Stolpersteine Frankenallee 14

Hausansicht Frankenallee 14

Diese Stolpersteine wurden am 4. Dezember 2017 verlegt.

Stolperstein Harriet Bennigson

HIER WOHNTE
HARRIET
BENNIGSON
GEB. DRESSEL
JG. 1880
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 24.5.1943

Harriet Bennigson wurde als Harriet Dressel am 16. Juli 1880 in Darmstadt in Hessen geboren. Für ihre jung verheirateten Eltern, den aus Drossen in der Neumark (Ośno Lubuskie, Polen) stammenden Kaufmann und Zeitungsverleger Adolph Albert Dressel (*25. September 1850) und dessen aus Mewe in Pommern (Gniew, Polen) stammende Ehefrau Hedwig Dressel geborene Markewitz (*31. Mai 1856), war sie das älteste von zwei Kindern. Ihr Bruder Victor Walter (*28. November 1882) war zweieinhalb Jahre jünger als sie.

Als Harriet sich 1906 mit dem Rechtsanwalt Dr. jur. Ludwig Hamburger (*12. März 1875) verlobte, wohnte die Familie Dressel in der Ansbacher Straße 27 in Schöneberg.
Ludwig Hamburger war in Guben in der Niederlausitz geboren. Er war das einzige Kind von Isidor Hamburger und dessen Ehefrau Fanny, geborene Kronheim. Die 27-jährige Harriet und der 31-jährige Ludwig heirateten 1906 und wurden am 10. Mai 1907 Eltern eines Sohnes, den sie Werner nannten. Ihr zweites Kind Marion wurde am 27. Juni 1912 geboren.

Am 29. Dezember 1913 starb Harriets Vater Adolph Dressel in der Kufsteiner Straße 14 in Schöneberg mit 63 Jahren. Ihre Mutter Hedwig wurde mit 56 Jahren Witwe. Als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, war Harriets Ehemann Dr. Ludwig Hamburger Hauptmann im Königlichen Bayrischen Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 13. Bei einem Sturmangriff bei Malancourt-Verdun starb er mit 41 Jahren am 22. März 1915 den „Heldentod“, wie es in der Todesanzeige hieß. Die Sterbeurkunde wurde am 8. Mai 1916 ausgestellt. Harriet wohnte damals mit ihren beiden Kindern in der Landhausstraße 17 in Wilmersdorf.

Wann und wo sie ihren späteren zweiten Ehemann, den Zeitungsverleger und Chemiker Dr. phil. Fritz Bennigson (*10. März 1877), kennenlernte, ist nicht bekannt. Er wohnte ganz in ihrer Nähe in der Güntzelstraße 48. Die 37-jährige Harriet und der 40-jährige Fritz heirateten am 9. September 1917. Als Trauzeugen waren Fritz’ 80-jähriger Vater, der Kaufmann Benjamin Bennigson, und Harriets 34-jähriger Bruder Walter anwesend. Walter wies sich durch einen Urlaubsschein aus, demnach war auch er Frontkämpfer im Ersten Weltkrieg.

Fritz adoptierte Harriets Tochter Marion, die fortan Marion Bennigson hieß. Ihr Sohn Werner behielt den Namen Hamburger. Am 16. Mai 1924 heiratete ihr jüngerer Bruder, der Verlagsbuchhändler Victor Walter Dressler, die nicht-jüdische Auguste Martha Jagomast (*4. November 1893). Sie wohnten in der Bozener Straße 3 in Berlin-Schöneberg.
Nach dem Amtlichen Fernsprechbuch von Berlin wohnten Fritz und Harriet 1928 und 1929 am Karolingerplatz 4 in Berlin-Charlottenburg.

Harriets Sohn Werner trat später in die Fußstapfen seines leiblichen Vaters und studierte wie er Rechtswissenschaften. Der 25-jährige Rechtsanwalt Dr. Werner Hamburger führte 1932 eine Kanzlei am Kurfürstendamm 216. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, verlor Werner am 7. April 1933, basierend auf dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“, die Zulassung als Rechtsanwalt. Da er daraufhin im Deutschen Reich keine Zukunft mehr sah, flüchtete er nach Palästina. 1933 war Harriet 52 Jahre alt.

Bis zu ihrem 80. Lebensjahr wohnte Harriets Mutter Hedwig am Kurfürstendamm 57, wo sie am 26. August 1934 starb. Fritz Bennigson meldete ihren Tod beim Standesamt. Harriet und er wohnten damals Am Fürstenplatz 2 in Berlin-Charlottenburg, wo auch Fritz’ Schwester Caroline Hirsekorn geborene Bennigson mit ihrem Ehemann, dem Verleger Reinhold Hirsekorn, wohnte.

Harriets Sohn Werner Hamburger hatte in Tel Aviv geheiratet. Seine Tochter Judith wurde am 20. Mai 1942 geboren. Harriet wurde das erste Mal Großmutter. Dass sie es erfahren hat, ist eher unwahrscheinlich.

Wann Harriets und Fritz’ Tochter Marion nach Palästina emigrierte, konnte nicht recherchiert werden. Sie heiratete 1944 mit 32 Jahren in zweiter Ehe den aus Pardubitz (Pardubice, Tschechien) stammenden Dr. Eugen Moshe Hoch (*25. Dezember 1908) in Palästina. Sie wurden Eltern von zwei Kindern.

Fritz und Harriet zogen 1936 vom Fürstenplatz 2 in die nahegelegen Frankenallee 14 in Berlin-Westend. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie weiterhin in der Frankenallee 14 gemeldet. Es war ihre letzte freiwillig gewählte Adresse. Wann sie in die Bamberger Straße 49 ziehen mussten, ist nicht bekannt. Sie wohnten dort in einem möblierten Zimmer einer Zwangswohnung.

Fritz’ Schwester Caroline und ihr Ehemann Reinhold Hirsekorn wurden am 17. August 1942 als erste der Familie Bennigson nach Theresienstadt deportiert. Eine Woche später, am 25. August 1942, deportierte die Gestapo auch den 65-jährigen Fritz und die 62-jährige Harriet nach Theresienstadt. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb Harriets Schwager Reinhold Hirsekorn am 31. Dezember 1942 mit 78 Jahren. Auf der Todesfallanzeige wurde Altersschwäche angegeben. Fritz starb gut einen Monat später, am 9. Februar 1943. Auf der Todesfallanzeige wurde als Todesursache Lungenentzündung angegeben. Harriet überlebte ihn noch ca. drei Monate. Sie starb am 24. Mai 1943 kurz vor ihrem 63. Geburtstag. Fritz’ Schwester Caroline starb am 25. Juni 1943 mit 77 Jahren. Auch hier wurde Altersschwäche vermerkt.

Harriets Bruder Victor Walter Dressler überlebte den Holocaust, geschützt durch die Mischehe mit seiner nicht-jüdischen Ehefrau Auguste (*4. November 1893). Er starb an „Herzmuskelschwäche und Sekundenherztod“ am 20. September 1950. Auguste starb am 18. Juli 1972 mit 78 Jahren in der Bozener Straße 3, wo sie 48 Jahre gelebt hatte.

Recherche und Text: Gundula Meiering, April 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage

Stolperstein Fritz Bennigson

HIER WOHNTE
FRITZ
BENNIGSON
JG. 1877
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 9.2.1943

Fritz Bennigson wurde am 10. März 1877 in der Wallner-Theater-Straße 14 in Berlin-Mitte geboren. Für seine Eltern, den aus Labiau in Ostpreußen (heute Oblast Kaliningrad, Russland) stammenden Kaufmann Benjamin Bennigson (*1838) und dessen Ehefrau Therese geborene Tuerk (*1838), war er das jüngste von vier Kindern. Seine älteste Schwester Caroline, genannt Lina (*1. April 1866), und sein Bruder Heinrich (*4. Mai 1867) wurden in Königsberg in Ostpreußen (Kaliningrad, Russland) geboren. 1871 wurde Berlin Reichshauptstadt und die Bennigsons gingen nach Berlin. Hier wurde am 9. April 1872 auch ihr drittes Kind Hans Rudolf geboren.

Sein Bruder Heinrich wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf, Hans Rudolf Elektroingenieur und Fritz studierte an der Universität Würzburg Chemie und Philosophie. Er schloss sein Studium mit der Promotion zum Dr. phil. ab.

1909 brachte Gustav Müller aus dem Reichsamt des Inneren unter Mitwirkung von Fritz das Buch „Die chemische Industrie“ heraus. Fritz arbeitete damals bei den königlichen technischen Instituten der Artillerie.

Wann und wo Fritz seine spätere Ehefrau Harriet Hamburger geborene Dressel (*16. Juli 1880) kennenlernte, ist nicht bekannt. Harriet hatte ihren ersten Ehemann Dr. Ludwig Hamburger im Ersten Weltkrieg verloren. Sie war 1915 mit 38 Jahren „Kriegerwitwe“ geworden. Aus der ersten Ehe hatte sie zwei Kinder, Werner (*1907) und Marion (*27. Juni 1912), mit denen sie in der Landhausstraße 17 lebte. Fritz wohnte nicht weit entfernt in der Güntzelstraße 48. Die 37-jährige Harriet und der 40-jährige Fritz heirateten am 9. September 1917. Als Trauzeugen waren Fritz’ 80-jähriger Vater, der Kaufmann Benjamin Bennigson, und Harriets 34-jährige Bruder Victor Walter anwesend.

Fritz adoptierte Harriets Tochter Marion, die fortan Marion Bennigson hieß. Ihr Sohn Werner behielt den Nachnamen Hamburger. Fritz Mutter Therese starb am 28. Dezember 1923 mit 85 Jahren. Nach dem Amtlichen Fernsprechbuch von Berlin wohnten Fritz und Harriet 1928 und 1929 am Karolingerplatz 4. Sein Vater Benjamin starb am 7. Juli 1932 mit 94 Jahren in seiner Wohnung in der Hohenstaufenstraße 36 in Berlin-Schöneberg.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Fritz 55 Jahre alt. Sein Bruder Heinrich, der vermögende Buchdruckereibesitzer und Mitinhaber der Firma Bennigson & Ehrlich, Verlag für Handel und Industrie, starb 1934 mit 67 Jahren im Martin-Luther-Krankenhaus. Er hinterließ seine Ehefrau Alice, geborene Heine (*2. Februar 1879), seinen Sohn Rudolph (*7. August 1904), seine Tochter Ellen Emilie Therese Katzenstein geborene Bennigson (*10. Juli 1906) und seine jüngste Tochter Ursula (*3. April 1917). Die Familie lebte lange Jahre in der Jagowstraße 13 in Berlin-Grunewald (heute Richard-Strauß-Straße 13). Wann genau seine Witwe Alice und seine Kinder Rudolph und Ursula dort ausziehen mussten, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie in der Ruhlaer Straße 15/16 in Berlin-Schmargendorf gemeldet. Rudolph gelang im Februar 1940 die Flucht von Le Havre nach New York. Ellen konnte ebenfalls noch rechtzeitig nach Großbritannien fliehen. Auch Fritz’ Bruder, dem Elektroingenieur Hans Rudolf Bennigson, gelang noch 1939 zusammen mit seiner Ehefrau Auguste Luise Frieda (*11. August 1873) die Flucht nach Großbritannien.

Wann Fritz’ und Harriets Tochter Marion nach Palästina emigrierte, konnte nicht recherchiert werden. Sie heiratete 1944 mit 32 Jahren in zweiter Ehe den aus Pardubitz (Pardubice, Tschechien) stammenden Dr. Eugen Moshe Hoch (*25. Dezember 1908) in Palästina. Sie wurden Eltern von zwei Kindern.

Fritz und Harriet zogen 1936 vom Fürstenplatz 2 in die nahegelegen Frankenallee 14 in Berlin-Westend. Die Frankenallee 14 war ihre letzte freiwillig gewählte Adresse. Wann sie in die Bamberger Straße 49 ziehen mussten, ist nicht bekannt. Sie wohnten dort in einem möblierten Zimmer einer Zwangswohnung.

Fritz’ Schwester Caroline und ihr Ehemann Reinhold Hirsekorn wurden am 17. August 1942 als Erste der Familie Bennigson nach Theresienstadt deportiert. Eine Woche später, am 25. August 1942, deportierte die Gestapo den 65-jährigen Fritz und die 62-jährige Harriet ebenfalls nach Theresienstadt. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb sein Schwager Reinhold Hirsekorn am 31. Dezember 1942 mit 78 Jahren. Auf der Todesfallanzeige wurde Altersschwäche angegeben. Fritz starb gut einen Monat später, am 9. Februar 1943. Auf der Todesfallanzeige wurde als Todesursache Lungenentzündung angegeben. Harriet überlebte ihn noch ca. drei Monate. Sie starb am 24. Mai 1943. Fritz’ Schwester Caroline starb am 25. Juni 1943 mit 77 Jahren. Auch hier wurde Altersschwäche vermerkt.

Fritz’ Schwägerin Alice, Ehefrau seines Bruders Heinrich, deportierte die Gestapo am 30. Juni 1943 zusammen mit ihrer 26-jährigen Tochter Ursula ebenfalls nach Theresienstadt. Nachdem Ursula im September 1943 aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto gestorben war, überlebte ihre Mutter sie noch gut ein Jahr. Am 23. Oktober 1944 wurde Alice von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert und vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Alice Bennigson geborene Heine starb mit 65 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, April 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage