Stolpersteine Nikolsburger Platz 1

Link zu: Hauseingang Nikolsburger Platz 1, 10.06.2012
Hauseingang Nikolsburger Platz 1, 10.06.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

Diese Stolpersteine wurden am 29.04.2012 verlegt.

Link zu: Stolperstein Helmut Theodor Winkler, 10.06.2012
Stolperstein Helmut Theodor Winkler, 10.06.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
HELMUT THEODOR
WINKLER
JG 1909
FLUCHT 1940 HOLLAND
INTERNIERT WESTERBORK
DEPORTIERT 1942
AUSCHWITZ
ERMORDET 31.12.1942

Helmut Theodor Winkler wurde am 19. Juli 1909 in Berlin geboren. Sein Vater hieß Heinrich Jacob, seine Mutter Pauline Olga Winkler geb. Bromberg, geboren am 16. Mai 1879 in Königsberg. Er lebte in Berlin am Nikolsburger Platz 1. Von Beruf war er Holzexporteur, im Adressbuch ließ er sich als „Holzhändler“ eintragen. Offenbar war er unvrfheiratet.

Am 14. März 1940 flüchtete er und versuchte sich in Holland vor der Judenverfolgung der Nationalsozialisten zu retten. Bei der Volkszählung 1939 wurde er in Berlin als „verzogen“ registriert Er versteckte sich in Amsterdam. Jedoch wurde er, als Holland von den Deutschen besetzt wurde, geschnappt und am 17. September 1942 ins Internierungslager Westerbork verschleppt. Tags darauf, am 18. September 1942, wurde er dann mit 1004 Menschen nach Auschwitz deportiert. Dort wurde er am letzten Tag des Jahres, am 31. Dezember 1942, ums Leben gebracht.

Sein Bruder Harry I. Winkler, der nach New York flüchten konnte, schrieb 1974 ein Gedenkblatt. Dessen Tochter Bea Winkler Bayer aus New York hat 2000 ein Gedenkblatt für den Onkel und für ihre Großmutter Pauline angelegt und ebenfalls in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hinterlegt.

Das Bundesarchiv gab an, Helmut Theodors Mutter Pauline Olga sei am 22. Januar 1939 in die Niederlande emigriert, am 18. September 1942 von Westerbork nach Auschwitz deportiert und am 21. September 1942 ermordet worden. Wo sie in Berlin wohnte, konnte nicht nachgewiesen werden.

Eine andere Verwandte, Edith Narzissenfeld, geb. Schiffler, verwitwete Winkler, die auch in New York lebte, hat bis 1971 in Berlin Entschädigungsanträge für Gold, Silber, Schmuck und Hausrat gestellt.
Texte: Stolpersteine-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf. Quellen: Bundesarchiv Potsdam, Zentralarchiv Yad Vashem Jerusalem, Entschädigungsamt in Berlin.

Link zu: Stolperstein Louise Stock, 10.06.2012
Stolperstein Louise Stock, 10.06.2012
Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Bukschat&Flegel

HIER WOHNTE
LOUISE STOCK
JG. 1894
DEPORTIERT 17.3.1943
AUSCHWITZ IN
ERMORDET

Louise Stock, die am 24. Januar 1894 in Hamburg geboren ist, war Kontoristin in der Statistischen Abteilung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland, und zwar nach eigenen Angaben „unbesoldet“. Sie war ledig und lebte am Nikolsburger Platz 1 in Wilmersdorf, wo sie – für damalige Verhältnisse auffallend – zwei Zimmer mit Korridor, Bad und WC, Küche, Warmwasser und Zentralheizung für „monatlich 110 Reichsmark incl.“ gemietet hatte. Hausverwalter war ein Herr Schuch in der Martin-Luther-Straße in Schöneberg.

So hat sie es selbst in ihre im Brandenburgischen Landeshauptarchiv in Potsdam verwahrten Vermögenserklärung eingetragen, die sie am 10. Mai 1943, eine Woche vor ihrer Deportation ins Vernichtungslager Auschwitz, ausfüllen und abgeben musste. Außer ihren Möbeln und den Haushaltsgegenständen hatte sie kein Vermögen anzugeben. Immerhin wurde das Inventar ihrer Wohnung in einem Schätzungsblatt des Oberfinanzpräsidenten, unterzeichnet von einem Obergerichtsvollzieher, mit 1 166,30 Reichsmark bewertet, darunter ein moderner Elektrolux-Gaskühlschrank, der auf 120 RM taxiert wurde. Von der Gesamtsumme kassierte die Vermögensverwertungsstelle bim Oberfinanzpräsidenten von Berlin-Brandenburg 1 026 RM. Wo der Rest und wo die Gegenstände blieben, ist nicht ersichtlich.

Jedenfalls gab es nach der Deportation von Louise Stock noch eine mehrere Monate dauernde schriftliche Auseinandersetzung: Die Grundstücks- und Vermögensverwaltung Erich Schuch, Viktoria-Luise-Platz 9, trieb „auf Drängen des Eigentümers“, eines Hauptmanns Kliefoth, „der im Felde steht“, für Juni bis Oktober 660 Reichsmark rückständige Miete beim Oberfinanzpräsidenten ein. Dieser wollte offensichtlich zunächst nicht zahlen und musste mehrfach vom Verwalter Schuch gemahnt werden. Schließlich wurden am 24.1.1944, groteskerweise am 50. Geburtstag von Louise Stock, 550 RM und am 24.2.1944 die restlichen 110 RM überwiesen.

Inzwischen war das Haus am Nikolsburger Platz 1 in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 zerstört – wie es im damaligen Sprachgebrauch hieß: „durch Feindeinwirkung vernichtet“ – worden. Eine der einstigen Bewohnerinnen, Louise Stock, war wahrscheinlich zu diesem Zeitpunkt schon in den Gaskammern von Auschwitz getötet worden.