HIER WOHNTE
RICHARD STERN
JG. 1875
DEPORTIERT 29.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 5.3.1944
Richard Stern wurde am 15. September 1874 (nicht 1875) in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Louis Stern (*ca.1840) und dessen Ehefrau Flora Nogel Stern geborene Jaffé (*1852), war er das erste Kind von insgesamt drei Kindern. Ein Jahr nach Richards Geburt kam Felix (*14. November 1875) und am 15. März 1879 seine kleine Schwester Margarethe, genannt Grete, zur Welt.
Richard wurde, wie sein Vater, Kaufmann von Beruf.
Seine Schwester Margarethe heiratete am 9. April 1899 mit 20 Jahren den Zahnarzt und späteren Professor der Zahnmedizin Hans Jaques Mamlok (*12. April 1875).
1907 starb der Vater, Louis Stern. Richards Mutter wurde mit 55 Jahre Witwe. Richard war damals 33 Jahre alt.
Wann und wo Richard seine spätere Ehefrau Else Scholl geborene Bendit (*6. Februar 1881) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten drei Monate nach Elses Scheidung von ihrem ersten Ehemann Hugo Scholl. Bei der Heirat am 11. April 1911 war Richard 36 Jahre und Else 30 Jahre alt. Richard wohnte vor der Heirat in der Gossowstraße 5, einer Verbindungsstraße von der Motz- zur Winterfeldtstraße in Berlin-Schöneberg. Else brachte zwei Kinder mit in die Ehe, die 10-jährige Edith (*21. Juli 1901) und den 7-jährigen Werner (*1904). Elses erster Ehemann Hugo Scholl, der Vater der Kinder, starb 1917 mit 47 Jahren.
Auch Richards Bruder, der Fabrikbesitzer Felix Stern, starb schon mit 45 Jahren, am 1. Februar 1920. Seine Mutter, Flora Nogel Stern geborene Jaffé, starb 1925 mit 73 Jahren.
1920 adoptierte Richard seinen Stiefsohn Werner, der seinen Namen annahm und fortan Werner Stern hieß. Damals wohnte die Familie in der Xantener Straße 6 in Berlin-Wilmersdorf. Das Berliner Adressbuch führte Richard dort bis 1929 als Bankier. Die Ehe mit Else hielt 18 Jahre und wurde am 6. Juli 1929 geschieden.
Von 1929 bis 1939 führte ihn das Berliner Adressbuch als Kaufmann im Thaliaweg 11 in Berlin-Lankwitz. Seine Schwester Margarethe Mamlok geborene Stern flüchtete zusammen mit ihrem Ehemann am 16. April 1937 nach New York City in die USA.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Richard in der Prinzregentenstraße 9 gemeldet, wo er vermutlich Ende 1938 hingezogen war. Am 1. Juni 1939 zog er zur Untermiete zu den drei Schwestern Nagelschmidt im I. Stock der Güntzelstraße 14. Seit ca. 1940 musste er Zwangsarbeit in der Schneekettenfabrik Nordland leisten.
Seine geschiedene Ehefrau Elsa Stern, deren letzte Adresse in Berlin eine Zwangswohnung in der Knesebeckstraße 28 in Berlin-Charlottenburg war, deportierte die Gestapo mit dem 9. Osttransport am 19. Januar 1942 nach Riga, wo sie am 23. Januar 1942 ermordet wurde.
Seit dem 1. Juni 1942 wohnte Richard zur Untermiete bei Theodor Baumgart im I. Stock des Vorderhauses der Bamberger Str. 5. Hier bekam er Mitte Januar 1943 den Deportationsbefehl. Seine Vermögenserklärung unterschrieb er am 15. Januar 1943. Die Gestapo internierte ihn 14 Tage im Durchgangslager in der Gerlacher Str. 21, bevor er am 29. Januar 1943 vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert wurde. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb er nach gut einem Jahr, am 5. März 1944, mit 69 Jahren.
Seine Stieftochter, die 41-jährige Edith Mamroth geborene Scholl, wohnte vor ihrer Deportation in der Uhlandstr. 31. Mit dem 29. Osttransport deportierte die Gestapo sie am 19. Februar 1943 nach Auschwitz und ermordete sie in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Ihr Sohn Hans Peter Mamroth (*20. Dezember 1923), der mit ihr bei der „Minderheiten-Volkszählung“ noch in der Bregenzer Straße 1/2 gewohnt hatte, überlebte den Holocaust in Paris.
Richards Stiefsohn Werner Stern hatte nach der Scheidung seiner Mutter von Richard seinen Geburtsnamen Scholl wieder angenommen. Ihm gelang noch rechtzeitig die Flucht nach Palästina. Werner Scholl starb mit 72 Jahren 1977 in Jerusalem, Israel.
Text und Recherche: Gundula Meiering , Januar 2026
Quellen:
- Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
- Mapping the Lives
- Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
- Arolsen Archives –
- Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
- My Heritage
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 37222 Richard Stern