Arthur Nicolaier wurde am 4. Februar 1862 in Cosel (Oberschlesien) geboren. Er studierte in Heidelberg, Berlin und Göttingen Medizin, promovierte in Göttingen und wurde dort Oberarzt. Im Alter von 22 Jahren als Medizinstudent hatte er das Clostridium tetani entdeckt, den Erreger des Wundstarrkrampfs (Tetanus), der noch heute im Englischen als Nicolaier’s Bacillus und im Französischen als Bacille de Nicolaier bekannt ist.
Ab 1901 war er in Berlin als Professor in der Medizinischen Klinik der Universität tätig, ab 1921 an der Charité. Im gleichen Jahr trat er aus der Jüdischen Gemeinde aus.
In Zusammenarbeit mit dem Pharma-Unternehmen Schering entwickelte Nicolaier das Harnwegsdesinfektionsmittel Urotropin und war beteiligt an der Entwicklung des Antirheumatikums Atophan; beide Mittel wurden jahrzehntelang erfolgreich eingesetzt.
1933 fiel er unter das Berufsbeamtengesetz der nationalsozialistischen Rassegesetze, wurde ausgegrenzt und verfolgt und musste seine Stellung und die Lehrbefugnis aufgeben.
Wegen seines Alters emigrierte er nicht, obwohl er 1941 aus seiner Wohnung an der Prager Straße 2 (heute Grainauer Straße 2), wo er auch seine Praxis gehabt hatte, vertrieben worden war. Als er nach seinem 80. Geburtstag ein Schreiben der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) erhielt, wonach er für den nächsten „Alterstransport“ in das Konzentrationslager Theresienstadt vorgesehen sei, nahm er sich am 28. August 1942 mit einer Überdosis Morphium das Leben.
Sein Abschiedsbrief bestand aus dem Satz: „Ich scheide freiwillig aus dem Leben“ – aber er enthielt auch eine versteckte Botschaft im Wasserzeichen: INVICTUS – lateinisch für UNBESIEGT.
Tim Ohnhäuser: Der Tetanusentdecker Arthur Nicolaier und sein Suizid vor 70 Jahren, in: Deutsches Ärzteblatt 110(7), 2013; Tim Ohnhäuser: Verfolgung, Suizid und jüdische Ärzte, in: Beddies/Doetz/Kopke … 2014. Text unter Verwendung von Udo Schagen in: GeDenkOrt.Charité – Wissenschaft in Verantwortung