Margarete heiratete Hugo Eisner, der zusammen mit seinen beiden Brüdern Viktor und Hermann ein Textilgeschäft – „Eisner und Ehrmann“ – im Stadtteil Mitte betrieb. Margarete und Hugo wohnten in der Tiergartenstraße. Sie hatten drei Kinder: Fritz, Lotte und Steffi.
Fritz heiratete Paula Schmoller und hatte zwei Söhne, Herbert und Stephan. In den 1930er- Jahren wanderte die Familie nach und nach aus: Zuerst ging Herbert nach Buxton in England, dann Stephan nach Paris, anschließend Fritz nach England und schließlich, im März 1939, nachdem sie die gesamte Wohnung gepackt hatte, wanderte Paula nach England aus, wo Stephan zu der Familie stieß. 1927 wurde Lotte Eisner Autorin und Journalistin für die Tageszeitung „Film-Kurier“. 1933, wenige Wochen nach der Machtergreifung der Nazis, war sie gezwungen, nach Paris zu fliehen, wo sie 1936 Henri Langlois kennenlernte und gemeinsam mit ihm die Cinémathèque française gründete. 1940, nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht, wurde sie in das Lager Gurs deportiert, konnte jedoch fliehen und sich in Figeac unter falscher Identität – Louise Escoffier – verstecken. 1944 kehrte sie nach Paris zurück. 1952 erschien ihr wegweisendes Buch über den deutschen Film „The Haunted Screen“ und sie
nahm die französische Staatsbürgerschaft an. In ihren späteren Lebensjahren wurde ihr die Ehrenlegion verliehen. Steffi Eisner heiratete Eugène Van Der Meersch in Paris; das Paar hatte vier Kinder.
1924 starb Hugo Eisner, und Margarete zog in eine andere Wohnung in Berlin, wo sie mehrere Jahre lang lebte. 1938 besuchte sie ihre Tochter Steffi in Paris, um ihre Enkelkinder zu sehen, kehrte aber im folgenden Jahr nach Berlin zurück. Nach Ausbruch des Krieges wurde sie gezwungen, mit einer Reihe anderer Menschen in einem „Judenhaus“ zu leben. Ihr wurde ein Zimmer im vierten Stock am Kurfürstendamm 102 zugewiesen, wo sie unter anderem mit Harry und Henriette Hammerschlag zusammenlebte, einem Ehepaar, das mit ihrer Familie befreundet war und am 28. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde. Margarete blieb in Berlin und schaffte es sogar, ihrem Sohn Fritz in London zu schreiben, bis sie im August 1942 von Moabit in Berlin in das Lager Theresienstadt (Terezin) in Tschechien deportiert wurde. Sie starb im folgenden Jahr, im Januar 1943.
Text: Julia Eisner