Stolpersteine Hektorstraße 16

Hausansicht Hektorstr. 16

Diese Stolpersteine wurden von Peter Bethke (Plön/Berlin) im Auftrag einer Bewohnergruppe des Hauses am 14.5.2015 verlegt.

Stolperstein Selma Wollsteiner

HIER WOHNTE
SELMA
WOLLSTEINER
GEB. MONSCHKE
JG. 1866
DEPORTIERT 5.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 4.2.1943

Selma Wollsteiner, geborene Monschke, wurde geboren am 21. Dezember 1866 in Kolberg (Westpreußen), ihre Eltern waren Meyer Monschke und Henriette Monschke geb. Lefebre. Sie war die Ehefrau von Arthur Wollsteiner. Sie hatten keine Kinder.

Die 75-jährige Selma Wollsteiner wurde zusammen mit ihrem vier Jahre jüngeren Mann Arthur am 5. August 1942 in einem verschlossenen und bewachten Zugabteil vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Dort ist sie, wie auf der erhaltenen “Todesfallanzeige“:http://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/93946-wollsteiner-selma-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/ zu lesen ist, an einem “Darmkatarrh” gestorben, was eine Umschreibung für die unhaltbaren menschenunwürdigen hygienischen Zustände in dem Ghetto war, unter denen die meisten der dort in qualvoller Enge untergebrachten Menschen litten. Ihr Mann Arthur und dessen Bruder Martin, beide gleichfalls in Theresienstadt, waren zu dieser Zeit am Leben, wie aus diesem Dokument hervorgeht.

Text: Peter Bethke, Helmut Lölhöffel.
Quellen: Bundesarchiv; Archiv Theresienstadt

Stolperstein Arthur Wollsteiner

HIER WOHNTE
ARTHUR
WOLLSTEINER
JG. 1870
DEPORTIERT 5.8.1942
THERESIENSTADT
BEFREIT

Arthur Wollsteiner wurde am 4. Mai 1870 in Hoyerswerda (Oberlausitz) geboren. Er war ein Bruder von Martin Wollsteiner, Ludwig Wollsteiner (verschleppt nach Theresienstadt am 4. August 1942, dort ums Leben gebracht am 20. November 1942) und Julius Wollsteiner (verschleppt nach Lodz/Litzmannstadt am 18. Oktober 1941, dort ermordet am 23. Januar 1942). Sie waren die Söhne des Kaufmanns S. Wollsteiner.

In einem am 30.5.(?) 1949 aufgesetzten Lebenslauf gab er folgendes an: Besuch des Gymnasiums in Kottbus bis zur Obersekunda, nach Übersiedlung nach Berlin Ausbildung zum “Konfektionär” in namhaften Firmen der Konfektionsbranche am Spittelmarkt in Berlin-Mitte, Gründung der eigenen Firma “Arthur Wollsteiner – Damen-Mäntel, Röcke, Kostüme -Engros und Export” in der Jerusalemer Straße 22 mit 16 gewerblichen und drei kaufmännischen Beschäftigten.

Mit seiner Ehefrau Selma – das Paar hatte keine Kinder – wohnte er in der Hektorstraße 16 im Vorderhaus im 1. Stock links in fünf Zimmern für einen Mietpreis von 140 Reichsmark. Bevor Arthur und Selma Wollsteiner deportiert wurden, war er, wie er in einer ihm abverlangten „Vermögenserklärung“ notierte, „unbesoldeter Helfer“ des Jüdischen Kulturvereins (JKV) und dort für Kataster zuständig.

Die Oberfinanzdirektion (OFD) vermerkte am 28.9.1942: „Die zum heutigen Verkauf beschlagnahmten Gegenstände des ausgebürgerten Arthur Wollsteiner“ würden bis auf bei einem Postamt deponierte 100 Mark dem Oberkommando der Wehrmacht übergeben. „Der Verkauf erfolgt gegen bar und beträgt 2415.- RM“ und erfolge „nach tel. Rücksprache“. Dieses dreiseitige Schriftstück war mit einem „Geheim“-Stempel versehen. Es ging um Möbel und Einrichtung, „da der betreffende Interessent spätestens am 1. Okt. die Wohnung beziehen muss, um nicht obdachlos zu werden. Es handelt sich um eine für die deutschen Interessen wichtige Persönlichkeit aus dem Iran, die führende Staatsstellen dort bekleidet hat.“ Unterschrieben war dieser Brief vom Chef des Oberkommandos der Wehrmacht.
Hausrat und Textilien wurden extra bewertet und zu einem „Händlereinkaufspreis“ verkauft. Zuständiger Sachbearbeiter in der OFD war ein Inspektor Schneider, der außerdem rot angekreuzte Gegenstände wie Schallplatten, Plattenspieler, Bücher und Zeitschriften sowie „jüdisches Kulturgut aller Art“ dem Reichskommissar für die Festigung deutschen Volkstums, Sachbearbeiter Wulff, anbot.

Im Anhang zu einem Fragebogen der Vermögensverwaltungsstelle des Senats gab Arthur Wollsteiner nach der Befreiung Theresienstadts, die er miterlebte, am 12.6.1946 an: “Ich bin am 3. August 1942 schriftlich in höflicher Form nach der Gestapo, Burgstrasse gebeten worden, behufs einer Anfrage u. gleich dort behalten um am darauf folgenden Tag nach Abnahme meiner Wohnungsschlüssel, Wertsachen, Geld etc. abtransportiert zu werden” in die Sammelunterkunft in der Großen Hamburger Straße 26 in Berlin-Mitte, von wo er mit seiner Ehefrau Selma am 5. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt transportiert wurde.

Er überlebte dort das Ende des Zweiten Weltkriegs und kehrte am 10. August 1945 nach Berlin zurück. Seine Wohnung war besetzt, er kam bei Bekannten in Rixdorf (gehört zu Neukölln) in der Roseggerstraße 46 unter. Er adoptierte 1948 seine Pflegerin und starb am 7. Juli 1949 im Tempelhofer St. Josephs-Krankenhaus an einem Herzleiden.

Recherchen und Text: Peter Bethke, Helmut Lölhöffel.
Quellen: Bundesarchiv; Brandenburgisches Landeshauptarchiv

Stolperstein Martin Wollsteiner

HIER WOHNTE
MARTIN
WOLLSTEINER
JG. 1877
DEPORTIERT 14.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 21.1.1943

Martin Wollsteiner wurde am 28. Februar 1877 in Hoyerswerda (Oberlausitz) geboren. Er war einer von vier Söhnen des Kaufmanns S. Wollsteiner. Martin nahm ein Studium der Medizin in Berlin auf, reichte seine Dissertation 1900 in Leipzig ein und erlangte die Approbation 1900 in Berlin. Dr. Martin Wollsteiner war tätig als Allgemeinarzt ab 1904 in Berlin, Schönhauser Allee 107. Er war ledig und hatte keine Kinder.

Ihm wurde die Kassenzulassung durch die Nazis am 9.12.1938 entzogen, danach durfte er sich nur noch „Krankenbehandler“ nennen und war in Praxen anderer Ärzte in Schöneberg und Wilmersdorf tätig. Er zog im Oktober 1938 bei seinem Bruder Arthur in Wilmersdorf in die Hektorstraße 16 ein. Sein Vermögen hatte Martin von der Deutschen Bank auf ein “Treuhänder”-Konto des Bankhauses Tecklenburg & Co. zur Bezahlung eines “Heimeinkaufsvertrages” überwiesen, womit er ein Anrecht auf eine gesicherte Bleibe an einem etwaigen Umsiedlungsort erworben zu haben glaubte, wie das die Propaganda vorgaukelte.

Anfang September 1942 wurde er in die Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 in Berlin-Mitte verschleppt und dann mit 1000 Menschen am 14. September 1942 vom Güterbahnhof Moabit nach Theresienstadt deportiert. Sein Tod am 21. Januar 1943 wurde aufgrund einer “Rippenfellentzündung“:http://www.holocaust.cz/de/datenbank-der-digitalisierten-dokumenten/dokument/92830-wollsteiner-martin-todesfallanzeige-ghetto-theresienstadt/(!) bescheinigt. Der Bruder Arthur befand sich ebenfalls in Theresienstadt und überlebte.

Text: Peter Bethke, Helmut Lölhöffel.
Quellen: Bundesarchiv; Rebecca Schwoch (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus”. Hentrich & Hentrich, Berlin+Teetz, 2009; Archiv Theresienstadt

Stolperstein Berta Marcus

HIER WOHNTE
BERTA MARCUS
JG. 1894
DEPORTIERT 28.3 1942
PIASKI
ERMORDET

Berta Marcus ist am 7. November 1894 in Berlin geboren. Sie wohnte mit ihrer Schwester Erna zusammen in Wilmersdorf in der Hektorstraße 16. Kurz vor ihrem Abtransport hatten sich beide in die Klopstockstraße 9 umquartieren lassen müssen. Dann mussten sie sich in der ehemaligen Synagoge an der Levetzowstraße registrieren. Deportiert wurden Berta und Erna Marcus am 28. März 1942 vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald mit 985 Menschen nach Piaski in Polen.

Die Ortschaft Piaski bei Lublin, wo die Nationalsozialisten ein Ghetto für tausende Juden einrichteten, hatte keinen eigenen Bahnhof und lag zwölf Kilometer von Trawniki entfernt, wo der Zug endete. Über die Landstraße mussten die Angekommenen scharf bewacht zu Fuß diese Strecke gehen. In einem der benachbarten Vernichtungslager, wahrscheinlich in Belzec, ist Berta Marcus ermordet worden.

Stolperstein Erna Marcus

HIER WOHNTE
ERNA MARCUS
JG. 1892
DEPORTIERT 28.3.1942
PIASKI
ERMORDET

Erna Marcus ist am 21. April 1892 in Berlin geboren. Sie wohnte mit ihrer Schwester Berta zusammen in Wilmersdorf in der Hektorstraße 16. Kurz vor ihrem Abtransport hatten sich beide in die Klopstockstraße 9 umquartieren lassen müssen. Dann mussten sie sich in der ehemaligen Synagoge an der Levetzowstraße registrieren. Deportiert wurden Erna und Berta Marcus am 28. März 1942 vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald mit 985 Menschen nach Piaski in Polen.

Die Ortschaft Piaski bei Lublin, wo die Nationalsozialisten ein Ghetto für tausende Juden einrichteten, hatte keinen eigenen Bahnhof und lag zwölf Kilometer von Trawniki entfernt, wo der Zug endete. Über die Landstraße mussten die Angekommenen scharf bewacht zu Fuß diese Strecke gehen. In einem der benachbarten Vernichtungslager, wahrscheinlich in Belzec, ist Erna Marcus ermordet worden.

Texte: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.

Stolperstein Nachle Mandel

HIER WOHNTE
NACHLE MANDEL
JG. 1868
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 2.9.1942

Nachle Mandel wurde am 20. Juli 1868 in Friedersdorf Kreis Beeskow Storkow bei Berlin geboren. Die Eltern waren der „Handelsmann“ Meyer Mandel und Henriette (Jette) Mandel geb. Kassel. Nachle war das jüngste von vier Geschwistern. Minna, verh. Steinberg (1858 – 25. April 1914), Michaelis (21. Dezember 1859 – 30. Mai 1910) und Max (14. Dezember 1862 – 10. Februar 1914) wurden ebenfalls alle in Friedersdorf geboren.
Nachle blieb unverheiratet und zog wie ihre Geschwister nach Berlin. Es ist nicht bekannt, wo sie all die Jahre lebte. Sie ist in keinem der Berliner Adressbücher aufgeführt, möglicherweise hat sie immer bei einem Verwandten gewohnt.

Zur Zeit der Volkszählung im Mai 1939, in der Juden in einer Sonderkartei erfasst wurden, war sie bei ihrer Nichte Charlotte Orbach, der Tochter ihres Bruders Michaelis in der Hektorstraße 16 gemeldet. Seit wann sie dort gelebt hat, ist nicht bekannt.

Infolge des Gesetzes über Mietverhältnisse mit Juden vom April 1939 konnten jüdische Mieter von heute auf morgen gekündigt und zwangsumgesetzt werden. Innerhalb weniger Tage mussten sie dann den Umzug organisieren.Charlotte, ihr Mann Max und die Tochter Rita wurden aus der Hektorstaße 16 aus- und in die Güntzelstraße 25 eingewiesen. Auch Nachle musste die Wohnung verlassen und kam in das Altersheim in der Gormannstraße 3. Dort hatte schon ihre Schwester Minna gelebt, sie war 1914 in demselben Heim gestorben.

Am 17. August 1942 wurden aus diesem Altersheim 77 Jüdinnen und Juden abgeholt und mit dem sogenannten 1. großen Alterstransport (Welle 26) nach Theresienstadt deportiert. Der Transport umfasste 1002 Menschen und ging vom Güterbahnhof Berlin-Moabit ab.

Nachle überlebte die grauenvollen Verhältnisse des Lagers nur 2 Wochen. Sie starb am 2. September 1942. Auf der Todesfallanzeige attestierte der Lagerarzt Leo Müller als Todesursache „Altersschwäche und Lungenentzündung“, eine der üblichen Diagnosen, die verschleiern sollten, dass Hunger, katastrophale hygienische Verhältnisse und mangelnde medizinische Versorgung zum Tod der Lagerinsassen geführt hatten.

Recherche und Text: Karin Sievert Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf
Quellen:

Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945

Theresienstädter Gedenkbuch Holocaust.cz
Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Deportationslisten

Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
Arolsen Archives
http://www.luckauer-juden.de/nvz_M_Z.pdf

Stolperstein Charlotte Orbach

HIER WOHNTE
CHARLOTTE ORBACH
GEB. MANDEL
JG. 1897
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Charlotte Orbach geb. Mandel wurde am 23. Juni 1897 in Königs Wusterhausen bei Berlin geboren. Sie war Tochter des Kaufmanns Michaelis Mandel (geb. 21. Dezember 1859, gest. 30.Mai 1910) und seiner Frau Margaretha, geb. Schönlank (geb. 13. Januar 1865, gest. 29. Oktober 1940). Charlotte hatte zwei Brüder.

Jean Mandel (Geburtsdatum unbekannt) besaß zusammen mit seinen Eltern Michaelis und Margaretha in Königs Wusterhausen in der Bahnhofstraße 24/25 das Textilgeschäft „Centrum Kaufhaus“ und in der Schlossstraße 6 ein zweites Textilgeschäft. Bis Anfang 1936 existierten beide Geschäfte. 1936 wanderte Jean mit seiner Familie über Shanghai aus und gelangte später nach Israel. Nach dem Krieg kamen sie wieder nach Deutschland zurück.
Charlottes älterer Bruder Erich (*18. September 1894) fiel gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs am 8. Dezember 1914.
Michaelis Mandel war der Bruder von Nachle Mandel. Beide wurden in Friedersdorf im Abstand von 9 Jahren geboren. Nachle war demnach die Tante von Charlotte Orbach. Am 1. November 1921 verlobte sich Charlotte mit dem am 22. März 1885 in Neustettin geborenen Max Orbach. In der Zeitungsanzeige war als Adresse der Verlobten die Friedenauer Hertelstraße 6 angegeben. Die Hochzeit fand ein Jahr später, am 31. Mai 1922, statt.

Die Eheleute bekamen zwei Kinder. Am 8. März 1923 wurde Gunter Joachim geboren. Vier Jahre später kam seine Schwester Rita am 1. Januar 1927 auf die Welt.

Max Orbach war Kaufmann und als solcher ab 1934 unter der Adresse Hektorstraße 16 in den Adressbüchern eingetragen. Als er am 16. März 1942 verstarb, war die Familie bereits aus der Hektorstraße 16 aus- und in die Güntzelstraße 35 eingewiesen worden. Max Orbach hatte sich eine komplizierte offene Oberschenkelfraktur zugezogen und war an den damit verbundenen Komplikationen verstorben. Auf der Sterbeurkunde war als Beruf „Maschinenarbeiter“ angegeben, obwohl Max Orbach immer Kaufmann war – ein Hinweis darauf, dass er als Zwangsarbeiter eingesetzt wurde und er die Fraktur möglicherweise an seinem Arbeitsplatz erlitt.
Charlottes Mutter Margaretha war am 29. Oktober 1940 im Alter von 76 Jahren gestorben. Sie lebte in der Bamberger Straße 26. Zu diesem Zeitpunkt wohnten die Orbachs noch in der Hektorstraße 16. Als Untermieterin war Charlottes Tante Nachle Mandel bei ihnen gemeldet.
Charlottes und Max’ Sohn Gunter überlebte den Holocaust in England. Möglicherweise ist er mit einem Kindertransport nach England gebracht worden. Als nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 die Grenzen für flüchtende Juden geschlossen wurden, war Gunter Orbach 16 Jahre alt. Er muss also schon vor diesem entscheidenden Datum Deutschland verlassen haben.

Gunter Orbach verstarb im Alter von 60 Jahren in Newcastle Upon Tyne. Auf seinem Grabstein wird auch seiner ermordeten Mutter Charlotte und seiner Schwester Rita gedacht, die am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und ermordet wurden.
Charlotte und Rita mussten nochmals die Unterkunft wechseln, bevor sie deportiert wurden. Auf der Transportliste ist die Westfälische Straße 59 als ihre letzte Adresse angegeben. Vermutlich waren Mutter und Tochter bei einem der zahlreichen in dem Haus lebenden jüdischen Mieter untergebracht.
Der „33. Osttransport“ nach Auschwitz umfasste 1731 Menschen. Ob Mutter und Tochter im Vernichtungslager noch registriert oder sofort in einer der Gaskammern ermordet wurden, ist nicht bekannt.

Recherche und Text: Karin Sievert Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf
Quellen:
Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945

Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Personenstandsunterlagen nach Ancestry
MyHeritage
Mapping the Lives
Deportationslisten

Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
Yad Vashem – Opferdatenbank

Arolsen Archives
https://www.sjr-kw.de/news/gedenktag-an-die-opfer-des-nationalsozialismus-jugendverbaende-lds-erinnern/
http://www.luckauer-juden.de/nvz2.html

  • Verlobung Charlotte Mandel
  • Todesanzeige Margaretha Mandel
  • Grabstein Gunter Orbach

Stolperstein Rita Orbach

HIER WOHNTE
RITA ORBACH
JG. 1927
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Rita Orbach wurde am Neujahrstag, dem 1. Januar, des Jahres 1927 in Berlin geboren. Ihre Eltern waren Charlotte und Max Orbach. Sie hatte einen 4 Jahre älteren Bruder, Gunter Joachim (1923 – 1984). Vermutlich wurde Gunter als 16- Jähriger mit einem Kindertransport nach England geschickt. Er starb 1984 in Newcastle Upon Tyne. Auf seinem Grabstein wird neben seiner Mutter Charlotte auch seiner Schwester Rita gedacht.

Rita konnte nur 4 Jahre lang eine staatliche Schule besuchen, ab 1937 war den jüdischen Kindern dort der Schulbesuch verwehrt. Ob sie in einer der jüdischen Einrichtungen noch beschult wurde, ist nicht bekannt.
Sie wohnte mit ihren Eltern und ihrer Großtante Nachle Mandel in der Hektorstraße 16. Die Familie musste aber nach Aufhebung des Mieterschutzes für Juden 1939 umziehen und wohnte danach in der Güntzelstraße 35. Ritas Vater starb 1942 an den Folgen einer komplizierten Fraktur des Oberschenkels.

Rita und ihre Mutter wurden noch einmal zwangsweise in eine andere Wohnung eingewiesen. Von der Westfälischen Straße 59 wurden Mutter und Tochter mit dem sog. 33. Osttransport am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Der Transport umfasste 1731 jüdische Berlinerinnen und Berliner. Ob Rita und Charlotte Orbach nach Ankunft im Lager noch registriert, oder sofort in einer der Gaskammern ermordet wurden, ist nicht bekannt.

Recherche und Text: Karin Sievert Stolperstein Initiative Charlottenburg – Wilmersdorf
Quellen:
Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945

Berliner Adressbücher – Zentral- und Landesbibliothek Berlin

Personenstandsunterlagen nach Ancestry
MyHeritage
Mapping the Lives
Deportationslisten

Gottwald/Schulle „Die Judendeportationen aus dem Deutschen Reich 1941 – 1945“
Yad Vashem – Opferdatenbank

Arolsen Archives

Stolperstein Heinrich Romann

HIER WOHNTE
HEINRICH ROMANN
JG. 1877
DEPORTIERT 28.3.1942
PIASKI
ERMORDET

Heinrich Romann ist am 12. März 1877 in Kobylin/Krotoschin in der Region Posen geboren. In Berlin wohnte er zunächst in Halensee am Kronprinzendamm 2, dann in Wilmersdorf in der Hektorstraße 16. Als Untermieter hatte er ein Zimmer bei Berta und Erna Marcus gemietet. Er wurde gemeinsam mit ihnen am 28. März 1942 in das Ghetto Piaski deportiert, wo er ermordet worden ist.

Die Ortschaft Piaski bei Lublin, wo die Nationalsozialisten ein Ghetto für tausende Juden einrichteten, hatte keinen eigenen Bahnhof und lag zwölf Kilometer von Trawniki entfernt, wo der Zug endete. Über die Landstraße mussten die Angekommenen scharf bewacht zu Fuß diese Strecke bewältigen. In einem der benachbarten Vernichtungslager, wahrscheinlich in Belzec, ist Heinrich Romann wie seine Vermieterinnen ermordet worden.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.

Stolperstein Ludwig Schopflocher

HIER WOHNTE
LUDWIG
SCHOPFLOCHER
JG. 1870
DEPORTIERT 24.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 30.1.1943

Ludwig Schopflocher wurde am 6. März 1870 in Fürth (Bayern) geboren. In Berlin wohnte er in Wilmersdorf in der Hektorstraße 16 und war, bevor er in die Rente ging, Kaufmann. Als Untermieter hatte er wie auch Heinrich Romann ein Zimmer bei Berta und Erna Marcus gemietet. Diese drei wurden am 28. März 1942 vom Bahnhof Grunewald nach Piaski in Polen deportiert, wo sie ermordet worden sind. Ludwig Schopflocher ist am 24. Juli 1942 vom Anhalter Bahnhof in einem verplombten Sonderwaggon nach Theresienstadt deportiert worden (nur 2 von 100 überlebten diesen Transport) und am 30. Januar 1943 ermordet worden. In seiner Todesurkunde stand, der 72-jährige, über den ansonsten nichts bekannt ist, sei an einem „Darmkatarrh“ gestorben – eine übliche Umschreibung für die grauenvollen hygienischen Zustände in dem Ghetto.

Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen: Bundesarchiv, Häftlingsliste des Lagers Theresienstadt

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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