HIER WOHNTE
HEDWIG MAYER
GEB. BILSKI
JG. 1910
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ
Hedwig Bilski kam als Tochter von Leopold Bilski und dessen Ehefrau Paula geborener Jungmann am 30. Oktober 1910 in Wriezen, Kreis Oberbarnim, in der Provinz Brandenburg zur Welt. Sie war die vierte Tochter ihrer Eltern. Ihre Mutter starb knapp drei Wochen nach ihrer Geburt mit 37 Jahren im Kindbett.
Ihr Vater, der Sohn eines Kaufmanns aus Schildberg (Ostrzeszów), handelte in Wriezen mit Herrenbekleidung und war Vorstandsmitglied der jüdischen Gemeinde. Hedwigs große Schwestern hießen Gertrud (*26. Juli 1901), Margarete (*8. November 1902) und Charlotte (*12. Dezember 1903).
Als Hedwig neun Jahre alt war, bekam sie eine Stiefmutter: Ihr Vater heiratete die 19 Jahre jüngere Breslauer Kaufmannstochter Erna Königsfeld. Die Ehe war nicht glücklich und wurde im Sommer 1923, als Hedwig zwölf Jahre alt war, schon wieder geschieden.
In den 1930er-Jahren heiratete Hedwig den aus Argenau in der Provinz Posen (heute Gniewkowo in Polen) stammenden, sechs Jahre älteren Kaufmann Herbert Mayer, der wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon in Berlin lebte. Später in den 1930er-Jahren, vielleicht nachdem es ihm die Nationalsozialisten unmöglich gemacht hatten, als Kaufmann zu reüssieren, fand Herbert eine Anstellung als Bankbeamter. Hedwig zog zu ihm nach Berlin. Am 8. Januar 1937 bekamen sie ihr erstes und einziges Kind, die Tochter Hannelore.
Hedwigs drei große Schwestern waren ledig geblieben. Gertrud und Charlotte gingen mit ihr nach Berlin, während Margarete zu Hause in Wriezen beim Vater blieb. Zum Zeitpunkt der “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 lebten Hedwig Mayer, ihr Mann Herbert, ihre zweijährige Tochter Hannelore sowie deren Tanten Gertrud und Charlotte zusammen in der Westfälischen Straße 70 in Halensee. Hedwigs Vater und ihre Schwester Margarete wohnten in der Wilhelmstraße 32 in Wriezen, kamen aber wenig später ebenfalls nach Berlin. Der Vater Leopold starb dort im April 1940 im jüdischen Krankenhaus mit 70 Jahren eines natürlichen Todes. Die Töchter brachten seine Leiche zurück nach Wriezen und begruben ihn dort am 27. April neben ihrer Mutter Paula auf dem altehrwürdigen jüdischen Friedhof. Leopold Bilskis Bestattung war die letzte, die dort stattfand, danach wurde der Friedhof nicht weiter genutzt. Margarete blieb danach bei ihren Schwestern Gertrud, Charlotte und Hedwig, ihrem
Schwager Herbert und ihrer kleinen Nichte Hannelore in Berlin.
Charlotte verließ den gemeinsamen Haushalt und zog zur Untermiete in ein Zimmer in der Hohenstaufenstraße 6 in Schöneberg. Sie erhielt als erste der Familie den Deportationsbefehl und wurde am 24. Oktober 1941 ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz) verschleppt. Am 4. Mai 1942 deportierte man sie von dort ins Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) und ermordete sie dort mit 37 Jahren.
Der Rest der Familie wurde im März 1943 im Rahmen der sogenannten “Fabrikaktion” deportiert, was darauf hindeutet, dass sie davor Zwangsarbeit leisten mussten. Zuerst wurde Gertrud “in den Osten” geschickt: Man verschleppte sie am 3. März 1943 nach Auschwitz und vergaste sie wahrscheinlich gleich nach der Ankunft. Einen Tag später, am 4. März 1943, stiegen Hedwig und ihr Mann Herbert mit ihrer Tochter Hannelore in den Zug. Wieder ging die Reise nach Auschwitz, und wahrscheinlich tötete man auch die Familie Mayer gleich nach der Ankunft. Hedwig Mayer geborene Bilski wurde 32 Jahre alt, ihr Mann Herbert starb mit 38. Die kleine Hannelore wurde zwei Monate nach ihrem sechsten Geburtstag ermordet. Als letzte wurde Margarete deportiert, am 17. Mai 1943, ebenfalls nach Auschwitz, wo man auch sie vergaste.
Recherche und Text: Christine Wunnicke
Quellen:
- Yad Vashem
- Gedenkbuch des Bundes
- Berliner Adressbücher
- MyHeritage
- mappingthelives.org
- Brigitte Heidenhain, Juden in Wriezen, 2007
- Stolpersteine Bad Freienwalde