196. Kiezspaziergang

Vom Platz am Wilden Eber zum Roseneck

Mit Bezirksstadträtin Heike Schmitt-Schmelz

Bildvergrößerung: Kartenskizze 196. Kiezspaziergang 14.04.2018
Kartenskizze 196. Kiezspaziergang 14.04.2018
Bild: BA CW, ML

Treffpunkt: Platz am Wilden Eber / Rheinbabenallee / Ecke Pücklerstraße

Herzlich willkommen zu unserem 196. Kiezspaziergang. Ich bin Heike Schmitt-Schmelz, Stadträtin für Jugend, Familie, Bildung, Sport und Kultur. Da Herr Naumann heute verhindert ist, werde ich Sie heute durch einen Teil Schmargendorfs führen. Wir beginnen hier an der Rheinbabenallee / Ecke Pücklerstraße, wo zwei interessante Häuser stehen, ehe uns unser Weg durch die Pücklerstraße zur Villa Gerstenberg führt, einem bedeutenden Beispiel großbürgerlicher Lebensverhältnisse am Anfang des 20. Jahrhunderts. Das Haus hat zudem eine interessante Geschichte. Davor steht das Haus der Tochter von Otto Gerstenberg, das von Hans Scharoun gebaut wurde. Wir gehen dann durch den Messelpark zur Villa Riefenstahl. In der Rheinbabenallee werden wir weitere interessante Villen sehen können. Der Kiezspaziergang endet am Roseneck.

Doch bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen noch Zeit- und Treffpunkt des Kiezspaziergangs im Mai nennen, der durch den Charlottenburger Kiez führen wird. Der Treffpunkt ist am Samstag, den 12. Mai, um 14 Uhr am nordöstlichen Ausgang des U-Bahnhofs Bismarckstraße. Der Spaziergang wird durch die Wilmersdorfer Straße führen: an Rogacki, Wilhelm Hoeck und dem Weinhaus vorbei. Von dort aus geht es dann zur Arno-Fuchs-Schule und zum Schwimmbad Krumme Straße. Auf der Otto-Suhr-Allee gegenüber dem Rathaus steht die Gedenkstele für den Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld, der vor 150 Jahren geboren wurde. Er gründete das weltweit erste Institut für Sexualwissenschaften und war Mitbegründer der ersten Homosexuellenbewegung. Zum Schluss kann noch die alte Magistratsbibliothek zu Charlottenburg (heute: Verwaltungsinformationszentrum) im Rathaus besichtigt werden.

Station 1: Platz am Wilden Eber / Rheinbabenallee / Ecke Pücklerstraße

Platz am Wilden Eber, Kiezspaziergang 14.4.2018
Platz am Wilden Eber, Kiezspaziergang 14.4.2018
Bild: BA-CW, ML

Station 1.1: Platz am Wilden Eber / Rheinbabenallee / Ecke Pücklerstraße
Wir stehen hier auf dem Platz am Wilden Eber an der südlichen Bezirksgrenze. Seinen märchenhaften Namen hat er aufgrund einer Anekdote. 1885 soll im Biergarten „Zur Waldschänke“ zum Schrecken der Gäste ein wilder Eber aufgetaucht sein. Der Wirt erschoss ihn und nannte fortan sein Restaurant „Gasthaus zum Wilden Eber“. In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts entstand dann die Bronzeplastik auf der Mittelinsel. Bildhauer war Paul Gruson, geboren 1895, gestorben 1969. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie, wie viele andere Buntmetall-Skulpturen, zu Waffenzwecken eingeschmolzen. 1961 wurde ein Nachguss auf einem Waschbetonsockel aufgestellt.

Station 1.2: Rheinbabenallee 46/48 / Ecke Pücklerstraße
An der Ecke hier steht das sogenannte Dreiblock-Typenhaus. Das zweigeschossige Dreifamilienhaus wurde 1922-1923 von Peter Großmann gebaut. Es besteht aus drei Baukörpern mit steilen Satteldächern und ist einem dreistrahligem Stern nachempfunden. Es steht heute unter Denkmalschutz. Bauherr war die Warnemünder Landhaus GmbH.

Station 1.3: Rheinbabenallee 44
Links davon steht ein Einfamilienhaus. Es wurde 1921 von den Architekten Bertrand und Salinger entworfen und 1953 umgebaut. Auch dieses Haus steht unter Denkmalschutz.

Station 1.4: Rheinbabenallee / Herkunft des Namens
Wie wir im weiteren Verlauf des Spaziergangs sehen werden, befinden wir uns hier im Viertel der preußischen Minister, zumindest, was die Straßennamen angeht. Dies liegt daran, dass das Staatsgut, was hier vormals lag, vom preußischen Finanzministerium verwaltet wurde. Georg Freiherr von Rheinbaben war zuerst, nämlich 1899 bis 1901, preußischer Innenminister und dann von 1901 bis 1910 als Finanzminister Nachfolger von Johannes von Miquel, durch dessen Straße wir nachher noch spazieren.

Station 1.5: Pücklerstraße / Herkunft des Namens
Wir sind soeben durch die Pücklerstraße gegangen. Sie ist seit 1905 nicht, wie viele vielleicht vermuten, nach dem Grafen Hermann von Pückler-Muskau benannt, sondern nach dem preußischen Landwirtschaftsminister Erdmann Graf von Pückler. Erdmann Graf von Pückler wurde 1792 geboren und starb 1869. In den Jahren 1849 und 1850 war er Mitglied der ersten Kammer des preußischen Landtags und ab 1854 Mitglied des Herrenhauses. Das Amt des Landwirtschaftsministers hatte er von 1858 bis 1862 inne.
Bei dem Namen Pückler ist mir übrigens als erstes das Fürst-Pückler-Eis eingefallen. Diese Straße wurde zwar nicht nach dem Grafen Pückler-Muskau benannt, aber dafür das leckere Eis.

Wir gehen nun in die Pücklerstraße und treffen uns wieder in der Miquelstraße vor dem Haus Nummer 39 B.

Station 2: Miquelstraße 39 B

Station 2.1: Miquelstraße / Herkunft des Namens
Die Miquelstraße wurde, ebenfalls 1905, nach dem Politiker Johannes von Miquel benannt. Er wurde 1828 in Neunhaus in Niedersachsen geboren und starb 1901 in Frankfurt am Main. Er war zunächst Anhänger der kommunistischen Ideologie und pflegte persönliche Beziehungen zu Karl Marx 1848 beteiligte er sich an der demokratischen Studentenbewegung. Nach dem Studium ließ er sich ab 1854 als Rechtsanwalt in Göttingen nieder und ging zum Liberalismus über. 1867 war er einer der maßgeblichen Gründer der Nationalliberalen Partei. Von 1867 bis 1882 gehörte er der Zweiten Kammer, dem Preußischen Abgeordnetenhaus, und von 1882 bis 1890 der Ersten Kammer, dem Herrenhaus, an. Er trat für eine aktive deutsche Kolonialpolitik ein.
Von 1890 bis 1901 war er preußischer Finanzminister. Er entwickelte ein revolutionäres Steuersystem mit den Elementen Einkommensteuer, Vermögensteuer und Gewerbesteuer, das in seinen Grundzügen heute noch gültig ist. Mit dem neuen Einkommensteuergesetz wurde die bis dahin gültige Einteilung der Steuerpflichtigen in Klassen, die jeweils den gleichen Steuerbetrag zu zahlen hatten, abgeschafft und durch einen progressiven Steuertarif ersetzt. Dieser war allerdings noch nicht mit unseren heutigen Steuersätzen vergleichbar: Der Steuersatz der Einkommensteuer begann bei ungefähr 0,6 Prozent und stieg bis auf nur 4 Prozent für Jahreseinkommen über 100.000 Mark.

Station 2.2: Miquelstraße 39 B / Villa Scharf
Wir kommen gleich noch zu der gewaltigen Villa von Otto Gerstenberg, dem Kunstsammler dessen Schätze wir in Charlottenburg im östlichen Stülerbau vor dem Schloss Charlottenburg in der Sammlung Scharf-Gerstenberg bewundern können. Seine Tochter Margarete Scharf ließ sich 1938 nach dem Tod ihres Vaters von Hans Scharoun ein Doppelwohnhaus für sich und eine Freundin im rückwärtigen Teil des Parks erbaut, vor dem wir nun stehen. Es ist ein zweigeschossiges Landhaus. Die Straßenfront ist durch drei kleine, überdachte Dreiecksfenster sowie zwei aneinander grenzende Giebel geprägt. Die straßenseitig untergebrachten Wirtschaftsräume sind streng geometrisch angelegt. Im Gegensatz dazu ist die Raumaufteilung auf der Südseite freier gestaltet. Alle Geschosse sind durch eine Halle verbunden. Die Villa hat ein in der NS-Zeit von der Baubehörde vorgeschriebenes Steildach. Ein abgewinkeltes Wohnzimmer fasst eine Terrasse mit Garten ein. Dieser wurde von Hermann Mattern gestaltet. Hermann Mattern war einer der wichtigsten Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts. Er wurde 1902 geboren und starb 1971. Nachdem er 1927 das Studium abgeschlossen hatte, übernahm er in Potsdam-Bornim die Leitung der Entwurfsabteilung im Büro von Karl Foerster und Herta Hammerbacher, die uns gleich noch einmal bei einer anderen Gartenanlage begegnen wird. Typisch für seine Gestaltung war die Bildung von Räumen durch Modellierung des Geländes, meist durch Aufschüttungen. Zudem war für ihn der Dialog zwischen den Gebäuden und dem Garten wichtig [ich zitiere]:

Mensch und Garten stehen in belebender Wechselbeziehung. Das Haus des Menschen und der Garten des Menschen können, um belebend und unmerkbar eindringlich zu funktionieren, nicht zueinander addiert sein, sondern müssen sich gegenseitig vollkommen ergänzen.

Er entwickelte Ortsplanungen, Städtebauprojekte, führte aber auch diverse Objektplanungen im Landschaftsbau durch. Er war auch für mehrere Gartenschauen verantwortlich. Der Nachlass Mattern befindet sich im Archiv der TU Berlin.

Station 3: Miquelstraße 42 / Landhaus Dr. Werner

Das Haus wurde 1934 von Hans Köhler für den Literatur- und Kunsthistoriker Bruno Erich Werner gebaut. Es steht unter Denkmalschutz. Hans Köhler wurde 1907 in Berlin geboren und starb Mitte der 50er-Jahre. Er studierte bei Peter Behrens und Hans Poelzig. Bis 1945 arbeitete er in Berlin und zog dann nach Hessen, wo er unter anderem das Staatstheater in Darmstadt baute.
Der Bauherr des Hauses, Bruno E. Werner, wurde 1896 in Leipzig geboren und starb 1964 in Davos. Bruno E. Werner war sehr erfolgreich als Journalist, Publizist und Schriftsteller. Er war ein Anhänger der neuen Sachlichkeit und des Expressionismus und der avantgardistischen Kunst. Trotzdem versuchte er, in der Zeit des Nationalsozialismus mit seiner Arbeit fortzufahren. Nach dem Krieg übernahm er von Erich Kaestner die Leitung des Feuilletons der Neuen Zeitung. Ab 1952 fungierte er als Botschaftsrat und Kulturattaché in den USA. Während seiner bis 1961 andauernden Tätigkeit in der Botschaft organisierte er am Museum of Modern Art in New York eine große Ausstellung deutscher expressionistischer Kunst. 1957 erfolgte die Veröffentlichung seines zweiten Romans Die Göttin, der Werners Erfahrungen im Spannungsfeld von persönlicher Erfahrung, Kunsthandel und politischen Ränkespielen aufgreift.

Wir gehen nun bis zur nächsten Straße, biegen links in die Hammersteinstraße ein und treffen uns wieder vor der Hauptfassade der Villa Gerstenberg.

Station 4: Hammersteinstraße 20

Villa Gerstenberg, Kiezspaziergang 14.4.2018
Villa Gerstenberg, Kiezspaziergang 14.4.2018
Bild: BA-CW, ML

Station 4.1: Hammersteinstraße 20 / Villa Gerstenberg
Wir haben soeben das doch beachtliche Areal der Villa Gerstenberg umrundet, die der Versicherungsunternehmer Otto Gerstenberg für sich und seine Familie von 1903 bis 1904 bauen ließ. Otto Gerstenberg wurde 1848 geboren und starb 1935 in Berlin. Er studierte Mathematik und Philosophie und begann 1873 seine berufliche Karriere als Versicherungsmathematiker bei der Allgemeinen Eisenbahn-Versicherungs-Gesellschaft. Das Unternehmen änderte bereits zwei Jahre später den Namen in Victoria zu Berlin Allgemeine Versicherungs-Actien-Gesellschaft, um die Ausweitung der Geschäftsfelder zu berücksichtigen. Gerstenberg entwickelte neue Versicherungstarife und trug so zum Erfolg des Unternehmens bei. 1888 stieg er ins Direktorium der Versicherung auf und wurde 1901 Generaldirektor. Unter seiner Leitung wurde die Victoria zur führenden deutschen Lebensversicherungsgesellschaft, 1997 fusionierte sie zur Ergo Versicherungsgruppe, die es heute noch gibt. Als Gerstenbergs wichtigste Innovation in der Versicherungswirtschaft gehört die Einführung der Lebensversicherung als Volksversicherung in Deutschland. Er führte als Unternehmer bemerkenswerte soziale Leistungen für die Angestellten der Victoria zu Berlin ein. Hierzu zählten ab 1903 der arbeitsfreie Samstagnachmittag, ab 12.00 Uhr, und wenig später die Einrichtung einer Werksküche.

Gerstenberg besaß eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Seine Sammlung wurde teilweise im Zweiten Weltkrieg zerstört, andere Teile befinden sich als sogenannte „Beutekunst“ in den großen russischen Museen. Der Rest verblieb erst einmal in Familienbesitz. Die Söhne von Margarethe Scharf, also Gerstenbergs Enkel, Walter und Dieter Scharf, führten die Sammlung weiter. Dieter Scharf sammelte vor allem symbolistische und surrealistische Kunst. Die Sammlung Scharf-Gerstenberg wird seit 2008 im östlichen Stülerbau vor dem Schloss Charlottenburg gezeigt.

Architekt der Villa hier war Carl Vohl. Carl Vohl wurde 1853 geboren und starb 1932. Zwischen 1895 und 1918 war er als Architekt und Baubeamter in Berlin tätig, u.a. baute er das Kammergericht in der Elßholzstraße und das Kriminalgericht in Moabit.
Die Villa Gerstenberg ist in einem zurückhaltenden neobarocken Stil gehalten. Sie dokumentiert die großbürgerlichen Lebensverhältnisse in der deutschen Kaiserzeit.

Wie in der Erläuterung des Landesdenkmalamts steht [ich zitiere]:

[…] waren die Schwerpunkte der Gestaltung beim Außenbau die Abstimmung der Proportionen von Villa und Parkgrundstück, die […] Austarierung der Gebäudeteile und die abwechslungsreiche und lebendige Öffnungsstruktur in Bezug auf den inneren Organismus des Gebäudes.
[Carl Vohl] hielt sich bei seinem Entwurf [zwar] an den gängigen Villentyp, fasste das Gebäude jedoch malerisch auf und entwickelte es von Innen und Aussen, was zu einer lebendigen, an allen vier Seiten unterschiedlichen Fassadenabwicklung führte. Der verputzte Hauptbaukörper erhebt sich über einer beinahe quadratischen Grundfläche. Der Architekt erklärte, dass er, um das große Grundstück beherrschen zu können, eine beträchtliche Höhenentwicklung des Hauses erreichen musste. Daher besitzt es einen hohen Rustikasockel aus Kalkstein, dessen Podestwirkung durch die Absenkung des […] Parks noch gesteigert wird.

Für seine Kunstsammlung ließ Otto Gerstenberg von 1908 bis 1909 von demselben Architekten an der Ostseite eine zweistöckige Galerie mit einem Oberlichtsaal im Obergeschoss errichten. Der Oberlichtsaal existiert nicht mehr, aber der frühere Torbogen ist noch sichtbar.

Die Villa Gerstenberg wurde ab 1946 als Privatkrankenhaus genutzt. Erhalten blieben aber der Eingangsbereich der Villa und die imponierende zweistöckige zentrale Halle. Die Villa wurde inzwischen verkauft. Im Moment wird sie wieder in ihre ursprüngliche Nutzung als Villa überführt. Die Villa und der Park stehen unter Denkmalschutz. Die Teile der ursprünglichen Villa, die noch erhalten sind, werden bei dem Umbau denkmalgerecht erhalten.

Station 4.2. Hammersteinstraße / Herkunft des Namens
Hans Christian Friedrich Wilhelm Freiherr von Hammerstein-Loxten wurde 1843 in Lüneburg geboren und starb 1905 in Berlin. Er war von 1901 bis zu seinem Tod preußischer Innenminister.

Station 4.3. Bernadottestraße / Herkunft des Namens
Wir überqueren gleich die Bernadottestraße. Sie wurde 1952 nach Graf Folke Bernadotte benannt. Bernadotte wurde 1895 in Stockholm geboren. Er war der Neffe des schwedischen Königs Gustav V. 1943 wurde er Vizepräsident des schwedischen Roten Kreuzes, später dann Präsident. Während des Zweiten Weltkrieges leitete er humanitäre Hilfsprogramme für Flüchtlinge aus Deutschland und den besetzten Gebieten. Er verhandelte mit Heinrich Himmler erfolgreich über die Freilassung der skandinavischen KZ-Häftlinge. Zusätzlich zu ca. 8.000 Häftlingen skandinavischer Herkunft wurden im Rahmen dieser Mission, die als Aktion die „Weißen Busse“ in die Geschichte eingegangen ist, etwa 10.000 bis 12.000 Häftlinge anderer Nationalitäten vor allem aus Ravensbrück und Theresienstadt nach Schweden gebracht. 1948 vermittelte er im Auftrag der UNO im Palästinakonflikt einen Waffenstillstand. Dies führte zu einem Attentat gegen ihn, bei dem er am 17. September desselben Jahres von Angehörigen der jüdischen Gruppe Lechi in Jerusalem erschossen wurde.

Station 4.4. Messelpark
Der Messelpark erstreckt sich über Schmargendorf und Dahlem. Wie man unschwer erkennen kann, ist es ein naturbelassener Park mit vielen Bäumen und Sträuchern, die fast ein Dickicht bilden. Der Park ist nach dem Architekten Alfred Messel benannt. Alfred Messel wurde 1853 geboren und starb 1909 in Berlin. Messel baute gleichermaßen großbürgerliche Villen als auch Miethäuser. Bekannt wurde er durch seine Warenhäuser, dazu gehörten das Wertheim in der Oranienstraße und das am Leipziger Platz. Er wandte sich dabei von der historisierenden Architektur ab und gliederte die Fassade vertikal mit Pfeilern, was der inneren Funktion entsprach. Das Warenhaus Wertheim am Leipziger Platz wurde dadurch zu einer Inkunabel der modernen Architektur. Anfang 1907 wurde Messel offiziell zum Architekten der Königlich Preußischen Museen ernannt und beschäftigte sich daraufhin bis zu seinem Tod mit der Planung eines Neubaus für das Deutsche Museum, das Pergamonmuseum und das Vorderasiatische Museum in Berlin. In Charlottenburg hatte Messel 1907 bis 1909 das Kaiserin-Auguste-Victoria-Haus, das neobarocke Säuglingsheim im Heubnerweg, gebaut, in dem heute die Europäische Wirtschaftshochschule ihren Sitz hat. Der Nachlass von Alfred Messel ist im Architekturmuseum der Technischen Universität Berlin, das Sie ja im Januar 2016 besucht haben.

Wir überqueren nun die Bernadottestraße, durchqueren diagonal den Park und treffen uns in der Heydenstraße vor der Hausnummer 30, der Villa von Leni Riefenstahl, wieder.

Station 5: Heydenstraße 30 / Villa Riefenstahl

Die Regisseurin und Fotografin Leni Riefenstahl lebte mehr als hundert Jahre, sie wurde 1902 geboren und starb 2003. Als Regisseurin nutzte sie neue Montagetechniken, eine ungewöhnliche Kameraführung und suggestive musikalische Untermalung. Sie war eine innovative Regisseurin, die ihre Kunst für Propagandafilme des NS-Regimes einsetzte, darunter Dokumentarfilme zu den Reichsparteitagen, den Olympischen Spielen 1936 und den Angriff auf Polen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie dennoch nur als Mitläuferin eingestuft. Später wurde sie als Fotografin bekannt, insbesondere durch Fotografien der Nuba im Sudan.

1935 bis 1936, auf dem Höhepunkt ihrer Karriere also, ließ sie sich das Landhaus hier bauen. Architekten waren Hanns Ostler und Ernst Petersen, den letzteren kannte sie aus ihrer Zeit als Schauspielerin in Bergfilmen. Hanns Ostlers Gebäude waren ihr in Garmisch-Partenkirchen aufgefallen. So erinnern einige Gestaltungsmerkmale der Villa an Häuser im Voralpenland, wie die flache Neigung des Daches oder die Klappläden an den Fenstern zur Gartenseite. Es gibt aber auch moderne Elemente, wie zum Beispiel die große Verglasung der Eingangshalle. Der Wohnraum zur Gartenseite hatte hohe Fenster, die den Raum optisch mit der angrenzenden Terrasse und dem Garten verband. Er konnte mithilfe eines kleinen angrenzenden Raumes für den Filmprojektor leicht zu einem privaten Kinosaal werden. Ebenfalls im Erdgeschoss befanden sich die Arbeitsräume und das Archiv mit Fenstern zur Straßenseite. Im Obergeschoss waren neben Bad, Schlafzimmer, Gästezimmern und Gästebad ein Ankleidezimmer und ein Nähzimmer vorgesehen. Im Keller befanden sich die Dunkelkammer und eine Bauernstube. Der Garten der Villa wurde von Heinrich Wiepking-Jürgensmann entworfen. Durch den nicht sehr dichten Baumbestand auf ebener Rasenfläche entstand ein zur Umgebung offener Eindruck mit Bezug zu den Nachbargrundstücken.

Leni Riefenstahl verkaufte die Villa kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. In den 50er-Jahren wurde das Gebäude von dem Architekten Franz Sobotka leicht umgebaut. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.

Wir gehen nun zurück durch den Messelpark und treffen uns an der linken Ecke Heydenstraße / Bernadottestraße wieder.

Station 6: Bernadotte- / Ecke Heydenstraße

Station 6.1: Spielplatz im Messelpark
Der Spielplatz im Messelpark ist für größere und kleinere Kinder gedacht. Die südliche Seite ist eher für kleinere Kinder, die nördliche für größere. Es gibt eine Kletterkombinationen, Schaukeln, Spielhäuschen und Rutschbahnen.

Station 6.2: Heydenstraße 21 / Stolperstein für Ilse Gérard
Hier an der Ecke wurde 2016 ein Stolperstein für Ilse Gérard verlegt. Spender war ihr Großneffe Alexander Gérard.

HIER WOHNTE
ILSE GÉRARD
JG. 1885
SEIT 1905 PATIENTIN
IN VERSCHIEDENEN
HEILANSTALTEN
‘VERLEGT’ 25.5.1943
WAHRENDORFF’SCHE ANSTALT
ILTEN
ERMORDET 13.1.1945

Das Haus hier in der Heydenstraße 21 wurde von Ilse Gérards Vater gebaut. Ihre Mutter wohnte weiter in dem Haus. Nachdem sie 1919 im Sanatorium Grunewald gestorben war, verkauften die Erben das Anwesen.
Alexander Gérard schreibt dazu:

Seit etwa ihrem 18. Lebensjahr war Ilse Gérard immer wieder wegen psychischer Störungen in Berlin in Behandlung. Im Alter von 20 Jahren wurde sie mehrere Jahre im Kanton Tessin in der Schweiz behandelt, anschließend mehrere Jahre in einer Klinik am Bodensee, ab 19.6.1935 in den Kuranstalten Westend in der Nußbaumallee 30-38, also in räumlicher Nähe zu der Familie in Berlin.
Am 25. Mai 1943 wurde sie ohne Wissen der Familie nach Ilten in die Wahrendorff’sche Klinik verlegt. Dort wurde sie – wiederum ohne Wissen der Familie und gegen den Widerstand ihres Vormundes, dem Rechtsanwalt Dr. Möhring – auf behördliche Anweisung am 15.8.1944 von der Abteilung für Privatpatienten (Ilse Gérard verfügte dank der Familie über eigenes Einkommen) in die Abteilung III. Klasse verlegt, wo sie am 13. Januar 1945 gemäß ihrer Krankenakte, die im Niedersächsischen Landesarchiv aufbewahrt wurde, an Marasmus starb. Das heißt: man ließ sie verhungern und verdursten.

Station 6.3: Heydenstraße / Herkunft des Namens
Die Heydenstraße wurde 1905 nach Wilhelm von Heyden benannt. Er wurde 1839 in Stettin geboren und starb 1920. Er war Mitglied der Deutschkonservativen Partei und gehörte von 1877 bis 1888 dem Preußischen Abgeordnetenhaus an. Von Heyden war von 1890 bis 1894 Staatsminister für Landwirtschaft, Domänen und Forsten.

Wir gehen nun bis zur Miquelstraße, biegen rechts in sie ein und treffen uns wieder vor dem Haus Nummer 23.

Station 7: Miquelstraße 23

Miquelstraße 23, Kiezspaziergang 14.4.2018
Miquelstraße 23, Kiezspaziergang 14.4.2018
Bild: BA-CW, ML

Das Haus wurde 1936/1937 von Fritz August Breuhaus de Groot gebaut. Nach einem Eigentümerwechsel 1957 wurde der Garten auf knapp 4000 m² erweitert und die Landschaftsarchitektin Herta Hammerbacher mit dem Entwurf beauftragt. Hammerbacher gehörte zu den großen Landschaftsarchitekten des 20. Jahrhunderts. Sie lebte von 1900 bis 1985 und war lange Zeit Professorin an der TU Berlin. Der Garten sieht im Moment leider etwas verwahrlost aus, als würde er gerade instandgesetzt.

Das Gebäude liegt etwa einen Meter über dem Straßenniveau und nimmt fast die ganze Grundstücksbreite ein, dadurch riegelt es den hinteren Garten ab, den wir deshalb auch nicht sehen können. Die Terrasse erstreckt sich ebenfalls über die gesamte Grundstücksbreite. Der Garten selbst liegt etwas tiefer. Typisch für ihre Gestaltung war die Bildung von Räumen durch Modellierung des Geländes, meist durch Mulden. Ihr Spitzname war deshalb Mulden-Herta. Wir waren ja eben bei der Villa von Margarete Scharf, deren Garten von Hermann Mattern konzipiert worden war. Wir hatten dort auch gehört, dass er den Garten mit Aufschüttungen gliederte, deshalb wurde er schalkhaft Hügel-Hermann genannt. Die beiden waren übrigens mehrere Jahre verheiratet. Kommen wir aber zurück zu dem Garten von Herta Hammerbacher: Im Garten ist sowohl der landschaftsbezogene Charakter mit der Raumstruktur, den feinen Bodenmodellierungen, dem Teich, den Bäumen und Sträuchern als auch Wege und Natursteinmauern erhalten. Der Garten steht unter Denkmalschutz. Beim Kiezspaziergang im Januar letzten Jahres haben wir von Hammerbacher den Vorgarten am Architekturgebäude der TU gesehen, der ebenfalls unter Denkmalschutz steht.

Wir gehen nun wieder zurück zur Heydenstraße, biegen links in sie ein, überqueren die Rheinbabenallee und treffen uns wieder links vor der Hausnummer 20.

Station 8: Rheinbabenallee 20

Station 8.1: Kindertagesstätte Schatzinsel
Die Kindertagesstätte gehört zum Eigenbetrieb Nordwest. Sie hat Plätze für 110 Kinder. Der Garten hat 3000 m², die Innenfläche beträgt mehr als 300 m². In der Kita wird großen Wert auf die Erziehung zur Mitsprache und Mitgestaltung der Kinder im Alltag gelegt und damit auch zu Kritik und Selbstkritik. Auch das Entwickeln von Konfliktlösungen ist ein Schwerpunkt. Zudem gibt es Sprachförderung für alle, bei Bedarf zusätzlich in kleinen Fördergruppen. Für alle Kinder gibt es eine Sportstunde in der Woche, für Kinder ab 3 Jahren wird Yoga angeboten und für die Vier- bis Fünfjährigen Schwimmen. Die älteren Kinder werden gezielt auf den bevorstehenden Besuch der Schule vorbereitet.

Station 8.2: Rheinbabenallee 18
Links hinter mir steht ein Landhaus, das 1927 von dem Architekten Peter Großmann gebaut wurde. Am Anfang unseres Spaziergangs hatten wir schon das Dreitypenhaus von ihm gesehen. Sie werden unschwer erkennen, dass es aus den 20er-Jahren stammt. Das Haus steht unter Denkmalschutz. Seit 2015 wird die Villa von der Privatklinik für Plastische und Ästhetische Chirurgie genutzt.

Station 8.3: Rheinbabenallee 14 / Landhaus Schröder
Wenn wir nun zum Betty-Hirsch-Platz gehen, werden Sie zur Rechten eine große weiße Villa sehen. Das ist das Landhaus Schröder. Es wurde kurz vor dem Ersten Weltkrieg von Heinrich Straumer für den Bauherrn Ludwig Schröder entworfen. Heinrich Straumer ist uns schon mehrfach auf Kiezspaziergängen begegnet. Er hat zum Beispiel den Funkturm gebaut, das „Deutschlandhaus“ am Theodor-Heuss-Platz und die Kirche zum Heiligen Kreuz in der Nassauischen Straße.

Station 9: Betty-Hirsch-Platz

Palästinensische Mission in Deutschland, Kiezspaziergang 14.4.2018
Palästinensische Mission in Deutschland, Kiezspaziergang 14.4.2018
Bild: BA-CW, ML

Station 9.1: Rheinbabenallee 8 / Palästinensische Mission in Deutschland
In der Rheinbabenallee gibt es zahlreiche Botschaften. Wir stehen hier nun vor der Palästinensischen Mission, die zwar als diplomatische Vertretung fungiert, aber keine Botschaft im eigentlichen Sinn ist. Sie übernimmt aber in weiten Teilen die Funktionen und Aufgaben einer offiziellen Gesandtschaft. Zu ihren Aufgaben gehören die Vertretung der palästinensischen Interessen in der Bundesrepublik sowie die Pflege und Ausweitung der bilateralen Beziehungen. Derzeitige Botschafterin ist Chulud Daibes. Am 15. November 1980 wurde der Staat Palästina in Algier von der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) ausgerufen. Die Staatlichkeit ist aber international sehr umstritten. Seit 1988 haben 136 Staaten Palästina als souveränen Staat anerkannt. Voraussetzung für eine mögliche Anerkennung durch die Bundesrepublik Deutschland wäre ein Friedensvertrag zwischen Israel und Palästina. Deutschland favorisiert wie die meisten Staaten der Welt eine Zweistaaten-Lösung. Die Europäische Union unterstützt die die palästinensischen Gebieten mit mehr als 800 Millionen Dollar im Jahr. Neben Infrastrukturmaßnahmen werden mit dem Geld Bildungsprogramme finanziert. Deutschland beteiligt sich mit etwa 100 Millionen Dollar.

Station 9.2: Betty-Hirsch-Platz
Am 8.3.2008 haben wir nach einem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung den bis dahin namenlosen Platz zwischen Rheinbabenallee und Hundekehlestraße nach der erblindeten dänisch-deutsch-jüdischen Sängerin und Pädagogin benannt, die 1914 die erste Kriegsblindenschule in Berlin gegründet hatte. Sie wurde 1873 in Hamburg geboren und starb 1957 in Berlin. Mit zwölf Jahren stürzte sie von einem Stuhl und fiel auf ihr Gesicht. Damit begann ihre Erblindung. Aufgrund der großen Schwierigkeiten, auf die sie in der Welt der Sehenden durch ihre Erblindung stieß, begann sie sich, beim Aufbau einer unabhängigen Blindenschule zu engagieren. Ihr besonderes Verdienst war, für blinde Menschen, vor allem für im Krieg erblindete Menschen, eine Umschulung zu entwickeln und sie dann in Industriebetriebe und in die Verwaltung zu vermitteln. Als Konzertsängerin konnte sie gemeinsam mit ihrem Pianisten Erfolge feiern.

Station 9.3: Ältestes Wohnhochhaus Berlins
Das 15-geschossige Wohnhochhaus wurde 1954 bis 1955 von Franz Heinrich Sobotka und Gustav Müller über einem Y-förmigem Grundriss gebaut, der allen Wohnungen mindestens ein nach Süden ausgerichtetes Zimmer garantiert. In der Mitte befinden sich die Treppenhäuser, Aufzüge und technischen Einrichtungen. Der Stahlbetonbau hat eine Außenhaut aus Ziegelsplitt, der aus Trümmerschutt gewonnen wurde, und Gasbetonplatten. Nach den hier gemachten Erfahrungen entstanden in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Bauten mit Ziegelsplittfassaden.

Die Wohnungen haben ein bis drei Zimmer und eine Fläche von 32 bis 81 m². Außer den Einzimmerwohnungen besitzen alle einen Wintergarten. In den Dreizimmerwohnungen können die Küchen durch Öffnen von Schiebetüren in den Wohnraum mit einbezogen werden.

Wir gehen nun über den Hohenzollerndamm und treffen uns am Roseneck wieder.

Station 10: Roseneck

Station 10.1: Roseneck
Wir befinden uns hier am Roseneck. Am Roseneck treffen das eher kleinstädtische Schmargendorf und die großbürgerliche Villenkolonie Grunewald aufeinander. Um 1900 befand sich hier die Endhaltestelle verschiedener Linien der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft. Zwischen Hagenstraße und Teplitzer Straße wurde eine Kehre für die Straßenbahnen angelegt. Der dabei entstandene Platz wurde mit Rosen angelegt und erhielt den Namen Roseneck.

Station 10.2: Hohenzollerndamm 92-94 / Haus Haenel
Der große rote Gebäudekomplex mit Geschäften und Wohnungen ist das Haus Haenel. Es wurde für Julius Haenel 1923 bis 1924 von dem Architekten Hans Altmann entworfen. Das Ensemble steht unter Denkmalschutz.

Station 10.3: Botschaft des Emirats Katar
Schräg gegenüber in der Hagestraße 56 steht das Gebäude der Botschaft des Emirats Katar. Katar gehört zu den arabischen Golfstaaten und ist derzeit pro Kopf das materiell reichste Land der Welt. Es ist ein sehr kleines Land und bemüht sich um eine Anerkennung als internationaler Player. So ist und war es Veranstaltungsort von zahlreichen internationalen Events, wie zum Beispiel den Asiatischen Spiele 2006 oder der Fußballweltmeisterschaft 2022. Namhafte Architekten und Architektinnen bauen in Katar. So wird am 17. April offiziell die Nationalbibliothek eröffnet, die von Rem Kolhaas entworfen und von Claudia Lux, der ehemaligen Direktorin der Zentral- und Landesbibliothek Berlin, aufgebaut wurde. Der Entwurf des Museums für islamische Kunst stammt von I.M. Pei. Das Gebäude der Botschaft vor uns entspricht dem landläufigen katarischen Stil für Villenarchitektur. Es hat ungefähr 18 Millionen Euro gekostet. Hier ein Zitat aus der Berliner Zeitung:

2.300 Quadratmeter soll die Botschaft haben, dazu zählen auch zwei Villen an den beiden Enden des Baus, die Botschaftsangestellte beherbergen sollen. Das Imposanteste ist sicherlich der Speisesaal mit dem venezianischen Putz und den Säulen. Wer zu Gast beim Botschafter ist, kann im Hauptgebäude übernachten. Die zwei Gästewohnungen rechts und links des Turms sind durch einen Wandelgang miteinander verbunden. Die Fassade schmückt abgeschliffener spanischer Granit, der glänzt wie grauer Marmor.

Katar hat 2,7 Millionen Einwohner, davon sind aber nur ungefähr 300.000 Einheimische. Die meisten sind Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen. Katar steht oft in der internationalen Kritik wegen seiner schlechten Arbeitsbedingungen. Auf der anderen Seite hat es ein vorbildliches Gesundheits- und Bildungssystem für alle. Katar verfügt über das größte zusammenhängende Erdgasvorkommen der Welt.

Auf dem Grundstück der katarischen Botschaft stand früher eine andere Villa, die ab 1932 von der Pädagogin Toni Lessler als Schule genutzt wurde. Toni Lessler wurde 1874 in Bückeburg geboren. 1902 kam sie nach Berlin und richtete Schulzirkel für Kinder mit Förderbedarf ein. Damit war sie so erfolgreich, dass sie sie zu einer Schule ausbaute. 1930 gründete sie in der Brahmsstraße die Private Waldschule Grunewald mit Ganztagsbetreuung. Die Schule war die erste, die nach den pädagogischen Prinzipien von Maria Montessori geführt wurde. In der Schule am Roseneck, wie sie auch genannt wurde, fand der Unterricht für Jungen und Mädchen aller Religionen gemeinsam statt. 1932 zog die Schule in die Villa um. Die Schule wurde 1939 von dem NS-Regime geschlossen. Noch davor emigrierte Toni Lessler mit ihrer Schwester Clara Heine in die USA. Dort starb sie 1952.

Hier endet nun unser Kiezspaziergang. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit Ihnen durch Schmargendorf zu spazieren. Das nächste Mal wird Sie wieder Bezirksbürgermeister Naumann führen, dann durch einen kleinen Teil Charlottenburgs, zwischen Bismarckstraße, Wilmersdorfer Straße und Otto-Suhr-Allee. Der Maispaziergang beginnt am Samstag, den 12. Mai, um 14 Uhr. Treffpunkt ist der nordöstliche Ausgang des U-Bahnhofs Bismarckstraße. Mir bleibt nur noch, mich von Ihnen zu verabschieden. Ich wünsche allseits ein schönes Wochenende und einen guten Nachhauseweg. Auf Wiedersehen!