170. Kiezspaziergang

Vom S-Bahnhof Westend zur Epiphanienkirche

Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann

Treffpunkt: S-Bahnhof Westend, südlicher Ausgang am Spandauer Damm
Länge : ca. 1,9 km

Herzlich willkommen zu unserem 170. Kiezspaziergang. Er führt uns heute durch den Klausenerplatz-Kiez. Zuerst gehen wir zu LISA e.V., dem Verein für Mädchenarbeit in unserem Bezirk, dann zum Klausenerplatz zur St.-Kamillus-Gemeinde. Pater Respondek wird uns in der Kirche etwas zur Geschichte des Ordens erzählen. Von dort aus spazieren wir in die Nehringstraße zum KiezBüro und anschließend zu Diwan, dem Stadtteilzentrum. In der Danckelmannstraße hatte das Frauenforschungs-, Bildungs- und Informationszentrum seinen ersten festen Sitz, auch dazu werde ich Ihnen etwas erzählen, ehe wir zum ehemaligen Ledigenheim und heutigen Wohnheim für Studierende kommen. Dann geht es durch die Knobelsdorffstraße zu unserem heutigen Endpunkt, der Epiphanienkirche, wo uns Pfarrer Haak begrüßen wird.

Doch bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den Treffpunkt des Märzspaziergangs mitteilen. Wir treffen uns am Samstag, den 12. März, um 14 Uhr auf dem Savignyplatz vor der Buchhandlung Bücherbogen. Bei unserem März-Spaziergang legen wir ja traditionell den Schwerpunkt auf die Frauen in unserem Bezirk. Der Kiezspaziergang endet im Käthe-Kollwitz-Museum.

Station 1: Spandauer Damm / S-Bahnhof Westend

S-Bahnhof Westend, Kiezspaziergang 13.2.2016
S-Bahnhof Westend, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: BA-CW, ML

Station 1.1: S-Bahnhof Westend
Der Bahnhof Westend war bei seiner Einrichtung ab 1877 ein stattlicher Bahnhof, der zur Anbindung der Villenkolonie Westend angelegt worden war. Er hatte vier Bahnsteige und mehrere Kehrgleise. [Kehrgleise ermöglichen es den Zügen, die Richtung zu wechseln. M.L.] Das Empfangsgebäude wurde 1883-1884 von den Architekten Heinrich Joseph Kayser und Karl von Großheim im Stil der Neorenaissance entworfen und steht heute unter Denkmalschutz.

1993 wurde der Bahnsteig C bei der Inbetriebnahme des Südringes wieder eröffnet. Dazu wurden zwei neue Zugangsgebäude in Stahl-Glas-Konstruktion von der Spandauer-Damm-Brücke aus errichtet. Sowohl nördlich als auch südlich der Bahnsteige befindet sich heute jeweils eine Abstell- und Wendeanlage. Die Realisierung eines weiteren südlichen Zugangs, der für die Kiezbewohner sehr wichtig wäre, lässt bis heute leider auf sich warten.

Von 1988 bis 2001 befanden sich in dem Bahnhofsgebäude Ateliers und Ausstellungsflächen der Karl-Hofer-Gesellschaft. Nun ist es Sitz der Verwaltung der Firma Futterhaus, die Fachmärkte für Tiernahrung betreibt.

Station 1.2: Parexel
Die dahinter und daneben liegenden Gebäude gehören zu dem Auftragsforschungsinstitut Parexel International. Parexel ist in der Medikamentenforschung tätig. Dort werden klinische Studien geplant und durchgeführt. Der Firmensitz liegt in den USA. Parexel hat 80 Niederlassungen in 51 Ländern und 15.560 Mitarbeiter (Stand: 06/2014).

Station 2: Spandauer Damm 65 / Interkultureller Mädchen- und Frauenladen LISA

Frau Lehmann, Kiezspaziergang 13.2.2016
Frau Lehmann, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: Thomas Wolfes

Heute haben wir einen ganz besonderen Gast unter uns. Neben mir steht Frau Lehmann, die im Januar hundert Jahre alt wurde. Frau Lehmann ist eine treue Kiezspaziergängerin und von Anfang an dabei. Herzlichen Glückwunsch, Frau Lehmann! Wir hoffen, dass Sie uns noch lange begleiten können.

Den Mädchen- und Frauenladen für interkulturelle Sozialarbeit LISA e.V. gibt es seit 1982. Er macht interkulturelle und geschlechtsbewusste Mädchenarbeit für Mädchen und junge Frauen zwischen 6 und 27 Jahren. Er wird vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf finanziert. Das Haus wird auch Schwarzwaldhaus genannt. Hier ist auch der Kinderladen mit dem Namen Grüne Erdferkel untergebracht.

Bei LISA gibt es einen offenen Bereich, wo Mädchen sich einfach treffen können, um zusammen Musik zu hören, zu spielen, zu basteln, zu lesen und Feste zu feiern. Es werden zahlreiche Kurse und Projektgruppen angeboten, z.B. Theater, Kochen, Tanzen, Technik und Selbstbehauptung, um nur einige zu nennen. Die Mädchen können hier ihre Hausaufgaben erledigen und sich gegenseitig dabei helfen. Wenn Rat gebraucht wird oder Streit geschlichtet werden muss, finden die Mädchen Ansprechpartnerinnen im Team.

Nun übergebe ich aber das Wort an Frau Stitz-Ulrici, die Leiterin des Mädchentreffs, die uns mehr über den Mädchen- und Frauenladen erzählen kann.

Vielen Dank, Frau Stitz-Ulrici!

Station 3: Klausenerplatz 19

Station 3.1: Allgemeines zum Klausenerplatz
Der Platz war von 1844 bis 1889 zunächst ein Reitplatz der Gardes du Corps aus den Kasernen gegenüber dem Charlottenburger Schloss. Damals war es schick französisch zu sprechen, denn Gardes du Corps heißt einfach Leibwache, und da heutzutage englisch schick ist, sagen wir jetzt zu den Garde du Corps Bodyguard.

Nach dem Bebauungsplan von James Hobrecht aus dem Jahr 1862 sollte der Platz ein Schmuckplatz werden, der von städtischer Bebauung eingefasst wird. Er wurde nach dem preußischen Prinzen Friedrich Karl Friedrich-Karl-Platz genannt.

Zwischen 1921 und 1922 gestaltete Erwin Barth den Platz um. Er hob die Diagonalwege auf, um, wie er selbst schrieb, in der Mitte „eine genügend große Spielfläche, abgeschieden vom Verkehr“ zu schaffen. An die früheren Diagonalwege erinnern aber noch die kurzen Wegeabschnitte, die von den Platzecken zu den erhöhten Sitzgruppen führen. Diese Sitzgruppen sind durch Säulenpappeln betont, die den Raum, wie Barth sagte, „charaktervoll beleben“. Wie bei seinen meisten Stadtplätzen trennte Barth Ruhezonen von Kinderspielzonen.

In der südlichen Platzhälfte entstand 1940/1941 ein Luftschutzbunker. Der Spielplatz wurde auf dem Dach des Bunkers neu angelegt. 1986 begann die Abräumung des Bunkers und anschließend wurde der Platz nach den Originalentwürfen von Erwin Barth restauriert.

1950 wurde der Platz nach Erich Klausener benannt. Klausener war Leiter der Katholischen Aktion und organisierte seit 1928 Kundgebungen von Katholiken. In einer Rede auf dem 32. Märkischen Katholikentag am 24. Juni 1934 stellte er sich öffentlich gegen die Kirchenpolitik der NS-Machthaber. Daraufhin wurde er am 30.6.1934 in seinem Dienstzimmer ermordet.

Dienstags und freitags findet auf dem Klausenerplatz der Wochenmarkt statt. An dieser möchte ich eine neue Initiative einiger Geschäfteinhaber im Kiez vorstellen, denn die Händler werden in Zukunft 5 Cent für jeden Kunden spenden, der auf eine Plastiktüte verzichtet. Plastiktüten sind ein großes Umweltproblem, da sie praktisch 400 Jahre brauchen, bis sie wieder abgebaut sind. Mit dem Projekt sollen Straßenbäume für den Kiez angeschafft werden.

Station 3.2: K 19
In diesem Haus befand sich die K19, ein Atelierhaus und Werkstattgebäude der Künstler und Künstlerinnen im Kiez. Der Hinterhof des Gebäudes sollte in den siebziger Jahren abgerissen werden. 1976 begann die Instandsetzung durch Künstler und Künstlerinnen, die beim Wiederaufbau des Schlosses Charlottenburg als Bildhauer und Maler beteiligt waren. 1978 fiel die endgültige Entscheidung gegen den Abriss und für das Werkstatt- und Atelierhaus.
2009 wurden die Ateliers aber doch von der GEWOBAG gekündigt und das Haus verkauft.

Bis zum 12.12.12 war hier 35 Jahre lang der Sitz der Freien Theateranstalten. Das Büro ist nun in die Gardes-du-Corps-Straße 13 gezogen, aber gespielt wird seitdem nicht mehr. Vielmehr wird nach einer bezahlbaren Spielstätte Ausschau gehalten. Geplant ist ein Theater für die älteren Bewohner der Stadt.
1987 eröffneten fünf Hebammen hier das allererste Geburtshaus in Deutschland. 2007 ist es auf das Gelände des DRK-Klinikums Westend umgezogen.

Station 4: Klausenerplatz 16/17 / Stolperstein für Hertha Waldo

Der Stolperstein wurde am 24.07.2012 verlegt und von Hausbewohnerinnen- und bewohnern und Nachbarn gespendet. Auf dem Stein steht:

HIER WOHNTE
HERTHA WALDO
JG. 1899
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK

Hertha Waldo wohnte am Friedrich-Karl-Platz 5, dem heutigen Klausenerplatz 16/17, und betrieb in diesem Haus eine Buchhandlung mit angeschlossener Leihbibliothek. Das Geschäft war Teil einer Kette mit sieben Filialen in Berlin, die Herthas Schwager Wilhelm Flanter gehörte.

Das Geschäft war erfolgreich; es gab eine Angestellte, und in den Jahren um 1935 lag ihr Jahreseinkommen bei rund 7 500 Reichsmark, was nicht wenig war. Im November 1938 und den Monaten darauf wurde sie gezwungen, rund 3 000 Reichsmark als sogenannte Judenvermögensabgabe zu leisten und im April 1939 wurde die Buchhandelskette Flanter auf behördlichen Druck geschlossen. Wilhelm und Erna Flanter verließen ihre Wohnung in der Suarezstraße und kamen bei Hertha Waldo am Friedrich-Karl-Platz unter. Hertha Waldo betrieb nun von ihrer Wohnung aus einen Textileinzelhandel. Die drei versuchten in die USA bzw. nach Palästina auszuwandern, was ihnen aber nicht rechtzeitig gelang.

Im November 1941 mussten Hertha Waldo mit ihrer Schwester und ihrem Schwager auf behördliche Anweisung in die Synagoge in der Moabiter Levetzowstraße gehen, die als Sammelstelle für Juden missbraucht wurde. Hertha Waldos Guthaben bei verschiedenen Banken in Höhe von rund 42 700 Reichsmark wurde „zugunsten des Deutschen Reichs“ eingezogen. Hertha Waldo wurde am 14. November 1941 mit 1000 weiteren Berliner Juden nach Minsk deportiert. Minsk war eines der Zentren des Massenmordes in den besetzten Ostgebieten. Hertha Waldo starb mit 42 Jahren, vermutlich im Ghetto von Minsk. Dort kamen auch Wilhelm und Erna Flanter zu Tode. Hertha Waldos Nichte Susanne Flanter hat als Einzige der Familie den Holocaust überlebt. Im Alter von 14 Jahren war sie 1939 mit einem „Kindertransport“ nach England gelangt.

[Die Angaben über Hertha Waldo fußen auf Recherchen von Arne Pannen im Rahmen des Projekts „Berlin-Minsk“ an der Humboldt Universität Berlin. Der Text ist eine gekürzte Fassung von Harald Marpe vom Kiezbündnis Klausenerplatz e.V.]

Station 5: Klausenerplatz 12/13 / St.-Kamillus-Gemeinde

St. Kamillus Gemeinde, Kiezspaziergang 13.2.2016
St. Kamillus Gemeinde, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: Thomas Wolfes

Die katholische Kirche Herz Jesu in Alt-Lietzow war für die Gemeinde zu klein geworden. Deshalb regte Bernhard Lichtenberg, der zu jener Zeit Pfarrer in der Herz-Jesu-Kirche war, einen Neubau am Klausenerplatz an. Von 1930 bis 1932 wurde die Kirche St- Kamillus von den Architekten Hermann Mohr und Werner Klinski gebaut und am 26. Juni eingeweiht. Das Besondere an diesem Komplex ist aber, dass es nicht nur eine Kirche und eine Gemeinde gibt, sondern auch ein Kloster mit drei Mönchen des Kamillianerordens. Der Name geht auf den italienischen Ordensstifer Kamillus von Lellis zurück, der von 1550 bis 1614 gelebt hat und sich der Krankenpflege verschrieben hatte. Alles andere erzählt Ihnen aber nun Pater Respondek.

Vielen Dank!

Station 6: Nehringstraße 34

Station 6.1: Neufertstraße / Namensgeber
Die Straße wurde am 30.3.1950 nach dem Pädagogen und Stadtältesten Hermann Neufert benannt. Hermann Neufert wurde am 6. Juli 1858 in Schlesien geboren und starb 1935 in Berlin. Er gründete die erste Schule im Freien und schrieb 1906 ein Buch über die Charlottenburger Waldschule.

Station 6.2: Neufertstraße 19-21
Ende des 19. Jahrhunderts errichtete das Königin-Elisabeth-Garderegiment in der heutigen Neufertstraße 19-21 eine Reithalle. Nach dem Ersten Weltkrieg war sie bis zur Einweihung der St-.Kamillus-Kirche 1932 die Notkirche für die Gemeinde.
1932 bis 1968 residierte hier mit unterschiedlichen Namen das Mali-Kino. Das Wort Mali kommt wahrscheinlich von Magazin-Lichtspielen, denn die Neufertstraße hieß vor 1950 Magazinstraße. Das Kino hatte zwischen 500 und 600 Sitzplätze.
1970 zog Aldi ein. 2013 übernahm die Bio-Company das Gebäude und versetzte es weitestgehend in seinen historischen Zustand zurück.

Station 6.3: Nehringstraße / Namensgeber
Die Nehringstraße wurde am 30.5.1892 nach dem Baumeister Johann Arnold Nehring benannt. Er wurde am 13.1.1659 in Wesel geboren und starb am 21.10.1695 in Berlin. Nehring entwarf den ersten Teil des Sommerschlosses von Königin Sophie-Charlotte, das ist der Mittelteil des heutigen Schlosses Charlottenburg.

Station 6.4: Nehringstraße 34 / Ehemalig besetztes Haus
Im Vergleich zu vielen anderen Bereichen in Charlottenburg hat das Gebiet um den Klausenerplatz den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden. 1963 wurde das Gebiet als Sanierungsgebiet ausgewiesen. Die Ergebnisse eines 1972–1974 durchgeführten Sanierungswettbewerbes sahen vor, bei weitgehendem Erhalt der Vorderhäuser die Blockinnenbereiche mit den typischen Berliner Hinterhöfen zu entkernen und Baulücken zu schließen.
Die erste Berliner Mieterinitiative wurde 1973 gegründet. Ziel war eine stärkere Einbindung der Belange und Forderungen der Bewohner unter dem Motto „Sanierung ohne Verdrängung“. Daraus entstand unter maßgeblicher Beteiligung des Architekten Hardt-Waltherrr Hämer das Modellprojekt „Behutsame Stadterneuerung“. Dennoch standen viele Häuser leer.

Die Nehringstraße 34 war eines dieser leer stehenden Häuser. 1981 wurde sie deshalb von Wohnungssuchenden besetzt, die umgehend die Instandsetzung in Angriff nahmen. Im Klausenerplatz-Kiez waren elf Häuser besetzt. Die meisten gehörten zur gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat. Ziel der Besetzer war die Verhinderung des Abrisses billigen Wohnraums und Luxusmodernisierungen. Die Bevölkerungszusammensetzung des Kiezes sollte erhalten bleiben. Das Haus in der Nehringstraße 34 ist eines der beiden besetzten Häuser im Kiez, die schließlich langfristige Verträge bekamen und nicht geräumt wurden. Das Haus heißt auch Regenbogenhaus, weil es lange mit einem Regenbogen bemalt war.

Station 7: Nehringstraße 26/27

Station 7.1: Nehringstraße 27 / Osman-Gazi-Moschee
In der Nehringstraße 27 befindet sich die Osman-Gazi-Moschee. Ich begrüße Frau Lutzke.

Der Namensgeber Osman Gazi war der Begründer des Osmanischen Reiches. Er lebte von 1258 bis 1324 oder 1326. Er stammt aus einer halbnomadischen Familie und eroberte nach und nach Gebiete im Süden von Bursa. Er soll sich sehr für den Schutz der Christen eingesetzt haben, was als ein wesentlicher Baustein zu dem Erfolg seiner Expansionspolitik gilt. Sein Herrschaftsgebiet was ursprünglich 1500 km² groß war und umfasste schließlich 18.000 km². Das Osmanische Reich erreichte in seiner Blütezeit eine Ausdehnung von 5.200.000 km² , von Ungarn bis zum Persischen Golf, Jemen und Nordafrika.

Station 7.2: Nehringstraße 26 / Interkulturelles Nachbarschaftszentrum und Mehrgenerationenhaus
Das Mehrgenerationenhaus wurde 2012 gegründet. Es wird vom Bund finanziert.
Ins Mehrgenerationenhaus Berlin-Charlottenburg des Divan e.V. kann jeder kommen, um sich informieren oder beraten zu lassen, einen Kurs wahrzunehmen oder einen Kurs anzubieten. Schülerinnen und Schüler lassen sich bei Hausaufgaben helfen, verbessern ihr Englisch oder nehmen an Ausflügen teil. Ihre Eltern und andere Nachbarn kommen zu Lesungen, Tanz- oder Musikveranstaltungen oder verfeinern ihre Deutschkenntnisse in Konversationskursen. Es gibt Gesprächskreise, Mediation, Berufs- und Rechtsberatung, Hilfe bei Schulproblemen und vieles mehr. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot für alle Bewohner und Bewohnerinnen des Kiezes.
Ich übergebe nun das Mikrofon an Frau Lutzke, die uns Weiteres erläutern wird.

Vielen Dank, Frau Lutzke!

Station 8: Seelingstraße 14 / Kiez-Bündnis Klausenerplatz e.V.

Kiezbündnis, Kiezspaziergang 13.2.2016
Kiezbündnis, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: Thomas Wolfes

Wir stehen hier vor dem Kiez-Büro, dem Sitz des Kiez-Bündnisses. Das Kiez-Bündnis wurde 1999 von engagierten Anwohnern und Anwohnerinnen und Gewerbetreibenden gegründet. Ziel ist es, den Zusammenhalt im Kiez zu fördern. Das Kiez-Büro fungiert als Kontakt-, Beratungs- und Begegnungsstätte. Es werden Kiezfeste, Sperrmülltage, Flohmärkte, Kinderfeste, Sportveranstaltungen, Kunstfestivals, Konzerte, Sprachkurse, Ausflüge und vieles mehr organisiert. Zudem gibt es einige Publikationen, z.B. zur Geschichte des Kiezes, einen Kalender und die Stadtteilzeitung Kiez-Blatt.
Ich begrüße nun ganz herzlich Herrn Betz und Herrn Marpe vom Kiez-Büro. Herr Betz wird uns nun etwas zur Gründungsgeschichte und den Aktivitäten des Kiez-Büros erzählen.

Vielen Dank, Herr Betz!

Station 9: Nehringstraße 8

Station 9.1: Nehringstraße 8 / Stadtteilzentrum Diwan
Das Stadtteilzentrum wurde im Juli 2015 gegründet. Dieses Jahr im Januar hat das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf und der Diwan e.V. einen Kooperationsvertrag unterzeichnet, worüber wir uns sehr freuen.
Herr Gömüsay wird uns jetzt einiges zu dem Stadtteilzentrum sagen.

Vielen Dank, Herr Gömüsay!

Station 9.2: Nehringstraße 8 / Stolperstein für Eta Klinkowstein
In der Nehringstraße 8 wurde am 8.6.2013 ein Stolperstein für Eta Klinkowstein verlegt, der von den Hausbewohnerinnen und –bewohnern und Nachbarn gespendet worden war. Darauf steht:

HIER WOHNTE
ETA KLINKOWSTEIN
GEB. TSCHERASCHKIN
JG 1877
DEPORTIERT 28.3.1942
PIASKI
ERMORDET

Eta Klinkowstein wurde am 14. September 1877 in Sankt Petersburg geboren.
Wenige Tage vor ihrer Deportation am 28. März 1942 musste Frau Klinkowstein ihr Vermögen auflisten. Der Wert ihrer Möbel und des Hausrats auf 175,- Reichsmark geschätzt: unter den Gegenständen waren ein Wäscheschrank, eine Fußbank, ein Sessel und eine kleine Zinkwanne. Die Wohnungseinrichtung landete bei dem Einzelhändler Wilhelm Hahn. An das Oberfinanzpräsidium zahlte er dafür im Juli 1942 den Händlereinkaufspreis von 122,50 Reichsmark. Von der ursprünglichen Bewertungssumme hatte er 30 Prozent abgezogen und einbehalten. Hier wird deutlich, dass es den NS-Machthabern nicht nur um die physische Auslöschung von Juden ging. Im Rahmen eines wohlorganisierten Raubzuges fanden auch große finanzielle Umverteilungen stattfand. Finanzämter und andere Behörden, Banken und Sparkassen, Versicherungsgesellschaften, evtl. frühere Arbeitgeber – sie alle nahmen aktiv an der Enteignung der deutschen Juden teil.
[Zusammenfassung eines Textes von Harald Marpe, Kiezbündnis Klausenerplatz e.V.]

Ehe wir nun zurück in die Seelingstraße gehen, möchte ich noch erwähnen, dass sich hinter dem Stadtteilzentrum die Nehring-Grundschule und die Ingeborg-Bachmann-Bibliothek befinden. Die Ingeborg-Bachmann-Bibliothek ist direkt auf die Bedürfnisse der Nutzer und Nutzerinnen des Kiezs zugeschnitten und hat Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Station 10: Seelingstraße 21

Gedenktafel, Kiezspaziergang 13.2.2016
Gedenktafel, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: Thomas Wolfes

Station 10.1: Seelingstraße / Namensgeber
Die Seelingstraße hieß früher Potsdamer Straße und wurde 1950 nach dem Architekten und Kommunalpolitiker Heinrich Seeling in Seelingstraße umbenannt. Seeling wurde am 1.10.1852 in Zeulenroda geboren und war von 1907 bis 1921 Stadtbaurat in Charlottenburg, wo er großen Einfluss auf die Gestaltung der expandierenden Stadt hatte. Er ist vor allem als Theaterarchitekt bekannt. Von ihm stammen unter anderem das nicht mehr existierende klassizistische Deutsche Opernhaus in der Bismarckstraße, das Theater am Schiffbauerdamm (heute Berliner Ensemble), die Eosander-Schinkel-Grundschule, das heutige Schiller-Gymnasium, der Erweiterungsbau des Rathauses Charlottenburg und das Waldhaus Charlottenburg in Sommerfeld/Kremmen. Er wurde als “Stadtältester von Berlin” geehrt und starb am 15.2.1932 in Berlin. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Friedhof Wilmersdorf .

Die Gebäude der Seelingstraße stammen aus der Zeit des großen Baubooms in Charlottenburg zwischen 1884 und 1904. Alle Häuser sind noch erhalten, wurden in den 1970er Jahren saniert und renoviert und stehen unter Ensembleschutz.

Station 10.2: Gedenktafel für Richard Hüttig
Die Gedenktafel aus glasiertem Ton wurde 1952 am Haus Seelingstraße 21 angebracht. Am gleichen Haus wurde 2010 zusätzlich eine Gedenktafel für Walter Reuter angebracht. Aber zuerst einmal zu Richard Hüttig. Auf der Gedenktafel steht:

RICHARD HÜTTIG
ANTIFASCHISTKOMMUNIST
GEBOREN 18.3.1908
HINGERICHTET 14.6.1934 IN
BERLINPLÖTZENSEE
KPD

Hüttig kam im Alter von etwa 17 Jahren nach Charlottenburg. Er war Mitglied der Roten Jungfront und der KPD und leitete die Häuserschutzstaffel Lange, die sich regelmäßig in der Gaststätte Titz in der Nehringstraße 4a traf. 1933 wurde er beschuldigt, den SS-Scharführer Kurt von der Ahé erschossen zu haben. Hüttig tauchte kurzfristig unter, wurde aber bei einer Razzia gefasst und im Gestapo-Gefängnis am Columbiadamm vor ein Sondergericht gestellt. Obwohl dem unbewaffneten Hüttig die Tat selbst nach Auffassung des Gerichts nicht nachzuweisen war, wurde er wegen schweren Landfriedensbruchs und versuchten Mordes im Juni 1934 hingerichtet.

Jan Petersen beschreibt in seinem Buch Unsere Straße die Situation als der Leichenzug durch die Seelingstraße zieht:

Stille. Atemlose Stille. Hell klappern die Pferdehufe. Der Totenwagen kommt langsam näher. Da fliegt ein roter Blumenstrauß durch die Luft, prallt gegen den Totenwagen. “Du bist für uns gestorben, Genosse Hüttig!”, ruft eine Frau mit gellender Stimme. Auf einmal sind wir alle ein Mund. Hundertstimmig schreit es in der engen Straße: “Rache! Rache! Rot-Front!” Der Totenwagen hält mit einem Ruck. Die Uniformierten laufen auf die Bürgersteige zu. Sie schlagen zwischen die Menschen, reißen Menschen zu Boden.
Richard Hüttig war eine der ersten Opfer des Nationalsozialismus. Der Hüttigpfad in Charlottenburg-Nord, der zur Gedenkstätte Plötzensee führt, ist nach ihm benannt.

Station 10.3: Gedenktafel für Walter Reuter
Eine weitere Gedenktafel erinnert seit Oktober 2010 an den Fotografen und Filmemacher Walter Reuter. Walter Reuter wurde zwei Jahre vor Richard Hüttig am 4. Januar 1906 geboren und wuchs hier im Kiez auf. Auf der Gedenktafel steht:

In diesem Hause wurde der Fotograf und Filmemacher
Walter Reuter
am 4.1.1906 geboren.

Er arbeitete 1930-33 in Berlin als Bildjournalist für die Arbeiter-Illustrierte Zeitung, 1933 musste er vor der Nazidiktatur bis nach Spanien fliehen. Dort kämpfte und fotografierte er 1936-39 für die spanische Republik gegen den Franco-Faschismus. Danach wurde er in Frankreich und Marokko interniert, bevor er 1942 nach Mexiko emigrieren konnte. Reuter war ein Pionier des mexikanischen Dokumentarfilms, Fotograf und Freund der mexikanischen Indianer. Er starb am 20.3.2005 in Cuernavaca (Mexiko).

Station 10.4: Stolpersteine für Johann und Johanna Visser
Die beiden Stolpersteine wurden am 20.9.2011 verlegt. Sie sind eine Spende des Kiezbündnisses Klausenerplatz. Auf den Stolpersteinen steht:

HIER WOHNTE
JOHANNA VISSER
GEB. PREUSS
JG. 1872
DEPORTIERT 29.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.5.1944
AUSCHWITZ

HIER WOHNTE
JOHANNN JULIUS
VISSER
JG.1876
DEPORTIERT 29.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.8.1942

Johanna Visser wurde am 06.12.1872 in Orlowen (Ostpreußen) geboren, Johann Visser am 20.3.1876 in Leer (Ostfriesland). Sie eröffneten im Jahre 1901 ein Textilgeschäft in der Wilmersdorfer Str. 10. Das Geschäft hieß J. Visser. Nach Angaben der Tochter, Charlotte Visser, war Johanna Visser die Inhaberin, und ihr Mann Johann, ein gelernter Kaufmann, der Geschäftsführer. Die 1902 geborene Tochter Charlotte arbeitete dort später als Verkäuferin. Nach der Machtübernahme der NSDAP und den darauffolgenden antijüdischen Gesetzen lief das Geschäft immer schlechter, und am 1. Juli 1937 wurde es geschlossen. Im Jahr 1939 wurden er und seine Tochter Charlotte von der Gestapo vorgeladen und verhört. Die Tochter wurde im gleichen Jahr ausgewiesen. Fünf Jahre später wurde das Ehepaar Visser enteignet und von der Sammelstelle in der Großen Hamburger Str. 26 ins Ghetto von Theresienstadt deportiert. Johann Visser starb bereits vier Wochen nach seiner Ankunft in Theresienstadt an Ruhr. Am 16. Mai 1944 wurde Johanna Visser zusammen mit 2.500 weiteren Menschen nach Auschwitz gebracht und dort ermordet.

Station 11: Danckelmannstraße 16

Ledigenheim, Kiezspaziergang 13.2.2016
Ledigenheim, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: Thomas Wolfes

Station 11.1: Danckelmannstraße / Namensgeber
Die Danckelmannstraße wurde am 14. April 1885 nach dem Politiker Eberhard von Danckelmann benannt Er wurde am 23.11.1643 in Lingen geboren und starb am 31.3.1722 in Berlin. Er war Hauslehrer des Königs Friedrich I., brandenburgischer Minister und preußischer Oberpräsident (= Premierminister). Danckelmann arbeitete planmäßig an der Zentralisierung der Staatsverwaltung, förderte die Entstehung von Manufakturen und stärkte die Bedeutung und den Einfluss des Bürgertums. In Danckelmanns Verantwortung fiel auch die Gründung der Universität Halle 1694 und der Akademie der Künste in Berlin 1696. 1697 fiel er in Ungnade, wurde verhaftet und war bis 1707 in der Festung Peitz inhaftiert.

Station 11.2: Stolperstein für Moritz Lipnowski
Dieser Stolperstein wurde am 20.09.2011 verlegt.

HIER WOHNTE
FRITZ MORITZ
LIPNOWSKI
JG. 1896
DEPORTIERT 27.11.1941
ERMORDET IN
RIGA

Fritz Moritz Lipnowski wurde am 5.7.1896 in Berlin geboren und wohnte in der Danckelmannstraße 16 zur Untermiete. Seine letzte Tätigkeit übte er als Transportarbeiter bei der Firma Weber & Co Metallwarenfabrik aus. Der Wochenlohn betrug 40 Reichsmark. Als er krank wurde, musste er von Sozialhilfe leben. Am 27. November 1941 wurde er nach Riga deportiert und drei Tage später ermordet.

Station 11.3: FFBIZ in der Danckelmannstraße 13
Die Danckelmannstraße 13 [das rosarote Gebäude] war der erste Sitz des Frauenforschungs-, Bildungs- und Informationszentrums. Es wurde 1979 im Frauenzentrum in der Stresemannstraße als Arbeitsgruppe gegründet und fand 1980 in der Danckelmannstraße 13 seinen ersten festen Sitz. Zur Eröffnung kamen 500 Frauen, was die Bedeutung des Zentrums in frauenbewegten Zeiten unterstreicht. 1986 zog das FFBIZ dann in die Danckelmannstraße 47, in das ehemalige Ledigenheim, zu dem wir gleich noch mehr hören werden. In der Danckelmannstraße 15 gab es bis Anfang der 1990er-Jahre auch noch eine FFBIZ-Galerie. Das FFBIZ war mit seinen zahlreichen Aktionen, Festen, Nachbarschaftsinitiativen fest im Kiez verankert. Ab 1995 änderte sich der Schwerpunkt des FFBIZ weg von einem Frauen- und Bildungszentrum zu einem Archiv mit Bibliothek, welches die Geschichte der Frauenbewegung sammelt und archiviert. 2003 hat das FFBIZ Charlottenburg verlassen und zog in die ehemaligen Schlachthöfe in der Eldenaer Straße in Pankow, wo auch das Archiv Grünes Gedächtnis untergebracht ist.
Auch die Danckelmannstraße 13 war Anfang der 1980er-Jahre ein besetztes Haus.

Station 11.4: Ehemaliges Ledigenheim in der Danckelmannstraße 46/47
Am 1. April 1908 wurde in der Danckelmannstr. 46-47 das erste deutsche Arbeiterwohnheim eröffnet, das seinen Bewohnern anstelle der bislang üblichen Unterbringung in kargen Schlafsälen den Luxus von Einzelzimmern bot. Architekt war der Charlottenburger Stadtbaurat Rudolf Walter. Das Gebäude ist als ein “Unterkunftshaus in erster Linie für unverheiratete junge Männer, die sonst auf Schlafstellen angewiesen sind, Männer mit bescheidenem Einkommen, doch immer im Vollbesitz ihrer Kräfte und daher erwerbsfähig.” So hieß es damals in einer Beschreibung.

Mit diesem “Hotel” für Arbeiter, Angestellte und Handwerker machte die wohlhabende Bürgerstadt Charlottenburg den Versuch, dem sogenannten Schlafgängerwesen exemplarisch entgegenzutreten. Allein in Charlottenburg gab es zu dieser Zeit rund 8000 Schlafburschen, meist jüngere Arbeiter, die wegen der immensen Wohnungsnot und ihres geringen Einkommens nur Bettstellen als Übernachtungsmöglichkeit anmieten konnten.
Friedrich H. Lorentz schreibt dazu:

1895 wurden in Berlin 79435, in Dresden 19836 und in Leipzig 19101 Schlafstellenleute gezählt. In manchen Fällen war dasselbe Bett von zwei oder gar von drei Personen im Achtstundenwechsel innerhalb 24 Stunden benutzt, ohne somit einen Augenblick kalt werden zu können.

Die Schlafgänger trugen zur weiteren Verschlechterung der Wohnsituation bei, da sie die familiäre und die intime Beziehung der Wohnungsinhaber störten. Allerdings waren sie zur Finanzierung der Wohnungen notwendig, weil das Familieneinkommen zur Eigenfinanzierung einer Wohnung vielfach zu gering war. Mancherorts wurde das eigene Bett sogar an zwei verschiedene Schlafgänger vermietet. Statistisch gesehen gab es bei kleineren Wohnungen viel mehr Schlafgänger als bei größeren, da man in kleineren Wohnungen eher einen Schlafplatz als einen ganzen Raum abgeben konnte.
Das Ledigenheim war gut ausgestattet: es gab eine Volksbücherei, eine Volksbadeanstalt und eine Volksspeisehalle, außerdem drei Geschäfte, die zur Rentabilität beitragen sollten. Träger des Heims war die 1905 gegründete “Volkshotel AG Ledigenheim”. Von ihren 41 Aktionären gehörten 22 dem Charlottenburger Magistrat bzw. der Stadtverordnetenversammlung an.
Bis zu 370 Männer lebten in den bescheidenen, 6 qm großen Einzelzimmern des Wohnheims. Wegen des rigorosen Zutrittsverbots für Frauen wurde es in der Nachbarschaft “Bullenkloster” genannt. Entgegen vieler Besorgnisse war der Ruf des Heimes solide und gut. Sogar ökonomisch wurde der Heimbetrieb zum Erfolg. In der Weimarer Republik kam es allerdings zu heftigen Mieterunruhen. Im Sommer 1930 protestierten die Mieter gegen die rigide Hausordnung und gegen den inzwischen schlechten baulichen Zustand des Hauses.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg war das Ledigenheim voll besetzt, geriet aber schnell in den Ruf einer ausgesprochenen Notunterkunft. Als Ende der 60er Jahre die Wohnungsnot zu Ende ging, standen immer mehr Zimmer leer. 1971 löste sich die Aktiengesellschaft auf und verkaufte das Heim an die Gewobag, die das Haus von 1977 bis 1979 umbaute. Die Außenfassade wurde originalgetreu rekonstruiert und saniert. Heute ist das Haus ein Studierendenwohnheim mit 154 Einzelzimmern.

Wir gehen nun durch diese Toreinfahrt zum Ziegenhof und anschließend auch wieder zurück.

Station 12: Danckelmannstraße 16 / Ziegenhof

Wie bereits gesagt, wurden in den 1980er-Jahren die Innenbebauungen der Wohnblocks abgerissen, um Platz für Neubauten zu machen. So auch hier im Wohnblock 128. Dagegen protestierten die Anwohner und Anwohnerinnen. Sie begrünten die 6000 m² große Fläche, pflanzten Sträucher und Bäume und gründeten am 15. September 1982 den Verein Blockinitiative 128 e.V. Zudem wurden Ziegen, Hühner und Enten angeschafft und damit war der Ziegenhof gegründet. Seitdem sorgen die Ehrenamtlichen der Blockinitiative für die Pflege des als öffentliche Grünfläche anerkannten Geländes. Ich begrüße nun Herr Voget, der uns noch mehr über die Arbeit der Blockinitiative 128 erzählen kann.

Vielen Dank, Herr Voget!

Wir gehen nun wieder in die Danckelmannstraße zurück und dann rechts die Knobelsdorffstraße hinauf, überqueren die Autobahn und treffen uns wieder in der Epiphanienkirche in der Knobelsdorffstraße 72/74.

Station 13: Knobelsdorffstraße 72/74

Orgel, Kiezspaziergang 13.2.2016
Orgel, Kiezspaziergang 13.2.2016
Bild: Thomas Wolfes

Station 13.1: Knobelsdorffstraße / Namensgeber
Als erstes möchte ich ganz herzlich Herrn Pfarrer Haak begrüßen. Ehe er uns mehr zu seiner Gemeinde und der Geschichte der Kirche erzählen wird, möchte ich noch etwas zu der Knobelsdorffstraße sagen. Die Knobelsdorffstraße wurde um 1887 nach dem Maler, Gartengestalter und Architekt Hans Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff benannt. Er wurde am 17. Februar 1699 bei Crossen an der Oder geboren und starb am 16. September 1753 in Berlin. Er stand im Dienst von Friedrich II. In nur etwa zwei Jahrzehnten plante er zahlreiche Schlösser, Bürgerhäuser, Kolonnaden, Obelisken, Parks usw. Am bekanntesten sind sicher der Knobelsdorff-Flügel des Schloss Charlottenburg und das Schloss Sanssouci in Potsdam. Für die Berliner besonders wichtig ist aber sicher auch seine Umgestaltung des Tiergartens zu einem öffentlichen Park.

Station 13.2: Knobelsdorffstraße 72/74 / Epiphanienkirche
Ende des 19. Jahrhundert dehnte sich Charlottenburg im Zuge des extremen Bevölkerungswachstums nach Westen aus. Es bestand nicht nur Bedarf an Wohnungen, sondern auch eine evangelische Kirche wurde gebraucht, damit die Gläubigen nicht den weiten Weg zur Luisenkirche gehen mussten. Für den Bau der neuen Kirche wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben. Die veranschlagten Baukosten für die Kirche betrugen 350.000 Mark, ausgegeben wurden 470.000 Mark. Architekt war Jürgen Kröger. Er verwendete einen eklektizistischen Baustil mit Elementen aus der Romanik, der Gotik, der Renaissance, des Barocks und des Jugendstils. Die Kaiserin Auguste-Viktoria selbst wählte aus mehreren Namensvorschlägen den Namen Epiphanienkirche aus. Weil die Kirche von Nord-Westen nur über sandige Wege zu erreichen war, bekam sie in der Bevölkerung den Namen „Kirche auf dem Sandberg. Die Kirche wurde 1906 eingeweiht.
Beim Angriff auf Berlin Anfang Mai 1945 wurde die Epiphanien-Kirche stark zerstört und das angrenzende Gemeindehaus beschädigt. Die britische Besatzungsmacht sorgte für die Beseitigung der Kriegsschäden des Gemeindehauses, beanspruchte allerdings bis zur Fertigstellung ihrer eigenen Kirche den Gemeindesaal für ihre Gottesdienste.
Als erste Sicherungsmaßnahme wurden 1953 die beiden Türme, die ursprünglich barocke Turmhelme trugen, unter einem steilen Satteldach zusammengefasst. Der Wiederaufbau des Kirchengebäudes nach Entwürfen von Konrad Sage und Karl Hebecker erfolgte 1957–1960 in zwei Bauabschnitten, bei denen Dach und Innenraum neu gestaltet wurden. Zudem wurde der Haupteingang von der östlich des Turmes verlaufenden Rognitzstraße wegen des Baus der Stadtautobahnbau auf die Südseite zur Knobelsdorffstraße verlegt. Der Wiederaufbau des Kirchengebäudes erstreckte sich über einen Zeitraum von 15 Jahren. Am 27. März 1960 weihte Otto Dibelius das neue Gotteshaus ein.
Nun aber übergebe ich das Mikrofon Herrn Pfarrer Haak.

Vielen Dank, Herr Pfarrer Haak!
Unser Kiezspaziergang endet heute hier. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Samstagnachmittag und sage Ihnen nochmals unseren Treffpunkt am Samstag, den 12.3. um 14 Uhr: Es ist der S-Bahnhof Savignyplatz, und zwar vor dem Bücherbogen. Bis dann, eine schöne Zeit und Auf Wiedersehen!

Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Berlin-Westend
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Joseph_Kayser
https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Gro%C3%9Fheim
https://de.wikipedia.org/wiki/Parexel
Marpe, Harald: Reithalle, Notkirche, Kiezkino, Discounter, Biomarkt. Die wechselvolle Geschichte des Gebäudes Neufertstraße 19 – 21, Reihe “Kiez-Geschichten. Heft 5” hg. vom Kiezbündnis Klausenerplatz e.V., 22 S.
http://blog.klausenerplatz-kiez.de/archive/2012/12/27/strassen_und_platze_seelingstr
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Seeling
Ralf Zünder: Vom Ledigenheim zum Studentenwohnheim Danckelmannstraße, Berlin 1990 (= Schriften zur Hochschul-Sozialpolitik, hg. vom Studentenwerk Berlin)
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlafg%C3%A4nger
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Kulturdenkmale_in_Berlin-Charlottenburg
https://de.wikipedia.org/wiki/Epiphanien-Kirche_%28Berlin%29