Stolpersteine Livländische Str. 17

Hausansicht Livländische Str. 17, Foto: H-J. Hupka, 2013

Hausansicht Livländische Str. 17

Die folgenden Stolpersteine wurden am 25.10.2012 verlegt.

Stolperstein Martha Birnbaum, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Martha Birnbaum

HIER WOHNTE
MARTHA BIRNBAUM
GEB. CROHN
JG. 1862
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 21.12.1942

Martha Birnbaum wurde als Martha Crohn am 14. Mai 1862 in Oranienburg im Kreis Niederbarnim in der Mark Brandenburg geboren. Für ihre Eltern, den aus Charnikau im Regierungsbezirk Bromberg in der Provinz Posen (Czarnków, Polen) stammenden Kaufmann Itzig Crohn (*24. Mai 1820) und dessen Ehefrau Rosalie geborene Neisser (*9. Januar 1834), war sie das dritte von insgesamt sieben Kindern. Ihre Schwester Helene (1858-1934) war vier Jahre und ihr Bruder Albert (1859-1933) drei Jahre älter als sie. Ihre jüngeren Geschwister waren Jenny (*14. Januar 1866), Eugen (*23. März 1872), Elsbeth (*23. Dezember 1874) und Hedwig (*11. November 1876).

Wann und wo Martha ihren späteren Ehemann, den aus Trachenberg in Schlesien (Żmigród, Polen) stammenden Kaufmann Sylvius Birnbaum (1854-1912) kennenlernte, ist nicht bekannt. Der 29-jährige Sylvius und die 21-jährige Martha heirateten ca. 1883 in Oranienburg. Am 3. Februar 1889 wurde ihr einziges Kind Leopold geboren.

Zwei Jahre später, am 21. Dezember 1891, starb Marthas Vater Itzig in Oranienburg mit 71 Jahren und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Oranienburg beigesetzt. Ihre Mutter Rosalie starb am 8. November 1902 mit 68 Jahren in Berlin und wurde auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Marthas Sohn Leopold wurde kaufmännischer Beamter von Beruf. Am 22. März 1912 starb ihr Ehemann Sylvius Birnbaum mit 58 Jahren in der gemeinsamen Wohnung in der Altonaer Straße 12 im Berliner Hansaviertel. Martha wurde mit 49 Jahren Witwe.

Leopold heiratete drei Jahre später, am 17. April 1915, die Kontoristin Emmy Elisabeth Lach (*30. Juni 1899). In der Heiratsurkunde gaben sie an, evangelisch zu sein. Ihre Tochter Lieselotte kam am 19. August 1915 zur Welt. Martha wurde mit 52 Jahren zum ersten Mal Großmutter. Zwei Söhne wurden danach tot geboren. Leopold und Emmy ließen sich am 7. Oktober 1925 scheiden. Die 10-jährige Lieselotte blieb bei der Mutter. 1928 wurde Leopold aus einer unehelichen Beziehung Vater von Edith Kusch (*3. August 1928). In dieser Zeit machte er eine Ausbildung zum staatlich geprüften Krankenpfleger, welche er 1930 abschloss. Seitdem arbeitete er als selbstständiger Krankenpfleger und für die jüdische Gemeinde.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Martha 70 Jahre alt. Am 25. März 1933 heiratete Leopold in zweiter Ehe mit 44 Jahren die 22-jährige Nicht-Jüdin Gerda Ilse Ruth Donath (*15. November 1911). Als Wohnort gab er die Livländische Straße 17, die Wohnanschrift seiner Mutter an. Diese Ehe blieb kinderlos.

Ab dem 1. Januar 1939 musste Martha als Jüdin den zusätzlichen Zwangsvornamen „Sara“ annehmen. Jüdische Männer waren gezwungen, den zusätzlichen Zwangsvornamen „Israel“ anzunehmen. Leopold aber hatte am 21. Dezember 1938 mit Genehmigung des Polizeipräsidenten anstelle seines bisherigen Vornamens den Namen „Denny“ als Zwangsnamen eintragen lassen. Bei der Minderheiten-Volkszählung am 17. Mai 1939 wohnte er mit seiner Frau Gerda in der Waitzstraße 2 in Berlin-Charlottenburg, während Martha weiterhin in der Livländischen Straße 17 gemeldet war. Marthas jüngerer Bruder Eugen Krohn (nicht Crohn), dessen Ehefrau 1940 starb, wohnte ganz in ihrer Nähe in der Badenschen Straße 21 in Berlin-Wilmersdorf.

Marthas Schwester Jenny, die 1919 ihren Ehemann Philipp Nagel (*1866) verloren hatte, war vor 1939 zusammen mit ihren erwachsenen Kindern Lotte (*1895) und Ernst (*1898) sowie deren Familien die Emigration nach Buenos Aires in Argentinien gelungen.

Marthas jüngste Schwester Hedwig wurde am 12. Februar 1940 von Stettin (Szczecin, Polen) aus in das Ghetto Piaski deportiert, wo sie mit 64 Jahren ermordet wurde.

Am 23. Februar 1941 wurde auch Leopolds zweite Ehe geschieden. In dritter Ehe heiratete er Betty Slomke (*5. April 1899) und wohnte mit ihr in der Zietenstraße 38 in Neukölln.

Marthas Bruder Eugen war der erste aus der verblieben Oranienburger „Crohn-Familie“, der den Deportationsbefehl bekam und am 10. August in das Ghetto Theresienstadt transportiert wurde. Die 80-jährige Martha erhielt den Deportationsbefehl kurze Zeit später. Die Gestapo deportierte sie mit dem sogenannten „1. Großen Alterstransport“ am 17. August 1942 mit mehr als 1.000 weiteren jüdischen Menschen in das Ghetto Theresienstadt. Vier Tage später, am 21. August 1942, wurden auch ihre jüngere Schwester Elsbeth und deren Ehemann Ludwig Seefeld (*30. Dezember 1873) aus Berlin-Zehlendorf dorthin deportiert. Ludwig starb aufgrund der menschenunwürdigen Lebensbedingungen im Ghetto schon am 4. Dezember 1942. Martha folgte ihm 17 Tage später am 21. Dezember 1942, zwei Tage vor Elsbeths 68. Geburtstag. Martha Birnbaum geborene Crohn starb mit 80 Jahren. Ihre Schwester Elsbeth Seefeld geborene Crohn überlebte noch drei weitere Monate und starb am 17. März 1943. Ihr Bruder Eugen hielt bis zum 4. Juli 1943 durch. Er starb mit 71 Jahren.

Marthas Sohn Leopold war am 26. Oktober 1942 zusammen mit seiner dritten Ehefrau Betty mit dem sogenannten „22. Osttransport“ vom Güterbahnhof Putlitzstraße in Berlin-Moabit nach Riga deportiert worden. Fast alle Deportierten wurden am 29. Oktober 1942 unmittelbar nach Ankunft am Güterbahnhof Skirotava in Riga im Wald von Bikernieki von SS-Einsatzgruppen erschossen. Leopold starb mit 53 Jahren und Betty mit 43 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 3880, Denny (Leopold) Birnbaum

Stolperstein Eduard Fuerst, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Eduard Fürst

HIER WOHNTE
EDUARD FUERST
JG. 1878
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 22.12.1941

Eduard Fuerst (auch Fürst) wurde am 16. Juli 1878 in Danzig in Westpreußen (Gdańsk, Polen) geboren. Seine Herkunft konnte nicht recherchiert werden. Er nahm mit 36 Jahren aktiv am Ersten Weltkrieg teil. Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war er 54 Jahre alt.

Bei der “Minderheiten-Volkszählung” am 17. Mai 1939 wohnte er in der Livländischen Straße 17 in Berlin-Wilmersdorf. Hier erreichte ihn, als einen der ersten, der Deportationsbefehl. Schon Anfang Oktober war er aufgefordert worden, seine Vermögenserklärung auszufüllen und sich im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einzufinden. Dort wurde er Ende Oktober registriert und sein Gepäck penibel kontrolliert.

Für alle sichtbar trieb ihn die Gestapo zusammen mit 1.029 Leidensgenossinnen und -genossen am 1. November 1941 zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von dort aus transportierte ihn der vierte Deportationszug aus Berlin in den Osten. Das Ziel der Reise wurde verheimlicht. Es war die Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt.

Eduard Fuerst wurde in die Sulzfelder Straße 64 in Raum 3a im „Ghetto Łódź“ einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachte er hier den November 1941. Im Dezember 1941 wurde er in das örtliche Krankenhaus aufgenommen. Hier gab er als Beruf Sprachlehrer an. Laut Aufzeichnungen des Krankenhauses starb er am 22. Dezember 1941. Als Todesursache wurde „Inanition“ angegeben, meist Folge von ungenügender Nahrungsaufnahme, demnach war er dort mit 63 Jahren verhungert.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

Stolperstein Ida Herschel, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Ida Herschel

HIER WOHNTE
IDA HERSCHEL
JG. 1874
DEPORTIERT 11.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.3.1944

Ida Herschel wurde am 14. September 1874 in Trier in Rheinland-Pfalz geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Isaak Herschel (*25. Juni 1829) und dessen Ehefrau Gertrud geborene Nathan (*13. Juli 1839), war sie das jüngste von insgesamt sechs Kindern. Ihr Bruder Hermann (*17. Oktober 1860) starb schon mit sechs Jahren, sodass sie ihn nicht mehr kennenlernte. Ihre Schwester Henriette (*25. April 1862) war zwölf Jahre, ihre Schwester Clothilde (*31. Mai 1863) elf Jahre, ihr Bruder Carl (*8. Mai 1868) sechs Jahre und ihr Bruder Julius (*10. Juni 1872) zwei Jahre älter als sie.

Ihre älteste Schwester Henriette heiratete am 8. Februar 1888 in Trier den Kaufmann Alexander Jakoby (auch Jacoby). Am 17. April 1892 starb ihr Vater Isaak mit 62 Jahren in Pirmasens. Ihre Mutter wurde mit 53 Jahren Witwe. Ida war damals 17 Jahre alt.

Am 15. September 1895 wurden Henriette und Alexander in Köln Eltern eines Sohnes, den sie Fritz nannten. Ida wurde zum ersten Mal Tante. Als Fritz 10 Jahre alt war, starb sein Vater Alexander Jakoby am 18. Oktober 1905. Vermutlich nach seinem Tod gingen die gesamten Familien Herschel und Jakoby nach Berlin.

Idas Bruder Carl hatte 1901 in der Schweiz die aus Genf stammende Helene Louise Josephine Chauffat (*21. Oktober 1877) geheiratet. Auch sie wurden Eltern eines Sohnes, den sie René Louis Nino (*24. März 1902) nannten. Sie gingen ebenfalls nach Berlin, wo Carl in der Burgherrnstraße 3 in Tempelhof, später in der Niederwallstraße 16 sein patentamtlich geschütztes „Sparuwa“, einen Spar- Wasch- und Filtrierapparat, herstellte und vertrieb – ein Gerät für Werkstätten zum Reinigen mit Benzin oder Petroleum. Er hatte das alleinige Lizenz- und Verkaufsrecht des „Sparuwa. Wohnadresse der Familie war 1918 die Uhlandstraße 134 in Berlin-Wilmersdorf. Die übrige Familie wohnte in der Dortmunder Straße 13 in Berlin-Tiergarten, so auch Ida.

Am 11. Januar 1919 starb der Großkaufmann Carl Herschel mit 50 Jahren im Residenzhotel in Breslau. Den Tod meldete sein Sohn, der damals 16-jährige Schüler René Herschel, der sich später als berühmter Pianist in den USA einen Namen machte.

Am 10. Mai 1923 starb auch der Bruder Julius mit 50 Jahren. Idas 28-jähriger Neffe Fritz Jacoby meldete den Tod beim Standesamt. Noch im gleichen Jahr, am 11. Dezember 1923, starb ihre Mutter Gertrud mit 84 Jahren. Den Tod meldete ebenfalls Fritz. Ihre Schwägerin, die Ehefrau von Carl, Helene Herschel geborene Chauffat, ging 1928 mit ihrem 25-jährigen Sohn René Nino nach Los Angeles. Sie wurden amerikanische Staatsbürger.

Idas älteste Schwester Henriette Jacoby geborene Herschel starb am 12. Juni 1930 mit 68 Jahren in Berlin. Ihr 44-jähriger Sohn Fritz heiratete am 7. Mai 1938 die 36-jährige Margarete Klein. Gemeinsam wollten sie aus Berlin flüchten, aber nur Fritz gelang 1939 die Emigration nach Großbritannien. Dort wurde er noch im gleichen Jahr im Kitchener Camp in Sandwich interniert und hoffte auf Familiennachzug.

Ida und ihre elf Jahre ältere Schwester Clothilde waren bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 zur Untermiete bei der Witwe Martha Birnbaum geborene Crohn (*14. Mai 1862) in der Livländischen Straße 17 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Die Gestapo deportierte Martha Birnbaum mit dem sogenannten „1. Großen Alterstransport“ am 17. August 1942 mit mehr als 1.000 weiteren jüdischen Menschen in das Ghetto Theresienstadt.
Die Schwestern Herschel folgten ihr am 11. September 1942 zusammen mit 98 weiteren Deportierten vom Anhalter Bahnhof mit dem „62.Transport“ in das Ghetto Theresienstadt. Idas Schwester Clothilde überlebte das Ghetto trotz der unmenschlichen Lebensbedingungen anderthalb Jahre bis zum 3. Februar 1944. Sie starb mit 80 Jahren. Ida hielt noch bis zum 16. März 1944 durch. Sie starb mit 69 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

Stolperstein Clothilde Herschel, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Clothilde Herschel

HIER WOHNTE
CLOTHILDE HERSCHEL
JG. 1863
DEPORTIERT 11.9.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 3.2.1944

Clothilde Herschel wurde am 31. Mai 1863 in Clüsserath (heute Klüsserath) im Kreis Trier-Saarburg in Rheinland-Pfalz geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Isaak Herschel (*25. Juni 1829) und dessen Ehefrau Gertrud geborene Nathan (*13. Juli 1839), war sie das dritte von insgesamt sechs Kindern. Ihr Bruder Hermann (*17. Oktober 1860) war drei Jahre und ihre Schwester Henriette (*25. April 1862) ein Jahr älter als sie. Hermann starb am 17. November 1866 kurz nach seinem 6. Geburtstag. Am 8. Mai 1868 wurde ihr Bruder Carl und am 10. Juni 1872 ihr Bruder Julius geboren. Ihre kleine Schwester Ida kam am 14. September 1874 in Trier zur Welt, wohin die Familie in der Zwischenzeit gezogen war.

Ihre älteste Schwester Henriette heiratete am 8. Februar 1888 in Trier den Kaufmann Alexander Jakoby (auch Jacoby). Am 17. April 1892 starb ihr Vater Isaak mit 62 Jahren in Pirmasens. Ihre Mutter wurde mit 53 Jahren Witwe.

Am 15. September 1895 wurden Henriette und Alexander in Köln Eltern eines Sohnes, den sie Fritz nannten. Clothilde wurde zum ersten Mal Tante. Als Fritz 10 Jahre alt war, starb sein Vater Alexander Jakoby am 18. Oktober 1905. Vermutlich nach seinem Tod gingen die gesamten Familien Herschel und Jakoby nach Berlin. Clothilde blieb ledig.

Clothildes Bruder Carl hatte 1901 in der Schweiz die aus Genf stammende Helene Louise Josephine Chauffat (*21. Oktober 1877) geheiratet. Auch sie wurden Eltern eines Sohnes, den sie René Louis Nino (*24. März 1902) nannten. Sie gingen ebenfalls nach Berlin, wo Carl in der Burgherrnstraße 3 in Tempelhof, später in der Niederwallstraße 16 sein patentamtlich geschütztes „Sparuwa“, einen Spar- Wasch- und Filtrierapparat, herstellte und vertrieb – ein Gerät für Werkstätten zum Reinigen mit Benzin oder Petroleum. Er hatte das alleinige Lizenz- und Verkaufsrecht des „Sparuwa. Wohnadresse der Familie war 1918 die Uhlandstraße 134 in Berlin-Wilmersdorf. Die übrige Familie wohnte in der Dortmunder Straße 13 in Berlin-Tiergarten.

Am 11. Januar 1919 starb der Großkaufmann Carl Herschel mit 50 Jahren im Residenzhotel in Breslau. Den Tod meldete sein Sohn, der 16-jährige Schüler René Herschel, der sich später als berühmter Pianist in den USA einen Namen machte.

Am 10. Mai 1923 starb auch der Bruder Julius mit 50 Jahren. Clotildes 28-jähriger Neffe Fritz Jacoby meldete den Tod beim Standesamt. Noch im gleichen Jahr, am 11. Dezember 1923, starb ihre Mutter Gertrud mit 84 Jahren. Den Tod meldete ebenfalls ihr Neffe Fritz. Ihre Schwägerin, die Ehefrau von Carl Herschel, Helene Herschel geborene Chauffat, ging 1928 mit ihrem Sohn René Nino nach Los Angeles. Sie wurden amerikanische Staatsbürger.

Clothildes älteste Schwester Henriette Jacoby geborene Herschel starb am 12. Juni 1930 mit 68 Jahren in Berlin. Ihr 44-jähriger Sohn Fritz heiratete am 7. Mai 1938 die 36-jährige Margarete Klein. Gemeinsam wollten sie aus Berlin flüchten, aber nur Fritz gelang 1939 die Emigration nach Großbritannien. Dort wurde er noch im gleichen Jahr im Kitchener Camp in Sandwich interniert.

Die Schwestern Clothilde und Ida waren bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 zur Untermiete bei der Witwe Martha Birnbaum geborene Crohn (*14. Mai 1862) in der Livländischen Straße 17 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Die Gestapo deportierte Martha Birnbaum mit dem sogenannten „1. Großen Alterstransport“ am 17. August 1942 mit mehr als 1.000 weiteren jüdischen Menschen in das Ghetto Theresienstadt. Die Schwestern Herschel folgten ihr am 11. September 1942 zusammen mit 98 weiteren Deportierten vom Anhalter Bahnhof mit dem „62.Transport“ in das Ghetto Theresienstadt. Clothilde überlebte das Ghetto trotz der unmenschlichen Lebensbedingungen anderthalb Jahre bis zum 3. Februar 1944. Sie starb mit 80 Jahren. Ihre jüngere Schwester Ida hielt noch bis zum 16. März 1944 durch. Sie starb mit 69 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

Stolperstein Frieda Robert, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Frieda Robert

HIER WOHNTE
FRIEDA ROBERT
JG. 1888
DEPORTIERT 26.9.1942
ERMORDET IN
RAASIKU

Frieda Robert wurde am 10. August 1888 in Graudenz im Regierungsbezirk Marienwerder in der Provinz Westpreußen (Grudziądz, Polen) geboren. Ihre Herkunft konnte nicht recherchiert werden. Bevor sie nach Berlin kam, lebte sie in Ulm.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Frieda 44 Jahre alt. und ledig. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnte sie in der Livländischen Straße 17 in Berlin-Wilmersdorf. Im Berliner Adressbuch war sie jedoch nicht aufgeführt. Wann sie in die Schlüterstraße 54 in die Pension Phiebig zog, ist nicht bekannt. Die Pension Phiebig wurde von der Witwe Rosa Phiebig (*12. Dezember 1881) geführt. Zu der Pension gehörten im 1. Stock acht und im 4. Stock zehn Zimmer. Für Rosa Phiebig und weitere Bewohner der Pension liegen Stolpersteine vor dem Haus Schlüterstraße 54.

Von hier aus wurde Frieda mit dem 20. Osttransport am 26. September 1942 nach Estland in die Landgemeinde Raasiku (deutsch: Rasik), 29 km südöstlich der damaligen Hauptstadt Reval (heute Tallinn, Estland), zusammen mit 852 weiteren jüdischen Menschen deportiert. Nach der Ankunft am Bahnhof Raasiku wurden die arbeitsfähigen Menschen in umliegende Zwangsarbeitslager gebracht. Die übrigen Deportierten ermordeten Mitglieder der SS unmittelbar nach der Ankunft in den nahegelegenen Ostseedünen von Kalevi-Liiva. Frieda Robert kehrte nicht zurück. Sie starb mit 64 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationsliste
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

Stolperstein Max Schrubski, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Max Schrubski

HIER WOHNTE
MAX SCHRUBSKI
JG.1882
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 16.5.1942

Max Schrubski wurde am 4. März 1882 in Mogilno in Westpreußen (Polen) geboren.
Mogilno liegt ca. 50 km südlich von Bromberg (Bydgoszcz, Polen) und etwa 30 km nordöstlich von Gnesen (Gniezno, Polen). Für seine Eltern, den aus Hohensalza stammenden Kaufmann Jacob Schrubski (*4. Dezember 1851) und dessen aus Luisenfelde stammende Ehefrau Eva geborene Chaskel (*15. November 1854), war er das jüngste von insgesamt vier Kindern. Seine ältere Schwester Martha (*24. Oktober 1877) war fünf, sein Bruder Gustav (*13. März 1879) drei Jahre und seine Schwester Rosa (*10. Februar 1881) ein Jahr älter als er. Seine Schwester Martha starb mit 23 Jahren am 20. Dezember 1900 in Allenstein in Ostpreußen (Olsztyn, Polen).

Wie sein Vater wurde auch Max Kaufmann von Beruf.

Mit seiner späteren Ehefrau, der ebenfalls in Mogilno geborenen Byanka Wald (3. März 1878), ging er vermutlich nach Berlin, wo der 26-jährige Max und die 30-jährige Putzdirektrice (Hutmodellmacherin) Byanka am 9. April 1908 heirateten. Am 28. Januar 1917 wurde ihr Sohn Günther geboren, der nur einen Tag alt wurde. Schon am 29. Januar 1917 musste Max den Tod beim Standesamt melden. Byanka und er wohnten damals in der Grunewaldstraße 22 in Schöneberg und 1919 in der Holsteinischen Straße 21 in Wilmersdorf.

Max‘ Mutter starb am 15. April 1924 mit 69 Jahren in Stettin (Szczecin, Polen). Sieben Jahre später starb dort auch sein Vater am 8. Mai 1931 mit 79 Jahren.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Max 50 Jahre alt. Die systematische Diskriminierung von Jüdinnen und Juden erschwerte dem Ehepaar das Leben. Im Berliner Adressbuch 1934 war Max noch als Kaufmann in der Lothar-Bucher-Straße 9 in Berlin-Steglitz gemeldet. Das Berliner Adressbuch von 1937 führte ihn das erste Mal als Vertreter in der Livländischen Straße 17.

Am 9. November 1938 gipfelte der staatliche Antisemitismus in einem Pogrom, der ursprünglich sogenannten „Reichskristallnacht“. Auch in Wilmersdorf wurde die erst 1930 eingeweihte Synagoge in der Prinzregentenstraße 69-70 in Brand gesetzt und von Nationalsozialisten zerstört. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert. Viele jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht, so auch Max, der bis zum 5. Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert war. Trotz der unmenschlichen Haftbedingungen überlebte er und kehrte zu Bianca, wie sie sich in der Zwischenzeit schrieb, zurück.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Max und Bianca weiterhin im 2. Stock der Livländischen Straße 17 gemeldet. Max Schwester Rosa deportierte die Gestapo am 12. Februar 1940 von Stettin in das Ghetto Piaski, wo sie zu einem unbekannten Zeitpunkt starb.

Max und Bianca waren in Berlin mit die ersten, die Deportationsbefehle erhielten. Schon Mitte Oktober 1941 waren sie aufgefordert worden, ihre Vermögenserklärung auszufüllen und sich im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einzufinden. Dort wurden sie Ende Oktober registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Für alle sichtbar trieb sie die Gestapo zusammen mit 1.028 Leidensgenossinnen und -genossen am 1. November 1941 zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von dort aus transportierte sie der IV. Deportationszug aus Berlin in den Osten. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt.

Max und Bianca Schrubski wurden in die Sulzfelder Straße 51 im „Ghetto Łódź“ einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter 1941/1942. Max starb mit 60 Jahren am 16. Mai 1942.

Bianca wurde am 13. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno, Polen) deportiert, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurde. Bianca Schrubski geborene Wald starb mit 64 Jahren.

Max Bruder Gustav, der mit einer „Arierin“ verheiratet war, überlebte den Holocaust durch diese “Mischehe”.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

Stolperstein Bianca Schrubski, Foto: F. Siebold, Okt. 2012

Stolperstein Bianca Schrubski

HIER WOHNTE
BIANCA SCHRUBSKI
GEB. WALD
JG. 1878
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 13.9.1942
KULMHOF / CHELMNO

Bianca Schrubski wurde als Byanka Wald am 3. März 1878 in Mogilno in Westpreußen (Polen) geboren. Sie war das einzige Kind des aus Krojanke in Westpreußen (Krajenka, Polen) stammenden Kaufmanns Samuel Wald (*17. Januar 1851) und dessen aus Labischin (Łabiszyn, Polen) stammender Ehefrau Bertha geborene Nachmann (*4. Januar 1849. Als Bianca ein Jahr alt war, starb ihr Vater am 17. April 1879 mit 28 Jahren. Ihre Mutter heiratete am 24. Februar 1880 den Vertreter Jacob Davidsohn (*25. Dezember 1849).

Byanca wurde Putzmacherin von Beruf und machte Karriere als Putzdirektrice (Hutmodellmacherin).

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den ebenfalls aus Mogilno stammenden Kaufmann Max Schrubski (*4. März 1882), kennenlernte, ist nicht bekannt. Die 30-jährige Byanca und der 26-jährige Max heirateten am 9. April 1908 in Berlin. Am 28. Januar 1917 wurde ihr Sohn Günther geboren, der nur einen Tag alt wurde. Schon am 29. Januar 1917 musste ihr Ehemann Max den Tod beim Standesamt melden. Byanka und er wohnten damals in der Grunewaldstraße 22 in Schöneberg und 1919 in der Holsteinischen Straße 21 in Wilmersdorf.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Bianca, wie sie sich später schrieb, 54 Jahre alt. Die systematische Diskriminierung von Jüdinnen und Juden erschwerte dem Ehepaar das Leben. Ihr Ehemann Max war im Berliner Adressbuch 1934 noch als Kaufmann in der Lothar-Bucher-Straße 9 in Berlin-Steglitz gemeldet. Das Berliner Adressbuch von 1937 führte ihn das erste Mal als Vertreter in der Livländischen Straße 17.

Biankas Eltern wohnten in einem jüdischen Altersheim in der Mahlsdorfer Straße 94 in Berlin-Köpenick. Ihre Mutter Bertha starb am 22. Dezember 1934 mit 85 Jahren. Zwei Jahre später, am 2. April 1936, starb auch ihr Stiefvater Jacob Davidsohn mit 86 Jahren im Krankenhaus der jüdischen Gemeinde.

Am 9. November 1938 gipfelte der staatliche Antisemitismus in einem Pogrom, der ursprünglich sogenannten „Reichskristallnacht“. Auch in Wilmersdorf wurde die erst 1930 eingeweihte Synagoge in der Prinzregentenstraße 69-70 in Brand gesetzt und von Nationalsozialisten zerstört. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden verwüstet und geplündert. Viele jüdische Männer wurden verhaftet und in Konzentrationslager gebracht, so auch Biankas Ehemann Max, der bis zum 5. Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen interniert war.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren Bianca und Max weiterhin im 2. Stock der Livländischen Straße 17 gemeldet. Sie waren unter den ersten, die Deportationsbefehle erhielten. Schon Mitte Oktober waren sie aufgefordert worden, ihre Vermögenserklärung auszufüllen und sich im Sammellager in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einzufinden. Dort wurden sie Ende Oktober registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Für alle sichtbar trieb sie die Gestapo zusammen mit 1.028 Leidensgenossinnen und -genossen am 1. November 1941 zum Güterbahnhof Berlin-Grunewald, von dort aus transportierte sie der IV. Deportationszug aus Berlin in den Osten. Das Ziel der Reise wurde ihnen verheimlicht. Es war die polnische Industriestadt Łódź, 478 km von Berlin entfernt, welche die Deutschen Besatzer nach dem Überfall auf Polen 1939 zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt hatten. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt.

Bianca und Max Schrubski wurden in die Sulzfelder Straße 51 im „Ghetto Łódź“ einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachten sie hier den Winter 1941/1942. Am 16. Mai 1942 starb Biancas Ehemann Max mit 60 Jahren. Bianca wurde am 13. September 1942 weiter in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno, Polen) deportiert, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft ermordet wurde. Bianca Schrubski geborene Wald starb mit 64 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juli 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
• My Heritage

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