Stolpersteine Uhlandstraße 54/55

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Die Stolpersteine wurden am 14. Mai 2013 verlegt.

Stolperstein Emma Stolper, Foto: F. Siebold, Mai 2013

Stolperstein Emma Stolper, Foto: F. Siebold, Mai 2013

HIER WOHNTE
EMMA STOLPER
JG. 1901
DEPORTIERT 26.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Emma Stolper wurde am 24. März 1901 in Dünaburg (Daugavpils, Lettland) geboren. Für ihre Eltern Hirsch Stolper (geb. 1852) und dessen Ehefrau Freida geborene Meier (geb. 1856) war sie die Jüngste von insgesamt sechs Kindern. Ihre Geschwister hießen Gida (geb. 1886), Leo (geb. 1889), Chaim Sholom (geb. 1892), Ester (geb. 1895) und Michlia (geb. 1899).

Wann Emma nach Berlin kam, konnte nicht recherchiert werden. Bei der „Minderheiten- Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnte sie in der Uhlandstraße 54/55. Es war ihre letzte freiwillig gewählte Adresse. Ab dem 10. Juli 1941 zog sie in die Joachim-Friedrich-Straße 26 zur Untermiete bei Julius (geb. 28. November 1869) und Gertrud Fabisch geborene Orgler (geb. 5. Dezember 1880) in Berlin-Halensee. Bevor die beiden am 12. Januar 1943 nach Theresienstadt deportiert werden sollten, musste Emma Anfang Dezember ausziehen.

Da sie Zwangsarbeit bei Osram in der Helmholzstraße 4-8 leistete, wurde ihr ein möbliertes Zimmer in einer Fünf-Zimmer-Wohnung im Parterre des Gartenhauses der Flensburger Straße 8 in Berlin-Tiergarten zugewiesen. Hauptmieter dieser Wohnung waren seit 1908 die Schwestern Clara (geb. 6. April 1884) und Betty (geb. 8. Juli 1886) Riesenfeld. Als die Schwestern ihre Vermögenserklärungen ausfüllen mussten, weil sie deportiert werden sollten, wurde auch Emma dazu aufgefordert. Wie die Schwestern Riesenfeld unterschrieb auch sie die Vermögenserklärung am 2. Februar 1943. Vermögen hatte sie zu diesem Zeitpunkt nicht.

Von der Deportation am 3. Februar wurde Emma zurückgestellt. Bis zu ihrer Deportation internierte die Gestapo sie in der Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26. Am 26. Februar 1943 wurde sie mit dem 30. Osttransport zusammen mit 1.100 Leidensgenossinnen und -genossen nach Auschwitz deportiert. Vermutlich wurde sie kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Emma Stolper starb kurz vor ihrem 42. Geburtstag.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 37408 und 37409, Emma Stolper
Stolperstein Margarete Guttentag, Foto: F. Siebold, Mai 2013

Stolperstein Margarete Guttentag, Foto: F. Siebold, Mai 2013

HIER WOHNTE
MARGARETE
GUTTENTAG
GEB. MEYER
JG 1880
DEPORTIERT 2.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Margarethe Guttentag wurde als Margarethe Rosa Meyer am 12. Juli 1880 in Stargard in Pommern (Stargard Szczeciński, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den aus Freienwalde stammenden Kaufmann Meyer Meyer (*29. September 1842) und dessen aus Friedland stammende Ehefrau Rosa geborene Lesser (*25. Oktober 1849), war sie das einzige Kind.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den aus Gleiwitz stammenden Kaufmann Philipp Guttentag (*29. März 1863), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 20-jährige Margarethe Rosa und der 38-jährige Philipp heirateten am 28. Mai 1901 in Margarethes Geburtsort Stargard. Nach der Hochzeit wohnten sie in Stettin, wo am 24. Juni 1902 ihr ältester Sohn Siegmund Martin, am 3. Mai 1905 ihr mittlerer Sohn Heinz und am 5. Juni 1906 ihr jüngster Sohn Kurt geboren wurden.

Vermutlich kam die Familie Guttentag in den 1920er-Jahren nach Berlin. Anfangs wohnten sie in der Düsseldorfer Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf. Am 10. September 1932 heiratete ihr 27-jähriger mittlerer Sohn Heinz die aus Graudenz in Pommern (Grudziądz, Polen) stammende Kontoristin Erika Herta Ballner (*19. Dezember 1907). Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Margarethe 52 und ihr Ehemann Philipp 70 Jahre alt.

Ihr ältester Sohn, der 31-jährige Kaufmann Siegmund Martin, heiratete die aus der Schweiz stammende 27-jährige Erzieherin Rachel Claudine Goy (*15. Mai 1906) am 24. Juni 1933.

1936 war der „Kaufmann Ph. Guttentag“ das erste Mal im Berliner Adressbuch in der Uhlandstraße 54/55 zu finden. Nachdem die Söhne ausgezogen waren, zog das Ehepaar vermutlich in eine kleinere Wohnung. Ihr jüngster Sohn Kurt Guttentag flüchtete am 25. April 1937 von England aus nach Puerto Colombia in Kolumbien.

Ob ihnen im September 1939 die Wohnung in der Uhlandstraße 54/55 aufgrund eines neu erlassenen Gesetzes, welches Vermietern die Kündigung von Mietverträgen mit Juden ohne Nennung von Gründen erlaubte, genommen wurde oder ob sie selbst kündigten, ist nicht bekannt. Sie zogen im 1. Stock des Vorderhauses der Hektorstraße 3 in Berlin-Halensee in eine Fünf-Zimmer-Wohnung. Die Miete betrug 155 RM monatlich.

Ab circa 1940 musste Margarethe Zwangsarbeit bei der Firma Nordland Schneeketten in der Kurfürstenstraße 14 leisten. Ihr Ehemann Philipp Guttentag starb am 9. Juli 1942 mit 79 Jahren im Jüdischen Krankenhaus an Blasenkrebs. Margarethe blieb allein zurück. Ihre Söhne Siegmund und Heinz hatten das Deutsche Reich noch rechtzeitig verlassen können. Ein halbes Jahr nach dem Tod ihres Ehemannes bekam sie den Deportationsbefehl in den Osten. Am 27. Dezember 1942 unterschrieb sie ihre Vermögenserklärung. Hier gab sie an, dass ihr jüngster Sohn in Portugal, ihr ältester Sohn Siegmund in Shanghai und ihr mittlerer Sohn Heinz in England leben würden. Von der tatsächlichen Deportation wurde sie bis Anfang März 1943 noch zurückgestellt.

In der Vermögenserklärung gab sie drei Untermieterinnen in ihrer Wohnung an. Gertrud Lüdenbaum mietete ein teilmöbliertes Zimmer für 50 RM. Paula Rosenberg (*16. März 1887), die früher auch in der Uhlandstraße 54/55 gewohnt hatte, mietete ein möbliertes Zimmer für 38 RM. Sie tauchte noch im Dezember 1942 in Berlin unter und versteckte sich bis Februar 1945. Sie überlebte den Holocaust.

Die dritte Untermieterin hieß Adelheid Hoffmann geborene Beutel (*12. Februar 1912), eine „Halbjüdin”, deren Mutter jüdisch war. Sie bewohnte ein möbliertes Zimmer für 65 RM. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ 1939 wohnte sie noch gemeinsam mit ihrem „arischen“ Ehemann Willi in der Manteuffelstraße 28 in Berlin-Kreuzberg. Eigentlich war sie durch die Mischehe mit einem „arischen“ Ehemann geschützt, weil sie ihn aber vermutlich vor Diskriminierung schützen wollte, da es als Makel galt, mit einer Frau, die eine jüdische Abstammung hatte, verheiratet zu sein, zog sie aus der gemeinsamen Wohnung aus.

Als Margarethe am Morgen des 27. Februar 1943 ihre Wohnung in der Hektorstraße 3 verließ, ahnte sie nicht, dass sie niemals wieder zurückkehren würde. Die Gestapo setzte sie im Rahmen der „Fabrikaktion“ an ihrem Arbeitsplatz fest und brachte sie anschließend in ein Sammellager. Zusammen mit 1.837 Leidensgenossinnen und -genossen wurde sie am 2. März 1943 mit dem 32. Osttransport nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Margarethe Guttentag geborene Meyer starb mit 62 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 13237, Margarethe Guttentag
Stolperstein Lotte Joachimsthal, Foto: F. Siebold, Mai 2013

Stolperstein Lotte Joachimsthal, Foto: F. Siebold, Mai 2013

HIER WOHNTE
LOTTE
JOACHIMSTHAL
JG 1899
DEPORTIERT 11.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Lotte Joachimsthal wurde am 9. August 1899 in der Großbeerenstraße 8 in Berlin-Kreuzberg geboren. Für ihre Eltern, den aus Stolpe an der Oder stammenden Kaufmann Gustav Joachimsthal (geb. 1862) und dessen aus Thorn (Toruń, Polen) stammende Ehefrau Friedericke, genannt Frieda, geborene Gembicki (geb. 6. Februar 1870), war sie die jüngste von zwei Töchtern. Ihre Schwester Irma (geb. 28. November 1894) war fünf Jahre zuvor in Angermünde geboren, wo ihre Eltern 1893 geheiratet hatten.

Lotte wurde Buchhalterin von Beruf. Vermutlich arbeitete sie bei ihrem Vater, der ein Gewerbe betrieb.

Im September 1918 verlobte sich ihre Schwester Irma mit dem Kaufmann Eduard Elias (geb. 1881), den sie 1919 heiratete. Sie wurden Eltern einer Tochter, die sie Gerda (geb. 2. Juli 1921) nannten. Lotte wohnte zu der Zeit noch bei ihren Eltern in der Bozener Straße 18 in Schöneberg. Die Ehe von Irma und Eduard endete am 18. Januar 1929 durch Eduards plötzlichen Tod mit 47 Jahren. Irma wurde mit 34 Jahren Witwe.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Lotte 33 Jahre alt. Ihre Mutter starb am 23. September 1935 im Städtischen Ludwig-Hoffmann-Hospital zu Buch, in dem damals psychisch Kranke behandelt wurden. Das Hospital war ihre letzte Wohnanschrift. Fünf Jahre später, 1940, dienten einige Häuser auf dem Gelände des Hospitals als Sammelstelle einer „Sonderaktion” gegen Psychiatriepatienten jüdischen Glaubens.

Ihre Schwester Irma heiratete am 25. November 1937 in zweiter Ehe den 1931 geschiedenen, aus Leipzig stammenden Leonhard Rosenzweig (geb. 13. Dezember 1893). Trauzeugen waren Irmas 80-jähriger Großvater Julius Gembicki aus der Leibnizstraße 34 in Charlottenburg und ihre 38-jährige Schwester Lotte aus der Darmstädter Straße 8 in Berlin-Wilmersdorf. Irma zog mit ihrer 16-jährigen Tochter Gerda zu ihrem Ehemann in eine Zwei-Zimmer-Wohnung im Parterre rechts in die Holsteinische Straße 59 in Berlin-Wilmersdorf.

In die Darmstädter Straße 8 war die Sekretärin Lotte Joachimsthal am 30. Dezember 1934 als Untermieterin zu Felix und Annie Falk gezogen. Ab dem 1. Mai 1938 bis zum 3. Oktober 1940 wohnte sie in der Uhlandstraße 54/55 zur Untermiete bei Charlotte Joseph. Als diese ausziehen musste, zogen sie gemeinsam in die Marburger Straße 5 in den 1. Stock des Seitenflügels in eine Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und WC. Die Miete dort betrug 57 RM. Eigentümerin des Hauses war in den 1930er-Jahren die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die ihren Sitz in der Oranienburger Straße hatte.

Lottes Vater Gustav war noch im amtlichen Fernsprechbuch 1939 und 1940 als Rentner in der Meinekestraße 16/17 in Berlin-Charlottenburg zu finden. Danach verliert sich seine Spur. 1940 war er 78 Jahre alt.

Knapp zwei Monate nach ihrem Einzug in die Marburger Straße 5 wurde Lotte am 28. November 1940 von der Polizei festgenommen, inhaftiert und am 29. November 1940 polizeilich abgemeldet. Der Grund für ihre Festnahme konnte nicht recherchiert werden. Ihre Odyssee durch Gefängnisse und Konzentrationslager brachte sie letztendlich nach Auschwitz, wohin auch ihre Hauptmieterin Charlotte Joseph am 9. Dezember 1942 deportiert wurde. Ob sich die beiden Frauen hier noch einmal trafen, ist ungewiss. Lotte Joachimsthal starb am 11. Januar 1943 mit 43 Jahren.

Ihre Schwester Irma, ihr Schwager Leonhard Rosenzweig und ihre Nichte Gerda Elias wurden am 17. Mai 1943 mit dem 4. Großen Alterstransport in das Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 4. Oktober 1944 wurde ihre Nichte Gerda weiter nach Auschwitz deportiert. Die damals 23-jährige Gerda wurde vermutlich auf der Rampe von Auschwitz für das Arbeitslager selektiert. Mit einem der letzten Transporte aus Theresienstadt wurden auch Irma und Leonhard am 23. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet wurden. Irma starb kurz vor ihrem 50. Geburtstag und Leonhard mit fast 51 Jahren.

Als die SS frontnahe Konzentrationslager auflöste, zwangen sie die meisten Häftlinge in Auschwitz, so auch Gerda Elias, zum Abmarsch in Richtung Reichsmitte. Im Konzentrationslager Mauthausen wurde Gerda am 5. Mai 1945 durch US-Truppen befreit. Im Displaced Persons-Lager in Deggendorf wartete sie auf die Ausreise. Am 24. Juni 1946 wanderte sie nach New York in den USA aus. Sie wurde dort 81 Jahre alt.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 32151,
  • Leonhard und Irma Rosenzweig; Reg. 36A (II) 8128, Gerda Elias
Stolperstein Charlotte Joseph, Foto: F. Siebold, Mai 2013

Stolperstein Charlotte Joseph, Foto: F. Siebold, Mai 2013

HIER WOHNTE
CHARLOTTE JOSEPH
JG. 1897
DEPORTIERT 9.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Charlotte Joseph wurde am 14. Februar 1897 in Leipzig in Sachsen geboren. Wann sie nach Berlin kam, konnte nicht recherchiert werden. Seit 1936 wohnte sie in der Uhlandstraße 54/55 in Berlin-Wilmersdorf. Das Berliner Adressbuch führte sie mit dem Zusatz Wirtschaftsberaterin.

Am 1. Mai 1938 nahm sie die Sekretärin Lotte Joachimsthal bei sich in der Wohnung als Untermieterin auf. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren beide in der Uhlandstraße 54/55 gemeldet. Charlotte leistete seit 1940 Zwangsarbeit in der Gummi-Fabrik der Firma M. Daubitz in der Köpenicker Straße 91 in Berlin-Rudow. Ihr Lohn als Arbeiterin betrug 22 RM wöchentlich. Von diesem Lohn konnte sie vermutlich die Miete ihrer Wohnung nicht mehr bezahlen oder es wurde ihr gekündigt, denn laut Mietergesetz von 1939 konnte ein Vermieter Juden ohne Grund eine Kündigung der Wohnung aussprechen.

Zusammen mit ihrer Untermieterin Lotte Joachimsthal wohnte sie seit dem 3. Oktober 1940 in der Marburger Straße 5 im 1. Stock des Seitenflügels in einer Zwei-Zimmer-Wohnung mit Küche und WC. Die Miete dort betrug 57 RM. Eigentümerin des Hauses war in den 1930er-Jahren die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die ihren Sitz in der Oranienburger Straße hatte. Am 27. November 1940 wurde ihre Untermieterin Lotte Joachimsthal festgenommen und inhaftiert. Ob Charlotte jemals wieder etwas von ihr hörte, ist unbekannt.

Ende November 1942 bekam sie den Deportationsbefehl in den Osten. Ihre Vermögenserklärung unterschrieb sie am 1. Dezember 1942 im Sammellager in der
Großen Hamburger Straße 26, wo sie bis zur Deportation interniert wurde.

Mit dem 24. Osttransport deportierte die Gestapo die 45-jährige Charlotte Joseph zusammen mit 1.060 Leidensgenossinnen und -genossen am 9. Dezember 1942 nach Auschwitz. Dort wurde sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet. Ihre Untermieterin Lotte Joachimsthal wurde am 11. Januar 1943 in Auschwitz ermordet.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 17764, Charlotte Joseph
Stolperstein Hugo Lehmann, Foto: F. Siebold, Mai 2013

Stolperstein Hugo Lehmann, Foto: F. Siebold, Mai 2013

HIER WOHNTE
HUGO LEHMANN
JG 1884
DEPORTIERT 15.8.1942
RIGA
ERMORDET 18.8.1942

Hugo Lehmann wurde am 25. November 1884 in Bamberg in Bayern geboren. Für seine Eltern, den aus Mühlhausen in Mittelfranken stammenden Bankier Julius August Lehmann (geb. 9. April 1845) und dessen Ehefrau Ernestine geborene Rothschild (geb. 19. Juli 1857), war er das fünfte Kind von insgesamt sieben Kindern. Hedwig (geb. 1877), Justin (geb. 1878), Eugen (geb. 11. März 1880) und Adele (geb. 13. März 1883) waren älter als er. Eugen starb schon am 13. November 1881 als Kleinkind. Seine jüngeren Schwestern hießen Flora (geb. 25. November 1887) und Josefine (geb. 1. Mai 1898).

Hugo wurde Kaufmann von Beruf. Er war Mitglied des Garnisonsbataillons III/5 in Nürnberg und nahm aktiv am Ersten Weltkrieg teil.

Wann und wo Hugo seine spätere Ehefrau, die Buchhalterin Meta Sternberg (geb. 8. Juli 1897), kennenlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich taten sie sich zusammen, um bessere Chancen bei der Erteilung von Visa zu erhalten. Der 53-jährige Hugo und die 41-jährige Meta heirateten am 15. August 1938 in Berlin-Pankow. Als Trauzeugen waren Metas Vater, der Schuhmachermeister Karl Sternberg, und der 61-jährige Kaufmann Hermann Wolff aus der Düsseldorfer Straße 68a anwesend. Hugo wohnte zum Zeitpunkt der Hochzeit in der Uhlandstraße 54/55 in Berlin-Wilmersdorf und Meta in der Schönholzer Straße 6a in Berlin-Pankow.

Hugos jüngster Schwester Josefine Gerstle geborene Lehman gelang am 9. Oktober 1938 zusammen mit ihrem Ehemann Arthur und ihrer 15-jährigen Tochter Eleonore die Emigration in die USA. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ 1939 war Hugo immer noch in der Uhlandstraße 54/55 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet, gleichzeitig aber auch in Metas Wohnung in der Schönholzer Straße 6a in Berlin-Pankow.

Seinem ältesten Bruder Justin Lehmann und dessen Ehefrau Elsa gelang die Emigration in die USA noch am 9. März 1940 über Genua. Ihre Kinder Gertrud (geb. 22. Februar 1915) und Ernst (geb. 22. November 1917) wohnten zu diesem Zeitpunkt schon in New York.

Ab circa 1940 mussten Hugo und Meta Zwangsarbeit leisten. Der ehemals erfolgreiche Kaufmann Hugo Lehmann arbeitete nun als Hilfsarbeiter bei Johann Stempel in der Liberdastraße 12 in Berlin-Neukölln für einen Lohn von 24,47 RM in der Woche. Meta arbeitete als Löterin bei der AEG in Hohenschönhausen für 18 bis 20 RM die Woche. Zu diesem Zeitpunkt wohnte Hugo bei seiner Ehefrau in einer Drei-Zimmer-Wohnung mit WC, aber ohne Komfort im zweiten Stock des Hauses. Die Miete betrug 47,12 RM monatlich.

Seine Schwester Adele Hirschmann geborene Lehmann deportierte die Gestapo am 29. November 1941 mit 58 Jahren von Nürnberg aus in ein Außenlager des Ghettos Riga, Riga-Jungfernhof. Ob Adele im Januar 1942 unter den 200 Frauen war, die ins Rigaer Ghetto überstellt und später im Rahmen der „Dünamünde-Aktion“ im Wald von Biķernieki erschossen wurden, konnte nicht recherchiert werden. Sie kehrte nie zurück.

Am 3. April 1942 starb Hugos ältester Bruder Justin Lehmann, ehemaliger Bankdirektor in Bamberg, mit 61 Jahren in New York.

Im August 1942 erhielten auch Hugo und Meta „die Listen“, womit die
Vermögenserklärungen gemeint waren, in denen sie, falls vorhanden, ihr Vermögen dem Deutschen Reich übertrugen. Meta unterschrieb ihre Erklärung am 13. August 1942 und Hugo einen Tag später am 14. August 1942. In der Synagoge in der Levetzowstraße, die als Sammellager umfunktioniert worden war, warteten sie auf den Transport, der am 15. August 1942 vom Güterbahnhof Moabit abging. Zusammen mit 1.000 Leidensgenossinnen und -genossen, vorwiegend mit der Berufsbezeichnung „Arbeiter“, deportierte sie die Gestapo mit dem 18. Osttransport nach Riga, wo sie am 18. August 1942 ankamen. Vermutlich wurden sie kurz nach der Ankunft in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Nur ihre Kleidungsstücke gelangten in das Ghetto Riga. Hugo Lehmann starb mit 67 Jahren. Seine Ehefrau Meta Lehmann geborene Sternberg starb mit 45 Jahren.

Ihre Wohnung wurde von der Gestapo versiegelt und erst am 9. November 1942 geräumt.

Hugos ältester Schwester Hedwig Marx geborene Lehmann war die Emigration in die USA gelungen. Sie starb mit 74 Jahren am 8. Dezember 1951 in Baltimore, USA. Auch seine Schwester Flora Südheim geborene Lehmann überlebte vermutlich den Holocaust.

Seit 2013 erinnert eine Gedenktafel am Haus der Schönholzer Straße 6a an sechs jüdische Bewohnerinnen und Bewohner, darunter auch Meta und Hugo Lehmann, die aus diesem Haus 1942 und 1943 in Vernichtungsstätten des Naziregimes deportiert und dort ermordet wurden.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Mai 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 21604, Hugo und Meta Lehmann