Rosa Levin, die „Lotti“ gerufen wurde, hatte nach dem Besuch der Höheren Töchterschule und einer Haushaltsschule in Posen 1910 geheiratet. Das am 19. Februar 1912 in Berlin geborene einzige Kind Vera flüchtete nach Paris, wo sie 1939 von den Franzosen wegen des Vorwurfs der Spionage verhaftet wurde und nach der Freilassung untertauchte. 1946, nach der Befreiung, wanderte Vera in die USA aus, wo sie heiratete und Vera Laroche hieß und in Kalfornien lebte. Als Folge der Verfolgungen war sie nicht arbeitsfähig und musste sich als Kellnerin durchschlagen.
Beide Eltern wurden am 1. November 1941 in einem Zug mit 1033 Menschen vom berüchtigten Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald nach Lodz in Polen deportiert, das von den deutschen Besatzern in Litzmannstadt umbenannt worden war. Am 14. Mai 1942 sind sie im etwa 60 Kilometer entfernten Chelmno/Kulmhof ermordet worden.
Der Treuhänder der Militärregierung in Berlin schrieb 1954 dem Rechtsanwalt der Familie: „Der weitere Verbleib der Genannten ist hier leider nicht festzustellen.“ Noch neun Jahre nach Ende der NS-Diktatur war dieser herzlose Sprachgebrauch in den Behörden üblich.
Text: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf.
Quellen: Aufzeichnungen von Vera Laroche (USA), 1955; Bundesarchiv; Verzeichnis jüdischer Unternehmen in Berlin; Berliner Adressbücher; Eidesstattliche Versicherung von Hermann Militscher, Freund der Familie.