192. Kiezspaziergang

Vom U-Bahnhof Berliner Straße bis zur Schwedischen Kirche

Mit Bezirksstadtrat Carsten Engelmann

Bildvergrößerung: Kartenskizze 192. Kiezspaziergang, 9.12.2017
Kartenskizze 192. Kiezspaziergang, 9.12.2017
Bild: BA CW, ML

Treffpunkt: U Berliner Straße
Länge : ca. 2 km

Herzlich willkommen zu unserem 192. Kiezspaziergang! Ich bin Carsten Engelmann, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Bezirksstadtrat für Soziales und Gesundheit, und werde Sie heute führen. Wir werden die Prinzregentenstraße entlanggehen und dabei an der Musikschule und dem Seniorenwohnhaus Kleiner Prinz vorbeikommen. Kurz vor dem Volkspark Wilmersdorf befindet sich ein Schulviertel mit vier unterschiedlichen Schulen. Von dort aus gehen wir gehen dann an der Jugendverkehrsschule vorbei über die Bundesallee zum Pflegestützpunkt Wilmersdorf und zum Seniorenzentrum Werner Bockelmann und danach zum Schoeler-Schlösschen. Unser Kiezspaziergang endet in der Schwedischen Kirche, wo wir von Frau Thomas empfangen werden.

Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen Zeit- und Treffpunkt des nächsten Kiezspaziergangs, des ersten im neuen Jahr, nennen, dann wieder mit Bezirksbürgermeister Naumann. Der Spaziergang führt Sie durch einen kleinen, relativ neu erschlossenen Teil Charlottenburgs, wo im Moment sehr viel passiert. Es ist ja in gewachsenen Städten nicht einfach, neue Viertel zu erschließen. Der Treffpunkt ist vor dem Novotel am S-Bahnhof Tiergarten, und zwar am Samstag, den 13.1.18, um 14 Uhr. Sie gehen am Flohmarkt entlang zum Charlottenburger Tor, dann am Ufer des Landwehrkanals entlang, ehe Sie zu den neuen Straßen mit den Namen von Margarete Kühn, Otto Dibelius, Hannah Kaminski und Gutenberg und zum Herbert-Lewin-Platz kommen. Dabei werden Sie auch etwas über die Baustelle von Mercedes Benz erfahren. Der Kiezspaziergang endet bei der Königlichen Porzellan-Manufaktur in der Wegelystraße.

Station 1: U-Bahnhof Berliner Straße

Am U-Bahnhof Berliner Straße kreuzen sich die U-Bahnlinie 9 von Rathaus Steglitz nach Osloer Straße und die U-Bahnlinie 7 von Rudow nach Rathaus Spandau. Der Bahnhof wurde 1971 eröffnet. Er besitzt sowohl eine Rolltreppe als auch einen Aufzug, sodass er barrierefrei ist. Der Bahnhof ist als Turmbahnhof angelegt worden, das heißt die beiden Linien liegen übereinander. Der Bahnhof wurde von Rainer G. Rümmler gestaltet, dieser verwendete dafür rote Wandfliesen. Bei einer umfassenden Sanierung des Bahnhofs im Jahr 1999 wurden diese durch ebenfalls rot gefärbte Emailleplatten ersetzt.

Wir biegen als nächstes rechts in die Prinzregentenstraße ein und treffen uns wieder vor der Hausnummer 23.

Station 2: Prinzregentenstraße 23

Station 2.1: Prinzregentenstraße / Herkunft des Namens
Am 16. März 1888, sieben Tage nach dem Tod von Kaiser Wilhelm I., wurde die damalige Elberfelder Straße zur Erinnerung an dessen Prinzregentenzeit in Prinzregentenstraße umbenannt.

Station 2.2: Prinzregentenstraße 23 / Stolpersteine für Max Gabriel und Bianca Berlowitz
Auf den Stolpersteinen steht:
HIER WOHNTE
MAX GABRIEL
BERLOWITZ
JG. 1879
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
23.10.1944
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

HIER WOHNTE
BIANCA
BERLOWITZ
GEB. WOLLENBERG
JG. 1890
DEPORTIERT 17.3.1943
THERESIENSTADT
BEFREIT / ÜBERLEBT

Max Berlowitz wurde 1879 in Ostpreußen geboren, Bianca Berlowitz 1890 in Westpreußen. Nach der Hochzeit lebten sie in Allenstein (heute Olsztyn [Aussprache: Olschtin]). Max Berlowitz war dort Teilhaber eines großen Warenhauses. 1936 zogen sie nach Berlin, weil sie sich dort sicherer fühlten. Am 17. März 1943 wurden Max und Bianca Berlowitz vom Bahnhof Grunewald mit 1 159 anderen Menschen nach Theresienstadt deportiert, Max Berlowitz später auch nach Auschwitz . Dort wurde er 1944 ermordet. Währenddessen blieb Bianca Berlowitz in Theresienstadt, wo sie Gärtnerin und Pflegerin war. Die Befreiung des Ghettos erlebte sie am 8./9. Mai 1945. Sie lebte noch dreißig Jahre bei ihrer Familie in England und starb 1976. Auf ihrem Grabstein auf dem Jüdischen Friedhof in London ist auch der Name Max Berlowitz eingraviert.

Wir gehen nun auf der anderen Straßenseite weiter bis zum Autohaus Stolarsky.

Station 3: Prinzregentenstraße 71-72

Station 3.1: Prinzregentenstraße 71 / Musikschule
Ich begrüße ganz herzlich meine Bezirksamtskollegin Heike Schmitt-Schmelz, die gleich ein paar Worte an Sie richten wird. Zudem begrüße ich ganz herzlich Herrn Urban, den Geschäftsführer des Kleinen Prinzen hier nebenan in der Prinzregentenstraße 72, und Herrn Holzhauser, den Leiter des Standortes der Musikschule hier in der Prinzregentenstraße. Die Musikschule befindet sich im einzigen Haus, was von der ursprünglichen Carstenn-Bebauung übrig geblieben ist. Man kann hieran noch sehen, wie Johann Anton Wilhelm von Carstenn sich um 1870 die Landhausbebauung in Wilmersdorf vorgestellt hat.
Nun aber Frau Schmitt-Schmelz:

Vielen Dank, Frau Schmitt-Schmelz!

Zu der Geschichte des Hauses und zu Konzept und Programm der Musikschule wird uns jetzt Herr Holzhauser etwas sagen.

Vielen Dank, Herr Holzhauser!

Station 3.2: Prinzregentenstraße 72 / Der kleine Prinz Service-Wohnen mit Pflege
Nun kommen wir zum Kleinen Prinzen. Was verbirgt sich hinter diesem poetischen Namen? Den Kleinen Prinzen gibt es inzwischen seit 1 ½ Jahren. Dort gibt es Wohnungen für 32 Senioren und Seniorinnen, die im Moment auch alle belegt sind. Das Besondere am Kleinen Prinzen ist, dass man nicht umziehen muss, wenn man pflegebedürftig wird, sondern in seiner Wohnung bleiben kann, und das bis zum Pflegerad 4. Kern des Konzepts ist das selbständige Leben der Bewohner und Bewohnerinnen, was damit gemeint ist, wird uns Herr Urban jetzt erzählen.

Vielen Dank, Herr Urban!

Station 3.3: Prinregentenstraße 69-70 / Synagoge
Ein paar Häuser weiter in der Prinzregentenstraße 69-70 stand die Synagoge Prinzregentenstraße. Sie war die Synagoge für die jüdischen Gläubigen in Wilmersdorf. Sie wurde am 16. September 1930 eingeweiht. Architekt war Alexander Beer. Während der Novemberpogrome 1938 wurde die Synagoge angezündet und brannte nieder. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Ruine im gegenseitigen Einvernehmen zwischen der jüdischen Gemeinde und der Stadt Berlin 1958 vollständig abgetragen.

Station 3.4: Prinzregentenstraße 26-29 / Ehemaliges Umspannwerk
Das Gebäude gegenüber wurde 1926 bis 1929 von dem Architekten Paul Stanke als Umspannwerk der Elektrizitätwerke Südwest gebaut. Lange Zeit war dort das Umspannwerk der Berliner Elektrizitätswerke AG, kurz Bewag. Heute gehört es zum Unternehmen Stromnetz Berlin, das als Eigentümer der Stromnetzanlagen in Berlin für den Betrieb des Stromverteilungsnetzes zuständig ist. Stromnetz Berlin ist die Institution, die alljährlich von Ihnen den Zählerstand Ihres Stromzählers wissen möchte.

Wir gehen nun weiter bis auf den Parkplatz der Sporthalle.

Station 4: Prinzregentenstraße 33-34 / Parkplatz der Sporthalle

Station 4.1: Prinzregentenstraße 66 / Gedenktafel für Walter Benjamin
Wir sind soeben an einem Wohngebäude vorüber gegangen, in dessen Vorgängerbau Walter Benjamin, einer der größten Kulturwissenschaftler des 20. Jahrhunderts, seine letzten Berliner Jahre verbracht hat. Dort hängt auch eine Gedenktafel, auf der steht:

In dem früher hier stehenden Haus
lebte von 1930 bis zu seiner Emigration 1933
WALTER BENJAMIN
15.7.1892 – 27.9.1940

Literaturkritiker, Essayist und Philosoph,
schrieb hier Teile der “Berliner Kindheit um 1900”.
Freitod an der französisch-spanischen Grenze
wegen drohender Auslieferung an die Gestapo

Walter Benjamin hat zahlreiche Bücher geschrieben und arbeitete für viele Zeitschriften und Zeitungen. Wie heute hatten viele Kulturschaffende auch schon damals Schwierigkeiten mit ihrer Arbeit ein auskömmliches Leben zu führen. 1933 ging Benjamin nach Paris ins Exil, wo ihn Hannah Arendt finanziell unterstützte. In Paris arbeitete Benjamin hauptsächlich an seinem Passagen-Werk. Bei Kriegsausbruch wurde Benjamin für drei Monate interniert. Nach seiner Freilassung bekam er über die Vermittlung von Max Horkheimer ein Visum für die USA. Er wollte über Spanien und Portugal in die USA reisen. Mit Hilfe einer Flüchtlingsorganisation gelang ihm die Flucht über die Pyrenäen. Im Grenzort Portbou erfuhr die Gruppe, dass sie zur Einreise nach Spanien eine Ausreisegenehmigung aus Frankreich benötige und alle zurückgeschickt werden sollten. Daraufhin nahm sich Benjamin am 26.9.40 in Portbou das Leben. Er ist dort auch beigesetzt.

Hier ein Auszug aus seinem Buch Berliner Kindheit um Neunzehnhundert, in dem Benjamin eine Markthalle beschreibt :
Hinter Drahtverschlägen, jeder behaftet mit einer Nummer, thronten die schwer beweglichen Weiber, Priesterinnen der käuflichen Ceres [römische Göttin des Ackerbaus und der Fruchtbarkeit, M.L.], Marktweiber aller Feld- und Baumfrüchte, aller eßbaren Vögel, Fische und Säuger, Kupplerinnen, unantastbare strickwollene Kolosse, welche von Stand zu Stand mit einander, sei es mit einem Blitzen der großen Knöpfe, sei es mit einem Klatschen auf ihre Schürze, sei es mit busenschwellendem Seufzen, verkehrten. Brodelte, quoll und schwoll es nicht unterm Saum ihrer Röcke, war nicht dies der wahrhaft fruchtbare Boden? Warf nicht in ihren Schoß ein Marktgott selber die Ware: Beeren, Schaltiere, Pilze, Klumpen von Fleisch und Kohl, unsichtbar beiwohnend ihnen, die sich ihm gaben, während sie träge, gegen Tonnen gelehnt oder die Waage mit schlaffen Ketten zwischen den Knien, schweigend die Reihen der Hausfrauen musterten, die mit Taschen und Netzen beladen mühsam die Brut vor sich durch die glatten, stinkenden Gassen zu steuern suchten. Wenn es dann aber dämmerte und man müde wurde, sank man tiefer als ein erschöpfter Schwimmer. Endlich trieb man im lauten Strom stummer Kunden dahin, die wie Fische auf die stachligen Riffe glotzten, wo die schwammigen Najaden [Nymphen, M.L.] sich’s wohl sein ließen.
In unserem Bezirk ist seit dem Jahr 2000 der Platz zwischen Leibniz- und Wielandstraße nach Walter Benjamin benannt.

Station 4.2: Prinzregentenstraße 32 / Oberstufenzentrum OSZ Wirtschaft Leopold-Ullstein-Schule
Das Oberstufenzentrum Wirtschaft Leopold-Ullstein-Schule ist auf mehrere Gebäude aufgeteilt: vorbeigegangen sind wir bereits an dem Gebäude mit den gelben Klinkern und auf der anderen Straßenseite gehört das Gebäude hinter der großen Grünfläche dazu. In der Leopold-Ullstein-Schule sind mehrere Schulen zur beruflichen Bildung untergebracht. In der Berufsschule des Oberstufenzentrums werden folgende Ausbildungsgänge angeboten: Industrie-, Informatik-, IT-Systemkaufleute, Kaufleute für audiovisuelle Medien, Medienkaufleute für digitale und Printmedien. In der mehrjährigen Berufsfachschule werden Industriekaufleute und kaufmännische Assistent*innen mit Fachhochschulreife ausgebildet. In der Fachoberschule erlangt man in ein bis zwei Jahren die Fachhochschulreife. In der einjährigen Berufsfachschule kann der Mittlere Schulabschluss und im berufsqualifizierenden Lehrgang der Schulabschluss nachgeholt bzw. die Berufsbildungsreife oder erweiterte Berufsbildungsreife erlangt werden.
Leopold Ullstein, der Namensgeber des Oberstufenzentrums, gründete 1877 den bekannten Ullstein-Verlag. Zuerst war handelte es sich um einen reinen Zeitungsverlag, ab 1903 kamen auch Belletristik und Sachbücher hinzu. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 musste sich die Familie Ullstein 1934 von ihrem Unternehmen trennen, es wurde „arisiert“. Heute gehört der Ullstein-Verlag zur schwedischen Bonnier-Gruppe.

Station 4.3: Prinzregentenstraße 60 / Kläre-Bloch-Schule
Die Kläre-Bloch-Schule ist ebenfalls in dem Gebäude gegenüber untergebracht. Sie ist eine staatliche Abendschule zur Erlangung der Fachhochschulreife und der allgemeinen Hochschulreife. Sie ist insbesondere für Berufstätige gedacht. Es werden Spezialisierungen in den Fachrichtungen Wirtschaft, Technik und Sozialwesen angeboten.

Station 4.4: Prinzregentenstraße 33-34 / Ernst-Habermann-Grundschule
In dem alten Schulgebäude, an dem wir vorbeigegangen sind, ist heute die Ernst-Habermann-Schule. Architekt war Otto Herrnring, der es 1913 bis 1915 für das damalige 2. Reformgymnasium geplant hatte. Nachdem das Schulgebäude im Zweiten Weltkrieg erheblich beschädigt worden war, erfolgte 1950 bis 1951 der Wiederaufbau. Zunächst teilte sich die Rudolf-Diesel-Schule mit der Langhans-Oberschule das Gebäude. Nach deren Auflösung konnte die Rudolf-Diesel-Oberschule ab 1977 das gesamte Gebäude nutzen. Im Rahmen der Schulreform 2010 fusionierte die Rudolf-Diesel-Oberschule mit der Marienburg-Realschule und der Otto-von Guericke-Realschule. In das Gebäude hier zog zum Schuljahr 2014/2015 die Ernst-Habermann-Grundschule ein und ein kleiner Teil der Volkshochschule City West mit separatem Eingang und Aufzug. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz.
Die Ernst-Habermann-Grundschule ist nach dem ehemaligen Bürgermeister von Wilmersdorf benannt. Habermann wurde 1907 vom Magistrat der Stadt Wilmersdorf zum Ersten Bürgermeister gewählt, 1909 verlieh ihm der Kaiser den Titel Oberbürgermeister. Auch nach der Eingemeindung von Wilmersdorf nach Berlin arbeitete er weiter in der Bezirksverwaltung. An seinem 90. Geburtstag 1956 erhielt er den Titel Stadtältester von Berlin. Er starb 1958.
Die Ernst-Habermann-Grundschule ist eine kleinere Schule mit 300 Schülern und Schülerinnen. Es gibt 12 Klassen, die von 19 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet werden, d.h. in einer Klasse lernen ungefähr 24 Kinder.

Station 4.5: Prinzregentenstraße 33-34 / Volkshochschule
1905 wurde die Volkshochschule in Charlottenburg eröffnet. Bereits seit 1901 gab es in der Technischen Hochschule Charlottenburg, der heutigen TU Berlin, Fortbildungskurse für Arbeiterinnen und Arbeiter. Der Magistrat Charlottenburg veranstaltete ab 1905 Arbeiterfortbildungskurse – in der Aula der damaligen I. Gemeindeschule in der Pestalozzistraße 89/90, in der Nähe der heutigen Zentrale der Volkshochschule. Diese Form der Erwachsenenbildung war in der damaligen Zeit beispielhaft. Noch 5 Jahre später beklagte der SPD-Abgeordnete Karl Liebknecht im Reichstag das Fehlen jeder staatlichen Initiative im Bereich der Volkshochschulbewegung, wie sie in anderen Ländern, zum Beispiel in Schweden bereits selbstverständlich war. Charlottenburg war also seiner Zeit weit voraus. Teilnahmeberechtigt waren zunächst nur männliche Personen, die das 18. Lebensjahr vollendet hatten. Erst ab dem Sommersemester 1913 wurde auch Frauen die Teilnahme an Kursen gestattet. Im Gegensatz zur Technischen Hochschule waren die Kurse der Stadt unentgeltlich.
Die Volkshochschule City West in ihrer jetzigen Form ist aus dem Zusammenschluss der Volkshochschule Charlottenburg und der Paul-Löbe-Volkshochschule Wilmersdorf entstanden. Sie hat mehrere Standorte: die Zentrale ist in der Pestalozzistraße 40-41, hier in der Prinzregentenstraße findet seit 2014 im 3. und 4. Obergeschoss ein kleiner Teil der Kurse statt.
Heute ist die Volkshochschule DIE Weiterbildungseinrichtung für lebenslanges Lernen im Bezirk: Jährlich finden ca. 1.700 Kurse statt, mindestens 22.000 Anmeldungen pro Jahr gehen in der Volkshochschule City West ein. Die Kursentgelte sind bewusst sozial verträglich kalkuliert und die Kurse sind dezentral im gesamten Bezirk verteilt, um kurze Weg zu den Angeboten zu sichern. Die Kurse setzen sich fast durchgängig international und über alle Altersgruppen hinweg zusammen, und traditionell sind 3/4 der VHS-Teilnehmenden Frauen.

Wir gehen nun in den Volkspark, biegen dann in den Weg rechts ein und werfen kurz vor der Volksparkbrücke einen Blick auf die Jugendverkehrsschule.

Station 5: Vor dem Volksparksteg

Station 5.1: Jugendverkehrsschule Wilmersdorf
Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es zwei Jugendverkehrsschulen, vor der Wilmersdorfer stehen wir gerade. Mir praktischen und spielerischen Übungen werden die Kinder darauf vorbereitet, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Im Mittelpunkt steht das verkehrssichere Fahrradfahren. Auf dem Gelände wird der Stadtverkehr nachgebildet, es gibt Verkehrszeichen, Ampeln, Zebrastreifen und vieles mehr. So können die Kinder ohne Gefährdung, das richtige Verhalten im Straßenverkehr erlernen. Am Schluss legen die Kinder eine Fahrradprüfung ab.
Am 1. Juni 2017 wurde die Jugendverkehrsschule 60 Jahre alt. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

Station 5.2: Volksparksteg
Der Volksparksteg wurde von 1969 bis 1971 gebaut. Er führt über die Bundesallee und verbindet den westlichen mit dem östlichen Teil des Volksparks Wilmersdorf. Der gelb gestrichene Steg aus Stahl ist 65 m lang und 4 m breit. An einem 36 m hohen blauen Pfeiler sind sechs Stahlseile befestigt, von denen Brücke gehalten wird.

Wir gehen nun zum Werner-Bockelmann-Haus in der Bundesallee 48b, und zwar durch den Haupteingang und das Foyer in den großen Speisesaal.

Station 6: Bundesallee 48b / Werner-Bockelmann-Haus

Station 6.1: Bundesallee 50/ Pflegestützpunkt
Ich begrüße ganz herzlich Frau Blok, die Geschäftsführerin des Werner-Bockelmann-Hauses, und Frau Fock vom Pflegestützpunkt Wilmersdorf. Der Pflegestützpunkt befindet sich in der Hausnummer 50, den man direkt von hier aus erreichen kann oder von außen über den Eingang Nr. 50. In Charlottenburg-Wilmersdorf gibt es drei Pflegestützpunkte. Der älteste ist zwanzig Jahre alt und residiert seit 2010 hier an diesem Standort im Werner-Bockelmann-Haus. Der Pflegestützpunkt berät Pflegebedürftige, deren Angehörige und auch Nicht-Pflegebedürftige zu allen Fragen der Pflege und ist deshalb eine wichtige Unterstützung in dieser schwierigen Lebensphase. Frau Fock kann Ihnen dazu aber weitaus mehr sagen.

Vielen Dank, Frau Fock!

Station 6.2: Bundesallee 48b / Werner Bockelmann Haus
Die Gastgeberin des Hauses, Frau Blok, wird Ihnen nun die Angebote des Werner-Bockelmann-Hauses vorstellen.

Vielen Dank, Frau Blok!

Station 6.3: Bundesallee 171 / Landesamt für Flüchtlinge / Erstregistrierungsstelle für Flüchtlinge
Da wir gerade hier im Warmen versammelt sind, möchte ich noch etwas zu dem Gebäude auf der anderen Seite der Bundesallee sagen.
Das Gebäude wurde 1968 für die Zentrale der Berliner Sparkasse errichtet. Architekt war Günter Behrmann. 1990 wurde es Sitz der im selben Jahr gegründeten Landesbank Berlin, die aus der Berliner Sparkasse, der Landesbausparkasse Berlin und seit 1992 der Investitionsbank Berlin bestand. Sie wurden auch Teil der Gruppe Bankgesellschaft Berlin.
Heute ist dort die Erstregistrierungsstelle für Flüchtlinge.
Neu eintreffende Flüchtlinge gehen als erstes in das Ankunftszentrum im Flughafen Tempelhof. Dort werden die Flüchtlinge medizinisch untersucht und mit einem Ankunftsnachweis ausgestattet, der die Voraussetzung dafür ist, einen Asylantrag stellen zu können. Ein Ankunftsnachweis enthält die Fingerabdrücke, das Foto sowie Name, Geburtstag, Herkunft und Sprache des/der Geflüchteten. Ein Shuttle-Bus des Landesamts für Flüchtlinge bringt sie dann hierher in die Bundesallee 171, wo die Registrierung und Verteilung stattfindet.
Dazu gehören auch eine Sicherheitsüberprüfung, eine Sozialberatung und die erste Leistungsgewährung für diejenigen, die in Berlin bleiben. Da dies von mehreren unterschiedlichen Ämtern gemacht wird, sind in der Bundesallee folgende Ämter untergebracht:

  • das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF): Registrierung als Asylbegehrende/r und Versorgung mit sozialen Leistungen.
  • das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF): Annahme und Entscheidung über Asylanträge.
  • die Ausländerbehörde: Ausstellung von Aufenthaltsdokumenten
  • die Bundesagentur für Arbeit (BA): Beratung zu Arbeitsmöglichkeiten, wenn der/die Asylbegehrende aus einem Herkunftsland mit hoher Aussicht auf Anerkennung kommen, Prüfung der Deutschkenntnisse und Vermittlung in einen Sprachkurs.

Wir verlassen nun das Werner-Bockelmann-Haus, halten uns links und biegen dann links in die Wilhelmsaue ein. Wir treffen uns wieder vor dem Schoeler-Schlösschen.

Station 7: Wilhelmsaue 126 / Schoelerschlösschen

Das einstige Dorf Wilmersdorf befand sich dort, wo heute die Wilhelmsaue liegt. Die Grünanlagen auf dem Dorfanger markieren die Ausdehnung sehr genau. Erste urkundliche Erwähnung fand das Dorf 1293. Noch im Jahr 1856 bestand Wilmersdorf im Wesentlichen aus der Dorfstraße, der jetzigen Wilhelmsaue und der nördlichen Seite der Berliner Straße. An der Aue standen Kirche und Schule.

Das Schoeler-Schlösschen ist das älteste erhaltene Gebäude in Wilmersdorf, dessen Anfänge bis 1752/1753 zurückreichen. Der Wilmersdorfer Pfarrer Fuhrmann erhielt einen – seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges ungenutzten – „wüsten“ Hof mit der Auflage, dort ein eingeschossiges Büdnerhaus als einfachen Fachwerkbau zu errichten und Maulbeerbäume für die Seidenraupenzucht anzupflanzen. Haus und Grundstück wechselten in der Folge mehrfach den Besitzer. 1765/1766 erfolgte der Umbau zu einem stattlichen barocken Landhaus, ein Stockwerk wurde aufgesetzt, Nebengebäude errichtet und ein großer Garten zum Wilmersdorfer See hin angelegt.

Im Jahr 1893 ging das Haus an den Augenarzt Heinrich Schoeler, der hier bis zu seinem Tode 1918 wohnte. Eine Wohnungsbaugesellschaft erwarb 1929 einen Teil des Grundstücks und errichtete dort große Wohnblocks, wie wir hinten sehen können. Das Haus selbst und ein Teil des Parks kamen in städtischen Besitz und wurden vom Bezirksamt für verschiedene Zwecke genutzt. 1935 wurde das Gebäude um ein weiteres Stockwerk aufgestockt und von der Hitlerjugend sowie als Heimatmuseum genutzt. Von 1946 bis 2003 beherbergte das Haus eine Kindertagesstätte.

Zum aktuellen Stand der Entwicklung des Schoeler-Schlösschens sagt Ihnen die zuständige Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz nun mehr.

Vielen Dank, Frau Schmitt-Schmelz!

Wir gehen nun rechts in die Mehlitzstraße bis zur Vollkornbäckerei Weichardt.

Station 8: Mehlitzsstraße 7 / Bäckerei Weichardt

1981 eröffneten Monika und Heinz Weichardt hier in der Mehlitzstraße 7 mit 20 Beschäftigten die allererste Bio-Bäckerei in Berlin, die inzwischen von ihrer Tochter Yvonne geführt wird. Das Mehl wird selbst gemahlen mit sechs 800 Jahre alten Mühlsteinen aus den Tiroler Dolomiten. Die Weichardts benutzen keinen Sauerteig für den Brotteig, sondern eine Milchsäuregärung mit Honighefe. Die Herstellung der Brote dauert bis zu 20 Stunden. Ich zitiere hier aus einem Artikel von Franz Michael Rohm in der Beilage zur Berliner Morgenpost vom 22.10.17:

Wenn die Bäcker abends beginnen, fügen sie zum ersten Mal dem Teigansatz vom Vortag das Schrot hinzu. Wieder ruht der Teig, fermentiert langsam, wird geknetet, ruht erneut. Zuletzt wird er Teil für Teil abgewogen, mit der Hand gewalkt und in die Formen gelegt. Noch einmal bekommt der Teigling Zeit zu garen, bevor er in den 260° heißen Ofen geschoben wird. Jetzt hängt es vom Können des Bäckers ab, denn die Brote müssen mehrfach umgeschichtet werden. In der Mitte des Ofens ist die Hitze größer als am Rand. Zudem hängt die Bildung der wichtigen Kruste und der gleich großen Porung von der Qualität des Getreides ab. Bei einem nassen Sommer wie in diesem Jahr braucht das Brot im Ofen länger.

15 verschiedene Brotsorten, 600 Brote werden täglich gebacken. 40 Angestellte hat die Bäckerei mit Filialen in Zehlendorf und in Gatow.
Im Oktober feierte die Bäckerei ihr 40. Jubiläum.

Nun gehen wir zu unserer letzten Station, der Schwedischen Kirche in der Landhausstraße 26-28. Dazu gehen wir vor bis zur Berliner Straße, überqueren sie und biegen dann links in die Landhausstraße ein.

Station 9: Landhausstraße 26-28 / Schwedische Kirche

Ich begrüße ganz herzlich Frau Thomas von der Victoria-Gemeinde der schwedischen Kirche in Berlin. Die Kirche der schwedischen Victoria-Gemeinde wurde von 1920 bis 1922 von Alfred Grenander gebaut und am 18.6.1922 eingeweiht. Von dem ursprünglichen Bau ist nur noch der Turm erhalten. Der Neubau wurde 1952-55 von Peter Celsing errichtet.

In der schwedischen Kirche wirkte Birger Forell von 1929 bis 1942 als Pfarrer. Während des Zweiten Weltkriegs bot die Kirche verfolgten Menschen Unterschlupf und versorgte sie mit Lebensmitteln und Papieren. 1942 wurde Pastor Birger Forell auf Drängen der Gestapo nach Schweden zurückgeschickt. Daraufhin setzte Pastor Erik Perwe die Hilfe fort, bis er bei einem Flugzeugabsturz 1944 ums Leben kam. Sein Nachfolger Erik Myrgren setzte die Hilfe ebenfalls fort. Perwe und Myrgren wurden später von Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt. Unterstützung fand die Kirchengemeinde u.a. durch die Schwedische Botschaft, Gräfin Maria von Maltzan und die Polizisten Hoffmann und Mattick vom gegenüberliegenden Polizeirevier 115. Zur Erinnerung daran gibt eine Gedenktafel für Pfarrer Forell und für die beiden Polizisten. Nun möchte ich das Mikrofon an Frau Thomas geben, die uns etwas über die schwedische Victoria-Gemeinde erzählen kann:

Vielen Dank, Frau Thomas!

Hier endet nun unser Kiezspaziergang. Zum Schluss möchte ich Ihnen, wie jedes Mal, Ort und Zeit des nächsten Kiezspaziergangs mitteilen. Er startet vor dem Hotel Novotel am S-Bahnhof Tiergarten um 14 Uhr am Samstag, den 13. Januar 2018, wieder mit Bezirksbürgermeister Naumann. Ich wünsche Ihnen einen schönen 2. Advent und einen guten Nachhauseweg. Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal!