Stolperstein Westfälische Str. 70

Hauseingang Westfälische Str. 70, Foto: H-J. Hupka, 2014

Hauseingang Westfälische Str. 70, Foto: H-J. Hupka, 2014

Der Stolperstein für Gertrud Markus wurde, ebenso wie die an der Westfälischen Straße 82 und 85, von der Deutschen Rentenversicherung Bund gespendet und am 21. September 2013 verlegt.

„Die Pflasterer-Azubis des Lehrbauhofs fügen den in Messing gefassten Gedenkstein ins Pflaster ein. Die Hammerschläge erinnern unwillkürlich an die Gewalt, mit der vor 70 Jahren Menschen von ihrem letzten frei gewählten Wohnort vertrieben wurden“, so erlebte Evelyn Pagel, Redakteurin der Mitarbeiter/innen-Zeitschrift der DRV Bund „intern“ (10/2013) die Szene. Ein Gedenken fand vor dem Haus Westfälische Straße 82 statt (Ansprache von Präsident Herbert Rische siehe dort).

Alle anderen Stolpersteine wurden am 6. Mai 2014 verlegt.

Stolperstein Gertrud Markus, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Gertrud Markus, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
GERTRUD MARKUS
GEB. ROSENTHAL
JG. 1908
DEPORTIERT 12.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Gertrud Markus, geb. Rosenthal, ist 8. März 1908 in Magdeburg geboren. Zusammen mit ihren Geschwistern Willy und Lydia Rosenthal bekam sie 1925 eine kleine Erbschaft und zog dann nach Berlin. Ihr letzter freiwilliger Wohnsitz war die Westfälische Straße 70, wo sie sich 1939 polizeilich unter ihrem Mädchennamen Gertrud Rosenthal gemeldet hat. Im Berliner Adressbuch des Jahres 1940 war noch ein Julius Markus, von Beruf Kaufmann, eingetragen, der allerdings in keiner Deportationsliste auftaucht. Am 12. März 1943 ist Gertrud Markus im Alter von 35 Jahren nach Auschwitz gebracht und dort ermordet worden.

In diesem Haus wohnten neun weitere Menschen, die deportiert und umgebracht wurden. Zum Gedenken an sie sollen später Stolpersteine gelegt werden.

Quelle: Melderegister 17.5.1939

Stolperstein Olga Schreiber, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Olga Schreiber, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
OLGA SCHREIBER
GEB. KUMERMANN
JG. 1884
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
1942 KULMHOF / CHELMNO
ERMORDET SEPT. 1942

Stolperstein Karl Schreiber, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Karl Schreiber, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
KARL SCHREIBER
JG. 1881
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
1942 KULMHOF / CHELMNO
ERMORDET SEPT. 1942

Stolperstein Charlotte Bilski, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Charlotte Bilski, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
CHARLOTTE BILSKI
JG. 1903
DEPORTIERT 24.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 4.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Charlotte Bilski kam als Tochter des Kaufmanns Leopold Bilski und dessen Ehefrau Paula geborener Jungmann am 12. Dezember 1903 in Wriezen, Kreis Oberbarnim, in der Provinz Brandenburg zur Welt. Ihr Vater handelte mit Herrenbekleidung.

Charlotte hatte zwei große Schwestern, Gertrud (*26. Juli 1901) und Margarete (*8. November 1902). Am 30. Oktober 1910 kam das vierte Mädchen zur Welt, Charlottes kleine Schwester Hedwig. Die Mutter starb knapp drei Wochen nach der Entbindung mit 37 Jahren im Kindbett. Charlotte wurde kurz vor ihrem siebten Geburtstag Halbwaise.
Im Oktober 1919, kurz vor ihrem 16. Geburtstag, bekam sie eine Stiefmutter, als ihr verwitweter Vater die Breslauer Kaufmannstochter Erna Königsfeld heiratete. Die Ehe war glücklos und wurde 1923 schon wieder geschieden.

Die jüngste der vier Bilski-Schwestern, Hedwig, war die Einzige, die heiratete: Sie gab in den 1930er-Jahren in Berlin dem Kaufmann Herbert Mayer aus Argenau in Posen das Jawort. Das Ehepaar bekam 1937 eine Tochter und nannte sie Hannelore.

Charlotte und ihre Schwester Gertrud zogen zu Hedwig und ihrer Familie nach Berlin, während Margarete in Wriezen beim Vater blieb. Spätestens 1940 kamen die beiden dann auch nach Berlin. Der Vater Leopold Bilski starb dort im April im jüdischen Krankenhaus mit 70 Jahren eines natürlichen Todes. Die Töchter brachten seine Leiche zurück nach Wriezen und begruben ihn dort am 27. April neben ihrer Mutter Paula auf dem altehrwürdigen jüdischen Friedhof. Leopold Bilskis Bestattung war die letzte, die dort stattfand, danach wurde der Friedhof aufgelassen.

Margarete zog mit in den gemeinsamen Haushalt in der Westfälischen Straße und Charlotte zog aus. Sie wohnte nun in einem Untermietszimmer in der Hohenstaufenstraße 6 in Schöneberg. Als erste der Familie erhielt sie den Deportationsbefehl und wurde am 24. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz) verschleppt. Am 4. Mai 1942 deportierte man sie von dort ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) und ermordete sie. Charlotte Bilski wurde 37 Jahre alt.

Ein Jahr später, Im März 1943, wurden ihre Schwestern Gertrud und Hedwig, ihr Schwager Herbert Mayer und ihre sechsjährige Nichte Hannelore in Auschwitz vergast. Im Mai 1943 wurde schließlich auch ihre Schwester Margarete nach Auschwitz deportiert und ermordet.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
  • Brigitte Heidenhain, Juden in Wriezen, 2007
  • Stolpersteine Bad Freienwalde
Stolperstein Gertrud Bilski, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Gertrud Bilski, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
GERTRUD BILSKI
JG. 1901
DEPORTIERT 3.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Gertrud Bilski war die älteste Tochter des Kaufmanns Leopold Bilski und dessen Ehefrau Paula geborener Jungmann. Sie kam am 26. Juli 1901 in Wriezen, Kreis Oberbarnim, in der Provinz Brandenburg zur Welt. Ihr Vater handelte mit Herrenbekleidung.

Gertrud hatte zwei kleine Schwestern, Margarete (*8. November 1902) und Charlotte (*12. Dezember 1903). Am 30. Oktober 1910 kam dann noch die Nachzüglerin Hedwig zur Welt. Die Mutter Paula starb knapp drei Wochen nach der Entbindung mit 37 Jahren im Kindbett. Gertrud wurde mit neun Jahren Halbwaise.

Mit 18 Jahren bekam sie eine Stiefmutter: Im Oktober 1919 heiratete ihr verwitweter Vater die 19 Jahre jüngere Breslauer Kaufmannstochter Erna Königsfeld. Die Ehe war glücklos und wurde 1923 schon wieder geschieden.

Die jüngste der vier Bilski-Schwestern, Hedwig, war die Einzige, die heiratete: Sie gab in den 1930er-Jahren in Berlin dem Kaufmann Herbert Mayer aus Argenau in der Provinz Posen das Jawort. Das Ehepaar bekam 1937 eine Tochter und nannte sie Hannelore.
Die ledigen Schwestern Gertrud und Charlotte zogen zu Hedwig und ihrer Familie nach Berlin, während Margarete in Wriezen beim Vater blieb. Spätestens 1940 kamen die beiden dann auch nach Berlin. Ihr Vater Leopold Bilski starb dort im April im jüdischen Krankenhaus mit 70 Jahren eines natürlichen Todes. Die Töchter brachten seine Leiche zurück nach Wriezen und begruben ihn dort am 27. April neben ihrer Mutter Paula auf dem altehrwürdigen jüdischen Friedhof. Leopold Bilskis Bestattung war die letzte, die dort stattfand, danach wurde der Friedhof aufgelassen.

Margarete zog mit in den gemeinsamen Haushalt in der Westfälischen Straße. Charlotte zog bald darauf aus und in ein Untermietszimmer in Schöneberg. Dort erhielt sie als erste der Familie den Deportationsbefehl und wurde im Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz) und im Mai 1942 weiter ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) verschleppt, wo man sie ermordete.

Gertrud, Hedwig, Herbert und die kleine Hannelore wurden im März 1943 im Rahmen der sogenannten “Fabrikaktion” deportiert, was darauf hindeutet, dass die Erwachsenen davor Zwangsarbeit leisten mussten. Zuerst wurde Gertrud Bilski am 3. März 1943 ohne ihre Familie nach Auschwitz verschleppt und dort wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergast. Gertrud Bilski aus Wriezen wurde 41 Jahre alt.

Einen Tag später deportierte man ihre Schwester Hedwig, ihren Schwager Herbert und ihre sechsjährige Nichte Hannelore nach Auschwitz und ermordete sie dort ebenfalls. Im Mai 1943 wurde schließlich auch ihre Schwester Margarete in Auschwitz getötet.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
  • Brigitte Heidenhain, Juden in Wriezen, 2007
  • Stolpersteine Bad Freienwalde
Stolperstein Elsa Borinski, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Elsa Borinski, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
ELSA BORINSKI
GEB. AUERBACH
JG. 1886
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

Elsa Amalie Auerbach wurde am 13. Februar 1886 als Tochter des Kaufmanns Josef Auerbach und dessen Ehefrau Minna geborener Lazarus in Glogau in Schlesien (heute Głogów in Polen) geboren. Wir wissen nicht, ob sie Geschwister hatte.

Die Familie Auerbach zog nach Berlin. Am 7. März 1910 heiratete Elsa dort den zehn Jahre älteren Kaufmann Felix Borinski (*1876), den Sohn eines Kolonialwarenhändlers aus Königshütte in Schlesien (heute Chorzów in Polen). Elsas Mutter starb 1915, ihr Vater 1920, beide in Berlin.

Elsa und ihr Mann zogen nach Hamburg. Felix Borinski starb dort am 11. Juni 1924, einen Monat vor seinem 48. Geburtstag, anscheinend durch Suizid. Elsa wurde mit 38 Jahren Witwe.

1929 oder 1930 zog sie zurück nach Berlin und dort in die Cicerostraße 51 in Halensee. Später zog sie in die Westfälische Straße 70 um, wo sie bei der “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 erfasst wurde.

Am 5. September 1942 wurde Elsa mit dem “19. Osttransport” vom Güterbahnhof Moabit nach Riga deportiert. Dort wurde sie gleich nach der Ankunft am 8. September in einem Wald am Stadtrand erschossen. Die Witwe Elsa Borinski geborene Auerbach aus Glogau wurde 56 Jahre alt.

Elsa und Felix Borinski hatten eine Tochter. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelte es sich dabei um die am 13. September 1919 in Hamburg geborene Gerda Borinski, die in der Joachim-Friedrich-Straße 43 in Halensee zur Untermiete wohnte und am 2. März 1943 nach Auschwitz verschleppt und dort mit 23 Jahren ermordet wurden.

Ebenfalls im Holocaust getötet wurden sechs Geschwister von Elsas verstorbenem Mann Felix. Seine Schwester Hedwig und sein Bruder Max starben 1942 in Treblinka, seine Brüder Paul und Oskar 1943 in Auschwitz, seine Schwester Eveline 1943 in Theresienstadt und seine Schwester Paula 1944 ebenfalls in Theresienstadt.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Hamburger und Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives
  • mappingthelives.org
  • spurenimvest.de
  • Notizen von Käthe Danziger auf scatteredmind.co.uk
Stolperstein Herbert Mayer

Stolperstein Herbert Mayer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
HERBERT MAYER
JG. 1904
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Herbert Mayer wurde am 11. März 1904 in Argenau in der Provinz Posen (heute Gniewkowo in Polen) geboren. Über seine Familie war nichts herauszufinden. Er war Kaufmann und zog spätestens in den 1930er-Jahren nach Berlin. Vor 1937 heiratete er dort die sechs Jahre jüngere Kaufmannstochter Hedwig Bilski aus Wriezen in Brandenburg. Das Ehepaar bekam am 8. Januar 1937 ihr erstes und einziges Kind, die Tochter Hannelore.

Spätestens ab 1938 lebten sie in der Westfälischen Straße 70 in Halensee, gemeinsam mit Herberts ledigen Schwägerinnen Gertrud und Charlotte Bilski. Herbert war als Bankbeamter tätig, vielleicht nachdem die Nationalsozialisten seine Geschäfte als Kaufmann unmöglich gemacht hatten. Bald zog noch seine dritte ledige Schwägerin in den gemeinsamen Haushalt, Margarete Bilski, die bis zu dessen Tod 1940 bei Herberts Schwiegervater Leopold in Wriezen gelebt hatte.

Herbert Mayer wurde zusammen mit seiner Frau Hedwig und seiner sechsjährigen Tochter Hannelore am 4. März 1943 nach Auschwitz verschleppt. Das Datum deutet darauf hin, dass es sich um eine Deportation im Rahmen der “Fabrikaktion” handelte und Herbert zuvor Zwangsarbeit verrichten musste. Die Familie Mayer wurde wahrscheinlich gleich nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau vergast. Herbert Mayer wurde 38 Jahre alt, seine Frau Hedwig 32. Die kleine Hannelore starb zwei Monate nach ihrem sechsten Geburtstag.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
Stolperstein Hedwig Mayer mit Copyright

Stolperstein Hedwig Mayer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
HEDWIG MAYER
GEB. BILSKI
JG. 1910
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hedwig Bilski kam als Tochter von Leopold Bilski und dessen Ehefrau Paula geborener Jungmann am 30. Oktober 1910 in Wriezen, Kreis Oberbarnim, in der Provinz Brandenburg zur Welt. Sie war die vierte Tochter ihrer Eltern. Ihre Mutter starb knapp drei Wochen nach ihrer Geburt mit 37 Jahren im Kindbett.

Ihr Vater, der Sohn eines Kaufmanns aus Schildberg (Ostrzeszów), handelte in Wriezen mit Herrenbekleidung und war Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. Hedwigs große Schwestern hießen Gertrud (*26. Juli 1901), Margarete (*8. November 1902) und Charlotte (*12. Dezember 1903).

Als Hedwig neun Jahre alt war, bekam sie eine Stiefmutter: Ihr Vater heiratete die 19 Jahre jüngere Breslauer Kaufmannstochter Erna Königsfeld. Die Ehe war nicht glücklich und wurde im Sommer 1923, als Hedwig zwölf Jahre alt war, schon wieder geschieden.

In den 1930er-Jahren heiratete Hedwig den aus Argenau in der Provinz Posen (heute Gniewkowo in Polen) stammenden, sechs Jahre älteren Kaufmann Herbert Mayer, der wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon in Berlin lebte. Später in den 1930er-Jahren, vielleicht nachdem es ihm die Nationalsozialisten unmöglich gemacht hatten, als Kaufmann zu reüssieren, fand Herbert eine Anstellung als Bankbeamter. Hedwig zog zu ihm nach Berlin. Am 8. Januar 1937 bekamen sie ihr erstes und einziges Kind, die Tochter Hannelore.

Hedwigs drei große Schwestern waren ledig geblieben. Gertrud und Charlotte gingen mit ihr nach Berlin, während Margarete zu Hause in Wriezen beim Vater blieb. Zum Zeitpunkt der “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 lebten Hedwig Mayer, ihr Mann Herbert, ihre zweijährige Tochter Hannelore sowie deren Tanten Gertrud und Charlotte zusammen in der Westfälischen Straße 70 in Halensee. Hedwigs Vater und ihre Schwester Margarete wohnten in der Wilhelmstraße 32 in Wriezen, kamen aber wenig später ebenfalls nach Berlin. Der Vater Leopold starb dort im April 1940 im jüdischen Krankenhaus mit 70 Jahren eines natürlichen Todes. Die Töchter brachten seine Leiche zurück nach Wriezen und begruben ihn dort am 27. April neben ihrer Mutter Paula auf dem altehrwürdigen jüdischen Friedhof. Leopold Bilskis Bestattung war die letzte, die dort stattfand, danach wurde der Friedhof nicht weiter genutzt. Margarete blieb danach bei ihren Schwestern Gertrud, Charlotte und Hedwig, ihrem Schwager Herbert und ihrer kleinen Nichte Hannelore in Berlin.

Charlotte verließ den gemeinsamen Haushalt und zog zur Untermiete in ein Zimmer in der Hohenstaufenstraße 6 in Schöneberg. Sie erhielt als erste der Familie den Deportationsbefehl und wurde am 24. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz) verschleppt. Am 4. Mai 1942 deportierte man sie von dort ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) und ermordete sie dort mit 37 Jahren.

Der Rest der Familie wurde im März 1943 im Rahmen der sogenannten “Fabrikaktion” deportiert, was darauf hindeutet, dass sie davor Zwangsarbeit leisten mussten. Zuerst wurde Gertrud “in den Osten” geschickt: Man verschleppte sie am 3. März 1943 nach Auschwitz und vergaste sie wahrscheinlich gleich nach der Ankunft. Einen Tag später, am 4. März 1943, stiegen Hedwig und ihr Mann Herbert mit ihrer Tochter Hannelore in den Zug. Wieder ging die Reise nach Auschwitz, und wahrscheinlich tötete man auch die Familie Mayer gleich nach der Ankunft. Hedwig Mayer geborene Bilski wurde 32 Jahre alt, ihr Mann Herbert starb mit 38. Die kleine Hannelore wurde zwei Monate nach ihrem sechsten Geburtstag ermordet. Als letzte wurde Margarete deportiert, am 17. Mai 1943, ebenfalls nach Auschwitz, wo man auch sie vergaste.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
  • Brigitte Heidenhain, Juden in Wriezen, 2007
  • Stolpersteine Bad Freienwalde
Stolperstein Hannelore Mayer

Stolperstein Hannelore Mayer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
HANNELORE MAYER
JG. 1937
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Hannelore Mayer kam am 8. Januar 1937 in Berlin zur Welt. Ihre Mutter Hedwig geborene Bilski war eine Kaufmannstochter aus Wriezen in Brandenburg, ihr Vater Herbert, der als Bankbeamter arbeitete, stammte aus Argenau in der Provinz Posen (heute Gniewkowo in Polen). Sie wuchs mit ihren ledigen Tanten mütterlicherseits auf, Gertrud und Charlotte Bilski. Später zog noch eine dritte Tante in die gemeinsame Wohnung in der Westfälischen Straße 70, Margarete, die zuvor bei Hannelores Großvater Leopold in Wriezen gelebt hatte, der 1940 starb. Charlotte zog aus und in ein Untermietszimmer in Schöneberg.

Tante Charlotte wurde im Frühjahr 1942 im Vernichtungslager Kulmhof ermordet, Tante Margarete ein Jahr später in Auschwitz. Hannelore wurde zusammen mit ihren Eltern am 4. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich gleich nach der Ankunft vergast. Sie wurde sechs Jahre alt.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • mappingthelives.org
Stolperstein Ernst Fischer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Ernst Fischer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
ERNST FISCHER
JG.1882
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Ernst Fischer war Tscheche. Er kam am 5. November 1882 als Sohn von Georg Fischer und dessen Ehefrau Antonie geborener Pollak im mährischen Eibenschütz (Ivančice) zur Welt. Sein Vater hatte dort wahrscheinlich einen landwirtschaftlichen Betrieb. Ernst war der einzige Sohn der Familie. Er hatte zwei große Schwestern, Else (*1880) und Hedwig (*1881), und eine kleine Schwester namens Frieda (*1886).

Er studierte und wurde Ingenieur. Zu einem unbekannten Zeitpunkt zog er nach Berlin. Dort heiratete er im April 1911 die Kaufmannstochter Gertrud Hagelberg aus Erfurt (*1883), die mit ihren Eltern in Kreuzberg lebte. Das Ehepaar Fischer blieb in Berlin und wohnte spätestens seit 1935 in der Westfälischen Straße 70 in Halensee. Sie hatten anscheinend keine Kinder.

Am 6. März 1943 wurden Ernst und Gertrud Fischer nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Das Datum deutet darauf hin, dass sie im Rahmen der “Fabrikaktion” deportiert wurden, bei der tausende jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Vernichtungslager gebracht wurden. Ob Ernst und Gertrud ebenfalls Zwangsarbeit verrichten mussten, wissen wir nicht, auch ihre Todesdaten sind unbekannt. Ernst Fischer wurde wahrscheinlich 60 Jahre alt, seine Frau Gertrud 59.

Ernsts kleine Schwester Frieda war bereits 1911 gestorben. Seine große Schwester Else hatte einen Österreicher geheiratet und war zu ihm nach Wien gezogen. Über ihr weiteres Leben und ihren Tod ließen sich keine Informationen finden. Seine große Schwester Hedwig und deren Ehemann Robert Oberländer starben beide am 26. März 1942 in Brünn (Brno). Sie mögen sich gemeinsam das Leben genommen haben, um den Deportationen nach Theresienstadt und Auschwitz zu entgehen. Ihrer Tochter, Ernsts Nichte Marianne Augusta, gelang die Flucht, sie starb 2003 in Schweden.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • Arolsen Archives
  • mappingthelives.org
Stolperstein Gertrud Fischer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

Stolperstein Gertrud Fischer, Foto:H.-J. Hupka, 2014

HIER WOHNTE
GERTRUD FISCHER
GEB. HAGELBERG
JG.1883
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Gertrud Hagelberg kam am 27. September 1883 als Tochter des Kaufmanns Sarony Hagelberg und dessen Frau Rosalie geborener Goldschmidt in Erfurt zur Welt. Die Familie wohnte dort in der Gartenstraße 57 in Bahnhofsnähe; die Straße existiert heute nicht mehr. Das Geschäftslokal von Gertruds Vater befand sich in der Futterstraße in der Altstadt.

Gertrud hatte eine große Schwester namens Margarete (*1880). Um die Jahrhundertwende zog die Familie Hagelberg nach Berlin und dort in die Kleinbeerenstraße 10 in Kreuzberg. Im November 1908 heiratete Gertruds Schwester den holländischen Kaufmann Isidore (Israel) Kattenburg und zog zu ihm nach Amsterdam. Isidores Onkel Jacques (Jacob) gründete ein Jahr später die Textilfabrik Hollandia-Kattenburg, die mit der Herstellung wasserdichter Regenmäntel größten Erfolg hatte. Isidore wurde später ihr Direktor. Margarete und Isidore bekamen zwei Söhne, Fritz (*1910) und Walter (*1919).

Gertrud heiratete im April 1911 den tschechischen Ingenieur Ernst Fischer (*1882), der aus dem mährischen Eibenschütz (Ivančice) stammte. Das Ehepaar wohnte in Berlin und hatte anscheinend keine Kinder. Über ihr Leben ließen sich keine Details herausfinden. Seit spätestens 1935 wohnten sie in der Westfälischen Straße 70.

Am 6. März 1943 wurden Gertrud und Ernst Fischer aus Berlin nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet. Das Datum deutet darauf hin, dass sie im Rahmen der “Fabrikaktion” deportiert wurden, bei der tausende jüdische Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter in Vernichtungslager gebracht wurden. Ob Gertrud und Ernst ebenfalls Zwangsarbeit verrichten mussten, wissen wir nicht, auch ihre Todesdaten sind unbekannt. Gertrud Fischer geborene Hagelberg wurde wahrscheinlich 59 und ihr Mann Ernst 60 Jahre alt.

Der Mann ihrer Schwester Margarete war bereits 1932 in Amsterdam verstorben. Margarete gelang die Flucht nach Großbritannien, wo sie aber bereits 1944 starb. Ihr älterer Sohn, Gertruds Neffe Fritz, emigrierte mit seiner Frau Ida in die Vereinigten Staaten und starb 1964 in Kalifornien. Ihr jüngerer Sohn, Gertruds Neffe Walter, und dessen Frau Sophia wurden 1944 in Auschwitz vergast.

Die Textilfabrik Hollandia-Kattenburg in Amsterdam wurde nach dem deutschen Einmarsch “arisiert”. Da sie für die Wehrmacht arbeitete, befreite man die jüdischen Arbeiterinnen und Arbeiter und ihre Familien zunächst von der Deportation. Im November 1942 verschleppte man dann auf einen Schlag 826 Personen nach Auschwitz, wo man 818 von ihnen tötete. Eine Gedenktafel in Amsterdam erinnert heute an die Opfer des “Kattenburg-Transports”.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Erfurter und Berliner Adressbücher
  • MyHeritage
  • Arolsen Archives
  • mappingthelives.org
  • Wikipedia “Hollandia-Kattenburg”