Diese Stolpersteine zum Gedenken an Otto und Martha Hirsch wurden auf Wunsch des Familienmitglieds Michael Rice (USA) am 28.9.2016 verlegt.
Er wurde als Michael Reis geboren und hatte den gleichen Großvater wie Otto Hirsch. Bei der Verlegung war er anwesend und hielt eine Ansprache.
Stolpersteine Koenigsallee 35
Familie Hirsch 1928
Bild: Stolpersteine-Initiative Stuttgart
Gemeinsam mit dem Fabrikanten Leopold Marx und dem Musikwissenschaftler Karl Adler gründete er das Stuttgarter Jüdische Lehrhaus. 1930 wurde Hirsch zum Präsidenten des Oberrats der Israelitischen Religionsgemeinschaft in Württemberg gewählt.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 musste Hirsch seinen Posten bei der Neckar AG aufgeben. Er gehörte zu den Gründern der Reichsvertretung der Deutschen Juden und wurde zu deren leitendem Vorsitzenden ernannt; Präsident war Leo Baeck. In seiner neuen Funktion zog Hirsch nach Berlin um, seine Familie folgte. Sie wohnten in der Koenigsallee 35. Er wurde von der Gestapo verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Nach der Reichspogromnacht 1938 wurde er erneut festgenommen und für zwei Wochen im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert. Nach seiner Freilassung konzentrierte er sich auf Hilfe für Juden, vor allem bei der Auswanderung. Sein Kennzeichen war der Einsatz für andere Menschen, die in Berängnis und verfolgt waren.
1939 wurde die Reichsvertretung der Deutschen Juden zwangsweise in die Reichsvereinigung der Juden in Deutschland überführt und unter Kontrolle der Nazi genommen. Die Sicherheitspolizei (Gestapo) ernannte Hirsch, Baeck und andere zum Vorstand. Bis zum Auswanderungsverbot und Beginn der Deportationen bewirkte er viele Auswanderungsmöglichkeiten.
Am 16. Februar 1941 wurde der von den Nazis wegen seiner Proteste gegen Ungerechtigkeiten verhasste Otto Hirsch wieder inhaftiert und am 23. Mai im Konzentrationslager Mauthausen interniert, wo er am 19. Juni 1941 ums Leben kam. Das Todesdatum ist dokumentiert, die Umstände seines Todes blieben unbekannt.
Theodor Heuss, der später Bundespräsident wurde, hat am 25. November 1945 in einer seiner ersten Reden als württembergisch-badischer Kultminister (wie das damals hieß), die der Erinnerung an die NS-Opfer galt, seinem einstigen Freund diesen Absatz gewidmet:
Da ist Otto Hirsch. Er war Ministerialrat im württembergischen Innenministerium und später Leiter der Neckartal AG, ein Mann, dem die Heimat unendlich viel verdankt. Ich bin dankbar dafür, seit den Studentenjahren mit ihm befreundet gewesen zu sein. Zu seinem 50. Geburtstag schrieb ich ihm: Wenn das Wort von `Blut und Boden` schon einen Sinn haben soll, dann hat dieses Zusammentreffen von jüdischem Blut und schwäbischem Boden etwas Schönes und Großes geschaffen. Ein grundgescheiter, ein edler Mann! Als sein Wirken in Württemberg zu Ende sein musste, trat er an die Spitze der Reichsvertretung der deutschen Juden. Er wußte, daß er sich in die tägliche Gefährdung begab, und er blieb tapfer, klar, sauber, anständig in dieser Gefährdung, bis sie ihn holten und in Mauthausen umgebracht haben.
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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf
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