur Selbstversorgung. In den 50er- und 70er-Jahren wurden einzelne Bauten abgerissen. Die beiden verbliebenen Häuserzeilen wurden 1994 unter Denkmalschutz gestellt und 2004 restauriert. Die Wohnungen wurden inzwischen in Eigentumswohnungen umgewandelt und verkauft.

5. Station: Leibnizstr. 65-68: Meta-Haus

Das Meta-Haus.
Das Meta-Haus.
Bild: BACW/ Ehrcke

Das Gebäude wurde 1928/29 von Hans Heinrich Müller als Abspannwerk für die Stromversorgung des Wohnquartiers in Charlottenburg als Stahlskelettkonstruktion mit vorgesetzter roter Klinkerfassade errichtet. Es ist ein typisches Beispiel für die Bewag-Architektur der 1920er-Jahre nach den Entwürfen von Hans Heinrich Müller, dem Leiter der Bewag-Bauabteilung, die zu einem Markenzeichen des Unternehmens wurden. 1951-53 wurde ein Anbau hinzugefügt. Dezentrale Um- und Abspannwerke dienten dazu, die in den Kraftwerken erzeugte hochgespannte Energie in eine für Haushalt und Gewerbe geeignete Größe umzuwandeln. Die technologische Entwicklung machte sie überflüssig. Deshalb wurde dieses Abspannwerk 1984 stillgelegt.

1999-2001 wurde das Haus durch Petra und Paul Kahlfeldt restauriert und als Meta-Haus für das Designzentrum MetaDesign umgebaut. Die Architekten wurden für die vorbildliche Restaurierung ausgezeichnet.

6. Station: Mommsenstraße

Die Straße wurde 1897 nach dem Historiker Theodor Mommsen benannt. Er wurde 1817 in Garding geboren, nahm aktiv an der Märzrevolution 1848 teil, kam 1858 als Professor für Alte Geschichte an die Berliner Universität. Von 1881 bis 1884 stand er als liberaler Reichstagsabgeordneter in Opposition zu Bismarck. 1902 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Er starb 1903 in Charlottenburg.

Mommsenstr. 57 Ecke Leibnizstr. 60: 2 Gedenktafeln für Adele Sandrock
An diesem Haus befinden sich zwei Gedenktafeln für die Schauspielerin Adele Sandrock. Eine Tafel befindet sich hier an der Mommsenstraße und ist aus schwarzem Marmor. Sie enthält folgenden Text:
Hier lebte von 1905 bis 1937
ADELE SANDROCK
19.8.1864 – 30.8.1937
Schauspielerin
Die andere Tafel befindet sich um die Ecke an der Leibnizstraße. Es ist eine Berliner Gedenktafel, also eine Porzellantafel der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Sie wurde am 29.9.1989 enthüllt und einige Zeit später entwendet, als in dem Haus Bauarbeiten stattfanden. Die Hauseigentümer ließen deshalb auf eigene Initiative die neue Tafel anbringen. Die Berliner Gedenktafel wurde bald danach im Internet bei Ebay zur Versteigerung angeboten, schließlich von der Kriminalpolizei sichergestellt und wieder am Haus an der Leibnizstraße angebracht. Sie enthält folgenden Text:

Hier lebte von 1905 bis 1937
ADELE SANDROCK
19.8.1864 – 30.8.1937
Schauspielerin
Berühmt und populär wurde sie durch
ihre Verkörperung der “komischen Alten”
auf der Bühne und im Film

Leibnizstraße 57: Kneipe Klo:
Das Lokal nennt sich selbst “Pionier der Erlebniskneipen”. Die Mischung aus Kuriositätenkabinett und Geisterbahn ist vor allem bei vielen Schülern, die mit ihrer Klasse einen Berlin-Besuch machen, berühmt. Das Lokal hier an der Leibnizstraße wurde als Klo III am ersten Weihnachtstag 1971 eröffnet und hat als einziges bis heute überlebt.

7. Station: Walter-Benjamin-Platz

Der Springbrunnen auf dem Walter-Benjamin-Platz.
Der Springbrunnen auf dem Walter-Benjamin-Platz.
Bild: BACW/Haraszthy

Der Platz wurde 1999 nach dem Philosophen und Schriftsteller Walter Benjamin benannt. Er lebte von 1892 bis 1940 und beschrieb in seinem Buch “Berliner Kindheit um 1900”, wie er im Berliner Westen, in Grunewald, Wilmersdorf und Charlottenburg aufwuchs. Eine Gedenktafel für ihn befindet sich an dem Haus Prinzregentenstr. 66, wo er von 1930 bis 1933 lebte. Auf der Flucht vor der Gestapo wählte er 1940 an der französisch-spanischen Grenze in den Pyrenäen den Freitod.

Leibniz-Kolonnaden
An der Nord- und Südseite des ehemaligen Parkplatzes bauten Hans Kollhoff und Helga Timmermann von 1998 bis 2000 zwei Wohn- und Geschäftshäuser. Das Gelände war zuvor noch nie bebaut worden. Der Entwurf löste eine heftige Diskussion aus, die den Baubeginn um mehr als zehn Jahre verzögerte. Der preußisch strenge Entwurf gewann in einem Wettbewerb unter anderem gegen Hinrich Baller, in dessen verspielt-südländischer Architektursprache sicher eine ganz andere Wirkung erzielt worden wäre. Strenge Steinfassaden in graugrünem Granit und Säulengänge mit Art-Deco-Lampen flankieren den Platz, zwei Achtgeschosser mit einem Kindergarten auf dem Dach an den Längsseiten des 32 mal 108 Meter großen öffentlichen gepflasterten Stadtplatzes mit einem einzelnen Kastanienbaum, der durch eine Tiefgarage hindurch im Erdreich verwurzelt werden musste. Die computergesteuerte Wasserfontäne ist vor allem bei Kindern im Sommer sehr beliebt.

8. Station: Kurfürstendamm

Blick über den Olivaer Platz.
Blick über den Olivaer Platz.
Bild: BACW/Haraszthy

Der damalige Reichskanzler Fürst Otto von Bismarck regte den Ausbau des Boulevards 1871 an, als er nach dem deutsch-französischen Krieg aus Paris zurückkam, wo gerade das Kaiserreich gegründet worden war.
Bismarck schrieb am 5. Februar 1873 an den Geheimen Kabinettsrat von Wilmowski:

Auch die Straße am Kurfürstendamm wird nach den jetzt bestehenden Absichten viel zu eng werden, da dieselbe voraussichtlich ein Hauptspazierweg für Wagen und Reiter werden wird. Denkt man sich Berlin so wie bisher wachsend, so wird es die doppelte Volkszahl noch schneller erreichen, als Paris von 800.000 Einwohnern auf 2.000.000 gestiegen ist. Dann würde der Grunewald etwa für Berlin das Bois de Boulogne und die Hauptader des Vergnügungsverkehrs dorthin mit einer Breite wie die der Elysäischen Felder durchaus nicht zu groß bemessen sein.

1875 wurde die Breite des zukünftigen Kurfürstendammes per Kabinettsordre auf 53m festgelegt (knapp halb so breit wie die Champs-Èlysées). Bismarck legte besonderen Wert darauf, dass ein Reitweg erhalten bleiben sollte. Zunächst scheiterten die Finanzierungsbemühungen. Schließlich wurde ein Banken-Konsortium gebildet, die Kurfürstendamm-Gesellschaft. Diese erhielt als Ausgleich für die Finanzierung des Straßenausbaus die Vorkaufsrechte für 234 Hektar Grunewald. Der Boulevard sollte nicht in einen Wald führen, sondern in eine Villenkolonie
Seit 1883 wurde die Straße ausgebaut, am 5. Mai 1886 mit der Dampfstraßenbahnlinie Zoo-Kurfürstendamm-Grunewald eröffnet. Die war in gewisser Weise der Geburtstag des Kurfürstendammes als Boulevard, und in rasantem Tempo entwickelte sich der frühere Knüppeldamm zu einer City-Filiale, wie man damals sagte, und in den 20er-Jahren überflügelte die westliche City-Filiale die alte City. Thomas Wolfe nannte den Kurfürstendamm “das größte Caféhaus Europas”. Der Kurfürstendamm war die lebendigste, modernste, internationalste Straße Berlins geworden. In den großen Uraufführungskinos am Kurfürstendamm liefen die neuen Filme zuerst und meist im Original, bevor sie dann später synchronisiert in die Friedrichstraße und die Bezirkskinos kamen.

Jungschwanenbrunen an der Ecke Leibnizstraße und Kurfürstendamm
Der Jungschwanenbrunnen, auch Schwanenkükenbrunnen genannt, wurde 1908 von August Gaul für den Garten der Villa des Unternehmers und Papierfabrikanten Max Cassirer an der Kaiserallee182/183 (heute Bundesallee) geschaffen. Cassirer musste seine Villa 1938 nach der “Arisierung” seines Unternehmens- und Aktienbesitzes an das Kaiserliche Japanische Marineministerium verkaufen. Der Sockel des Brunnens blieb bis nach dem Zweiten Weltkrieg im Garten stehen, während die bronzene Tiergruppe 1941 versteigert wurde. 1962 wurde der komplette Brunnen durch das Bezirksamt Charlottenburg hier an der Kreuzung Kurfürstendamm und Leibnizstraße wieder aufgestellt.
Der 1857 geborene Max Cassirer kam 1887 nach Charlottenburg bei Berlin. 1893 wurde er parteiloses Mitglied der Stadtverordnetenversammlung und 1909 Stadtrat von Charlottenburg. Als Charlottenburg 1920 die Selbstständigkeit verlor und Teil von Groß-Berlin wurde, trat er am 18. Februar 1920 als Stadtrat zurück. Anlässlich dieses Datums verlieh ihm die Stadt Charlottenburg für seine Verdienste die Ehrenbürgerwürde.
Im Juni 1920 wurde er Mitglied der neugegründeten Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Charlottenburg.
Er unterstützte verschiedene künstlerische Aktionen. So stiftete er zum Beispiel den Entenbrunnen, der heute vor dem Renaissance-Theater steht. Mit dessen Schöpfer, August Gaul, war er viele Jahre eng verbunden. So war Gaul auch Architekt der 1895 errichteten Familienvilla an der Kaiserallee. Auch in vielen sozialen Bereichen engagierte sich Cassirer. 1928 wurde er Ehrensenator der Technischen Hochschule Charlottenburg.
Nach 1933 verlor er einen Großteil seines Vermögens. Sein Aktienkapital ging an die Siemenstochter Elektro-Licht- und Kraftanlagen AG Berlin.
1938 wurde auch sein restliches Vermögen “arisiert” und er zum Verkauf seines Hauses gezwungen. Im Dezember 1938 floh er zu seiner Tochter in die Schweiz, die dorthin bereits 1934 mit ihrem Mann emigriert war. 1939 reiste er nach Großbritannien, wo er bis zu seinem Lebensende lebte. Im Jahr 1941 wurde er ausgebürgert und sein restliches Vermögen eingezogen. Er verlor Bankguthaben von mehreren Hunderttausend Reichsmark, seine Kunstsammlung wurde versteigert oder beschlagnahmt. Max Cassirer starb zwei Jahre später im walisischen Exil.

Kurfürstendamm 59/60: Wohnhaus mit Kupferkuppel
Das Wohnhaus an der Ecke Leibnizstraße ist eines der besterhaltenen und prächtigsten Häuser am Kurfürstendamm und steht unter Denkmalschutz. Es wurde 1905-07 von den Architekten und Bauherren Hans Toebelmann und Henry Gross als fünfgeschossiges Eckhaus und Teil eines Ensembles von vier Mietshäusern errichtet. Dem üppig geschmückten Äußeren entsprachen im Inneren die jeweils zwei Wohnungen auf einem Geschoss mit je elf Zimmern, davon sechs besonders aufwändig ausgestaltete Gesellschaftszimmer auf 580 Quadratmetern. In den 1920er-Jahren wurde das Erdgeschoss in eine Ladenzone umgewandelt. Heute sind die einst großen Wohnungen in mehrere kleinere unterteilt.
Das gut erhaltene und prächtig restaurierte Gebäude ist ein prägnantes Beispiel für den großbürgerlichen Mietshausbau um 1900 am Kurfürstendamm.

Hinweis auf die andere Kudammseite: Grüne Insel am Kudamm von Christian Mayer
Der Garten- und Landschaftsplaner Christian Meyer hat hier 1997 mitten in der City unmittelbar am Kurfürstendamm auf eigene Initiative ein ökologisches Kleinod geschaffen. Er nannte sein Projekt den “Einzug der Gräser und Blütenstauden auf den Kurfürstendamm”, hat dafür Sponsoren gewonnen und wurde bereits mehrmals dafür ausgezeichnet, unter anderem mit unserer Bürgermedaille, dem bezirklichen Ehrenamtspreis und 2008 mit dem Erwin-Barth-Preis, den die Bauabteilung seit einigen Jahren für besonderes Engagement in der Grünpflege vergibt. In jeder Jahreszeit sieht die Fläche anders aus, selbst im Winter gelingt es den Gärtnern, die trockenen Stauden, bedeckt von Schnee, attraktiv in Szene zu setzen. Christian Meyer leistet die Pflege dieser Staudenfläche gemeinsam mit Studenten der Landschaftsplanung.

Olivaer Platz
Der Olivaer Platz wurde 1892 nach dem Kloster Oliva in Danzig benannt, wo 1660 der “Frieden von Oliva” unterzeichnet worden war. 1910 wurde er streng symmetrisch angelegt mit einem von Pyramidenpappeln umgebenen Terrassenplatz samt Grottenbrunnen im westlichen Teil, einem Kinderspielplatz im östlichen, dazwischen eine vertiefte Rasenfläche. Hecken und Alleen begrenzen den Platz an den Seiten. Auf alten Fotos mit Kinderwagen schiebenden Hausmädchen wirkt der Platz sehr idyllisch.
Es gab mehrfach Änderungen und 1961 eine komplette Neugestaltung durch Eberhard Fink. Sie wurde erforderlich durch den 1956 begonnenen Ausbau der Lietzenburger Straße zu einer Hauptverkehrsstraße. Rasenflächen, Blumenbeete Sitznischen und Kinderspielecken, Wasserspiele, Gartenbeleuchtung, Mauern, Pergolen und Gehölzgruppen wurden asymmetrisch angeordnet. Auf der östlichen Seite entstand ein Parkplatz für Autos.
2009 wurde über Pläne der Unternehmensgruppe Peter Unger diskutiert, für 25 Millionen Euro auf dem Olivaer Platz nach dem Vorbild von Covent Garden in London eine Markthalle mit 4000 Quadratmeter Verkaufsfläche in drei Geschossen zu bauen, in der Brandenburger Erzeuger ihre Produkte direkt vermarkten können sollten. Darunter sollte eine Tiefgarage entstehen. Alternativ dazu sollte der Olivaer Platz mit Hilfe von EU-Fördermitteln als Grünfläche zum Flanieren und Verweilen qualifiziert werden. Diese Pläne konnten nicht realisiert werden.
Im Februar 2018 begann nach vielen Diskussionsrunden mit Planern und Anwohnen erneut eine Umgestaltung des Platzes, dessen Ergebnis Sie jetzt hier sehen. Die Zahl der Parkplätze wurde auf die Hälfte reduziert, der Platz wurde transparenter und es gibt nun weniger “Angsträume”, wie sie vorher vor allem von Frauen kritisiert worden waren.