92. Kiezspaziergang am 8.8.2009

Vom Bahnhof Halensee an vier Grunewaldseen entlang zum Bahnhof Grunewald

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, Foto: KHMM

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen, Foto: KHMM

Bezirksbürgermeisterin Monika Thiemen
am Samstag, dem 8.8.2009, ab 14.00 Uhr
Treffpunkt: Henriettenplatz, S-Bhf Halensee

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 92. Kiezspaziergang. Mitten im Hochsommer wollen wir heute eine kleine Seentour machen vom Halensee über den Koenigssee und Dianasee bis zum Hundekehlesee. Enden werden wir am Bahnhof Grunewald.
Das Bezirksamt bemüht sich seit Jahrzehnten, diese öffentlichen Seen auch öffentlich zugänglich zu machen. Ein durchgehender Uferwanderweg ist am Halensee, Koenigssee und Dianasee bisher allerdings am Einspruch von Anliegern gescheitert, die den Zugang zum See von ihrem Privatgrundstück aus nicht mit der Öffentlichkeit teilen wollen. Das ist am Herthasee und Hubertussee etwas anders. Vielleicht können sich noch einige an den Spaziergang vor einigen Jahren erinnern, als wir ebenfalls hier gestartet sind und den wunderschönen Wanderweg am Herthasee und Hubertussee erkundet haben.
Den Halensee, Koenigssee und den Dianasee werden wir heute nur an wenigen Stellen in Augenschein nehmen können, aber am Ende werden wir am Hundekehlesee mit einem wunderschönen Wanderweg entschädigt.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen mitteilen, wo der Treffpunkt für den nächsten Kiezspaziergang sein wird. Wie Sie wissen treffen wir uns immer am zweiten Sonnabend des Monats um 14.00 Uhr, also das nächste Mal am 12. September, und zwar am Bahnhof Zoo vor dem Haupteingang auf dem Hardenbergplatz. Wir werden von dort über den Fasanenplatz und Ludwigkirchplatz zur neuen Suchtklinik in der Pfalzburger Straße gehen und schließlich auf dem Leon-Jessel-Platz enden, wo die Stadtteilinitiative “Miteinander im Kiez e.V.” an diesem Tag ihr diesjähriges Sommerfest feiert, eine sehr sympathische Kiezveranstaltung, wie ich finde. Auf der Bühne wird es um 16.30 Uhr eine Cheerleader-Show und um 17.00 Uhr eine Modenschau geben. Wer Lust hat, kann sich das nach dem Kiezspaziergang am Leon-Jessel-Platz anschauen und noch ein wenig mitfeiern.

Bahnhof Halensee
Der S-Bahnhof wurde 1877 eröffnet, damals noch unter dem Namen Bahnhof “Grunewald” und etwas weiter westlich als heute. 1884 wurde er in “Bahnhof Halensee”, umbenannt und an die heutige Stelle verlegt.
Kurz vor der Maueröffnung wurde 1988 überlegt, das Gelände des Güterbahnhofs Halensee zu überbauen. Der Halenseegraben sollte mit einer Art Deckel versehen werden, auf dem dann 1.400 Wohnungen entstehen sollten. 1,5 Milliarden DM hat man damals für eine solche Baumaßnahme kalkuliert. Weil die Fläche West-Berlins begrenzt war, wollte man auf diese Art versuchen, zusätzliche Baumöglichkeiten zu schaffen. Mit der Wende wurden diese Pläne zu den Akten gelegt.
Jetzt ist auf dem Areal des Güterbahnhofs vorgesehen, einen großen Heimwerkermarkt der Firma Bauhaus und ein Hotel an der Kurfürstendammbrücke zu errichten. Außerdem sollen dahinter und bis zur Paulsborner Straße die rund 20 dort ansässigen mittelständischen Betriebe Neubauten erhalten.

Kurfürstendammbrücke
Der Kurfürstendamm ist hier 12 m höher als an der Gedächtniskirche. Man hat von der Kurfürstendammbrücke einen schönen Blick nach Charlottenburg (ICC) und nach Wilmersdorf (Kraftwerk und ehemaliges BfA-Gebäude – jetzt Rentenversicherung Bund).

Henriettenplatz
Der Platz erhielt seinen Namen 1892 nach der Gemahlin von Friedrich-Wilhelm, dem Großen Kurfürsten, Luise Henriette von Oranien-Nassau.
Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 wurde der Platz im Rahmen eines städtebaulichen Wettbewerbs neugestaltet mit dem Medusenbrunnen von Anna und Patrick Poirier, den Säulenkolonaden mit der BVG-Wartehalle von Heinz Mack und einem Obelisk ebenfalls von Heinz Mack auf dieser Straßenseite. Eine Gedenkstele für Luise Henriette in Form eines kleinen Obelisken wurde von niederländischen Unternehmen gestiftet und ebenfalls 1987 aufgestellt. An der Stele sind Reliefs von Luise Henriette und ihrem Gemahl, dem Großen Kurfürsten, angebracht.

Kurfürstendamm 130
Das Eckhaus an der Ecke Kurfürstendamm und Westfälische Straße wurde ebenfalls zur 750-Jahr-Feier 1987 restauriert und mit einer neuen, transparenten Kuppel versehen. Ursprünglich hatten alle Eckhäuser am Kurfürstendamm Türme, Türmchen oder Kuppeln.

Auf der Kurfürstendammbrücke, Foto: KHMM

Auf der Kurfürstendammbrücke, Foto: KHMM

Kurfürstendamm 119/120
Das Geschäftshaus hinter der Brücke an der Ecke Bornstedter Straßer wurde 1993 von dem Stararchitekten aus Chicago, Helmut Jahn, für 70-Millionen Euro gebaut.

Bornstedter Straße
Die Bornstedter Straße wurde 1888 nach dem Stadtteil von Potsdam benannt

Bornstedter Str. 11-12: Friedhof Grunewald
1892 wurde der Friedhof für die neugegründete Villenkolonie Grunewald auf 11.686 qm Fläche angelegt und wegen seiner schon damals von Bahngleisen umschlossenen Lage im Volksmund die “Toteninsel” genannt. Die neugotische Friedhofskapelle stammt aus dem Jahr 1897.
Hier sind unter anderem begraben:
Der 1912 gestorbene Bildhauer Otto Lessing, der 1923 gestorbene Optiker Carl Paul Goerz, der 1928 gestorbene Schriftsteller Hermann Sudermann und der 1929 gestorbene Historiker Hans Delbrück.

Trabener Steg
Die 1960 gebaute Fußgängerbrücke führt über die Stadtautobahn A 100 und die Halenseestraße und verbindet die Bornstedter Straße mit der Trabener Straße. Der Steg ist aus Stahl, 96 Meter lang und 4,5 Meter breit. Der Steg ist wie die Trabener Straße nach Traben-Trarbach benannt, einer Weinbau-Stadt in der Pfalz. Man blickt von der Brücke auf den meistbefahrenen Autobahnabschnitt Deutschlands.

Die Filteranlage und das Geschäftshaus "Zitrone", Foto: KHMM

Die Filteranlage und das Geschäftshaus "Zitrone", Foto: KHMM

Bürogebäude am Halensee “Zitrone”, Kronprinzendamm 15
Das auffällige Gebäude direkt an der Autobahn wurde 1994-96 von Hilde Léon und Konrad Wohlhage auf einem Grundstück errichtet, das als unbebaubar galt. Es ist ein 7-geschossiges Haus auf einem dreieckigen Grundriss. Über einem sogenannten Luftgeschoss ragt das Gebäue 6m vor. Es hat insgesamt 7500qm Bürofläche mit variablen Grundrissen. Markant ist die dynamisch geschwungene, verglaste Fassade über einem Natursteinsockel parallel zur Autobahn. Aus Schallschutzgründen und zum Schutz gegen Abgase hat das Bürohaus eine zweischalige Außenhaut, deren Zwischenraum über das Dach belüftet wird und so ein natürliches Raumklima gewährleistet. 1997 wurde der Bau mit dem Deutschen Architekturpreis ausgezeichnet. Nach der Pleite des ehemaligen Hauptmieters Aubis im Jahr 2000 stand das Haus einige Zeit leer. Der Spitzname “Zitrone” wurde von einer Bürgerinitiative geprägt. Er bezieht sich auf die elliptische Form des Gebäudes. In der Bürgerinitiative hatten sich Anwohnerinnen und Anwohner zusammengeschlossen und versucht, den Bau zu verhindern.

Im Friedenthal-Park am Halensee, Foto: KHMM

Im Friedenthal-Park am Halensee, Foto: KHMM

Friedenthal-Park
1882 eröffnete Paul Saeger hier sein “Wirtshaus am Halensee”. Theodor Fontane machte es zum Ziel einer Landpartie in seinem Roman “Frau Jenny Treibel”, der von 1888 bis 1891 entstand.
Für Corinna, die Tochter des Professors Schmidt, klingt “ein Nachmittag in Halensee fast so poetisch wie vier Wochen auf Capri”… “Eine Stunde verging unter allerhand Plaudereien, und wer gerade schwieg, der versäumte nicht, das Bild auf sich wirken zu lassen, das sich um ihn her ausbreitete. Da stieg zunächst eine Terrasse nach dem See hinunter, von dessen anderem Ufer her man den schwachen Knall einiger Teschings hörte, mit einen in einer dort etablierten Schießbude nach der Scheibe geschossen wurde, während man aus verhältnismäßiger Nähe das Kugelrollen einer am diesseitigen Ufer sich hinziehenden Doppelkegelbahn und dazwischen die Rufe des Kugeljungen vernahm. Den See selbst aber sah man nicht recht, was die Felgentreuschen Mädchen zuletzt ungeduldig machte. ‘Wir müssen doch den See sehen. Wir können doch nicht in Halensee gewesen sein, ohne den Halensee gesehen zu haben!’
Und dabei schoben sie zwei Stühle mit den Lehnen zusammen und kletterten hinauf, um so den Wasserspiegel vielleicht entdecken zu können.
‘Ach, da ist er. Etwas klein.’
‘Das Auge der Landschaft muss klein sein’, sagte Treibel. ‘Ein Ozean ist kein Auge mehr.’”
An der Stelle von Saegers Wirtshaus wurden 1904 die “Terrassen am Halensee” als Vergnügungsgelände mit orientalisierender Fantasiearchitektur eröffnet und seit 1910 erfolgreich als “Lunapark” betrieben – mit jährlich wechselnden Attraktionen wie Shimmytreppe, Cakewalkmaschine, Wasserrutschbahn, Gebirgsbahn, Wirbelschaukel, Teufelsscheibe, Somalidorf usw.. Am 16.5.1927 wurde das legendäre Wellenbad als größte Schwimmhalle Europa eröffnet. 1934 wurde der Lunapark durch die Nationalsozialisten als “Schandfleck des Westens” geschlossen und abgerissen. Stattdessen wurde 1938 ein Teil des Geländes von Joseph Pertl als Landschaftspark gestaltet und ein Teil zum Bau einer Straße zum damaligen Reichssportfeld, dem heutigen Olympiagelände genutzt.
Heute führt die Halenseestraße als Autobahnzubringer mitten durch das Gelände. Die Wiese wird gern von Nacktbadern genutzt.
1997 wurde sie nach dem preußischen Politiker und Unternehmer Karl Rudolf Friedenthal benannt. Wegen seiner jüdischen Herkunft war im Jahr 1938 die nach ihm benannte Friedenthalstraße in Grunewald in Schellendorffstraße umbenannt worden. Da eine Rückbenennung der Straße nicht möglich war, wurde ersatzweise der Halenseepark nach Friedenthal benannt. Auf einem großen Findling informiert eine Gedenktafel darüber:
Karl Rudolf Friedenthal
15.9.1827 – 7.3.1890
Preußischer Politiker und Unternehmer
1867 Mitbegründer der Freikonservativen Partei
1871-1881 Reichtagsabgeordneter
1874-1879 preußischer Landwirtschaftsminister
1938 wurde in Wilmersdorf die nach Friedenthal
benannte Straße wegen seiner jüdischen Herkunft
von den Nationalsozialisten umbenannt in Schellendorffstraße

Halensee, 21.7.2009, Foto: KHMM

Halensee, 21.7.2009, Foto: KHMM

Halensee
Der Halensee gehört zur Kleinen Grunewaldseenkette und ist mit 56 000 m2 Oberfläche der größte dieser Seen. Er hat eine mittlere Tiefe von 5 Metern. Der größte Teil der Uferzone ist in privater Hand. Lediglich im Norden und Süden ist der See frei zugänglich.
Wegen des verschmutzten Wassers ist das ehemalige Freibad Halensee seit 2002 geschlossen und Baden im See seit 2003 verboten. Der See verfügt nicht über natürliche Ab- und Zuläufe, sondern speist sich zur Hälfte aus Grundwasser und zur Hälfte aus Regenwasser, das – vor allem von der Autobahn – viel Dreck mitführt.
Am 4.6.2007 nahmen die Berliner Wasserbetriebe eine neue Regenwasserfilteranlage in Betrieb, die das Dreckwasser von den Straßen auffängt und reinigt, bevor es in den See fließt. In einigen Jahren soll das Wasser im Halensee wieder Badequalität haben.
Durch die Platzierung der Filteranlage hier am Rand des Parks soll die öffentliche Grünanlage so wenig wie möglich beeinträchtigt werden, denn sie wird in den Sommermonaten stark als Liegewiese genutzt – auch wenn Baden im See nicht möglich ist.
Die Filteranlage wurde mit einer Mauer und teilweise mit einem Zaun gesichert. Die Mauer wurde als Schallschutzmauer gestaltet, was die Geräuschsbelastung durch den Straßenverkehr vermindert.
Das 2.200 m² große Filterbecken ist mit einem speziellen Filtersubstrat belegt und mit Schilf bepflanzt. Die Anlage kann jährlich 85 Mio. Liter Regenabflüsse von 28 Hektar Straßenfläche klären.

Trabener Straße
Die Trabener Straße wurde 1895 benannt nach Traben-Trarbach, der Wein-Stadt an der Mosel in Rheiland-Pfalz. Die Straßen in diesem Teil der Villenkolonie Grunewald wurden überwiegend nach Weinorten benannt.

Spielplatz
Der Spielplatz ist 640 qm groß. Er wird wie alle 130 Spielplätze im Bezirk regelmäßig kontrolliert, so dass die Spielgeräte sicher sind. Inzwischen haben wir für alle Spielplätze ein Alkoholverbot erlassen, um entsprechende Belästigungen und Gefahren für die Kinder durch herumliegende Scherben möglichst zu verhindern.

Uferwanderweg
Planungen zu einem Uferwanderweg entlang der Grunewaldseen bestanden bereits in den 1920er-Jahren, konnten jedoch nie realisiert werden. Ende der 1970er-Jahre griff der Bezirk Wilmersdorf die Idee im Rahmen eines Landschaftsplans auf und machte zunächst die Uferbereiche der landeseigenen Grundstücke öffentlich zugänglich. Durch Zukäufe kamen in den 1980er- und 1990er-Jahren weitere Teile dazu. Die Gesamtlänge des Uferwanderwegs Grunewald soll 3,5 Kilometer betragen und die Innenstadt entlang der kleinen Seen auf einem durchgehenden Weg mit dem Forst Grunewald verbinden. Bis zum Jahr 2003 waren knapp zwei Kilometer fertiggestellt. Seitdem stagniert der Ausbau, da Mittel für weitere Ankäufe erst einmal nicht vorhanden sind.
An dieser Stelle können Sie besonders gut sehen, wie schwierig die Anlage eines solchen Uferwanderweges ist. Die Berliner Wasserwerke bauen hier seit Anfang des Jahres in Abstimmung mit dem Bezirksamt ein neues Stück als Kompensation für die durch den Bau der Filteranlage verloren gegangene Erholungsfläche. Eine Holzbrücke führt über den Auslauf des Regenwasserklärbeckens.
Der Weg muss hier teilweise mit einer Steganlage um private Ufergrundstücke herumgeführt werden. Schließlich mündet er in einen Zugangsweg neben der Trabener Straße 70 mit Freitreppe und Kinderwagenrampe.

Güterbahnhof Grunewald
Das 100.000 qm große Gelände des Güterbahnhofs Grunewald zwischen der Trabener Straße und den Bahngleisen wird von der Deutschen Bahn AG nicht mehr benötigt. Es soll mit rund 100 neuen Villen auf jeweils rund 1.000 qm großen Grundstücken bebaut werden. Über die Pläne wird seit einigen Jahren diskutiert. Es geht dabei um Schallschutzwände gegenüber den Bahngleisen und der AVUS. Es geht um die Verkehrsbelastung der Villenkolonie Grunewald durch die neuen Zufahrtswege. Und es geht dabei um die Gedenkstätte am Bahnhof Grunewald, die an die Deportation jüdischer Berlinerinnen und Berliner in die Vernichtungslager erinnert und nicht durch die Nachbarschaft beeinträchtigt werden soll.

Erbacher Straße
Die Erbacher Straße wurde 1898 benannt nach dem heutigen Stadtteil von Eltville in Hessen.
Erbacher Str. 1-3 Ehemalige Villa des Bankiers Bernhard Dernburg
Das Eingangstor erinnert noch an die frühere Villa des Bankiers Bernhard Dernburg von 1901. Hinter dem Haus ließ Dernburg einen landschaftlich gestalteten Garten anlegen, der bis zum Halensee reichte. Durch umfangreiche Baumaßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Villa und das Grundstück stark verändert.

Wissmannstraße
Die Wissmannstraße wurde 1898 benannt nach dem Afrikaforscher Major Hermann von Wissmann (1853-1905)

Wissmanstr. 6: Haus von Rainer Kriester
Seit den 60er Jahren lebte hier bis zu seinem Tod 2002 der bekannte Bildhauer Rainer Kriester. Im Garten ist eine Auswahl seiner Skulpturen aufgestellt. Zwei Köpfe von Rainer Kriester wurden 1989 auf dem Theodor-Heuss-Platz zwischen Kaiserdamm und Masurenallee aufgestellt.

Am Koenigssee, Foto: KHMM

Am Koenigssee, Foto: KHMM

Koenigssee
Der 2,2 ha große See ist einer der vier 1889 zum Ausbau der Villenkolonie Grunewald künstlich angelegten Seen. Er wurde – wie die gleichnamige Allee – nach dem Bankier und Mäzen Felix Koenigs benannt, der von 1846 bis 1900 lebte. Der geplante Grunewalder Uferwanderweg ist hier auf einer Länge von 515m angelegt.
Die Anlage der vier Seen diente einerseits zur Trockenlegung des übrigen Grunewaldgebietes. Zum anderen konnte man dadurch begehrte und entsprechend teure Seegrundstücke gewinnen. Die vier Seen wurden innerhalb eines Jahres von polnischen Gastarbeitern ausgegraben und durch artesische Brunnen, das heißt, Brunnen, dessen Wasser durch den Überdruck des Grundwassers selbständig aufsteigt, mit Wasser gefüllt.
Der Koenigssee ist Teil der Kleinen Grunewaldseenkette, zu der die Krumme Lanke, Schlachtensee, Grunewaldsee, Hundekehlesee, Herthasee, Hubertussee, Fennsee, Dianasee, Halensee und der Lietzensee gehören. Diese Seen werden von zwei ehemaligen Schmelzwasserrinnen durchzogen. Die erste Rinne ist eine Nebenrinne der Havelseenrinne, die in Nord-Süd-Richtung gelegen ist. In ihr ist der Lietzensee, der Halensee, der Hundekehlesee, der Koenigssee und der Dianasee enthalten.
Eine zweite Rinne verläuft etwa vom Schöneberger Rathaus in westlicher Richtung auf die erste Rinne zu. In ihr liegen der Fennsee, der Hubertussee und der Herthasee. Wir bewegen uns heute entlang der ersten Eiszeitrinne. Sie entstand im Verlauf der Eiszeit, also von etwa 600.000 bis 12.000 vor unserer Zeitrechnung.
Alle fünf Seen der Kleinen Grunewaldseenkette sind Grundwasserseen, die im wesentlichen vom Grundwasser gespeist werden. Hinzu kommt Niederschlagswasser.
Über ein Pumpwerk am Dianasee kann die Kleine Grunewaldseenkette bei Bedarf mit sauberem Wasser versorgt werden.

Koenigssee, Foto: KHMM

Koenigssee, Foto: KHMM

Die Ufer der neu geschaffenen Seen wurden befestigt und so bepflanzt, dass man ihre Künstlichkeit nicht wahrnahm. Mit ihren geschwungenen Uferlinien lag der optische Unterschied zu den beiden natürlichen Halensee und Hundekehlesee lediglich in ihrer geringen Breite und einer Tiefe von durchschnittlich nur anderthalb Metern. Das bei dem Aushub anfallende Erdreich nutzte man für Aufschüttungen der Ufer, so dass die Seeparzellen mit zum Teil beträchtlichem Gefälle zu den Gewässern abfallen.
Die Ufer der Kolonie standen nicht für Erholungssuchende zur Verfügung. Für diese glaubte man mit dem nahen Grunewaldsee, dem Südufer des Hundekehlesees sowie dem nördlichen Halensee und seiner öffentlichen Badeanstalt ausreichend Ufer, bzw. Seeanteile bereitgestellt zu haben.
Die damals gültigen Baubestimmungen sicherten die landschaftlichen Qualitäten des Villengebietes. So wurden die Seeufer und die Hangbereiche von Bebauung freigehalten und eine Bebauungshöchstgrenze von 30 Prozent der Grundstücksfläche eingeführt. Gehörten die ersten 1890 bebauten Flächen noch zu den kleineren Grundstücken mit einer Größe zwischen 700 und 3.500 qm, so entstanden in den darauffolgenden 15 Jahren gärtnerisch kultivierte Anlagen mit Ausmaßen zwischen 5.000 und 23.000 qm bis hin zur extremsten Ausbreitung von annähernd 80.000 qm Gartenfläche. Entsprechend großzügig war die Bepflanzung mit Waldbäumen möglich.
Diese großen Grundstücke waren vor allem an den Uferbereichen der Seen zu finden, vor allem an den Nord- und Ostufern, da dort eine optimale Ausnutzung der Sonnenscheinstrahlung möglich war.
Veränderte Baubestimmungen nach 1959 führten zur zunehmenden baulichen Verdichtung und zur teilweisen Zerstörung des traditionellen Landschaftsbildes. Dadurch wurden der ökologische sowie der Erholungs- und Wohnwert beeinträchtigt. Prägende Landschaftselemente wie die Hangkanten zu den Seen, der Waldbaumbestand und die großzügigen Grundstücksfreiflächen sind heute zum Teil vollständig verschwunden.
Durch intensive Nutzung wird auch der empfindliche Uferbereich geschädigt. Die Bebauung im Hangbereich bewirkt die Zerstörung gewachsener Böden. Die charakteristische Bepflanzung von Grundstücken mit typischen Waldbaumarten ist in den vergangenen Jahren immer weiter zugunsten von modischen Gehölzen zurückgegangen. Großkronige Laubbäume, die ehemals prägende Waldkiefer oder landschaftstypische Sträucher werden kaum noch gepflanzt. Immer mehr Flächen werden befestigt und versiegelt. Das führt zu einer starken Einschränkung der typischen, zum Teil seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten. Der Bestand an Fröschen, Kröten und einigen Vogelarten geht stetig zurück.
Im Rahmen des Landschaftsplanes wird versucht, dem entgegen zu wirken und die Qualitäten des Gebietes zu sichern.
Entlang der Seeufer wurde eine rund 35 m breite Uferschutzzone festgesetzt, für die besondere Schutz- und Pflegemaßnahmen anzuwenden sind.
Der verstärkte Laubfall in die Seen führt zu Verschlammung und Sauerstoffverzehr beim biologischen Abbau. Deshalb sind Abholzungen an der Ufern wichtige Maßnahmen zur Verbesserung der Wasserqualität. Bei Abholzmaßnahmen gibt es oft Proteste, wenn dieser Zusammenhang und die Bedeutung für die Seen nicht bekannt ist.

Koenigsallee
Die Koenigsallee wurde 1895 nach dem Bankier Felix Koenigs benannt, der zu den Begründern und Finanziers der Villenkolonie Grunewald zählt.

Koenigsalleebrücke
Die 1892 gebaute Koenigsalleebrücke führt im Zuge der Koenigsallee über den Kanal, der den Koenigssee mit dem Herthasee verbindet. Die als Klinkergewölbe errichtete Brücke ist 21 Meter lang und 18 Meter breit. Das schmiedeeiserne Geländer wird von Blumenmotiven geziert. Vier ursprünglich vorhandene Kandelaber wurden im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen.

Koenigsallee 20a Ecke Delbrückstraße: Villa Walther
Die Villa an der Koenigsallee Ecke Delbrückstraße wurde 1917 von dem Königlichen Baurat Wilhelm Walther für einen russischen Adligen erbaut, der nach dem Krieg nicht mehr bezahlen konnte. Walther hat sich durch den Bau der “maßlosen Villa” ruiniert und soll sich nach der Fertigstellung im Turm erhängt haben.
Der Architekt Wilhelm Walther war ein Hauptvertreter des Eklektizismus, das heißt einer Mischung verschiedenster Stile. Er wurde bekannt durch den Bau von Versicherungspalästen, Industriebauten und Mietvillen in Berlin, und er war auch im Grunewalder Baugeschäft engagiert. Mit seiner eigenen Villa errichtete er ein städtebauliches und künstlerisches Lehrstück seiner eigenen Architekturauffassung.
1918 wurde das Haus von einem Fabrikbesitzer erworben und als Wohnhaus mit Mietwohnungen genutzt. 1938 wurde das Gebäude dann vom Finanzministerium erworben, das hier die “Reichsfinanzschule” unterbrachte. Im Zweiten Weltkrieg zerstörte ein Bombentreffer 60 Prozent der Bausubstanz.
Nach dem Krieg wurde der erhaltene Gebäudeteil in mehrere Wohnungen aufgeteilt. Die Oberfinanzdirektion Berlin als Eigentümerin beabsichtigte seit Ende der 60er Jahre, das Restgebäude wegen seiner Unwirtschaftlichkeit abbrechen zu lassen und das Grundstück auf dem Immobilienmarkt zu veräußern. Der Denkmalschutz konnte das allerdings verhindern. 1980 erwarb das Land Berlin das Grundstück. 1985-1988 wurde die Villa nach langjährigem, ruinösen Leerstand durch den Architekten Gottfried Böhm restauriert, erweitert und ausgebaut.
Sie wurde von verschiedenen Einrichtungen genutzt, unter anderem vom Wissenschaftskolleg. Heute befindet sich hier das 1999 gegründete rumänische Kulturinstitut “Titu Maiorescu”, das regelmäßig zu öffentlichen Veranstaltungen einlädt. Hinter dem Haus befindet sich ein kleiner öffentlicher Park. Dieser ist Teil der 1912 entstandenen Gartenanlage, die ebenfalls von Wilhelm Walther stammt.

Uferwanderweg
Der Weg zum Koenigssee ist an dieser Stelle leider eine Sackgasse. Er führt zwar zu einem schönen Teil des Uferwanderwegs mit Seeblick, aber leider führt er nicht weiter. Deshalb gehen wir diesen Weg nicht.

Auf der Hasensprungbrücke, Foto: KHMM

Auf der Hasensprungbrücke, Foto: KHMM

Hasensprung
Die 1920 errichtete Hasensprungbrücke überquert im Zuge des Promenadenweges zwischen Koenigsallee und Winklerstraße die enge Verbindung von Dianasee und Koenigssee. Der Name des Fußweges nach einer Weinlage im Rheingau gab 1924 den gestalterischen Anstoß für die beiden spiegelbildlichen Steinfiguren auf der Brückenbrüstung.

Dianasee, 21.7.2009, Foto: KHMM

Dianasee, 21.7.2009, Foto: KHMM

Dianasee
Der 2,5 ha große Dianasee ist einer der vier 1889 beim Ausbau der Villenkolonie Grunewald künstlich angelegten Seen. Die Seeufer sind fast vollständig bebaut und deshalb zum größten Teil noch unzugänglich. Von dem geplanten Grunewalder Uferwanderweg, der einmal auf 680 m Länge am Dianasee entlang führen soll, sind erst 280m angelegt. Wir werden deshalb nicht am Dianasee entlang gehen können, sondern müssen wieder zurück zur Koenigsallee. Aber wir werden ihn gleich noch einmal von der anderen Seite besichtigen.

Koenigsallee.30-32 Stiftung Starke im Löwenpalais
1903/04 baute Bernhard Sehring für Emilie Habel, ein Mitglied der Familie des kaiserlichen Kellermeisters Habel, den schloßartigen Putzbau mit reichem historischem Baudekor, kupferner Kuppel und zwei steinernen Löwen, nach denen das Haus den Namen “Löwenpalais” erhielt. Es ist einer der größten und prunkvollsten Bauten der Villenkolonie Grunewald. Nach 1930 wurde das Haus aufgeteilt in 30 luxuriöse Wohnungen, in denen bis in die Nachkriegszeit zahlreiche Künstler wohnten, unter anderem O.W. Fischer und O.E. Hasse.
Innen stark verändert, beherbergt das Palais heute die 1988 gegründete gemeinnützige Kunststiftung Starke. Sie bietet jungen Künstlern im Löwenpalais Wohn- und Arbeitsateliers zur temporären Nutzung als Artists in Residence. Und sie veranstaltet Kunstausstellungen mit wissenschaftlicher Begleitung und fördert den Dialog zwischen Künstlern und Öffentlichkeit. Spektakulär waren in den vergangenen Jahren einige Projekte mit Yoko Ono, der Witwe von John Lennon.

An der Gedenktafel für Vicki Baum, Foto: KHMM

An der Gedenktafel für Vicki Baum, Foto: KHMM

Koenigsallee 45: Gedenktafel für Vicki Baum
Die Porzellantafel der KPM wurde 1989 angebracht. Sie enthält folgenden Text:
In dem früher hier stehenden Haus lebte
von 1926 bis zu ihrer Übersiedlung in die USA 1931
VICKI BAUM
24.1.1888 – 29.8.1960
Journalistin, Schriftstellerin und Drehbuchautorin
schrieb hier 1929 ihren Erfolgsroman
“Menschen im Hotel”

Vicki Baum wohnte hier mit ihrem Mann Richart Lert, der Generalmusikdirektor an der Staatsoper Unter den Linden war. Ihre beiden Söhne besuchten das nahegelegene Grunewald-Gymnasium, das heutige Walther-Rathenau-Gymnasium. In ihrem Erinnerungsbuch “Es war alles ganz anders” schrieb sie:
“Wir wohnten nahe den Grunewaldseen, und in der warmen Jahreszeit fuhren wir nach einem leichten Frühstück allesamt hinaus, um rasch ein paar Stöße zu schwimmen …
Dann brachten wir, mein Mann und ich, die Kinder zur Schule, aber um Himmels willen nie bis an den Eingang: wer im Wagen vorfuhr, war als Dicketuer gezeichnet.”
Zur Verfilmung ihres Romans “Menschen im Hotel” reiste Vicki Baum 1931 nach Hollywood, kehrte noch einmal kurz zurück, entschied sich aber dann wegen des wachsenden Antisemitismus 1932 endgültig zur Übersiedlung in die USA.

Hagenplatz
Der Hagenplatz wurde 1934 nach dem Landesforstmeister Otto von Hagen benannt, der von 1817 bis 1880 lebte. Bis 1934 hatte der Platz den Namen Kurmärker Platz.

Koenigsallee 53-55 (Ecke Fontanestraße): Carl Fürstenberg
Auf dem Grundstück am Dianasee wurden in den 50er Jahren vier Reihenhäuser entlang der Koenigsallee gebaut.
Von 1898 bis zu seinem Tod 1933 lebte hier der Bankier Carl Fürstenberg. Als Direktor der Berliner Handelsgesellschaft BHG, beteiligte er seine Bank am Ausbau des Kurfürstendamms und an der Erschließung der Villenkolonie Grunewald. Die Villenkolonie war sein Lieblingsprojekt, für das er sich persönlich einsetzte. Er ließ sich hier am Dianasee von dem Architekten Ernst von Ihne eine zunächst nur als Sommersitz gedachte Villa bauen, zog aber 1905 ganz in den Grunewald.
Alfred Kerr, der ebenfalls in der Nähe ein Haus besaß, schrieb:
“Der wirkliche Herr des Hauses war nicht der Finanzmann, sondern Aniela, seine Frau: Polin von fremdartiger Schönheit, aristokratisch, überlegen.”
Sie richtete die legendären gesellschaftlichen Empfänge aus, auf denen Künstler wie Walter Leistikow, Hanns Fechner und Max Klein und Prominente wie Richard Strauss, Gerhart Hauptmann, Max Reinhardt, Walther Rathenau, Maximilian Harden und Alfred Kerr verkehrten. Walter Leistikow bewohnte mehrere Jahre ein Gartenhaus auf dem Grundstück und malte hier seine berühmten Grunewald-Bilder.
Alfred Kerr schreibt über die Empfänge bei den Fürstenbergs:
“Aniela hatte mich im Grunewald bei dem Bildhauer Max Klein kennengelernt und in ihr Haus gezogen … Dort waren die Gesellschaften in der Mischung oft recht locker – obschon die Gäste wegen der Tischordnung manchmal tobgrollten.
Gutgekleidete Töchter; leckere Mädel aus üppigem Haus; hübsche Finanzfrauen; Diplomatie; zwischendurch irgendein Fürst Radziwill; eine Sängerin; irgendein Douglas; preußische Minister; Volk, Edle, Füllsel – und Rathenau.”
Aniela Fürstenberg war nicht nur als Berliner “Gesellschaftslöwin” beliebt, sondern auch bekannt für ihr soziales Engagement. Im Charlottenburger Westend gründete sie ein Säuglings- und Mütterheim für mittellose und ledige Mütter.
Fontanestraße
Die Straße wurde in seinem Todesjahr 1898 nach Theodor Fontane benannt.

Fontanestr. 17a: Swedenborg Zentrum Berlin
Das Swedenborg Zentrum Berlin ist eine freichristliche Gemeinde, die nach Emanuel Swedenborg benannt ist, der von 1688 bis 1772 gelebt hat. Der schwedische Naturforscher erlebte 1743 eine Christus-Erscheinung und wurde daraufhin zum Mystiker, Reformator und Kirchengründer. Der Philosoph Immanuel Kant setzte sich kritisch mit seinem Werk auseinander. In seiner Schrift “Träume eines Geistersehers” bezeichnete er seine Werke als “acht Quartbände voll Unsinn”. Die Berliner Gemeinde wurde vor rund 100 Jahren gegründet. 1956 kaufte sie das Grundstück an der Fontanestraße 17a, das sie bis heute als Veranstaltungszentrum nutzt.

Villa Harteneck, Foto: KHMM

Villa Harteneck, Foto: KHMM

Douglasstr. 7-9 (Zugang Fontanestraße): Villa Harteneck
Die Villa Harteneck und ihr Garten stehen unter Denkmalschutz, der Park ist öffentlich zugänglich. Auf einer Informationstafel am Eingang Douglasstraße 7-9 ist ihre Geschichte nachlesbar.
Adolf Wollenberg baute die Villa 1910-12 für den Chemiefabrikanten Carl Harteneck. In der NS-Zeit war hier der Privatwohnsitz von Admiral Canaris.
Das Wilmersdorfer Gartenbauamt restaurierte 1985 in Zusammenarbeit mit der Gartendenkmalpflege den Garten und machte ihn als öffentlichen Park zugänglich, während das Haus in Privatbesitz blieb. Inzwischen residiert hier eine Einrichtungsfirma.

Im Garten der Villa Harteneck, Foto: KHMM

Im Garten der Villa Harteneck, Foto: KHMM

Die Parkanlage zeigt sehr schön die Dreiteilung, die für Grunewaldvillenparks typisch war, heute aber kaum noch sonst irgendwo erhalten ist: Im vorderen, repräsentativen Bereich wurde ein Ziergarten angelegt und architektonisch auf das Haus bezogen, hier mit Brunnenanlage in der Mitte und Pergola gegenüber dem Haus als architektonischem Kontrapunkt. Daneben begann früher ein Nutzgarten mit Kräutern, Obst und Gemüse. Heute ist er als Grünanlage angelegt. An diesen schloss ein Naturgarten mit vielen Bäumen an, der an den Wald erinnert, der sich hier ursprünglich befand.
Der Park ist Teil des bezirklichen Uferwanderweg-Konzeptes. Wie Sie gesehen haben, kann man vom Dianasee aus über die Fontanestraße direkt hierher gelangen. Der Anschluss in die andere Richtung an den Hundekehlesee ist allerdings in absehbarer Zukunft nicht möglich, weil unter anderem der Tennisclub Rot-Weiß von seinem Grundstück nichts abgibt.

Douglasstr. 10: Gedenktafel für Alfred Kerr
Hier erinnert eine Gedenktafel am Zaun an Alfred Kerr:
Hier lebte bis zu seiner Emigration
im Jahre 1933
ALFRED KERR
Theaterkritiker, Schriftsteller
und Dichter
*25.12.1867 Breslau +12.10.1948 Hamburg

Er lebte hier von 1929 bis 1933. Seine Tochter Judith Kerr beschrieb in ihrem Buch “Als Hitler mein rosa Kaninchen stahl” ihre Kindheit und Schulzeit in Grunewald und die Emigration der Familie. Aus der kindlichen Perspektive beschreibt Judith Kerr die überstürzte Flucht des Vaters im Februar 1933, dem die Familie bald folgte:
“Warum ist Papa so plötzlich weggefahren?”
“Weil ihn gestern jemand angerufen und ihn gewarnt hat, daß man ihm vielleicht den Paß wegnehmen würde. Darum habe ich ihm einen kleinen Koffer gepackt, und er hat den Nachtzug nach Prag genommen – das ist der kürzeste Weg aus Deutschland hinaus.”
“Wer könnte ihm denn seinen Paß wegnehmen?”
“Die Polizei. In der Polizei gibt es ziemlich viele Nazis.”
“Und wer hat ihn angerufen und ihn gewarnt?”
Mama lächelte zum ersten Mal.
“Auch ein Polizist. Einer, den Papa nie getroffen hat; einer, der seine Bücher gelesen hat, und dem sie gefallen haben.”
Kerrs Sohn Michael (1921 in Berlin geboren) wurde als Sir Michael Kerr oberster Richter in Großbritannien.

Die irische Botschaftsresidenz, Foto: KHMM

Die irische Botschaftsresidenz, Foto: KHMM

Douglasstr. 12: Irische Botschaft
Das Haus des Generaldirektors der I.G.Farben, Dr. Julius Flechtheim, wurde 1928-29 von Otto Rudolf Salvisberg gebaut. Es ist eines der wenigen Beispiele für die architektonische Moderne der 20er Jahre in Grunewald. 1989 wurde es vom Land Berlin gekauft, 1992 dem Bezirk Wilmersdorf übertragen und schließlich nach jahrelangem Leerstand an die Republik Irland verkauft, die es als Residenz für die irische Botschaft vorbildlich restaurierte. Ein zusätzlicher Neubau im Garten musste allerdings genehmigt werden.

Gustav-Freytag-Straße
Die Gustav-Freytag-Straße wurde 1909 nach dem Schriftsteller benannt, der von 1816 bis 1895 lebte.
Gottfried-von-Cramm-Weg
Die Straße wurde 1983 nach dem berühmten Tennisspieler Gottfried von Cramm benannt, der von 1909 bis 1976 lebte.
Am Ende der Straße befinden sich die Tennisanlagen des LTTC Rot-Weiß.

Gottfried-von-Cramm-Weg 35 Volla Konschewski
Die Villa wurde 1923 von dem bekannten Theater-Architekten Oskar Kaufmann für Dr. Moritz Konschewski errichtet, Generaldirektor der Papierfabrik AG Köslin. Sie erinnert in ihrem Äußeren an ein Rokoko-Schlösschen. Die weiten Flügel rechts und links sind in barocker Weise geschwungen. Das Hauptgebäude wurde vor einigen Jahren denkmalgerecht restauriert und ausgebaut. Als Kompromiss für die Investoren musste mit Zustimmung des Landeskonservators der Abriss des Remisengebäudes erlaubt werden, an dessen Stelle ein Neubau entstand, der auf der Rückseite terassenförmig zum Hundekehlesee hin abfällt.
Koenigsallee 64: Residenz des türkischen Botschafters
Die Villa wurde nach jahrelangem Leerstand und Heimnutzung durch das DRK inzwischen restauriert und zur Residenz des türkischen Botschafters ausgebaut.

Koenigsallee 65: Haus von Walther Rathenau
Das Haus gegenüber, Koenigsallee 65, wurde 1910 von Walther Rathenau gemeinsam mit dem Architekten Johannes Kraaz entworfen. Rathenau lebte hier bis zu seiner Ermordung bei einem rechtsradikalen Attentat in der Koenigsallee am 24. Juni 1922.

Koenigsallee 75: Polizei-Wache
Die Wache Grunewald ist der Standort der Polizei-Reiterstaffel, die vor einigen Jahren von der Bundespolizei übernommen wurde.

Hundekehlesee, Foto: KHMM

Hundekehlesee, Foto: KHMM

Hundekehlesee
Der 7,8 ha große und 4 Meter tiefe Hundekehlesee ist ein natürlicher See am Westrand des Ortsteils Grunewald. Im Zuge der Entstehung der Villenkolonie Grunewald seit 1889 wurde das östliche Seeufer bebaut. Vom Uferweg aus gut zu sehen ist beispielsweise die terrassenförmige Gartenanlage der Villa Konschewski. Ursprünglich bedeutete der Begriff “Hundekehle” Hundehütte. Auf alten Karten (um 1770) wird am Südende des Sees ein Fischerhaus “Hundekehl” verzeichnet, außerdem gab es in der Nähe des Forsthauses Grunewald einen großen Hundezwinger.

Tennisanlagen
Der LTTC Rot-Weiß wurde am 28.4.1897 gegründet als Zusammenschluss der Spielvereinigungen Königgrätzer und Lutherstraße. LTTC steht für Lawn Tennis Turnier Club. Obwohl “Lawn” eigentlich “Rasen” bedeutet, hat der Club bisher nie ein Rasenturnier ausgetragen. Zunächst residierte der Club auf einem Platz in der Nähe der Nollendorfstraße. Um 1900 zog er nach Grunewald. Das Grundstück erhielt er nach Fürsprache der Prinzessin Louise Sophie von Preußen für 750.000 Goldmark vom Forstamt. 1907 wurden die ersten Deutschen Meisterschaften auf der Anlage ausgetragen. Seit 1979 wurden ausschließlich Damenturniere veranstaltet. 1984 wurde Steffie Graf Mitglied des Clubs. Besonders spektakulär war 1986 ihr Finalsieg über Martina Navratilova. 1996 wurden mit 20 Mio DM aus Lottomitteln ausfahrbare zusätzliche Tribünen gebaut, um die German Open hier zu halten. Der Centre Court fasst seitdem maximal 7000 Zuschauer.
Nach dem Rücktritt von Steffi Graf ging das Interesse von Besuchern und Fernsehanstalten am Turnier stark zurück, was zu großen finanziellen Problemen für den Deutschten Tennis Bund führte. Er veranstaltete das Turnier noch einige Jahre trotz der Defizite.
2004 verkaufte er die Rechte an der Veranstaltung an den Tennisverband von Katar. 2005 firmierte das Turnier als “Qatar TOTAL German Open” und 2006 als “Qatar Telecom German Open”. In diesem Jahr 2009 wird das Turnier erstmals nicht mehr in Berlin ausgetragen. Das katarische Konsortium verkaufte die Rechte an die Women’s Tennis Association WTA, die internationale Vereinigung professioneller Tennisspielerinnen, zurück. Sie hat das Turnier inzwischen nach Warschau vergeben.

Auerbacher Straße

Bahnhof Grunewald
Die Gedenkstätten an dem 1879 gebauten Bahnhof Grunewald habe ich schon bei einigen Kiezspaziergängen vorgestellt. Das 1991 geschaffene Mahnmal des Berliner Senats befindet sich gleich rechts neben dem Bahnhofsgebäude. Die von der Deutschen Bahn AG 1998 errichtete Gedenkstätte “Gleis 17” ist sowohl vom Weg rechts dem Bahnhof aus als auch über eine Treppe im Tunnel erreichbar.