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Kommunalpolitischer Rundgang am 24.2.2001

Durch Charlottenburg-Nord

Bezirksbürgermeister Andreas Statzkowski

Allgemeines

A

Der Charlottenburger Teil der 1929-31 unter der Gesamtplanung von Hans Scharoun errichteten Großsiedlung Siemensstadt, gilt als beispielhaft für den fortschrittlichen Wohnungsbau der 20er Jahre mit ihren aufgelockerten, von Freiräumen und Grünstreifen umgeben, meist fünfstöckigen Wohnzeilen. Mittelpunkt der Siedlung im Charlottenburger Teil ist der Goebelplatz. Die Straßen wurden hier nach Technikern, Erfindern und Physikern benannt, auf deren Entdeckungen der Erfolg der Firma Siemens beruhte.

B

Von 1956 bis 1961 entstand die Erweiterung der Siedlung Siemensstadt im westlichen Teil Charlottenburg-Nords mit annähernd 4000 Wohnungen für 12.000 Menschen. Den östlichen Teil, die Paul-Hertz-Siedlung, mit fast 2700 Wohnungen, baute man anschließend 1961-1965. Zum Planungsteam gehörten die Siemensstadt-Architekten Hans Scharoun und Otto Bartning. Hans Scharoun nannte seine Bauten “Wohngehöfte”

Paradoxerweise wurde durch die Baumaßnahmen die Wohnungsnot zunächst verschlimmert, denn das Baugelände bestand größtenteils aus Kleingärten, in denen Wohnlauben standen, die meist ständig bewohnt waren. Sie mussten vor Baubeginne abgerissen werden, ohne dass gleich Ersatzwohnungen zur Verfügung standen.

Viele Straßen der neuen Siedlung wurden nach Widerstandskämpfern benannt. Die Nähe zur 1951 errichteten Gedenkstätte Plötzensee spielte dabei eine wichtige Rolle.

Durch eine problematische Politik der Wohnungsbaugesellschaften (vor allem GSW) zogen hier viele Sozialhilfeempfänger her, während viele Berufstätige wegzogen, weil ihnen die Miete zu hoch wurde und weil es seit 1990 attraktive Alternativen im Umland gibt. Vor allem in der Paul-Hetz-Siedlung leben viele Russlanddeutsche.

Halemweg

Benannt 1957 nach dem Juristen und Widerstandskämpfer Nikolaus Christoph von Halem (15.3.1905 – 9.10.1944, hingerichtet im Zuchthaus Brandenburg), musste 1933 seine Richtertätigkeit beenden, weil er keinen Eid auf Hitler leisten wollte, hatte Kontakte zu Beppo Römer, wurde nach dessen Verhaftung 1942 ebenfalls verhaftet.

18

Jugendclub, gegr. Am 29.11.1965, seit dem 31.1. dieses Jahres Mediencafé (Internet), drittes Mediencafé der Charlottenburg-Wilmerdorfer Jugend- und Familienförderung neben dem Haus der Jugend Zillestraße in Charlottenburg und dem Haus der Jugend “Anne Frank” in Wilmersdorf. Together e.V. bietet hier neben der kostenlosen Internetnutzung für Jugendliche Kurse und Workshops an, in denen der Umgang mit den neuen Medien gelernt werden kann.

Öffnungszeiten: Mo, Di, Do 14.30-22.00 Uhr, Mi 14.30-18.00 Uhr, Fr 14.30-21.00 Uhr

Schwerpunkte: Mädchentheatergruppe, Hausradio, Computer, Video, Sport, Töpfer- und Holzwerkstatt, Disko der Lebenshilfe e.V. Turniere (Tischtennis, Billard), Erlebnisferien; aktive Vereine: TSV, Tanzgruppe Blau Weiß, Together e.V.

22

Anna-Freud-Oberschule, staatl. Fachschule für Sozialwesen mit gymnasialer Oberstufe (Oberstufenzentrum), 1977 gegründet, 950 Schüler, Schwerpunkt Sozialwesen, heute (24.2.) Tag der offenen Tür 10-13 Uhr

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Poelchau-Gesamtschule

1973 eröffnet, 700 Schüler, Mittelstufenzentrum (gymnasiale Oberstufe im Gespräch), Anziehungspunkt für viele Schüler sind die sportbetonten Züge

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Erwin-von-Witzleben-Grundschule, 1962 gegründet, 340 Schüler, 2zügig, Französisch als 1. Fremdsprache, sportbetonter Zug, auch im Hort (freier Träger: SCC). Probleme bereitet die hohe Zahl von Sozialhilfeempfängern mit häufig nicht intakten Familien, während die hier unterrichteten Ausländerkinder und die Kinder von Russlanddeutschen meist gut integriert sind.

Toeplerstraße

Benannt 1937 nach dem Physiker August Joseph Ignatz Toepler (7.9.1836 – 6.3.1912)

1

Ev. Sühne-Christi-Kirche, 1962-64 von Hansrudolf Plarre. Bauliche Ergänzung zu einem bestehendem Gemeindehaus. Hexagonaler (sechseckiger) Saalbau mit dreieckigen Anbauten für Eingang und Sakristei, freistehender Glockenturm, Kirchengemeinde Charlottenburg-Nord.

(Schweiggerweg 1937 benannt nach dem Chemiker und Physiker Johann Salomo Christoph Schweigger, war an der Entwicklung des Galvanometers beteiligt)

Goebelplatz

Benannt 1930 nach dem Uhrmacher und Erfinder Henry Goebel (eigentlich Johann Heinrich Christoph Göbel, 20.4.1818 – 16.12.1893, 1848 nach Amerika ausgewandert), gilt als Erfinder der Glühlampe, die Thomas Alva Edison seit 1879 technisch auswertete und industriell produzierte.

Mittelpunkt des Charlottenburger Teils der Großsiedlung Siemensstadt. Die Häuser ringsum stammen von bekannten Architekten der Weimarer Republik wie Walter Gropius, Otto Bartning, Hugo Häring und Rudolf Henning.

Geißlerpfad

Benannt 1930 nach dem Mechaniker und Instrumentenbauer Heinrich Geißler (26.5.1814 – 24.1.1879)

Heckerdamm

Benannt 1950 nach dem Architekten Oswald Hecker (1869-1921), der 1907-13 den Osthafen an der Stralauer Allee gebaut hat. (zuvor Königsdamm)

Volkspark Jungfernheide

Die Jungfernheide als östlich von Spandau gelegenes Wald- und Heidegebiet erhielt ihren Namen nach den ‘Jungfern’ des Spandauer Nonnenklosters (vgl. auch Nonnendammallee), das 1239 von den Markgrafen Otto III und Johann I gegründet wurde. Bis um 1800 befand sich hier ein kurfürstliches bzw. königliches Jagdrevier; ab 1824 wurde ein Teil der Jungfernheide als Exerzier- und Schießplatz genutzt.

1904 kaufte die Stadt Charlottenburg Teile der Jungfernheide für die Anlage eines großen städtischen Parks, was wegen der hohen Kosten immer wieder hinausgezögert wurde. Die für 1920 von der Stadt Charlottenburg bereitgestellten 10 Mio Mark wurden nach der Bildung von Groß-Berlin 1920 zunächst gesperrt. 1921 wurde eine Stiftung “Park, Spiel und Sport” gegründet, die Sponsorengelder einwarb.

1920 – 1926 wurde auf 112ha der Jungfernheidepark nach Plänen des Charlottenburger Gartendirektors Erwin Barth gestaltet (1800 m lang, 800 m breit). Die Garten- und Hochbauverwaltung führte die Arbeiten hauptsächlich mit Arbeitslosen im Notstandsprogramm durch.

Am 27.5. 1923 wurde der Park und die Badeanlagen zu den Spiel- und Sportwochen im Bezirk eröffnet. 1925 ein Ehrenhain für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Niederdeutschen, ebenfalls von Barth, wurde bei der Verbreiterung des Tegeler Weges (heute Kurt-Schumacher-Damm) nach 1945 entfernt. 1927 wurden die Arbeiten eingestellt. Aus Geldmangel konnten nicht alle Pläne realisiert werden.

Park und einzelne Baulichkeiten wurden im Zweiten Weltkrieg sehr beschädigt. Zwei Häuser am Eingang wurden zerstört. Von zwei Bären an der Hauptallee unweit des Eingangs am Kurt-Schumacher-Damm (geschaffen von Hermann Pagels) ist nur einer erhalten.

Durch den Ausbau des Tegeler Weges (heute Kurt-Schumacher-Damm) bzw. der Autobahn wurden östliche Teile des Parks und der Haupteingang zerstört. Ersatzweise wurden Mitte der 80er Jahre nach historischem Vorbild neue Eingänge am Heckerdamm und an der Westseite des Parks (Jungfernheideweg) geschaffen. Statt des südöstlichen ehemaligen Haupteinganges wurde neben der Stadtautobahn einer kleiner Platz mit offenen Pavillons für BVG-Wartegäste als neuer Eingangsbereich für den Park geschaffen.

Nonnengrabenkanal, Teich

Der große Teich erhält über den Nonnengrabenkanal ständig frischen Zufluss aus dem Spandauer Schifffahrtskanal und gibt sein Wasser an die tiefer gelegene Spree ab. Das Becken wurde künstlich geschaffen, der westliche Teil dient als Freibad, der östliche als Planschbecken für die kleinen Kinder.

Naturtheater

Nach der Parkeröffnung 1923 wurde das ebenfalls von Erwin Barth nach dem Vorbild des antiken Theaters in Ephesos entworfene Freilufttheater, die Gustav-Böss-Bühne errichtet. Es fasst 2000 Besucher. Nach dem Zweiten Weltkrieg wiederhergestellt. Kassengebäude und Umkleideräume wurden 1951 errichtet.

Freizeitanlage

1956 wurde auf dem sogenannten Ferienspielplatz eine Anlage für 500 Kinder eröffnet, u.a. mit einer Liegehalle für körperbehinderte Kinder.

Spielwiese

Die Spielwiese zwischen Teich und Wasserturm ist Teil der Hauptachse des Parks. An ihrem östlichen Ende befand sich früher der Haupteingang.

Der 38m hohe Wasserturm, ein expressionistischer Klinkerbau (1927 von W. Helmcke) wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, blieb aber erhalten und wurde in den 80er Jahren restauriert. Früher befand sich darin unten eine Gaststätte.

Nördlich des Teichs befindet sich ein Sportplatz und die bezirkliche Baumschule.

(Hinckeldey-Gedenkkreuz)

Am Eingang Kurt-Schumacher-Damm steht ein Gedenkkreuz für Ludwig von Hinckeldey, den um den kommunalen Aufbau der Stadt verdienten Berliner Polizeipräsidenten, der 1856 bei einem Duell in der Jungfernheide von Hans-Wilhelm vom Rochow-Plessow erschossen wurde. Das Kreuz wurde 1856 an der Duell-Stelle aufgestellt, 1904 kam direkt neben das Kreuz eine Mülldeponie, 1939 wurde es von einem eisernen Gitter eingefriedet, 1954 wurde es restauriert und an den heutigen Standort versetzt, da über den alten Standort die Stadtautobahn führt. Die vorbeiführende Straße wurde 1954 Hinckeldeydamm benannt, 1956 Kurt-Schumacher-Damm.

Heinickeweg

1955 benannt nach dem Pädagogen Samuel Heinicke (10.4.1727 – 30.4.1790), gründete 1778 die erste Taubstummenlehranstalt Deutschlands

Filiale des Max-Bürger-Zentrums, Seniorenwohnhaus und Pflegeheim Heimstatt Jungfernheide

Toeplerstraße

Halemweg