HIER WOHNTE
AMALIE BIER
GEB. KANAREK
JG.1885
DEPORTIERT 24.9.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET
Am 15. Dezember 1910 heiratete Gottlieb die am 8. März 1885 im galizischen Rzeszow geborene Amalie Kanarek. Amalies Eltern hießen Feisach und Bliema, geb. Gertler. Zu Amalies Geburtsjahr – in einigen Dokumenten steht 1887 – und der Schreibweise ihrer Elternnamen gibt es unterschiedliche Angaben.
Zunächst wohnte das Ehepaar Bier in der Pfalzburger Straße 88. Dort wurden auch ihre Kinder geboren, am 25. Juli 1911 Eliese Sophie, am 7. Februar 1913 Maximilian Julius (Max) und am 7. Januar 1916 Paula Ruth. Das vierte Kind Paul starb 1918, noch im selben Jahr seiner Geburt. 1920 wohnten die Biers schon in der Fasanenstraße 32. Diese Adresse sollte ihr langjähriges Zuhause werden. Das Haus wurde im Krieg zerstört, an seiner Stelle steht heute ein Neubau mit der Nummer 33.
Amalie und Gottfried waren Mitglieder der orthodoxen Adass Jisroel Synagogengemeinde. Gottfried galt als Förderer des Israelitischen Krankenheims und wurde nach dem Tod von Prof. Mosche Knoller Kuratoriumsvorsitzender. Auch um das Wohl der Kranken hat sich Gottlieb Bier persönlich gekümmert.
Ihre Kinder ließen Amalie und Gottfried ganz im Sinne des jüdisch orthodoxen Glaubens erziehen. Alle drei besuchten das Realgymnasium der Israelitischen Synagogengemeinde Adass Jisroel – mit unterschiedlichen Berufszielen.
Eliese ging zunächst auf das Realgymnasium, machte ihr Abitur dann aber 1929 auf dem Gymnasium in Sigmundshof. Ihre Leidenschaft galt der Kunst und Literatur. Sie studierte an der Berliner Friedrich – Wilhelm – Universität Kunstgeschichte, Philosophie, Psychologie und Literaturgeschichte. Gleichzeitig besuchte sie noch die Journalistenschule. 1933 wurde sie als Jüdin vom weiteren Studium ausgeschlossen. Sie fand in der Firma ihres Vaters eine vorübergehende Anstellung, bis sie Ende 1933 nach Palästina auswanderte.
Max studierte nach dem Abitur Jura in Frankfurt/Main und Berlin, musste aber ebenfalls im März 1933 als Jude die Universität verlassen. Auch er arbeitete dann bis zu seiner Auswanderung nach Palästina im April 1934 als Buchhalter im Immobilienbüro seines Vaters.
Ruth konnte gar nicht erst ihr Abitur machen. Sie fand nach der Auflösung der weiterführenden Klassen des Realgymasiums keine Schule, die sie aufnehmen wollte. Ihr Berufswunsch Medizin blieb unerfüllt und Ruth lebte weiter bei ihren Eltern, bis auch sie 1938 nach Palästina ging.
Eliese und Ruth erkrankten im Laufe der Jahre in Palästina schwer, da sie die ungewohnte schwere Arbeit in der Landwirtschaft, bzw. in einer Wäscherei und die klimatischen Bedingungen nicht verkrafteten.