HIER WOHNTE
MARTA ROSENBAUM
GEB. KÖNIGSFELD
JG. 1873
DEPORTIERT 3. 10. 1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 31.10.1942
Marta Königsfeld wurde am 24. Januar 1873 als Tochter von Moritz Königsfeld und dessen Ehefrau Paula Ernestine, geborene Rosenbaum, in Zawada bei Pleß in Oberschlesien (heute Pszczyna in Polen) geboren. Ihr Vater hatte dort eine Gastwirtschaft. Marta wuchs mit vier Geschwistern auf, den Schwestern Clara (*1869), Emma (*1876) und Alma (*1879) sowie dem Bruder Max (*1874).
1894 heiratete sie den schlesischen Kaufmann Otto Itzig Rosenbaum. Sie bekamen drei Töchter: Käte (1897), Lizzi (?) und Steffi (*1907). Die Familie lebte in Breslau.
1903 starb Martas Schwester Clara mit 34 Jahren. Ein Jahr später heiratete ihre Schwester Emma deren Witwer Sigmund Rosenbach. Schwester Alma hatte ebenfalls geheiratet, die Ehe wurde später geschieden. Über das weitere Leben von Martas Schwestern Emma und Alma war nichts herausfinden.
Am 21. April 1924 starb Martas Mann Otto mit 55 Jahren in Breslau. Die Töchter Käte und Lizzi waren zu diesem Zeitpunkt schon verheiratet, Käte mit dem Journalisten Arnold Spingarn, Lizzi mit dem aus Pleß gebürtigen Dr. rer. pol. Ernst Schindler. Die jüngste Tochter, Steffi, die beim Tod ihres Vaters siebzehn Jahre alt war, hatte andere Ambitionen. Sie wollte Schauspielerin werden und hatte beim Breslauer Rundfunk bereits ihre ersten kleinen Sprechrollen. Wenig später schloss sie sich einem Wandertheater an und tourte damit durch Ostpreußen. Sie verkürzte ihren Namen zu Steffi Ronau.
Die verwitwete Marta zog nach Berlin, wo auch ihre Tochter Käte mit ihrem Mann Arnold und ihr Bruder Max mit seiner Frau Dorothea lebten. Zunächst wohnte Marta in der Wittelsbacher Straße 17 in Wilmersdorf. Dann zog sie in die Xantener Straße 6 um, wo sie im Mai 1939 bei der „Minderheiten-Volkszählung” erfasst wurde. Ihr Bruder Max und ihre Schwägerin Dorothea wohnten zu dem Zeitpunkt in der Steglitzer Schlossstraße. Ihre Schwester Käte lebte mit ihrem elfjährigen Sohn Günter und ihrer einjährigen Tochter Marion in der Düsseldorfer Straße 48. Kätes Mann Arnold Spingarn, der Vater ihrer Kinder, war 1937, als Käte mit Marion schwanger war, allein nach Schanghai emigriert. Es war nicht herauszufinden, welche Geschichte hinter dieser schmerzhaften Trennung steckte. Arnold Spingarn starb 1971 in Kalifornien.
Martas Tochter Steffi Ronau war nach Engagements in Münster und Wien 1934 ebenfalls nach Berlin gezogen. Sie trat im Café Uhlandeck am Kurfürstendamm auf, wo der jüdische Kulturbund eine Kleinkunstbühne betrieb, dann wechselte sie zum Jugendtheater des Kulturbundes. Sie heiratete dessen Leiter, den Schauspieler Werner Hinzelmann (*1901). Allen Schikanen und Kränkungen zum Trotz spielten die beiden immer weiter Theater. Sie gründeten zusammen auch ein Puppentheater unter dem Dach des Jüdischen Kulturbundes. Steffi Ronau-Hinzelmann und ihr Mann Werner wohnten 1939 ebenfalls in der Düsseldorfer Straße 48, im selben Haus wie Steffis Schwester Käte mit ihren zwei Kindern. Sie dachten über Flucht nach, aber fanden keinen Weg, sie zu realisieren.
Am 18. Februar 1942 wurden Steffi und Werner Eltern einer Tochter, die sie Reha nannten. Ein halbes Jahr später, am 28. August, starb Werner Hinzelmann, und Steffi blieb mit ihrem Baby allein. Einen guten Monat später, am 3. Oktober 1942, wurde ihre Mutter Marta ins Ghetto Theresienstadt deportiert und dort ermordet. Marta Rosenbaum geborene Königsfeld wurde 69 Jahre alt.
Bald darauf folgte Martas Tochter Käte mit Sohn Günther und Tochter Marion. Die drei wurden am 4. März 1943 nach Auschwitz verschleppt und dort wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergast. Käte Spingarn geborene Rosenbaum wurde 45 Jahre alt. Ihr Sohn Günter wurde mit vierzehn und ihr Töchterchen Marion mit fünf Jahren ermordet.
Martas Bruder Max deportierte man am 2. Februar 1943 ins Ghetto Theresienstadt und ermordete ihn dort. Seine Frau Dorothea war bereits 1941 ins Ghetto Lodz deportiert und im Mai 1942 im Vernichtungslager Cheŀmno getötet worden.
Übrig blieben Martas Tochter Steffi und ihre Enkelin Reha. Für eine Flucht war es längst zu spät. Im Februar 1943 tauchten sie in Berlin unter. Reha war gerade ein Jahr alt. Mutter und Tochter überlebten den Holocaust dank der Bordellbesitzerin Charlotte Erxleben, die vielen Berliner Jüdinnen und Juden das Leben rettete, und der später der Titel einer „Gerechten unter den Völkern” verliehen wurden. Ebenfalls geholfen hat ihnen ein Leidensgenosse namens Fritz Walter. Ihm war die Flucht aus dem KZ Majdanek gelungen und auch er hatte bei Charlotte Erxleben Zuflucht gefunden. Er verdiente Geld auf dem Schwarzmarkt und unterstützte damit Steffi und Reha. Letztendlich überlebten sie in Charlotte Erxlebens Keller.
Steffi Ronau-Hinzelmann und Fritz Walter heirateten nach dem Krieg. Sie unterstützten nun ihrerseits Charlotte Erxleben, die fast mittellos war. Steffi, Fritz und Reha blieben in Berlin. Sofort nach der Befreiung nahm Steffi Ronau ihre Arbeit als Schauspielerin wieder auf. Im August 1945 trat sie bei der Neueröffnung des Hebbel-Theaters unter der Regie von Karlheinz Martin in der „Dreigroschenoper” auf. Jahrzehntelang stand sie in Westberlin auf der Bühne, zuletzt im Theater am Kurfürstendamm. Am liebsten spielte sie Komödien. Marta Rosenbaums Tochter Steffi Ronau starb am 11. Januar 1995.
Reha Hinzelmann, das kleine Mädchen aus dem Kellerversteck, wurde ebenfalls Schauspielerin. Am bekanntesten ist sie als Synchron- und Hörspielsprecherin, unter anderem wirkte sie in den „Bibi Blocksberg”-Hörspielen mit. Reha Hinzelmann lebt in Berlin-Dahlem.
Recherche und Text: Christine Wunnicke (2026)
Quellen:
- Yad Vashem
- Gedenkbuch des Bundes
- MyHeritage
- genealogy.net
- Berliner und Breslauer Adressbücher
- mappingthelives.org
- Holocaust Survivors and Victims Database
- diverse Quellen zu Steffi Ronau, Reha Hinzelmann und Charlotte Erxleben