HIER WOHNTE
HUGO LEHMANN
JG 1884
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942
Hugo Lehmann wurde am 25. November 1884 in Bamberg in Bayern geboren. Für seine Eltern, den aus Mühlhausen in Mittelfranken stammenden Bankier Julius August Lehmann (geb. 9. April 1845) und dessen Ehefrau Ernestine geborene Rothschild (geb. 19. Juli 1857), war er das fünfte Kind von insgesamt sieben Kindern. Hedwig (geb. 1877), Justin (geb. 1878), Eugen (geb. 11. März 1880) und Adele (geb. 13. März 1883) waren älter als er. Eugen starb schon am 13. November 1881 als Kleinkind. Seine jüngeren Schwestern hießen Flora (geb. 25. November 1887) und Josefine (geb. 1. Mai 1898).
Hugo wurde Kaufmann von Beruf. Er war Mitglied des Garnisonsbataillons III/5 in Nürnberg und nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil.
Wann und wo Hugo seine spätere Ehefrau, die Buchhalterin Meta Sternberg (geb. 8. Juli 1897), kennenlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich taten sie sich zusammen, um bessere Chancen bei der Erteilung von Visa zu erhalten. Der 53-jährige Hugo und die 41-jährige Meta heirateten am 15. August 1938 in Berlin-Pankow. Als Trauzeugen waren Metas Vater, der Schuhmachermeister Karl Sternberg, und der 61-jährige Kaufmann Hermann Wolff aus der Düsseldorfer Straße 68a anwesend. Hugo wohnte zum Zeitpunkt der Hochzeit in der Uhlandstraße 54/55 in Berlin-Wilmersdorf und Meta in der Schönholzer Straße 6a in Berlin-Pankow.
Hugos jüngster Schwester Josefine Gerstle geborene Lehman gelang am 9. Oktober 1938 zusammen mit ihrem Ehemann Arthur und ihrer 15-jährigen Tochter Eleonore die Emigration in die USA. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ 1939 war Hugo immer noch in der Uhlandstraße 54/55 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet, gleichzeitig aber auch in Metas Wohnung in der Schönholzer Straße 6a in Berlin-Pankow.
Seinem ältesten Bruder Justin Lehmann und dessen Ehefrau Elsa gelang die Emigration in die USA noch am 9. März 1940 über Genua. Ihre Kinder Gertrud (geb. 22. Februar 1915) und Ernst (geb. 22. November 1917) wohnten zu diesem Zeitpunkt schon in New York.
Ab circa 1940 mussten Hugo und Meta Zwangsarbeit leisten. Der ehemals erfolgreiche Kaufmann Hugo Lehmann arbeitete nun als Hilfsarbeiter bei Johann Stempel in der Liberdastraße 12 in Berlin-Neukölln für einen Lohn von 24,47 RM in der Woche. Meta arbeitete als Löterin bei der AEG in Hohenschönhausen für 18 bis 20 RM die Woche. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Hugo bei seiner Ehefrau in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit WC, aber ohne Komfort im zweiten Stock des Hauses. Die Miete betrug 47,12 RM monatlich.
Seine Schwester Adele Hirschmann geborene Lehmann deportierte die Gestapo am 29. November 1941 mit 58 Jahren von Nürnberg aus in ein Außenlager des Ghettos Riga, Riga-Jungfernhof. Ob Adele im Januar 1942 unter den 200 Frauen war, die ins Rigaer Ghetto überstellt und später im Rahmen der „Dünamünde-Aktion“ im Wald von Biķernieki erschossen wurden, konnte nicht recherchiert werden. Sie kehrte nie zurück.
Am 3. April 1942 starb Hugos ältester Bruder Justin Lehmann, ehemaliger Bankdirektor in Bamberg, mit 61 Jahren in New York.
Im August 1942 erhielten auch Hugo und Meta „die Listen“, womit die
Vermögenserklärungen gemeint waren, in denen sie, falls vorhanden, ihr Vermögen dem Deutschen Reich übertrugen. Meta unterschrieb ihre Erklärung am 13. August 1942 und Hugo einen Tag später am 14. August 1942. In der Synagoge in der Levetzowstraße, die als Sammellager umfunktioniert worden war, warteten sie auf den Transport, der am 15. August 1942 vom Güterbahnhof Moabit abging. Zusammen mit 1.000 Leidensgenossinnen und -genossen, vorwiegend mit der Berufsbezeichnung „Arbeiter“, deportierte sie die Gestapo mit dem 18. Osttransport nach Riga, wo sie am 18. August 1942 ankamen. Vermutlich wurden sie kurz nach der Ankunft in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Nur ihre Kleidungsstücke gelangten in das Ghetto Riga. Hugo Lehmann starb mit 67 Jahren. Seine Ehefrau Meta Lehmann geborene Sternberg starb mit 45 Jahren.
Ihre Wohnung wurde von der Gestapo versiegelt und erst am 9. November 1942 geräumt.
Hugos ältester Schwester Hedwig Marx geborene Lehmann war die Emigration in die USA gelungen. Sie starb mit 74 Jahren am 8. Dezember 1951 in Baltimore, USA. Auch seine Schwester Flora Südheim geborene Lehmann überlebte vermutlich den Holocaust.
Seit 2013 erinnert eine Gedenktafel am Haus der Schönholzer Straße 6a an sechs jüdische Bewohnerinnen und Bewohner, darunter auch Meta und Hugo Lehmann, die aus diesem Haus 1942 und 1943 in Vernichtungsstätten des Naziregimes deportiert und dort ermordet wurden.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher
- Arolsen Archives – Deportationslisten
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
- My Heritage
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 21604, Hugo und Meta Lehmann