146. Kiezspaziergang am 8.2.2014

Vom Shakespeareplatz zum Steinplatz

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Elfi Jantzen, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Bezirksstadträtin Elfi Jantzen

Treffpunkt: Shakespeareplatz an der Bismarckstraße gegenüber der Deutschen Oper, U-Bahnhof Deutsche Oper
ca. 1,8 km

Sehr geehrte Damen und Herren!
Herzlich willkommen zu unserem 146. Kiezspaziergang. Bezirksbürgermeister Naumann ist heute verhindert. Deshalb vertrete ich ihn gerne. Mein Name ist Elfi Jantzen, und ich bin Bezirksstadträtin für Jugend, Familie, Schule, Sport und Umwelt. Für den heutigen Spaziergang mussten wir ein wenig umplanen, weil wir nicht bedacht hatten, dass in dieser Woche Winterferien waren. Wir wollten zwei Schulen in der Goethestraße besichtigen, die Eichendorff-Grundschule und die Friedensburg-Oberschule. Aber die Schulleiter können uns heute ihre Schulen nicht öffnen.

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Kartenskizze
Bild: Bezirksamt

Deshalb freue ich mich, dass wir drei kirchliche Einrichtungen besuchen dürfen, und zwar die Kirche der katholischen französischsprachigen Gemeinde in Berlin, St. Thomas von Aquin, in der Schillerstraße, das Haus der Kirche in der Goethestraße und die Trinitatiskirche auf dem Karl-August-Platz. Den Abschluss wollen wir heute an dem kürzlich neu eröffneten Fünfsternehotel am Steinplatz machen. Es ist ein sehr feines, aber auch kleines Hotel. Deshalb passen wir leider nicht alle hinein. Aber ein Mitarbeiter des Hotels wird zu uns kommen und uns sein Hotel vorstellen.
Bevor wir beginnen, möchte ich Ihnen den nächsten Treffpunkt mitteilen, wie immer am zweiten Samstag, des Monats, also am 8. März, um 14.00 Uhr, dann wieder mit Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann.
Der 8. März ist der Internationale Tag der Frau, und es ist schon eine gute Tradition unserer Kiezspaziergänge, dass im März die Frauen im Mittelpunkt stehen. Das wird auch in diesem Jahr wieder so sein. Der Treffpunkt ist vor dem Rathaus Charlottenburg an der Otto-Suhr-Allee 100 unweit vom U-Bahnhof Richard-Wagner-Platz.
Wer Lust hat kann schon um 12.00 Uhr ins Rathaus Charlottenburg kommen. Dann wird dort der Monika-Thiemen-Preis verliehen und anschließend eine Ausstellung zum Internationalen Frauentag eröffnet.
Der Kiezspaziergang wird Sie unter anderem zu einem Haus der ersten selbständigen Architektin Deutschlands führen, zur griechischen Siegesgöttin Nike von Samothrake und zur preußischen Königin Sophie-Charlotte in Überlebensgröße. Lassen Sie sich überraschen – und natürlich sind Männer wie immer unbedingt willkommen.

Bismarckstraße
Die Bismarckstraße erhielt ihren Namen schon 1871, also im Jahr der Gründung des Deutschen Kaiserreiches, als Bismarck Reichskanzler wurde. Bereits im Eosander-Plan von 1765 war die Straße als breite Allee eingezeichnet, zuerst unter dem Namen Mühlenweg, später Mühlenstraße, ab 1871 also Bismarckstraße.

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Krumme Straße, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Shakespeare-Platz
Zur 750-Jahr-Feier Berlins 1987 schenkte die City of London Berlin diese Shakespeare-Büste von Pam Taylor. Charlottenburg revanchierte sich, benannte den sogenannten Opernplatz um in Shakespeare-Platz und stellte die Büste hier auf. Charlottenburg unterhält seit 1968 eine Partnerschaft mit dem Londoner Bezirk Lewisham. Shakespeare, der von 1564 bis 1616 in Stratford-upon-Avon lebte, ist bis heute der weltweit bedeutendste Theaterschriftsteller geblieben. Über viele seiner Stücke haben später bedeutende Komponisten Opern komponiert. Allein Verdi hat eine ganze Reihe höchst erfolgreicher Shakespeare-Opern geschaffen. Insofern trägt dieser Platz unmittelbar gegenüber der Deutschen Oper durchaus einen passenden Namen.
Der Platz gegenüber neben der Oper wurde übrigens 2008 nach dem langjährigen Generalintendanten der Deutschen Oper, Götz Friedrich, benannt.

Bismarckstr. 35: Deutsche Oper Berli n
Die meisten glauben, wenn Sie dieses Gebäude sehen, es gäbe die Deutsche Oper erst seit den 1960er Jahren. Aber ihre Tradition geht sehr viel weiter zurück und hängt zusammen mit der Geschichte Charlottenburgs als selbständige und reiche Stadt. Man betrachtete damals im Charlottenburger Magistrat Bildung und Kultur als wichtigen Teil der Sozialpolitik.
Aber natürlich konnte man mit einer eigenen Oper auch repräsentieren. Und so entstand bereits um das Jahr 1900 in Charlottenburg die Idee, als Gegenpol zur Königlichen Hofoper Unter den Linden eine Charlottenburger Bürgeroper zu bauen. Man gründete eine Opern-Betriebs-AG, die schließlich den Architekten Heinrich Seeling beauftragte, auf diesem Grundstück eine Oper zu bauen. Sie konnte als “Deutsches Opernhaus”, am 7. November 1912 mit “Fidelio” eröffnet werden.
Mit der Eingemeindung Charlottenburgs nach Berlin wurde 1920 auch die Oper von der Stadt Berlin übernommen.
1925 bis1933 hieß sie “Städtische Oper”, danach wieder “Deutsches Opernhaus”. 1934-36 kamen Verwaltungs- und Werkstättenbauten von Paul Baumgarten dem Älteren hinzu. Nach der Kriegszerstörung des Gebäudes 1943 diente der Admiralspalast, ab 1945 dann das Theater des Westens als Ausweichspielstätte, inzwischen wieder unter dem Namen “Städtische Oper”.
Hier am angestammten Platz in der Bismarckstraße baute Fritz Bornemann von 1956 bis 1961 den Neubau mit 1865 Plätzen. Vom Vorgängerbau wurden erhaltene rückwärtige Teile im Laufe der folgenden Jahre rekonstruiert.
Vor der Oper wurde 1961eine 20m hohe schwarz getönte Chrom-Nickel-Stahl-Skulptur von Hans Uhlmann aufgestellt. Die Wiedereröffnung als “Deutsche Oper Berlin” war am 24. September 1961 mit Mozarts “Don Giovanni”.
Nahezu zwanzig Jahre bis zu seinem Tod im Dezember 2000 war Götz Friedrich Generalintendant. In der Tradition des realistischen Musiktheaters Walter Felsensteins prägte er die Operngeschichte der Nachkriegszeit. Ihm folgte Udo Zimmermann als Generalintendant. Er trat im Juni 2003 vorzeitig zurück. Auf ihn folgte Kirsten Harms. Seit August 2012 ist Dietmar Schwarz Intendant.

Im Dezember 1990 wurde neben der Deutschen Oper am U-Bahn-Eingang das Gedenkrelief “Tod des Demonstranten” von Alfred Hrdlicka aufgestellt. Es ist von hier aus gut zu sehen. Die Tafel enthält folgenden Text:
“Am 2. Juni 1967 wurde der Student Benno Ohnesorg im Hof des Hauses Krumme Straße 66 während einer Demonstration gegen den tyrannischen Schah des Iran von einem Polizisten erschossen.
Sein Tod war ein Signal für die beginnende studentische und
außerparlamentarische Bewegung, die ihren Protest gegen
Ausbeutung und Unterdrückung besonders in den Ländern der
Dritten Welt mit dem Kampf um radikale Demokratisierung
im eigenen Land verband.
Unter diesem Eindruck schuf Alfred Hrdlicka 1971 das Relief
Der Tod des Demonstranten
Dezember 1990”
Ausführlicher werden wir über den Tod Benno Ohnesorgs gleich vor Ort informiert. Wir müssen nur einige Schritte bis zur Infotafel an der Krumme Straße 65 gehen.

Krumme Straße
Bereits um 1800 erhielt die Straße wegen ihres gekrümmten Verlaufs ihren Namen.

Link zu: Infotafel für Benno Ohnesorg, 8.2.2014, Foto: KHMM
Infotafel für Benno Ohnesorg, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Krumme Str. 66/67: Infotafel Benno Ohnesorg
Die Informationstafel am Ort des Geschehens an der Krumme Straße 66/67 wurde am 12. Dezember 2008 enthüllt. Sie enthält 6 Fotos und folgenden Text in deutscher und englischer Sprache:
“ Am 2. Juni 1967 starb Benno Ohnesorg. Der 26-jährige Student hatte an einer Protestkundgebung gegen den Schah von Persien vor der Deutschen Oper teilgenommen. Im Hof des Hauses Krumme Straße 66/67 traf ihn der Schuss eines Zivilpolizisten in den Kopf. Noch in derselben Nacht erlag Benno Ohnesorg seiner Verletzung.
Schon am Vormittag des 2. Juni 1967 hatten vor dem Rathaus Schöneberg, dem damaligen Sitz der West-Berliner Regierung, Studenten und persische Oppositionelle gegen die Politik des Schahs protestiert.
Anhänger Reza Pahlevis, die zum iranischen Geheimdienst SAVAK gehörten, schlugen auf Demonstranten ein. Die Polizei aber ging nicht gegen die Angreifer vor.
Zum abendlichen Opernbesuch des Staatsgastes stellten sich an der Bismarckstraße erneut Schaulustige und Demonstranten ein. Die Polizeiführung ließ die Versammlung zu, die schon bald eskalierte. Schutzpolizisten griffen einzelne Demonstranten aus der eingekesselten Menge heraus. Protestierende warfen Rauchkerzen und Steine flogen. Über Lautsprecher wurde fälschlich verbreitet, ein Polizist sei erstochen worden. Demonstranten versuchten, durch die Krumme Straße zu entkommen. Zivilpolizisten verfolgten “Rädelsführer”. Wasserwerfer fuhren auf. Im Hof des Hauses an der Krummen Straße fiel der tödliche Schuss. Der folgende Prozess wegen fahrlässiger Tötung endete mit dem Freispruch des Polizisten. Für die Studentenbewegung stellte der 2. Juni1967 einen Wendepunkt dar:
Das Vorgehen der Polizei, die verleumderischen Berichte in der Boulevard-Presse, die einseitige Parteinahme führender Politiker und der Freispruch des Todesschützen lieferten die Begründung für Radikalisierung und wachsende Gewaltbereitschaft bei einem Teil der studentischen Opposition.”

Soweit der Text auf der Informationstafel. Inzwischen ist bekannt geworden, dass der Todesschütze nicht nur ein West-Berliner Polizist, sondern auch ein Mitarbeiter der Stasi war.
Am 21. Mai 2009 teilte die Birthler-Behörde mit, dass Kurras seit 1955 im Dienst der Staatssicherheit der DDR stand und für sie die West-Berliner Polizei ausspähte. Aus den entsprechenden Stasi-Unterlagen geht allerdings nicht hervor, ob Kurras Benno Ohnesorg im Auftrag der Stasi erschossen hat.
Im Januar 2012 wurden neue Dokumente veröffentlicht, die den Schluss nahelegen, dass der Schuss gezielt abgegeben wurde und die Polizeiführung die Tat anschließend vertuschte.

Nach dem Mauerbau wurde Charlottenburg als City von Berlin-West zum Hauptschauplatz für politische Demonstrationen, die mit der zunehmenden Politisierung der Studenten seit den 1960er Jahren an Häufigkeit und Stärke zunahmen. Zunehmend heftiger wurden auch die Auseinandersetzungen, die sich unmittelbar vor Ort mit der Polizei ergaben, aber auch die Auseinandersetzungen, die in der Öffentlichkeit und vor allem in den Berliner Zeitungen des Springer-Verlages geführt wurden.
Die Demonstrationen der Studenten gegen den Vietnamkrieg Amerikas stießen auf die Dankbarkeit und Verehrung vieler Berlinerinnen und Berliner für die amerikanischen Soldaten.
Sie hatten ihnen über die sowjetische Blockade geholfen, und ohne ihre militärische Präsenz waren die Freiheit und Sicherheit West-Berlins nicht vorstellbar.
Am 2. Juni 1967 ging es um den Schah von Persien und damit indirekt auch um Amerika, denn Schah Resa Pahlawi galt als amerikanischer Statthalter in Persien. Der Tod Benno Ohnesorgs wirkte wie eine Initialzündung und führte zu einer weiteren Radikalisierung der Studenten, die dem Berliner Establishment, insbesondere den Politikern und den Medien, vorwarfen, an diesem Tod mit Schuld zu sein, weil sie Hetzkampagnen gegen die Studenten betrieben hätten.
Nachdem der Schah, seine Frau Farah Diba, Bundespräsident Heinrich Lübke und der Regierende Bürgermeister Heinrich Albertz kurz vor 20.00 Uhr unter Protestrufen und Eierwürfen die Deutsche Oper betreten hatten, um Mozarts Zauberflöte zu genießen, versuchte die Polizei, die Studenten in die Krumme Straße abzudrängen.
Hier, in diesem Garagenhof in der Krummen Straße 66/67, wollte Benno Ohnesorg einem Studenten zu Hilfe eilen, der von zwei Polizisten verprügelt wurde. Bis heute ist unklar, ob Ohnesorg als Demonstrant oder Schaulustiger anwesend war. Er wurde von hinten in den Kopf getroffen. Kurz nach 21.00 Uhr starb Benno Ohnesorg im Krankenhaus Moabit. Der Polizist Kurras, der auf Benno Ohnesorg geschossen hatte, wurde vor Gericht wegen Unzurechnungsfähigkeit frei gesprochen.

Wir gehen jetzt links um die Ecke in die Schillerstraße, vorbei an einem Seniorenwohnhaus der Wilmersdorfer Seniorenstiftung, bis zum Haus der Familie in der Schillerstraße 26.

Schillerstraße
Die Schillerstraße wurde 1872 nach Friedrich Schiller benannt. Er wurde 1759 in Marbach geboren und starb 1805 in Weimar.

Link zu: Haus der Familie, 8.2.2014, Foto: KHMM
Haus der Familie, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Schillerstr.26: Haus der Familie
Das Haus der Familie wurde 1991 als bezirkliche Einrichtung zur Familienförderung in der Niebuhrstraße 59/60 gegründet. Ende 2006 wurde es hier am neuen Standort Schillerstr. 26 neu eröffnet und gleichzeitig das 15jährige Bestehen gefeiert.
Am 7. April 2008 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Haus der Familie anlässlich einer Podiumsdiskussion zur Eröffnung des Wellcome-Projektes zur ehrenamtlichen Betreuung junger Familien.
Das Haus der Familie unterstützt seit 1991 junge Familien unterschiedlicher Herkunft, allein erziehende Mütter und Väter, Großeltern und Pflegefamilien mit dem Ziel, die Beziehung zwischen Eltern und Kindern positiv zu stärken. Die Besucher und Besucherinnen finden hier viele Möglichkeiten zur gemeinsamen Freizeitgestaltung: Das qualifizierte Team bietet Unterstützung, Beratung und Information in persönlichen Gesprächen, Veranstaltungen und Elternkursen an.
Eltern und Kinder finden hier in offenen Angeboten wie dem Familienfrühstück, dem Eltern-Kind-Café oder Spielstunden für Kinder unterschiedlichen Alters anregendes Spielmaterial und Möglichkeiten, andere Familien zu treffen. Dafür stehen freundlich eingerichtete Räume und ein attraktives Außengelände, eine grüne Oase mitten in der Stadt, zur Verfügung.
In Eltern-Kind-Gruppen geben erfahrene und geschulte Kursleiterinnen und -leiter Orientierung in Erziehungsfragen und Anregungen für die Förderung der Kinder. Für Elterninitiativen werden Räume zur Verfügung gestellt. Für gute Unterhaltung sorgen die jeweils an Jahreszeiten oder unterschiedlichen Themen orientierten Feste und Veranstaltungen.
Die Förderung im musischen Bereich umfasst Sing- und Spielkreise, musikalische Früherziehung, Bewegungsspiele, Tanzen und Bewegungstheater. Außerdem gibt es verschiedene Sprachkurse.
Viel Raum nimmt die Kreativität und Fantasie im Haus der Familie ein: Neben praktischen Koch-, Back- und Nähkursen, jeweils unter einem Motto, finden Eltern und Kinder Kreativ- und Märchenwerkstätten, künstlerische Frühförderung, ein Bilderbuch-Kino und Geschichten-Nachmittage mit Lesungen, Spiel- und Bastelelementen sowie kulinarischen Einlagen. An Familienaktionstagen haben Familien mehrmals im Jahr die Gelegenheit, etwas Besonderes miteinander zu erleben: Ausflüge in die Natur, in Parks, Sport- oder Kulturstätten.
Das Haus der Familie ist Mitglied im Lokalen Bündnis für Familie und arbeitet unter anderem mit der Volkshochschule City-West, der Evangelischen Familienbildung im Kirchenkreis Charlottenburg-Wilmersdorf, dem Väteraufbruch e.V. ,dem Mutter-Kind-Hilfswerk und den Stadtteilmüttern zusammen.

Wir überqueren die Weimarer Straße und gehen gegenüber zur Kirche St. Thomas von Aquin an der Schillerstraße 102.

Link zu: Prof. Dr. Etienne François in der Kirche St. Thomas von Aquin, 8.2.2014, Foto: KHMM
Prof. Dr. Etienne François in der Kirche St. Thomas von Aquin, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Schillerstr. 101-102: Kirche St. Thomas von Aquin
1931-32 bauten Paul Lindner und Ernst George ein Miethaus von 1885 innerhalb der geschlossenen Bebauung, wie es bei katholischen Kirchen in Berlin üblich war, zum Gemeindehaus und zur Kirche um. Die Kirche ist ein Stahlskelettbau mit roter Ziegelverblendung im Stil der Neuen Sachlichkeit. Heute residiert hier die katholische französischsprachige Gemeinde Berlins.
Ich freue mich sehr, dass der Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Prof. Dr. Etienne François, uns seine Kirche heute geöffnet hat und dass er uns ein paar Worte über seine Kirche und seine Gemeinde sagen wird. Herzlichen Dank dafür.
Wenn wir jetzt die Kirche betreten, dann sollten wir im Eingangsbereich bleiben und den Altarraum bitte nicht betreten.

Wir gehen jetzt von der Schillerstraße über die Weimarer Straße zur Goethestraße, wo wir gleich an der Ecke im Haus der Kirche erwartet werden.

Weimarer Straße

Link zu: Mit Frau Potzies im Haus der Kirche, 8.2.2014, Foto: KHMM
Mit Frau Potzies im Haus der Kirche, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Goethestr. 26-30: Haus der Kirche
Das Haus der Kirche wurde 1964 bis 1967 von der Architektengemeinschaft Sage-Richter-Hebecker errichtet. Am 22. Mai 1967 wurde das Gebäude als Bildungseinrichtung für die Evangelische Landeskirche in West-Berlin eingeweiht. Das heute hier untergebrachte Amt für kirchliche Dienste (AKD) ist eine Einrichtung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zur Aus- Fort- und Weiterbildung und Beratung ehrenamtlicher und beruflicher Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Ich bedanke mich bei der Verwaltungsleiterin, Frau Potzies, die uns eingeladen hat, ihr Haus zu besuchen und die uns ihre Einrichtung jetzt vorstellen wird.

Karl-August-Platz
Der Karl-August-Platz wurde 1897 nach dem Herzog und Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach benannt. Karl August wurde 1757 in Weimar geboren und starb 1828 in Graditz bei Torgau.
Der Platz wurde 1894 als Kirch-, Markt- und Schmuckplatz mit Rasenstücken und Gehölzen angelegt. 1950 wurde er umgestaltet mit zwei Kinderspielplätzen. Mittwochs und samstags ist hier Wochenmarkt.

Link zu: Trinitatiskirche, 8.2.2014, Foto: KHMM
Trinitatiskirche, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Trinitatiskirche
Die evangelische Trinitatiskirche wurde 1896-98 von Johannes Vollmer und Heinrich Jassoy als neugotischer Zentralbau in der Grundform des griechischen Kreuzes mit roter Ziegelverblendung erbaut. Die Einweihung war am 3. Advent 1898. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt.
Von 1951-53 wurde sie von Erich Ruhtz vereinfacht wiederhergestellt und danach am 8.3.1953 neu eingeweiht. 1960-69 wurde dann das Innere neu gestaltet. Zuletzt wurde vor einigen Jahren der Turm saniert, nachdem auch hier noch Kriegsschäden festgestellt worden waren.
Ich freue mich, dass Pfarrer Hutter-Wolandt uns seine Kirche vorstellt – und nicht nur das. Er hat sogar einige Überraschungen für uns organisiert. Vielen Dank Herr Hutter-Wolandt.

Link zu: Eichendorff-Grundschule, 8.2.2014, Foto: KHMM
Eichendorff-Grundschule, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Goethestr. 19-24: Eichendorff-Grundschule
Die Schule ging aus der 1. Grundschule Charlottenburg hervor, deren Wurzeln bis 1867 zurückreichen. An ihrem letzten Sitz in der Sybelstraße 2-4 wurde sie 1954 nach dem großen Lyriker und Erzähler der deutschen Romantik, Joseph Freiherr von Eichendorff (1788-1857), benannt. An der Sybelstraße ist heute das Sophie-Charlotte-Gymnasium untergebracht, Das heutige Schulhaus der Eichendorff-Grundschule wurde 1972-73 auf dem Gelände der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäude der 9. und 10. Gemeinde- und späteren Knabenmittelschule und eines Jugendheims errichtet. Das Schulgebäude ist ein zweigeschossiger Flachbau, der mit Stahlbeton-Rippenplatten auf einem H-förmigen Grundriss errichtet wurde. Ein schmaler Grünstreifen folgt den Gebäudekonturen und bietet so in dem eingerückten Teil Platz für ein Denkmal. Dieses ist dem Namenspatron der Schule gewidmet.
Auf einer hinter dem Denkmal in den Boden eingelassenen Tafel ist zunächst das wohl bekannteste Gedicht von Eichendorff zu lesen:
„“Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.”

Joseph Freiherr von Eichendorff
Geboren auf Schloss Lubowitz bei
Ratibor 10. März 1788. Gestorben in
Neisse am 26. November 1857
Lyriker und Dichter
Der deutschen Romantik”

Zur Schulanlage gehört außerdem eine freistehende Sporthalle.
Im Sommer 2006 wurde ein Schulerweiterungsbau für den Ganztagsbetrieb übergeben. Er wurde am Nachmittag des 4. Januar 2008 durch ein Feuer zerstört. Die Wiederherstellung dauerte ein Jahr.

Goethestr. 16: Stolperstein
Der Stolperstein für Max Borchardt wurde 2004 verlegt. Der 1890 geborene Max Borchardt wurde 1942 in der Heilanstalt Meseritz-Obrawalde ermordet. Er fiel also der sogenannten Euthanasie der Nationalsozialisten zum Opfer.

Goethestr. 69: Stolpersteine
Die vier Stolpersteine wurden 2010 verlegt. Esther Weiss wurde 1942 in Treblinka ermordet, Sally Kornblum in Auschwitz. Hans Kornblum wählte 1943 den Freitod, um der Deportation zu entgehen. Joachim Andrade wurde 1943 in Auschwitz ermordet.

Goethestr. 12: Stolperstein
Der Stolperstein für Paula Dienstag wurde 2012 verlegt. Er war von der damaligen Bundestagsabgeordneten Petra Merkel gestiftet. Das SPD-Bürgerbüro, an dem wir eben vorbeigekommen sind, war ihr Wahlkreisbüro. Sie hatte die Geschichte von Paula Dienstag recherchiert und traf 2012 in Israel den Enkel von Paula Dienstag, Yuval Doron, in Tel Aviv. Er reise im letzten Jahr gemeinsam mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen nach Berlin und legte gemeinsam mit Petra Merkel an dem Stolperstein für Paula Dienstag Blumen nieder.
Paula Dienstag war Krankenschwester. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges, im August 1939, ging er damals 16-jährige Sohn Joachim nach Palästina. Ob dies seine eigene Entscheidung war oder der Wunsch seiner besorgten Eltern, wissen wir nicht. Aber es war in jedem Fall ein sicherer Weg, den Holocaust zu überleben. In Palästina nahm den Namen Yehoyakim Doron an.
Im September 1941 starb Paulas Ehemann Walter hier in der Wohnung in der Goethestraße 12. Der Beerdigungsschein weist als Todesursache „Magengeschwulst und Erschöpfung“ aus. Begraben wurde er wie seine Eltern auf dem Friedhof Weißensee. Paula Dienstag war jetzt alleine. 1943 lebten noch zwei Untermieter in ihrer Wohnung.
Am 12. Januar 1943 wurde Paula Dienstag zusammen mit 1195 Berliner Juden mit dem 26. Osttransport vom Bahnhof Grunewald nach Auschwitz deportiert. Der Zug erreichte Ausschwitz am nächsten Tag. In ihm saß auch die Schriftstellerin der „Nesthäkchen“-Bücher, Else Ury. Aus Recherchen über sie wissen wir heute, dass aus diesem Transport 127 Männer zur Zwangsarbeit „aussortiert“ wurden. Alle anderen Deportierten – also auch Paula Dienstag und Else Ury – wurden höchstwahrscheinlich direkt nach der Ankunft in den Gaskammern ermordet.

Goethestr. 8-9: Friedensburg-Oberschule
Die Friedensburg-Oberschule befindet sich in einem 1990-91 nach Plänen von Wolfgang Noack errichteten Neubau. Dieser war der Ersatz für eine sanierungsbedürftige Anlage aus den 1970er Jahren, die zuvor abgerissen wurde. Mit der Namensgebung wurde der Jurist und Politiker Ferdinand Friedensburg geehrt. Er lebte von 1886 bis 1972 und war nach dem Zweiten Weltkrieg stellvertretender Oberbürgermeister, anschließend Bürgermeister von Berlin.
Der Neubau aus den 1990er Jahren ist ein Gebäudekomplex, der aus einem fünfgeschossigen Vorderhaus besteht, an das rückwärtig die eingeschossige Mediathek und der Mensaflachbau angesetzt wurden. Über einen Verbindungstrakt sind außerdem zwei dreigeschossige Klassenflügel angeschlossen.

Die Friedensburg-Oberschule ist eine Integrierte Sekundarschule mit gymnasialer Oberstufe und Staatliche Europa-Schule Berlin – Spanisch. Neben dem Deutsch-Spanisch-Schwerpunkt legt die Schule besonderen Wert auf berufsorientierende Projekte (BOP), und sie wurde ausgezeichnet für ihr besonderes MINT-Engagement, das heißt für die enge Vernetzung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Außerdem ist sie eine “Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage”. Das ist eine europäische Jugendinitiative, die 1988 in Belgien entstand. 1992 kamen die Niederlande dazu, 1995 Deutschland, 1999 Österreich und 2002 Spanien. Schulen, die sich dem Netzwerk anschließen, einigen sich in einer Selbstverpflichtung darauf, aktiv gegen Rassismus vorzugehen.

Steinplatz
Der Steinplatz ist seit 1885 ein kleiner Schmuckplatz gegenüber dem Hauptgebäude der Universität der Künste, benannt nach dem preußischen Reformer Heinrich Friedrich Karl Freiherrn vom und zum Stein. Der Platz wurde 1950 durch Joachim Kaiser neu gestaltet mit Gehölzrahmen und Blumenrabatten.
1987 wurde auf dem Platz eine Büste des Freiherrn vom und zum Stein aufgestellt. Sie war ein Geschenk des Deutschen Städtetags zur 750-Jahr-Feier Berlins. Ost-Berlin erhielt das gleiche Geschenk. Deshalb befindet sich eine Kopie der Büste im Berliner Rathaus.

Hardenbergstr. 11: Hoechst-Geschäftshaus
Das Verwaltungsgebäude der Farbwerke Hoechst wurde von den Architekten Hans Geber und Otto Risse entworfen und im Mai 1955 fertig gestellt.
Der Bau aus Stahlbeton mit tragenden Mauerwerkpfeilern ist im Erdgeschoss mit Muschelkalk, in den Obergeschossen mit Trosselfels verkleidet: Das 6. Obergeschoss ist zurückgesetzt. Das Firmenzeichen an der Fassade ist weithin sichtbar. Das sich in die Höhe schraubende Haupttreppenhaus gilt als Meisterwerk der 50er-Jahre-Architektur. Das Haus steht im scharfen Kontrast zum wilhelminischen Hauptgebäude der Universität der Künste.

Hardenbergstraße 33: Universität der Künste
Das Hauptgebäude der Universität der Künste wurde 1898-1902 von Kayser & von Großheim als neobarocker schlossartiger Bau um ursprünglich vier Innenhöfe errichtet. Seit 2001 heißt die ehemalige Hochschule der Künste Universität der Künste UdK.

Steinplatz 3: Gedenktafel für Bernhard Weiß
Die Berliner Gedenktafel, eine Porzellantafel der KPM, für Bernhard Weiß am Haus Steinplatz 3 wurde am 11. Juli 2008 enthüllt. Sie enthält folgenden Text:
“In diesem Haus lebte bis zum März 1933
BERNHARD WEISS 30.7.1880 – 29.7.1951
Jurist, Polizeivizepräsident in Berlin von 1927 bis 1932
Als Jude und Demokrat vom NS-Regime verfolgt
mußte er nach der Erstürmung seiner Wohnung durch die SA
über Prag ins Londoner Exil fliehen
Kurz vor Wiedererlangung der ihm von den Nationalsozialisten
aberkannten deutschen Staatsbürgerschaft
starb Bernhard Weiß in London”
Der damals sehr beliebte Vize-Polizeipräsident “ViPoPrä” wurde vor allem vom Berliner Gauleiter der NSDAP, Joseph Goebbels systematisch als “Isidor Weiß” diffamiert und attackiert.

Link zu: Hotel am Steinplatz, 8.2.2014, Foto: KHMM
Hotel am Steinplatz, 8.2.2014, Foto: KHMM
Bild: Bezirksamt

Steinpl. 4: Hotel am Steinplatz
Das Jugendstilgebäude wurde 1906-1908 von August Endell, dem Architekten der Hackeschen Höfe, als hochherrschaftliches Wohnhaus mit je zwei luxuriösen Zehnzimmerwohnungen pro Etage gebaut. 1913 eröffnete Max Zellermayer in dem Haus das “Hotel am Steinplatz”. Es war ähnlich luxuriös wie das größere Adlon. Zu den Stammgästen zählten in den 1920er Jahren vor allem russische Adelige, die wegen der Oktoberrevolution aus ihrer Heimat geflohen waren, und nach dem Zweiten Weltkrieg Prominente wie Yehudi Menuhin, Romy Schneider, Heinrich Böll und Günter Grass. In den 1970er Jahren wurde das Haus zum Seniorenheim, später stand es zehn Jahre lang leer und verfiel.
Der Eigentümer, ein Geschäftsmann aus Eberswalde, ließ es seit 2010 von der Architektin Claudia Dressler liebevoll restaurieren und modernisieren.
Am 16. Dezember 2013 wurde es als Fünf-Sterne-Hotel mit 85 Zimmern eröffnet, mit Spa im Dachgeschoss, einem Wintergarten im Innenhof und gehobener Gastronomie im Erdgeschoss. Am 24. Januar wurde das “Grand Opening” gefeiert.
Wie bereits zu Beginn erwähnt, können wir in der großen Zahl das Hotel leider nicht besichtigen. Aber ich freue mich, dass Sebastian Joswig zu uns gekommen ist und uns sein Hotel jetzt vorstellen wird. Außerdem gibt es eine Überraschung, für die ich mich herzlich bedanke.