HIER WOHNTE
ADELHEID
NATHANSON
GEB. ASCH
JG. 1879
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
MASSENERSCHIESSUNG
30.11.1941
RIGA-RUMBULA
Adelheid Nathanson wurde als Adelheid Asch am 22. Juni 1879 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Greifenberg in Pommern (Gryfice, Polen) stammenden Kaufmann und Fabrikanten Louis Asch (geb. 11. Januar 1845) und dessen Ehefrau, die aus Heiligenstadt in Thüringen stammende Metha (Simulthan) geborene Loewe (geb. 11. Mai 1850), war sie das einzige Kind. Sie wohnten in der Wallner-Theater-Straße 36 (heute Teil der Holzmarktstraße) in Berlin-Mitte.
Wann und wo Adelheid ihren späteren Ehemann, den aus Weißenhöhe im Kreis Wirsitz in Pommern (Gmina Białośliwi, Polen) stammenden praktischen Arzt Dr. med. Max Nathanson (geb. 25. August 1865), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 21-jährige Adelheid und der 35-jährige Max heirateten am 25. April 1901 in Berlin. Als Trauzeugen war Adelheids Vater und Max’ Bruder, der 31-jährige Chemiker Felix Nathanson, anwesend.
Am 24. Februar 1902 wurden sie Eltern ihrer Tochter Nora. Vier Jahre später kam ihr Sohn Ernst (geb. 12. Juni 1912) zur Welt. Max führte seine Praxis als Arzt für Geburtshilfe und Hals-, Nase-, Ohrenerkrankungen im Erdgeschoß in der Hölderlinstraße 10, wo sie auch wohnten. Er trug den Titel eines Sanitätsrats. Adelheids Eltern lebten ganz in ihrer Nähe in der Fredericiastraße 32. Hier starb ihr Vater am 13. Dezember 1917 mit 72 Jahren.
Ihre Tochter Nora heiratete mit 24 Jahren am 28. Dezember 1927 den aus Breslau stammenden Kaufmann Günther Friedrich Auerbach-Sagrebnew (geb. 20. August 1903). Sie wurden Eltern von drei Kindern. Ein Mädchen wurde am 31. Mai 1929 in Berlin tot geboren. Ihr Sohn Stefan (geb. 1930) wurde noch in Berlin geboren und ihre Tochter Irina (geb. 21. Januar 1937) in Moskau, wohin die Familie schon 1933/34 emigrierte.
Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Adelheid 53 Jahre alt. Ihre Mutter starb kurze Zeit später mit 82 Jahren am 13. April 1933.
Ihr Sohn Ernst arbeitete als kaufmännischer Angestellte und heiratete am 15. November 1933 die Filialleiterin Ruth Else Riedel (geb. 11. Februar 1908). Am 7. Juni 1935 wurden sie Eltern eines Sohnes, den sie Peter nannten.
Ein halbes Jahr später starb Adelheids Ehemann und Vater ihrer Kinder, Max, am 31. Dezember 1935 mit 70 Jahren in der Württembergallee 8. Adelheid wurde mit 56 Jahren Witwe. Vermutlich zog sie 1936 in die Platanenallee 8. Am 16. Juni 1938 starb ihr Schwiegersohn mit 34 Jahren in Moskau. Aufgrund der politischen Lage blieb ihre Tochter Nora mit den Kindern in Moskau.
Am 27. August 1938 wurde Ernsts zweiter Sohn Michael geboren. Adelheid wurde zum fünften Mal Großmutter. Die Familie ihres Sohnes Ernst wohnte in der Pankstraße 65 in Berlin-Mitte. Ein Jahr später, am 15. Juli 1939, flüchteten Ernst und Ruth mit ihrem nicht einmal einjährigen Sohn Michael und dem 4-jährigen Peter mit der SS Gneisenau nach Shanghai.
Adelheid blieb allein zurück. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war sie weiterhin in der Platanenallee 8 gemeldet. Ab Oktober 1941 wurde es den Juden verboten, das Deutsche Reich zu verlassen. Am 18. Oktober 1941 ging der erste Deportationszug in Richtung Osten vom Bahnhof Grunewald ab. Im ersten Sonderzug mit deutschen Juden, der in Riga eintraf, war auch Adelheit Nathanson. Es handelte sich bereits um den 7. „Osttransport” aus Berlin, der am 27. November 1941 vom Bahnhof Grunewald abging und am 30. November 1941 in Riga eintraf. Alle 1.053 Insassen des Zuges wurden kurz nach der Ankunft im Wald von Rumbula bei Riga erschossen. Adelheid Nathanson geborene Asch starb mit 62 Jahren.
1948 kehrte die Familie ihres Sohnes Ernst aus Shanghai zurück nach Berlin. Sie wohnten in der Pankstraße 76 in Berlin-Gesundbrunnen. Ernst Nathanson starb am 27. November 1950 mit 44 Jahren an Lungentuberkulose und schwerer Herzinsuffizienz. Seine Witwe Ruth wurde 100 Jahre alt.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
- My Heritage