216. Kiezspaziergang am 14.12.19 mit Bezirksstadtrat Arne Herz

-Fotos folgen noch-

Ihre Überschrift :Von der Schloßstraße zur Wintersteinstraße

Treffpunkt: Schloßstraße 70

Länge : ca. 1,8 km

Station 1: Schloßstraße 70 / Sammlung Scharf-Gerstenberg

Sie erinnern sich vielleicht noch an den Kiezspaziergang im April 2018 mit meiner Kollegin Schmitt-Schmelz, bei dem Sie die Villa Gerstenberg und die Villa Scharf gesehen haben, die beiden Villen, in denen die Sammler zu ihren Lebzeiten wohnten. Walter und Dieter Scharf waren die Enkel von Otto Gerstenberg, ein erfolgreicher Versicherungsunternehmer, der sein Vermögen unter anderem in Kunst investierte. Seine Leidenschaft wirkte in seinem Enkel Dieter Scharf fort. Dieser vermachte dann die Sammlung als Leihgabe der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Daher sind wir nun in der glücklichen Lage, diese Sammlung hier im östlichen Stülerbau bewundern zu können. Im Zentrum der Sammlung steht der Surrealismus, der nach dem Ersten Weltkrieg in Paris als literarisch-künstlerische Strömung entstand. Besonders hervorzuheben sind Arbeiten von Max Ernst, René Magritte und Salvador Dalí, um nur einige wenige zu nennen. Das Neue und Besondere des Surrealismus bestand darin, dass das Unterbewusste in die literarische bzw. künstlerische Arbeit mit einfloss. Bekannte Verfahren sind die automatische Zeichnung oder das automatische Schreiben, Collagen, Frottagen oder Fumagen. Bei Frottagen wird das Papier auf eine ausgewählte Unterlage aufgelegt und mit Stiften so lange darüber gerieben, bis die Oberflächenstruktur der Unterlage auf dem Papier sichtbar ist. Bei Fumagen malt der Künstler mit dem Rauch einer Kerze. Auch die Vorläufer der Surrealisten sind in der Sammlung zu sehen.

Wir biegen nun links in die Stallstraße ein und treffen uns wieder an der Ecke Nithackstraße.

Station 2: Stallstraße / Ecke Nithackstraße

Station 2.1: Stallstraße / Herkunft des Namens

Die Stallstraße nimmt Bezug auf die früher hier gelegenen Marställe der Gardes du Corps, der Leibwache des Königs. Schon vor 1824 hieß sie deshalb Stallstraße, auch wenn heute kein Pferdeduft mehr durch sie weht.

Station 2.2: Nithackstraße / Herkunft des Namens

Die Nithackstraße wurde 1950 nach dem Schriftsteller und evangelischen Theologen Walter Nithack-Stahn benannt. Der zweite Teil des Namens ist der Geburtsname seiner Mutter, der er sehr verbunden war. Er wurde am 23.10.1866 in Berlin geboren und war von 1906 bis 1929 Pfarrer der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Am 2.11.1911, dem vierzigsten Jahrestag der Schlacht von Sedan, hielt er eine vielbeachtete Predigt für den Frieden. Nithack-Stahn setzte sich vor, während und nach dem Ersten Weltkrieg ganz bewusst und aktiv gegen den Krieg ein und war damit zumindest am Anfang des Ersten Weltkrieges, als die Begeisterung für den Krieg ganz Deutschland erfasst hatte, relativ allein. Hier ein Ausschnitt aus seinem Aufruf, den 400 Theologen 1913 unterschrieben hatten. Keine Zeitung war bereit, ihn zu drucken.
Um den Völker Frieden zu erhalten, so sagte man uns, so muß immer angespannter gerüstet werden. Aber die Tatsachen zeigen, daß, da alle Kulturstaaten das Gleiche tun, die Kriegsgefahr nicht vermindert wird […] Als Christen, die wir sein wollen, fühlen wir uns vor Gott und unserem Gewissen verpflichtet, aus diesem Dilemma des Krieges ohne Ende den Ausweg zu suchen, der Menschen möglich und Gott gewollt ist: Friede auf Erden! Verständigung der Völker über eine Rechtsgemeinschaft, die das Unrecht des Krieges durch den Rechtsspruch ersetzt, […]
Zudem schrieb Nithack-Stahn Romane, Erzählungen und Theaterstücke. 27 Bücher verzeichnet die Deutsche Nationalbibliothek von ihm. Er starb 1942.

Station 2.3: Nithackstraße 22 / Gedenktafel für Elisabeth Caland

In dem Haus, das Sie geradezu in der Nithackstraße 22 sehen, wohnte die Musikpädagogin Elisabeth Caland. Zu ihrem Gedenken wurde eine schwarze Granittafel als Gedenktafel an dem Haus angebracht. Auf der steht:

ELISABETH CALAND
WOHNTE UND SCHUF IN DIESEM
HAUSE IHRE BEDEUTENDSTEN
MUSIKPÄDAGOGISCHEN WERKE
1909 – 1913

Sie wurde in Rotterdam geboren und wohnte und lehrte seit 1898 in Berlin. Sie schrieb mehrere Bücher über die Technik des Klavierspiels.

Wir biegen nun nach rechts in die Nithackstraße und treffen uns wieder gegenüber der Schinke-Grundschule.

Station 3: Nithackstraße 8-12 / Schinkel-Grundschule

In diesem Gebäude befindet sich die Schinkel-Grundschule. Die heutige Schule ist aus der Zusammenlegung der Eosander-Grundschule mit der Schinkel-Grundschule im Jahr 1997 entstanden. Zurzeit werden hier etwa 500 Schülerinnen und Schüler von 40 Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet sowie von 20 sozialpädagogischen Fachkräften betreut. Das Pestalozzi-Fröbel-Haus ist Kooperationspartner für den Ganztagsbereich der Schinkel-Grundschule. Die Schinkel-Grundschule hat einen musikalischen Schwerpunkt.
Das Schulgebäude wurde zwischen 1913 und 1914 von Paul Weingärtner und Heinrich Seeling als fünfgeschossige Flügelanlage errichtet. Die äußere Gestaltung des Gebäudes kann der beginnenden Moderne zugeordnet werden. Das Dekor enthält starke Elemente des Expressionismus. Der Reliefschmuck stammt von Ludwig Isenbeck. Das Bauwerk über einem Granitsockel ist elfenbeinfarben verputzt. Die Fassade wird durch roten Sandstein und bräunliche Keramikplatten gegliedert. Besonders auffällig sind die schwarzen keramischen Platten in den Eingangsbereichen sowie die Pergola mit ihren 17 Säulen. Im Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude als Lazarett und dann bis Anfang der 1920er-Jahre als Freikorpskaserne genutzt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde hier die Infektionsabteilung des städtischen Krankenhauses Westend untergebracht. Im Jahre 1950 wurden die Kriegsschäden am Gebäude beseitigt. Danach nahm es die Herder-, die Eosander- und die Schinkel-Grundschule auf. Nachdem die Herder-Oberschule in die Westendallee umgezogen war, schlossen sich die Eosander- und die Schinkel-Grundschule zusammen.
Die Schinkel-Grundschule ist nach dem Baumeister Karl Friedrich Schinkel benannt. Er wurde am 13. März 1781 in Neuruppin geboren und starb 1841 in Berlin. Er war nicht nur Baumeister und Architekt, sondern auch Stadtplaner, Maler, Grafiker und Bühnenbildner. Er hat die Epoche des Klassizismus und der Neugotik entscheidend geprägt. Schinkel hat zum Beispiel den Schinkel-Pavillon im Schloßpark gebaut, an dem man den klassizistischen Stil besonders gut erkennen kann.

Wir gehen nun links weiter bis zum Schustehruspark.

Station 4: Schustehruspark mit Villa Oppenheim

Da, wo heute der Schustehruspark ist, ließ Friedrich I., König von Preußen, 1711 mehrere Karpfenteiche anlegen. Die ausgehobene Erde wurde zur Befestigung der Schustehrusstraße genutzt, die deshalb auch zuerst Deichstraße hieß. Zur Zeit der ersten Bebauung befanden sich auf dem Gelände des Schustehrusparks Teile des Marstalls, die Menagerie und das Lorbeerhaus des Charlottenburger Schlosses. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Orangerie errichtet und König Friedrich Wilhelm II. schenkte das Grundstück dem Geheimen Kämmerer Rietz. Nach mehreren Besitzerwechseln ging es 1844/1846 in den Besitz des Bankierspaares Alexander und Margarete Mendelssohn über, das dort einen Sommersitz errichtete mit dem Namen „Sorgenfrei“ (frz.: sans souci ‚ohne Sorge‘), als Anspielung auf ein „Kleines Sanssouci“. Nach ihrem Tod fielen Villa, Nebengebäude und Garten an die zweitälteste Tochter des Paares, Margarete (1823–1890), die mit Otto Georg Oppenheim (1817–1909) verheiratet war. Die alte Villa „Sorgenfrei“ wurde abgerissen, um für einen Neubau im Stil der Neo-Renaissance Platz zu machen – die heutige Villa Oppenheim. Diese wurde bis zum Tod Oppenheims im Jahr 1909 als Alterssitz des Juristen sowie als Sommersitz der Nachkommenschaft genutzt und 1911 samt dem dazugehörigen Grundstück an die Stadt Charlottenburg verkauft.
Auf dem östlichen Teil des Gartens legte die Stadt den Schustehruspark an, riss den Nordflügel und die Nebengebäude der Villa ab und errichtete nach Plänen von Hans Winterstein ein Schulgebäude. Die Schule heißt heute Schule am Schloß und ist eine Integrierte Sekundarschule. Bei der Anlage handelt es sich um einen zweiflügeligen und fünfgeschossigen Mauerwerksbau. Im unteren Bereich ist das Gebäude mit roten Ziegeln verblendet; der obere Bereich ist teils verputzt, teils mit dunklem Holz verkleidet.
Während des Zweiten Weltkriegs dienten die Gebäude als Seuchenlazarett, Ende 1944 kam auch noch das Standesamt hinzu.

Dazu schreibt Thomas Wolfes in dem Buch 140 Jahre Standesamt Charlottenburg:

In dem in Schule und Villa untergebrachten Lazarett wurden spätestens ab Ende 1944 wahrscheinlich nicht nur seuchenkranke, sondern, räumlich voneinander getrennt, zusätzlich auch durch die Kämpfe und Bombardements verletzte Menschen eingeliefert und Tote aufgebahrt. […] Die sowjetischen Streitkräfte […] erreichten Charlottenburg um den 24. April 1945. Der Keller der Villa diente als Leichenkeller, im angrenzenden Park wurden die Toten notdürftig begraben.

Die Villa Oppenheim hatte durch die Luftangriffe der Alliierten ihr Dachgeschoss eingebüßt und erhielt nun ein provisorisches Flachdach. Von 1985 bis 1987 wurde die Villa Oppenheim umfangreich restauriert und mit Galerieräumen im Erdgeschoss versehen. Von 2005 bis 2009 beherbergte sie die kommunale Galerie für Gegenwartskunst. Nach deren Schließung wurde die Villa umfassend saniert. Im Januar 2012 zog das Museum Charlottenburg-Wilmersdorf in die Villa Oppenheim ein. Mehrere Ausstellungen sind für Besucher und Besucherinnen geöffnet, darunter Dauer- und Wechselausstellungen.
Schustehruspark und Schustehrusstraße heißen nach dem Oberbürgermeister von Charlottenburg Kurt Schustehrus. Er wurde 1856 in Bärholz bei Königsberg geboren und starb 1913 in Berlin. Das Amt des Oberbürgermeisters hatte er von 1900 bis 1911 inne. Zusammen mit seinem Vorgänger Hans Fritsche steht ihm das Verdienst zu, die schwierigen Zeiten des enormen Wachstums der Stadt in Charlottenburg kreativ und innovativ für Charlottenburg genutzt zu haben. 1875 hatte Charlottenburg gerade einmal 25.000 Einwohner und Einwohnerinnen, zwanzig Jahre später 100.000 und noch einmal zehn Jahre später bereits 210.000. Man kann sich also vorstellen, vor welchen Herausforderungen die beiden Bürgermeister standen. In dieser Zeit wurde die U-Bahn gebaut, die Oper, das Rathaus, alle mehrgeschossigen Mietshäuser, Krankenhäuser, Säuglings- und Ledigenheim, …..
Wir überqueren gleich die Kaiser-Friedrich-Straße und treffen uns wieder am Gierkeplatz 1-3.

Station 5: Gierkeplatz 1-3

Station 5.1: Gierkezeile und Gierkeplatz / Herkunft des Namens

Wir sind jetzt am Gierkeplatz und an der Ecke Gierkezeile angelangt. Straße und Platz gehören zu den ältesten in Charlottenburg. Die Gierkezeile hieß bis 1824 Brettergasse und bis 1950 Kirchstraße. Danach wurde sie nach der 1874 geborenen Sozialpädagogin Anna von Gierke benannt. Anna von Gierke leitete das Jugendheim Charlottenburg, eine Einrichtung zur Ausbildung von jungen Frauen in den unterschiedlichsten Berufen. In dem Jugendheim in der Goethestraße 22 gab es aber auch, besonders für Kinder aus armen Familien, eine Kinderkrippe, einen Kindergarten und einen Schulhort. 1922 gründete sie das Landjugendheim Finkenburg in der Nähe von Falkensee. Dort konnten die Auszubildenden des Jugendheims Charlottenburg Praktika absolvieren. Gleichzeitig war es Erholungsheim für die Großstadtkinder und später Fluchtort für jüdische Kinder und manchmal auch für ihre Familien. 1933 wird sie von den Nationalsozialisten wegen der jüdischen Abstammung ihrer Mutter aus allen Ämtern entlassen. Sie veranstaltete aber weiterhin regelmäßig Vortrags- und Literaturabende in der Goethestraße 22. Bei einem Verhör durch die Gestapo im November 1942 musste sie sich verpflichten, keine Abendveranstaltungen mehr durchzuführen. Sie starb 1943.

Station 5.2: Luisenkirche

Hier mitten auf dem Platz steht die Pfarrkirche, die der Charlottenburger Chronist und Stadtpfarrer Johann Christian Gottfried Dressel 1778 übernahm. Die barocke Kirche mit ihrem kreuzförmigen Grundriss wurde nach den Plänen von Baumeister Philipp Gerlach unter der Leitung des Schlüter-Schülers Martin-Heinrich Böhme 1712–16 erbaut. Der Bau mit einem gleichschenkligen Kreuz als Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes hatte keinen Turm, sondern einen hölzernen Dachreiter am Schnittpunkt der beiden Walmdächer. 1814 musste er abgerissen werden. Karl Friedrich Schinkel erstellte 1821 ein Gutachten zur Vollsanierung der Kirche und legte darin den Bau eines Turmes nahe. 1823 wurde der Bau genehmigt und am 11. Juni 1826 konnte der Turm eingeweiht werden. Kurz zuvor hatte der König Friedrich Wilhelm III. die Erlaubnis zur Benennung der Kirche nach der 1810 verstorbenen Königin Luise erteilt. In den folgenden zwei Jahrhunderten wurde die Kirche mehrfach erneuert. Im September 1943 brannte sie bei einem Bombenangriff aus und bei den Angriffen im November 1943 wurde sie von zwei Luftminen getroffen.
Zwischen 1950 und 1956 wurde die Luisenkirche unter der Leitung des Landeskonservators Hinnerk Scheper wieder aufgebaut. Es gab geringfügige Änderungen zur Schinkelschen Fassung. 1976 wurde das Kirchenäußere saniert. 1987 bis 1988 fand durch Jochen Langeheinecke eine – dem Zustand des Schinkelbaus angenäherte – Rekonstruktion des Innenraumes statt.
Morgen findet um die Luisenkirche herum der alljährliche Adventsmarkt statt, dies ist auch der Grund, warum wir heute nicht in die Luisenkirche hinein können. Der Adventsmarkt beginnt um 11:30 Uhr mit einem Familiengottesdienst. Es wird an den Ständen hier Kulinarisches und Kunsthandwerk geben, auch Angebote für Kinder. Der Markt endet um 17 Uhr mit einem festlichen Posaunenkonzert.
Die Luisengemeinde möchte sich zu einem Ort für Konzerte entwickeln und sammelt daher Spenden für eine neue Orgel. Zu diesem Zweck finden von Zeit zu Zeit Orgelkonzerte statt. Die Reihe heißt Orgeldialog. Das nächste Konzert ist am Sylvesterabend um 19:30 Uhr. Also wenn Sie Lust haben, versuchen Sie noch eine Eintrittskarte zu ergattern.

Station 5.3: Gierkeplatz 1-3 / Oberstufenzentrum für Kraftfahrzeugtechnik

Das Oberstufenzentrum Kraftfahrzeugtechnik Berlin, vor dem wir gerade stehen, ist ein Kompetenzzentrum für Fahrzeugtechnik, das in einem breiten Spektrum von Bildungsgängen berufliche Qualifikationen und Kompetenzen vermittelt. Folgende Ausbildungen werden angeboten: eine zweijährige Ausbildung für Fahrradmonteur*innen, eine dreieinhalbjährige Ausbildung für Zweiradmechatroniker*innen, das sind Motorräder und Fahrräder, und eine dreieinhalbjährige Ausbildung zu KFZ-Mechatroniker*innen. .

Station 5.4: Gierkezeile 39 / Schulhaus und Volksbibliothek

Das rosa Gebäude neben dem Oberstufenzentrum ist das älteste Schulhaus Charlottenburgs. Es wurde 1785/86 nach den Plänen des Oberbaurates Schulze im Zopfstil in der Übergangsphase vom Barock zum Klassizismus erbaut und 1798 um drei Achsen erweitert. Das Schulhaus entstand auf Initiative des schon genannten Stadtpfarrers Johann Christian Gottfried Dressel, der die nötigen finanziellen Mittel beschaffte. Die Bausumme betrug exakt 2701 Taler, ein Groschen und zwei Pfennige. Der Rektor wohnte im oberen Geschoss, und der Unterricht fand im Erdgeschoss statt. 1798 wurde das Haus erweitert, so dass in den Räumen zwei Mädchen- und zwei Jungenklassen unterrichtet werden konnten.
1896 wurde in Charlottenburg eine Volksbücherei eingerichtet, die als städtische Volksbibliothek mit Ausleihe und Lesehalle am 3. Januar 1898 in das Schulhaus einzog. Sie hatte 50 Leseplätze und eine reich ausgestattete Handbibliothek. Die Räume waren allerdings viel zu klein, so dass von 1900 bis 1901 ein neues Gebäude für die Bibliothek in der Eosanderstraße gebaut wurde. Dazu kommen wir später.
Die Dachräume des Schulhauses wurden 1906 ausgebaut. In dem Haus wurde bis 1931 unterrichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Schulhaus beschädigt.
Zehn Jahre später 1956/57 wurde Hans-Dieter Bolle mit der Restaurierung beauftragt. Das heutige Erscheinungsbild des Baudenkmals entspricht dem Zustand von 1798. Auch der rosa Farbton orientiert sich an der Farbe der Entstehungszeit.
1979 zog die Landesstelle Berlin gegen die Suchtgefahren in das Gebäude ein. Der Verein ist eine Anlaufstelle für alle Fragen rund um das Thema Sucht. Es wird das gesamte Spektrum abgedeckt: Alkohol, Arzneimittel, Nikotin, illegale Drogen und nicht stoffgebundene Süchte, z.B. Glücksspiel, Computersucht, Sex- oder Konsumsucht u.a. Interessierte, betroffene süchtige Menschen, Angehörige und Kinder aus suchtkranken Familien werden an die zuständigen Institutionen vermittelt oder erhalten konkrete Hilfen.

Wir überqueren nun die Gierkezeile und treffen uns wieder zwischen dem Gierkplatz 2 und 4.

Station 6: Zwischen Gierkplatz 2 und 4

Station 6.1: Gierkeplatz 2 / Puppentheater Berlin

In diesem Haus gibt es eine Berliner Attraktion, denn hier residiert das Puppentheater Berlin. Das Puppentheater wurde 1984 in Schöneberg gegründet und feiert damit dieses Jahr sein 35-jähriges Jubiläum. Im Sommer 1996 zog das Theater nach Charlottenburg, zuerst in die Haubachstraße / Ecke Gierkezeile, zehn Jahre später an den Spandauer Damm. Seit 2008 hat es seine neue Spielstätte hier am Gierkeplatz 2. Die Räume konnten mit Lotto-Mitteln umgebaut werden und nun hat das Theater 100 Plätze. Die Leitung des Theaters haben Hella und Ulrich Treu inne. Zudem gibt es mehrere freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten kommen von der Musikhochschule „Hanns Eisler“ oder der Universität der Künste. Es finden im Jahr ca. 220 Vorstellungen für Kinder und Familien statt, aber es gibt auch Vorstellungen nur für Erwachsene. Insgesamt kann das Puppentheater etwa 18.000 Gäste jährlich begrüßen. Das Puppentheater nimmt aber auch an Festivals teil und hat Gastspiele in zahlreichen Ländern, wie Japan, Korea, Italien, Dänemark, Österreich, Frankreich, Polen. In diesem Theater werden Stücke gespielt wie: Das Rübchen, Der Karneval der Tiere, Hänsel und Gretel, und das alles mit Puppen!
Ein schönes Angebot des Theaters ist auch, Geburtstagsfeiern oder andere Feiern auszurichten in dem Sinne, dass der Einladende ein Theaterstück aussucht, was dann für ihn und seine Gäste gespielt wird. Die Feier kann im Anschluss daran auch gleich dort stattfinden, nur für das Catering muss noch selbst gesorgt werden. Flyer des Puppentheaters finden Sie am Schaukasten.

Station 6.2: Gierkeplatz 4 / Gedenktafel für den Stadtpfarrer Johann Christian Gottfried Dressel

Am Haus Nummer 4 des Gierkeplatzes hängt eine Berliner Gedenktafel für den nun schon mehrfach genannte Stadtpfarrer Dressel. Darauf steht:

BERLINER GEDENKTAFEL
In dem Vorgängerbau dieses Hauses
lebte von 1778 bis 1824
der Charlottenburger Oberpfarrer
JOHANN CHRISTIAN
GOTTFRIED DRESSEL
22.9.1751-16.10.1824

Der aufgeklärte Prediger führte die Reformpädagogik Pestalozzis ein, ordnete die Schulverhältnisse neu und richtete eine städtische Armenpflege ein.
Dressel begann 1771 ein Theologiestudium in Wittenberg, das er ein Jahr später in Halle fortsetzte und 1773 abschloss. Nach seinem Studium war Dressel ein Jahr lang Konrektor in Werder, ehe er eine Stelle als Rektor in Biesental bekam. 1778 übernahm er das Pfarramt in der Stadt Charlottenburg. Zu diesem Zeitpunkt war Charlottenburg ein ländliches Städtchen, in dem die Bewohner hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht trieben. Die Kirchengemeinde war in einem genauso kläglichen Zustand wie die Schulen, die damals der Kirche unterstanden. Auch die Armut war groß. Dressel setzte sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen in seiner Gemeinde ein und reformierte das Schulwesen in Charlottenburg. Wie vorhin gesagt, wurde auf seine Initiative hin das erste Schulhaus Charlottenburgs gebaut. Er engagierte sich auch sehr für die Einrichtung eines Armenhauses, was dann 1802 tatsächlich eröffnet werden konnte. Berühmt wurde Dressel auch, weil er zwei Chroniken verfasste: die sogenannte Pfarrchronik, die im Besitz der Luisenkirche ist, und die sogenannte Dressel- oder Stadt-Chronik, die im Besitz des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf ist. Beide Chroniken berichten über die Geschichte der Stadt Charlottenburg und sind in ihrer Art einzigartig.
Zudem hat Dressel sechs Tagebücher geschrieben. Die ersten beiden Bände befinden sich in der Königlichen Magistratsbibliothek im Verwaltungsinformationszentrum des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf von Berlin. Der erste Band berichtet über Dressels Kindheit, Jugend und Studium. Der zweite behandelt die Zeit bis zu seinem Amtsantritt in Charlottenburg. Die vier anderen Bände sind derzeit verschollen.
Diese Handschriften sind, soweit sie im Besitz des Bezirksamtes Charlottenburg-Wilmersdorf sind, digitalisiert und über Wikimedia weltweit verfügbar. Wir freuen uns sehr, dass wir dieses ambitionierte Digitalisierungsprogramm mit unseren wenigen Personalmitteln geschafft haben.

Wir gehen nun weiter bis zur Schustehrusstraße 13.

Station 7: Schustehrusstraße 13 / Keramikmuseum

Das älteste Haus Charlottenburgs entstand 1712, als König Friedrich I. nach dem Tod seiner Gemahlin Sophie-Charlotte eine Idealstadt anlegen ließ. Das Gebäude wurde durch den Gelbgießer Berger erbaut. Es war ein Doppelstubenhaus mit Mittelflur und entsprach ursprünglich dem barocken fünfachsigen Modellhaus Eosander von Göthes für die Stadt Charlottenburg. 1799 wurde es um die Toreinfahrt erweitert und umgebaut. 1877 ließ der Hausbesitzer Eckmann auf dem rückwärtigen Grundstück einen Tanzsaal für 500 Personen errichten.
1981 wird es in die Denkmalliste des Landes Berlin aufgenommen, und trotzdem versuchte der Hausbesitzer an Heiligabend 1983 das Haus in einer Nacht- und Nebelaktion illegal abzureißen. Nur durch das beherzte Eingreifen der Bevölkerung konnte die Zerstörung verhindert werden. Das Haus wurde dann originalgetreu nach dem Zustand von 1800 -1844 mit ursprünglichen Baumaterialien in alter Handwerkstechnik von dem Architekturbüro Uli Böhme im Auftrag des Landeskonservators rekonstruiert. Als begehbares Baudenkmal vermittelt es heute Einsichten in Bauformen und Lebensweisen in der barocken Stadt. Wandbemalungen in den Innenräumen belegen zugleich den Einfluss höfischen Bauens auf das bürgerliche. Es verdeutlicht das bürgerliche Leben im 19. Jahrhundert in der Stadt Charlottenburg im Gegensatz zum höfischen Leben im Schloss.

Unser nächster Halt ist an der Ecke Brauhof- / Eosanderstraße. Dazu biegen wir links in die Wilmersdorfer Straße und überqueren die Otto-Suhr-Allee auf der linken Seite.

Station 8: Eosander- / Ecke Brauhofstraße

Station 8.1: Eosanderstraße / Herkunft des Namens

Die Eosanderstraße wurde am nach dem Architekten und Baumeister Johann Friedrich Nilsson Eosander Freiherr von Göthe benannt. Eosander wurde 1669 in Stralsund geboren und starb 1728 in Dresden.
Er ist sicher einer der wichtigsten Architekten des frühen Charlottenburgs. Er war von 1701 bis 1713 für den Umbau des Schlosses verantwortlich und 1705 für den des ersten Charlottenburger Rathauses in der Schloßstraße 2. Nach dem Tod von Sophie-Charlotte beauftragte Friderich I. ihn mit der Stadtplanung der neuen Stadt. In diesem Rahmen entwarft er auch das Charlottenburger Modellhauses, was als Muster für alle Gebäude festgelegt wurde. Sein wichtigstes Bauwerk steht allerdings nicht in Charlottenburg. Er errichtete er am Ende seines Lebens im Dienste Augusts des Starken in der Nähe von Dresden, das Schloss Übigau, wo er all seine architektonischen Vorstellungen verwirklichen konnte.

Station 8.2: Brauhofstraße / Herkunft des Namens

1719 schenkte der König seinen Bürgern ein Gelände für einen Brauhof. Dort konnten die Bürger, die eine Brauberechtigung hatten, ihr Bier brauen. Der Brauhof war bis 1788 in Betrieb. Das ist der Ursprung des Namens.

Station 8.3: Eosanderstraße 1/2 / Städtische Volksbibliothek und Kunstgewerbe- und Handwerkerschule
Ende des 19. Jahrhunderts setzte die Bücherhallenbewegung in Deutschland ein. Vorreiter war dabei, wie bei so vielem, die Stadt Charlottenburg. Es sollte wie der Chronist Gundlach schreibt,
eine Stätte, an welcher alle Einwohner zu geistiger Belehrung und edler Unterhaltung zwanglos sich vereinigen können,
geschaffen werden. 1896 wurde die erste Volksbücherei eingerichtet. Am 3. Januar 1898 wurden in der Kirchstraße 4/5, dem alten Schulhaus, für die Bibliothek Räume neu hergerichtet. Die Nachfrage war so groß, dass sie bald zu klein war. 1899 wurde also ein Neubau beschlossen. Am 9. September 1901 wurde im Quergebäude der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule in der Wilmersdorfer Straße 166/167 (heute Eosanderstraße 1-2) die Städtische Volksbibliothek und Lesehalle neu eröffnet. Sie hatte zwei übereinanderliegende umlaufende Galerien und ein Glasdach.
Die Bibliothek konnte von jedem Bewohner Charlottenburgs, der älter als 16 Jahre war, besucht werden;
der Besuch der Lesehalle, sowie die Benutzung der darin aufgestellten Handbibliothek und der dort ausliegenden Zeitschriften steht bedingungslos frei, schreibt Gundlach in seiner Geschichte der Stadt Charlottenburg von 1905 und weiter:

Die Räumlichkeiten der neuen Bibliothek bestehen aus dem über 280 Quadratmeter Fläche einnehmenden, 8,75 Meter hohen, durch drei Stockwerke gehenden Lesesaal, der mit zwei übereinander liegenden Galerien versehen ist, aus der Bücherausgabe mit davor befindlichem Wartezimmer, sowie aus drei für Verwaltungszwecke bestimmten Räumen. Als Bodenbelag ist überall rotbraunes Linoleum verwendet worden, entsprechend dem im gleichen Farbton gehaltenen Holzwerk, während die Eisenkonstruktion, sowie der Linoleumbelag der Tische in Grün gehalten ist. Sämtliche Räume sind mit Zentralheizung und elektrischem Licht versehen. Der sehr geräumige und bequem eingerichtete Lesesaal enthält zur Zeit an die 100 Sitzplätze, doch ist ihre Vermehrung auf etwa 150 vorgesehen. Der Verkehr der Ausleihestelle und des Lesesaals erfolgt durch einen Fahrstuhl.
Was den Jahressatz betrifft, so wurden seitens der Stadt für das erste Jahr 15.000 Mark bewilligt, eine Summe, die sich 1900/1901 auf 20.000, 1901/1902 (Umzugsjahr) auf 30.400 und 1903/1904 auf 33.437 Mark gesteigert hat; dazu kommen noch die Ausgaben für elektrisches Licht und Heizung.
Bei der Eröffnung setzte sich das Beamtenpersonal zusammen aus dem Bibliothekar, einem Assistenten, einem Diener und zwei Hilfsarbeitern. […]
Der Bücherbestand ist von den 7000 Bänden des Jahres 1898 auf 14.201 im Jahre 1901 und auf 20.996 im Jahre 1904 angewachsen, von welchen 3.174 als Handbibliothek in der Lesehalle ausgestellt, also neben den 100 ausliegenden Zeitschriften sofort benutzbar sind, während die übrigen durch Zettel bestellt werden müssen, aber so rasch wie möglich beschafft werden […] Der Lesesaal, welcher 1898/99 nur von 17.956 […] Personen besucht war, wurde 1903/04 von 112.686 […] benutzt.

Das Bibliotheksgebäude war ein Anbau zu der Kunstgewerbe- und Handwerkerschule. Diese wurde 1861 gegründet. Ihr Ziel war die Vermittlung von zeichnerischen und kunstgewerblichen Kenntnissen an Handwerker. Zu ihren Fächern gehörte: Architektur und Raumgestaltung, Angewandte Plastik, Angewandte Malerei und Metallbearbeitung.
1900 wurde das neue Gebäude fertiggestellt. Architekt war der Stadtbaurat Paul Bratring. Bratring hatte einen vierstöckigen repräsentativen Klinkerbau entworfen mit Zeichensälen, einem Aktsaal, einem gestufte Hörsaal, einer Fachbibliothek, einer Bildhauerwerkstatt, einer Werkstatt für den Möbelbau und einer Turnhalle unter der Volksbibliothek.
Im November 1943 wurde das Gebäude bei den Luftangriffen auf Charlottenburg schwer getroffen und brannte völlig aus. Die erhaltenen Buchbestände wurden 1944 in einer Zweigstelle in der Sybelstraße 2–4 im Gebäude der heutigen Sophie-Charlotte-Oberschule und 1948 im Rathaus Charlottenburg untergebracht, aus diesen ging dann die heutige Stadtbibliothek hervor.
Die Kunstgewerbe- und Handwerkerschule ging über mehrere Stufen in der Universität der Künste auf.

Unser nächster Halt ist die Eosanderstraße 31.

Station 9: Esosanderstraße 31 / Stolpersteine für Hulda und Arthur Holzheim

Wir stehen hier vor den Stolpersteinen für Hulda und Arthur Holzheim.
Darauf steht:

HIER WOHNTE
HULDA HOLZHEIM
JG.1872
DEPORTIERT 12.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 5.5.1943
HIER WOHNTE
ARTHUR HOLZHEIM
JG.1876
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 21.5.1943

Die Stolpersteine wurden am 19. 5. 2016 verlegt.

Wir gehen die Eosanderstraße nun weiter bis zur Lohmeyerstraße, in die wir rechts einbiegen. Wir treffen uns wieder an der Ecke Charlottenburger Ufer.

Station 10: Lohmeyerstraße / Ecke Charlottenburger Ufer

Station 10.1: Lohmeyerstraße / Ecke Charlottenburger Ufer / Palais der Gräfin von Lichtenau

Hier auf dem Areal, das bis zum Luisenplatz geht, stand früher das Palais der Gräfin von Lichtenau, die Tochter eines Musikers, mit bürgerlichem Name Wilhelmine Encke.
Sie wurde 1752 in Dessau geboren. Sie war erst Geliebte, dann Vertraute und Beraterin von Friedrich Wilhelm II. Hier ein Zitat aus der Wikipedia:

Friedrich Wilhelm II. führte Beziehungen zu mehreren Mätressen. Unter ihnen stellte Wilhelmine Encke eine besondere Ausnahme dar: Normalerweise versuchten Familien des niederen Adels durch gezielte Positionierungen ihrer Töchter als Geliebte des Königs Einfluss am Hof zu gewinnen. Wilhelmine Encke war jedoch weder von adeligem Geblüt noch bestrebt politischen Einfluss auszuüben. Sie wurde durch Friedrich Wilhelms Förderung in einem Zeitraum von 4 Jahren gezielt zu seiner Mätresse und Vertrauten aufgebaut. Dies geschah auf zweifache Weise; erstens durch die Vermittlung klassischer Bildungsinhalte und zweitens durch die Einführung in höfische Umgangsformen. […] Mit ihr konnte sich Friedrich Wilhelm über Architektur, Kunst, Kultur und Musik austauschen. König Friedrich II., der die Beziehung mithilfe von Spionen überwachte, erkannte bald, dass Wilhelmine nicht machtbesessen war. Eine feste Geliebte des Prinzen von Preußen glaubte er eher kontrollieren zu können als eine unüberschaubare Anzahl von Mätressen, die sich nach seinem Tod womöglich in die Regierungsgeschäfte einmischen würden. Aus diesem Grund erkannte er im Jahr 1777 Wilhelmine als offizielle Mätresse seines Neffen an. Der Form halber heiratete sie einen Kammerdiener namens Johann Friedrich Rietz, was aber nichts an dem Verhältnis mit dem späteren Friedrich Wilhelm II. änderte. Bis zur später erfolgenden Erhebung in den Grafenstand wurde sie „Madame Rietz“ genannt. Gemeinsam mit dem König hatte sie fünf Kinder. […] Sie beriet den König in künstlerischen Fragen, kaufte Kunstwerke oder gab diese in Auftrag. Auf diese Weise übte sie einen maßgeblichen Einfluss auf die Gestaltung der königlichen Wohnungen aus, vor allem im Marmorpalais. Am 28. April 1796 erhob Friedrich Wilhelm sie zur Gräfin von Lichtenau. Am 17. September 1796 folgte die offizielle Einführung als Gräfin bei Hofe.

Die Gräfin von Lichtenau erwarb wichtige Kunstwerke für die Berliner Sammlungen, außerdem gab sie bei Johann Gottfried Schadow und Carl Gotthard Langhans, um nur zwei zu nennen, Kunstwerke in Auftrag. Bekannt ist das Grabmal für ihren mit acht Jahren verstorbenen Sohn Alexander von Mark, das von Schadow geschaffen wurde. Es steht in der Alten Nationalgalerie. Zusammen mit Aloys Hirt engagierte sie sich für die Einrichtung eines öffentlichen Museums in Berlin.
Nach dem Tod von Friedrich Wilhelm II. wurde sie von seinem Nachfolger und Sohn Friedrich Wilhelm III., dem Mann der Königin Luise, verhaftet und in Festungshaft genommen. Der 27-Jährige lastete ihr die Zurücksetzung seiner Mutter, die bigamistischen Zweitehen seines Vaters und ihre allgemein dominierende Stellung bei Hofe an. 1800 wurde ihr gesamtes Vermögen konfisziert. Erst 1811 wurde Lichtenau vollständig rehabilitiert, nachdem sie – auf Intervention von Napoleon – für ihr enteignetes Vermögen in Teilen entschädigt worden war und nach Berlin zurückkehren durfte. Neun Jahre später starb sie in Berlin.

Wir gehen nun am Ufer entlang bis zur Hausnummer 16/17.

Station 11: Charlottenburger Ufer 16/17

Hier standen bis 1996 die Heliowatt-Werke, ein Unternehmen zur Produktion von Mess- und Regelungstechnik. 2016 wurde aus dem Fabrikgebäude und neuen Anbauten ein Wohnensemble mit 57 Wohneinheiten: Industrielofts, Townhouses mit Garten, Neubauwohnungen, wie wir sehen mit Spreeblick, und Penthouses. Die Wohnungen sind zwischen 60 m² und 250 m² groß. Der Entwickler war die Münchner Firma H’Group, Architekt Oliver Collignon.

Nun kommen wir zu unserer letzten Station, der russisch-orthodoxen Kirche „Schutz der Gottesmutter“. Dazu überqueren wir die Wintersteinstraße.

Station 12: Wintersteinstraße / Russisch-orthodoxe Kirche „Schutz der Gottesmutter“

Ich begrüße ganz herzlich Erzpriester André Sikojev, der uns hier in seine Kirche eingeladen hat. Wir freuen uns sehr darüber. Ich möchte nun gar nichts weiter dazu sagen, sondern übergebe das Mikrofon gleich Herrn Sikojev, der uns alles zur russisch-orthodoxen Gemeinde hier in Charlottenburg-Wilmersdorf und dem Gotteshaus sagen wird, in dem vorher eine Kindertagesstätte untergebracht war.