Stolpersteine Witzlebenstraße 33

Hausansicht Witzlebenstr. 33

Diese Stolpersteine wurden von dem heutigen Hausbewohner Dr, Jörg Hecker gespendet und am 7. April 2016 verlegt.

Stolperstein Edith Elias

HIER WOHNTE
EDITH ELIAS
JG. 1903
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
16.11.1941

Edith Elias ist am 1. Oktober 1903 in Frankfurt a.M. geboren. Am Tag der Volkszählung (17. Mai 1939) war sie in der Witzlebenstraße 33 gemeldet, auf der Meldekarte der Polizei steht allerdings der Vermerk, sie sei „1939 verzogen“, eine andere Adresse ist dort nicht angegeben. In den Berliner Adressbüchern war sie nicht unter ihrem Namen verzeichnet. Über ihr Leben und ihren Beruf ist nichts zu erfahren. Am 16. November 1941, also etwa einen Monat nach dem Beginn der planmäßigen Judendeportationen aus Berlin und zwei Wochen nach dem Abtransport des Hausbewohners Leo Abramczyk, beging Edith Elias Selbstmord.

Stolperstein Leo Abramczyk

HIER WOHNTE
LEO ABRAMCZYK
JG. 1875
DEPORTIERT 29. 10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 25.3.1942

Leo Abramczyk ist am 20. Juni 1875 in Argenau (Gniewkowo) in der Provinz Posen (Poznan) geboren. Im Berliner Adressbuch von 1939 war er als „Kaufmann“ eingetragen.
Er musste sich in der zur Sammelstelle umgewandelten Synagoge Levetzowstr. 7-8 einfinden und wurde von dort am 29. Oktober 1941 nach Lodz (Litzmannstadt) deportiert, wo er im Ghetto eingesperrt wurde. Dort ist er am 25. März 1942 ums Leben gebracht worden.

In diesem Haus wohnte auch die am 15. August 1891 in Lobsens (Lobzenica) Paula Schwarz geb. Abraham. Sie ist am 24. August 1943 aus dem Jüdischen Krankenhaus nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden.

Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen: Bundesarchiv, Adressbücher.

Witzlebenstr. 33 Paula Schwarz

HIER WOHNTE
PAULA SCHWARZ
GEB. ABRAHAM
JG. 1891
DEPORTIERT 24.8.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET

Paula Schwarz geb. Abraham, wurde am 15. August 1891 in Lobsens, heute Łobżenica/Polen, geboren.

Paula hatte noch zwei Geschwister: Betty (geb. 1898), verheiratete Gold, die nach Belgien geflüchtet ist und von dort im Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde, sowie ihren Bruder Hermann, der in der Nazizeit nach Holland emigriert ist. Ob er überlebt hat, ist nicht bekannt.

Am 12. Mai 1927 heiratete Paula Franz Schwarz, die Eheschließung fand in Berlin statt. In der Heiratsurkunde wird Paulas Bruder Hermann als Trauzeuge benannt. Bis zur Hochzeit hat Paula ebenso wie ihr Bruder Hermann im Haushalt der Mutter Tina gelebt. Tina Abraham ist im Berliner Adressbuch von 1927 in der Gormannstraße 25 /26 verzeichnet, ihr Familienstand wird als „Witwe“ angegeben. Diese Adresse Gormannstraße wird auch für Paula in der Heiratsurkunde genannt. Ob aus dieser Ehe Kinder hervorgegangen sind, ist nicht bekannt. Das Ehepaar Schwarz hat im Gartenhaus der Witzlebenstraße 33 gelebt, in einer Wohnung im ersten Stock. Franz Schwarz ist am 12. Dezember 1939 im Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde im Wedding verstorben. Paula behielt die Wohnung in der Witzlebenstraße. Familie Gottschalk, ein ebenfalls jüdisches Ehepaar mit Sohn, wohnte bei ihr zur Untermiete.

Paula Schwarz hat als Krankenschwester im Jüdischen Krankenhaus im Wedding gearbeitet und sie hat zumindest zeitweise auch dort gewohnt, ohne ihre Wohnung in der Witzlebenstraße 33 aufzugeben. Was Paula bewogen hat, im Schwesternheim des Krankenhauses zu wohnen, lässt sich nur vermuten. Ein Grund könnte gewesen sein, dass der Weg von Charlottenburg zum jüdischen Krankenhaus im Wedding zu weit war, da Juden ab 1942 keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr benutzen durften, nur in Ausnahmefällen. Diese Polizeiverordnung vom 16. Februar 1942 war Teil einer langen Liste antijüdischer Maßnahmen und Vorschriften mit dem Ziel, Juden zu entrechten, sich ihres Besitzes zu bemächtigen, sie aus der Gesellschaft auszugrenzen und gezielt zu demütigen.

Ein anderer (oder weiterer) Grund könnte die am 3. Februar 1943 stattgefundene Deportation der bei ihr zur Untermiete wohnenden Familie Gottschalk gewesen sein – in deren Folge Paula sich möglicherweise in ihrer Wohnung nicht mehr sicher vor der Gestapo fühlte. Wir können hier nur vermuten.

Wir können aber annehmen, dass das Krankenhaus der Lebensmittelpunkt von Paula Schwarz zu dieser Zeit war. Das jüdische Krankenhaus war während des gesamten Krieges in Betrieb. Mit der Machtergreifung der Nazis begann das traurigste Kapitel in der Geschichte des Krankenhauses. Sowohl für die Mitarbeiter als auch für die Patienten wurden die Bedingungen nach 1933 zunehmend unerträglich. In den ersten Jahren galt das Krankenhaus als Zufluchtsort. Hier konnten jüdische Ärzte und Schwestern, die aus anderen Krankenhäusern vertrieben wurden, bis zu ihrer Emigration arbeiten. Ab der 40er Jahre wurde dem Jüdischen Krankenhaus nur noch die Behandlung kranker Juden gestattet. Das Krankenhaus wurde von den Nationalsozialisten zunehmend auch als Sammellager und Zwischenstation für die Transporte in die Konzentrationslager missbraucht, zugleich war es die einzige Möglichkeit für Juden, medizinische Hilfe zu bekommen. Es wurde Ghetto, aber auch Zufluchtsstätte für Untergetauchte. Vermutlich wurde Paula Schwarz aus dem Jüdischen Krankenhaus heraus deportiert. Die Deportation erfolgte am 24. August 1943 nach Auschwitz, wo sie ermordet wurde.

Ein halbes Jahr zuvor waren ihr ebenfalls in Charlottenburg lebender Onkel Leo Israel, ihre Cousine Felicia und die Familie ihrer Cousine Gerda Rosenbaum nach Auschwitz deportiert und ermordet worden.

Biografie: Rita Kienzler

Quellen:
Volkszählung 1939
Bundesarchiv
Opferdatenbank Yad Vashem
Ancestry : Heiratsregister
Familienangaben

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