Denkstein für Frieda Fürstenheim

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Denkstein für Frieda Fürstenheim
Bild: Wolfgang Knoll

Frieda Gertrud Fürstenheim wurde am 5. Mai 1878 in Berlin geboren. Sie war Lehrerin an der “Familienschule” in der Oranienburger Straße 20”. Dies war eine 1939 gegründete gemeinsame evangelisch-katholische Bildungseinrichtung für nichtarische Kinder christlichen Glaubens.

Ernst und Luise Fürstenheim
Ernst und Luise Fürstenheim
Bild: Familienarchiv

Ihre Eltern waren Ernst Fürstenheim, geboren in Köthen in 1836, gestorben in Berlin 1904. Er studierte Medizin in Berlin and London und spezialisierte sich auf Urologie. In Berlin führte er eine urologische Praxis.

In England hatte er Luise Steinthal kennengelernt, die wie er aus einer deutsch-jüdischen Familie stammte. Ihre Familie, Bankkaufleute in Manchester, bestanden darauf, dass Ernst vor der Hochzeit zum Christentum konvertieren sollte. So wurde er wie alle seine Nachkommen protestantisch getauft und konfirmiert.

Das Ehepaar ließ sich in Berlin nieder. In rascher Folge wurden vier Kinder geboren: Erna (1877), Frieda (1878), Walter (1879) und Luise (1880). Das jüngste Kind wurde nach der Mutter benannt, die bei der Geburt starb.
Dr. Ernst Fürstenheim heiratete bald danach die nach den Rassebegriffen der Nazis arische Dorothea, mit der er drei Kinder hatte: Hans, Kurt and Charlotte.

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Erna Fürstenheim
Bild: Familienarchiv

Frieda war Französisch-Lehrerin, ihre Schwester Erna war Klavierlehrerin, Luise beging 1900 Selbstmord in England. Hans war Kaufmann, Kurt Arzt Charlotte heiratete Will Heimann. Sie, ihr Mann und ihre beiden Brüder emigrierten während der Naziherrschaft nach Amerika, Hans und Kurt benannten sich in Furst um. Walter wurde Kinderpsychiater in Frankfurt/Main.
1934 wurde Dr. Walter Fürstenheim gezwungen, seine Praxis aufzugeben. Bei Kriegsbeginn wurde er auf der Isle of Man interniert, die Söhne retteten sich. Gerhard Fürstenheim wurde von der Universität Kiel geworfen, wo er Jura studierte. Mit 21 flüchtete er nach England.

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Frieda Fürstenheim
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Die Schwestern Erna and Frieda mochten ihm nicht folgen und blieben in Berlin. Sie wurden am 13. Juni 1942 nach Sobibor deportiert und am 15. Juni 1942 dort ermordet. Ein Stolperstein am Rhumeweg 29 in Zehlendorf erinnert an Erna Fürstenheim.
Frieda Fürstenheim wurde ebenfalls am 13. Juni 1942 über das Sammellager Synagoge Levetzowstraße 7-8 vom Bahnhof Grunewald nach Sobibor deportiert und dort ermordet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg heirateten Gerhard und Günther britische Partnerinnen und ließen sich in England nieder. Ihr Vater Walter Fürstenheim kehrte später nach Frankfurt/Main zurück und erhielt 1966 die Ehrenplakette der Stadt.

Text: Gretel Scott, Großnichte von Frieda Fürstenheim

Informationsblatt über Frieda Gertrud Fürstenheim

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