Stolperstein Fasanenstraße 49

Bildvergrößerung: Hauseingang Fasanenstr. 49
Hauseingang Fasanenstr. 49
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

Der Stolperstein für Saul Rudermann wurde am 09. Juni 2015 auf Wunsch von Cristina Konn-Saile, einer Nachbarin, verlegt.

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Stolperstein Saul Rudermann
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka

HIER WOHNTE
SAUL RUDERMANN
JG. 1887
DEPORTIERT 12.10.1944
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Saul Rudermann entstammte einem frommen jüdischen Elternhaus. Er wurde in Minsk geboren, am 25. August 1887. Nach der Mittelschule ließ er sich zum Zuschneider ausbilden, zog nach Kowno und heiratete im August 1910 die vier Jahre jüngere Musikerin Ida Franke. Sie hatten zwei Kinder, den 1911 geborenen Sohn Victor und 1913 die Tochter Sascha.

Während des Ersten Weltkriegs emigrierte Saul Rudermann nach Deutschland. Ida und die Kinder folgten ihm 1920. Er lebte mittlerweile in Hannover und war Mitinhaber der Maßschneiderei Scheiberg und Rose. Als das Geschäft 1927 aufgelöst wurde, zog die Familie nach Berlin, wo Saul Rudermann als Geschäftsführer und Zuschneider in die Firma Dobzinski in der Taubenstraße eintrat. Er verstand sein Handwerk, war hochangesehen und brachte es dank Fleiß und Geschick zu einem guten privaten Kundenkreis. Rudermanns waren gut situiert. Ihre Wohnung in der Marburger Straße 16 war geräumig und mit wertvollen Möbeln ausgestattet, die Kinder gingen auf höhere Lehranstalten und erhielten Sprach- und Musikunterricht.

Aufgrund der Ausgrenzung jüdischer Studierender aus deutschen Hochschulen konnte Victor Rudermann sein Medizinstudium nicht fortsetzen und emigrierte 1935 nach Paris. Im selben Jahr wanderte auch der jüdische Inhaber der Firma Dobzinski aus. Saul Rudermann arbeitete sodann nur noch für seine privaten Kunden, verdiente jedoch weiterhin sehr gut. Das machte es ihm möglich, im Mai 1939 zunächst seine Tochter Sascha illegal nach Belgien ausreisen zu lassen und fünf Monate später auch seine Frau Ida. Er wollte bald folgen und zog in die Fasanenstraße 49, in den linken Seitenflügel, III. Stock, zur Untermiete bei Henny Jordan geb. Gross.

Im Juli 1940 wurde Saul Rudermann “wegen Devisenvergehens” festgenommen und in Plötzensee inhaftiert, von wo er im Januar 1941 nach Spandau überführt und vermutlich zwei Monate später entlassen wurde. Als ihm im Mai 1942 der Deportationsbescheid zugestellt wurde, tauchte er unter. Ein halbes Jahr später wurde sein inländisches Vermögen zugunsten des Deutschen Reiches eingezogen und im Juni 1943 seine Wohnung in der Fasanenstraße geräumt. Zu dem Zeitpunkt war seine Vermieterin Henny Jordan bereits umgekommen. Sie war am 15. August 1942 mit 49 Jahren nach Riga deportiert und dort drei Tage später erschossen worden.

Gut zwei Jahre nach seinem Untertauchen wurde Saul Rudermann gefasst und am 12. Oktober 1944 mit dem von den NS-Behörden so bezeichneten 58. Osttransport nach Auschwitz deportiert.

Ida und Victor Rudermann überlebten den Krieg. Sascha starb im Dezember 1942 in einem Kellerversteck, in dem sie und ihre Mutter sich seit einem Jahr verborgen hielten.

Text: Cristina Konn-Saile.
Quellen: Unterlagen des Brandenburgisches Landeshauptarchivs Potsdam sowie des Entschädigungsamts Berlin