Stolpersteine Uhlandstraße 151

Hausansicht Uhlandstr. 151

Der Stolperstein für Gertrud Adam wurde am 14. Mai 2013 verlegt.
Die Stolpersteine für Jutta und Michael Adam wurden am 18. Oktober 2014 verlegt.

Der Stolperstein für Betty Joseph wurde am 6. Oktober 2016 verlegt.

Stolperstein für Gertrud Adam

HIER WOHNTE
GERTRUD ADAM
GEB. ZADEK
JG. 1896
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Gertrud Zadek war die Tochter von Jacob Zadek und Johanna, geb. Rawak. Sie wurde am 30. Juli 1896 in Berlin geboren und war, soweit wir wissen, ein Einzelkind. Die Eltern lebten in der Koblanckstraße 3 im sogenannten Scheunenviertel (1907 erhielt die Straße einen neuen Verlauf, 1953 wurde sie in Zolastraße umbenannt). Jacob Zadek erhielt eine Stelle als Geschäftsführer einer Filiale in Glogau der Schuhfabrik A. Krojanke aus Burg und etwa um die Jahrhundertwende zog die Familie nach Glogau um (heute Głogów in Niederschlesien).

Jacob Zadek war offenbar als Geschäftsmann erfolgreich, denn spätestens 1925 war er Inhaber des Schuhwarenhauses und auch Eigentümer des Hauses Preußische Straße 46, in dem sowohl der Laden, wie auch seine Wohnung waren. Hier wuchs Gertrud auf, bis sie am 3. November 1921 den zwei Jahre älteren Kaufmann Max Adam in Neukölln heiratete und nach Berlin zog.

Max Adam war als Sohn des Glasermeisters Moritz Adam und seiner Frau Dora, geb. Rehfeld in Tuchel/Westpreußen (Tuchola heute) am 23. August 1884 geboren worden. Er hatte eine kaufmännische Lehre absolviert, war anschließend auf die Walz gegangen und schließlich am Kaufhaus Hermann Tietz in Berlin angestellt worden. 1915 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und hatte sich nach seiner Rückkehr 1920 mit einem Kurz- und Weißwarengeschäft in der Wrangelstraße 92 selbständig gemacht. 1922 kam die Tochter Dorette zur Welt, starb jedoch schon mit 3 Jahren am 22. Januar 1926. Zu dem Zeitpunkt wohnten Adams in der Beusselstraße 61, das Geschäft war in die Wiclefstraße 42 verlegt worden. Es war kein glückliches Jahr für Gertrud (Trude genannt) und Max: Im Juli ging das Geschäft in Konkurs. Der Konkurs konnte abgewendet werden, das Geschäft wurde anschließend auf Trude Adam überschrieben.

Fünf Jahre nach Dorettes Tod wurde am 5. Januar 1931 die zweite Tochter, Jutta, geboren. Da lebten Max und Trude in Glogau. Denn Trudes Vater war 1928 gestorben und sie hatte das Haus und das Geschäft geerbt. Sie zog mit Max nach Glogau, Max übernahm das Schuhgeschäft. Der Laden florierte, aber nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bekam Max Schwierigkeiten. 1934 kündigte ihm die Sparkasse als Juden die Hypothek und er musste das Geschäft aufgeben, er löste das Warenlager durch Totalausverkauf auf. Trude verkaufte das Haus – weit unter Preis. Die Familie zog wieder nach Berlin, Trudes Mutter Johanna kam auch mit. Sie nahmen eine Wohnung in der Uhlandstraße 151, Gartenhaus parterre. Hier wurde auch am 26. August 1937 das dritte Kind, der Sohn Michael, geboren.

Max Adam ernährte seine Familie von seinen Rücklagen und von kleineren Arbeiten. Er beteiligte sich auch an der Firma Moritz Licht, bis diese 1937 „arisiert“ wurde. Im Zuge der Pogrome im November 1938 wurde er von Nazis krankenhausreif geschlagen. Dies und die folgende Kaskade von antijüdischen Verordnungen führte zu dem Entschluss auszuwandern. Max traf Vorbereitungen für die ganze Familie, fuhr aber zunächst im Juli 1939 allein nach Bolivien. Dort angekommen, erkrankte er und konnte sich nicht unmittelbar um den Nachzug von Trude und den Kindern kümmern. Mit Ausbruch des Krieges wurde deren Ausreise gänzlich vereitelt.

Trude und ihre Kinder waren nun allein allen Verfolgungsmaßnahmen gegen Juden ausgesetzt. 1939 durfte Jutta nicht mehr auf die öffentliche Schule gehen. Ab 1940 konnten sie auch nur noch durch Rotkreuzbriefe mit Max Kontakt halten. In diesen durfte man höchstens 25 Wörter verwenden, oft war der Brief monatelang unterwegs. Eine solche Nachricht von Max, datiert vom 23. Juni 1942, kam erst im September bei Trude an. Max schreibt, er sei gesund, hoffe auf Gleiches von seinen Lieben und auf baldiges Wiedersehen. Trudes verzweifelte Antwort vom 9. September auf der Rückseite lautet: „Mutters Tage gezählt, Micha seit Dezember Krankenhaus, Lungenschatten. Jutta Vierteljahr Diphtherie, jetzt gesund. […]“. Mit kindlicher Schrift hinzugefügt „Gruß Jutta“. Tatsächlich starb Trudes Mutter Johanna Zadek geb. Rawak wenige Tage später am 27. September.

Trude war zur Zwangsarbeit verpflichtet worden, wo wissen wir nicht. Offenbar wurde sie Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“, bei der Ende Februar 1943 sämtliche noch im „Reich“ verbliebene jüdische Zwangsarbeiter ohne Vorankündigung am Arbeitsplatz festgenommen werden sollten, um sie anschließend nach Auschwitz zu deportieren. Einige konnten flüchten, einige wurden vorgewarnt. Nicht so Trude Adam. Sie steht auf der Deportationsliste vom 6. März 1943, dem fünften „Transport“ nach der Aktion. Auch Jutta und Michael stehen auf der Liste, hinter ihren Namen, eine Bleistiftnotiz: „fehlen siehe Zettel“. Der „Zettel“ ist nicht überliefert. Vielleicht bezog er sich darauf, dass – da die Mutter am Arbeitsplatz festgenommen wurde – die Kinder später eigens nachgeholt werden mussten.

Trude, Jutta und Michael Adam wurden mit weiteren 479 Frauen und Kindern und 183 Männern nach Auschwitz deportiert. Dort wurden nur 65 der Frauen (und 153 Männer) zur Zwangsarbeit im Lager aufgenommen, alle anderen ermordete man in den Gaskammern. Das Schicksal der Kinder war besiegelt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die 46 jährige Trude zur Arbeit „selektiert“ wurde. Aber das bedeutet für die meisten Menschen Vernichtung durch Arbeit, auch für Trude Adam. Das Datum ihres Todes ist nicht bekannt.

Max Adam hat seine Familie nicht wiedergesehen. 1944 kam er von Bolivien nach Chile und kehrte 1952, nachdem er die deutsche Staatsbürgerschaft wieder erlangt hatte, nach Berlin zurück. Verarmt und gesundheitlich angeschlagen, versuchte er wieder im kaufmännischen Bereich Fuß zu fassen. Er starb im Juni 1963.

Max‘ ältester Bruder Julius (*1877) war schon 1903 in die USA ausgewandert. Der zweitälteste, Simon (*1882), floh mit seiner Frau Gertrud, geb. Besser im Dezember 1938 über Brasilien nach Argentinien. Seine Tochter Margot (*1913) war schon im Juni ausgewandert.

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Adressbuch Glogau; Berliner Adressbücher; Landesarchiv Berlin über Ancestry; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Arolsen Archives; Mapping the Lives (https://www.mappingthelives.org/); https://www.geni.com/people; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

Recherchen/Text: Micaela Haas
Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Stolperstein für Jutta Adam

HIER WOHNTE
JUTTA ADAM
JG. 1931
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Fünf Jahre nach Dorettes Tod wurde am 5. Januar 1931 die zweite Tochter, Jutta, geboren.

Max und Trude lebten zu der Zeit in Glogau. Trudes Vater war 1928 gestorben und sie hatte das Haus und das Geschäft geerbt. Sie zog mit Max nach Glogau, Max übernahm das Schuhgeschäft. Der Laden florierte, aber nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bekam Max Schwierigkeiten. 1934 kündigte ihm die Sparkasse als Juden die Hypothek und er musste das Geschäft aufgeben, er löste das Warenlager durch Totalausverkauf auf. Trude verkaufte das Haus – weit unter Preis.

Stolperstein für Michael Adam

HIER WOHNTE
MICHAEL ADAM
JG. 1937
DEPORTIERT 6.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Die Familie zog wieder nach Berlin, Trudes Mutter Johanna kam auch mit. Sie nahmen eine Wohnung in der Uhlandstraße 151, Gartenhaus (Parterre). Hier wurde auch am 26. August 1937 das dritte Kind, der Sohn Michael, geboren.

Max Adam ernährte seine Familie von seinen Rücklagen und von kleineren Arbeiten. Er beteiligte sich auch an der Firma Moritz Licht, bis diese 1937 „arisiert“ wurde. Im Zuge der Pogrome im November 1938 wurde er von Nazis krankenhausreif geschlagen. Dies und die folgende Kaskade von antijüdischen Verordnungen führte zu dem Entschluss, auszuwandern. Max traf Vorbereitungen für die ganze Familie, fuhr aber zunächst im Juli 1939 allein nach Bolivien. Dort angekommen, erkrankte er und konnte sich nicht unmittelbar um den Nachzug von Trude und den Kindern kümmern. Mit Ausbruch des Krieges wurde deren Ausreise gänzlich vereitelt.

Trude und ihre Kinder waren nun allen Verfolgungsmaßnahmen gegen Juden allein ausgesetzt. 1939 durfte Jutta nicht mehr auf die öffentliche Schule gehen. Ab 1940 konnten sie auch nur noch durch Rotkreuzbriefe mit Max Kontakt halten. In diesen durfte man höchstens 25 Wörter verwenden, oft war der Brief monatelang unterwegs. Eine solche Nachricht von Max, datiert vom 23. Juni 1942, kam erst im September bei Trude an. Max schreibt, er sei gesund, hoffe auf Gleiches von seinen Lieben und auf baldiges Wiedersehen. Trudes verzweifelte Antwort vom 9. September auf der Rückseite lautet: „Mutters Tage gezählt, Micha seit Dezember Krankenhaus, Lungenschatten. Jutta Vierteljahr Diphtherie, jetzt gesund. […]“. Mit kindlicher Schrift hinzugefügt „Gruß Jutta“. Tatsächlich starb Trudes Mutter Johanna Zadek geb. Rawak wenige Tage später am 27. September.

Trude war zur Zwangsarbeit verpflichtet worden, wo wissen wir nicht. Offenbar wurde sie Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“, bei der Ende Februar 1943 sämtliche noch im „Reich“ verbliebene jüdische Zwangsarbeiter ohne Vorankündigung am Arbeitsplatz festgenommen werden sollten, um sie anschließend nach Auschwitz zu deportieren. Einige konnten flüchten, einige wurden vorgewarnt. Nicht so Trude Adam. Sie steht auf der Deportationsliste vom 6. März 1943, dem fünften „Transport“ nach der Aktion. Auch Jutta und Michael stehen auf der Liste, hinter ihren Namen, eine Bleistiftnotiz: „fehlen siehe Zettel“. Der „Zettel“ ist nicht überliefert. Vielleicht bezog er sich darauf, dass – da die Mutter am Arbeitsplatz festgenommen wurde – die Kinder später eigens nachgeholt werden mussten.

Trude, Jutta und Michael Adam wurden mit weiteren 479 Frauen und Kindern sowie 183 Männern nach Auschwitz deportiert. Dort wurden nur 65 der Frauen (und 153 Männer) zur Zwangsarbeit im Lager aufgenommen, alle anderen ermordete man in den Gaskammern. Das Schicksal der Kinder war besiegelt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die 46-jährige Trude zur Arbeit „selektiert“ wurde. Das bedeutete für die meisten Menschen Vernichtung durch Arbeit, auch für Trude Adam. Das Datum ihres Todes ist nicht bekannt.

Max Adam hat seine Familie nie wiedergesehen. 1944 ging er von Bolivien nach Chile und kehrte 1952, nachdem er die deutsche Staatsbürgerschaft wieder erlangt hatte, nach Berlin zurück. Verarmt und gesundheitlich angeschlagen, versuchte er wieder im kaufmännischen Bereich Fuß zu fassen. Er starb im Juni 1963.

Max‘ ältester Bruder Julius (*1877) war schon 1903 in die USA ausgewandert. Der zweitälteste, Simon (*1882), floh mit seiner Frau Gertrud geb. Besser im Dezember 1938 über Brasilien nach Argentinien. Seine Tochter Margot (*1913) war schon im Juni ausgewandert.

Recherchen/Text: Micaela Haas, Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Quellen:
Gedenkbuch. Bundesarchiv Koblenz, 2006; Gedenkbuch Berlin der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus 1995; Adressbuch Glogau; Berliner Adressbücher; Landesarchiv Berlin über Ancestry; Akten des Landesentschädigungsamtes Berlin; Arolsen Archives; Mapping the Lives (https://www.mappingthelives.org/); https://www.geni.com/people; Gottwaldt/Schulle, Die „Judendeportationen“ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

Stolperstein für Betty Joseph

HIER WOHNTE
BETTY JOSEPH
GEB. PEISER
JG. 1878
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

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Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf

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