Stolpersteine Hektorstraße 5

Hauseingang Hektorstraße 5

Hauseingang Hektorstraße 5

Diese Stolpersteine wurden am 27. November 2012 verlegt.

Stolperstein Fritz Saalmann

Stolperstein Fritz Saalmann

HIER WOHNTE
FRITZ SAALMANN
JG. 1885
DEPORTIERT 5.9.1942
RIGA
ERMORDET 8.9.1942

Fritz Saalmann wurde am 9. Februar 1885 in Bernburg im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Theodor Saalmann und dessen zweite Ehefrau Selma geborene Simonsohn (*1855), war er das einzige gemeinsame Kind. Aus der ersten Ehe seines Vaters mit Friedericke Saalmann geborene Michels hatte Fritz noch drei ältere Halbbrüder. Walter (*1874) war 11 Jahre, Oskar (*1876) neun Jahre und Hugo (*1880) fünf Jahre älter als er.

Fritz wurde Bankkaufmann von Beruf und war lange Jahre bei der Dresdner Bank als Bankbeamter angestellt. Wann und wo er seine spätere, aus Schroda (Sroda, Polen) stammende Ehefrau, die Buchhalterin Hedwig Bütow (*17. Mai 1877), kennenlernte, ist nicht bekannt. Der 24-jährige Fritz und die 32-jährige Hedwig heirateten am 23. Dezember 1909 in Berlin. Als Trauzeugen waren Fritz’ Halbbruder Oskar und Hedwigs Bruder Ernst anwesend. Fritz wohnte damals in der Georgenkirchstraße 30 in Berlin-Friedrichshain. Die Ehe blieb kinderlos. 1914 wohnte das Ehepaar im Gartenhaus der Sybelstraße 14 in Charlottenburg. Vermutlich nahm Fritz aktiv am Ersten Weltkrieg teil. In den 1920er-Jahren machte er Karriere in der Bank und wurde Bankprokurist. Seine Selma Friederike starb 1927. Laut dem jüdischen Adressbuch von 1931/32 wohnte das Ehepaar Saalmann in der Küstriner Straße 10 (heute Damaschkestraße 22) in Berlin-Wilmersdorf und ab 1933 waren sie in der Hektorstraße 5 gemeldet.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Fritz 48 Jahre und Hedwig 55 Jahre alt. Immer neue Gesetze und Verordnungen machten den Jüdinnen und Juden das Leben täglich schwerer. Fritz wurde 1936 in den Ruhestand versetzt und bezog fortan eine Pension in Höhe von 230 RM von der Dresdner Bank. So ein Leben war für Hedwig nicht mehr lebenswert. Einen Tag vor ihrem 60. Geburtstag, am 16. Mai 1937, nahm sie eine Überdosis des Schlafmittels Veronal und setzte damit ihrem Leben ein Ende. Morgens um 11 Uhr wurde sie tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Fritz wurde mit 52 Jahren Witwer. Er ließ seine Ehefrau auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beisetzen.

Seit ca. 1940 musste Fritz als Hilfsarbeiter in den Textilwerken Hentig in Tempelhof für 16 bis 18 RM die Woche Zwangsarbeit leisten. 1942 heiratete Fritz in zweiter Ehe Bertha, genannt Betty, Posner (*13. Dezember 1884). Die Wohnung in der Hektorstraße mussten sie verlassen. Seit dem 7. Juni 1942 wohnten sie in der Duisburger Straße 6. Fritz war zwar der neue Hauptmieter der Wohnung, musste aber alle vorhandenen Untermieter übernehmen, sodass für Bertha und ihn nur das halbe Zimmer von einer Größe von 3,20 m Länge und 2,20 m Breite blieb.

Schon drei Monate später erhielten sie den Deportationsbefehl in den Osten. Am 27. August 1942 unterschrieb er seine Vermögenserklärung. Vom Güterbahnhof Moabit deportierte die Gestapo sie am 5. September 1942 zusammen mit ca. 800 Leidensgenossinnen und -genossen nach Riga in Lettland, wo sie kurz nach ihrer Ankunft auf dem Bahnhof Riga-Skirotava, am 8. September 1942, in den Wäldern von Rumbala und Bikernieki ermordet wurden. Fritz Saalmann starb mit 57 Jahren. Bertha Saalmann geborene Posner starb mit 58 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 32608, Fritz Saalmann
Stolperstein Berta Feldheim

Stolperstein Berta Feldheim

HIER WOHNTE
BERTA FELDHEIM
GEB. MEYER
JG. 1889
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
10.5.1942

Berta Feldheim wurde als Berta Meyer am 18. Mai 1889 in Würselen im Kreis Aachen in der Rheinprovinz geboren. Ihre Eltern waren Leopold Meyer und dessen Ehefrau Johanna, geborene Voß.

Berta wurde Hausangestellte von Beruf. Ob sie vor ihrer Heirat mit Herrn Feldheim oder nach der Scheidung nach Berlin ging, ist nicht bekannt.
Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kam, war Berta 43 Jahre alt. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war sie in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee gemeldet. Sie arbeitete seit 1939 bei dem in Peckelsheim im Kreis Warburg in Westfalen geborenen Kaufmann Adolf Marienthal (*14. Januar 1874). Seine aus Elberfeld stammende Ehefrau Grete Marienthal (*1. Juli 1882) war am 14. August 1934 gestorben und sein Sohn Werner (*4. Juli 1907) war rechtzeitig nach Großbritannien geflüchtet. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war er in der Sächsischen Straße 14 gemeldet. Ab ca. 1940 wurde er zur Zwangsarbeit verpflichtet und am 20. Januar 1942 musste er zusammen mit seiner zweiten Ehefrau Edith Marienthal geborene Schneider in die Markgraf-Albrecht-Straße 14 zur Untermiete bei der Familie Abraham umziehen.

Auch Berta musste aus der Hektorstraße 5 in die Wielandstraße 6 in Berlin-Charlottenburg zur Untermiete ziehen. Ende März 1942 bekamen die Eheleute Marienthal den Deportationsbefehl in den Osten. Die Gestapo deportierte sie am 2. April 1942 in das Ghetto Warschau, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt ermordet wurden. Ohne Einnahmen war Bertas Existenz bedroht, sodass sie nur noch einen Ausweg, den Freitod, sah. Anfang Mai 1942 erhielt auch sie den Deportationsbefehl. Um der Deportation zu entgehen, nahm sie eine Überdosis Schlafmittel und setzte ihrem Leben am 9. Mai selbst ein Ende. Als sie gefunden wurde, muss sie noch gelebt haben, sodass sie in das Jüdische Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding eingeliefert wurde, wo sie am 10. Mai 1942 nachts um 1 Uhr starb. Sie wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Theodor Delbanco

Stolperstein Theodor Delbanco

HIER WOHNTE
THEODOR DELBANCO
JG. 1889
DEPORTIERT 4.3.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Theodor Delbanco wurde als Moritz John Theodor Heimann am 30. Juni 1889 in Berlin geboren. Seine Eltern, der Kaufmann Julius Heimann (*22. Oktober 1854) und dessen Ehefrau Alice Heimann geborene Delbanco (*2. August 1868), hatten ein Jahr vor seiner Geburt, am 3. März 1888 in Hamburg, der Heimatstadt seiner Mutter, geheiratet. Seine Mutter war damals erst 19 Jahre alt. Sie ging mit ihrem 33-jährigen Ehemann nach der Heirat nach Berlin.

Theodor trat in die Fußstapfen seines Großvaters mütterlicherseits, des Bankiers Isaac Abrahamsohn Delbanco aus Hamburg. Er erlernte, wie er, den Beruf eines Bankkaufmanns.

Am 16. November 1909 ließen sich seine Eltern nach 21 Ehejahren scheiden. Ein Jahr später, am 8. Oktober 1910, heirateten die Beiden erneut. Sieben Jahre später starb Theodors Vater mit 62 Jahren am 15. März 1917. Seine Mutter Alice wurde mit 49 Jahren Witwe. Dem 30-jährigen Theodor wurde am 12. September 1919 die Änderung seines Nachnamens von Heimann zu Delbanco gestattet. Auch seine Mutter nahm ihren Geburtsnamen wieder an und nannte sich fortan Witwe Alice Delbanco geborene Delbanco. Zusammen mit ihrem Sohn Theodor wohnte sie in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee, bis sie am 21. Februar 1929 mit 60 Jahren starb.

Theodor war in den Berliner Adressbüchern bis 1940 immer mit dem Zusatz Bankbeamter zu finden. Schon 1921 wurde im Preußischen Staatsanzeiger veröffentlicht, dass ihm Prokura erteilt wurde. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war er 44 Jahre alt und ledig. Wann er seine Stelle verlor, konnte nicht recherchiert werden. Ab 1940 musste er Zwangsarbeit leisten. Als er am 27. Februar 1943 zur Arbeit ging, ahnte er nicht, dass er niemals zurückkehren würde. An seinem Arbeitsplatz wurde er von der Gestapo festgesetzt und in ein Sammellager gebracht, wo er eine Vermögenserklärung ausfüllen musste. Am 3. März 1943 wurde er zusammen mit Leidensgenossinnen und -genossen in einem Viehwaggon nach Auschwitz deportiert. Er kehrte nicht wieder zurück. Vermutlich war er kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau mit 54 Jahren ermordet worden.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Guste Lechziner

Stolperstein Guste Lechziner

HIER WOHNTE
GUSTE LESCHZINER
GEB. KIWI
JG. 1884
DEPORTIERT 18.10.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 7.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Guste (Gusti) Leschziner geborene Kiwi wurde am 4. April 1884 als Tochter von Moses (Moshe) Kiwi und dessen Frau Röschen geborene Moda in Obornik (Oborniki) in der Nähe von Posen geboren. Das Städtchen hatte rund 2.800 Einwohnerinnen und Einwohner und eine kleine, alteingesessene jüdische Gemeinde von etwa 350 Personen. Es gab eine orthodoxe Synagoge und zwei koschere Gasthäuser mit Fremdenzimmern. Eines davon gehörte Gustes Vater. Wahrscheinlich hatte Guste viele Geschwister. Aufgrund von Namensgleichheiten lässt sich aber zweifelsfrei nur ihr großer Bruder Hermann (* 22. Februar 1879) nachweisen.

Vor 1919 heiratete sie den knapp elf Jahre älteren Kaufmann Eugen Leschziner (* 10. September 1873). Er stammte aus einer kinderreichen Familie aus Königshütte (Chorzów) bei Beuthen (Bytom) in Oberschlesien. Wahrscheinlich war er, ebenso wie Gustes Bruder Hermann, zumindest teilweise in der Säge- und Holzindustrie tätig. Es mag sein, dass sich das Paar auf diesem Wege zusammengefunden hatte. Guste und Eugen Leschziner zogen nach Stettin, wo Eugen wahrscheinlich auch an einem Getreidehandel beteiligt war, und später nach Berlin. Auch hier war Gustes Mann kaufmännisch tätig. Wir wissen nicht, ob das Ehepaar Kinder hatte. Eugen Leschziner starb am 4. September 1938. Zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 wohnte die verwitwete Guste bereits in der Hektorstraße 5. Ihr geschiedener Bruder Hermann, den es ebenfalls nach Berlin verschlagen hatte, lebte im selben Haus.

Die Geschwister wurden bereits mit dem ersten Berliner Deportationszug am 18. Oktober 1941 vom Bahnhof Grunewald in das Ghetto Lodz verschleppt. Sie ertrugen die dortigen unmenschlichen Lebensbedingungen bis zur ersten Maiwoche 1942; dann wurden sie beide – Guste am 7. und Hermann am 8. Mai – in das 80 km entfernte Vernichtungslager Kulmhof deportiert und dort gleich nach der Ankunft in einem Gaswagen ermordet. Guste Leschziner wurde 58 Jahre alt, ihr Bruder Hermann Kiwi 63.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Adressbücher von Berlin und Stettin
  • Amtliche Dokumente und Todesanzeigen über MyHeritage
  • “Allgemeines Lexicon sämtlicher jüdischen Gemeinden Deutschlands” 1884
  • mappingthelives.org
Stolperstein Hermann Kiwi

Stolperstein Hermann Kiwi

HIER WOHNTE
HERMANN KIWI
JG. 1879
DEPORTIERT 18.10.1942
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 8.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Hermann Kiwi wurde am 22. Februar 1879 als Sohn von Moses (Moshe, Moritz) Kiwi und dessen Frau Röschen geborene Moda in Obornik in der Nähe von Posen (heute Oborniki in Polen) geboren, einer Kleinstadt von 2.800 Einwohnern, davon etwa 350 Jüdinnen und Juden. Hermanns Vater besaß hier ein kleines Gasthaus. Wahrscheinlich hatte Hermann mehrere Geschwister; mit Sicherheit wissen wir nur von seiner kleinen Schwester Guste/Gusti (* 4. April 1884).

Hermann absolvierte eine Ausbildung in einem Sägewerk bei einer schlesischen Holz-Aktiengesellschaft. Nach einem Freiwilligenjahr bei einem Regiment in Posen 1899/1900 arbeitete er weitere sieben Jahre bei dieser Firma. 1907 machte er sich dann in Pudewitz (Pobiedziska) nicht weit von seinem Geburtsort mit einem Holzgeschäft mit Sägewerk und Landwirtschaft selbstständig, welches er von einem Verwandten übernommen hatte.

Am 2. Mai 1912 heiratete er Martha Bromberg (* 2. März 1881), Tochter eines Posener Schuhfabrikanten. Seine Firma machte gute Geschäfte mit der Waggonindustrie und mit Eisenbahnwerken und Hermann brachte es zu einigem Wohlstand. Es war nicht festzustellen, ob Hermann und Martha Kinder hatten. 1914 ging Hermann Kiwi als Freiwilliger in den Krieg. Als er zurückkam, konnte er sich mit seinem Geschäft nicht länger in Posen halten, das nun zu Polen gehörte. 1921 zog er mit seiner Frau und eventuellen Kindern nach Berlin und begann, dort wieder einen Holzhandel aufzubauen. Das Geschäftslokal befand sich in der Düsseldorfer Straße 42, die Familienwohnung am Kaiserdamm 16. In der unmittelbaren Nachkriegszeit liefen die Geschäfte nicht gut, dann kam die Inflation, das Einkommen reichte gerade für eine „einigermaßen auskömmliche Existenz“. Das Geschäft wurde in die Weimarer Straße 50 verlegt. Aber noch vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise war Hermann Kiwi insolvent. 1928 stand der Gerichtsvollzieher in der Weimarer Straße vor verschlossener Tür, „unbekannt verzogen“.

Nicht nur Hermanns Firma ging zu Bruch, auch seine Ehe scheint gescheitert zu sein. Schon 1926 verzeichnet das Adressbuch am Kaiserdamm 16 nur „Kiwi, Martha geb. Bromberg, Privatiere“. Hermann wohnte vielleicht bei seinem Holzgeschäft in der Weimarer Straße, spätestens 1928 dann zur Untermiete bei einer Frau Herforth in der Windscheidstraße 13. Als die Industrie- und Handelskammer (IHK) ihn 1929 ausfindig machte und aufforderte, seine Firma zu löschen, da er schon länger keine Geschäfte tätige, sondern als Vertreter arbeite, bat Hermann Kiwi um Aufschub, da dies „infolge der schlechten Wirtschaftslage“ nur vorübergehend der Fall sei. Er stehe im Begriff, wieder zu heiraten, „wodurch dem Unternehmen weiteres Betriebskapital zugeführt werden“ solle. Aber ein Jahr später meldete die IHK: „Die in Aussicht genommene Wiederverheiratung des Kiwi verzögert sich.“ Ob sie je stattfand, wissen wir nicht. 1931 bat Hermann Kiwi um Löschung seiner Firma aus dem Handelsregister.

1937 gründete er eine neue Holzhandlung, wiederum in Wilmersdorf. Das Geschäftslokal befand sich diesmal in der Kaiserallee (heute Bundesallee) 27. 1940 war die Firma aus dem Adressbuch wieder verschwunden, was nicht verwundert, denn inzwischen war es für Juden fast unmöglich geworden, selbstständig zu arbeiten.
Zahlreiche antisemitische Verordnungen des NS-Regimes zielten darauf, Juden vollständig aus dem Berufsleben zu drängen, zusätzlich zu den Bestimmungen, die ihren Alltag bitter einschränkten. Hatten sie Vermögen, so durften sie nur über einen dem Existenzminimum entsprechenden Betrag verfügen. Das Mietrecht für Juden wurde außer Kraft gesetzt, oftmals wurden sie genötigt, ihre Wohnungen aufzugeben. Zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 wohnte Hermann Kiwi bereits in der Hektorstraße 5, wahrscheinlich zur Untermiete. Seine Schwester Guste, verwitwete Leschziner, die es ebenfalls nach Berlin verschlagen hatte, wohnte im selben Haus.
Die Geschwister wurden bereits mit dem ersten Berliner Deportationszug am 18. Oktober 1941 vom Gleis 17 am Bahnhof Grunewald in das Ghetto Łódź verschleppt. Dort sahen sie sich völlig unmenschlichen Lebensbedingungen ausgesetzt, an denen viele Ghettobewohner starben. Hermann und Guste überlebten bis zur ersten Maiwoche 1942; dann wurden sie beide – Guste am 7. und Hermann am 8. Mai – weiter in das 80 km entfernte Vernichtungslager Kulmhof deportiert und dort gleich nach der Ankunft in einem Gaswagen ermordet. Hermann Kiwi wurde 63 Jahre alt, seine Schwester Guste 58.

Hermanns Ex-Frau Marthe, die im Mai 1939 in der Wielandstraße 30 gewohnt hatte, wurde gezwungen, in die Krausnickstraße 13 umzuziehen. Von dort wurde sie Ende August 1942 abgeholt, in die als Sammellager missbrauchte Synagoge in der Levetzowstraße 7/8 gebracht und am 5. September 1942 vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße mit 795 anderen Leidensgenossinnen nach Riga deportiert. Ziel war angeblich das Rigaer Ghetto, dorthin gelangte jedoch nur das Gepäck der Deportierten. Die Menschen selbst wurden, bis auf 80 zur Zwangsarbeit ausgesuchte Männer, nach der dreitägigen Reise sofort in den umliegenden Wäldern erschossen. Auch Martha Kiwi wurde am 8. September 1942 ermordet. Für sie wurde ein Stolperstein in der Wielandstraße 30 verlegt.

Recherche und Text: Dr. Micaela Haas, Christine Wunnicke

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch des Bundes
  • Posener und Berliner Adressbücher
  • Landesarchiv Berlin, Handelsregisterakten
  • Amtliche Dokumente über MyHeritage
  • “Allgemeines Lexicon sämtlicher jüdischen Gemeinden Deutschlands” 1884
  • mappingthelives.org
Stolperstein Hedwig Kuttner

Stolperstein Hedwig Kuttner

HIER WOHNTE
HEDWIG KUTTNER
GEB. BRANDT
JG. 1886
DEPORTIERT 13.6.1942
ERMORDET IN
SOBIBOR

Hedwig Kuttner wurde als Hedwig Brandt am 7. Mai 1886 in Neustadt an der Warthe (Nowe Miasto nad Wartą, Polen) geboren. Für ihre Eltern Wilhelm Brandt (*1847) und dessen Ehefrau Bertha, geborene Michel (*1849) war sie das jüngste von insgesamt sieben Kindern. Ihre Schwester Martha (*1874) war zwölf Jahre, Regina (*1877) neun Jahre und Malwine (*1879), genannt Mimi, sieben Jahre älter als sie. Ihr Bruder Martin (*2. August 1881) war fünf Jahre älter, Salomon (*1882), genannt Sally, vier Jahre älter und Richard (*1884) zwei Jahre älter.

Ihr Vater starb 1913 mit 66 Jahren. Zwei Jahre später starb auch ihre Mutter, am 25. Februar 1915, mit 65 Jahren. Die 29-jährige Hedwig war nach dem Tod ihrer Mutter ziemlich allein in Posen. Hedwigs Bruder Sally und ihr Schwager Georg Eisenstädt, Ehemann ihrer ältesten Schwester Martha, nahmen aktiv am Ersten Weltkrieg teil.

Nach dem Krieg gingen ihre Brüder Martin und Sally nach Berlin. Vermutlich ging sie mit ihnen und führte ihnen den Haushalt. Ihre drei älteren Schwestern waren zum Zeitpunkt des Todes der Mutter 1915 schon alle verheiratet.

Wann und wo Hedwig ihren späteren Ehemann, den aus Neutomischel (Nowy Tomysl, Polen) stammenden Kaufmann Julius Kuttner (*18. Juni 1868), kennenlernte, ist nicht bekannt. Julius war in erster Ehe mit Margarete Bornstein (*1870) verheiratet gewesen, die er am 28. April 1897 geheiratet hatte. Die Ehe wurde 1909 geschieden. Am 6. Februar 1911 heiratete er in 2. Ehe Eugenie Xenia Boas, mit der er zwei Kinder hatte, Gary (*1. November 1911) und Eva Rose (*18. Oktober 1918). 1925 starb seine zweite Ehefrau und er wurde mit 57 Jahren Witwer. Sein Sohn Gary war damals 14 Jahre und Eva Rose erst 7 Jahre alt. Die 42-jährge Hedwig und der 60-jährige Julius heirateten am 6. November 1928 und wohnten dann in der Konstanzer Straße 50 in Berlin-Wilmersdorf. Hedwigs Bruder, der Generalagent Sally, war als Trauzeuge anwesend. Am 1. September 1933 wanderte Eva Rose zusammen mit ihrem Bruder Gary nach Frankreich aus. Die Ehe von Hedwig und Julius hielt keine sieben Jahre und wurde durch ein am 25. Februar 1935 rechtskräftig gewordenes Urteil des Landgerichts Berlin geschieden. Am 5. August 1935 heiratete Julius in vierter Ehe Johanna Simon, geborene Lehr. Zwei Jahre später, am 28. Juli 1937, starb er mit 69 Jahren.

Vermutlich zog Hedwig nach der Scheidung 1935 in die Hektorstraße 5, wo sie bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 auch noch gemeldet war. Ab 1940 wird sie Zwangsarbeit geleistet haben und in die Mommsenstraße 26 zur Untermiete bei Julius und Louisa Baum im 1. Stock des Hinterhauses gezogen sein. Am 13. Juni 1942 wurde sie zusammen mit Martha Knapp, die zur Untermiete im Parterre des Hinterhauses wohnte, mit dem 15. Osttransport in das Konzentrationslager Majdanek und später in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie ermordet wurde. Hedwig starb mit 56 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Margarete Kapauner

Stolperstein Margarete Kapauner

HIER WOHNTE
MARGARETE
KAPAUNER
JG. 1888
DEPORTIERT 13.6.1942
ERMORDET IN
SOBIBOR

Margarete Kapauner kam am Vormittag des 31. Juli 1888 in der elterlichen Wohnung in der Schwedeldorferstraße im schlesischen Glatz zur Welt. Glatz (heute Kłodzko in Polen) war eine Mittelstadt mit rund 60.000 Einwohnern, etwa 80 km südlich von Breslau. Margaretes Vater war der Kaufmann Adolf Kapauner (*1858), ihre Mutter hieß Luise, geborene Cohn (*1861).

Ein Jahr zuvor hatte das Ehepaar ihr erstes Kind bekommen, Margaretes großen Bruder Hermann. Kurz nach Margaretes Geburt zog die Familie nach Landsberg an der Warthe in Oberschlesien (heute Gorzów Wielkopolski in Polen) in die Wollstr. 66. Adolf Kapauner hatte hier schon vor einigen Jahren eine Süßwarenfabrik übernommen. Das 1861 gegründete Unternehmen firmierte weiterhin unter dem ursprünglichen Namen “Gebrüder Müller”. Herr Kapauner stellte hier Bonbons, Konfekt, Schokoladen und Konfitüren her. Spezialität der Fabrik waren Süßigkeiten für Ostern und Weihnachten.
In Landsberg bekamen die Kapauners noch zwei Kinder, Gertrud (*1890) und Betty, die 1900 einen Tag nach ihrer Geburt starb.

Margarete arbeitete als Buchhalterin in der väterlichen Bonbonfabrik. Sie blieb unverheiratet. Ihr Bruder Hermann hatte 1919 Martha Liebert geheiratet. Dieses Ehepaar, das 1922 eine Tochter namens Hanna bekam, blieb ebenso wie Margarete vorerst in Landsberg an der Warthe.

Margaretes Schwester Gertrud nahm als Rotkreuzschwester am Ersten Weltkrieg teil. Nach ihrer Heirat 1921 zog sie mit ihrem Mann, dem Prokuristen Paul Pincus, nach Berlin. Dort arbeitete sie als Fürsorgerin im Jugendamt Prenzlauer Berg und engagierte sich für eine fortschrittliche, musisch ausgerichtete Pädagogik. Später in den 1930er-Jahren, nach dem Tod des Vaters 1931, zogen Margarete Kapauner, ihre verwitwete Mutter Luise sowie ihr Bruder Hermann mit Ehefrau Marthe und Tochter Hanna ebenfalls nach Berlin.

Zum Zeitpunkt der “Minderheiten-Volkszählung” im Mai 1939 lebte Margarete in der Hektorstraße 5 in Wilmersdorf, ihre 78-jährige Mutter Luise im jüdischen Altersheim “Heim Taunus” in Grunewald. Ihre Nichte erinnerte sich später, dass Margarete als Haushaltshilfe arbeiten musste, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Margaretes Bruder Hermann emigrierte mit Frau und Tochter 1939 in die Vereinigten Staaten und lebte dort in Florida. Ihre Schwester Gertrud hatte ebenfalls um eine Emigration gekämpft, war aber gescheitert. Ihr und ihrem Mann gelang nur, ihre fünfzehnjährige Tochter Suse allein nach Schweden zu schicken. Über Margarete Kapauners eigene Emigrationspläne ist nichts bekannt, es ist aber anzunehmen, dass die ganze Familie versucht hatte, in die USA zu Bruder Hermann und seiner Familie zu fliehen.

Einen Monat vor ihrem 54. Geburtstag, am 13. Juni 1942, wurde Margarete Kapauner mit dem “15. Osttransport” von Berlin in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet. Ihr genaues Todesdatum ist unbekannt. Ihre Mutter Luise Kapauner geborene Cohn war in das jüdische Altersheim in der Gerlachstraße 18-21 umgesiedelt worden. Von dort deportierte man sie am 17. August 1942 ins Ghetto Theresienstadt, wo sie am 28. Oktober mit 81 Jahren starb.

Margaretes Schwester Gertrud Pincus und ihr Mann Paul waren bereits am 27. November 1941 nach Riga deportiert und dort in den Wäldern am Stadtrand erschossen worden. Für das Ehepaar Pincus sind in der Windscheidstr. 8 in Charlottenburg Stolpersteine verlegt.

Quellen:
  • Yad Vashem
  • Gedenkbuch
  • MyHeritage
  • Geburts- und Sterbeurkunden über gen.scatteredmind.co.uk
  • Adressbuch Landsberg an der Warthe
  • Adressbücher Berlin
  • Vermögenserklärung Luise Kapauner
  • mappingthelives.org
Stolperstein Siegfried Jablonski

Stolperstein Siegfried Jablonski

HIER WOHNTE
SIEGFRIED
JABLONSKI
JG. 1874
DEPORTIERT 15.12.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Siegfried Jablonski wurde am 28. Juli 1874 in Pleschen (Plescew, Polen), etwa 80 Kilometer südsüdöstlich von Posen und 35 Kilometer nordöstlich von Krotoschin (Krotoszyn, Polen), geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Markus Jablonski (*1838) und dessen Ehefrau Rosalie geborene Levy (*1844), war er der älteste von insgesamt zwei Kindern. Bei der Geburt seiner Schwester Nathalie Rosalie am 7. März 1877 starb seine Mutter, als er drei Jahre alt war. Seine Schwester Nathalie Rosalie starb kurze Zeit später, am 24. März 1877. Aus der zweiten Ehe seines Vaters am 13. August 1878 mit Rosalies Schwester Lina, genannt Lenchen, (*8. Februar 1854) aus Krotochin hatte Siegfried noch vier Halbgeschwister: Regina (1880-1882), Hugo (*12. März 1881), Martha (1. Januar 1889) und Ella (5. September 1892).

1893, als er 19 Jahre alt war, starb auch sein Vater. Siegfried studierte in Breslau und Freiburg im Breisgau Pharmazie und beendete das Studium mit der Promotion. Zurück in Breslau gründete er die Engel Apotheke mit einem pharmazeutischen Laboratorium. Am 9. Februar 1905 heiratete er die 21-jährige Eva Wolff (*31. Januar 1884). Als Trauzeugen waren sein Vormund, der 65-jährige Kaufmann Bernhard Süßmann, und Evas Vater, der Kaufmann Bernhard Wolff, anwesend. Siegfried und Eva wurden am 13. Juni 1906 Eltern eines Sohnes, den sie Gerhard nannten.

Sein Halbbruder Hugo studierte Pharmazie in Erlangen. In seiner Heiratsurkunde vom 13. April 1913 war er als Apothekenbesitzer ausgewiesen. Er heiratete Irma Seidemann (*19. Januar 1890) in Cosel. Er war Inhaber der Kronen Apotheke in Frankfurt an der Oder. Im jüdischen Adressbuch von 1931/32 wurde das Paar in der Knesebeckstraße 75 in Berlin-Charlottenburg geführt.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Siegfried 58 Jahre alt und lebte mit seiner Ehefrau in Breslau. Er betrieb weiterhin die Engel Apotheke in der Scheitniger Straße 28. Sein Sohn Gerhard hatte als Lehrling in Betrieben, die mit dem Lebensmittelgroßhandel seines Großvaters verbunden waren, gearbeitet. Denn Wilhelm Wolff hatte in seinem Testament verfügt, dass sein Enkel mit 27 Jahren Teilhaber des Unternehmens werden sollte, was ab 1933 nicht mehr möglich war. So wurde Gerhard zusammen mit einem Franzosen Teilhaber eines Kaffeeimporteurs in Hamburg. Außerdem war Gerhard ein begabter Oboist, der mit Orchestern auftrat und bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen in ganz Deutschland spielte.

Am 12. November 1936 heiratete ihr Sohn Gerhard, die aus Köln stammende Fotografin Gerda Jeanette Charlotte Gottschalk (*1. April 1910), in Köln. Ende 1937 musste Gerhard als Teilhaber des Kaffeeimporteurs aussteigen, da die Bank keine Geschäfte mehr mit jüdischen Partnern machen wollte. Das junge Paar entschloss sich, daraufhin in die USA auszuwandern. Hierfür benötigte er eine Eidesstattliche Erklärung einer Person in den USA. Im Telefonbuch von New York City suchte er nach Personen mit dem Namen Jablon/Yablon. Er schrieb etwa 100 Briefe und fragte an, ob jemand von ihnen als Bürge in Frage käme. Glücklicherweise meldete sich Phillip Yablon und gab sich als sein Cousin aus. Er reichte die erforderliche eidesstattliche Erklärung ein.

1938 wurde vermutlich die Engel Apotheke „arisiert“, da ein Jude keine Apotheke mehr führen oder besitzen durfte. Siegfried und Eva gingen daraufhin nach Berlin. Im Berliner Adressbuch von 1939 waren sie das erste Mal in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee zu finden und auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ dort gemeldet.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch ihr Sohn Gerhard von der Gestapo festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er unter harter Zwangsarbeit und Hunger litt. Nach sechs Wochen Lageraufenthalt, gelang es ihm, sich unter der Auflage Deutschland, so schnell wie möglich, zu verlassen, frei zu kaufen. Nach der Entlassung besuchte er seine Eltern, wie sich später herausstellte, ein letztes Mal. Er floh nach Großbritannien, wo ihn seine Ehefrau schon erwartete. Von dort aus emigrierten sie am 1. April 1940 in die USA, wo sich Gerhard „Gerald Jablon“ nannte. 1942 und 1944 wurden sie Eltern einer Tochter und eines Sohnes. Ihre Enkelkinder lernten Siegfried und Eva nie kennen. Sie zogen am 1. April 1941 als „Rentner“ in die Brandenburgische Straße 38 in Berlin-Wilmersdorf. Finanzielle Probleme hatten sie nicht, die Ausgrenzung von Juden in der damaligen Zeit wird ihnen zu schaffen gemacht haben.

Sein Bruder Hugo und dessen Ehefrau Irma gehörten zu den ersten in Berlin, die in den Osten deportiert wurden. Sie waren am 1. November 1934 in die Geisbergstraße 29 in Berlin-Schöneberg gezogen, von wo sie Mitte Oktober 1941 aufgefordert wurden, sich in die Sammelstelle in der Levetzowstraße 7/8 in der umfunktionierten Synagoge einzufinden. Hier unterschrieben sie am 22.Oktober 1941 ihre Vermögenserklärung. Am 27. Oktober 1941 transportierte sie die Gestapo in das Ghetto Litzmannstadt (Lodz, Polen), wo Irma schon am 18. Dezember 1941 und Hugo am 11. Januar 1942 aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen starben.

Im Oktober 1941 erließ das NS-Regime ein umfassendes Ausreiseverbot für Juden aus dem Deutschen Reich, damit saßen Siegfried und Eva in der Falle. Mehr als ein Jahr später bekamen sie Anfang Dezember 1942 den Deportationsbefehl. Sie hatten sich in der Sammelstelle Gerlachstraße 18-21, einem ehemaligen jüdischen Altersheim, in Berlin-Mitte einzufinden, um dort ihre Vermögenserklärung auszufüllen, die sie am 7. und 8. Dezember doppelt ausfüllten und unterschrieben. Am 15. Dezember 1942 deportierte die Gestapo sie vom Anhalter Bahnhof in das Altersghetto in Theresienstadt. Hier überlebten sie trotz menschenunwürdiger Lebensbedingungen fast zwei Jahre, um dann am 28. Oktober 1944 von Theresienstadt mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert zu werden, wo sie kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Siegfried Jablonski starb mit 70 Jahren und Eva Jablonski geborene Wolff mit 60 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Holocaust remembered, Memory, April 12, 2023, Survivor Gerald Jablon
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 16.600 Dr. Siegfried Jablonski und Eva Jablonski, Reg. 36A (II) 16.591, Hugo Jablonski
Stolperstein Eva Jablonski

Stolperstein Eva Jablonski

HIER WOHNTE
EVA JABLONSKI
GEB. WOLFF
JG. 1884
DEPORTIERT 15.12.1942
THERESIENSTADT
1944 AUSCHWITZ
ERMORDET

Eva Jablonski wurde als Eva Wolff am 31. Januar 1884 in Breslau in Niederschlesien (Wrocław, Polen) geboren. Sie war das einzige Kind des Kaufmanns Wilhelm Wolff und dessen Ehefrau Bertha geborene Matzdorff.

Wann und wo Eva ihren späteren Ehemann, den Apotheker und Dr. der Pharmazie Siegfried Jablonski (*28. Juli 1874), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 21-jährige Eva und der 30-jährige Siegfried heirateten am 9. Februar 1905 in Breslau. Dort wurden sie am 13. Juni 1906 Eltern eines Sohnes, den sie Gerhard nannten.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Eva 49 Jahre alt und lebte mit ihrer Familie in Breslau, wo ihr Ehemann Besitzer der Engel Apotheke und eines pharmazeutischen Laboratoriums in der Scheitniger Straße 28 war.

Ihr Sohn Gerhard hatte als Lehrling in Betrieben, die mit dem Lebensmittelgroßhandel ihres Vaters verbunden waren, gearbeitet. Denn Wilhelm Wolff, sein Großvater, hatte in seinem Testament verfügt, dass sein Enkel mit 27 Jahren Teilhaber des Unternehmens werden sollte, was ab 1933 nicht mehr möglich war. So wurde Gerhard zusammen mit einem Franzosen Teilhaber eines Kaffeeimporteurs in Hamburg. Außerdem war Gerhard ein begabter Oboist, der mit Orchestern auftrat und bei Hochzeiten und anderen Veranstaltungen in ganz Deutschland spielte.

Am 12. November 1936 heiratete Gerhard, die aus Köln stammende Fotografin Gerda Jeanette Charlotte Gottschalk (*1. April 1910), in Köln. Ende 1937 musste er als Teilhaber des Kaffeeimporteurs aussteigen, da die Bank keine Geschäfte mehr mit jüdischen Partnern machen wollte. Das junge Paar entschloss sich, daraufhin in die USA auszuwandern. Hierfür benötigten sie eine Eidesstattliche Erklärung einer Person in den USA. Im Telefonbuch von New York City suchte Gerhard nach Personen mit dem Namen Jablon/Yablon. Er schrieb etwa 100 Briefe und fragte an, ob jemand von ihnen als Bürge in Frage käme. Glücklicherweise meldete sich Phillip Yablon und gab sich als sein Cousin aus. Er reichte die erforderliche eidesstattliche Erklärung ein.

1938 wurde vermutlich die Engel Apotheke „arisiert“, da ein Jude keine Apotheke mehr führen oder besitzen durfte. Eva und Siegfried gingen daraufhin nach Berlin. Im Berliner Adressbuch von 1939 waren sie das erste Mal in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee zu finden und auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ dort gemeldet.

In der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch ihr Sohn Gerhard von der Gestapo festgenommen und in das Konzentrationslager Sachsenhausen gebracht, wo er unter harter Zwangsarbeit und Hunger litt. Nach sechs Wochen Lageraufenthalt, gelang es ihm, sich unter der Auflage Deutschland, so schnell wie möglich, zu verlassen, frei zu kaufen. Nach der Entlassung besuchte er seine Eltern, wie sich später herausstellte, ein letztes Mal. Er floh nach Großbritannien, wo ihn seine Ehefrau schon erwartete. Von dort aus emigrierten sie am 1. April 1940 in die USA, wo sich Gerhard „Gerald Jablon“ nannte. 1942 und 1944 wurden sie Eltern einer Tochter und eines Sohnes. Ihre Enkelkinder lernten Siegfried und Eva nie kennen. Sie zogen am 1. April 1941 als „Rentner“ in die Brandenburgische Straße 38 in Berlin-Wilmersdorf. Finanzielle Probleme hatten sie nicht, die Ausgrenzung von Juden in der damaligen Zeit wird ihnen zu schaffen gemacht haben.

Im Oktober 1941 erließ das NS-Regime ein umfassendes Ausreiseverbot für Juden aus dem Deutschen Reich, damit saßen Eva und Siegfried in der Falle. Mehr als ein Jahr später bekamen sie Anfang Dezember 1942 den Deportationsbefehl. Sie hatten sich in der Sammelstelle Gerlachstraße 18-21, einem ehemaligen jüdischen Altersheim, in Berlin-Mitte einzufinden, um dort ihre Vermögenserklärung auszufüllen, die sie am 7. und 8. Dezember doppelt ausfüllten und unterschrieben. Am 15. Dezember 1942 deportierte die Gestapo sie vom Anhalter Bahnhof in das Altersghetto in Theresienstadt. Hier überlebten sie trotz menschenunwürdiger Lebensbedingungen fast zwei Jahre, um dann am 28. Oktober 1944 von Theresienstadt mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz deportiert zu werden, wo sie kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurden. Eva Jablonski geborene Wolff starb mit 60 Jahren und Siegfried Jablonski mit 70 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Holocaust remembered, Memory, April 12, 2023, Survivor Gerald Jablon
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 16.600 Dr. Siegfried Jablonski und Eva Jablonski
Stolperstein Johanna Goldschmidt

Stolperstein Johanna Goldschmidt

HIER WOHNTE
JOHANNA
GOLDSCHMIDT
GEB. GUTKIND
JG. 1889
DEPORTIERT 26.10.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Johanna Goldschmidt wurde als Johanna Gutkind am 12. November 1889 in der Meyerbeerstraße 6 in Berlin geboren. Für ihre Eltern, den aus Pommern stammenden Kaufmann Gustav Gutkind (*5. Januar 1860) und dessen aus Potsdam stammende Ehefrau Hanna, genannt Hedwig, geborene Marcuse (*1861), war sie das jüngere von insgesamt zwei Kindern. Sie erhielt ihren Vornamen nach ihrer Großmutter Johanna Marcuse geborene Ehrlich. Ihr Bruder Max Georg (*25. Mai 1887) war zwei Jahre älter als sie. Als Johanna 12 Jahre alt war, starb ihre Mutter mit 40 Jahren. Ihr Vater heiratete vermutlich 1905 Jenny Mendel (*11. Oktober 1867), mit der er 1906 noch eine Tochter, Annemarie (*30. Oktober 1906), in Berlin bekam.

Johanna wurde Büroassistentin von Beruf. Ihr Bruder Max heiratete 1924 Johanna Pulvermann (*11. Februar 1888) im Standesamt Charlottenburg. Sieben Jahre später heiratete auch sie. Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Leo Goldschmidt, kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 21. Mai 1931. Leo war damals 49 Jahre und Johanna 41 Jahre alt. Als Trauzeugen war der 71-jährige Gustav, Johannas Vater, und der 43-jährige Max Gutkind, ihr Bruder, anwesend. Johanna wohnte damals in der Wielandstraße 6 in Berlin-Charlottenburg. Ihr Vater wohnte zu dem Zeitpunkt schon mit seiner zweiten Familie in Naumburg an der Saale in Sachsen-Anhalt.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Johanna 43 Jahre alt. Vermutlich zog sie 1935 zusammen mit ihrem Ehemann in die Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee, denn 1936 sind sie zum ersten Mal dort im Berliner Adressbuch zu finden. Auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren sie in der Hektorstraße 5 gemeldet. Ihrem Bruder Max gelang es 1939, zusammen mit seiner Ehefrau Johanna nach Shanghai zu flüchten.

1940 weist das Berliner Adressbuch Leo mit dem Zwangsnamen Israel aus. 1941 sind die Eheleute Goldschmidt nicht mehr in der Hektorstraße 5 gemeldet. Demnach müssen sie zu diesem Zeitpunkt schon in der Trautenaustraße 20 in Berlin-Wilmersdorf zur Untermiete gewohnt haben.

Mitte Oktober 1942 bekamen die Goldschmidts den Deportationsbefehl und mussten sich in der zur Sammelstelle umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße 7/8 einfinden. Am 26. Oktober 1942 wurden sie vom Güterbahnhof Moabit mit dem 22. Osttransport zusammen mit ca. 800 Leidensgenossen und -genossinnen, darunter 204 Angestellte der jüdischen Gemeinde, nach Riga deportiert. Kurz nach ihrer Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden sie in den Wäldern von Rumbala ermordet. Johanna Goldschmidt geborene Gutkind starb mit 52 Jahren und Leo Gutschmidt starb mit 60 Jahren.

Johannas Halbschwester Annemarie wurde am 1. Juni 1942 von Kassel aus in das Vernichtungslager Sobibor deportiert, wo sie am 3. Juni 1942 ermordet wurde.

Ihr Bruder Max starb am 9. August 1943 in Shanghai. Seine Witwe überlebte und ging nach dem Krieg in die USA.

Johannas Vater Gustav und seine zweite Ehefrau Jenny wurden am 29. März 1943 von Dresden nach Theresienstadt deportiert, wo Gustav Gutkind am 17. April 1943 mit 83 Jahren starb. Jenny Gutkind wurde am 5. Februar 1945 von Theresienstadt in die Schweiz transportiert und gerettet. Sie starb mit 93 Jahren am 16. Februar 1960.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Leo Goldschmidt

Stolperstein Leo Goldschmidt

HIER WOHNTE
LEO GOLDSCHMIDT
JG. 1881
DEPORTIERT 26.20.1942
RIGA
ERMORDET 29.10.1942

Leo Goldschmidt wurde am 17. Dezember 1881 in Gostyn (Gostyń, Polen) geboren und wurde Kaufmann von Beruf.

Wann und wo er seine spätere Ehefrau Johanna Gutkind (*12. November 1889) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 21. Mai 1931. Leo war damals 49 Jahre und Johanna 41 Jahre alt. Als Trauzeugen war der 71jährige Gustav, Johannas Vater, und der 43jährige Max Gutkind, ihr Bruder, anwesend.

Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, war Leo 51 Jahre alt. Vermutlich zog er 1935 zusammen mit seiner Ehefrau in die Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee, denn 1936 ist er zum ersten Mal dort im Berliner Adressbuch zu finden. Auch bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die Eheleute in der Hektorstraße 5 gemeldet.

1940 weist das Berliner Adressbuch Leo mit dem Zwangsnamen Israel aus. 1941 ist das Ehepaar nicht mehr in der Hektorstraße 5 gemeldet. Demnach müssen sie zu diesem Zeitpunkt schon in der Trautenaustraße 20 in Berlin-Wilmersdorf zur Untermiete gewohnt haben.

Mitte Oktober 1942 bekamen die Goldschmidts den Deportationsbefehl und mussten sich in der zur Sammelstelle umfunktionierten Synagoge in der Levetzowstraße einfinden. Am 26. Oktober 1942 wurden sie vom Güterbahnhof Moabit mit dem 22. Osttransport zusammen mit ca. 800 Leidensgenossen und -genossinnen, darunter 204 Angestellte der jüdischen Gemeinde, nach Riga deportiert. Kurz nach ihrer Ankunft am 29. Oktober 1942 wurden sie in den Wäldern von Rumbala ermordet. Leo Gutschmidt starb mit 60 Jahren und Johanna Goldschmidt geborene Gutkind mit 52 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Charlotte Edel

Stolperstein Charlotte Edel

HIER WOHNTE
CHARLOTTE EDEL
GEB. BRILLES
JG. 1887
DEPORTIERT 27.11.1941
RIGA
ERMORDET 30.11.1941

Charlotte Edel wurde als Charlotte Rebekka Brilles am 25. September 1887 in Frankfurt an der Oder geboren. Für ihre Eltern, den aus Treptow an der Rega in Pommern (Trzebiatów, Polen) stammenden Kaufmann Edmund Brilles (1847-1920) und dessen Ehefrau Sophie geborene Edel (1859), war sie die jüngste Tochter von insgesamt drei Töchtern. Ihre Schwester Elise ( 5. August 1882) war fünf Jahre und Gertrud Berta (*9. April 1884) drei Jahre älter als sie.

Wann und wo Charlotte ihren späteren Ehemann, den aus Flatow im Kreis Flatow (Złotów Polen) stammenden Handlungsgehilfen Felix Edel (*21. August 1881), kennenlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich war er ihr Cousin, denn auch Charlottes Mutter war eine geborene Edel. Die 25-jährige Charlotte und der 31-jährige Felix heirateten am 22. Mai 1913 in Berlin. Als Trauzeugen waren Charlottes Vater Edmund und Felix Bruder Hugo anwesend. Charlottes Familie wohnte damals schon in Charlottenburg.

Am 10. Januar 1915 wurden sie Eltern einer Tochter, die sie Inge Margot Eva Johanna nannten. Vermutlich nahm Felix Edel am Ersten Weltkrieg teil. 13 Jahre nach dem Krieg starb der kaufmännische Angestellte Felix Edel am 25. Mai 1931 mit erst 49 Jahren.
Die Familie wohnte damals schon in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee. Charlotte wurde mit 43 Jahren Witwe und ihre Tochter mit 16 Jahren Halbwaise.

Inge wurde Verkäuferin von Beruf und heiratete mit 21 Jahren am 8. Februar 1936 den 25-jährigen technischen Kaufmann Louis Lewin Lewissohn (*18. Januar 1911) aus der Pariser Straße 3 in Berlin-Wilmersdorf. Wo die beiden den Holocaust überlebten, konnte nicht recherchiert werden. Seit den 1950er Jahren lebten sie in den USA.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ im Mai 1939 wohnte Charlotte zusammen mit der Untermieterin Dorothea Bloch geborener Silberfeld im 4. Stock des Hinterhauses der Hektorstraße 5. Mitte November erhielt sie den Deportationsbefehl in den Osten. Es war bereits der „7. Osttransport“ aus Berlin. Der Zug fuhr am 27. November 1941 vom Bahnhof Grunewald ab. Das Ziel wurde den Deportierten verheimlicht, es war die lettische Hauptstadt Riga. Kurz nach ihrer dortigen Ankunft, am 30. November 1941, wurden sie in die Wälder in Rumbula getrieben und dort ohne Ausnahme ermordet. Charlotte Edel geborene Brilles starb mit 54 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Dorothea Bloch

Stolperstein Dorothea Bloch

HIER WOHNTE
DOROTHEA BLOCH
GEB. SILBERFELD
JG. 1902
DEPORTIERT 28.6.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Dorothea Bloch wurde als Dorothea Silberfeld am 25. Mai 1902 in Beuthen in Schlesien (Bytom, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann und Goldarbeiter Georg Silberfeld (*16. September 1862) und dessen Ehefrau Sara geborene Hendelsohn (*1875), war sie das jüngste Kind von insgesamt drei Kindern. Ihr Bruder Fritz (*5. Januar 1897) war fünf Jahre und Ludwig (*20. Mai 1899) drei Jahre älter als sie. Ihre Mutter starb schon mit 40 Jahren am 25. Oktober 1915, als Dorothea 13 Jahre alt war. Die Familie wohnte zu der Zeit in Breslau, wo der Vater eine Uhrenhandlung betrieb.

Wann und wo Dorothea ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Adolf Bloch, kennenlernte, ist nicht bekannt. Vermutlich lebten sie in Breslau, wo Adolf früh starb oder ohne sie 1936 nach Palästina auswanderte. Dorotheas ältester Bruder Fritz wohnte mit seiner Ehefrau Hedwig (*1899) in Breslau. Er war Radiohändler von Beruf. Weil er Jude war, wurde er am 15. Juni 1938 verhaftet und bis zum 1. November 1938 im Gefängnis festgehalten. Ihrem Bruder Ludwig gelang Anfang 1939 die Flucht nach Großbritannien. Vermutlich ging Dorothea zu diesem Zeitpunkt nach Berlin.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Dorothea bei Charlotte Edel zur Untermiete im 4. Stock des Hinterhauses in der Hektorstraße 5 in Berlin-Halensee gemeldet. Charlotte Edel war eine der ersten, die schon im November 1941 nach Riga deportiert und ermordet wurde. Anfang 1942 musste Dorothea deshalb die Wohnung in der Hektorstraße 5 verlassen. Sie zog am 1. Februar 1942 zu Selma Ida Marcus geborene Hirschberg (*22. Mai 1857) zur Untermiete in ein möbliertes Zimmer in die Humboldtstraße 41 in Berlin-Grunewald. Dorothea arbeitete bei der 85-jährigen Frau Markus als Pflegerin.

Erst Ende Mai 1943 bekam Dorothea den Deportationsbefehl. Im Sammellager Große Hamburger Straße 26 unterschrieb sie am 30. Mai 1943 die Vermögenserklärung. Am 19. Juni 1943 erklärte Joseph Goebbels Berlin für „judenfrei“. Zu dieser Zeit wartete Dorothea Bloch auf ihren Transport. Zusammen mit 342 Leidensgenossinnen und -genossen wurde sie am 28. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Dorothea Bloch geborene Silberfeld starb mit 41 Jahren.

Selma Ida Markus deportierte die Gestapo am 16. Juni 1943 in das Altersghetto Theresienstadt, wo sie am 11. August 1943 mit 86 Jahren starb.
Dorotheas Brüder Fritz und Ludwig überlebten den Holocaust. Ihr ältester Bruder Fritz und Hedwig Silberfeld wohnten 1946 in Meggen (Lenne) und emigrierten 1949 in die USA.

Recherche und Text: Gundula Meiering, März 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch
  • Mapping the lives
  • Berliner Adressbücher
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 3746, Dorothea Bloch
Stolperstein Max Cronheim

Stolperstein Max Cronheim

HIER WOHNTE
MAX CRONHEIM
JG. 1870
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 15.4.1943

Max Cronheim wurde am 30. Dezember 1870 in Berlin geboren. Sein Vater Isidor (1832-1914) und seine Mutter Nanette geborene Silberstein (1837-1896) stammten beide aus Pommern. Max hatte vier Brüder – Sally, Leopold, Gustav und Ludwig – und zwei Schwestern – Martha und Gertrud. Er war das zweitjüngste Kind der Familie.

Max Cronheim war Kaufmann und arbeitete als Handelsvertreter. 1902 heiratete er in Berlin die drei Jahre jüngere Pauline Levy, die aus Sachsen-Anhalt stammte. Ein Jahr später, am 23. Januar 1903, bekam das Ehepaar eine Tochter, Elvira.

Die Familie wohnte in der Hektorstraße 5/6 in Berlin-Halensee. Am 11. Juni 1934 starb Max’ Frau Pauline mit 61 Jahren. Sie wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt.

Tochter Elvira, die zu dem Zeitpunkt noch unverheiratet war, blieb bis mindestens 1939 mit ihrem Vater in der Hektorstraße 5/6 wohnen.
Wenig später heiratete sie einen dreißig Jahre älteren Witwer, den oberschlesischen Kaufmann und ehemaligen Gasthausbesitzer Oskar Hamburger (* 25. März 1873 in Sternalitz (Sternalice)). Mit ihm zog sie ein paar Häuser weiter in eine Parterrewohnung in der Hektorstraße 20, wohl zur Untermiete; die Lebensbedingungen für Jüdinnen und Juden waren zu diesem Zeitpunkt längst unerträglich und die Familien völlig verarmt. Spätestens seit April 1941 und wahrscheinlich schon seit Elviras Hochzeit wohnte auch Max Cronheim bei Tochter und Schwiegersohn in der Hektorsraße 20. Elvira musste zu dieser Zeit Zwangsarbeit verrichten.

Am 17. August 1942 wurde Max Cronheim zusammen mit über tausend weiteren jüdischen Berlinerinnen und Berlinern vom Bahnhof Moabit aus ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Dort musste der alte Mann noch viele Monate Strapazen und Quälereien erdulden. Am 13. April 1943 wurde er mit 72 Jahren ermordet.

Seine Tochter Elvira und deren Mann Oskar Hamburger wollten die Deportation nicht abwarten: Sie nahmen, wohl gemeinsam, eine Überdosis Schlaftabletten. Beide kamen danach noch ins Jüdische Krankenhaus, wo sie starben, Oskar am 2. Januar und Elvira am 3. Januar 1943. Oskar Hamburger wurde 69 Jahre alt, Elvira Hamburger geborene Cronheim 39.

Außer seinem älteren Bruder Leopold waren Max Cronheims Geschwister bereits zu einem früheren Zeitpunkt verstorben. Leopold Cronheim (* 16. Juli 1862) und dessen Frau Johanna geborene Ludnowsky (* 16. Oktober 1864), die in Berlin-Tiergarten lebten, waren am 15. Juli 1942, einen Monat vor Max, ebenfalls nach Theresienstadt deportiert worden. Johanna starb dort am 10. Dezember 1942, Leopold am 3. Januar 1943.

Recherche und Text: Christine Wunnicke

Quellen:
  • Gedenkbuch
  • Yad Vashem
  • MyHeritage
  • Adressbücher Berlin
  • Vermögenserklärung

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