Stolperstein Otto-Suhr-Allee 146

Hauseingang Otto-Suhr-Allee 146

Dieser Stolperstein wurde am 6. Juni 2018 verlegt.

Stolperstein Margarete Silbermann

HIER WOHNTE
MARGARETE
SILBERMANN
GEB. LINDENHEIM
JG. 1885
DEPORTIERT 19.1.1942
RIGA
ERMORDET

Margarete (Grete) Lindenheim wurde am 4. Februar 1885 in Berlin geboren. Ihr Vater Julius Lindenheim stammte aus Prenzlau, ihre Mutter Hulda geborene Wentel war Berlinerin. Margarete, die wahrscheinlich mehrere Brüder hatte, wuchs am Michaelkirchplatz in Mitte auf. Ihr Vater besaß in der Köpenicker Straße ein “Etablissement für Centralheizung, Ventilation-, Gas- und Wasserleitung”.

Margarete heiratete in Berlin den Arzt Dr. med. Edwin Silbermann (*17. Januar 1879), einen Kaufmannssohn aus Gleiwitz. Er hatte früher im Kurort Bad Kudowa praktiziert. Dann eröffnete er in Charlottenburg eine internistische Praxis. Er publizierte unter anderem zur Ernährung von Diabetikern. Das Ehepaar Silbermann wohnte ganz in der Nähe von Edwins Praxis in der Berliner Str. 97 (heute Otto-Suhr-Allee 146).

Am 1. Dezember 1914 bekamen Margarete und Edwin ihr einziges Kind, die Tochter Marianne. 1921 zog Edwins Schwester Klara mit ihrem Mann Salomon Jakobowitz aus Posen nach Berlin. Sie wohnten mit ihren sechs Kindern in der Großbeerenstraße 58 in Kreuzberg und hatten im selben Haus ein Geschäft für Weiß- und Wollwaren. Auch Edwins Schwester Elfriede und deren Mann Raphael Seide lebten in Kreuzberg.

Margaretes und Edwins Tochter Marianne wurde Tänzerin. Über ihre Karriere war wenig herauszufinden. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wirkte sie bei Aufführungen des Jüdischen Kulturbundes mit, etwa 1937 in einer Inszenierung der Oper “Samson und Dalila”. Sie heiratete den aus Lübeck gebürtigen Historiker und Germanisten Eli Rothschild (*9. Dezember 1909) und emigrierte mit ihm nach Palästina. Das Ehepaar hatte wahrscheinlich ein Kind. Margaretes Tochter Marianne wurde 97 Jahre alt. Sie starb 2011 in Israel.

Dr. Edwin Silbermann starb zwei Jahre nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, am 10. Juli 1935, mit 56 Jahren eines natürlichen Todes. Margarete wurde mit 50 Jahren Witwe. Sie wohnte weiterhin in der Berliner Str. 97 (Otto-Suhr-Allee 146), wo sie 1939 bei der “Minderheiten-Volkszählung” erfasst wurde.

Am 19. Januar 1942 deportierte man sie ins Ghetto Riga und ermordete sie dort zu einem unbekannten Zeitpunkt. Margarete Silbermann geborene Lindenheim wurde 56 oder 57 Jahre alt.

Ihre Schwägerin Klara und deren Mann Salomon Jakobowitz wurden mit demselben Zug nach Riga deportiert und ebenfalls getötet. Für sie sind in der Großbeerenstraße 58 Stolpersteine verlegt. Margaretes Schwägerin Elfriede und deren Mann Raphael Seide waren bereits 1941 ins Ghetto Lodz verschleppt und dort ermordet worden.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • Allgemeine medizinische Central-Zeitung
  • Wikipedia Eli Rothschild
  • Programmhefte des Jüdischen Kulturbundes
  • Biografie zum Stolperstein Klara Jakobowitz (Uta Wehde)