HIER WOHNTE
EMMY GOTTHEINER
GEB. BLUMENTHAL
JG 1890
DEPORTIERT 14.11.1941
ERMORDET IN
MINSK
Emmy Dora Gottheiner geborene Blumenthal wurde am 1. Januar 1890 als jüngeres von zwei Kindern in Berlin geboren. Ihre Eltern, der 45-jährige Kaufmann Max Blumenthal (* 5. Oktober 1845) und die 29-jährige Rahle Rosa Lippfeldt (* 15. April 1861), hatten am 31. Mai 1884 in Berlin geheiratet. Berthold, ihr erstes Kind, kam vier Jahre vor Emmy am 26. Februar 1886 zur Welt.
Es ist anzunehmen, dass Emmy und Berthold eine höhere Bildung genossen. Berthold studierte nach Abschluss des Gymnasiums in Genf und Berlin Rechtswissenschaften und promovierte zum Doktor der Rechte. Emmy blieb, wie es damals in diesen Kreisen üblich war, ohne Beruf und wohnte bei ihren Eltern in der Prinzregentenstraße 7 in Berlin-Wilmersdorf.
Am 10. Juli 1920 heiratete ihr Bruder Grete Klempner (* 10. Dezember 1897) aus Dirschau (Tczew, Polen). Sie wurden Eltern zweier Söhne, Kurt Wolfgang (* 4. Mai 1921) und Heinz Werner (* 2. Mai 1926), und wohnten in der Joachim-Friedrich-Straße 56 in Berlin-Halensee.
Wann und wo Emmy Max Gottheiner kennengelernt hat, ist nicht bekannt. Sie heirateten am 23. August 1921. Max war damals 38 Jahre und Emmy 31 Jahre alt. Sie zog zu ihm in die Vorbergstraße 14 in Berlin-Schöneberg, wo er als selbstständiger Verleger auch seine Verlagsanstalt führte.
Am 9. Oktober 1922 wurden Max und Emmy Eltern ihrer Tochter Ilse Ruth. Die Familie Gottheiner wohnte von ca. 1924 bis 1935 am Südwestkorso 72 im II. Aufgang, II. Stock in Berlin-Friedenau. In der Prinzregentenstraße 7, der Wohnanschrift von Emmys Eltern, betrieb Max Gottheiner von 1925 bis 1934 eine Verlagsbuchhandlung im III. Stock des Wohnhauses.
1930 ließen sich Emmys Bruder Berthold und Grete scheiden. Berthold heiratete noch im gleichen Jahr Paula Geismar. Diese Ehe wurde nach vier Jahren geschieden. 1939 heiratete er zum dritten Mal. Seine dritte Ehefrau hieß Hertha Heymann geschiedene Philipp (* 27. August 1889).
Die Berliner Adressbücher von 1936 bis 1939 führten Max Gottheiner mit dem Zusatz „Berliner Buchhandlung am Nikolsburger Platz 2“.
Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 wohnten nur noch Emmy und Max am Nikolsburger Platz 2. Ihre 17-jährige Tochter Ilse Ruth hatten sie mit dem Kindertransport Anfang 1939 nach England geschickt. Zunächst wurde sie, die sich in England Tilli nannte, einer unverheirateten Quäkerin zugeteilt, was sich als ziemlich ungeeignet herausstellte. Dorothy und Alan Burtt luden sie deshalb in ihre Familie in York ein und ermöglichten ihr den Besuch der Quäker-Mädchenschule Mount School.
Auch ihr Neffe Kurt ging Anfang 1939 mit einem Kindertransport nach London, von wo er am 17. Februar 1939 mit einem Schiff über Hongkong nach Australien weiterreiste, um dort als Landarbeiter zu arbeiten. Sein jüngerer Bruder Heinz blieb bei seinem Vater und seinen Großeltern, die seit 1936 in der Prinzregentenstraße 81 wohnten. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war Emmys Bruder Berthold zusammen mit seinem Sohn Heinz in ihrer Nähe in der Eisenacher Straße 30 im IV. Stock in Berlin-Schöneberg gemeldet.
Emmys Vater Max Blumenthal starb am 9. September 1939 mit 94 Jahren an einer akuten Herzlähmung in seiner Wohnung in der Prinzregentenstraße 81.
Ihre Schwägerin Grete, die zuletzt 1939 bei der „Minderheiten-Volkszählung“ in der Landesanstalt Eberswalde (Heil- und Pflegeanstalt) gemeldet war, wurde im Rahmen der Euthanasie (Krankenmord) höchstwahrscheinlich schon 1940 umgebracht. Um diesen Tod zu verschleiern, wurde fiktiv als Todesdatum der 5. Februar 1941 im Konzentrationslager Lublin angegeben.
Emmys Bruder Berthold starb am 7. Februar 1941 kurz vor seinem 55. Geburtstag an Magenkrebs. Seiner dritten Ehefrau Hertha Blumenthal gelang die Flucht nach Schweden.