Stolperstein Bernhardstr. 17

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Hauseingang Bernhardstr. 17
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

Dieser Stolperstein wurde von Eric Gerzon (Amsterdam/Niederlande) gespendet und am 16.10.2012 verlegt.

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Stolperstein Regina Dienstag
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Siebold

HIER WOHNTE
REGINA DIENSTAG
JG. 1869
DEPORTIERT 16.6.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 19.9.1942
TREBLINKA

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Regina Dienstag
Bild: Archiv Eric Gerzon

Zur Verlegung des Stolpersteins für Regina Dienstag in der Bernhardstraße am 16. Oktober 2012 sagte Eric Gerzon:

“In der Bernhardstraße 16 – das Haus steht heute nicht mehr – wohnte, wahrscheinlich schon seit Ende des 19. Jahrhunderts, die Familie Dienstag. Die Schwestern Lotte und Regina Dienstag waren beste Jugendfreundinnen meiner Urgroßmutter Hedwig Marcuse, geborene Abraham, und im Laufe der Jahre wurden sie innige Freundinnen meiner ganzen Familie mütterlicherseits.

Als meine Großmutter Else und mein Großvater Georg und ihr zweijähriges Töchterlein Rosemarie 1920 keine andere Wohnung in Berlin finden konnten, zogen sie hier in der Bernhardstraße bei den Schwestern Dienstag ein, die damals schon über 50 waren.

Mein Großvater Georg starb sehr jung, im Alter von 32 Jahren, im Januar 1923. Meine Großmutter Else wurde mit 24 Jahren Witwe, und meine Mutter war erst vier Jahre alt, als ihr Vater starb.

Bildvergrößerung: Tante Lotte und Tante Regina Dienstag, 1934
Tante Lotte und Tante Regina Dienstag, 1934
Bild: Archiv Eric Gerzon

Meine Großmutter Else arbeitete als Sekretärin beim Bankhaus Mendelssohn in der Jägerstraße, in der Nähe vom Gendarmenmarkt. Sie ging morgens früh ins Büro und kam erst abends nach Hause, so dass es in der täglichen Praxis die „Tanten“, also Tante Re und Tante Lotte waren, die meine Mutter erzogen.

Bildvergrößerung: Poesiealbumeintrag Tante Regina und Tante Lotte Dienstag
Poesiealbumeintrag Tante Regina und Tante Lotte Dienstag
Bild: Archiv Eric Gerzon

Sie waren es, die sich liebevoll um meine Mutter, die kleine Rosemarie, kümmerten, die sie zur Schule brachten und von der Schule abholten, die dafür sorgten, dass sie Klavier übte, dass sie zu Schwimmstunden ihren Badeanzug in der Schultasche mitnahm, die ihr halfen beim Schreiben von Geburtstagsgedichten und bei den Schulaufgaben. Meine Mutter hat immer sehr liebevoll über die beiden „Tanten“ gesprochen.

Bis November 1933 wohnte meine Großmutter Else hier in der Bernhardstraße in Wilmersdorf. Dann musste sie ins Exil gehen: sie flüchtete nach Palästina. Aber meine Mutter wollte hier bei den „Tanten“ bleiben, um ihr Abitur zu schaffen und später Medizin zu studieren. Aber auch sie musste ein gutes Jahr später, im Januar 1935, ins Exil gehen. Und auch sie wohnte bis zu ihrer Auswanderung hier in der Bernhardstraße bei den Schwestern Dienstag.

Lotte Dienstag starb 1936 einen natürlichen Tod. Regina Dienstag aber traf ein schreckliches Schicksal: Sie wurde, im Alter von 72 Jahren, am 16. Juni 1942 deportiert nach Theresienstadt in Böhmen und von dort am 19. September 1942 weiter verschleppt nach Treblinka in Polen.

Zur Erinnerung an Regina Dienstag ist heute dieser Stolperstein verlegt worden”.

Der Stolperstein musste neben dem Haus Bernhardstraße 17 verlegt werden, weil das Haus 16 wegen des Baus der Stadtautobahn abgerissen worden ist. Im Nachbarhaus 17 hatten sechs jüdische Menschen gelebt, die seit November 1941 aus ihrem Wohnungen geholt wurden. Vor ihrer Deportation hatte Regina Dienstag, die allein war, im Jüdischen Altersheim an der Iranischen Straße 3 in Wedding Zuflucht gesucht. Vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald wurde sie in einem mit 50 überwiegend alten Menschen voll besetzten Waggon ins Ghetto Theresienstadt gebracht. Soweit aus den noch erhaltenen Lagerlisten ersichtlich ist, kam sie drei Monate später nach Treblinka, wo sie vermutlich umgebracht wurde. Nach anderen, nicht gesicherten Quellen ist sie noch weiter nach Minsk in Weißrussland transportiert worden und kam dort uns Leben.

Das Original des hier abgebildeten Porträts, andere Fotos sowie Briefe und Gedichte von Regina Dienstag hat Eric Gerzon 2011 dem Jüdischen Museum Berlin übergeben, wo sie öffentlich zugänglich sind.