Stolpersteine Johann-Georg-Straße 3

Hausansicht Johann-Georg-Str. 3

Diese Stolpersteine zum Gedenken an das Ehepaar Meyer wurden an seinem einstigen Wohnhaus am 14.4.2015 auf Wunsch von Heidemarie Sow (Berlin) verlegt.

Stolperstein Friedrich Meyer

HIER WOHNTE
FRIEDRICH MEYER
JG. 1892
DEPORTIERT 26.1.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Friedrich Meyer ist am 17. September 1892 in Osnabrück (Westfalen) geboren. Martha Meyer geb. Hurwitz ist am 6. Oktober 1893 in Levern (Westfalen) geboren. Sie waren miteinander verheiratet wohnten in der Johann-Georg-Straße 3. Sie hatten eine Tochter, die sie Eva nannten und die – anders als ihre Eltern – ihr Leben retten konnte.

Martha und Friedrich Meyer hatten beide große Familien. Marthas Familie kann in Levern bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden. Martha hatte neben fünf Geschwistern viele Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins und war Hausfrau. Friedrichs Familie kam aus Osnabrück, er hatte sieben Geschwister und war von Beruf Kaufmann. Sein Vater, Adolf Meyer, führte in Osnabrück eine Kunst- und Antiquitätenhandlung.

1926 wurde die Tochter Eva in Herford geboren. Die Familie zog Ende der 1920er Jahre nach Berlin. Am Tirpitzufer 46 gab es eine weitere Antiquitätenhandlung der Familie.

Als die Nationalsozialisten an die Macht kamen, verschlechterte sich die Situation der Familie von Jahr zu Jahr. 1937 musste die Antiquitätenhandlung aufgegeben werden. Deshalb entschieden sich die Eheleute dazu, ihre Tochter Eva mit einem Kindertransport nach England zu schicken. Martha und Friedrich Meyer mussten ihre Wohnung in der Johann-Georg-Straße 3 verlassen und wohnten zuletzt für einige Monate zur Untermiete bei Familie Steiner in der Sybelstraße 62.

Am 26. Januar 1943 wurden Martha und Friedrich Meyer im Alter von 50 und 51 Jahren in einem sogenannten Alterstransport mit 100 Menschen, von denen 19 überlebten, nach Theresienstadt deportiert. Am 16. Oktober 1944 wurden sie von Theresienstadt mit 1500 Menschen nach Auschwitz weiter deportiert und dort ermordet.

Eine Freundin, Katerina Levison aus Jerusalem, hat 1986 ein Gedenkblatt für Martha Meyer (falsch geschrieben: Marta Meier) bei Yad Vashem abgegeben.
Eva lebte viele Jahre in Kilburn in der Nähe von London. Nähere Informationen zu ihrer Gastfamilie sind nicht bekannt. Nach den vorliegenden Unterlagen hat sie 1950 in England ein Reisedokument beantragt, um nach Israel zu emigrieren. Dort wohnte und arbeitete sie im Kibbutz Beit ha Emek, wo sie nach einigen Jahren einen jungen Mann aus Holland heiratete. Die beiden haben zwei Töchter und einen Sohn bekommen. Leider starb Eva früh, mit 56 Jahren, an Krebs. Ihr Nachbar, Eran Witt, hat den Kontakt hergestellt, und so wurde auch die Familie Meyer erforscht. Wir freuen uns sehr, dass wir der ermordeten Eltern von Eva mit Stolpersteinen gedenken können.

Recherchen und Text von Heidemarie Sow (Berlin) nach Informationen aus der Familie. Ergänzungen von Helmut Lölhöffel (Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf).

Stolperstein Martha Meyer

HIER WOHNTE
MARTHA MEYER
GEB. HURWITZ
JG. 1893
DEPORTIERT 26.1.1943
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET