HIER WOHNTE
PAULINE BECKER
GEB. OPPENHEIMER
JG. 1886
DEPORTIERT 1.3.1943
AUSCHWITZ
ERMORDET 15.3.1943
Pauline Becker wurde als Pauline Oppenheim am 20. Oktober 1886 in Cosel in Oberschlesien (Koźle, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Schneidermeister Salo Oppenheim (*1845) und dessen Ehefrau Lina, genannt Lena, geborene Boss (*März 1848), war sie das zweitjüngste von insgesamt sechs Kindern. Ihre älteste Schwester Rosalie (*10. März 1877) war neun Jahre älter als sie und noch in Ratibor geboren, wo die Eltern damals wohnten. Marie (*1880) war die erste, die in Cosel zur Welt kam. Es folgten Anna (*8. Mai 1882) und Emma (*29. Juli 1884). Drei Jahre nach Pauline wurde der „Stammhalter“ Josef (*10. Mai 1889) geboren.
Am 21. Mai 1904 starb mit 56 Jahre ihre Mutter. Pauline war damals 17 Jahre alt. Das Amtsgericht Cosel erlaubte Salo Oppenheim am 15. Mai 1909, den Vornamen Samuel und den Familiennamen Oppenheimer zu führen. Der Nachname Oppenheimer galt fortan auch für seine Kinder. Kurz danach ging die Familie Oppenheimer nach Berlin. Sie wohnten in der Kantstraße 90 in Charlottenburg. Am 30. September 1909 starb Paulines ältere Schwester, die unverheiratete 29-jährige Marie, in Charlottenburg.
Ihre zweite ältere Schwester, die Putzmacherin Emma Oppenheimer, heiratete am 27. Juni 1912 den Geschäftsreisenden Bruno Willdorff (*13. September 1881). Ihr jüngster Bruder, der Kaufmann Josef, heiratete nach dem Ersten Weltkrieg, am 3. April 1919, die Korrespondentin (heute Sekretärin) Lydia Schott (*2. Juni 1890). Die Familie wohnte damals in der Joachim-Friedrich-Straße 39/40.
Wann und wo Pauline ihren späteren aus Schmiegel in der Provinz Posen (Śmigiel, Poznań, Polen) stammenden Ehemann, den Apotheker Sally Becker (*19. Juli 1887), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 39-jährige Pauline und der 38-jährige Sally heirateten am 4. Februar 1926 in Berlin-Wilmersdorf. Als Trauzeugen waren Paulines Vater Samuel Oppenheimer aus der Joachim-Friedrich-Straße 39/40 in Berlin-Halensee und Sallys Bruder Ludwig aus der Kaminer Straße 3 in Berlin-Charlottenburg anwesend.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Pauline 46 Jahre alt. Das Berliner Adressbuch 1933 führte den Apotheker Sally Becker in der Memeler Straße 77 (heute Marchlewskistraße) in Berlin-Friedrichshain.
Seit 1936 wohnten sie in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit Mädchenkammer ohne Komfort im Vorderhaus Parterre in der Windscheidstraße 15 in Berlin-Charlottenburg. Die Miete betrug 90 RM monatlich. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren auch Paulines ältere unverheiratete Schwestern Rosalie, auch Rosa genannt, und Anna bei ihnen in der Windscheidstraße 15 zur Untermiete gemeldet.
Seit circa 1940 leistete Pauline Zwangsarbeit bei der Firma Riedel Putz. Ihre Schwester Rosa deportierte die Gestapo mit dem 20. Osttransport am 24. September 1942 mit 65 Jahren aus der Windscheidstraße 15 nach Raasiku bei Reval in Estland, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft am 26. September 1942 ermordet wurde.
Als Pauline, ihr Ehemann Sally und ihre Schwester Anna am Samstagmorgen, dem 27. Februar 1943 ihre Wohnung in der Windscheidstraße 15 verließen, um zu ihren Zwangsarbeitsstätten zu gehen, ahnten sie nicht, dass sie niemals zurückkehren würden. An ihren Arbeitsplätzen setzte die Gestapo an diesem Tag tausende von jüdischen Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern fest und brachte sie in Sammellager, wo sie bis zu ihrer Deportation interniert wurden. Unter ihnen befanden sich auch Pauline, Sally und Anna. Die Gestapo deportierte Pauline Becker zwei Tage eher als Sally und Anna, am 1. März 1943, mit dem 31. Osttransport zusammen mit ca. 1.100 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Die Lagerdatei wies nach dem Krieg als Todesdatum den 15. März 1943 aus. Pauline Becker geborene Oppenheimer starb mit 56 Jahren.
Ihren Ehemann Sally und ihre Schwester Anna deportierte die Gestapo zwei Tage nach Pauline, am 3. März 1943, mit dem 33. Osttransport zusammen mit 1.884 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz, wo sie kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Sally Becker starb mit 55 Jahren. Die Lagerdatei wies nach dem Krieg als Todesdatum den 15. März 1943 aus. Anna Oppenheimer starb mit 60 Jahren.
Paulines Schwester Emma war mit ihrem Ehemann Benno Willdorff am 24. Oktober 1939 die Flucht über Schweden nach New York gelungen, wo ihre beiden Töchter Inge (*8. August 1919) und Marianne (*13. März 1922) schon lebten. Die älteste Tochter Leonore (*23. April 1913) lebte 1939 in Paris.
Über den Bruder Josef konnte nach seiner Hochzeit 1919 nichts recherchiert werden. Vermutlich emigrierte er mit seiner Ehefrau schon früh aus dem Deutschen Reich.
Recherche und Text: Gundula Meiering, April 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
- My Heritage
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 2103, Sally und Pauline Becker