Stolpersteine Markgraf-Albrecht-Str. 5

Link zu: Hauseingang Markgraf-Albrecht-Str. 5, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
Hauseingang Markgraf-Albrecht-Str. 5, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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Die Stolpersteine für Sali Max Fraenkel, Henriette und Regina Harris sowie Jenny und Katharina Manneberg wurden von Hausbewohner/innen gespendet, der für Rudolf Augustin von Dirk Leicher, Berlin. Sie wurden am 08.05.2012 verlegt.

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Stolperstein Sali Max Fraenkel, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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HIER WOHNTE
SALI MAX FRAENKEL
JG.1878
DEPORTIERT 14.7.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 16.5.1944
AUSCHWITZ

Sali Max Fraenkel, geboren am 21. Februar 1878 in Zülz (Oberschlesien), hatte sich einen angenehmen Ruhestand gewünscht, musste aber in den letzten Jahren seines Lebens mehrmals in Charlottenburg umziehen, bevor er am 13. Juli 1942 abgeholt wurde. Vor 1939 hatte er in der Wielandstraße 5 gewohnt. Zum Stichtag der Volkszählung vom 17.5.1939 war er in der Markgraf-Albrecht-Straße 5 gemeldet, wo er nicht lange bleiben durfte. Am 1.2.1941 musste er als Untermieter in der Droysenstraße 5 unterschlüpfen. Am 14. Juli 1942 ist Fraenkel – wie acht der 13 jüdischen Bewohner dieses Hauses – nach Theresienstadt deportiert worden. Am 6.10.1942 wurde die Wohnung geräumt.
Den noch vorhandenen Akten ist zu entnehmen, dass er im ersten Stock rechts „bei Jacobsohn“ zwei Zimmer bewohnte, für die er nach eigenen Angaben 95 Reichsmark bezahlte. Ob Jenny, Selma oder Ludwig Leo Jacobson seine letzten Vermieter waren, ist schwer herauszufinden zumal sie sich anders schrieben. Ebenso gibt es keinerlei Hinweise, ob Sali Fraenkel verheiratet gewesen war. Ungewiss ist auch, ob Stefan Fraenkel, der von ihm mit der Adresse Des Moines, 3323 Ingerson Ave., USA auf einem Fragebogen eingetragen wurde, sein Sohn war.
Sali Fraenkel, der seinen Vornamen selbst Salli schrieb, gab als Beruf Bankvorsteher an. Genauer gesagt, war er Depositenkassen-Vorsteher bei der Deutschen Bank gewesen und schon in Pension gegangen oder geschickt worden. Jedenfalls war er ein vermögender Mann, der den Lebensabend hätte genießen können.
Eine 16 Seiten umfassende Vermögenserklärung gab er am 19.6.1942 ab. Auf seinem Konto bei der Deutschen Bank hatte er demnach 2 200 Reichsmark, im Depot lagerten Reichsschatzanweisungen und Aktien, die er für 38 000 RM erworben hatte. Allerdings hatte er sich mit einigen russischen Papieren wohl verspekuliert, denn er bemerkte: „Russenanleihen wertlos“. Fraenkel bezog eine laufende Pension von 2 000 RM im Jahr von der Deutschen Bank und hatte einen weiteren Pensionsanspruch bei der David Hansemann’schen Pensionskasse. Es sei jedoch „zweifelhaft“, ob sie ihm zugute komme, „da die Pension freiwillig und widerruflich gewährt worden ist“, bemerkte er dazu. Schließlich stand ihm noch eine Leistung des Beamtenversicherungsvereins des Deutschen Bank- und Bankiergewerbes zu.
Sein Gesamtvermögen bezifferte Fraenkel, der mit Geld umzugehen verstand, auf 18 500 Reichsmark. Da er sich vermutlich bei jedem seiner unfreiwilligen Umzüge verkleinern musste, besaß er nur noch wenige Möbel, aber Bücher „ungezählt“, wie er ins Inventarverzeichnis schrieb. Alles, was er besaß, wurde amtlich auf 395 RM taxiert und für 276,50 RM an den Händler Wilhelm Hahn, Gatschkestraße 17, verscherbelt. „Ein complettes Schlafzimmer Mahagoni“ hatte Fraenkel irgendwann vorher in der Nürnberger Straße untergestellt. Als dort nach dem Verbleib gefahndet wurde, kam die schriftliche Antwort, das Schlafzimmer sei von einem Herrn Jakobowitz mit einem Pferdefuhrwerk abgeholt und verkauft worden. „Mit Deutschem Gruß! Ernst Groß“. Ein Jakobowitz war aber nicht mehr aufzufinden, und so stellten die Nazi-Behörden die Suche nach dem verschwundenen Schlafzimmer eines Tages ein.
Alle anderen Vermögenswerte wurden nach der Deportation Fraenkels vom NS-Staat eingezogen, die Guthaben wurden 1943 an die Oberfinanzkasse überwiesen. Die Geheime Staatspolizei, die diesen Raub beaufsichtigte, protokollierte am 13.10.1943: „Der Jude Sally Fraenkel ist am 14.7.42 nach dem Osten außerhalb der Reichsgrenze evakuiert worden. Sein Vermögen ist mit dem gleichen Tage dem Reich verfallen.“ Am 30.9.1942 hatte sein früherer Arbeitgeber, die Deutsche Bank, der obersten Finanzbehörde in dürren Worten mitgeteilt, Fraenkel sei „evakuiert – unbekannt, ob ins Ausland“. Jedenfalls sei ein Pensionsanspruch von 3 644,32 RM zum 31.7.1942 „widerrufen, wozu wir berechtigt waren. Der Anspruch ist infolgedessen erloschen.“ Noch unglaublicher ist ein in den Aktenbeständen des Brandenburgischen Landeshauptarchivs in Potsdam aufzufindender Brief der Sterbekasse für die Gefolgschaftsmitglieder der Deutschen Bank: „Nach § 20 unserer Satzung steht dem genannten, der sich im Ausland aufhalten soll, ein Beitragsanteil von RM 74,55 zu. Wir beantragen daher eine Abforderung des vorstehenden Betrags. Heil Hitler!“ – darunter der Stempel der Sterbekasse.
Nach fast zwei Jahren im völlig überfüllten Ghetto Theresienstadt ist der einst geachtete Berliner Bankkaufmann Max Sali Fraenkel entrechtet und ausgeraubt am 16. Mai 1944 ins Vernichtungslager Auschwitz weiterverschleppt und dort ums Leben gebracht worden.
Recherche und Text: Helmut Lölhöffel

Link zu: Stolperstein Henriette Harris, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
Stolperstein Henriette Harris, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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HIER WOHNTE
HENRIETTE HARRIS
GEB. LEWEK
JG. 1861
DEPORTIERT 12.1.1943
THERESIENSTADT
ERMORDET 22.3.1943

Henriette Harris, geb. Lewek, geboren am 13. Januar 1861 in Konitz (Chojnize) im damaligen Westpreußen, hatte in der Markgraf-Albrecht-Straße 5 gewohnt – zusammen mit ihrer Tochter Regina und früher wahrscheinlich auch mit ihrem vor 1939 gestorbenen Mann. Von ihm ist nicht einmal der Vorname überliefert, von den beiden Frauen gibt es nur wenige Spuren.
Im November 1942 mussten sie kurzfristig unter Zwang in die Sybelstraße 35 umziehen, wo sie im Vorderhaus im 1. Stock bei Hartmann in einem möblierten Zimmer wohnten, für das sie 50 Reichsmark Miete im Monat zu zahlen hatten. In diesem Eckhaus am Holtzendorffplatz lebten außer ihnen mindestens 21 jüdische Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Rassenwahns wurden. Zum Gedenken an sie sind dort Stolpersteine verlegt worden. Bewohner namens Hartmann sind nicht darunter.
In ihre Vermögenserklärung, die sie vor der Deportation abgeben musste, diktierte Henriette Harris am 24.12.1942 auf die Frage „Welche Familienangehörigen wandern mit aus?“: „Tochter“. Tatsächlich war dieses Dokument am Heiligen Abend ausgefüllt worden. Am 9. Januar 1943 hielt sie sich jedenfalls im Jüdischen Altersheim Gerlachstraße 21 auf. Offenbar hatte sie dort noch einen Heimplatz gefunden. Am 12. Januar 1943 wurde sie jedoch vom Bahnhof Grunewald ins Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie an ihrem 82. Geburtstag eintraf und am 22. März ums Leben kam.
Henriette und Regina Harris hatten von ihrem Ererbten oder Ersparten wahrscheinlich gut leben können. Erhalten ist ein Schreiben der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, die damals den für Deportationen zuständigen Nazi-Behörden unterstand, an den Oberfinanzpräsidenten Berlin/Brandenburg vom 29.8.1944: „Henriette Harris hat mit uns anläßlich ihrer Abwanderung einen Heimeinkaufsvertrag geschlossen und zur teilweisen Erfüllung des Vertrages den halben Anteil der Darlehenshypothek an den Bankier Otto Scheurmann abgetreten.“ Der Hypothekenbrief sei aber nicht aufzufinden. Unterschrieben ist dieser Brief von Dr. Hugo Ehrlich. Was genau dahinter steckte, ist nur zu vermuten.
Ein Formular der Deutschen Bank, Zweigstelle Kurfürstendamm 92, listet das Vermögen von Henriette Harris auf. Demnach hatte sie auf dem Konto etwa 3 300 Reichsmark (RM) und Aktien im Wert von 9 500 RM. Bei der Union und Rhein Versicherungs AG hatte sie eine Police über 6 000 RM. Im Grundbuch waren außerdem eine halbe Hypothek auf ein Grundstück der Molkereibesitzerin Anna Höke, Berlin-Buchholz, Berliner Straße 46, in Höhe von 5000 Reichsmark und zwei Hypotheken für einen Rechtsanwalt Ernst Gothe in Rüdersdorf bei Berlin von 2 000 RM und einen Gottlieb Finke in Altlandsberg bei Berlin von 2 997,58 RM eingetragen.
Die Versicherungssumme der „außerhalb des Reichsgebiets abgeschobenen Jüdin Harris“ und die anderen Guthaben einschließlich der Grundschuld von Anna Höke sind am 11.1.1943 „durch Verfügung des Geheimen Staatspolizeiamts zugunsten des Deutschen Reichs einzogen worden“. In diese Zeit fällt auch eine Anfrage der Union und Rhein beim OFP, woher sie „den fällig gewesenen Jahresbeitrag für eine Hausratversichrung von 6,60 RM“ bekommen könne. Zahlreiche Finanz- und Justizbeamte und das Amtsgericht Pankow waren daran beteiligt, sich des Vermögens der Harris-Frauen zu bemächtigen.
Die mit ihrer Mutter zusammen lebende Regina Harris, geboren am 21. April 1890 in Briesen, war unverheiratet. Über ihr Leben ist nichts bekannt.
Am 11.1.1943 befand sie sich im Sammellager im ehemaligen Jüdischen Altersheim an der Großen Hamburger Straße 26. Tags darauf wurde sie – am gleichen Tag wie ihre Mutter Henriette, aber mit einem anderen Zug – vom Gleis 17 des Bahnhofs Grunewald im Alter von 52 Jahren ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert.
Obergerichtsvollzieher Krönert, Friedenstraße 11, hielt fest: „Von der Untermieterin Harris befinden sich keine Sachen mehr hier. Nach Angabe der Hauswartin ist der Rest der Habe von der Harris mitgenommen worden. Die Einrichtungsgegenstände gehörten nach Angaben der Hauswartin dem Vermieter Hartmann.“ Regina Harris hatte über etwas Vermögen verfügt: Wertpapiere, eine Versicherung bei der Reichsversicherung für Angestellte und eine halbe Hypothek (die andere Hälfte hatte ihre Mutter) auf ein Grundstück der Molkereibesitzerin Anna Höke in Berlin-Buchholz über 5 000 RM. Alles wurde eingezogen. Sie wurde umgebracht.
Text und Recherche: Helmut Lölhöffel

Link zu: Stolperstein Regina Harris, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
Stolperstein Regina Harris, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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HIER WOHNTE
REGINA HARRIS
JG. 1890
DEPORTIERT 12.1.1943
ERMORDET IN
AUSCHWITZ

Link zu: Stolperstein Jenny Manneberg, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
Stolperstein Jenny Manneberg, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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HIER WOHNTE
JENNY MANNEBERG
GEB. HARRIS
JG. 1859
DEPORTIERT 26.6.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.10.1944
AUSCHWITZ

Im selben Haus wie Henriette und Regina Harris wohnten Jenny Manneberg, geb. Harris, und deren Tochter Katharina, die „Käte“ gerufen wurde. Jenny Manneberg und Henriette Harris waren Schwägerinnen. Von den Männern, die offenbar beide vor 1939 gestorben waren, ist nichts bekannt. Jenny Manneberg wurde am 26. Juni 1859 im westpreußischen Strasburg (Brodnica), südlich von Elbing (Elblag), geboren. Katharina Manneberg ist am 31. März 1893 im sächsischen Zittau geboren, sie war unverheiratet. Über beide ist nichts mehr herauszufinden, es existiert nur noch eine Karteikarte mit den Lebens- und Todesdaten.
Eines Tages im Juni 1942 wurden sie abgeholt und in einem geschlossenen Transporter unächst in die Große Hamburger Straße 26 gefahren, wo früher ein Jüdisches Altersheim gewesen war, das die Nazis seit Anfang Juni geräumt und als Registrierungsstelle für die zur Deportation vorgesehenen Jüdinnen und Juden eingerichtet hatten. Von hier wurden die beiden Frauen anderntags morgens um 5 Uhr mit einem Sonderwagen der Straßenbahn zum Anhalter Bahnhof gefahren und in einen mit 50 Menschen voll besetzten normalen Personenwagen getrieben, der an den fahrplanmäßigen Zug über Dresden nach Prag angehängt wurde. Am frühen Abend trafen sie in dem seit November 1941 errichteten Ghetto in Theresienstadt ein, wo sich schon mehr als 50 000 Menschen auf engstem Raum drängten. Es war der 26. Juni 1942 – der 83. Geburtstag von Jenny Manneberg.
Zwei Jahre lang mussten sie erleiden, wie Theresienstadt immer voller und unerträglicher wurde und wie Tausende nach und nach verschwanden. Am 28. Oktober 1944 wurden auch Jenny und Katharina Manneberg in einen Zug gesteckt, der wie viele andere ins Vernichtungslager Auschwitz rollte. Dort sind sie umgebracht worden.

Link zu: Stolperstein Katharina Manneberg, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
Stolperstein Katharina Manneberg, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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HIER WOHNTE
KATHARINA
MANNEBERG
JG. 1893
DEPORTIERT 26.6.1942
THERESIENSTADT
ERMORDET 28.10.1944
AUSCHWITZ

Link zu: Stolperstein Rudolf Augustin, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
Stolperstein Rudolf Augustin, Foto: A. Bukschat & C. Flegel, 22.07.2012
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HIER WOHNTE
RUDOLF AUGUSTIN
JG. 1919
KRIEGSDIENST VERWEIGERT
ZUM TOD VERURTEILT
VERWEIGERUNG WIDERRUFEN
STRAFBATTALLION
TOT IN GEFANGENSCHAFT
MOSHGA / RUSSLAND
12.11.1944

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Urteil Rudolf Augustin Seite 1
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Rudolf Augustin ist am 29. September 1919 in Berlin geboren. Aus verschiedenen Quellen, hauptsächlich Akten des Reichskriegsgerichts aus dem Militärarchiv Prag, lässt sich über das Leben dieses Mannes, der aus religiöser Überzeugung den Kriegsdienst verweigerte und deshalb von den Nazis mit 25 Jahren in den Tod geschickt wurde, einiges rekonstruieren.
Er hat eine Schlosserlehre gemacht und war als Autoschlosser tätig. Mit 13 Jahren trat er aus der evangelischen Kirche aus und beschäftigte sich später mit der Lehre der Bibelforscher, denen sein Vater, von Beruf Maurer, angehörte.
Mit Kriegsbeginn 1939 wurde Rudolf Augustin Soldat in Frankreich, er gehörte dem Infanterie-Regiment 338 in Lübben an. Danach wurde er mehrfach „unabkömmlich“ gestellt, weil er als Schlosser in der Rüstungsindustrie gebraucht wurde. Am 2.12.1943 wurde er allerdings erneut einberufen in das Grenadier-Ersatz-Bataillon 67 in Spandau. Augustin lehnte aber die Einkleidung und den Empfang von Waffen ab, verweigerte also den Wehrdienst.
Im Dezember 1943 wurde er deshalb vor dem Reichskriegsgericht in Torgau angeklagt und am 15.2.1944 zum Tode verurteilt. Die Bestätigung des Urteils erfolgte am 25.2.1944. Wenige Tage später, am 1.3.1944, bat Rudolf Augustin in Todesangst und unter Druck um Wiederaufnahme des Verfahrens und kündigte an, er wolle seine Verweigerung „ohne jeden Vorbehalt“ zurücknehmen. Daraufhin wandelte das Reichskriegsgericht am 8.3.1944 das Todesurteil in eine Gefängnisstrafe von vier Jahren „wegen Zersetzung der Wehrkraft“ um. Am 16.3.1944 wurde die Strafe „zur Feindbewährung ausgesetzt“ – dies war die Umschreibung dafür, dass er als „Kanonenfutter“ an die Kriegsfront abkommandiert wurde.
Die Einheit, zu der er nach Russland versetzt wurde, ist nicht bekannt. Seit dem 11.7.1944 galt Rudolf Augustin jedenfalls als „vermisst“. Als 2006 die Kriegsgräberfürsorge russische Archive zugänglich gemacht wurden, ließ sich aus einer Karteikarte ablesen, dass Rudolf Augustin in russische Kriegsgefangenschaft geraten war und am 12. November 1944 in Moshga/Udmurtien „verstorben“ sei. Eine Todesursache ist nicht vermerkt. Sein Grab befindet sich in Moshga I am Ural in Russland.
Recherche und Text: Dirk Leicher

Link zu: Urteil Rudolf Augustin Seite 2
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Urteil Rudolf Augustin Seite 3
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