Stolpersteine Prinzregentenstr. 9

Hauseingang Prinzregentenstr. 9, 03.10.2012

Hauseingang Prinzregentenstr. 9, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 03.10.2012

Die Stolpersteine für Paula Tichauer und Richard Stern wurden am 22.05.2012 verlegt.

Der Stolperstein für Alfred Schönberg wurde am 18. Oktober 2024 verlegt.

Stolperstein Paula Tichauer

Stolperstein Paula Tichauer, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 03.10.2012

HIER WOHNTE
PAULA TICHAUER
GEB. COHN
JG. 1881
DEPORTIERT 26.2.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Paula Tichauer wurde als Paula Cohn am 8. Februar 1881 im niedersächsischen Wolfenbüttel geboren. Für ihre Eltern, den aus Meseritz in Schlesien (Międzyrzecz, Polen) stammenden Kaufmann Bernhard Cohn (*8. Oktober 1849) und dessen Ehefrau Lina Cohn geborene Silberberg war sie das mittlere Kind von insgesamt drei Kindern. Ihre Schwester Cäcilie (*23. März 1879) war zwei Jahre älter und ihr Bruder Fedor (*5. September 1882) anderthalb Jahre jünger als sie. Nach der Geburt der Kinder zog die Familie Cohn nach Berlin und wohnte in der Potsdamer Straße 76.

Wann und wo Paula ihren späteren Ehemann, den aus Chropaczow im Kreis Beuthen (Chropaczów, Polen) stammenden Kaufmann Hans Tichauer (*10. Dezember 1882) kennenlernte, ist nicht bekannt. Hans war der Sohn des Spediteurs Max Tichauer und dessen Ehefrau Ernestine geborene Blumenreich aus Breslau (Wrocław, Polen). Er wohnte vor der Heirat in der Jagowstraße 7 in Berlin-Tiergarten. Paula und Hans heirateten am 18. August 1908 in Berlin. Ihre Trauzeugen waren Paulas Vater Bernhard Cohn und ihr Onkel Jarmer Silberberg (*1871). Hans‘ Eltern waren zu diesem Zeitpunkt schon gestorben.

Am 24. Juni 1909 wurde Paulas Sohn Werner Max in Berlin geboren. Die kleine Familie wohnte damals in der Kaiserallee 45a in Wilmersdorf bei Berlin. Fünf Jahre später, am 5. Januar 1914, wurden Paula und Hans Eltern einer Tochter, der sie in Erinnerung an Paulas verstorbene Mutter den Namen Lina (*5. Januar 1914) gaben. Sie wohnten damals in Breslau. Hans war als Generalvertreter erster Häuser der Nahrungsmittelbranche in der Neudorfstraße 115 in Breslau gemeldet.

Paulas Bruder Fedor Cohn und Frieda Holz (*27. Oktober 1879) heirateten am 21. Dezember 1912 in Berlin. Paulas Schwester Cäcilie heiratete Mitte der 1920er Jahre den Witwer Michael Eisig Gundermann. Dessen erste Ehefrau Klara Gundermann war am 11. Januar 1922 mit 45 Jahren gestorben.

Paulas Ehemann Hans starb im Alter von nur 47 Jahre am 23. Januar 1930 in ihrer Wohnung in der Glasgower Straße 23 in Berlin-Wedding. Sein 20-jähriger Sohn, der kaufmännische Angestellte Werner Max, meldete den Tod beim Standesamt. Paula wurde mit knapp 49 Jahren Witwe.

Drei Jahre später, am 13. Mai 1933, kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, heirateten Paulas Sohn Werner Max und die Zuschneiderin Emmy Gundermann (*21. Juni 1907). Sie war die Tochter von Paulas Schwager, des Mützenfabrikanten Michael Eisig Gundermann (*10. Februar 1874), und dessen erster Ehefrau Klara Gundermann.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Paula im III. Stock der Prinzregentenstraße 9 in Berlin-Wilmersdorf gemeldet. Einen Monat später zog sie zu ihrer Tochter Lina und deren Ehemann Harry Rosenthal (*24. Mai 1902) in die Eisenacherstraße 8 in Berlin-Schöneberg. Auch Paulas Schwester Cäcilie und deren Ehemann mussten aus der Neuen Königstraße 16 in die Neue Königstraße 5 in Berlin-Prenzlauer Berg umziehen. Michael starb am 21. Dezember 1939 in Berlin. Cäcilie wurde mit 60 Jahren Witwe.

Cäcilie deportierte die Gestapo als erste der Familie Cohn am 10. August 1942 in das Ghetto Theresienstadt. Ihre Schwägerin Frieda Cohn geborene Holz wurde am 29. Oktober 1942 nach Riga deportiert und dort ermordet.

Paula musste in Berlin noch ein weiteres Mal umziehen und wohnte danach zusammen mit ihrer Tochter Lina und ihrem Schwiegersohn Harry Rosenthal zur Untermiete bei der Familie Serulon in der Eisenacherstraße 80 in Berlin-Schöneberg.

Am 26. Februar 1943 deportierte die Gestapo die drei zusammen mit mehr als 1.000 Leidensgenossen und -genossinnen mit dem “30. Osttransport” in das Konzentrationslager Auschwitz. Vermutlich wurde Paula kurz nach der Ankunft in Auschwitz-Birkenau in den Gaskammern ermordet. Paula Tichauer geborene Cohn starb mit 62 Jahren.

Auch ihre Tochter Lina und ihr Schwiegersohn Harry Rosenthal wurden in Auschwitz ermordet. Paulas Bruder Fedor deportierte die Gestapo am 12. März 1943 ebenfalls in das Konzentrationslager Auschwitz, wo sie auch ihn ermordeten.

Am 16. Mai 1944 wurde Paulas Schwester Cäcilie aus dem Ghetto Theresienstadt in das Konzentrationslager Auschwitz deportiert und ermordet.

Paulas Sohn Werner Max überlebte den Holocaust. Er starb mit 72 Jahren am 12. Oktober 1982 in Mainz.

Text und Recherche: Gundula Meiering, Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives – Deportationslisten
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
Stolperstein Richard Stern

Stolperstein Richard Stern, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 03.10.2012

HIER WOHNTE
RICHARD STERN
JG. 1875
DEPORTIERT 29.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 5.3.1944

Richard Stern wurde am 15. September 1874 (nicht 1875) in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Louis Stern (*ca.1840) und dessen Ehefrau Flora Nogel Stern geborene Jaffé (*1852), war er das erste Kind von insgesamt drei Kindern. Ein Jahr nach Richards Geburt kam Felix (*14. November 1875) und am 15. März 1879 seine kleine Schwester Margarethe, genannt Grete, zur Welt.

Richard wurde, wie sein Vater, Kaufmann von Beruf.

Seine Schwester Margarethe heiratete am 9. April 1899 mit 20 Jahren den Zahnarzt und späteren Professor der Zahnmedizin Hans Jaques Mamlok (*12. April 1875).

1907 starb der Vater, Louis Stern. Richards Mutter wurde mit 55 Jahre Witwe. Richard war damals 33 Jahre alt.

Wann und wo Richard seine spätere Ehefrau Else Scholl geborene Bendit (*6. Februar 1881) kennenlernte, ist nicht bekannt. Sie heirateten drei Monate nach Elses Scheidung von ihrem ersten Ehemann Hugo Scholl. Bei der Heirat am 11. April 1911 war Richard 36 Jahre und Else 30 Jahre alt. Richard wohnte vor der Heirat in der Gossowstraße 5, einer Verbindungsstraße von der Motz- zur Winterfeldtstraße in Berlin-Schöneberg. Else brachte zwei Kinder mit in die Ehe, die 10-jährige Edith (*21. Juli 1901) und den 7-jährigen Werner (*1904). Elses erster Ehemann Hugo Scholl, der Vater der Kinder, starb 1917 mit 47 Jahren.

Auch Richards Bruder, der Fabrikbesitzer Felix Stern, starb schon mit 45 Jahren, am 1. Februar 1920. Seine Mutter, Flora Nogel Stern geborene Jaffé, starb 1925 mit 73 Jahren.

1920 adoptierte Richard seinen Stiefsohn Werner, der seinen Namen annahm und fortan Werner Stern hieß. Damals wohnte die Familie in der Xantener Straße 6 in Berlin-Wilmersdorf. Das Berliner Adressbuch führte Richard dort bis 1929 als Bankier. Die Ehe mit Else hielt 18 Jahre und wurde am 6. Juli 1929 geschieden.

Von 1929 bis 1939 führte ihn das Berliner Adressbuch als Kaufmann im Thaliaweg 11 in Berlin-Lankwitz. Seine Schwester Margarethe Mamlok geborene Stern flüchtete zusammen mit ihrem Ehemann am 16. April 1937 nach New York City in die USA.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 war Richard in der Prinzregentenstraße 9 gemeldet, wo er vermutlich Ende 1938 hingezogen war. Am 1. Juni 1939 zog er zur Untermiete zu den drei Schwestern Nagelschmidt im I. Stock der Güntzelstraße 14. Seit ca. 1940 musste er Zwangsarbeit in der Schneekettenfabrik Nordland leisten.

Seine geschiedene Ehefrau Elsa Stern, deren letzte Adresse in Berlin eine Zwangswohnung in der Knesebeckstraße 28 in Berlin-Charlottenburg war, deportierte die Gestapo mit dem 9. Osttransport am 19. Januar 1942 nach Riga, wo sie am 23. Januar 1942 ermordet wurde.

Seit dem 1. Juni 1942 wohnte Richard zur Untermiete bei Theodor Baumgart im I. Stock des Vorderhauses der Bamberger Str. 5. Hier bekam er Mitte Januar 1943 den Deportationsbefehl. Seine Vermögenserklärung unterschrieb er am 15. Januar 1943. Die Gestapo internierte ihn 14 Tage im Durchgangslager in der Gerlacher Str. 21, bevor er am 29. Januar 1943 vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert wurde. Aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen im Ghetto starb er nach gut einem Jahr, am 5. März 1944, mit 69 Jahren.

Seine Stieftochter, die 41-jährige Edith Mamroth geborene Scholl, wohnte vor ihrer Deportation in der Uhlandstr. 31. Mit dem 29. Osttransport deportierte die Gestapo sie am 19. Februar 1943 nach Auschwitz und ermordete sie in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau. Ihr Sohn Hans Peter Mamroth (*20. Dezember 1923), der mit ihr bei der „Minderheiten-Volkszählung“ noch in der Bregenzer Straße 1/2 gewohnt hatte, überlebte den Holocaust in Paris.

Richards Stiefsohn Werner Stern hatte nach der Scheidung seiner Mutter von Richard seinen Geburtsnamen Scholl wieder angenommen. Ihm gelang noch rechtzeitig die Flucht nach Palästina. Werner Scholl starb mit 72 Jahren 1977 in Jerusalem, Israel.

Text und Recherche: Gundula Meiering , Januar 2026

Quellen:
  • Bundesarchiv – Gedenkbuch, Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933 – 1945
  • Mapping the Lives
  • Berliner Adressbücher und Amtliche Fernsprechbücher Berlin
  • Arolsen Archives –
  • Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen / über ancestry
  • My Heritage
  • Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Potsdam – Vermögenserklärung, Reg. 36A (II) 37222 Richard Stern
Stolperstein für Alfred Schönberg

HIER WOHNTE
ALFRED
SCHÖNBERG
JG. 1882
VERHAFTET 1938
KZ SACHSENHAUSEN
ERMORDET 8.12.1938

Adresse

Stolpersteine