HIER WOHNTE
MAX JORDAN
JG. 1886
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942
Max Jordan wurde am 25. Oktober 1886 in Telgte, Kreis Münster in Nordrhein – Westfalen geboren. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten 12 jüdische Familien in Telgte, darunter die Familie Jordan. Die Gemeinde besaß eine kleine Synagoge und zeitweise auch eine eigene jüdische Schule. Der Jordans nahmen lebhaften Anteil am gesellschaftlichen Leben, z. B. in dem 1889 gegründeten „Kriegerverein“ und dem seit 1889 bestehenden Verein „Eintracht“, dessen Ziel „gesellige Zusammenkünfte unter Ausschluss von Religion und Politik“ waren.
Der Metzger und Viehhändler Abraham Jordan heiratete im Januar 1875 in Bielefeld Pauline Goldstein, Tochter des Tabakfabrikanten Moses Goldstein. Das Ehepaar bekam 7 Kinder: Johanna, geb. 3. Dezember 1875, Adolf, geb. 04. April 1877, Wilhelmine, geb. 22. März 1879, Moritz, geb. 18. März 1881, Helene, geb. 12. Oktober 1883, Louis (Ludwig), geb. 9. April 1885 und Max, geb. 25. Oktober 1886.
Die Familie Jordan zog nach Aufgabe des Telgter Geschäfts nach Münster. Max wohnte dort seit 1904. Als Abraham Jordan 1912 in Münster starb, meldete Max den Tod beim Standesamt. Pauline zog 1916 nach Dortmund. Wann genau Max nach Berlin umsiedelte, ist nicht bekannt. Seine Geschwister Louis, Johanna, Wilhelmine und Helene gingen ebenfalls in die Hauptstadt.
Max Jordan startete zusammen mit seinem Bruder Louis – dieser nannte sich in Berlin Ludwig – sein berufliches Leben in Berlin in der Textilbranche. 1920 finden wir den ersten Eintrag „Gebr. L. & M. Jordan, Fabrikat. von Celluloid – Damenwäsche u. seid. Modeartikel, Inh. Ludwig & Max Jordan“ im Berliner Adressbuch mit der Anschrift Poststraße 28 im Nikolaiviertel. 1929 sind im Handelsregister unter der Adresse Scharrenstraße 11/13 Ludwig und Max Jordan „Seidene Modenartikel“ eingetragen, 1930 befindet sich die Firma ein Haus weiter in der Brüderstraße 2. In den Jahren 1931 bis 1935 ist die Textilfirma nur noch mit dem Namen Max Jordan, „Rockfabrik“ oder „Röcke und Blusen“ unter verschiedenen Adressen (Friedrichstraße 62 und Jerusalemer Straße 16) angegeben.
1937 bezieht Max Jordan mit seiner Firma Räume am Hausvogteiplatz 11a.
Der Friedrichswerder, wo sich die Geschäfte der Brüder Jordan befanden, war im 19. und frühen 20. Jahrhunderts das Zentrum der jüdischen Konfektionsindustrie. Durch die Enteignung, Vertreibung und Ermordung der jüdischen Eigentümer verschwand der hier ansässige Mode – Großhandel dauerhaft und unwiederbringlich.
1938 stellte Max die Produktion seiner Modeartikel ein und nach den Novemberpogromen 1938 wurde die Firma liquidiert.
Anfang der 1930er- Jahre hatte er sich beruflich von seinem Bruder Ludwig getrennt. Ludwig Jordan verließ mit seiner Frau Anne und den Kindern Lore und Hans Nazideutschland und wanderte nach Kolumbien aus. Nach dem Tod seiner Frau 1957 in Bogotá kehrte er nach Deutschland zurück. Er starb 1966 in Baden Baden.
Max’ Privatwohnung war seit Ende der 1920-er Jahre in der Brandenburgischen Straße 25 und zur Zeit der Volkszählung im Mai 1939 in der Mommsenstraße 14. Nach der Aufhebung des Mieterschutzes für die jüdische Bevölkerung, war Max gezwungen, diese Wohnung zu verlassen und er zog mitsamt seinem Mobiliar zu Henny Wortsmann in deren große Wohnung in der Fasanenstraße 49. Wann und wo er Henny kennengelernt hatte, wissen wir nicht. Sie war seit 1939 verwitwet und lebte mit ihrer Mutter Emma zusammen. Ihre drei Kinder waren 1938 und 1939 nach England geflohen. Max und Henny heirateten 1941. Sie wurden beide zur Zwangsarbeit herangezogen.
Am 15. August 1942 wurden Max Jordan und seine Frau Henny deportiert. Der 18. Osttransport nach Riga umfasste 1002 Berliner Jüdinnen und Juden, vorwiegend mit der Berufsbezeichnung „Arbeiter“. Die Insassen dieses Zuges, der am 18. August 1942 Riga erreichte, wurden gleich nach Ankunft erschossen und in einem der Massengräber um Riga verscharrt. Nur die Kleidungsstücke der Ermordeten, die man ihnen zuvor abgenommen hatte, gelangten in das Rigaer Ghetto.
Im Mai 1939 hatten sich Max’ Schwester Helene und ihr Mann Siegfried Israel entschlossen, ihre Villa in der Selchowstraße 7 in Schmargendorf und somit Deutschland zu verlassen. Die Villa konnte vor ihrer Abreise nicht verkauft werden, sie galt im Adressbuch von 1940 als „unbewohnt ohne Eigentümer“. Helene und Siegfried bestiegen in Hamburg den Dampfer „Cap Arcona“, der sie nach Montevideo/Uruguay bringen sollte. Die „Cap Arcona“ durchquerte den Golf von Biscaya, als Siegfried Israel an Herzversagen starb. Die deutsche Gesandtschaft in Lissabon registrierte seinen Tod. Helene setzte offenbar die Reise fort, sie kehrte nach dem Krieg nach Berlin – Schmargendorf zurück, wo sie noch einige Jahre im Altenheim der jüdischen Gemeinde in der Berkaer Straße 32 – 35 verbrachte.
1956 starb sie ebendort an den Folgen einer Lungenentzündung, die sie sich nach einem Oberschenkelhalsbruch zugezogen hatte.
Wilhelmine Waldmann geb. Jordan war ebenfalls nach Südamerika ausgewandert. Im Juli 1952 reiste sie per Schiff von Montevideo nach New York und ließ sich in San Francisco nieder. Mit ihr reiste die 38-jährige Hildegard Frankenthal geb. Waldmann, möglicherweise ihre Tochter. Wilhelmine starb am 29. März 1958 in San Francisco.
Max’ seit 1925 verwitwete Schwester Johanna wurde am 12. April 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet. Sie hatte von 1939 bis zum Zeitpunkt ihrer Deportation bei Max und Henny in der Fasanenstraße 49 gewohnt.
Das weitere Schicksal der Geschwister Jordan ist hier zu finden. „Biografie Abraham Jordan“ von Dr. Barbara Elkeles zu finden.
Recherche und Text: Karin Sievert Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf
Dank an Dr. Barbara Elkeles „Erinnerung und Mahnung, Verein zur Förderung des Andenkens an die Juden in Telgte.“
Quellen: