Stolperstein Westfälische Str. 26

Hauseingang Westfälische Str. 26

Hauseingang Westfälische Str. 26

Der Stolperstein für Paul Schloss wurde am 6. Mai 2014 verlegt.

Die Stolpersteine für Auguste Brückmann und Käte Dorn wurden am 17. Oktober 2024 verlegt.

Stolperstein Paul Schloss, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Paul Schloss, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
PAUL SCHLOSS
JG. 1891
FLUCHT BELGIEN
INTERNIERT MECHELEN
DEPORTIERT 31.7.1944
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Paul Schloss wurde am 18. Januar 1891 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den aus Simmern im Hunsrück stammenden Kaufmann Otto Schloss (geb. 16. November 1860) und dessen Ehefrau Friederike, genannt Frieda, geborene Casper (geb. 28. August 1862), war er das zweite von insgesamt drei Kindern. Seine Schwester Margarethe (geb. 27. November 1889) war ein Jahr älter als er. Seine jüngere Schwester Erna (geb. 1892) starb mit sieben Monaten und 28 Tagen.

Nach Abschluss des Sophien-Gymnasiums absolvierte er das „Einjährig-Freiwillige“ beim Militär. Danach trat er als Lehrling bei der Firma „Giesen Brothers“ in London ein. Als er 1912 aus dem Ausland zurückkam, stieg er in die Luxuspapierfabrik seines Vaters als Reisender ein.

Pauls Schwester Margarethe heiratete am 19. Oktober 1918 den Kaufmann Salomon Windmüller (geb. 13. August 1875). Vermutlich gingen die beiden nach der Hochzeit ins Ausland.

Da sich der Vater nach und nach aus der Firma zurückzog, übernahm Paul mehr und mehr die Geschäftsführung. 1920 trat Paul der Freimaurerloge „Zum Spiegel der Wahrheit“ in Charlottenburg bei. Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war er 42 Jahre alt und wohnte in der Westfälischen Straße 25. Ein Jahr später, am 22. Dezember 1934, heiratete er die 21-jährige Gerda Margarethe Kückels (geb. 10. Juli 1913).

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war er allein ohne seine Ehefrau in der Westfälischen Straße 26 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Vermutlich floh er kurz danach nach Belgien. Als die Deutschen im Mai 1940 Belgien besetzten, saß er in der Falle. Umgehend wurde er in das Internierungslager von Saint-Cyprien gebracht und anschließend in Mechelen interniert. Dort wurde er im Arbeitseinsatz als Mechaniker eingesetzt.

Seine Mutter starb am 13. Februar 1942 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin-Wedding mit 79 Jahren. Die Deportation in den Osten blieb ihr erspart.

Pauls Ehe mit Gerda Margarethe wurde am 30. September 1941 vom Landgericht Berlin in seiner Abwesenheit geschieden.

Mit dem 24. Transport am 31. Juli 1944 wurde Paul Schloss aus dem SS-Sammellager in der Dossin-Kaserne von Mechelen nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde er kurz nach seiner Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet. Paul Schloss starb mit 53 Jahren.

Einen Monat später, am 4. September 1944, wurde das SS-Sammellager in der Dossin-Kaserne in Mechelen befreit.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein für Auguste Brückmann, Westfälische straße 26

Stolperstein für Auguste Brückmann

HIER WOHNTE
AUGUSTE
BRÜCKMANN
GEB. COHEN
JG. 1874
DEPORTIERT 19.1.1942
GHETTO RIGA
ERMORDET

Stolperstein für Käte Dorn, Westfälische straße 26

Stolperstein für Käte Dorn

HIER WOHNTE
KÄTE DORN
GEB. SEEGALL
JG. 1890
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
8. APRIL 1942

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