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Verleihung der Bürgermedaille an Dr. Ulrike Bussemer-Stöppler

Artikel aus: Unsere Zeitung "Ehrung am Ende eines Lebens"

Die Auen-Gemeinde nimmt mit der Familie Bussemer-Stöppler Abschied von ihrem langjährigen Gemeindekirchenratsmitglied Dr. Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler, die am Morgen des 3. August 2006 gestorben ist. Zugleich ist sie dankbar dafür, dass Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler am Ende ihres Lebens noch eine wichtige Ehrung und Würdigung ihres Engagements erfuhr.
Worum geht es?
Alljährlich vergibt der Bezirk Charlottenburg – Wilmersdorf Bürgermedaillen an Bürgerinnen und Bürger, die sich im Laufe ihres Lebens auf vorbildliche Weise ehrenamtlich im Bezirk engagiert oder in profilierter Weise soziale Initiative oder Zivilcourage gezeigt haben.
In einer Feierstunde am 19. Oktober 2006 wird Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen auch in diesem Jahr wieder eine Anzahl von Männern und Frauen auf diese Weise ehren. Einer Frau wurde diese Ehrung allerdings bereits in einer eigenen Feierstunde am 10. Juli 2006 im Amtszimmer der Bezirksbürgermeisterin im Charlottenburg-Wilmerdorfer Rathaus zuteil: Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler. Diese Würdigung geht auf die Initiative von Andreas Koska zurück, dem Fraktionsvorsitzenden von “Bündnis 90/Die Grünen”. In einem Empfehlungsschreiben für die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) begründete ich selbst den Vorschlag zu der Auszeichnung: “…wie bereits telefonisch besprochen, möchte ich die Historikerin Frau Dr. Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler, …als Initiatorin der Stolperstein-Initiative der Evangelischen Auenkirchen-Gemeinde für die Verleihung der Bürgermedaille 2006 vorschlagen. Dr. Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler hat die umfangreichen Recherchen geleistet, die in Folge zu der Verlegung von insgesamt 35 Stolpersteinen im Jahr 2005 im alten Dorfkern Wilmersdorfs, in der Wilhelmsaue zwischen der Auenkirche und Bundesallee, geführt haben. Dr. Bussemer-Stöppler hat damit einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur in unserem Bezirk geleistet, den aus der Wilhelmsaue deportierten und ermordeten jüdischen Menschen ,ihren Namen zurück gegeben und einen Ort der Trauer [ge]schaffen’. Unter den speziellen, in unserem Gespräch erörterten Umständen, würde es mich ganz besonders freuen, wenn Frau Dr. Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler diese Würdigung Ihres Engagements erführe.”
Diese Ehrung wurde Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler zuteil, die BVV stimmte dem Vorschlag einstimmig zu, die Bezirksbürgermeisterin wiederum trug einfühlsam der besonderen Situation Rechnung und lud zu einer vorgezogenen Feierstunde ins Rathaus ein. In würdiger Weise wurde Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler für Ihr Engagement geehrt, begleitet von ihrer Familie und weiteren Angehörigen, Freundinnen und Bekannten und der GKR-Vositzenden der Auen-Gemeinde Marlies Häner wie Frauke Lemmel und Pfn. Plehn-Martins aus dem Team der Stolperstein-Initiative.
Die persönliche Entgegennahme der Ehrung mit der Bürgermedaille war für Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler nicht selbstverständlich, zugleich aber auch ,Ehrensache’. Deutlich von ihrer schweren Krankheit gezeichnet kam sie ins Rathaus an die Otto-Suhr-Allee, genoss in gewisser Weise auch den Tag und die Stunde.
Ihr Leben ist zuende gegangen. Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler schloss für immer die Augen, ja, sie wollte und konnte loslassen, begleitet von ihrem Mann ist sie “hinübergegangen”.
Schon vorher hatte sie in bewundernswerter Weise ihrem Ende mit ruhiger Gelassenheit entgegen gesehen: “Ich hatte ein schönes Leben” sagte sie in einem persönlichen Gespräch Anfang Juli und schloß diesen Gesprächsgang mit den Worten des Taizé-Gesanges: “Nada Te Turbe” (Nichts beunruhige Dich, nichts ängstige Dich…).
In den späten Augusttagen wird Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler in einer Trauerfeier in der Auen-Kirche verabschiedet und anschließend auf dem Friedhof in der Stubenrauchstraße beigesetzt.
Die Gemeinde verdankt Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler vieles, in besonderer Weise aber ihr Engagement bei der Erstellung der Festschrift zur 100-Jahr-Feier 1997, den Aufbau und die tatkräftige Mitarbeit einer guten Kinderarbeit, die Einrichtung eines Kinderchores und gemeinsam mit ihrem Mann die Initiative um die Fortführung der Notübernachtung.
Auf der Ebene des Kirchenkreises war sie Jahr für Jahr engagiert in der Arbeit für den Weltgebetstag der Frauen.
Seit ein paar Jahren war ihr auch die Aktion Stolperstein eine Herzensangelegenheit und zugleich Aufgabe in Wahrnehmung einer Verantwortung gegenüber der spezifischen Geschichte in Deutschland. Diese Wahrnehmung von Verantwortung reicht über ihren Tod hinaus, es war ihr persönlicher Wunsch und ist ebenso Wunsch der Familie, dass die Stolperstein-Arbeit in Wilmersdorf weitergeht und so haben wir gemeinsam eine gute Lösung gefunden, die über das exemplarisch-gemeindliche Stolperstein-Projekt in der Wilhelmsaue hinaus führt in andere Straßen des Bezirkes (Wilmersdorf). Dabei ist Wolfgang Knoll, der langjährige Koordinator unser Partner. Wer nun in Verbundenheit zu Herrad Ulrike Bussemer-Stöppler wie aus inhaltlichen Gründen dieses weitergeführte Projekt mit einer Spende unterstützen möchte, findet dazu Gelegenheit über die Bankverbindung:
“Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf
Kto.Nr. 488 61 01
BLZ 100 100 10, Postbank Berlin
Verwendungszweck: 3300/28 290/100”.