Stolpersteine Konstanzer Straße 55

Hausansicht Konstanzer Str. 55

Hausansicht Konstanzer Str. 55

Diese Stolpersteine wurden am 24.10.2012 verlegt.

Stolperstein Klara Diamant

Stolperstein Klara Diamant

HIER WOHNTE
KLARA DIAMANT
GEB. LANDSBERG
JG. 1875
DEPORTIERT 3.8.1942
ERMORDET IN
THERESIENSTADT

Klara Diamant wurde als Klara Landsberg am 4. September 1875 in Königsberg in Ostpreußen (Kaliningrad, Russland) geboren. Für ihre Eltern, den aus Kosten in der Provinz Posen (Powiat Kościański, Polen) stammenden Kaufmann Max Moses (später Meyer) Landsberg (*23. September 1837) und dessen aus Marienburg (Malbork, Polen) stammende Ehefrau Cäcilie geborene Pfahl (*28. März 1842), war sie die jüngste von zwei Töchtern. Ihre Schwester Gertrud (*26. Mai 1873) war zwei Jahre älter als sie.

Wann die Familie nach Berlin ging, ist unbekannt. Der Vater starb 1896 mit 58 Jahren in Berlin. Damals wohnte die Familie in der Oranienburger Straße 69 in Berlin-Mitte. Beide Schwestern blieben ledig, bis Klara den Apotheker Ascher Ulrich Diamant (*2. Juli 1872) aus Wien kennenlernte. Der aus Jassy in Rumänien stammende Ulrich Diamant hatte 1907 in der Liechtensteinstraße 21 im 9. Gemeindebezirk in Wien die Medizinaldrogerie „Mag. Pharm. U. Diamant / Droguerie „Zum weissen Engel“ / Wien, IX, Liechtensteinstraße 21“ gegründet. Aufgrund seiner Ausbildung als Apotheker hätte es auch eine Apotheke sein können, was der Gebietsschutz für Apotheken in der damaligen Zeit an dem Ort jedoch nicht erlaubte. 1909 zog er mit der Drogerie drei Häuser weiter in die Liechtensteinstraße 16 Ecke Berggasse 14 um. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs verließ Ulrich Diamant auch diesen Standort und eröffnete in der Dietrichsteingasse eine neue Drogerie. Ob er nach Berlin ging, um eine Apotheke zu eröffnen oder weil er Klara Landsberg kennenlernte, ist nicht bekannt. Vor der Hochzeit wohnte er in der Martin-Luther-Straße 6 in Berlin-Schöneberg zur Untermiete bei Kleinholz. Die 45-jährige Klara und der 48-jährige Ulrich heirateten am 17. Februar 1921. Klara zog nach der Hochzeit zu ihm nach Wien.

Ihre Schwester Gertrud, genannt Trude, kümmerte sich vermutlich um die Mutter. Sie wohnten in der Passauer Straße 10 in Berlin-Charlottenburg. Die Mutter starb am 8. Dezember 1926 mit 83 Jahren in einem Pflegeheim in der Passauer Straße 18. Die Oberin des Heimes meldete den Tod der Mutter beim Standesamt.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Klara 57 Jahre alt. Ihr Ehemann Ulrich starb am 1. August 1936 mit 64 Jahren in Wien und wurde auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Klara wurde nach zwölf Jahren Ehe mit 57 Jahren Witwe und zog daraufhin wieder nach Berlin zu ihrer Schwester Trude.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnten die Schwestern in der Konstanzer Straße 55. Ihre Namen waren dort aber nie im Berliner Adressbuch zu finden. Wie lange sie dort gelebt haben, konnte nicht recherchiert werden. Ihre letzte Wohnanschrift war die Joachimsthaler Straße 12. Hier wohnten sie zur Untermiete in einem möblierten Zimmer im zweiten Stockwerk rechts bei Julie Zernik geborene Goldstein (*9. Dezember 1874). Gesundheitlich ging es Klara Anfang der 1940er- Jahre nicht gut. Sie musste sich vier Operationen im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding unterziehen. Die letzte Operation verhinderte vermutlich ihre Deportation am 4. Februar 1942. Auf der Deportationsliste in das Warschauer Ghetto wurden sie und ihre Schwester Trude gestrichen, weil Klara krankheitsbedingt nicht transportfähig war.

Als Gertrud aufgefordert wurde, ihre Vermögenserklärung auszufüllen, die sie am 15. Juli 1942 unterschrieb, befand sich Klara noch im Jüdischen Krankenhaus.

Mit dem sogenannten 35. Alterstransport deportierte die Gestapo Gertrud Landsberg und ihre Schwester Klara Diamant am 3. August 1942 nach Theresienstadt. Am 26. September 1942 erfolgte der Weitertransport in das Vernichtungslager Treblinka, wo beide Schwestern kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Klara Diamant geborene Landsberg starb mit 67 Jahren. Ihre Schwester Gertrud Landsberg starb mit 69 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage
• DiePresse.com vom 28.12.2009, Eine alte Dame in guter Kleidung
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 21113, Gertrud Landsberg und Klara Diamant

Stolperstein Beile Cohn

Stolperstein Beile Cohn

HIER WOHNTE
BEILE COHN
GEB. CANTOR
JG. 1864
DEPORTIERT 17.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 13.12.1942

Beile Cohn wurde als Beile Cantor am 23. Oktober 1864 in Czarnikau in der Provinz Posen (Czarnków, Polen) geboren. Ihre Eltern waren der Agent Heymann Canter und dessen Ehefrau Amalie geborene Steinberg (*15. Juli 1824). Ihre älteste Schwester Flora (*3. November 1848) war 16 Jahre älter als sie. Nachdem Berlin 1871 Reichshauptstadt geworden war, zog die Familie hierher. Fortan führten sie die Familiennamen Canter und Cantor. Beiles Schwester Johanna Cantor (*1855) starb am 9. Februar 1882 mit 27 Jahren. Der Tod wurde von dem „Holz-Kommissionär” Hermann Cantor, vermutlich ein Bruder der Schwestern, beim Standesamt gemeldet. Die Familie wohnte damals in der Weinmeisterstraße 8 in Berlin-Mitte. Beile wurde Verkäuferin von Beruf.

Wann und wo sie ihren späteren Ehemann, den Kaufmann Abraham Heymann Cohn (*12. September 1857), kennenlernte, ist nicht bekannt. Er war in Beyersdorff im Kreis Pyritz im Regierungsbezirk Stettin der preußischen Provinz Pommern (Powiat Pyrzycki, Polen) geboren worden und wohnte schon vor der Hochzeit in Rostock. Seine Eltern waren Louis Cohn und dessen Ehefrau Emilie geborene Posener, die in Beyersdorff wohnten.

Die 26-jährige Beile und der 33-jährige Heymann heirateten am 8. November 1890 in Berlin. Am 22. September 1891 wurden Beile, auch Betty genannt, und Heymann, der sich auch Heinrich nannte, in Rostock Eltern ihrer ersten Tochter Erna. Kurz nach deren Geburt, am 16. Oktober 1891, starb Beiles Mutter mit 67 Jahren und neun Monaten in der Rosenthaler Straße 19 in Berlin-Mitte, wo die Familie inzwischen hingezogen war.

Am 4. Januar 1893 wurde der erste Sohn Georg Gustav und am 19. September 1894 ihre zweite Tochter Margarete (Grete) in Rostock geboren. Ihr jüngster Sohn Harry kam am 25. Oktober 1899 in Güstrow zur Welt, wo die Familie in der Zwischenzeit wohnte.

Nachdem der jüngste Sohn Harry seine Reifeprüfung abgelegt hatte, ging die Familie vermutlich nach Berlin, wo er eine Baugewerkschule besuchte und später ein Baugeschäft in der Aschaffenburger Straße 23 führte.

Beiles Ehemann Heinrich hatte mit 65 Jahren das Rentenalter erreicht. Er starb am 9. April 1927 mit 70 Jahren und wurde auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee beigesetzt. Beile wurde mit 62 Jahren Witwe.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Beile 68 Jahre alt.
Ihrem ältesten Sohn Georg wurde als Rechtsanwalt ein Berufsverbot erteilt, was ihn und seine Ehefrau Vera dazu bewog, nach Großbritannien zu emigrieren. Auch Harry, Beiles jüngster Sohn, flüchtete nach England. Ihre Töchter Erna und Margarete (Grete) blieben beide ledig, hatten aber ihre eigenen Wohnungen. Erna wohnte bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 in der Hohenstaufenstraße 45 in Berlin-Schöneberg, wo sie ein Geschäft für Festdichtungen führte. Margarete (Grete) wohnte damals in der Sächsischen Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf, während ihre Mutter Beile in der Nähe in der Konstanzer Straße 55 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet war.

Margarete war die erste, die den Deportationsbefehl in den Osten erhielt. Mit dem VI. Osttransport wurden sie und 1.005 weitere Personen am 17. November 1941 vom Bahnhof Grunewald nach Kaunas (Kowno, Litauen) deportiert. Alle Deportierten wurden am 25. November 1941 im Fort IX erschossen. Margarete Cohn starb mit 47 Jahren.

Ein Jahr später deportierte die Gestapo Beile Cohn mit dem 1. großen Alterstransport am 17. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb Beile Cohn mit 78 Jahren am 13. Dezember 1942.

Ihre älteste Tochter Erna starb am 3. Januar 1943 im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding mit 52 Jahren an einem Magengeschwürdurchbruch.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage

Stolperstein Estera Glojtman

Stolperstein Estera Glojtman

HIER WOHNTE
ESTERA GLOJTMAN
JG. 1903
DEPORTIERT 1.11.1941
LODZ / LITZMANNSTADT
ERMORDET 4.5.1942
CHELMNO / KULMHOF

Estera Glojtman (auch Glajtmann oder Gleitmann) wurde am 11. Juni 1903 in Bendzin, etwa 65 km nordwestlich von Krakau in Oberschlesien (Będzin, Polen), geboren. Bendzin hatte mit über 20.000 Juden eine der größten jüdischen Gemeinde Kleinpolens. Esteras familiärer Hintergrund kann nur vermutet werden. Falls Jakob Glajtmann (*6. September 1909) ihr jüngerer Bruder war, dann hieß ihre Mutter Szajndla Glajtmann und ihr Vater Modcha Glajtmann. Modcha war Schneider von Beruf.

Estera wurde Modistin (Hutmacherin). Wann sie nach Berlin ging, ist unbekannt.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Estera 29 Jahre alt und ledig. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war sie in der Konstanzer Straße 55 gemeldet. Später wohnte sie zur Untermiete bei Eugenie und Michael Bendit in der Berliner Straße 57 (heute Otto-Suhr-Alle).

Estera gehörte zu den ersten, die den Deportationsbefehl erhielten und sich in der Sammelstelle in der von der Gestapo entweihten Synagoge in der Levetzowstraße 7- 8 einzufinden hatten. Dort wurden sie registriert und ihr Gepäck penibel kontrolliert.

Mit dem IV. Osttransport wurde sie vom Güterbahnhof Berlin-Grunewald am 1. November 1941 in das 478 km weit entfernte Łódź deportiert, wo der Zug am 2. November 1941 eintraf.

Nach dem Überfall auf Polen hatten die Deutschen Besatzer 1939 Łódź zu Ehren des preußischen Generals und NSDAP-Mitgliedes Karl Litzmann in „Litzmannstadt“ umbenannt. Ein Teil des Stadtgebietes hatten sie als Ghetto abgeriegelt. Dort wurde Estera in die Sulzfelder Straße 36/38 einquartiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachte sie hier den Winter und das Frühjahr 1942. Hier arbeitete sie als Zahntechnikerin.
Als Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chelmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielt auch Estera einen „Ausreisebefehl“ für den 8. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurde sie in einem Gaswagen ermordet. Estera Glojtman musste aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien mit 38 Jahren sterben.
Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage

Stolperstein Gertrud Landsberg

Stolperstein Gertrud Landsberg

HIER WOHNTE
GERTRUD LANDSBERG
JG. 1873
DEPORTIERT 3.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 26.9.1942
TREBLINKA

Gertrud Landsberg wurde am 26. Mai 1873 in Königsberg in Ostpreußen (Kaliningrad, Russland) geboren. Für ihre Eltern, den aus Kosten in der Provinz Posen (Powiat Kościański, Polen) stammenden Kaufmann Max Moses (später Meyer) Landsberg (*23. September 1837) und dessen aus Marienburg (Malbork, Polen) stammende Ehefrau Cäcilie geborene Pfahl (*28. März 1842), war sie die ältere von zwei Töchtern. Zwei Jahre später kam ihre kleine Schwester Klara (*4. September 1875) zur Welt.

Wann die Familie nach Berlin ging, ist unbekannt. Der Vater starb 1896 mit 58 Jahren in Berlin. Damals wohnte die Familie in der Oranienburger Straße 69 in Berlin-Mitte. Gertrud, genannt Trude, blieb ledig. Ihre Schwester Klara heiratete mit 45 Jahren am 17. Februar 1921. Trude kümmerte sich vermutlich um die Mutter. Sie wohnten in der Passauer Straße 10 in Berlin-Charlottenburg. Die Mutter starb am 8. Dezember 1926 mit 83 Jahren in einem Pflegeheim in der Passauer Straße 18. Die Oberin des Heimes meldete den Tod der Mutter beim Standesamt.

Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war Gertrud 59 Jahre alt. Ihre jüngere Schwester Klara wurde 1936 Witwe und zog daraufhin wieder zu ihr. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnten die Schwestern in der Konstanzer Straße 55. Ihre Namen waren dort aber nie im Berliner Adressbuch zu finden. Wie lange sie dort gelebt haben, konnte nicht recherchiert werden. Ihre letzte Wohnanschrift war die Joachimsthaler Straße 12. Hier wohnten die Schwestern zur Untermiete in einem möblierten Zimmer im zweiten Stockwerk rechts bei Julie Zernik geborene Goldstein (*9. Dezember 1874).

Schon am 4. Februar 1942 standen die Schwestern auf einer Deportationsliste in das Warschauer Ghetto, wurden dann aber gestrichen, weil Gertruds Schwester Klara krankheitsbedingt nicht transportfähig war.

Anfang Juli 1942 wurde Gertrud aufgefordert, ihre Vermögenserklärung auszufüllen, die sie am 15. Juli 1942 unterschrieb. Seitdem war sie in der Sammelstelle in der Großen Hamburger Straße 26 interniert. Ihre Schwester Klara befand sich zu diesem Zeitpunkt noch im Jüdischen Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding.

Mit dem sogenannten 35. Alterstransport deportierte die Gestapo Gertrud Landsberg und ihre Schwester Klara Diamant am 3. August 1942 nach Theresienstadt. Am 26. September 1942 erfolgte der Weitertransport in das Vernichtungslager Treblinka, wo beide Schwestern kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Gertrud Landsberg starb mit 69 Jahren.
Ihre Schwester Klara starb mit 67 Jahren.

Einen Monat später wurde auch die Hauptmieterin Julie Zernik aus der Joachimsthaler Straße 12 nach Theresienstadt deportiert. Sie starb aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto am 7. Juni 1943 mit 68 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 21113, Gertrud Landsberg

Stolperstein Else Misch

Stolperstein Else Misch

HIER WOHNTE
ELSE MISCH
GEB. KINSKY
JG. 1884
DEPORTIERT 9.12.1942
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Else Misch wurde als Elsbeth Kinsky am 5. Juni 1884 in Cammin im Landkreis Rostock in Pommern (heute Mecklenburg-Vorpommern) geboren. Für ihre Eltern, den Kaufmann Alexander Kinsky (*1849) und dessen Ehefrau Milly geborene Michaelis (*1855), war sie das dritte von insgesamt fünf Kindern. Der Name des ältesten Bruders (*26. März 1882) ist unbekannt. Ein Jahr vor Elsbeth kam ihre Schwester Henriette Hildegard, genannt Hilde, (*1. Juni 1883) zur Welt und ein Jahr nach Hilde ihr Bruder Adolf (*26. Juni 1894). Elsbeths jüngster Bruder Siegfried (*1896) starb schon mit 16 Jahren am 17. März 1912 im Jüdischen Krankenhaus in Berlin-Wedding. Damals wohnte die Familie Kinsky in der Parkstraße 22 in Berlin-Weißensee.

Elsbeth, die sich auch Else nannte, wurde mit 24 Jahren zum ersten Mal Mutter. Ihr Sohn Hans Peter kam 1908 zur Welt. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt. Wann und wo Else ihren späteren Ehemann, den aus Groß Recken im Kreis Borcken stammenden praktischen Arzt Dr. Wilhelm Georg Misch (*25. September 1879), genannt Willi, kennenlernte, ist nicht bekannt. Willi hatte in Gießen Medizin studiert und dort auch promoviert. Die 28-jährige Else und der 32-jährige Willi heirateten am 4. Oktober 1912.

Willis Praxis befand sich 1920 in Borsigwalde-Wittenau in der Ernststraße 2 und 1934 in der Ernststraße 56. Willi und Else wurden Eltern von vier gemeinsamen Kindern: Susan (*1913), die Zwillinge Peter Salomon und Klaus Abraham (*22. April 1915) sowie Lore Henriette Wilhelmine (*1918).

1917 starb Elses Vater und 1921 ihre Mutter. Als am 30. Januar 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, war sie 48 Jahre alt. Bis 1937 durfte ihr Ehemann noch als Arzt tätig sein, danach galt ein Berufsverbot für jüdische Ärzte. Am 21. Dezember 1937 wurde ihre Ehe mit Dr. Willi Misch geschieden. Willi und die jüngste gemeinsame Tochter Lore zogen in die Artilleriestraße 36a (heute Tucholskystraße 36) in Berlin-Mitte. Else zog 1939 in ein Leerzimmer zur Untermiete bei Kurt Peisach in dessen Parterrewohnung links im Vorderhaus an der Konstanzer Straße 55 in Berlin-Wilmersdorf.

Die Tochter Susan emigrierte vor 1939 in die USA. Der Sohn Peter Salomon emigrierte in die Niederlande und heiratete dort 1939 Lotte Ebel aus Beuthen. Von dort flüchteten die beiden, wie auch Dr. Willi Misch, Elses geschiedener Ehemann, und ihre jüngste Tochter Lore nach Großbritannien. Ihr Sohn Klaus Abraham flüchtete nach Palästina und heiratete dort am 22. Juni 1942 Margot Pinkus.
Elses jüngerer Bruder Adolf wurde im Mai 1939 im Gerichtsgefängnis in Ratibor interniert, wo er am 10. Februar 1942 mit 47 Jahren aufgrund der Haftbedingungen starb.
Else musste 1941 Zwangsarbeit leisten.

Ihre ältere Schwester Hildegard Kinsky wurde am 27. Oktober 1941 als erste der Familie Kinsky aus dem Gestapo-Gebiet Düsseldorf in das Ghetto Litzmannstadt (Łódź, Polen) deportiert. In erbärmlichen Verhältnissen verbrachte sie hier den Winter und das Frühjahr 1942. Als dort Anfang Mai 1942 die Transporte in das siebzig Kilometer entfernte Dorf Chełmno, von den Deutschen in Kulmhof umbenannt, zusammengestellt wurden, erhielt auch sie einen „Ausreisebefehl“ für den 6. Mai 1942. In der Vernichtungsstätte Kulmhof wurde sie am 7. Mai 1942 in einem Gaswagen ermordet. Hilde Kinsky starb mit 59 Jahren.

Else deportierte die Gestapo am 9. Dezember 1942 in das Konzentrationslager Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet wurde. Aufgrund antisemitischen Rassenwahns und Verschwörungstheorien starb Else mit 58 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 27095, Elsbeth Misch

Stolperstein Kurt Peisach

Stolperstein Kurt Peisach

HIER WOHNTE
KURT PEISACH
JG. 1889
DEPORTIERT 25.8.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.10.1944
AUSCHWITZ

Kurt Peisach wurde am 26. Mai 1889 in Glogau im Regierungsbezirk Breslau in Schlesien (Głogów, Polen) geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Emanuel Peisach (*21 April 1833) und dessen aus Fulda in Hessen stammende Ehefrau Kathinka geborene Lewison (10. Juni 1850 -10. Januar 1937). Er war der jüngere von insgesamt zwei Söhnen. Sein Bruder Lothar (*6. Juni 1888) war ein Jahr älter als er. Seine Eltern hatten am 25. März 1875 in Frankfurt am Main geheiratet.

Kurt wurde wie sein Vater Kaufmann von Beruf. Sein Bruder Lothar studierte Rechtswissenschaften und wurde Rechtsanwalt. Beide Brüder nahmen 1914 am Ersten Weltkrieg teil. Der Vizefeldwebel Lothar Peisach wurde gegen Ende des Krieges kurzzeitig vermisst gemeldet. Kurt erhielt ein Verwundetenabzeichen.

Nach dem Krieg wohnte die Brüder gemeinsam in der Konstanzer Straße 12a, wo sein Lothar anfangs auch seine Kanzlei führte.

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kam, war Kurt 43 Jahre alt. Der 44-jährige Lothar, heiratete am 4. Februar 1933 die 36-jährige Frieda Margarete Wichert (*20. September 1896). Kurt war als Trauzeuge anwesend. Ab März 1933 wurden jüdische Juristen schikaniert und misshandelt. Am 1. April 1933 rief die NSDAP zu einem reichsweiten Boykott jüdischer Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte auf. Am 7. April 1933 verabschiedete die nationalsozialistische Reichsregierung das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums”. Damit leitete das Regime die systematische Ausgrenzung von Juden sowie politischen Gegnern ein. Es führte zur massenhaften Entlassung von Beamten, Richtern, Professoren, Lehrern und Ärzten. Zunächst gab es Ausnahmen für jüdische Kriegsteilnehmer des Ersten Weltkriegs wie Lothar und Kurt Peisach.
In den Folgejahren wurden die Ausnahmen schrittweise aufgehoben. Lothar zog mit seiner Ehefrau in die Düsseldorfer Straße 56. Seine Kanzlei befand sich damals in der Bayreuther Straße 35 in Berlin-Schöneberg.

Am 10. Januar 1937 starb die Mutter Kathinka mit 86 Jahren in der Meineckestraße 6 in Berlin-Charlottenburg. Kurt zog am 1. März 1937 alleine in eine 5 ½ Zimmer-Parterrewohnung in der Konstanzer Str. 55 links. Das Haus gehörte Levy Heller aus Warschau und wurde 1939 von der Treuhandanstalt Ost beschlagnahmt.

Seit ca. 1940 musste Kurt Zwangsarbeit im Siemens Schuckert Kabelwerk in Gartenfeld/Spandau leisten. Er bekam einen Stundenlohn von 70 Pfennig, davon konnte er die Miete in Höhe von 150 RM nicht bestreiten. Er musste Untermieter aufnehmen, sodass ihm selbst nur ein Zimmer blieb.

Am 4. Februar 1941 gelang seinem Bruder Lothar und dessen Ehefrau die Emigration in die USA. Ob auch Kurt einen Ausreiseantrag gestellt hatte, ist nicht bekannt. Im Oktober 1941 wurde die Ausreise für Juden aus Deutschland verboten.

Anfang August 1942 bekam der 53-jährige Kurt Peisach den Deportationsbefehl. Am 16. August 1942 unterschrieb er seine Vermögenserklärung. Als jüdischen Kriegsteilnehmer mit Verwundetenabzeichen deportierte die Gestapo ihn am 25. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Trotz der unmenschlichen Lebensbedingungen überlebte Kurt dort mehr als zwei Jahre. Mit dem letzten Transport von Theresienstadt wurde er am 28. Oktober 1944 nach Auschwitz gebracht. Vermutlich wurde er kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in einer Gaskammer ermordet. Kurt Peisach starb mit 55 Jahren.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026
Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 29216, Kurt Peisach

Stolperstein Frieda Prinz

Stolperstein Frieda Prinz

HIER WOHNTE
FRIEDA PRINZ
GEB. WALDOW
JG. 1885
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Frieda Prinz wurde als Frieda Waldow (manchmal auch Waldo) am 19. März 1885 in Gnesen in Pommern (Gniezno, Polen) geboren. Für ihre Eltern, den aus Filehne im Kreis Bromberg (Wieleń, Polen) gebürtigen Kaufmann Getzel Waldow (*14. Dezember 1853) und dessen Ehefrau Jeanette, genannt Jenny, geborene Michael (*8. Dezember 1855), war sie das dritte von insgesamt vier Kindern. Georg (*20. Dezember 1882) war zwei Jahre älter als sie. Der Bruder Berthold (1883-1884) starb schon als Kleinkind. Arthur (*26. März 1888) kam drei Jahre nach ihr auf die Welt.

Die Familie zog in die Friedbergstraße 34 in Charlottenburg in der Nähe von Berlin. Im November 1907 bestellte Frieda mit ihrem Verlobten Isidor Simon das Aufgebot für die Hochzeit. Beide erschienen nicht zum Termin. Als Frieda 24 Jahre alt war, heiratete sie am 9. August 1909 den zwanzig Jahre älteren, aus Kempen (Kępno, Polen) etwa 80 km nordöstlich von Breslau stammenden Kaufmann Michael Selig Prinz (*28. Februar 1865). Sie wurden Eltern der Tochter Erika (*19. April 1913) und am 21. Februar 1918 Eltern eines Jungen, der tot geboren wurde. Damals wohnten sie in der Wilmersdorfer Straße 95 in Charlottenburg.

Friedas Vater starb mit 68 Jahren am 5. Oktober 1922 in Berlin. Ihre Mutter wurde mit 66 Jahren Witwe. Am 11. Juli 1923 wurde die Ehe zwischen Michael und Frieda geschieden.
Frieda blieb weiterhin mit der damals 10-jährigen Erika in der Wilmersdorfer Straße 95 wohnen.

Ihr älterer Bruder Georg heiratete am 19. Mai 1926 die nicht-jüdische Marie Geisheimer (*23. Juni 1889). Sie wurden Eltern von zwei Töchtern, Ruth (*15. Oktober 1927) und Rosemarie (*4. August 1931).

Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Frieda 48 Jahre alt. Zusammen mit ihrem jüngsten Bruder Arthur besaß sie ein Mietshaus in der Straßburger Straße 43 in Berlin-Prenzlauer Berg, welches die beiden 1934 aus der Not heraus für einen geringen Preis verkaufen mussten. 1936 zog Frieda mit ihrer Tochter Erika in die Sybelstraße 61 und danach in die Eisenzahnstraße 63 um. Am 7. Dezember 1937 starb ihr geschiedener Ehemann, der Vater ihrer Tochter Erika, in Berlin-Charlottenburg.

Bei der Minderheiten-Volkszählung am 17. Mai 1938 waren die 54-jährige Frieda und die 26-jährige Erika in der Konstanzer Straße 55 gemeldet. Erika gelang noch 1939 die Flucht nach Großbritannien, wo sie als Haushaltshilfe arbeitete. Vermutlich wohnte Frieda bis einschließlich März 1942 in der Konstanzer Straße 55 zur Untermiete, denn im Berliner Adressbuch war sie nicht aufgeführt. Seit April 1942 wohnte sie einem teilmöblierten Zimmer zur Untermiete bei Martin Cohn in der Fürther Straße 3 in Berlin-Lichtenrade.

Ihr Bruder Arthur (*26. März 1888), der zuletzt in der Kantstraße 55 wohnte, wurde am 13. Juni 1942 in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und ermordet.

Da auch sie jeden Tag mit der Deportation rechnete, erteilte sie ihrer Tochter Erika die Vollmacht für ihr Konto bei der Deutschen Bank. Anfang Dezember bekam sie schließlich den Deportationsbefehl. Am 21. Dezember 1942 unterschrieb sie ihre Vermögenserklärung im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26, wo sie noch bis zum 12. Januar 1943 interniert wurde. Mit dem 26. Osttransport am 12. Januar 1943 deportierte die Gestapo 1190 Personen, darunter Frieda Prinz, nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft in einer Gaskammer in Auschwitz-Birkenau ermordet wurde. Frieda Prinz geborene Waldow starb mit 57 Jahren.
Ihr älterer Bruder Georg, der zum Zeitpunkt der „Minderheiten-Volkszählung“ in der Holsteinischen Straße 9 in Berlin-Wilmersdorf wohnte, war eigentlich durch seine „privilegierte Mischehe“ mit einer Nicht-Jüdin vor der Deportation in den Osten geschützt. Er wurde aber in dem Arbeitserziehungslager Großbeeren interniert und starb dort aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen am 6. Dezember 1943.

Friedas Tochter Erika Prinz überlebte den Holocaust in Großbritannien und ging als Schneiderin 1948 in die USA. Von dort stellte sie mehrere Anträge beim Wiedergutmachungsamt.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage
• Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Reg. 36A (II) 30293, Frieda Prinz

Stolperstein Paul Rosenthal

Stolperstein Paul Rosenthal

HIER WOHNTE
PAUL ROSENTHAL
JG. 1864
GEDEMÜTIGT / ENTRECHTET
FLUCHT IN DEN TOD
21.9.1942

Paul Max Salomon Rosenthal wurde am 28. Oktober 1864 in Königsberg in Ostpreußen (Kaliningrad, Russland) in eine jüdische Familie geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Louis Rosenthal (*1831) und dessen Ehefrau Hulda geborene Hermann (*1844), war er das dritte von insgesamt sechs Kindern. Flora (*1857) und Rachel (*1859) waren älter und Francis (*1865), Robert Arthur (*1866), Levi (*1867) und Emil (*1869) jünger als er. Seine Mutter starb 1887, als Paul schon Rechtswissenschaften studierte. Er promovierte zum Dr. jur. und stieg stetig auf der Karriereleiter zum Land- und Amtsgerichtsrat auf.

Mit 31 Jahren heiratete der damalige „Königliche Gerichtsassessor, doktor juris“ Paul Max Salomon Rosenthal am 10. Februar 1897 die 21-jährige Caroline Auguste Charlotte Model (*4. September 1875). Als Trauzeugen waren Charlottes Vater, der ehemalige Bankier Julius Gustav Model, und Pauls Vater Louis Rosenthal anwesend. Auf der Heiratsurkunde war vermerkt, dass Paul der evangelischen Religion angehörte. Seine Ehefrau Charlotte hingegen gehörte der „mosaischen“ Religion an.

Noch im gleichen Jahr, am 25. November 1897, wurden sie Eltern ihres Sohnes Kurt Bernhard Conrad Paul Rosenthal (*1897). Es folgten zwei Jahre später ihre Tochter Annemarie Hulda Julie (*22. September 1899), 1901 ihre Tochter Luise Charlotte Franziska (*3. Oktober 1901) und 1903 ihr jüngerer Sohn Walter (*18. Mai 1903). Damals wohnten sie in der Bayreuther Straße 30 und danach in der Nr. 41. Alle vier Kinder wurden evangelisch getauft. Ein großer Schicksalsschlag für die Familie war 1905 der Tod der 4-jährigen Luise Charlotte Franziska. Pauls Schwager, der Arzt Dr. Richard Model, meldete den Tod in Charlottenburg beim Standesamt. Die Familie wohnte damals in Woldenberg im Kreis Friedeberg in der Neumark (Dobiegniew, Polen) wo Paul als Amtsgerichtsrat tätig war.

Am 12. März 1917 bekam die Familie Rosenthal die traurige Nachricht, dass ihr ältester Sohn und Bruder, der Gymnasiast Kurt Bernhard Conrad Paul Rosenthal, im Ersten Weltkrieg am 8. Januar 1917 in Douilly, Somme, Picardie in Frankreich für das Vaterland gefallen sei. Damals wohnte die Familie des Landgerichtsrats in der Rankestraße 13 in Charlottenburg.

Ihre Tochter Annemarie heiratete am 25. Juni 1921 den aus Hamburg stammenden 41-jährigen Bankier Walther August Horschitz-Horst (*27. Mai 1880). Sie wurden Eltern einer Tochter, die sie Margaret Augusta (*21. April 1922) nannten. Paul und Charlotte wurden zum ersten Mal Großeltern. Nach fünf Jahren Ehe wurde Annemaries Ehe geschieden. Annemarie wurde 1928 als deutsche autorisierte Übersetzerin Ernest Hemingways bekannt. In diesem Jahr veröffentlichte der Rowohlt Verlag ihre Übertragung aus dem Amerikanischen von Ernest Hemingways Debütroman „The Sun Also Rises“ mit dem Titel „Fiesta“. Im Berliner Adressbuch 1930 wurde Annemarie Horschitz-Horst als Schriftstellerin geführt.
Als die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 an die Macht kamen, war Paul 68 und seine Ehefrau Charlotte 57 Jahre alt. Obwohl ihre Tochter Annemarie evangelisch getauft war, galt sie für die Nationalsozialisten als jüdisch, weil ihre Großeltern jüdisch waren. Als Jüdin durfte sie im Deutschen Reich nicht weiter als Übersetzerin arbeiten und emigrierte 1933 mit ihrer 11-jährigen Tochter nach London.
Auch der Sohn Walter hatte schon früh erkannt, dass er als Jude keine Zukunft im Deutschen Reich hatte. Er emigrierte 1933 nach New York in den USA, wo er seinen Nachnamen in Roberts ändern ließ. Am 30. August 1934 heiratete er Gladys Edel.
So blieben Paul und Charlotte Rosenthal allein in Berlin zurück. Bevor sie in die Konstanzer Straße 55 zogen, wohnten sie ab Ende der 1920er- Jahre in der Auguste-Viktoria-Straße 6 in Berlin-Halensee. Wann sie in die Konstanzer Straße 55 gezogen sind, konnte nicht recherchiert werden. 1939 führte sie das Berliner Adressbuch dort nur ein einziges Mal.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren die Eheleute Rosenthal noch in der Konstanzer Straße 55 gemeldet.

Seit Oktober 1941 wurde es Juden verboten, aus Deutschland auszureisen. Seit dem 18. Oktober 1941 deportierte die Gestapo Juden in den Osten.

Charlotte Rosenthal starb mit 66 Jahren am 3. Februar 1942. Der Landgerichtsrat Dr. Paul Rosenthal wurde mit 77 Jahren Witwer. Sein letzter Wohnsitz war in der Karlstraße 20a (heute Reinhardstraße 5) in Berlin-Mitte.

Als er am 23. September 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert werden sollte und ihm befohlen wurde, sich dafür im Sammellager in der Großen Hamburger Straße 26 einzufinden, war ihm klar, dass er diesem Befehl nicht nachkommen würde. Nachdem er eine Überdosis von Schlafmitteln eingenommen hatte, wurde er am 21. September 1942 in das Jüdische Krankenhaus in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding gebracht, wo er gegen 19 Uhr des selben Tages starb.

Recherche und Text: Gundula Meiering, Juni 2026

Quellen:
• Bundesarchiv – Gedenkbuch
• Mapping the Lives
• Berliner Adressbücher
• Arolsen Archives – Deportationslisten
• Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen über Ancestry
• My Heritage

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